Archiv für Konjugation/Deklination

Ich wechsel, wechsle oder wechsele

Frage

In Ihrem Bedeutungswörterbuch steht für das Verb „wechseln“ folgender Beispielsatz:

Ich wechsel den Reifen.

Klicke ich nun auf „Wortformen“, so gelange ich zur „Flexion von wechseln“ und finde dort lediglich diese beiden Formen:

ich wechsele
ich wechsle

Können Sie mir das erklären? Gibt es etwa alle drei Formen?

Antwort

Sehr geehrter Herr S.,

die Formen ich wechsle und ich wechsele gelten allgemein als korrekt. Die ungekürzte Form ich wechsele wird allerdings nur selten verwendet. Bei Verben, deren Grundform auf –eln endet, wird vor der Endung –e das e des Stammes meistens weggelassen:

wechseln – ich wechsle
bummeln – ich bummle
handeln – ich handle
regeln – ich regle
zwirbeln – ich zwirble
usw.

Mehr zum Thema der e-Tilgung bei Verbformen finden Sie auf dieser Seite.

Formen, bei denen die Endung e weggelassen wird, kommen auch vor (ich wechsel, ich bummel, ich handel, ich regel, ich zwirbel), sie gelten aber als umgangssprachlich und sollten deshalb in der geschriebenen Standardsprache nicht verwendet werden. Aus diesem Grund findet man sie nicht in der Wortformentabelle.

Sie haben also im Bedeutungswörterbuch einen Beispielsatz entdeckt, der eine umgangssprachliche Form enthält. Vielen Dank für den Hinweis!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Prinz Charles’ Ehe

Immer wieder taucht die Frage nach dem Apostroph beim Genitiv von Eigennamen auf. Diesmal geht es aber ausnahmsweise nicht um Marias Blumenladen, sondern um die Ehe eines Prinzen!

Frage

In meiner Zeitung stand u. a.:

Charles pedantische Ordnungsliebe
Charles Ehe

Muss da nicht ein Apostroph nach Charles stehen oder ist der freigestellt?

Antwort

Sehr geehrter Herr T.,

hier müsste tatsächlich ein Apostroph stehen, sofern es sich um Prinz Charles oder allgemein um jemanden mit einem auf s endenden Namen handelt. Es ist nicht korrekt, den Apostroph hier wegzulassen. Man schreibt also richtig:

Charles’ pedantische Ordnungsliebe
Charles’ Ehe

Die entsprechende Regel und weitere Informationen finden Sie hier und hier.

Die Regel gilt natürlich nicht nur für Charles Philip Arthur George Mountbatten-Windsor, Prince of Wales und Herzog von Cornwall, sondern für alle, die einen auf s, ss, ß, x oder z endenden Namen haben:

Pythagoras’ Lehren
Erika Hess’ Slalomsiege
Johann Strauß’ Donauwalzer
Beatrix’ Sportwagen
Kater Franz’ Spielzeugmaus

Weil solche Formen manchmal ungewohnt anmuten oder verunsichern können, werden oft andere, ebenso korrekte Formulierungen verwendet:

der Satz des Pythagoras (a2+b2=c2)
die Slalomsiege von Erika Hess
der Donauwalzer von Johann Strauß

Die z. T. ebenfalls möglichen Genitivformen auf -ens und sind heute nicht mehr üblich:

Beatrixens Sportwagen
Kater Franzens Spielzeugmaus

Der Apostroph steht in der Regel auch bei fremdsprachigen Namen, die ausgesprochen auf ein s, aber geschrieben auf zum Beispiel –ce oder –se enden:

Alice’ Reise durchs Wunderland
Amy Winehouse’ neues Album
Henri Matisse’ Scherenschnitte

Es heißt also Prinz Charles’ Ehe oder die Ehe von Prinz Charles. Im ersten Fall schreibt man einen Apostroph, weil ein Genitiv-s wegfällt (vgl. Prinz Andrews Exfrau, die Exfrau von Prinz Andrew). Dem englischen Thronfolger und seiner Gattin wird es allerdings ziemlich egal sein, wann genau sein Name im Deutschen mit einem Apostroph geschrieben wird. Sie machen sich wahrscheinlich mehr Gedanken darüber, ob es wirklich noch einmal Charles’ Thron werden wird.

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Du und er, sie und ihr sind oder seid?

Frage

Es macht mir immer wieder Kopfzerbrechen, wie die richtige Personalendung lautet, die eine Kombination aus unterschiedlichen Personen, die mit „und“ verbunden sind, bezeichnet. Zum Beispiel: „Du und deine Freunde seid …“ oder „Du und deine Freunde sind …“?

Ich bekenne, gelesen zu haben, dass hier eigentlich die 2. Person Plural eingesetzt wird, aber mein Sprachgefühl verwirrt dies jedes Mal. Deshalb rette ich mich in eine Umformulierung: „Du und deine Freunde, ihr seid …“ Das ist jedoch nur eine Umgehung und keine eindeutige Antwort.

