Archiv für Allgemein

Abwesend

Der letzte Blogbeitrag liegt schon zehn Tage zurück. Das liegt unter anderem daran, dass ich schon ein Weilchen Urlaub habe. Es wird auch noch ein paar Tage dauern, bis ich mir wieder neue Schwielen an die Fingerspitzen tippen werde. Und weil der Regen gerade eben wieder aufgehört hat, wird diese verspätete Abwesenheitsmeldung auch nicht mehr länger.

Genießen Sie den Sommer!

Dr. Bopp

Kommentare

Badeblume, Meerestau, königliches Kraut und andere aromatische Gewächse

Weil der Lavendel im Garten gerade so schön blüht, heute wieder einmal etwas Wortgeschichtliches.

Lavendel

 

Wie Sie vielleicht wissen, befällt mich hin und wieder die etymologische Neugier. Wieso heißt der Lavendel so, wie er heißt? Meine Französisch- und Italienischkenntnisse hatten mir schon eingeflüstert, dass der Name etwas mit laver resp. lavare (= waschen) zu tun haben könnte. Der Lavendel ist zurzeit zwar auch in nördlicheren Gebieten eine beliebte Gartenpflanze, aber er kommt ursprünglich doch aus südlicheren Gefilden, wo man laver und lavare sagt. Das würde dann ja passen.

Nach den Angaben der etymologischen Wörterbücher stimmt es sogar. Die Herkunft ist zwar unsicher, aber man nimmt an, dass es auf ein wahrscheinlich in Italien gebildetes lateinisches lavindula, lavendula zurückgeht, was ungefähr was zum Waschen dient bedeutete. Der Lavendel diente als wohlriechender Zusatz zum Wasch- oder Badewasser und verdankt seinen Namen wahrscheinlich dieser Tatsache.

Beim Lavendel war ich also auf der richtigen Spur. Bei einer anderen aromatischen Pflanze waren meine Vermutungen weniger zutreffend. Den Rosmarin assoziierte ich spontan mit Meerrose. Dabei störte mich weder die fehlende Ähnlichkeit mit einer Rose noch die Tatsache, dass das Wort dann eigentlich weiblich sein müsste, während es bei uns, aber auch z. B. im Französischen (romarin) und Italienischen (rosmarino) männlich ist. Bei marin (Meer-) lag ich noch richtig. Die Pflanze wuchs ursprünglich vor allem in Küstengebieten. Bei ros aber lag ich falsch. Dieser Wortteil wird nicht auf rosa = Rose, sondern auf ros = Tau zurückgeführt. Der Rosmarin trägt also den poetische Namen Meerestau, vielleicht dank der silbergrauen Unterseite seiner Blätter oder weil er im Tau des Meeres besonders gut wachsen soll.

Auch der Thymian trägt einen interessanten Namen. Er geht über ein paar „Umwege“ auf das griechische thýmon = Thymian zurück, das wiederum von thýein = ein Rauch- oder Brandopfer darbringen abgeleitet sei. Man habe diese Pflanze ihres Duftes wegen bei Brandopfern verwendet.

Der Basilikum kommt von griechisch basilikós = königlich, fürstlich. Es handelt sich also – dem stimmen sicher viele Fans von Tomaten und Insalata caprese zu – um ein königliches Kraut.

Langweiliger oder, wenn man will, mysteriöser ist schließlich die Herkunft der Namen Majoran und Oregano. Beide gehen auf ein griechisches Wort zurück. Beide waren aber auch im Griechischen schon Lehnwörter und bei beiden ist die weitere Herkunft unbekannt.

So weit der Exkurs in die Herkunft der Namen einiger aromatischer Pflanzen. Viel interessanter wäre natürlich, welche Köstlichkeiten man mit ihnen zubereiten kann, doch Rezepte gehören (leider!) nicht in diesen Blog.

Dr. Bopp

Kommentare

Die Bindestriche-sind-besser-Haltung oder die „Leerzeichen gehen auch“-Einstellung

Frage

Ich habe eine Übersetzung mit folgendem Satz vorliegen:

Du wirst nicht diese schwache „Ich-bin-nur-Durchschnitt“-Mentalität haben.

