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Wenn Fünftklässler/-innen mit 5. geschrieben werden

Frage

Ist neben der ersten Variante eine weitere Form korrekt und aus Ihrer Sicht sinnvoll?

Die Fünftklässler/-innen haben morgen keinen Unterricht.
Die 5. Klässler/-innen haben morgen keinen Unterricht.
Die 5.- Klässler/-innen haben morgen keinen Unterricht.
Die 5. – Klässler/-innen haben morgen keinen Unterricht.

Antwort

Guten Tag Herr A.,

keine der drei weiteren Vorschläge kann als richtig angesehen werden. Es handelt sich um einen Zusammensetzung mit einer Zahl. Dann gilt die Regel, dass mit Bindestrich geschrieben wird, und zwar ohne Leerschritt vor oder nach dem Bindestricht (vgl. hier).

Bei großzügiger Interpretation der Regel ergibt sich die folgende Schreibung:

Die 5.-Klässler/-innen habe morgen keinen Unterricht

Wer etwas weniger großzügig ist als ich, stolpert vielleicht darüber, dass 5. in der Regel für fünfte und nicht für endungsloses fünft steht. Hinzu kommt, dass die Bindestrichschreibung in Fällen wie dem folgenden das Schreiben (und Lesen?) eher kompliziert als vereinfacht:

Die 3.- bis 5.-Klässler/-innen haben morgen keinen Unterricht

Ich würde deshalb die Schreibung mit Buchstaben vorziehen:

Die Fünftklässler/-innen habe morgen keinen Unterricht
Die Dritt- bis Fünftklässler/-innen haben morgen keinen Unterricht

Wenn Sie statt –klässler lieber –klässer oder –klassler sagen, gilt bei der Schreibung mit einer Zahl genau dasselbe:

Die 5.-Klässer/-innen habe morgen keinen Unterricht
Die 5.-Klassler/-innen habe morgen keinen Unterricht

Und wenn Ihnen nun nichts mehr richtig gefallen will, gibt es auch noch diese Möglichkeit:

Die Schülerinnen und Schüler der 5. Klasse haben morgen keinen Unterricht

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp (der schon sehr, sehr lange kein 5.-Klässler/Fünftklässler mehr ist)

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0,5 Prozent ist oder 0,5 Prozent sind?

Frage

Wenn 0,5 Prozent das Subjekt eines Satzes ist, steht dann die Personalform im Singular oder im Plural?

Antwort

Guten Tag Herr J.,

Beispiele helfen mir immer, eine Frage genauer zu verstehen. Auch hier lautet die Antwort nämlich nicht einfach Singular oder Plural.

Wenn eine Prozentangabe mit einer Zahl, die nicht 1 ist, Subjekt des Satzes ist, steht das Verb standardsprachlich in der Regel im Plural:

1 Prozent (der Bevölkerung) hat zugestimmt

10 Prozent haben zugestimmt
30 Prozent der Befragten lehnen den Neubau ab
24,5 Prozent der Flüge sind interkontinental

Das gilt auch für Dezimalzahlen, die kleiner als 1 sind:

0,5 Prozent enthielten sich der Stimme
0,7 Prozent der Delegierten enthielten sich der Stimme
Nur 0,3 Prozent waren dafür

Wie immer gibt es aber auch Ausnahmen: In einem Gleichsetzungssatz (vgl. hier) kann auch der Singular stehen:

0,5 Prozent ist/sind kein gutes Resultat
63 Prozent ist/sind eine überraschend große Mehrheit

Und auch dann, wenn ein Substantiv im Nominativ auf Prozent folgt, kann das Verb im Singular und im Plural stehen:

0,5 Prozent einmaliger Verlust bedeutet/bedeuten nicht gleich den Untergang der Firma.
15 Prozent Strom wird/werden dadurch gespart.

Ob Singular oder Plural, Ihnen steht/stehen hoffentlich 100% Wochenende bevor.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Wer gewinnt, der Genitivus subiectivus oder der Genitivus obiectivus?

Frage

Ich bin Deutschlehrerin in Spanien […]. Letzthin tauchten in meiner Klasse folgende Sätze auf:

Die Medizin bekämpft mit Erfolg die Infektionskrankheiten
→ die erfolgreiche Bekämpfung der Medizin gegen die Infektionskrankheiten

Die Medizin bekämpft mit Erfolg Infektionskrankheiten
→ die erfolgreiche Bekämpfung der Medizin gegen Infektionskrankheiten

Die Umformungen sind so nicht richtig, aber wie erkläre ich, warum?