Antwort

Sehr geehrte Frau S.,

diese Frage bereitet nicht nur Ihnen Kopfzerbrechen. Deshalb ist ihr in unserer Grammatik sogar ein eigener Abschnitt gewidmet. Dort steht, dass Sie in diesem Fall so formulieren sollten:

Du und deine Freunde seid herzlich eingeladen.

Bei einem mehrteiligen Subjekt, das aus Teilen mit unterschiedlichen grammatischen Personen besteht, befolgt man im Allgemeinen die folgenden Regeln:

  • Eine erste und eine zweite Person werden zur ersten Person Plural:

Du und ich sollten wieder einmal etwas zusammen unternehmen.
Wir und ihr haben nicht viel gemeinsam.

  • Eine erste und dritte Person werden ebenfalls zu einer ersten Person Plural:

Er und ich sollten wieder einmal etwas zusammen unternehmen.
Die Nachbarn und ich haben unseren Streit beigelegt.

  • Eine zweite und eine dritte Person werden zu einer zweiten Person Plural:

Du und deine Schwester werdet euch noch wundern!
Ihr und eure Freunde seid herzlich eingeladen.

Das liegt daran, dass ich und du zusammen wir sind. Auch ich und er/sie ergeben zusammen wir. Du und er/sie hingegen umschreibt man zusammenfassend mit ihr.

Wenn Formulierungen wie die oben stehenden Beispielsätze in Ihren Ohren irgendwie „holpern“, können Sie in den meisten Fällen stilistisch einwandfrei das tun, was Sie eine Umgehung nennen:

Du und ich, wir sollten wieder einmal etwas zusammen unternehmen.
Die Nachbarn und ich, wir haben unseren Streit beigelegt.
Du und deine Freunde, ihr seid herzlich eingeladen.

Solche Umschreibungen sind sogar besser, wenn das Bindewort nicht und, sondern oder ist. Ohne Umschreibung richtet sich das Verb meistens nach dem Subjektteil, der ihm am nächsten steht:

Du oder ich muss nachgeben.
Meine Nachbarin oder ich habe recht.
Ich oder meine Nachbarin hat recht.
Du oder deine Freunde sind eingeladen.

Keine dieser Formulierungen ist aber wirklich befriedigend. Deshalb besser:

Du oder ich, eine(r ) von uns muss nachgeben.
Nur eine(r) hat recht, meine Nachbarin oder ich.
Man lädt dich oder deine Freunde ein.

Das klingt alles ziemlich kompliziert. Verlassen Sie sich aber einfach auf Ihr Sprachgefühl, dann geht es meistens automatisch gut. Wenn Sie einmal unsicher sind oder eine Formulierung Ihnen einfach nicht gefallen will, bedenken Sie Folgendes: Umschreibungen und Umformulierungen sind keine „Kapitulationen“, sondern ein Beweis dafür, dass man die Sprache wendig beherrscht.

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Zwischen 35 und 45 Jahre(n)

Fragen

In meinem Lehrbuch steht folgender Satz: „Sie sollte zwischen 35 und 45 Jahren alt sein.“ Ich kann mir das n am Wort Jahren nicht erklären.

Antwort

Sehr geehrte Frau K.,

das en bei Jahren ist die Endung des Dativ Plural. Sehen Sie zum Beispiel:

in diesen Jahren
mit den Jahren

Im Lehrbuch wird der Dativ wahrscheinlich deshalb verwendet, weil zwischen bei statischen Angaben in der Regel mit dem Dativ steht:

Der Baum steht zwischen dem Haus und dem Garten.
das Verhältnis zwischen ihm und ihr

So weit, so gut. Trotzdem ist es nicht verwunderlich, dass Sie zweifeln. Bei Alters-, Zeit-, Mengenangaben u. Ä., die mit zwischen … und … ausgedrückt werden, hat zwischen nämlich oft keinen Einfluss auf den Fall. Man wählt dann normalerweise den Fall, der steht, wenn man nur eine der beiden Angaben verwendet:

Sie ist zwischen 35 und 45 Jahre alt.
wie: Sie ist 35 Jahre alt.

Sie haben zwischen 80 und 100 Bücher verkauft.
wie: Sie haben 80 Bücher verkauft.

Das Unternehmen schickt seine Mitarbeiter zwischen zwei und drei Jahre ins Ausland.
wie: Das Unternehmen schickt seine Mitarbeiter drei Jahre ins Ausland.

Der Dativ wird hier ebenfalls verwendet, er ist aber unüblich und sollte besser vermieden werden. Deshalb kommen Ihnen Formulierungen wie die folgenden eher seltsam (?) oder sogar falsch (*) vor:

? Sie ist zwischen 35 und 45 Jahren alt.
* Das Unternehmen schickt seine Mitarbeiter zwischen zwei und drei Jahren ins Ausland.
? Sie haben zwischen 80 und 100 Büchern verkauft.

