Archiv für Grammatik

Wir wird (der) Matrose Engelbert gebeugt?

Frage

Ist der Dativ so auch zulässig:

Machen Sie eine Reise mit Kapitän Paulsen und Matrose Engelbert.

Oder muss man hochsprachlich schreiben:

Machen Sie eine Reise mit Kapitän Paulsen und dem Matrosen Engelbert.

Antwort

Sehr geehrte Frau W.,

wieder einmal sind beide Formulierungen möglich. Welche Sie wählen, hängt davon ab, ob die Berufsbezeichnung Matrose oder der Name Engelbert der Kern der Wortgruppe ist.

Wenn der Name Engelbert den Kern der Wortgruppe bildet und die Berufsbezeichnung Matrose eine Apposition (nähere Bestimmung) ist, wird der Name gebeugt und bleibt die Berufsbezeichnung unverändert. Matrose bleibt also immer Matrose:

Matrose Engelbert fährt auch mit
Matrose Engelberts abenteuerliche Reisen
Nichts geht ohne Matrose Engelbert
ein Reise mit Kapitän Paulsen und Matrose Engelbert

Wenn Matrose der Wortgruppenkern und Engelbert die Apposition ist, wird die Berufsbezeichnung gebeugt und der Name bleibt unverändert:

Der Matrose Engelbert fährt auch mit
Die abenteuerlichen Reisen des Matrosen Engelbert
Nichts geht ohne den Matrosen Engelbert
ein Reise mit Kapitän Paulsen und dem Matrosen Engelbert

Wann ist nun was der gebeugte Wortgruppenkern resp. die ungebeugte Apposition?

In Verbindung mit einem Namen ist eine Verwandtschaftsbezeichnung, eine Berufsbezeichnung, ein Titel u. Ä. eine Apposition zum Namen, wenn kein Artikel(wort) verwendet wird. Gebeugt wird der Kern der Wortgruppe, also der Name. Die Apposition bleibt ungebeugt:

Onkel Antons Gemüsegarten
König Arthurs Tafelrunde
Malermeister Streichers Geschäft
Nichts geht ohne Präsident Macron
eine abenteuerliche Reise mit Matrose Engelbert

In Verbindung mit einem Namen ist eine Verwandtschaftsbezeichnung, eine Berufsbezeichnung, ein Titel u. Ä. der Kern der Wortgruppe, wenn ein Artikel(wort) verwendet wird. Gebeugt wird auch hier der Kern der Wortgruppe. Der Name bleibt ungebeugt:

der Gemüsegarten meines Onkels Anton
die Tafelrunde des Königs Arthur
das Geschäft des Malermeisters Streicher
Nichts geht ohne den Präsidenten Macron
eine abenteuerliche Reise mit dem Matrosen Engelbert

Siehe auch hier und hier.

Ob Sie eine Reise mit Matrose Engelbert oder mit dem Matrosen Engelbert unternehmen, hängt also davon ab, ob Sie finden, dass Matrose Engelbert oder der Matrose Engelbert mitfährt. Grammatisch ist beides richtig.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Ein Schwerpunkt bildet der …

Frage

Heißt es „Ein Schwerpunkt bildet der künstliche Kniegelenkersatz“ oder „Einen Schwerpunkt bildet der künstliche Gelenkersatz“?

Antwort 

Sehr geehrte Frau M.,

verdächtigerweise klingen beide Formulierungen irgendwie richtig. Grammatisch gesehen ist aber nur eine von ihnen korrekt. Mittelpunkt des Satzes ist das Verb bilden. Es verlangt ein Subjekt und ein Akkusativobjekt:

Wer oder was bildet wen oder was?

Subjekt und Akkusativobjekt sind in Ihrem Satz so verteilt: Das künstliche Kniegelenk (= Subjekt) bildet einen Schwerpunkt (= Akkusativobjekt). Wenn nun Schwerpunkt an den Satzanfang gestellt wird, bleibt es ein Akkusativobjekt. Es heißt deshalb:

Einen Schwerpunkt bildet der künstliche Kniegelenkersatz.

Auch mit dem Verb darstellen trifft man relativ häufig einen Nominativ an, wo ein Akkusativ stehen sollte. Es heißt also nicht:

*Ein Schwerpunkt stellt der Erwerb sozialer Kompetenzen dar.

sondern:

Einen Schwerpunkt stellt der Erwerb sozialer Kompetenzen dar.

