Kosten und der doppelte Akkusativ (II)

Eine Frage, die schon vor längerer Zeit einmal behandelt wurde, wegen nicht nachlassender Popularität noch einmal:

Frage

„Fehler, die Autofahrer das Leben kosten können“ oder „Fehler, die Autofahrern das Leben kosten können“???

Antwort

Sehr geehrte Frau G.,

auf jeden Fall richtig ist die Konstruktion mit doppeltem Akkusativ:

Fehler, die Autofahrer das Leben kosten können

Häufig kommt daneben die Konstruktion mit Dativ und Akkusativ vor. Sie wird aber (noch?) nicht von allen als korrekt akzeptiert:

Fehler, die Autofahrern das Leben kosten können

Dass der Dativ hier die Neigung hat, den Akkusativ zu ersetzen, ist gar nicht so unverständlich. Es gibt nämlich nur sehr wenige Verben, die mit zwei Akkusativobjekten stehen können. Ein paar Beispiele:

Sie war sehr interessiert und fragte mich tausend Dinge.
Der Vater fragt/hört die Gymnasiastin die Lateinvokabeln ab.
Wir versuchen, die Kursisten gutes Deutsch zu lehren.
Diese Fehler können Autofahrer das Leben kosten.

Solche Verbkonstruktionen sind selten. Im Gegensatz dazu kommen Konstruktionen mit einem Dativ der Person und einem Akkusativ der Sache sehr häufig vor:

Sie gab ihm einen Euro.
Man schenkte mir keine Beachtung.
Der Kellner bot den Gästen einen Kaffee an.
Soll ich dir den Koffer abnehmen?
Wir versuchen, den Kursisten gutes Deutsch beizubringen.

Es ist deshalb nicht erstaunlich, dass die Verben mit doppeltem Akkusativ auch zu diesem Muster tendieren:

Der Vater fragt/hört der Gymnasiastin die Lateinvokabeln ab.
Wir versuchen, den Kursisten gutes Deutsch zu lehren.
Diese Fehler können Autofahrern das Leben kosten.

Die Formulierungen mit Dativ und Akkusativ statt des doppelten Akkusativs werden unterschiedlich bewertet. Strengere Grammatiker und Grammatikerinnen meinen, Sie seien falsch. Ich persönlich halte sie in vielen Fällen für vertretbar, empfehle aber denjenigen, die gegen jegliche Kritik gefeit sein möchten, hier den doppelten Akkusativ zu verwenden. (Er ist ja auch eine schöne, ungewöhnliche Konstruktion, die man sicher ein bisschen hegen und pflegen darf.)

Bei fragen geschieht übrigens etwas anderes. Dort tritt nicht der Dativ auf, sondern häufig die „konkurrierende“ Konstruktion nach etwas fragen:

Sie war sehr interessiert und fragte mich nach tausend Dingen.

Hoffentlich kostet Sie nun der Umgang mit dieser Verwendung von kosten etwas weniger Mühe.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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