Archiv für Februar, 2017

Abgek. Wrt.-Zusammenstzg.

Der Titel könnte nahelegen, dass man der Verständlichkeit halber nicht allzu viel abkürzen sollte. Das ist zwar wahr, aber manchmal geht es eben aus Platzmangel nicht anders. Wie man dann abgek. Wrt.-Zusammensetzg. oder abgekürzte Wortzusammensetzungen schreiben sollte, zeigt der heutige Eintrag anhand von Herrn Q.s Frage:

Frage

Ich habe eine Frage bezüglich Abkürzungen bei zusammengesetzten Wörtern. Meine Frage betrifft die Punkt- und Bindestrichsetzung bei Wörtern, die an zwei Stellen abgekürzt werden. Außerdem, ob der zweite Teil mit einem Groß- oder Kleinbuchstaben beginnt.

Hier einige Beispiele, die aufgrund von Platzmangel abgekürzt werden müssen:

Verbindungseinstellungen
Speicherkarte
Betreibermenü
Telefonnummer

Ich bin immer davon ausgegangen, dass man z. B. bei meinem ersten Beispiel wie folgt abkürzt: „Verbind.-einstellungen“ oder „Verbind.-einstell.“.

Antwort

Sehr geehrter Herr Q.,

nach § 40.2 der amtlichen Rechtschreibregelung schreibt man Zusammensetzungen mit Abkürzungen mit einem Bindestrich. Weiter schreibt man nach § 55.2 dieser Regelung Substantive in Zusammensetzungen mit Bindestrich groß. Die „amtlichen Beispiele“ sind unter anderen Abt.‑Leiter (Abteilungsleiter) und Inf.‑Büro (Informationsbüro).

Für Ihre Beispiele bedeutet dies, dass beispielsweise diese Abkürzungen möglich sind:

Verbind.-Einstellung
Sp.-Karte
Betr.-Menü
Telefon-Nr. oder  Tel.-Nummer

Wenn diese Abkürzungen immer noch zu lang sind, so dass auch der zweite Teil ein paar seiner Buchstaben verlieren muss, gilt dasselbe: Bindestrich und großer Anfangsbuchstabe bei Substantiven:

Vebind.-Einst.
Sp.-Krt.
Betr.-M.
Tel.-Nr.

Das entsprechende Beispiel in der amtlichen Rechtschreibregelung § 40.2 ist übrigens Abt.-Ltr.

Vor allem in Fachsprachen und betriebs- oder institutionsinternen Regelungen findet man übrigens ganz andere, zum Teil sehr abenteuerlich anmutende Abkürzungen. Ein bekannteres Beispiel ist BaföG (Bundesausbildungsförderungsgesetz). Weniger bekannt dürfte ZivHaftBkÖlVerschmSchÜbk (Übereinkommen über die zivilrechtliche Haftung für Schäden durch Bunkerölverschmutzung) sein. Das ist wie immer, wenn es um Rechtschreibung geht, natürlich nicht verboten. Die hier aufgezeigte Regel sollten Sie einfach dann beachten, wenn Sie sich allgemein an die amtliche Regelung halten wollen oder müssen.

Und kürzen Sie in allgemeineren Texten der Leserschaft zuliebe nur dort ab, wo es auch nötig ist! Statt M. f. G. schreibe ich deshalb lieber

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Posaunt, prophezeit und miaut

Die Antwort ist ganz einfach, man muss sie nur kennen. Hätten Sie die folgende Frage spontan beantworten können?

Frage

Warum wird das Präfix ge- mit dem Partizip II des Verbes »miauen« nicht benutzt? Alle sagen, dass es kein Wort »gemiaut« gibt, dieses Verb hat aber kein -ieren oder untrennbares Präfix, und alle andere Tierlautverben haben diese ge- im Partizip II. Warum ist »miauen« so speziell?

Antwort

Guten Tag S.,

an der Bedeutung kann es tatsächlich nicht liegen. Im Tierreich wird gebellt, gewiehert, gemuht, gegrunzt, geblökt, gemeckert, gefaucht, gequakt, geschnattert, gezwitschert, gegurrt, gezirpt ja sogar geiaht, nur von Katzen wird ohne ge miaut.