Wie kommt es, dass hier relativ oft fälschlich ein Nominativ steht und dass dieser Nominativ auf den ersten Blick gar nicht so furchtbar falsch aussieht? Ich vermute, dass es daran liegt, dass die Verben bilden und darstellen vor allem die Funktion haben, das „langweilige“ sein zu vermeiden. Mit sein ist der Nominativ korrekt:

Ein Schwerpunkt ist der künstliche Kniegelenkersatz.
Ein Schwerpunkt ist der Erwerb sozialer Kompetenzen.

Es könnte also sein, dass die eigentlich gemeinte Konstruktion mit dem gewöhnlichen sein sich bei den Formulierungen mit den Ersatzverben bilden und darstellen doch in den Vordergrund drängt. Anders gesagt: Die Ersatzformulierung wird nur zum Teil durchgeführt. Nur das Verb, nicht aber die dazugehörende Konstruktion wird angepasst.

Wenn Schwerpunkt am Satzanfang stehen soll, gefällt mir persönlich übrigens die Formulierung mit dem schlichten sein besser als die Varianten mit bilden oder darstellen. Doch das ist natürlich eine reine Stil- und Geschmackssache.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Hamburg zeigt sich von seiner/ihrer schönsten Seite

Frage

Wenn ich mit meinem Gast spazieren gehe, sage ich dann zu ihm: „Hier zeigt sich Hamburg von seiner schönsten Seite“? Oder sage ich, weil ein Femininum: „von ihrer schönsten Seite“?

Antwort

Sehr geehrte Frau S.,

Hamburg ist nicht weiblich, sondern wie alle Länder und Städte, die ohne Artikel stehen, sächlich. Das sieht man dann gut, wenn eine nähere Bestimmung dazutritt:

das alte Hamburg
das Hamburg meiner Kindheit
mein schönes Hamburg
Hamburg und seine Elbphilharmonie

Entsprechend sagen Sie also auch:

Hier zeigt sich Hamburg von seiner schönsten Seite.

Und weil es diesmal so schön einfach ist, hier gleich noch ein paar Beispiele:

das alte Rom
das Deutschland der Dichter und Denker
mein schönes Hessen/Sachsen/Österreich
Schweden und seine Hauptstadt Stockholm
Dort zeigt sich Südamerika von seiner schönsten Seite.

Anders sieht es aus, wenn Sie die Formulierung die Stadt Hamburg verwenden. Dann ist das weibliche Substantiv Stadt der Kern der Wortgruppe, mit dem die grammatische Übereinstimmung erfolgt:

meine schöne Stadt Hamburg
die Stadt Hamburg und ihre Elbphilharmonie
Hier zeigt sich die Stadt Hamburg von ihrer schönsten Seite.

Hamburg zeigt sich also von seiner schönsten Seite und die Stadt zeigt sich von ihrer schönsten Seite.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Unser und das Adjektiv

Frage

Bitte schlichten Sie einen Disput, der zwischen meinen Kollegen/Kolleginnen und mir tobt. Es geht um folgende Textstelle:

Unser offen zur Schau getragene Streit bleibt nicht unbeobachtet.

Wir diskutieren lebhaft, ob es im obigen Satz „getragene“ oder „getragener“ heißen muss oder ob vielleicht sogar beides erlaubt ist, und mit jedem, der seine Meinung dazu abgibt, wird die Stimmungslage gespannter.

Antwort

Sehr geehrte Frau S.,

richtig ist hier die starke Endung er:

Unser offen zur Schau getragener Streit bleibt nicht unbeobachtet.

Dann noch der Versuch einer einfachen Erklärung:

Es geht hier um die männliche Adjektivendung im Nominativ Singular. Steht der bestimmte Artikel der oder ein Artikelwort mit der Endung er vor dem Adjektiv, hat es die schwache Endung e:

der kleine Sohn
dieser schwere rote Wein
der offen zur Schau getragene Streit

Steht kein Artikelwort oder ein endungsloses Artikelwort vor dem Adjektiv, hat es die starke Endung er:

mein kleiner Sohn?
schwerer roter Wein
ihr offen zur Schau getragener Streit

Vgl. hier.

