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Wortausbeute

Ich mag Wortzusammensetzungen. Vor allem in Bereichen, von denen ich nichts verstehe, gibt es immer wieder Komposita, die mich einfach ansprechen.

Ich war gestern kurz im Baumarkt, wo ich mit meinen zwei rechten Händen – ich bin Linkshänder – nicht sehr häufig anzutreffen bin. Hier die spontane Wortausbeute dieses Nichthandwerkers:

Felgenbürste
Kabeltrommel
Kombihammer
Zahnspachtel
Meisenknödel

Das letzte Wort gehört nicht zum Standardangebot eines Baumarktes, aber man findet es derzeit trotzdem auch dort. Es ist auch das einzige der fünf Produkte, das ich gekauft habe …

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Flammend rot gefärbte, flammendrot gefärbte, flammend rotgefärbte oder flammendrotgefärbte Haare?

Frage

Wie schreibe ich: „Sie hatte flammend rot gefärbte Haare“? Ist das so richtig oder ist „flammendrot“ eine Farbbezeichnung und ich schreibe sie zusammen? Oder schreibt man: „Sie hatte flammend rotgefärbte Haare“?

Antwort

Sehr geehrte Frau R.,

bei dieser Frage muss man tatsächlich verschiedene Kombinationsmöglichkeiten abwägen. Fangen wir die Sache einmal von hinten an. Die Kombination von rot und gefärbt kann getrennt oder zusammengeschrieben werden (vgl. hier):

rot gefärbte Haare
rotgefärbte Haare

Nun kommt aber noch flammend hinzu. Diese Bestimmung bezieht sich nur auf rot, nicht auf rotgefärbt resp. rot gefärbt:

wie rot? – flammend rot
nicht: wie rotgefärbt? – flammend rotgefärbt

Die Schreibung flammend rotgefärbt fällt somit weg.

Die Haare sind also in einem flammenden Rot gefärbt. Wie ist nun diese Farbbezeichnung zu schreiben? Nach der amtl. Regelung kann man die Verbindung von flammend und rot wie leuchtend rot nur getrennt schreiben (vgl. hier)

flammend rote Haare
nicht: *flammendrote Haare

Wenn man nicht flammendrot schreiben kann, fallen auch die Schreibungen flammendrot gefärbt und flammendrotgefärbt weg.

Nach all diesen Überlegungen bleibt nur noch diese Schreibung übrig:

flammend rot gefärbte Haare
Sie hatte flammend rot gefärbte Haare.

Kein Wunder, dass viele – auch ich – bei solchen Wortgruppen zuerst einmal ins Zweifeln geraten, was denn nun zusammen- und was getrennt geschrieben werden kann oder muss!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Denises Auto und Denise’ Auto

Frage

In einer Diskussionsgruppe hat jemand die Frage gestellt, ob es Denise‘ Auto oder Denises Auto heißt. Meiner Meinung nach ist Denise‘ Auto richtig. Jemand hat aber behauptet, dass Denises stimmt. Jetzt frage ich Sie als Experten, was jetzt wirklich stimmt?

Antwort

Sehr geehrter Herr A.,

was stimmt, das heißt, wie man die Genitivform von Denise bildet, hängt davon ab, wie man den Namen ausspricht.

Bei der in Deutschland üblichen Aussprache hat der Name drei Silben und endet auf ein unbetontes e. Dann hängt man in Aussprache und Schrift im Genitiv ein s an:

Denise [denisə] – Denises Auto [denisəs auto]

Es heißt also Denises Auto wie Susannes Wagen, Hannelores Harley oder Lasses Lada.

Bei ans Englische angelehnter Aussprache hat der Name zwei Silben und endet auf s, das heißt, se am Wortende wird als s ausgesprochen. Die Aussprache ist im Genitiv gleich wie im Nominativ. Dann schreibt man im Genitiv einen Apostroph:

Denise [deni:s] – Denise’ Auto [deni:s auto]

Man schreibt dann Denise’ Auto wie Bruce’ Wagen, Alice’ Alfa oder Maurice’ Motorrad. (Sehr häufig sind diese Schreibungen aber nicht, da meist bewusst oder unbewusst auf andere Formulierungen ausgewichen wird.)

Die Schreibung des Genitivs von Denise richtet sich also nach der Aussprache des Namens (siehe auch hier). Somit haben in Ihrer Diskussionsgruppe im Prinzip alle recht – allerdings nur solange niemand auf die Idee kommt, Denise’s Auto zu schreiben. Das wäre ein Apostroph, den man im Deutschen besser nicht setzt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Um minus zehn weniger?

