Markennamen sind auch genitivtauglich

Frage

Es geht um Wendungen wie „Googles Bilderkennung“. Ich empfinde es als falsch, den Firmennamen als Genitivattribut anzugeben und tendiere zur Variante „die Bilderkennung von Google“. Können Sie mir bitte sagen, was richtig ist?

Antwort

Guten Tag Frau F.,

auch wenn manche Werbe- und Marketingleute uns etwas anderes glauben machen wollen, sind Firmen- und Markennamen nicht unantastbar. Es spricht nichts dagegen, sie in der allgemeinen Sprache wie „gewöhnliche“ Namen zu beugen. Sagen und schreiben Sie also ungeniert zum Beispiel:

Googles Bilderkennung
Facebooks CEO Zuckerberg
Audis neustes Modell
Lidls Start in den USA
Coca-Colas Werbebudget

Solche Formulierungen kommen häufig vor. Wenn Sie Namen dieser Art ausschließlich unverändert verwenden wollen oder müssen, können Sie auf andere Formulierungen ausweichen, grundsätzlich notwendig ist dies aber keineswegs. Nur wenn der Name auf s, x oder z endet, ist die Formulierung mit einem Apostroph unüblich:

Siemens’ neue Produktionsstätte (selten)
die neue Produktionsstätte von Siemens / die neue Siemens-Produktionsstätte

Hertz’ Mietwagengeschäft (selten)
das Mietwagengeschäft von Hertz

Firmen- und Markennamen sind also auch „genitivtauglich“. Was man nicht alles in Canoos Sprachblog erfahren kann!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

3 Kommentare »

  1. Christian schreibt:

    August 12, 2018 um 20:49

    Frage an Dr. Bopp: Ist eigentlich die Genitivbildung auf -ens bei Endung auf -s oder -z anstatt des Apostrophs noch gebräuchlich bzw. erlaubt? (Speziell bei Eigennamen: Franzens, Markusens, evtl. auch Hertzens?)

  2. Dr. Bopp schreibt:

    August 13, 2018 um 14:48

    Die Genitivendung -ens bei Eigennamen, die auf -s, -x und -z enden, ist erlaubt, kommt aber nur noch selten vor und wirkt eher altertümlich. Siehe auch hier.

  3. Christian schreibt:

    September 1, 2018 um 21:35

    Da gibt es auch noch eine dialektale Besonderheit. Im Zillertaler Dialekt kommt es vor, dass bei Namen im 4. Fall ein „-en“ angefügt wird. Beispiel: „Das weiß Hermann sicher, frage einfach Hermannen!“
    Und eine gleichartige Formulierung findet sich auch bei Wilhelm Busch: … mit dem Löffel groß und schwer geht es über Spitzen her“ (Spitz ist der Hund von Witwe Bolte bei „Max und Moritz“)

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