Und nun kommen wir zum Problemfall unser. Dieses besitzanzeigende Wort sieht aus, wie wenn es die Endung er hätte. Das würde dafür sprechen, dass ein nachfolgendes Adjektiv die schwache Endung e annimmt. Das er ist aber keine Endung, sondern Teil des Stammes. Vgl.

unser Haus / mein Haus
in unser-em Haus / in mein-em Haus
unser-e Nachbarin / mein-e Nachbarin

Die Form unser ist hier also endungslos. Entsprechend muss ein nachfolgendes Adjektiv wie nach z. B. mein stark gebeugt werden:

unser kleiner Sohn / mein kleiner Sohn
unser schwerer roter Wein / mein schwerer roter Wein
unser offen zur Schau getragener Streit / ihr […] getragener Streit

Die Verunsicherung entsteht also dadurch, dass das Wort unser zwar wie ein Wort mit der Beugungsendung er aussieht, in Wirklichkeit aber endungslos ist. Sie entsteht auch nur bei der Adjektivendung er. Während man des Öfteren hört und liest

unser *kleine Sohn wie der kleine Sohn statt unser kleiner Sohn

passiert dieses Versehen eigentlich nie bei der sächlichen Endung es:

unser *kleine Kind wie das kleine Kind statt unser kleines Kind

Ich hoffe, dass diese Angaben dazu beitragen, den Disput friedlich zu beenden.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Von Kartoffelschnaps, Apfelaktionen und nicht bestehenden Regeln

Manchmal tauchen Regeln auf, an die sich jemand erinnert oder zu erinnern glaubt, die im konkreten Sprachgebrauch zu Problemen führen können, weil es sie schlichtweg nicht gibt. Heute geht es um ein Beispiel einer solchen „Regel“, die zum Glück relativ einfach zu widerlegen ist.

Frage

Ist „Vom Kartoffelschnaps zu Apfelaktionen“ richtig? Oder muss es entweder „Von Kartoffelschnaps zu Apfelaktionen“ oder „Vom Kartoffelschnaps zu den Apfelaktionen“ heißen? Ich erinnere mich an eine Regel, die besagte, dass in einem solchen Fall entweder der bestimmte Artikel für beide Substantive oder der unbestimmte Artikel für beide Substantive verwendet werden muss. Gibt es eine solche Regel?

Antwort

Sehr geehrte Frau M.,

es gibt keine solche Regel. Es spricht nämlich nichts grundsätzlich dagegen, von etwas Unbestimmtem zu etwas Bestimmtem zu gehen ­– oder von etwas Bestimmtem zu etwas Unbestimmtem.

vom heutigen Tag zu früheren Zeiten
von früheren Zeiten zum heutigen Tag

vom bereits Gesagten zu neuen Gedanken
von neuen Gedanken zum bereits Gesagten

„Nur“ wenn beide Elemente gleich bestimmt resp. unbestimmt sind, müssen sie beide mit oder beide ohne Artikel stehen. Das ist, wie gesagt, nicht immer der Fall.

Die Formulierung vom Kartoffelschnaps zu Apfelaktionen ist also möglich.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp


PS: Die Regel, an die Sie sich vielleicht erinnern, hat nur indirekt mit bestimmten und unbestimmten Wörtern zu tun. Sie bezieht sich darauf, dass es bei einer Aufzählung mit einer Präposition, die mit dem Artikel verschmolzen ist, und einer nicht verschmolzenen Form besser ist, die Präposition zu wiederholen. Das klingt, wenn man es so kurz formuliert, komplizierter als es ist. Ein paar Beispiele:

besser nicht: vom Kartoffelschnaps und Apfelaktionen
sondern: vom Kartoffelschnaps und von Apfelaktionen
oder: von Kartoffelschnaps und Apfelaktionen

besser nicht: beim Kartoffelschnaps oder einem Bier
sondern: beim Kartoffelschnaps oder bei einem Bier

besser nicht: im Saarland und Hessen
sondern: im Saarland und in Hessen

Ebenso:

besser nicht: Der Bus fährt zum Bahnhof und der Stadthalle.
sondern: Der Bus fährt zum Bahnhof und zur Stadthalle.

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Kosten und der doppelte Akkusativ (II)

Eine Frage, die schon vor längerer Zeit einmal behandelt wurde, wegen nicht nachlassender Popularität noch einmal:

Frage

„Fehler, die Autofahrer das Leben kosten können“ oder „Fehler, die Autofahrern das Leben kosten können“???