Antwort

Guten Tag Frau C.,

bei der Substantivierung von Verbgruppen gibt es keine allgemeingültigen Regeln, die sich auf alle Verben anwenden ließen. Einige Regelmäßigkeiten gibt es aber dennoch. Eine davon betrifft die Substantivierung von Verben mit einem Akkusativobjekt:

Bei einer Substantivierung wird das Akkusativobjekt zum Genitivattribut (oder von-Attribut, siehe hier):

ein Rätsel lösen → das Lösen eines Rätsels
die Funktion erklären → die Erklärung der Funktion
Fahrräder verkaufen → der Verkauf von Fahrrädern

In gleicher Weise auch:

die Infektionskrankheiten bekämpfen → die Bekämpfung der Infektionskrankheiten
Infektionskrankheiten bekämpfen → die Bekämpfung von Infektionskrankheiten

Und nun kommen wir zur Hürde, die Ihre Schüler und Schülerinnen nicht richtig zu nehmen wussten. Neben dem soeben erwähnten Genitivus obiectivus, der dem Akkusativobjekt in der Verbkonstruktion entspricht, gibt es auch den Genitivus subiectivus. Er entspricht dem Subjekt des Verbs, das substantiviert wird:

Die Rose verwelkt → das Verwelken der Rose
Der Mensch denkt → das Denken des Menschen
Die Lehrerin erklärt → die Erklärung der Lehrerin

Der Zug kommt pünktlich in Münster an → die pünktliche Ankunft des Zuges in Münster
Die Medizin kämpft gegen Infektionskrankheiten → der Kampf der Medizin gegen Infektionskrankheiten

Bei diesen Beispielen ist das kein Problem. Die Schwierigkeit entsteht dann, wenn ein Verb mit einem Akkusativobjekt substantiviert wird. Welcher Satzteil wird dann zum Genitivattribut: das Subjekt, das Objekt oder beide?

In Ihrer Klasse wurde das Subjekt zum Genitivattribut gemacht. Die Lösung mit zwei Genitivattributen wurde zu Recht ausgeschlossen. Das Akkusativobjekt, das auch noch irgendwie eingebunden werden musste, wurde wahrscheinlich unter Einfluss des Verbs kämpfen mit gegen angeschlossen:

Die Medizin bekämpft mit Erfolg die Infektionskrankheiten.
→ *Die erfolgreiche Bekämpfung der Medizin gegen die Infektionskrankheiten

Der Fehler hierbei ist, dass in einem solchen Fall nicht das Subjekt, sondern immer das Akkusativobjekt die Rolle als Genitivobjekts übernimmt. Das Subjekt wird dann häufig mit durch angeschlossen:

Die Lehrerin erklärt die Funktion → die Erklärung der Funktion durch die Lehrerin
Der Händler verkauft neue Fahrräder → der Verkauf neuer Fahrräder durch den Händler

Ebenso:

Die Medizin bekämpft mit Erfolg die Infektionskrankheiten
→ Die erfolgreiche Bekämpfung der Infektionskrankheiten durch die Medizin

Die Medizin bekämpft mit Erfolg Infektionskrankheiten
→ Die erfolgreiche Bekämpfung von Infektionskrankheiten durch die Medizin

Das Akkusativobjekt gewinnt also immer das Rennen um die Rolle als Genitivattribut, wenn eine Verbgruppe substantiviert wird. Das Subjekt muss dann, wenn überhaupt, anders eingebunden werden. In diesem Sinne: Gewinner ist der Genitivus obiectivus.

So weit die Analyse des Fehlers durch den Blogautor.

Mir freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Einfrieren und ausfrieren

Es sieht logisch aus, ausfrieren als Gegenteil von einfrieren zu verwenden. Und trotzdem sagen wir nicht, dass Eingefrorenes ausgefroren wird.

Frage

Ich wurde darauf hingewiesen, dass es den Begriff ausfrieren in Zusammenhang mit eingefrorenen Lebensmitteln nicht gebe bzw. dieser nicht passend sei. Korrekt sei auftauen.

Eine Internetrecherche bestätigt dies weitgehend. Es wird aber immer wieder auch von anderen Personen nach dem Begriff ausfrieren in diesem Zusammenhang gefragt.

