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So schnell wie möglich, so schnell als möglich

Frage

„Wir haben Ihre Anfrage erhalten und werden diese so schnell als möglich beantworten.“ Ist das korrekt? Müsste es nicht heissen „… so schnell wie möglich“?

Antwort

Sehr geehrte Frau G.,

beide Formulierungen sind möglich und korrekt:

so schnell wie möglich
so schnell als möglich

In Vergleichen mit der Grundstufe ist das Vergleichswort normalerweise wie:

Der Baum ist gleich hoch wie das Haus.
Das Mittel war
so teuer wie nutzlos.
Ich bleibe so lange wie möglich bei euch.

In Verbindung mit möglich, das heißt, wenn so … wie möglich die Bedeutung möglichst … hat, wird seltener als statt wie verwendet:

Ich bleibe so lange als möglich bei euch.

Ebenso:

so bald wie möglich / so bald als möglich
so rasch wie möglich / so rasch als möglich
so viel wie möglich / so viel als möglich
usw.

Die Verwendung von als ist seltener, sie gilt aber in diesem Fall als korrekt. Sehen Sie auch diese Seite der CanooNet-Grammatik (insbesondere unter „Vergleichswort“).

Mit freundlichen Grüßen

Stephan Bopp

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Kaninchen

Heute gibt es Kaninchen. (Ja, Dr. Bopp isst Kaninchen. Siehe hier). Da dies leider oder, je nach Interesse, glücklicherweise keine Kochrubrik ist, verschone ich Sie mit Rezepten und Weintipps. Es geht natürlich um das Wort Kaninchen. Warum denn chen? Ein großes Kaninchen ist doch kein Kanin, wie ein großes Hündchen ein Hund ist oder wie man ein großes Häuschen meist einfach ein Haus nennt. Weshalb also chen?

Mit der Nachsilbe chen bildet man Diminutive oder zu gut Deutsch Verkleinerungsformen. Vor allem im Süden verwendet man dafür oft auch lein. Richtung Norden lockt man deshalb als Hexe Kinder, die sich im Wald verlaufen haben, eher in ein Lebkuchenhäuschen, während man als südliche Hexe eher ein Lebkuchenhäuslein bewohnt, in dem man dann das Mädchen als Mägdchen zur Kinderarbeit zwingt und den Jungen wie ein Kaninchen einsperrt und fett mästet. So geht es jedenfalls – ganz gleich ob Häuschen oder Häuslein – in einem ordentlichen Märchen zu und her.

Kaninchen ist nicht der einzige ursprüngliche Diminutiv, bei dem das Grundwort im heutigen Deutschen nicht mehr bekannt oder gebräuchlich ist. Auch zum Beispiel bei Mädchen und Märchen oder beim Zipperlein, das böse Hexen plagen möge, ist das Grundwort nicht mehr allgemein bekannt. Das Wort Mädchen geht auf Mägdchen, also kleine Magd, zurück und wurde in einer Zeit gebildet, in der eine Magd noch nicht eine Bedienstete, sondern eine junge weibliche und idealerweise jungfräuliche Person war. Ein Märchen ist eine kurze Mär, das heißt eine kurze Geschichte oder Erzählung. Die Herkunft von Zipperlein erspare ich ihnen; das wird sogar mir zu umständlich.

Bleibt also noch das Kaninchen. Das Grundwort Kanin gab es einmal (und gibt es überigens immer noch als Fachwort für Kaninchenfell). Ein großes Kaninchen war früher also doch ein Kanin! Es geht über das alte französische Wort conin auf lateinisch cuniculus zurück. Auch das Wort Karnickel lässt sich über eine niederdeutsche Verkleinerungsform kanineken aus conin herleiten. Das r hat sich unterwegs einmal als überkorrekte Aussprache eingeschlichen.

Das lateinische caniculus gelangte auch noch auf anderem Wege ins Deutsche und ist so noch in landschaftlich gebräuchlichen Formen wie Künig, Chüngel, Kinigl oder Kiniglhas zu finden. Weil es volkstümlich als mit König (verkl. Königlein) verwandt angesehen wurde, gibt es im Südbayrischen und Österreichischen auch die Bezeichnungen Königlein und König(s)hase.