Antwort

Sehr geehrte Frau G.,

auf jeden Fall richtig ist die Konstruktion mit doppeltem Akkusativ:

Fehler, die Autofahrer das Leben kosten können

Häufig kommt daneben die Konstruktion mit Dativ und Akkusativ vor. Sie wird aber (noch?) nicht von allen als korrekt akzeptiert:

Fehler, die Autofahrern das Leben kosten können

Dass der Dativ hier die Neigung hat, den Akkusativ zu ersetzen, ist gar nicht so unverständlich. Es gibt nämlich nur sehr wenige Verben, die mit zwei Akkusativobjekten stehen können. Ein paar Beispiele:

Sie war sehr interessiert und fragte mich tausend Dinge.
Der Vater fragt/hört die Gymnasiastin die Lateinvokabeln ab.
Wir versuchen, die Kursisten gutes Deutsch zu lehren.
Diese Fehler können Autofahrer das Leben kosten.

Solche Verbkonstruktionen sind selten. Im Gegensatz dazu kommen Konstruktionen mit einem Dativ der Person und einem Akkusativ der Sache sehr häufig vor:

Sie gab ihm einen Euro.
Man schenkte mir keine Beachtung.
Der Kellner bot den Gästen einen Kaffee an.
Soll ich dir den Koffer abnehmen?
Wir versuchen, den Kursisten gutes Deutsch beizubringen.

Es ist deshalb nicht erstaunlich, dass die Verben mit doppeltem Akkusativ auch zu diesem Muster tendieren:

Der Vater fragt/hört der Gymnasiastin die Lateinvokabeln ab.
Wir versuchen, den Kursisten gutes Deutsch zu lehren.
Diese Fehler können Autofahrern das Leben kosten.

Die Formulierungen mit Dativ und Akkusativ statt des doppelten Akkusativs werden unterschiedlich bewertet. Strengere Grammatiker und Grammatikerinnen meinen, Sie seien falsch. Ich persönlich halte sie in vielen Fällen für vertretbar, empfehle aber denjenigen, die gegen jegliche Kritik gefeit sein möchten, hier den doppelten Akkusativ zu verwenden. (Er ist ja auch eine schöne, ungewöhnliche Konstruktion, die man sicher ein bisschen hegen und pflegen darf.)

Bei fragen geschieht übrigens etwas anderes. Dort tritt nicht der Dativ auf, sondern häufig die „konkurrierende“ Konstruktion nach etwas fragen:

Sie war sehr interessiert und fragte mich nach tausend Dingen.

Hoffentlich kostet Sie nun der Umgang mit dieser Verwendung von kosten etwas weniger Mühe.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Der um-zu-Satz und sein Subjekt

Keine Regel ohne Ausnahmen. Das gilt auch bei Zwecksätzen mit um zu.

Frage

Heute hörte ich in den Mittagsnachrichten den Satz (leicht gekürzt): „Der Verkehr wird bereits in Amsteg aufgehalten, um die Strecke salzen zu können.“ Wie ist das genau mit den um-zu-Sätzen, und stimmt hier alles?

Antwort 

Sehr geehrter Herr Z.,

Die Antwort auf Ihre Frage ist zweiteilig. Wie so häufig gibt es nämlich eine allgemeine Regel, aber auch Ausnahmen.

Die allgemeine Regel besagt, dass das Subjekt, das man in einem Zwecksatz mit um zu ergänzen kann, mit dem Subjekt des übergeordneten Satzes identisch sein muss:

Ich schreibe alles auf, um es nicht zu vergessen.
= Ich schreibe alles auf, damit ich es nicht vergesse.

Wir fahren in die Stadt, um ins Kino zu gehen.
= Wir fahren in die Stadt, damit wir ins Kino gehen können.

Das zum Infinitiv des um-zu-Satzes gehörende Subjekt kann also nicht mit einem Objekt des übergeordneten Satzes übereinstimmen:

nicht: Der Hauswart rief einen Klempner, um den Abfluss zu reparieren.
nicht: Die Eltern schicken das Kind zur Schule, um etwas zu lernen.