Es liegt an der Form, genauer gesagt an der Betonung: Das Partizip II wird dann ohne ge gebildet, wenn der Verbstamm nicht auf der ersten Silbe betont ist. Das ist der Fall:

bei Verben mit untrennbarem Präfix
begreifen/begriffen, entzünden/entzündet, erklären/erklärt, durchqueren/durchquert, unterschreiben/unterschrieben

bei Verben mit der Endung ier(en)
agieren/agiert, importieren/importiert, funktionieren/funktioniert, philosophieren/philosophiert

bei einigen wenigen anderen Verben**
posaunen/posaunt, prophezeien/prophezeit, trompeten/trompetet

Das Verb miauen gehört zur dritten Gruppe. Da sein Stamm nicht auf der ersten, sondern auf der zweiten Silbe betont ist, hat das Partizip II kein Präfix ge:

miauen/hat miaut

Siehe auch hier.

Bei der Beantwortung dieser Frage ist mir aufgefallen, dass diese Regel auch für meinen Dialekt gilt und dass sie beim Verb miauen zu einer anderen Partizipform führt. Das Verb miauen wird in meiner Mundart nämlich auf der ersten Silbe betont: miaue (weil Katzen bei uns nicht miau sondern miau machen?). Entsprechend heißt es dann auch: D Chatz hät gmiauet.

Doch das ist eine andere Geschichte. Im Allgemeindeutschen miauen die Katzen, und weil wir das auf der zweiten Silbe betonen, haben sie miaut.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

**Natürlich gibt es immer auch Ausnahmen: benedeien/gebenedeit oder benedeit.

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Ort Komma Datum

Eigentlich ist es ganz einfach, aber die heute behandelte Frage zeigt, dass man immer wieder und fast überall ins Zweifeln geraten kann:

Frage

Ich habe eine Frage zur Kommasetzung! In einem Brief wollen wir keine direkte Datumsangabe nennen, sondern „Bayreuth, im März 2017“ schreiben. Muss nach Bayreuth ein Komma stehen?

Antwort

Sehr geehrte Frau S.,

bei einer Datumsangabe in einem Brief o. Ä. setzt man zwischen der Orts- und der Datumsangabe ein Komma:

Bad Kreuznach, den 21. Februar 2017
Bamberg, 21. Feb. 2017
Basel, 21.02.17
Bautzen, am 21.12.2017

Das gilt auch bei ungenaueren Angaben wie diesen:

Bozen, im Frühjahr 2017
Bregenz, Anfang 2017
Bayreuth, im März 2017

Das Komma nach der Ortsangabe sollte also immer gesetzt werden. Sonst gibt es, wie man sieht, eine recht große Freiheit. Nur die Verwendung von dem gilt als falsch. Also besser nicht Berlin, dem 21. Februar 2017.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Voller

Frage

Welche Wortart ist „voller“ in der Bedeutung „voll mit“ bzw. „voll von“, wie in zum Beispiel folgendem Kontext: „Er betrat einen Raum voller Kunstgegenstände“ ?

Antwort

Sehr geehrte Frau B.,

voller ist hier eine erstarrte Genitivform von voll, die manchmal zu den Präpositionen gerechnet wird, manchmal aber auch wie voll in gleicher Stellung zu den Adjektiven. Es gibt Argumente für und gegen beide Interpretationen. Dass voller irgendwo dazwischen liegt, zeigen andeutungsweise diese beiden Vergleiche:

ein Raum voller Kunstgegenstände
ein Raum ohne Kunstgegenstände

ein Raum voller Kunstgegenstände
ein Raum voll Kunstgegenstände

Allein stehende Substantive werden nach „voller“ im Nominativ resp. ungebeugt verwendet:

ein Raum voller Kunstgegenstände
Die Bäume waren voller Vögel
Sie sah mich voller Misstrauen an

Tritt ein Adjektiv hinzu, verwendet man den Genitiv:

ein Raum voller interessanter Kunstgegenstände
Die Bäume waren voller zwitschernder Vögel
Sie musterten einander voller gegenseitigen Misstrauens

Häufiger als voller wird einfach voll verwendet. Dabei gibt es eine erstaunliche Variantenvielfalt. Hier nur ein paar Beispiele:

ein Raum voll Kunstgegenstände
ein Raum voll von/mit Kunstgegenständen
ein Raum voll neuer Kunstgegenstände
ein Raum voll neuen Kunstgegenständen
ein Raum voll von/mit neuen Kunstgegenständen

Wer versucht, diese Situation in einfacher Weise zusammenzufassen, sieht bald einmal vor lauter Formen die Regel nicht mehr. Auch hier zeigt sich das Deutsche als eine Sprache voll/voller/voll von Varianten.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Groß und klein bei der Augenfarbe

Frage

Wie lautet die richtige Schreibweise?