Aus meiner Sicht ist zunächst das Gegenteil von ein der Begriff aus. Auch wenn diese Regel mit Sicherheit nicht „betonmäßig“ für „alles“ angewandt werden darf, ist es doch nicht völlig abwegig, als Gegenteil für einfrieren den Begriff ausfrieren zu verwenden. Vor allem im privaten Umfeld kann mir das eigentlich niemand „verbieten“. […]

Antwort

Guten Tag Herr B.,

niemand kann Ihnen natürlich verbieten, das Verb ausfrieren im Sinne von auftauen zu verwenden. Es gibt aber verschiedene Gründe, die dagegen sprechen:

1) Eine Wortbildung kann blockiert, das heißt ungebräuchlich sein, weil es schon ein Wort mit der gleichen Bedeutung gibt. Hier wird ausfrieren durch das gebräuchliche und allgemein bekannte Wort auftauen blockiert (vgl. hier).

2) Eine Wortbildung kann nicht üblich sein, weil das Wort schon eine andere Bedeutung hat. Auch das ist bei ausfrieren der Fall: Es bedeutet u. a. schon bis zum Grund frieren, durch und durch frieren oder durch Frieren trennen (siehe die Angaben im DWDS). In Verbindung mit frieren ist aus nicht das Gegenteil von ein. Es hat hier die gleiche Bedeutung wie in austrocknen resp. in aussortieren.

3) Der wichtigste Grund: Man versteht in einem großen Teil des deutschen Sprachraums nicht, was Sie mit ausfrieren meinen, weil das Wort nicht bekannt und nicht gebräuchlich ist, sei es wegen 1) und 2) oder aus einem anderen Grund.

Es bleibt aber Ihnen überlassen, ob Sie das Wort weiterhin verwenden wollen. Sie dürfen sich nur nicht wundern, wenn man sich wundert oder Sie nicht auf Anhieb versteht.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Prototypen mit Elektromotor oder Prototypen mit Elektromotoren?

Frage

Ich würde gerne wissen, ob hier der Singular „mit Elektromotor“ korrekt ist:

Verschiedene Hersteller haben 2018 auf der Internationalen Automobil-Ausstellung für Nutzfahrzeuge Prototypen mit Elektromotor/mit Elektromotoren vorgestellt.

Meines Erachten sind die Prototypen (jeweils) mit einem Elektromotor ausgestattet und nicht mit Elektromotoren, also mehreren in einem Prototyp, sodass ich deshalb hier den Singular für korrekt halte, was sich jedoch unschön liest.

Antwort

Guten Tag Herr R.,

um es kurz zu fassen: Beide Formulierungen sind möglich und keine der beiden ist wirklich eindeutig. Eine feste Regel gibt es nicht. Meist geht aus dem Zusammenhang hervor, was genau gemeint ist.

Nur der Kontext oder unsere Kenntnis des Fachgebietes kann entscheiden, ob es sich bei Prototypen mit Elektromotor um mehrere Prototypen handelt, die sich einen Elektromotor teilen, oder um mehrere Prototypen mit je einem Motor. Auch die Mehrzahl ist nicht eindeutig: Prototypen mit Elektromotoren können je einen Elektromotor oder mehrere Elektromotoren pro Prototyp haben. Die Formulierung allein macht dies nicht eindeutig.

Das „Problem“ ist hier, dass uns nur zwei Numeri zur Verfügung stehen, der Singular und der Plural, es aber drei verschiedene Verteilmöglichkeiten gibt:

– mehrere Prototypen mit einem gemeinsamen Motor
– mehrere Prototypen mit je einem Motor
– mehrere Prototypen mit je mehreren Motoren

Es ist nicht möglich, diese drei Varianten nur mit Hilfe der beiden Numeri eindeutig anzugeben. Wenn der Kontext und die voraussetzbare Kenntnis nicht ausreichen, muss genauer formuliert werden. Häufig kann dabei das Wörtchen je wertvolle Dienste leisten.

Dass Sie nicht der Einzige sind, der sich Gedanken zu dieser Frage macht, zeigen zwei ältere Blogartikel. Sie beschäftigen sich mit Menschen, die ein Haus/Häuser besitzen, und der Frage, ob unsere Vorfahren sich in ihrem Grab oder in ihren Gräbern umdrehen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Digital und mit dem Finger

Bei uns zu Hause steht noch so etwas wie eine Musikanlage. Sie ist so neu, dass man sie, ohne aufstehen zu müssen, mit Hilfe einer App auf dem schlauen Telefon bedienen kann. Sie ist aber alt genug, dass man sie auch mit Hilfe des Fingers ein- und ausschalten oder zum Beispiel die Lautstärke regeln kann, vorausgesetzt dass man sich zu ihr hinbemüht. Die erste Art der Bedienung nennen wir hier zu Hause „digital“, die zweite wegen der Druckknöpfe „mit dem Finger“. Dabei ist mir erst gestern aufgefallen, dass dieser Gegensatz etwas Absurdes hat.