Mit diesen Sätzen würde gesagt, dass der Hauswart den Abfluss reparieren soll und dass die Eltern etwas lernen sollen. Das ist zwar theoretisch nicht ausgeschlossen, aber sehr wahrscheinlich nicht der Sinn dieser Sätze.

Das bisher Gesagte würde bedeuten, dass der Satz, den Sie im Radio gehört haben, nicht korrekt ist. Schließlich soll ja nicht der aufgehaltene Verkehr die Strecke salzen. Er ist dennoch richtig, denn auch in der Standardsprache gibt es Ausnahmen zur allgemeinen Regel:

  • Wenn das Verb im übergeordneten Satz ein Subjekt hat, das gar nicht als Handelnder verstanden werden kann:

Die Situation war günstig, um das Problem zur Sprache zu bringen.
Viel Geduld war nötig, um die Tiere aneinander zu gewöhnen.

  • Wenn der übergeordnete Satz ein Passivsatz mit einem unpersönlichen Agens oder mit einem durch von angefügten Agens ist:

Der Damm wurde gebaut, um Überschwemmungen zu verhindern.
Die Bäume wurden vom Gärtner gefällt, um die Aussicht wieder frei zu machen.

Auch der Satz im Radio ist also so vertretbar:

Der Verkehr wird bereits in Amsteg aufgehalten, um die Strecke salzen zu können.

Wie man sieht, ist selbst eine so starke Regel wie die Subjektgleichheit in um-zu-Sätzen nicht gegen Ausnahmen gefeit (auch wenn sehr strenge Lehrmeister/-innen vielleicht nicht ganz damit einverstanden sind). Wie dem auch sei, hoffentlich hören und lesen wir bald Sätze wie diesen:

Um sich gegen Sonnenbrand zu schützen, wird regelmäßig Sonnencreme aufgetragen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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An die Elfenbeinküste, in die Elfenbeinküste oder nach Elfenbeinküste

Es steht zwar nicht ganz oben auf der Liste der am meisten besuchten Urlaubsziele, aber falls Sie Ihren Osterurlaub doch einmal in diesem westafrikanischen Land verbringen möchten, fahren Sie dann an die Elfenbeinküste, in die Elfenbeinküste oder nach Elfenbeinküste? Eine ähnliche Frage hat Frau W. gestellt:

Frage

Heißt es „Addah an der Elfenbeinküste“ oder „Addah in der Elfenbeinküste“?

Persönlich finde ich die erste Lösung besser, allerdings schreibt beispielsweise der Duden: „er ist Staatsbürger von Elfenbeinküste“. Sicher, die Elfenbeinküste ist ein Staat, aber klingt das nicht furchtbar?

Antwort

Sehr geehrte Frau W.,

es gibt hier keine eindeutig festgelegte, allgemein verbindliche Formulierung. Im offiziellen Verkehr wird im Deutschen im Prinzip der einzige offiziell von diesem Staat akzeptierte Name Côte d’Ivoire verwendet.

Addah liegt in Côte d’Ivoire
die Bevölkerung von Côte d’Ivoire

Sonst ist die Elfenbeinküste oder seltener Elfenbeinküste ohne Artikel üblich:

die Bevölkerung der Elfenbeinküste
die Bevölkerung von Elfenbeinküste

Wenn man den Namen mit Artikel verwendet, kann bei Ortsangaben an oder in stehen. Mit an verweist man auf die Küste dieses Namens, mit in auf den Staat. Es gibt somit drei Möglichkeiten, von denen keine als falsch bezeichnet werden kann:

Addah liegt in Elfenbeinküste
Addah liegt in der Elfenbeinküste
Addah liegt an der Elfenbeinküste

Am schönsten (und interessantesten) klingt für mich an der Elfenbeinküste. Damit ist allerdings eher die Küste als der Staat gemeint. Bei einem Ort, der nicht wie Addah an der Küste, sondern weiter im Landesinnern liegt, verwendet man besser eine dieser Formulierungen:

Yamoussoukro liegt in der Elfenbeinküste
Yamoussoukro liegt in Elfenbeinküste

Die Einwohner und Einwohnerinnen der Elfenbeinküste heißen übrigens offiziell Ivorer und Ivorerinnen und das Adjektiv lautet ivorisch (vgl. d’Ivoire). Da diese Bezeichnungen nicht allzu bekannt sind, würde ich allerdings empfehlen, X der Elfenbeinküste oder Y von Elfenbeinküste zu verwenden, wenn man gerne auf Anhieb verstanden werden möchte.