Beim lateinischen Wort cuniculus könnte es sich um ein Lehnwort aus dem Iberischen (d.h. aus einer der damals auf der Iberischen Halbinsel gesprochenen Sprache) handeln. Eine andere Erklärung sagt, dass der Name des Tieres vom lateinischen Wort für unterirdischer Kanal, Gang, Stollen cuniculus abzuleiten sei. Der Name der Behausung wäre dann auf das Tier übergegangen.

Ein paar Informationen zu Form und Herkunft des Wortes Kaninchen hätte ich somit zusammengesucht und beschrieben. Der Geist ist also wieder frei, sich mit „wichtigeren“ Dingen zu beschäftigen: Wie bereiten wir das Kaninchen zu und welcher Wein könnte gut dazu passen? Doch das ist, wie bereits gesagt, Stoff für ein ganz anderes Blog.

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Die Van-Gogh-Ausstellung, die iPod-Touch-Applikation, der Big-Brother-Fan und der Bindestrich.

Frage

Bei uns in der Redaktion ist gerade Streit ausgebrochen in Bezug auf die Bindestrich-Regel bei Eigennamen. Es gibt zum Beispiel eine Veranstaltung namens Intel Friday Night Games. Schreibt man nun Intel Friday Night Games-Teilnehmer oder Intel-Friday-Night-Games-Teilnehmer?

Antwort

Sehr geehrter Herr S.,

nach den amtlichen Regeln müssen Sie zwischen allen Teilen der Zusammensetzung Bindestriche verwenden:

der Intel-Friday-Night-Games-Teilnehmer

Wenn eine Zusammensetzung eine mehrteilige Wortgruppe enthält, werden alle Teile der Zusammensetzung mit Bindestrichen verbunden. Das gilt auch dann, wenn der erste Teil ein mehrteiliger Eigenname ist. Weitere Beispiele:

die Van-Gogh-Ausstellung
die Vincent-van-Gogh-Ausstellung
der Tour-de-France-Gewinner
die Rio-de-la-Plata-Mündung
das Einstürzende-Neubauten-Album
eine iPod-Touch-Applikation
Windows-7-Benutzer
Big-Brother-Fans und Gute-Zeiten-schlechte-Zeiten-Zuschauer

Sehen Sie hierzu auch diese Regel und diese Regel.

Wenn Ihnen all diese Bindestriche in Intel-Friday-Night-Games-Teilnehmer nicht gefallen, gibt es noch eine andere Formulierung, die stilistisch sogar ein bisschen besser und auch etwas leserfreundlicher ist:

Teilnehmer an den Intel Friday Night Games

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Glitt er neben ihr oder neben sie ins Bett?

Frage

Es ist mir einmal mehr unmöglich, eine Frage zu klären, trotz des Versuchs, diverse Erklärungen auf Webseiten zu verstehen. Heißt es „Er glitt neben IHR ins Bett“ oder „Er glitt neben SIE ins Bett“ oder ist beides richtig und enthält eine unterschiedliche Aussage?

Antwort

Sehr geehrte Frau S.,

das Wort neben gehört zu den Präpositionen, die mit dem Dativ oder dem Akkusativ stehen können. Sie werden deshalb gelegentlich auch Wechselpräpositionen genannt. Man verwendet den Dativ, wenn eine Ortsangabe gemacht wird (wo?), und den Akkusativ, wenn das Ziel einer Bewegung angebend wird (wohin?):

Er liegt neben ihr (wo?)
Er legt sich neben sie (wohin?)

Manchmal sind in einem Satz beide Sehensweisen möglich:

Er glitt neben ihr ins Bett.
Wo glitt er ins Bett? – Neben ihr.

Er glitt neben sie ins Bett
Wohin glitt er? – Neben sie ins Bett.

Zwischen den beiden Formulierungen, gibt es, wenn überhaupt, nur einen geringen Bedeutungsunterschied. Sehen Sie auch die allgemeinen Angaben zu dieser Art von Präpositionen, insbesondere: „Oft sind beide Sehensweisen möglich“.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Können du und Sie zu ihr werden?

Frage

Wenn ich zwei Personen ansprechen möchte, wobei ich mit der einen per du und mit der anderen per Sie bin (z. B. die Schwiegermama mit ihrer Schwester), spreche ich sie beide mit „ihr“ oder mit „Sie“ an?