Seine Augenfarbe ist blau.
oder
Seine Augenfarbe ist Blau.

Antwort

Gute Tag H.,

Beide Schreibungen sind möglich, weil man Augenfarbe und blau in unterschiedlicher Weise miteinander kombinieren kann:

die blaue Augenfarbe
die Augenfarbe Blau

Entsprechend gibt es auch für Ihren Satz zwei Möglichkeiten:

Seine Augenfarbe ist Blau. (Was ist seine Augenfarbe?)
Seine Augenfarbe ist blau. (Wie ist seine Augenfarbe?)

Ich würde hier die Großschreibung wählen, aber die Kleinschreibung ist, wie gesagt, auch vertretbar.

Ihre Frage hat bei mir noch eine andere Frage aufgerufen: Warum bin ich selbst noch nie über diese Frage gestolpert, die mich auch verunsichert hat? Ich vermute, dass es daran liegt, dass es eine unübliche Formulierung ist. Ich würde nämlich viel eher eine Formulierung wie diese wählen:

Seine Augen sind blau.
Er hat blaue Augen.

Wenn man ein Farbadjektiv verwendet, geht es sehr häufig auch ohne das Wort Farbe.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Muttersprachige, Muttersprachler und Muttersprachlerinnen

Frage

Neulich habe ich bemerkt, dass Sie „Muttersprachige“ statt der längeren Formulierung „Muttersprachlerinnen und Muttersprachler“ verwenden. Das Wort „Muttersprachige“ hat mir so gefallen, dass ich es verwendet und dabei diese komische Reaktion geerntet habe: „Das Wort gibt es nicht!“ Ich habe vermutet, „Muttersprachige“ wäre eine Substantivierung des Adjektivs „muttersprachig“, kann das Adjektiv aber in keinem meiner Wörterbücher finden. Hinken die Wörterbücher ­– und einige Muttersprachler – bloß hinterher?

Antwort

Sehr geehrter Herr M.,

dass es den Begriff muttersprachig nicht gebe, kann nur behaupten, wer meint, dass es Wörter nur dann gibt, wenn sie im Wörterbuch stehen. Das Wort wird verwendet (in der Schweiz vielleicht etwas häufiger als anderswo). Es passt gut in die Reihe von Wortbildungen wie:

deutschsprachig – die Deutsche Sprache sprechend
(ebenso: französischsprachig, englischsprachig usw.)
zweisprachig – zwei Sprachen sprechend
mehrsprachig – mehrere Sprachen sprechend
anderssprachig – eine andere Sprache sprechend
fremdsprachig – eine Fremdsprache sprechend

Es ist aber tatsächlich kein häufig vorkommendes Wort. Ich verwende es, um die umständliche Formulierung Muttersprachler und Muttesprachlerinnen zu umgehen. Das ist vor allem dann sehr praktisch, wenn es gegenüber Deutschlerndende oder Fremdsprachige steht. Das in Wörterbüchern aufgeführte muttersprachlich eignet sich weniger für diesen Zweck, weil die Adjektive auf -sprachlich in der Regel bedeuten: in einer gewissen Sprache geäußert, verfasst.

Die Verwendung von Muttersprachige im Sinne von Muttersprachler und Muttersprachlerinnen ist nicht sehr verbreitet. Ich verwende es aber trotzdem, weil es so schön praktisch und leicht verständlich ist. Und ich finde es auch nicht hässlicher als zum Beispiel Studierende und Steuerzahlende. Ob es sich einmal in den Wörterbüchern etablieren wird, weiß ich natürlich nicht.

Mit freundlichen Grüße

Dr. Bopp

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Der Mut, die Anmut und die Demut

Frage

Laut Duden stammen „der Mut“, „die Anmut“ und „die Demut“ alle vom mittelhochdeutschen, althochdeutschen „muot“. Normalerweise würde ich denken, dass das Genus gleich sein muss, wie bei anderen komplexen Nomen üblich ist. Warum hier nicht.

