Dehnungszeichen

Frage

Das Dehnung-h und das Dehnungs-e (nach einem i) kennt jeder. Das Dehnungs-c kennen nur wenige (z. B. Mecklenburg, Dortmund-Brackel). Gibt es weitere Dehnungsbuchstaben? Warum gibt es im Deutschen eine solche Vielfalt?

Antwort

Guten Tag Herr M.,

im heutigen Deutschen dienen tatsächlich nur noch die Buchstaben h und e als Dehnungs- oder Längenzeichen. Das Dehnungs-h kommt nach allen Vokalen vor:

Sahne, Strähne, kehren, ihr, hohl, Föhn, Ruhm, Bühne

Das Dehnungs-e wird heute nur noch nach i verwendet:

Biene, lieben, schwierig

Nur noch selten kommen andere Dehnungszeichen vor, zum Beispiel:

  • In Laer, Soest o. Gelsenkirchen-Buer gibt das e an, dass a, o resp. u lang gesprochen wird [Laar, Soost, Buur]
  • In Voigt, Boisheim o. Buisdorf gibt das i an, dass o resp. u lang gesprochen wird [Voogt, Boosheim, Buusdorf]
  • In Pouch wird das o vor u lang gesprochen wird [Pooch]
  • In Teltow o. Pankow wird das o vor w lang gesprochen [Teltoo, Pankoo]

Diese Dehnungszeichen stammen aus der Zeit, in der die deutsche Rechtschreibung noch nicht normiert war und es von Region zu Region oder sogar von Schreiber zu Schreiber unterschiedliche Schreibweisen gab. Sie sind nach der Normierung der Rechtschreibung verschwunden, außer in einigen Eigenamen wie den oben zitierten.

Das gilt auch für das c in zum Beispiel Mecklenburg (Ausgesprochen mit langem e [Meeklen…], heute aber auch häufig der Schreibweise folgend mit kurzem e) und Brackel [Braakel]. Auch dieses c stammt aus „vornormierter“ Zeit. Es ist allerdings kein eigentliches Längenzeichen. Es stammt aus einer Zeit, in der man Konsonanten gerne häufte, das heißt, ck steht hier eigentlich für ein einfaches k. Solche Buchstabenhäufungen gab es auch bei anderen Buchstaben. Einige haben in Eigennamen „überlebt“, zum Beispiel in Schwartzkopff, Kneipp, Württemberg, Creutzfeldt.

Diese besonderen Dehnungszeichen sind also Überbleibsel aus früheren Zeiten, in denen die Schrift noch nicht normiert war. Das erklärt einerseits ihre Vielfalt und andererseits, warum sie nur noch in einigen wenigen Eigennamen vorkommen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp
(ohne Dehnungszeichen, dafür mit doppeltem p und griechisch inspiriertem ph im Vornamen)

2 Kommentare »

  1. Bert schreibt:

    Januar 31, 2019 um 12:11

    „… das o nach u …“ und „… das o nach w …“ – müsste das nicht eher „o vor u“, bzw. „vor w“ heißen?

    Das -broich in Ortsnamen wie Grevenbroich ist auch so ein Fall von Dehnungs-i. Weil der vermeintliche „ich“-Laut am Ende eigentlich ein „ach“-Laut ist, geht die Aussprache besonders schön daneben … 🙂 Zum Leidwesen der Einheimischen.

  2. Dr. Bopp schreibt:

    Januar 31, 2019 um 13:32

    Vielen Dank für den Hinweis. Ein typischer Copy-Paste-Fehler, das heißt, ein Fehler, der dann passiert, wenn man einen bestehenden Satz mit Hilfe von „Kopieren und Einfügen“ umbaut und dabei nicht gut genug aufpasst. Wie dem auch sei, falsch ist falsch. Ich hab es oben korrigiert.

    Die Einheimischen der meisten Orte mit einem Namen, der ein ungebräuchliches Dehnunszeichen enthält, müssen sich damit abfinden, dass der Name ihres Ortes von Auswärtigen häufig zu buchstabengetreu ausgesprochen wird. Dafür können sie sich rühmen, nicht in einem Ort mit einem „Allerweltsnamen“ zu wohnen.

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