Antwort

Sehr geehrter Herr F.,

diese Frage kann ich leider nicht eindeutig beantworten. Welche Anrede Sie wählen, hängt davon ab, wie formell die Situation ist und wie formell Sie mit den beteiligten Personen umgehen. In formellen Situationen empfiehlt es sich, Sie zu verwenden oder die Personen einzeln anzusprechen:

– Darf ich Ihnen etwas anbieten?
– Darf ich Ihnen, Frau Muster, und dir, Anna, etwas anbieten?

In informelleren Situationen darf man meiner Ansicht nach ihr verwenden, auch wenn man sich danach wieder mit Sie an eine der beiden Personen richtet. Es ist sicher nicht grundsätzlich ausgeschlossen und auch nicht völlig unüblich, sich mit ihr an Personen zu richten, die man siezt.  Wenn Sie also sagen

– Darf ich euch etwas anbieten?

wird die Schwester der Schwiegermutter Ihnen das als angeheiratete Tante kaum übel nehmen und je nach Tageszeit und persönlichen Vorlieben gerne ein Tässchen Kaffee oder ein Gläschen Portwein annehmen.

Eine eindeutige Antwort gibt es also nicht. Es geht hier nicht um Grammatik, sondern um gesellschaftliche Umgangsformen. Vieles hängt von der Situation und dem Verhältnis zu den beteiligten Personen ab. Wahrscheinlich spielt daneben auch die Region eine Rolle: Was in Rostock und Kiel üblich ist, braucht noch lange nicht in Dresden, Saarbrücken, Luzern oder Wien gang und gäbe zu sein. Mit etwas Fingerspitzengefühl gelingt es einem aber meistens ganz gut, den richtigen Ton zu treffen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Wann kann man den Polizisten ohne Endung anklagen?

Frage

In der Zeitung las ich die Überschrift „Anklage gegen Polizist erhoben“. Nach gegen steht aber der Akkusativ. Müsste es dann nicht heißen: „Anklage gegen Polizisten erhoben“?

Antwort

Sehr geehrter Herr S.,

nach gegen steh der Akkusativ (gegen wen oder was?) und die Akkusativform von Polizist lautet den Polizisten. Trotzdem steht in Ihrer Zeitung ganz korrekt „Anklage gegen Polizist erhoben“. Wieso?

Wenn ein Substantiv der en/en-Klasse (ein schwach gebeugtes Substantiv) im Singular steht und kein Artikel oder Adjektiv vorangeht, lässt man die Endung en in der Regel weg. Zum Beispiel:

a) von Mensch zu Mensch
b) von einem Menschen zum anderen Menschen

a) das Gespräch zwischen Arzt und Patient
b) das Gespräch zwischen dem Arzt und dem Patienten

a) Der Professor, begleitet durch Assistent Müller, …
b) Der Professor, begleitet durch seinen Assistenten Müller, …

a) Das Orchester spielt ohne Dirigent.
b) Das Orchester spielt ohne einen Dirigenten.
b) Das Orchester spielt ohne echten Dirigenten.

a) Als Student konnte man ihn nicht bezeichnen.
b) Als gewissenhaften Studenten konnte man ihn nicht bezeichnen.

a) Anklage gegen Polizist erhoben
b) Anklage gegen einen Polizisten erhoben
b) Anklage gegen fehlbaren Polizisten erhoben

Das Weglassen der Endung ist bei allein stehenden Formen standardsprachlich korrekt und üblich (Beispielsätze a). Es hat damit zu tun, dass die Endung en oft als Pluralendung missverstanden werden könnte. In den anderen Fällen (Beispielsätze b), darf die Endung en aber nicht weggelassen werden.

Dies ist wieder einmal so ein Fall, der zeigt, dass man Sprache nicht mit Mathematik verwechseln darf. Hier ergibt nämlich eins (gegen mit Akkusativ) und eins (Akkusativ ist Polizisten) nicht zwei (gegen Polizisten), sondern eher so etwas wie anderthalb (gegen Polizist).

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Oper, Toast und Eponyme

Soeben bin ich zufällig über diese Information gestolpert: Heute ist der 79. Todestag der australischen Opernsängerin Helen Porter Mitchell (19. Mai 1861 – 23. Februar 1931). Unter dem Namen Nelly Melba sang die international gefeierte Sopranistin u. a. Verdi, Rossini, Donizetti, Puccini und Wagner in Häusern wie der Mailänder Scala, der New Yorker Metropolitan Opera und dem Londoner Royal Opera House.