Frage

Im Bericht über die Entwicklung der Finanzen finden sich Sätze wie:

Der Jahresgewinn fällt mit 60 203 € rund −146 983 € tiefer aus als im Vorjahr.
Die Aktiven haben gegenüber dem Vorjahr um rund −250 000 € abgenommen.

[…] Ich bin der Ansicht, dass die Minuszeichen in den beiden Sätzen nichts verloren haben. Die Abnahme bezieht sich auf den Betrag. Ich weiß aber nicht, ob allenfalls einige Fachleute so sprechen.

Antwort

Sehr geehrter Herr B.,

das Minuszeichen ist tatsächlich unnötig. Mit abnehmen und tiefer ausfallen wird bereits angegeben, dass der genannte Betrag als Minusbetrag gemeint ist:

Der Jahresgewinn fällt mit 60 203 € rund 146 983 € tiefer aus als im Vorjahr.
Die Aktiven haben gegenüber dem Vorjahr um rund 250 000 € abgenommen.

So sagt man zum Beispiel auch:

Ich habe etwas gekauft und habe jetzt 10 Euro weniger im Portemonnaie.
nicht: Ich habe etwas gekauft und habe jetzt minus 10 Euro weniger im Portemonnaie.

Das Minuszeichen kommt nur dann zum Einsatz, wenn kein anderes Element im Satz angibt, dass es sich um einen Minusbetrag handelt:

Der Jahresgewinn beträgt 60 203 €. Das ist im Vergleich zum Vorjahr ein Unterschied von −146 983 €.

(Solche Formulierungen sind meiner Meinung nach vor allem für ein Fachpublikum geeignet. Vielleicht dienen sie manchmal ja auch dazu, die allgemeine Leserschaft so wenig wie möglich merken zu lassen, dass es sich um Minusbeträge handelt. Das kleine Strichlein fällt weniger auf als abnehmen und tiefer. Doch das ist nur eine böse Unterstellung von mir, die weiter nichts mit Ihrer Frage zu tun hat.)

Formulierungen wie minus x Euro tiefer und um minus x Euro abnehmen sind bestenfalls als Pleonasmus („doppelt gemoppelt“) anzusehen. Man könnte aber auch behaupten, das Minuszeichen sei nicht nur überflüssig, sondern einfach falsch, denn wenn etwas um minus 10 weniger wird, wird es dann nicht um 10 mehr? Ob das wirklich zutrifft, ist ein Frage, deren Beantwortung ich lieber mathematisch-logisch besser ausgerüsteten Leuten überlasse.

Kurzum: Ihre Zweifel sind berechtigt. Das Minuszeichen ist in diesen Sätzen überflüssig.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Eine Wortgruppe und ein Nebensatz und (k)ein Komma

Frage

Gehört im folgenden Satz hinter das „und“ eigentlich ein Komma oder nicht?

Bewerten Sie unsere Argumentation und wie sie auf andere wirken könnte

Immerhin ist der zweite Teil ja ein untergeordneter Nebensatz und einen solchen muss man ja durch ein Komma abtrennen. Trotzdem würde ich eher keines setzen, aber ich könnte nicht erklären, warum. Sie vielleicht?

Antwort

Sehr geehrter Herr H.,

in Ihrem Satz verbindet und gleichrangig eine Wortgruppe (unsere Argumentation) und einen Nebensatz (wie sie auf andere wirken könnte). Das ist eine zwar nicht allzu häufig vorkommende Konstruktion, sie gibt aber regelmäßig Anlass zu Zweifeln bei der Kommasetzung.

Wenn und (oder oder, sowohl als auch usw.) eine Wortgruppe und einen Nebensatz verbindet, gilt Folgendes:

  • Vor und nach und steht kein Komma.
  • Wenn der übergeordnete Satz und die Wortgruppe aneinandergrenzen, setzt man zwischen sie kein Komma:

Bewerten Sie unsere Argumentation und wie sie auf andere wirken könnte.
Wie unsere Argumentation auf andere wirken könnte und ihre allgemeine Qualität bewerten Sie hier.
Was wir für die Reise benötigen und die Geschenke für die Kinder habe ich schon eingepackt.
Die Personalbesetzung wird angepasst bei großem Andrang oder wenn nur wenig Besucher kommen.

