Archiv für Juli, 2017

Wann wird zur Besprechung eingeladen?

Frage

Was halten Sie von der folgenden Formulierung?

Wir freuen uns, Sie am 7. August 2017 zu einer ersten Besprechung einzuladen.

Eigentlich würde „7. August 2017“ zur Besprechung gehören, und eingeladen wird ja schon jetzt, also zu dem Zeitpunkt, zu dem der Empfänger den Brief liest. Ist das zu streng argumentiert? Was denken Sie? Man findet die Formulierung zuhauf …

Antwort

Sehr geehrter Herr F.,

wenn man es genau nimmt, haben Sie recht. Logisch gesehen besser ist:

Wir freuen uns, Sie zu einer ersten Besprechung am 7. August 2017 einzuladen.

Wie Sie richtig bemerken, gehört das Datum zu Besprechung, das heißt, Besprechung und das Datum bilden hier zusammen einen Satzteil:

– Wozu laden wir ein?
– zu einer ersten Besprechung am 7. August

Wenn man die Datumsangabe von Besprechung trennt und im Satz an eine andere Stelle verschiebt, wird sie zu einer eigenständigen Adverbialbestimmung. Als solche bezieht sie sich dann auf das Verb der Infinitivgruppe, nämlich auf einzuladen:

– Wann laden wir ein?
–  am 7. August

Im Satz

 Wir freuen uns, Sie am 7. August 2017 zu einer ersten Besprechung einzuladen

wird also am 7. August eingeladen und nicht schon im Moment, in dem er geschrieben resp. gelesen wird. So weit die logisch-grammatische Sichtweise.

Eine Formulierung wie Sie am 7. August zu einer ersten Besprechung einzuladen kommt aber häufig vor und kann eigentlich zu keinen Missverständnissen führen. Mit viel gutem Willen könnte man weiter auch argumentieren, dass das Schreiben jetzt ankündigt, dass am 7. August eingeladen werden wird. Ich würde deshalb sagen, dass man sie „notfalls“ so stehen lassen kann, ohne dass gleich von einem großen Fehler gesprochen werden muss. Selbst würde ich aber die zweite, grammatisch und stilistisch bessere Formulierung verwenden: Sie zu einer ersten Besprechung am 7. August einzuladen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Be- und entfüllen?

Kommentar

Ich möchte Ihnen die Bedeutung des Wortes „entfüllen“ erklären. Für mich heißt es, dass etwas geleert wird. Also „befüllen“ und „entfüllen“.

Antwort

Sehr geehrter Herr S.,

man kann tatsächlich ein Verb entfüllen mit dieser Bedeutung bilden. Bei Ihrem entfüllen drückt ent- aus, dass etwas wieder rückgängig gemacht wird: entfüllen = etwas Gefülltes leer machen. Ebenso zum Beispiel:

entbürokratisieren, entwarnen

Häufig drückt ent- das Gegenteil von be- oder ver- aus:

entkleiden, entwaffnen,
entkrampfen, entzaubern

In Verbindung mit einem Substantiv und einer Verbendung drückt ent- aus, dass etwas entfernt wird:

entwalden, entrußen, entkernen

Mit bestimmten Verben hat ent- die Bedeutung weg-:

entfliehen, entreißen

In Verbindung mit Adjektiven kann ent- die Bedeutung so sein rückgängig machen haben:

entmündigen, entmutigen, entpersönlichen

Interessant ist, dass bei Adjektiven, die eine Abwesenheit beinhalten, ent- das Gegenteil der oben genannten Bedeutung von ent- auszudrückt, nämlich so werden lassen:

entblößen, entfremden, entleeren

Und mit dem letzten Beispielwort, entleeren, sind wir beim Grund, weshalb man das Verb entfüllen zwar bilden kann, es aber nicht gebräuchlich ist. Etwas vereinfach ausgedrückt: Da es bereits ein gebräuchliches Verb mit derselben Bedeutung gibt, nämlich entleeren, wird das Verb entfüllen nicht benötigt. Nicht alles, was man korrekt bilden kann, wird auch gebraucht.

Das Verb entfüllen ist also nicht falsch, es wird nur nicht verwendet. Und ich sage bewusst nicht nie. Vor allem in technischen Texten kommt es nämlich gelegentlich in der Kombination be- und entfüllen vor. Das ist so schön kurz und bündig und klingt wie be- und entladen.