Es geht mir um „Ich-bin-nur-Durchschnitt“-Mentalität (im engl. Orig.: “I’m just average” mentality; “mentality” steht nicht in Anführungszeichen). Aus meiner Sicht ist die Koppelung des Ausdrucks mit Bindestrichen zusammen mit der Verwendung von Anführungszeichen falsch oder zumindest redundant. Ich würde die Bindestriche entfernen und die Phrase in Anführungszeichen an „Mentalität“ anbinden, also: „Ich bin nur Durchschnitt“-Mentalität schreiben. Ist das aus Ihrer Sicht korrekt? […]

Antwort

Guten Tag T.,

die folgenden Schreibweisen kommen in Fällen wie diesen häufig vor:

a) die Ich-bin-nur-Durchschnitt-Mentalität
b) die „Ich bin nur Durchschnitt“-Mentalität

Ich würde Ihnen a), das heißt die Variante mit Bindestrichen und ohne Anführungszeichen empfehlen. Da man im Englischen hier in der Regel nicht durchkoppelt, können die Anführungszeichen dort dazu beitragen, die Mehrwortgruppe innerhalb des Textes als eine Einheit zusammenzuhalten. Das liest sich etwas einfacher. Die Anführungszeichen sind im Deutschen dank der bei Komposita mit Mehrwortgruppen üblichen Durchkoppelung für das Verständnis oder die Verdeutlichung der Zusammensetzung eigentlich nicht notwendig. Sie können besser weggelassen werden.

Weitere Beispiele im Deutschen:

die Ohne-mich-Mentalität
eine Mir-ist-alles-egal-Haltung
die Nach-mir-die-Sintflut-Einstellung

Wenn Sie gar nicht auf die Anführungszeichen verzichten wollen oder können, ist b) üblich. Diese Schreibweise ist allerdings nicht in der amtlichen Rechtschreibregelung vorgesehen und nicht unumstritten. Ich halte die Verwendung von Leerzeichen innerhalb einer Zusammensetzung für keine gute, lesefreundliche Lösung, auch wenn sie die Dudenredaktion hier für vertretbar hält (Duden, Richtiges und Gutes Deutsch, Stichwort „Bindestrich“).

Ich habe hier eben mehr eine Bindestriche-sind-besser-Haltung als eine „Leerzeichen gehen auch“-Einstellung.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

PS: Die Variante, die Ihnen vorliegt, „Ich-bin-nur-Durchschnitt“-Mentalität, scheint weniger häufig vorzukommen. Sie ist etwas gar viel des Guten, wenn es um die Satzzeichen geht, aber nach meiner Einschätzung nicht grundsätzlich ausgeschlossen. Ich würde sie allerdings nicht verwenden.

Kommentare

Wir wird (der) Matrose Engelbert gebeugt?

Frage

Ist der Dativ so auch zulässig:

Machen Sie eine Reise mit Kapitän Paulsen und Matrose Engelbert.

Oder muss man hochsprachlich schreiben:

Machen Sie eine Reise mit Kapitän Paulsen und dem Matrosen Engelbert.

Antwort

Sehr geehrte Frau W.,

wieder einmal sind beide Formulierungen möglich. Welche Sie wählen, hängt davon ab, ob die Berufsbezeichnung Matrose oder der Name Engelbert der Kern der Wortgruppe ist.

Wenn der Name Engelbert den Kern der Wortgruppe bildet und die Berufsbezeichnung Matrose eine Apposition (nähere Bestimmung) ist, wird der Name gebeugt und bleibt die Berufsbezeichnung unverändert. Matrose bleibt also immer Matrose:

Matrose Engelbert fährt auch mit
Matrose Engelberts abenteuerliche Reisen
Nichts geht ohne Matrose Engelbert
ein Reise mit Kapitän Paulsen und Matrose Engelbert

Wenn Matrose der Wortgruppenkern und Engelbert die Apposition ist, wird die Berufsbezeichnung gebeugt und der Name bleibt unverändert:

Der Matrose Engelbert fährt auch mit
Die abenteuerlichen Reisen des Matrosen Engelbert
Nichts geht ohne den Matrosen Engelbert
ein Reise mit Kapitän Paulsen und dem Matrosen Engelbert

Wann ist nun was der gebeugte Wortgruppenkern resp. die ungebeugte Apposition?