Das Wort digital kommt vom englischen Adjektiv digital, das wiederum von digit (Zahl von 0 bis 9, [zum Zählen benutzter] Finger) abgeleitet ist. Dieses digital geht somit auf lateinisch digitus = Finger zurück. Daneben gibt es auch in der Medizin das Adjektiv digital, das ohne Umweg über das Englische von lateinisch digitalis resp. digitus kommt. Seine Bedeutung: mit dem Finger (digitale Palpation = mit dem Finger abtasten).

Unser häuslicher Gegensatz digital bedienen ↔ mit dem Finger bedienen zeigt, dass sich dieses Adjektiv digital über verschiedene Stufen des Bedeutungswandels sozusagen in sein Gegenteil verwandelt hat. Und trotzdem verstehen wir problemlos, was gemeint ist.

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Zwischen dem sechsten und dem zwölften Lebensjahr

Fragen zu Altersangaben gehören zu den regelmäßig auftauchenden Problemfällen. Heute geht es um Angaben mit Lebensjahr.

Frage

Ich grübele über das Wort „Lebensjahr“. Und zwar heißt es in einem Text:

„Kinder oder Jugendliche zwischen ihrem sechsten und zwölften Lebensjahr“. Sehe ich richtig, dass Kinder im Alter zwischen 5 und 11 Jahren gemeint sind?

Antwort

Guten Tag Frau D.,

im Prinzip haben Sie recht: Das sechste Lebensjahr ist das Lebensjahr zwischen dem fünften und dem sechsten Geburtstag. Das zwölfte Lebensjahr ist das Lebensjahr zwischen dem elften und dem zwölften Geburtstag. Weiter ist man nach dem fünften Geburtstag fünf Jahre alt und nach dem elften Geburtstag elf Jahre alt. Kinder zwischen ihrem sechsten und zwölften Lebensjahr sind somit Kinder im Alter zwischen fünf und elf Jahren.

ABER: Es ist keineswegs sicher, ob es auch so gemeint ist. Eine Formulierung wie zwischen dem sechsten und zwölften Lebensjahr wird häufig nicht ganz korrekt gleichbedeutend mit im Alter zwischen sechs und zwölf Jahren verwendet. Wenn es also ganz wichtig ist, sollte nachgefragt werden, was genau gemeint ist.

Eine (hoffentlich) etwas klarere Angabe mit Lebensjahr erhält man mit Hilfe des Adjektivs vollendet. Kinder zwischen dem vollendeten sechsten Lebensjahr und dem vollendeten zwölften Lebensjahr sind Kinder im Alter zwischen sechs und zwölf Jahren.

Wem es nun etwas zu rechnerisch oder komplex geworden ist: Am deutlichsten finde ich zwischen dem sechsten und dem zwölften dreizehnten Geburtstag [vgl. unten Kommentare].

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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In Sachen Fall nach „in Sachen“

Frage

Wie lautet der korrekte Kasus nach „in Sachen“? Beispiel: „in Sachen sicherer Zahlungsverkehr“ oder „in Sachen sicherem Zahlungsverkehr“? Mir erscheint die erste Variante korrekt […]

Antwort

Guten Tag Frau H.,

eine feste Regel gibt es hier nicht. Nach dem allgemeinen Gebrauch lässt sich die folgende Faustregel für die Verwendung von in Sachen im Sinne von zum Thema, hinsichtlich formulieren: Nach in Sachen steht üblicherweise a) der Genitiv, wenn die Wortgruppe einen Artikel enthält, sonst b) der Nominativ:

a) in Sachen der Abfallentsorgung
b) in Sachen Abfallentsorgung

a) in Sachen der getrennten Abfallentsorgung
b) in Sachen getrennte Abfallentsorgung

a) in Sachen des öffentlichen Verkehrs
b) in Sachen öffentlicher Verkehr
b) in Sachen Verkehr

Ihre Einschätzung ist also zutreffend:

a) in Sachen des/eines sicheren Zahlungsverkehrs
b) in Sachen sicherer Zahlungsverkehr

Der Dativ kommt nach in Sachen übrigens auch vor (in Sachen sicherem Zahlungsverkehr) und er lässt sich mit etwas Mühe eventuell sogar grammatisch begründen. Aus verschiedenen Gründen würde ich hier aber von seiner Verwendung abraten, obwohl ich dem Dativ sonst häufig wohlgesinnt bin.