Mein Sommerurlaub ist zu Ende. Aber hoffentlich liegen noch viele sommerliche Tage vor uns, so dass wir die aufblasbaren Schwimmbecken in den Gärten noch lange nicht entleeren oder – mit „Ihrem“ Verb ausgedrückt – entfüllen müssen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Abwesend

Der letzte Blogbeitrag liegt schon zehn Tage zurück. Das liegt unter anderem daran, dass ich schon ein Weilchen Urlaub habe. Es wird auch noch ein paar Tage dauern, bis ich mir wieder neue Schwielen an die Fingerspitzen tippen werde. Und weil der Regen gerade eben wieder aufgehört hat, wird diese verspätete Abwesenheitsmeldung auch nicht mehr länger.

Genießen Sie den Sommer!

Dr. Bopp

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Badeblume, Meerestau, königliches Kraut und andere aromatische Gewächse

Weil der Lavendel im Garten gerade so schön blüht, heute wieder einmal etwas Wortgeschichtliches.

Lavendel

 

Wie Sie vielleicht wissen, befällt mich hin und wieder die etymologische Neugier. Wieso heißt der Lavendel so, wie er heißt? Meine Französisch- und Italienischkenntnisse hatten mir schon eingeflüstert, dass der Name etwas mit laver resp. lavare (= waschen) zu tun haben könnte. Der Lavendel ist zurzeit zwar auch in nördlicheren Gebieten eine beliebte Gartenpflanze, aber er kommt ursprünglich doch aus südlicheren Gefilden, wo man laver und lavare sagt. Das würde dann ja passen.

Nach den Angaben der etymologischen Wörterbücher stimmt es sogar. Die Herkunft ist zwar unsicher, aber man nimmt an, dass es auf ein wahrscheinlich in Italien gebildetes lateinisches lavindula, lavendula zurückgeht, was ungefähr was zum Waschen dient bedeutete. Der Lavendel diente als wohlriechender Zusatz zum Wasch- oder Badewasser und verdankt seinen Namen wahrscheinlich dieser Tatsache.

Beim Lavendel war ich also auf der richtigen Spur. Bei einer anderen aromatischen Pflanze waren meine Vermutungen weniger zutreffend. Den Rosmarin assoziierte ich spontan mit Meerrose. Dabei störte mich weder die fehlende Ähnlichkeit mit einer Rose noch die Tatsache, dass das Wort dann eigentlich weiblich sein müsste, während es bei uns, aber auch z. B. im Französischen (romarin) und Italienischen (rosmarino) männlich ist. Bei marin (Meer-) lag ich noch richtig. Die Pflanze wuchs ursprünglich vor allem in Küstengebieten. Bei ros aber lag ich falsch. Dieser Wortteil wird nicht auf rosa = Rose, sondern auf ros = Tau zurückgeführt. Der Rosmarin trägt also den poetische Namen Meerestau, vielleicht dank der silbergrauen Unterseite seiner Blätter oder weil er im Tau des Meeres besonders gut wachsen soll.

Auch der Thymian trägt einen interessanten Namen. Er geht über ein paar „Umwege“ auf das griechische thýmon = Thymian zurück, das wiederum von thýein = ein Rauch- oder Brandopfer darbringen abgeleitet sei. Man habe diese Pflanze ihres Duftes wegen bei Brandopfern verwendet.

Der Basilikum kommt von griechisch basilikós = königlich, fürstlich. Es handelt sich also – dem stimmen sicher viele Fans von Tomaten und Insalata caprese zu – um ein königliches Kraut.

Langweiliger oder, wenn man will, mysteriöser ist schließlich die Herkunft der Namen Majoran und Oregano. Beide gehen auf ein griechisches Wort zurück. Beide waren aber auch im Griechischen schon Lehnwörter und bei beiden ist die weitere Herkunft unbekannt.

So weit der Exkurs in die Herkunft der Namen einiger aromatischer Pflanzen. Viel interessanter wäre natürlich, welche Köstlichkeiten man mit ihnen zubereiten kann, doch Rezepte gehören (leider!) nicht in diesen Blog.

Dr. Bopp

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