In Verbindung mit einem Namen ist eine Verwandtschaftsbezeichnung, eine Berufsbezeichnung, ein Titel u. Ä. eine Apposition zum Namen, wenn kein Artikel(wort) verwendet wird. Gebeugt wird der Kern der Wortgruppe, also der Name. Die Apposition bleibt ungebeugt:

Onkel Antons Gemüsegarten
König Arthurs Tafelrunde
Malermeister Streichers Geschäft
Nichts geht ohne Präsident Macron
eine abenteuerliche Reise mit Matrose Engelbert

In Verbindung mit einem Namen ist eine Verwandtschaftsbezeichnung, eine Berufsbezeichnung, ein Titel u. Ä. der Kern der Wortgruppe, wenn ein Artikel(wort) verwendet wird. Gebeugt wird auch hier der Kern der Wortgruppe. Der Name bleibt ungebeugt:

der Gemüsegarten meines Onkels Anton
die Tafelrunde des Königs Arthur
das Geschäft des Malermeisters Streicher
Nichts geht ohne den Präsidenten Macron
eine abenteuerliche Reise mit dem Matrosen Engelbert

Siehe auch hier und hier.

Ob Sie eine Reise mit Matrose Engelbert oder mit dem Matrosen Engelbert unternehmen, hängt also davon ab, ob Sie finden, dass Matrose Engelbert oder der Matrose Engelbert mitfährt. Grammatisch ist beides richtig.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare

Ein Schwerpunkt bildet der …

Frage

Heißt es „Ein Schwerpunkt bildet der künstliche Kniegelenkersatz“ oder „Einen Schwerpunkt bildet der künstliche Gelenkersatz“?

Antwort 

Sehr geehrte Frau M.,

verdächtigerweise klingen beide Formulierungen irgendwie richtig. Grammatisch gesehen ist aber nur eine von ihnen korrekt. Mittelpunkt des Satzes ist das Verb bilden. Es verlangt ein Subjekt und ein Akkusativobjekt:

Wer oder was bildet wen oder was?

Subjekt und Akkusativobjekt sind in Ihrem Satz so verteilt: Das künstliche Kniegelenk (= Subjekt) bildet einen Schwerpunkt (= Akkusativobjekt). Wenn nun Schwerpunkt an den Satzanfang gestellt wird, bleibt es ein Akkusativobjekt. Es heißt deshalb:

Einen Schwerpunkt bildet der künstliche Kniegelenkersatz.

Auch mit dem Verb darstellen trifft man relativ häufig einen Nominativ an, wo ein Akkusativ stehen sollte. Es heißt also nicht:

*Ein Schwerpunkt stellt der Erwerb sozialer Kompetenzen dar.

sondern:

Einen Schwerpunkt stellt der Erwerb sozialer Kompetenzen dar.

Wie kommt es, dass hier relativ oft fälschlich ein Nominativ steht und dass dieser Nominativ auf den ersten Blick gar nicht so furchtbar falsch aussieht? Ich vermute, dass es daran liegt, dass die Verben bilden und darstellen vor allem die Funktion haben, das „langweilige“ sein zu vermeiden. Mit sein ist der Nominativ korrekt:

Ein Schwerpunkt ist der künstliche Kniegelenkersatz.
Ein Schwerpunkt ist der Erwerb sozialer Kompetenzen.

Es könnte also sein, dass die eigentlich gemeinte Konstruktion mit dem gewöhnlichen sein sich bei den Formulierungen mit den Ersatzverben bilden und darstellen doch in den Vordergrund drängt. Anders gesagt: Die Ersatzformulierung wird nur zum Teil durchgeführt. Nur das Verb, nicht aber die dazugehörende Konstruktion wird angepasst.