  • Wenn der übergeordnete Satz und der Nebensatz aneinandergrenzen, setzt man zwischen sie ein Komma:

Bewerten Sie, wie unsere Argumentation auf andere wirken könnte und ihre allgemeine Qualität.
Unsere Argumentation und wie sie auf andere wirken könnte, bewerten Sie hier.
Die Geschenke für die Kinder und was wir für die Reise benötigen, habe ich schon eingepackt.
Die Personalbesetzung wir angepasst, wenn nur wenig Besucher kommen oder bei großem Andrang.

Dafür, dass es um das Komma geht, ist es eigentlich ziemlich einfach. Siehe auch hier.

Sie haben also ganz zu Recht kein Komma gesetzt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Sind wenn-Sätze immer noch würde-los?

Frage

Früher galt ja der Satz „Wenn-Sätze sind würde-los“. Nun stehe ich vor folgendem Satz: „Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie uns weiterempfehlen würden.“
Ist das heutzutage schon korrekt, oder was wäre eine bessere (richtige und gut lesbare) Variante?

Antwort

Sehr geehrter Herr H.,

diese Stilregel ist heute nicht mehr allgemein gültig. Das liegt u. a. daran, dass man heute ungebräuchliche alte Formen des Konjunktivs II vermeidet:

Wir würden uns freuen, wenn Sie uns weiterempfehlen würden.
statt: wenn Sie uns weiterempföhlen

Was würdest du tun, wenn du im Lotto eine Million gewinnen würdest?
statt: wenn du im Lotto eine Million gewännest/gewönnest

Häufiger noch vertritt die würde-Form heute den Konjunktiv II, wenn sich die Konjunktivformen nicht von den Indikativformen unterscheiden:

Wir würden uns freuen, wenn Sie uns begleiten würden.
statt: wenn Sie uns begleiteten

Was würdest du tun, wenn du im Lotto einen Sechser erzielen würdest?
statt: wenn du im Lotto einen Sechser erzieltest.

Die würde-Formen sollten in der Standardsprache allerdings auch jetzt noch vermieden werden, wenn die Konjunktiv-II-Formen noch gebräuchlich sind und sich von den Indikativformen unterscheiden (z.B. hätte, wäre, könnte, müsste, dürfte, ginge, käme, läge, säße u. a. m.).

Wir würden uns freuen, wenn Sie bald wieder einmal zu uns kämen.
Wie wäre es, wenn du eine Million gewonnen hättest?

Mehr zu dieser Frage finden Sie u. a. hier.

Wie immer bei Stilfragen gibt es natürlich auch hier verschiedene Ansichten. Wenn Sie der guten alten würde-Regel treu bleiben wollen oder wenn Sie die Häufung von würde-Formen schwerfällig finden, brauchen Sie einfach ein bisschen Geschick beim Umformulieren. Zum Beispiel:

Wir würden uns freuen, wenn Sie uns weiterempfehlen könnten.
Was würdest du mit einem Millionengewinn im Lotto tun?

Das ist aber nicht unbedingt nötig, denn wenn-Sätze sind heute nicht mehr zwingend würde-los.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Ein Termin mit oder bei jemandem?

Heute geht es um eine Frage, die Muttersprachige sich wohl kaum je stellen, die aber Deutschlernende manchmal beschäftigt: ein Termin mit oder ein Termin bei? Die Schwierigkeit für sie liegt darin, dass beides vorkommt und dass häufig, aber nicht immer beides möglich ist.

Frage

Was ist richtig: „Ich habe einen Termin mit Herrn Müller“ oder „Ich habe einen Termin bei Herrn Müller“?

Antwort

Sehr geehrter Herr B.,

beide Formulierungen sind möglich, es gibt aber einen Bedeutungsunterschied:

ein Termin mit X = Angabe, mit wem man sprechen wird
ein Termin bei X = Angabe, wo das Treffen stattfinden wird

Zum Beispiel:

Ich habe einen Termin mit der Anwältin.
Ich habe im Gerichtsgebäude einen Termin mit der Anwältin.

Ich habe einen Termin bei der Anwältin.
Ich habe bei der Anwältin einen Termin mit ihrem Assistenten.

Oft ist sind die Angabe, wo man einen Termin hat, und die Angabe, mit wem man einen Termin hat, identisch. Wenn Sie zum Beispiel in Herrn Müllers Büro mit Herrn Müller reden werden, haben Sie einen Termin bei Herrn Müller und auch einen Termin mit Herrn Müller:

Ich habe einen Termin bei Herrn Müller.
Ich habe einen Termin mit Herrn Müller.