Ich hoffe, dass ich Ihnen hiermit in Sachen des Gebrauchs von „in Sachen“ resp. in Sachen Gebrauch von „in Sachen“ eine kleine praktische Hilfestellung leisten konnte.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Ein Dativ, der sich als Genitiv ausgibt

Frage

Mal wieder eine Frage, die ich nicht beantworten kann:

Das ist die Untersuchung, während der man völlig ruhig liegen muss.
Das ist die Untersuchung, während deren man völlig ruhig liegen muss.

Müsste der zweite Satz nicht der korrekte sein, da „während“ ja immer noch eine Genitivpräposition ist? Warum aber klingt mir der erste dann deutscher in den Ohren?

Antwort

Guten Tag Herr D.,

wer nach während nur den Genitiv akzeptiert, sagt und schreibt:

Das ist die Untersuchung, während derer/deren man völlig ruhig liegen muss.

Auf während folgt hier ein Relativpronomen. Da dieses Relativpronomen sich auf Untersuchung bezieht, muss es ein weiblicher Singular sein. Da es von während abhängig ist, sollte es im Genitiv stehen. Die entsprechende Form ist derer oder deren (siehe hier).

Viel häufiger trifft man aber tatsächlich während der an, obwohl der hier ein Dativ ist (vgl. die Untersuchung, mit der man ...):

Das ist die Untersuchung, während der man …

Das liegt wahrscheinlich daran, dass der weibliche Singular der als bestimmter Artikel nicht nur Dativ, sondern auch Genitiv sein kann (vgl. mit der Untersuchung; während der Untersuchung). Aus diesem Grund fällt es nicht so auf, dass die weibliche Singularform der als Relativpronomen eigentlich ein Dativ ist, der streng genommen nicht auf während folgen darf.

Beim männlichen Pronomen geschieht diese „Verwechslung“ viel weniger: Nach während steht viel häufiger dessen als dem, dem man den Dativ viel besser ansieht, als dies bei der Form der der Fall ist .

Das ist ein Test, während dessen …

Bei der Beurteilung, ob eine Untersuchung, während der … akzeptabel ist oder nicht, stellt sich also die folgende Frage: Hat die Regel „recht“ (während derer/deren) oder der allgemeine Gebrauch (während der)?

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Karneval, Fasching Fas(t)nacht usw.

Herr G. hat mich gefragt, wie die Bezeichnung der Karnevals-, Faschings- resp. Fastnachtstage etwas vereinheitlicht werden könnte. Ich habe ihm darauf nicht allzu hilfsbereit (wofür ich ihn nochmals um Verzeihung bitte) geantwortet, dass ich eine Vereinheitlichung in diesem Bereich, der geradezu mit der Umkehrung der sonst geltenden Regeln zu tun hat und sehr regional geprägt ist, nicht für nötig halte. Hier eine Übersicht der gängigeren Namen:

Bereits hinter uns haben wir den Tag mit der größten Zahl verschiedener Bezeichnungen:

Weiberfasching, Wieverfastelovend, Fettdonnerstag, Schwerdonnerstag, Weiberfasnet, Altweiberfasching, Altweiberfastnacht, Schmutziger Donnerstag

Heute ist:

Rußiger Freitag, Karnevalsfreitag, Faschingsfreitag, Fastnachtsfreitag

Morgen haben wir dann:

Schmalziger Samstag, Nelkensamstag, Karnevalssamstag, Faschingssamstag, Fastnachtsamstag

Danach wird Auswahl an verschiedenen Bezeichnungen immer geringer. Auf den

Tulpensonntag, Karnevalssonntag, Faschingssonntag, Fastnachtssonntag

folgen:

Rosenmontag, Karnevalsmontag, Faschingsmontag, Fastnachtsmontag

Veilchendienstag, Karnevalsdienstag, Faschingsdienstag, Fastnachtsdienstag

Aschermittwoch

Da ich aus einer Region ohne Fastnacht komme und in einer Region ohne Karneval wohne, bin ich alles andere als ein Faschingsspezialist. Ich übernehme deshalb keine Verantwortung für die Korrektheit und Vollständigkeit der oben stehenden Liste und entlasse nun alle Narren und Närrinnen ins Narrentreiben und die anderen in ein hoffentlich schönes Wochenende.

Mit dem in Ihrer Region üblichen Narrenruf und einem freundlichen Gruß

Dr. Bopp

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