Wenn Schwerpunkt am Satzanfang stehen soll, gefällt mir persönlich übrigens die Formulierung mit dem schlichten sein besser als die Varianten mit bilden oder darstellen. Doch das ist natürlich eine reine Stil- und Geschmackssache.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare (1)

Hamburg zeigt sich von seiner/ihrer schönsten Seite

Frage

Wenn ich mit meinem Gast spazieren gehe, sage ich dann zu ihm: „Hier zeigt sich Hamburg von seiner schönsten Seite“? Oder sage ich, weil ein Femininum: „von ihrer schönsten Seite“?

Antwort

Sehr geehrte Frau S.,

Hamburg ist nicht weiblich, sondern wie alle Länder und Städte, die ohne Artikel stehen, sächlich. Das sieht man dann gut, wenn eine nähere Bestimmung dazutritt:

das alte Hamburg
das Hamburg meiner Kindheit
mein schönes Hamburg
Hamburg und seine Elbphilharmonie

Entsprechend sagen Sie also auch:

Hier zeigt sich Hamburg von seiner schönsten Seite.

Und weil es diesmal so schön einfach ist, hier gleich noch ein paar Beispiele:

das alte Rom
das Deutschland der Dichter und Denker
mein schönes Hessen/Sachsen/Österreich
Schweden und seine Hauptstadt Stockholm
Dort zeigt sich Südamerika von seiner schönsten Seite.

Anders sieht es aus, wenn Sie die Formulierung die Stadt Hamburg verwenden. Dann ist das weibliche Substantiv Stadt der Kern der Wortgruppe, mit dem die grammatische Übereinstimmung erfolgt:

meine schöne Stadt Hamburg
die Stadt Hamburg und ihre Elbphilharmonie
Hier zeigt sich die Stadt Hamburg von ihrer schönsten Seite.

Hamburg zeigt sich also von seiner schönsten Seite und die Stadt zeigt sich von ihrer schönsten Seite.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare

Gehen wir Deutsche oder wir Deutschen im September zur Urne?

Der letzte Blogeintrag behandelte eine Frage der Adjektivbeugung. Heute geht es gleich noch einmal um dieses Thema. Das liegt daran, dass die Beugung des Adjektivs im Deutschen sehr komplex ist und entsprechend häufig zu Zweifeln Anlass gibt. Und wer das nicht glaubt, sollte einmal Deutschlernende danach fragen oder – noch besser – versuchen, sie ihnen zu erklären. Deshalb also gleich noch einmal eine Runde Adjektivbeugung:

Frage

Können Sie mir erklären, was hier richtig ist:

Wir Deutschen wählen im September.
Wir Deutsche wählen im September.

Antwort

Sehr geehrter Herr S.,

beide Formulierungen gelten als korrekt. Im Prinzip wird ein (substantiviertes) Adjektiv nach einem Personalpronomen stark gebeugt, weil vor ihm kein Artikelwort mit einer Endung steht (vgl. den letzten Blogeintrag und hier)

 „Ich Armer habe Hunger“, seufzte er.
Du liebes Kind, komm geh mit mir!
Wir Deutsche wählen im September.
Ihr Deutsche wählt im September.

Nach wir und ihr kommt heute allerdings häufiger die schwache Beugung vor, die ebenfalls als richtig akzeptiert ist:

Wir Deutschen wählen im September.
Ihr Deutschen wählt im September.

Und wenn das Adjektiv nicht substantiviert ist, wird heute fast nur noch schwach gebeugt:

Wir deutschen Wähler und Wählerinnen werden im September zu den Urnen gerufen.
(selten: Wir deutsche Wähler und Wählerinnen …)

Damit Sie sehen, dass dies alles nicht nur in deutschen Wahljahren gilt, hier noch einige andere Beispiele:

Wir vom Stress Geplagten/Geplagte gönnen uns zu wenig Ruhe.
Hallo ihr Lieben/Liebe, wie geht es euch?
Wir armen (selten: arme) Sünder bitten um Vergebung.
Ihr lieben (selten: liebe) Leute, lasst euch sagen …

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare

Unser und das Adjektiv

Frage

Bitte schlichten Sie einen Disput, der zwischen meinen Kollegen/Kolleginnen und mir tobt. Es geht um folgende Textstelle:

Unser offen zur Schau getragene Streit bleibt nicht unbeobachtet.