Beides ist dann korrekt.

Es ist also gar nicht so kompliziert. Sie müssen einfach entscheiden, ob Sie angeben möchten, wen Sie treffen werden (Termin mit) oder wo das Treffen stattfinden wird (Termin bei).

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Trotzdem, obwohl?

Ich hoffe, dass Sie nicht allzu lange auf eine Antwort warten mussten, obwohl ich, statt nördlich der Alpen dem November zu trotzen, im Süden Portugals noch einige schöne Sonnentage genossen habe. Anders gesagt: Ich war ein paar Tage in der Algarve und hoffe, dass Sie trotzdem nicht allzu lange auf eine Antwort warten mussten. Im November kommt bei mir nämlich häufiger der Gedanke auf, in wärmere Gefilde auszuwandern. Doch darum soll’s nicht gehen, sondern um obwohl und trotzdem, ein altbekanntes Wortpaar, das aber immer wieder zu Fragen Anlass gibt.

Frage

Gibt es Regeln zu „trotzdem“ und „obwohl“, die besagen, in welchen Fällen nur das eine und in welchen Fällen nur das andere Wort zu verwenden ist?

Antwort

Sehr geehrte Frau B.,

das Wort trotzdem kommt im Deutschen mit zwei verschiedenen Funktionen vor. Unbestritten ist seine Verwendung als Adverb. Es hat dann ungefähr die gleiche Bedeutung wie dennoch und wird auch so verwendet:

  1. Ich habe Lust wegzugehen, trotzdem (dennoch) bleibe ich heute zu Hause.
  2. Wir hatten die Waren bereits bezahlt, aber sie wurden trotzdem (dennoch) nicht geliefert.

Im ersten Satz sieht man, dass trotzdem als Adverb an erster Stelle stehen kann und dann – wie es sich in einem Hauptsatz gehört – das Verb an zweiter Stelle folgt.

Häufig begegnet man trotzdem auch als underordnender Konjunktion mit der gleichen Bedeutung und Verwendung wie obwohl. Diese Verwendung von trotzdem ist umstritten:

  1. Trotzdem (obwohl) ich Lust habe wegzugehen, bleibe ich heute zu Hause.
  2. Die Waren wurden nicht geliefert, trotzdem (obwohl) wir sie bereits bezahlt hatten.

Hier leitet trotzdem einen Nebensatz ein, was man unter anderem an der Stellung der gebeugten Verbform ganz am Schluss gut sehen kann.

Die unterordnende Konjunktion scheint dadurch entstanden zu sein, dass trotzdem langsam vom Hauptsatz in den Nebensatz gerutscht ist:

… aber trotz dem, dass wir bezahlt hatten, wurde nichts geliefert.
Trotzdem dass wir bezahlt hatten, wurde nichts geliefert.
Trotzdem wir bezahlt hatten, wurde nichts geliefert.

Obwohl diese Verwendung schon seit dem 19. Jahrhundert und auch in literarischen Texten vorkommt, halten viele sie (noch?) für umgangssprachlich.

„Regel“: Wenn Sie Kritik vermeiden möchten, verwenden Sie trotzdem nur dann, wenn es durch dennoch ersetzt werden kann (Sätzen 1 und 2). Wenn trotzdem einfach durch obwohl ersetzt werden kann, verwenden Sie es besser nicht (Sätze 3 und 4).

Wenn Ihnen aber Kritik hier nicht so wichtig ist, verwenden Sie trotzdem dennoch wie obwohl, obwohl oder eben trotzdem strenge Sprachhüter und weniger nachsichtige Grammatikerinnen dies für umgangssprachlich halten.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Abgehängt und abgehangen

Frage

Ich bitte Sie um Beantwortung der Frage, ob der folgende Satz richtig ist: „Das Fleisch hat zwei Wochen im Reiferaum gehangen und ist jetzt sehr gut abgehängt.“ Es geht mir besonders um „abgehängt“ und „abgehangen“!

Ich bin mir nicht sicher, ob es sich bei dem abgehängten Fleisch doch vielleicht um ein Zustandspassiv handelt, da ja nicht gemeint ist, dass das Fleisch ohne Zwischenfälle von irgendwo abgenommen wurde, sondern dass es sich um seinen jetzigen Zustand handelt.

Antwort

Sehr geehrter Herr K.,

das Partizip abgehängt gehört zum transitiven Verb abhängen (etwas Aufgehängtes herunternehmen, etwas loskoppeln).