Es geht mir hier aber nicht um die Sangeskünste dieser Primadonna, sondern ums Essen. Wie es sich für eine Diva gehört, wohnte Frau Melba in London im Savoy Hotel, wo der französische Meisterkoch Georges Auguste Escoffier das Zepter über die Küche schwang. Hier soll nun der Meisterkoch für die Primadonna ein Dessert (Nachtisch klingt hier eindeutig zu gewöhnlich) kreiert haben, das er nach ihr benannte: Pfirsich mit Vanilleeis und Himbeermark, bekannt unter dem Namen Pêche Melba oder Pfirsich Melba. Einige Jahre später soll die Sängerin während eines Aufenthalts in London auf Diät gegangen sein, dies im Zusammenhang mit einer Erkrankung und nicht etwa wegen des Kalorienreichtums des Desserts. Für diese Krankendiät schuf Escoffier einen trockenen, sehr dünnen Toast, der wahrscheinlich auf Veranlassung des ebenfalls sehr berühmten Hotelbesitzers César Ritz den Namen Toast Melba erhielt.

Neben dem Melba-Toast und dem Pfirsich Melba gibt es noch die Bezeichnung Melba-Sauce für die Himbeersauce und die Farbbezeichnung Melba für einen bestimmten Pfirsichton. All diese Wörter sind Beispiele für Bezeichnungen, die auf einen Personennamen zurückgehen. Solche Wörter nennt man Eponyme. Andere Beispiele sind Achillesferse, Béchamelsauce, Brailleschrift, Casanova, Chauvinismus, Diesel, Geigerzähler, Kalaschnikow, pasteurisieren, Saxophon, Zeppelin. Hiermit ist mir der Dreh von der Opernsängerin über das Essen zur Sprachwissenschaft gelungen!

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Mit oder ohne wen oder wem?

Frage

Heißt es in der folgenden Formulierung einem oder einen? „Sie haben das Recht, die Gesellschaft mit oder ohne einen/einem Nachfolger ihrer Wahl weiterzuführen.“

Antwort

Sehr geehrter Herr S.,

man sagt und schreibt normalerweise:

mit oder ohne einen Nachfolger

Die Präposition mit verlangt den Dativ: mit einem Nachfolger. Nach ohne steht der Akkusativ: ohne einen Nachfolger. Da die beiden Wortgruppen in diesen beiden Fällen nicht die gleiche Form haben, sollte man sie eigentlich nicht zusammenziehen. Es müsste also heißen: mit einem Nachfolger oder ohne einen Nachfolger. Da die Wendungen mit oder ohne und mit und ohne häufig vorkommen und ausformuliert sehr schwerfällig klingen, hat sich auch in der Standardsprache eingebürgert, sie mit dem Akkusativ zu verwenden. Da ohne der Wortgruppe näher steht, hat es sozusagen bei der Fallzuteilung gewonnen:

Wir werden die Sache mit oder ohne dich zu Ende führen.
Apfelkuchen mit oder ohne gesüßte Schlagsahne
Warum gibt es deutsche Flaggen mit und ohne den Adler?
Das Gerät kann mit und ohne einen Festnetzanschluss betrieben werden.

Dies gilt übrigens nur für die Formulierungen mit oder ohne und mit und ohne. Die nachfolgenden Formulierungen gelten zumindest standardsprachlich als unschön, auch wenn der Fall der am nächsten stehenden Präposition verwendet wird:

von und über die Leute reden
Wenn man ab oder via einen europäischen Flughafen fliegt, …
Übersetzungen aus und in die italienische Sprache

Besser – so umständlich es manchmal auch klingen mag – sind Formulierungen wie diese:

von den Leuten und über die Leute reden
Wenn ein europäischer Flughafen Abflug- oder Umsteigeort ist, …
Übersetzungen aus dem Italienischen und ins Italienische

Kein Problem ist die Zusammenziehung dann, wenn sich die Wortformen in den verschiedenen Fällen nicht voneinander unterscheiden:

viel von und über sich reden
Wenn man ab oder via Wien fliegt, …

Einen Überblick zu diesem Thema finden Sie in der CanooNet-Grammatik.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Kommt Kunst von Können?

Frage

„Kunst kommt von Können“ ist eine verbreitete Plattitüde. Ich habe einmal in einem Wörterbuch gelesen „es kommt zwar von Können, jedoch meinte dieses früher ‚Kennen’ also im Sinne von ‚Wissen’ …“. Was sagen Sie?