Man kann also in die Elfenbeinküste/nach Elfenbeinküste fahren, wenn das Land gemeint ist, oder an die Elfenbeinküste, wenn das Ziel der Reise dort am Meer liegt. Ich verbringe Ostern dieses Jahr übrigens ruhig und ohne jeglichen präpositionalen Zweifel zu Hause.

Frohe Ostern!

Dr. Bopp

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Der Großteil der Frauen und seine/ihre Stellung im Beruf?

Frage

Ich stoße in dem folgenden Satz auf ein Problem mit dem Genus:

Der Großteil der Frauen strebt eine möglichst hohe Stellung in seinem/ihrem (?) Beruf an. Dafür müssen sie/muss er (?) …

Was ist hier erlaubt bzw. gefordert, sofern man nicht auf eine andere Formulierung ausweichen möchte?

Antwort

Sehr geehrte Frau S.,

hier konstruiert man besser nicht nach „mathematisch-logischer Präzsision“, sondern nach dem Sinn: Nicht der Großteil hat eine Stellung im Beruf, sondern die Frauen haben eine Stellung im Beruf. Auch im weiteren Text ist es sinnvoller, sich auf Frauen und nicht auf die ungenaue Mengenangabe Großteil zu beziehen. Es ist also nicht so, dass sich alles zwingend nach dem grammatischen Subjekt Großteil richten muss:

Der Großteil der Frauen strebt eine möglichst hohe Stellung in ihrem Beruf an. Dafür müssen sie

Umgekehrt ist aber auch die Übereinstimmung nach dem Sinn nicht zwingend. Man kann häufig auch rein grammatisch konstruieren:

Ein Großteil der Befragten ist zufrieden mit seinem Beruf.
Beim Börsencrash verlor ein großer Teil der Anleger sein gesamtes Vermögen.

Und wenn weder das eine noch das andere wirklich zu überzeugen vermag – was bei solchen Konstruktionen häufiger vorkommt –, könnten Sie vielleicht doch eine Umformulierung dieser Art erwägen:

Der Großteil der Frauen strebt einen möglichst hohe Stellung im (eigenen) Beruf an.
Beim Börsencrash verlor ein großer Teil der Anleger das gesamte Vermögen.

Aus diesem Grund schreibe ich auch lieber nicht, dass eine Teil Ihrer Fragen noch auf seine oder ihre Beantwortung wartet, sondern einfach, dass ein Teil Ihrer Fragen noch auf Beantwortung wartet.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Nur kein(en) Stress!

Frage

Welche elliptische Formulierung ist korrekt?

(1) Nur kein Stress!
(2) Nur keinen Stress!

Falls (1) korrekt ist – wie erklärt sich der Nominativ, wenn der vollständige Satz doch lautet: „Mach dir nur keinen Stress!“? […]

Antwort

Sehr geehrter Herr L.

beide Formulierungen können als richtig angesehen werden, je nachdem wie man die Ellipse (den Auslassungssatz) ergänzt. Zum Beispiel:

Mach dir nur keinen Stress!
→ Nur keinen Stress!

Es darf/soll nur kein Stress aufkommen!
→ Nur kein Stress!

Man muss die Äußerung „Nur kein Stress!“ allerdings nicht unbedingt als Ellipse im engeren Sinne ansehen. Sie kann auch als absoluter Nominativ interpretiert werden. Ein absoluter Nominativ ist ein Wort oder ein Satzglied, das nicht in das Satzgefüge eingebunden ist und im Nominativ steht. Solche Nominative stehen mehr oder weniger unabhängig für sich allein. Drei weitere Beispiele:

Zu verkaufen: frischer Spargel
Ein Zufall? Sie trafen sich schon wieder am Bahnhof.
Kilometerlanger Stau wegen Baustelle

Es ist in der Regel möglich, solche absoluten Nominative als Ellipsen zu sehen und sie zu einem vollständigen Satz zu ergänzen, unbedingt notwendig ist es aber nicht. Vgl. hier.

Die Variante im Nominativ scheint übrigens bei der Aufforderung, möglichst ohne Stress zu reagieren, häufiger vorzukommen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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