Sie hat Bild wieder abgehängt.
Der hinterste Wagen wird in Freiburg abgehängt.
Wir haben alle Konkurrenten abgehängt.

Das Partizip abgehangen gehört zum intransitiven Verb abhängen (u.a. durch längeres Hängen mürbe werden).

gut abgehangenes Rindfleisch

Es ist theoretisch möglich, zu sagen, dass das Fleisch sehr gut abgehängt ist. Mit diesem Zustandspassiv würde ausgerückt, dass das Fleisch sich in einem Zustand des Sehr-gut-vom-Haken-genommen-Seins befindet.

Wenn jedoch, wie ich stark vermute, gesagt werden soll, dass das Fleisch sehr schön mürbe (geworden) ist, muss es heißen:

Das Fleisch hat zwei Wochen im Reiferaum gehangen und ist jetzt sehr gut abgehangen.

Auch ich werde hoffentlich in gut zwei Wochen das intransitive Verb abhängen in umgangssprachlichem Sinn verwenden können: Ich habe in Portugal viel einfach nur abgehangen. Für diese Wortwahl bin ich allerdings nicht mehr jung genug – und wenn ich es noch wäre, hieße es nun wohl eher gechillt. Ich werde es einfach ruhig und entspannt angehen und zwei Wochen lang entsprechend wenig von mir hören lassen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Milliarden (von) Nutzer(n) und Millionen (von) Sterne(n)

Frage

Bei der Beschäftigung mit Menschenmengen kam eine zugegebenermaßen sehr einfache Frage auf, die mir nun allerdings nicht mehr aus dem Kopf gehen will. Und zwar geht es um Formulierungen mit Zahlwörtern wie „hunderte“, „tausende“, „Millionen“ oder „Milliarden“.

Heißt es zum Beispiel: „Das soziale Netzwerk hat Milliarden Nutzer“ oder „Das soziale Netzwerk hat Milliarden von Nutzern“? In einem berühmten Schlager lautet eine Liedzeile „Millionen von Sternen“, aber im Prinzip könnte man doch auch genauso gut „Millionen Sterne“ sagen?

Antwort

Sehr geehrter Herr B.,

bei unbestimmten Mengenangaben wie Hunderte*, Tausende*, Millionen, Dutzende*, eine Reihe, eine Anzahl, eine Gruppe usw. kann das Gemessene a) als Apposition direkt nach der Mengenangabe stehen oder b) mit von angefügt werden. Ein paar Beispiele verdeutlichen vielleicht besser als diese Erklärung, welche Möglichkeiten es gibt:

a) Das soziale Netzwerk hat Milliarden Nutzer.
b) Das soziale Netzwerk hat Milliarden von Nutzern.

a) Es gibt Millionen Sterne.
b) Es gibt Millionen von Sternen.

a) Sie hat Dutzende* Menschen interviewt.
b) Sie hat Dutzende* von Menschen interviewt.

a) Hier finden Sie die Antwort auf eine Reihe Fragen
b) Hier finden Sie die Antwort auf eine Reihe von Fragen

a) Auf dem Radstreifen stand eine Gruppe Touristen.
b) Auf dem Randstreifen stand eine Gruppe von Touristen.

Wenn die Bezeichnung des Gemessenen ein gebeugtes Artikelwort oder Adjektiv enthält, kann c) auch ein Genitivattribut stehen. Dann gibt es sogar drei mögliche Formulierungen:

a) Täglich melden sich Hunderte* neue Nutzer an.
b) Täglich melden sich Hunderte* von neuen Nutzern an.
c) Täglich melden sich Hunderte* neuer Nutzer an.

a) Es gibt Millionen strahlende Sterne.
b) Es gibt Millionen von strahlenden Sternen.
c) Es gibt Millionen strahlender Sterne.

a) Sie hat mit einer Reihe Studierenden über das Thema gesprochen.
b) Sie hat mit einer Reihe von Studierenden über das Thema gesprochen.
c) Sie hat mir einer Reihe Studierender über das Thema gesprochen.

a) Auf dem Radstreifen stand eine Gruppe spanische Touristen.
b) Auf dem Randstreifen stand eine Gruppe von spanischen Touristen.
c) Auf dem Radstreifen stand eine Gruppe spanischer Touristen.

Sie können also (auch standardsprachlich) Millionen strahlende Sterne, Millionen strahlender Sterne oder Millionen von strahlenden Sternen besingen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

* Auch die Kleinschreibung hunderte, tausende, dutzende ist hier möglich.

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