Wir diskutieren lebhaft, ob es im obigen Satz „getragene“ oder „getragener“ heißen muss oder ob vielleicht sogar beides erlaubt ist, und mit jedem, der seine Meinung dazu abgibt, wird die Stimmungslage gespannter.

Antwort

Sehr geehrte Frau S.,

richtig ist hier die starke Endung er:

Unser offen zur Schau getragener Streit bleibt nicht unbeobachtet.

Dann noch der Versuch einer einfachen Erklärung:

Es geht hier um die männliche Adjektivendung im Nominativ Singular. Steht der bestimmte Artikel der oder ein Artikelwort mit der Endung er vor dem Adjektiv, hat es die schwache Endung e:

der kleine Sohn
dieser schwere rote Wein
der offen zur Schau getragene Streit

Steht kein Artikelwort oder ein endungsloses Artikelwort vor dem Adjektiv, hat es die starke Endung er:

mein kleiner Sohn?
schwerer roter Wein
ihr offen zur Schau getragener Streit

Vgl. hier.

Und nun kommen wir zum Problemfall unser. Dieses besitzanzeigende Wort sieht aus, wie wenn es die Endung er hätte. Das würde dafür sprechen, dass ein nachfolgendes Adjektiv die schwache Endung e annimmt. Das er ist aber keine Endung, sondern Teil des Stammes. Vgl.

unser Haus / mein Haus
in unser-em Haus / in mein-em Haus
unser-e Nachbarin / mein-e Nachbarin

Die Form unser ist hier also endungslos. Entsprechend muss ein nachfolgendes Adjektiv wie nach z. B. mein stark gebeugt werden:

unser kleiner Sohn / mein kleiner Sohn
unser schwerer roter Wein / mein schwerer roter Wein
unser offen zur Schau getragener Streit / ihr […] getragener Streit

Die Verunsicherung entsteht also dadurch, dass das Wort unser zwar wie ein Wort mit der Beugungsendung er aussieht, in Wirklichkeit aber endungslos ist. Sie entsteht auch nur bei der Adjektivendung er. Während man des Öfteren hört und liest

unser *kleine Sohn wie der kleine Sohn statt unser kleiner Sohn

passiert dieses Versehen eigentlich nie bei der sächlichen Endung es:

unser *kleine Kind wie das kleine Kind statt unser kleines Kind

Ich hoffe, dass diese Angaben dazu beitragen, den Disput friedlich zu beenden.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare

Das gehört mir oder das ist mein/meins/mir

Frage

Mein Mann sagt „Das ist mir“ oder „Das ist Dein“. Sind das korrekte Sätze? Ich meine, das ist falsch.

Antwort

Sehr geehrte Frau B.,

die Formulierungen, die Sie in Ihrer Frage anführen, sind ein schönes Beispiel dafür, dass es in der Sprache nicht immer nur darum geht, ob etwas richtig oder falsch ist. Die Wendungen, die Ihr Mann verwendet, sind nämlich nicht falsch. Sie gehören einfach zu verschiedenen Sprachniveaus.

Wenn man ausdrücken möchte, dass etwas jemandes Besitz ist, wählt man in der heutigen Standardsprache im Allgemeinen das Verb gehören:

Das Buch gehört mir.
Gehört der Wagen dir?
Das Grundstück gehörte ihm/ihr.

Daneben gibt es noch weitere Möglichkeiten, dasselbe Besitzverhältnis anzugeben. Standardsprachlich akzeptiert ist auch:

Das Buch ist mein.
Ist der Wagen dein?
Das Grundstück ist sein/ihr.

