John Lennons wunderbare/wunderbares Album?

Die deutschen Adjektivendungen sind für viele Deutschlernende eine mittlere Katastrophe. Und für die Muttersprachigen gilt: Bloß nicht zu viel darüber nachdenken! Herrn L.s Frage zeigt einen Fall, bei dem es häufig zu Zweifeln kommt: die Adjektivendung nach einem vorangestellten Genitivattribut.

Frage

Ich hab da mal eine Frage zu folgendem Komplex. Heißt es richtig auf John Lennons wunderbarem Album „Imagine“, oder auf John Lennons wunderbaren Album „Imagine“?

Antwort

Sehr geehrter Herr L.,

es geht hier im die starke und schwache Deklination des Adjektivs. Nach u. a. dem bestimmten Artikel wird ein Adjektiv schwach gebeugt (vgl. hier). Die schwache Endung ist in diesem Fall en:

auf dem wunderbaren Album „Imagine“ des Musikers John Lennon.

Wenn nun das Genitivattribut (die nähere Bestimmung im Genitiv) vorangestellt wird, ersetzt es den Artikel. Es steht also kein Artikel mehr vor dem Adjektiv. Ohne ein Artikelwort wird ein Adjektiv stark gebeugt (vgl. hier). Die starke Endung ist hier em:

auf John Lennons wunderbarem Album „Imagine“

Hier gleich noch ein paar Beispiele:

das wunderbare Album des Musikers John Lennon aus dem Jahr 1971
John Lennons wunderbares Album „Imagine“ aus dem Jahr 1971

Das ist der neue Freund meiner Nachbarin Susanne.
Das ist Susannes neuer Freund.

Die netten Verwandten aus L. haben uns geholfen.
Herrn K.s nette Verwandte haben uns geholfen.

Und ich schließe mit einem eher unbescheidenen Beispiel: Das alles und viel mehr lesen Sie im interessanten Blog des Dr. Bopp oder – etwas zeitgemäßer formuliert – in Dr. Bopps interessantem Blog.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

2 Kommentare »

  1. D. Imhof schreibt:

    Oktober 10, 2017 um 13:08

    Wenn neben den Adjektivendungen noch Endungen für substantivierte Partizip-Präsens-Formen hinzukommen, kann es selbst für Muttersprachige in eine Katastrophe ausarten. Mein Bauchgefühl sagt mir, dass es im ersten Satz „Die deutschen Adjektivendungen sind für viele Deutschlernende eine mittlere Katastrophe“ heißen müsste. Je länger ich darüber nachdenke, desto unsicherer werde ich, ob nicht auch „…für viele Deutschlernenden…“ möglich ist. Wahrscheinlich gab es schon mal einen Blog darüber, nur finde ich ihn gerade nicht.

  2. Dr. Bopp schreibt:

    Oktober 10, 2017 um 14:54

    Vielen Dank für den sanften Hinweis auf die falsche Formulierung für vielen Deutschlernenden, die ich inzwischen oben korrigiert habe. Ich könnte mich damit herauszureden versuchen, dass ich es an dieser Stelle absichtlich so formuliert habe, aber das wäre gelogen. Solches passiert mir des Öftern, wenn ich noch schnell etwas ändere. In diesem Fall habe ich beim Umformen von sind vielen Deutschlernenden ein Gräuel zu sind für viele Deutschlernende … vergessen, die Endungen anzupassen. Es heißt korrekt:

    für viele Deutschlernende

    Nach viele wird ein (substantiviertes) Adjektiv gleich gebeugt wie viele. Mehr dazu hier.

    Ihr wachsender Zweifel, ob vielleicht nicht auch für viele Deutschlernenden möglich ist, zeigt, dass auch Muttersprachige besser nicht zu viel über Ajektivendungen nachdenken. Es gilt nicht als korrekt.

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