Um minus zehn weniger?

Frage

Im Bericht über die Entwicklung der Finanzen finden sich Sätze wie:

Der Jahresgewinn fällt mit 60 203 € rund −146 983 € tiefer aus als im Vorjahr.
Die Aktiven haben gegenüber dem Vorjahr um rund −250 000 € abgenommen.

[…] Ich bin der Ansicht, dass die Minuszeichen in den beiden Sätzen nichts verloren haben. Die Abnahme bezieht sich auf den Betrag. Ich weiß aber nicht, ob allenfalls einige Fachleute so sprechen.

Antwort

Sehr geehrter Herr B.,

das Minuszeichen ist tatsächlich unnötig. Mit abnehmen und tiefer ausfallen wird bereits angegeben, dass der genannte Betrag als Minusbetrag gemeint ist:

Der Jahresgewinn fällt mit 60 203 € rund 146 983 € tiefer aus als im Vorjahr.
Die Aktiven haben gegenüber dem Vorjahr um rund 250 000 € abgenommen.

So sagt man zum Beispiel auch:

Ich habe etwas gekauft und habe jetzt 10 Euro weniger im Portemonnaie.
nicht: Ich habe etwas gekauft und habe jetzt minus 10 Euro weniger im Portemonnaie.

Das Minuszeichen kommt nur dann zum Einsatz, wenn kein anderes Element im Satz angibt, dass es sich um einen Minusbetrag handelt:

Der Jahresgewinn beträgt 60 203 €. Das ist im Vergleich zum Vorjahr ein Unterschied von −146 983 €.

(Solche Formulierungen sind meiner Meinung nach vor allem für ein Fachpublikum geeignet. Vielleicht dienen sie manchmal ja auch dazu, die allgemeine Leserschaft so wenig wie möglich merken zu lassen, dass es sich um Minusbeträge handelt. Das kleine Strichlein fällt weniger auf als abnehmen und tiefer. Doch das ist nur eine böse Unterstellung von mir, die weiter nichts mit Ihrer Frage zu tun hat.)

Formulierungen wie minus x Euro tiefer und um minus x Euro abnehmen sind bestenfalls als Pleonasmus („doppelt gemoppelt“) anzusehen. Man könnte aber auch behaupten, das Minuszeichen sei nicht nur überflüssig, sondern einfach falsch, denn wenn etwas um minus 10 weniger wird, wird es dann nicht um 10 mehr? Ob das wirklich zutrifft, ist ein Frage, deren Beantwortung ich lieber mathematisch-logisch besser ausgerüsteten Leuten überlasse.

Kurzum: Ihre Zweifel sind berechtigt. Das Minuszeichen ist in diesen Sätzen überflüssig.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

2 Kommentare »

  1. Carina Denkmann schreibt:

    November 29, 2017 um 05:34

    Tatsächlich ist das Minuszeichen mathematisch falsch. Wenn man vorher 10 hatte, nachher 8, dann ist die Zahl um 2 kleiner oder um -2 größer geworden, nicht jedoch um -2 kleiner. In einer Fachzeitung sollten solche Fehler nicht passieren.

    Logisch allerdings ist das Minuszeichen nur genauso wenig falsch wie die Antwort „Nein!“ auf die Frage „Hast Du keine Hausaufgaben auf?“ Jeder weiß, was gemeint ist.

  2. Dr. Bopp schreibt:

    November 29, 2017 um 09:04

    Vielen Dank!

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