Antwort

Sehr geehrter Herr D.,

im Prinzip haben präfigierte und zusammengesetzte Nomen das gleiche Geschlecht wie das (rechte) Basiswort.

der Eierlöffel wie der Löffel
die Astgabel wie die Gabel
das Hackmesser wie das Messer
der Unterteller wie der Teller

So ist das im Prinzip auch bei Wortbildungen, in denen Mut am Schluss steht:

der Edelmut, der Hochmut, der Lebensmut, der Löwenmut,  der Opfermut, der Heldenmut, der Todesmut, der Übermut, der Wagemut, der Wankelmut wie der Mut

Bei die Anmut und die Demut ist dem aber tatsächlich nicht so. Das lässt sich teilweise dadurch erklären, dass diese beiden Wörter keine direkten Ableitungen von Mut sind, auch wenn sie auf den ersten Blick so aussehen.

Demut ist eine weibliche Abstraktbildung zu einem alten Adjektiv, das die Bedeutung demütig hatte. Sehr vereinfachend ausgedrückt ging die Ableitung also so vor sich: Mut → demütig → Demut.

Die genaue Herkunft von Anmut ist ungeklärt. Es wird vermutet, dass es eine Rückbildung zu anmutig ist, das wiederum von anmuten kommt. Auch hier eine vereinfachende Darstellung der Ableitungsgeschichte: Mut → anmuten → anmutig → Anmut.

Wie man sieht, ist die Ableitungsgeschichte hier nicht ganz so gradlinig, wie man es der Form der Wörter nach vermuten würde. Damit lässt sich der Unterschied beim Wortgeschlecht teilweise erklären – jedenfalls besser als mit der manchmal nicht einmal humoristisch gemeinten hobbywortgeschichtlichen Feststellung, Mut sei eine männliche Eigenschaft und Anmut und Demut seien weibliche Tugenden. Was müsste man dann von der Unverstand  und die Intelligenz halten?

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp


Die entsprechenden etymologischen Angaben finden Sie unter anderem im DWDS, jeweils unter dem Abschnitt „Etymologie“:

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Verlängern vs verkürzen

Frage

Wenn ich aus Adjektiven Verben machen will, sieht das doch oft so aus:

groß größer vergrößern
klein kleiner verkleinern
gut besser verbessern
lang länger verlängern
aber: kurz kürzer verkürzen!

Wo ist das R geblieben und warum ist es verschwunden?

Antwort

Sehr geehrter Herr Z.,

allzu konsequent sieht das tatsächlich nicht aus – und ich fürchte, dass ich Ihnen eine wirklich befriedigende Antwort schuldig bleiben muss.

Verschwunden ist hier nicht ein r, sondern das er, dass bei Adjektiven den Komparativ (die Höherstufe) angibt. Wenn ein Verb von einem Adjektiv abgeleitet wird, das eine bestimmte Eigenschaft ausdrückt, und wenn das Verb die Bedeutung hat, dass diese Eigenschaft intensiviert wird, ist häufig die Komparativform des Adjektivs die Basis:

anreichern = reicher machen
verbreitern= breiter machen

Ebenso zum Beispiel:

bereichern, verallgemeinern, verbessern, verfeinern, vergrößern, verkleinern, verlängern, verschlechtern, verschlimmern, verschmälern, verwildern, zerkleinern

Das ist aber nicht immer der Fall. Manchmal ist trotz der Verbbedeutung x-er machen nicht die Komparativform x-er die Basis, sondern einfach nur x. Das ist zum Beispiel bei den folgenden Verben der Fall:

eindicken = dicker machen
verjüngen = jünger machen

einengen, verbilligen, verdichten, verdünnen, verfrühen, verhässlichen, verjüngen, verlangsamen, vertiefen

Manchmal gibt es sogar beide Formen:

verengen – verengern
verschönen – verschönern

Warum manchmal die Komparativform und manchmal die einfache Form als Basis für solche Verben dient, lässt sich kaum erklären. In gewissen Fällen spielt die Form eine Rolle: Die Komparativform wird nicht gewählt, wenn ein Adjektiv auf unbetontes -er, -el, -ig, -lich endet (zum Beispiel verteuern, veredeln, verbilligen, vermenschlichen ). Sonst gibt es aber keine eindeutigen Kriterien. Richtig ist, was gebräuchlich ist.

Die Antwort auf die Frage, warum es gebräuchlich ist, kenne ich leider nicht. Insbesondere bei verlängern und verkürzen geben weder die Bedeutung noch die Form irgendeinen Hinweis auf die unterschiedliche Art der Verbbildung preis. Es tut mir leid, dass ich dieses Phänomen nicht weiter verdeutlichen kann.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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