Ich muss dabei aber anmerken, dass diese Wendung auf mich einen sehr gehobenen und eher veraltenden Eindruck macht. Sie passt zu Aussagen wie:

Die Rache ist mein.
Der Sieg ist unser!
Dein ist mein ganzes Herz

Viel häufiger kommen die folgenden, als umgangssprachlich und regionalsprachlich geltenden Wendungen vor:

Das Buch ist meins.
Ist der Wagen deiner?
Das Grundstück ist seins.

Oder mit dem Dativ:

Das Buch ist mir.
Ist der Wagen dir?
Das Grundstück ist ihm.

Es gibt also verschiedene Arten, wie man angeben kann, dass etwas jemandes Besitz ist. Es geht hier nicht darum, ob wirklich all diese Wendungen „richtig“ sind, sondern darum, jeweils die zur Situation und dem Sprachniveau passende zu wählen:

In einem neutralen standardsprachlichen Kontext verwendet man am besten gehören. Die Wendung das ist mein/dein/unser usw. passt eher in einen gehobenen (oder evtl. ironisch-humoristischen) Zusammenhang. In der alltäglichen Umgangssprache können Sie schließlich je nach Region oder Lust und Laune das ist meins oder das ist mir sagen.

Und wem das alles zu kompliziert ist: jemandem gehören passt immer.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare

Von Kartoffelschnaps, Apfelaktionen und nicht bestehenden Regeln

Manchmal tauchen Regeln auf, an die sich jemand erinnert oder zu erinnern glaubt, die im konkreten Sprachgebrauch zu Problemen führen können, weil es sie schlichtweg nicht gibt. Heute geht es um ein Beispiel einer solchen „Regel“, die zum Glück relativ einfach zu widerlegen ist.

Frage

Ist „Vom Kartoffelschnaps zu Apfelaktionen“ richtig? Oder muss es entweder „Von Kartoffelschnaps zu Apfelaktionen“ oder „Vom Kartoffelschnaps zu den Apfelaktionen“ heißen? Ich erinnere mich an eine Regel, die besagte, dass in einem solchen Fall entweder der bestimmte Artikel für beide Substantive oder der unbestimmte Artikel für beide Substantive verwendet werden muss. Gibt es eine solche Regel?

Antwort

Sehr geehrte Frau M.,

es gibt keine solche Regel. Es spricht nämlich nichts grundsätzlich dagegen, von etwas Unbestimmtem zu etwas Bestimmtem zu gehen ­– oder von etwas Bestimmtem zu etwas Unbestimmtem.

vom heutigen Tag zu früheren Zeiten
von früheren Zeiten zum heutigen Tag

vom bereits Gesagten zu neuen Gedanken
von neuen Gedanken zum bereits Gesagten

„Nur“ wenn beide Elemente gleich bestimmt resp. unbestimmt sind, müssen sie beide mit oder beide ohne Artikel stehen. Das ist, wie gesagt, nicht immer der Fall.

Die Formulierung vom Kartoffelschnaps zu Apfelaktionen ist also möglich.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp


PS: Die Regel, an die Sie sich vielleicht erinnern, hat nur indirekt mit bestimmten und unbestimmten Wörtern zu tun. Sie bezieht sich darauf, dass es bei einer Aufzählung mit einer Präposition, die mit dem Artikel verschmolzen ist, und einer nicht verschmolzenen Form besser ist, die Präposition zu wiederholen. Das klingt, wenn man es so kurz formuliert, komplizierter als es ist. Ein paar Beispiele:

besser nicht: vom Kartoffelschnaps und Apfelaktionen
sondern: vom Kartoffelschnaps und von Apfelaktionen
oder: von Kartoffelschnaps und Apfelaktionen

besser nicht: beim Kartoffelschnaps oder einem Bier
sondern: beim Kartoffelschnaps oder bei einem Bier

besser nicht: im Saarland und Hessen
sondern: im Saarland und in Hessen

Ebenso:

besser nicht: Der Bus fährt zum Bahnhof und der Stadthalle.
sondern: Der Bus fährt zum Bahnhof und zur Stadthalle.

Kommentare (4)