Antwort

Sehr geehrter Herr K.,

das Wort Kunst kommt tatsächlich vom Verb können. Dieses Verb bedeutete nicht nur können, sondern auch kennen, vermögen und ursprünglich kennen, wissen.** Entsprechend hatte Kunst ursprünglich die Bedeutung Wissen(schaft), Fertigkeit (vgl. die sieben freien Künste). Danach erhielt es die Bedeutung durch Übung erworbene Fertigkeit, die man auch heute noch verwendet, wenn zum Beispiel jemandes Kochkunst gelobt wird oder jemandes Fahrkünste Anlass zur Sorge geben. Noch später (seit dem 18. Jahrhundert) wurde Kunst für die künstlerische, schöpferische Betätigung des Menschen und für das Produkt dieser Betätigung verwendet. Dies ist die heute am häufigsten verwendete Bedeutung von Kunst.

Bevor man nun aber ganze philosophische Betrachtungen oder gar Streitdiskussionen über das Wesen der Kunst an der Herkunft des Wortes „aufhängt“, sollte man nicht außer Acht lassen, dass die Bedeutung eines Wortes vor allem damit zu tun hat, wie wir es heute verwenden, und oft nur sehr wenig damit, was es früher einmal bedeutet hat. So kann man zwar zu Recht behaupten, dass Weib früher einfach Frau bedeutete, aber man kann das Wort Weib heute trotzdem nicht mehr losgelöst von seiner negativen Bedeutung verwenden. Wörter haben heute die Bedeutung, mit der sie heute verwendet werden. Die Antwort auf die Frage, ob das Wort Kunst von können oder von wissen kommt, sagt deshalb nicht viel darüber aus, was heute „zu Recht“ als Kunst bezeichnet wird.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

**Die Verben können und wissen sind in anderen Sprachen auch heute noch eng miteinander verbunden. So verwendet man zum Beispiel in romanischen Sprachen wie Französisch und Italienisch dasselbe Verb (savoir resp. sapere) für sowohl wissen als auch für können im Sinne von die Fertigkeit haben:

Je sais ce que tu as fait. = Ich weiß, was du getan hast.
Je sais nager. = Ich kann schwimmen.

Sapete quando parte il treno? = Wisst ihr, wann der Zug fährt?
Sapete giocare a tennis? = Könnt ihr Tennis spielen?

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Falles und Stückes oder Falls und Stücks

Frage

Viele Autoren, vor allem solche, die zur Schachtelsatzbildung neigen, verwenden liebend gern bei der Flexion die es-Variante  (Beispiel: Falles, Stückes). In bestimmten Fällen ist es zwingend notwendig, in manchen gebräuchlich. Mich erinnert der penetrante Gebrauch an das Martin-Luther-Deutsch seiner Bibelübersetzungen. Was ist nun gutes Deutsch?

Antwort

Sehr geehrter Herr O.,

die Endung es ist tatsächlich in gewissen Fällen zwingend und in anderen unüblich. In vielen Fällen aber ist sowohl der Genitiv mit s als auch der Genitiv mit es möglich und korrekt (siehe hier).

Ob man Falles, Stückes und Arbeitstages oder Falls, Stücks und Arbeitstags verwendet, ist keine Frage der Grammatik, sondern eine Frage des Stils. Man könnte versuchen hier lange Listen von Kriterien aufzustellen, wann eher der es-Genitiv gewählt wird und wann eher nur das s zum Zuge kommt. Das hilft einem im Alltag aber nicht sehr viel weiter. Oft spielt einfach der Rhythmus des Satzes bei der Wahl der einen oder der anderen Variante ein Rolle. Sehr oft sind eben einfach beide Formen üblich.

Wenn man ausschließlich den es-Genitiv verwendet, kann ein Text recht altmodisch und gestelzt aussehen. Es ist aber auch nicht notwendig, in einem „modernen“ Text so viel wie möglich den s-Genitiv zu verwenden. Wie immer, wenn es um Geschmack und Stil geht, liegt die Kunst darin, die richtige Mischung zu finden. Dabei muss man kein Regelbuch und kein Goldwäglein zur Hand nehmen. Vieles ist grammatisch und stilistisch möglich – und allen recht machen kann man es auch bei dieser Frage nicht.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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