Natürlich ist das wieder einmal nicht alles: Wenn solche Angaben mit zwischen … und … im Satz nicht durch eine einfache Angabe ersetzt werden können, wählt man den Dativ:

Dies betrifft vor allem Frauen zwischen 35 und 45 Jahren.
Der Kochkurs ist geeignet für Kinder zwischen 9 und 12 Jahren.

Nicht möglich:
*Dies betrifft vor allem Frauen 35 Jahre(n).
*Der Kochkurs ist geeignet für Kinder 12 Jahre(n).

Immer falsch ist übrigens die Verbindung von zwischen und bis:

NICHT:
Sie sind zwischen 9 bis 12 Jahre alt.

Sondern:
Sie sind 9 bis 12 Jahre alt.
Sie sind zwischen 9 und 12 Jahre alt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare (13)

Viel Erfolg, viel Spaß und vielen Dank!

Frage

Warum heißt es „Vielen Dank!“, aber „Viel Erfolg!“ oder „Viel Spaß!“?

Antwort

Sehr geehrte Frau B.,

den genauen Grund kenne ich nicht. Bei festen Wendungen wie diesen lässt sich oft nicht so einfach sagen, weshalb sie genau so lauten, wie sie lauten. Es handelt sich hier in allen drei Fällen um einen Akkusativ, denn die Ausdrücke sind eigentlich verkürzte Sätze wie diese:

Haben Sie vielen Dank!
Ich sage Ihnen vielen Dank!

Habt viel Spaß/viel Erfolg!
Ich wünsche euch viel Erfolg/viel Spaß!

Wenn viel ohne Artikel vor einem Nomen in der Einzahl steht, bleibt es heute im Gegensatz zu anderen Adjektiven meist ungebeugt:

Du hast großen Erfolg gehabt.
Du hast viel Erfolg gehabt.

Sie verdient gutes Geld.
Sie verdient viel Geld.

(Mehr dazu finden Sie in der canoonet-Grammatik)

Die Ausdrücke Viel Erfolg! und Viel Spaß! entsprechen diesem heutigen Gebrauch: Man sagt nicht *Vielen Erfolg! oder *Vielen Spaß!, auch wenn sie im Akkusativ stehen. In der Wendung Vielen Dank! hingegen wird viel gebeugt. Man kann daraus schließen, dass die Wendung wahrscheinlich älter ist als die beiden anderen oder zumindest schon früher zur festen Wendung geworden ist.

Solche festen Wendungen und Floskeln entziehen sich oft der „normalen“ Grammatik, weil sie nicht als eine Reihe einzelner Wörter, sondern als Ganzes eine eigene Entstehungs- oder Entwicklungsgeschichte durchgemacht haben. Andere „ungrammatische“ Beispiele dieser Art, die mir hier ganz spontan in den Sinn kommen, sind eines Nachts und aus aller Herren Länder. Nacht ist weiblich und im Genitiv endungslos. Länder müsste eigentlich im Dativ stehen: aus … Ländern. In bestimmten Zusammenhängen sind also selbst gröbere Verstöße gegen die Grammatikregeln richtig!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Global Player und Latin Lover in der Mehrzahl

Frage

Wie heißt es eigentlich richtig: die Global Player oder die Global Players? Ist der Plural hier überhaupt erlaubt?

Antwort

Guten Tag J.,

der Plural von Global Player lautet:

die Global Player
oder
die Global Players

Lehnwörter aus dem Englischen, die auf unbetontes er enden und im Deutschen männlich sind, bilden den Nominativ Plural in der Regel endungslos:

der Computer – die Computer
der Printer – die Printer
der MP3-Player – die MP3-Player
der Ghostwriter – die Ghostwriter

Dies geschieht in Übereinstimmung mit heimischen, ebenfalls mit der Endung er von Verben abgeleiteten Wörtern wie Rechner, Drucker, Spieler, Schreiber usw.

Bei Global Player wirkt einerseits diese Tendenz, das heißt, man sagt die Global Player. Andererseits wird Global Player wegen des ungebeugten und englisch ausgesprochenen Adjektivs global noch stark als englischer Begriff empfunden. Entsprechend wird noch häufig der englische Plural verwendet: die Global Players. Beide Pluralformen kommen vor und beide sind „verteidigbar“.

Ein anderer Ausdruck, der aus den gleichen Gründen zwei Pluralformen hat, erinnert irgendwie an Urlaubsabenteuer in südlichen Gefilden: Wenn sie in der Mehrzahl auftreten, versprühen die Latin Lover oder die Latin Lovers ihren berühmt-berüchtigten unwiderstehlichen Charme mit oder ohne die Pluralendung s.

Der Ausdruck Global Player kann im Übrigen wie seine deutschen Entsprechungen die Weltkonzerne oder die weltweit tätigen Unternehmen problemlos in der Mehrzahl verwendet werden.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Von Litern, Metern und Vierteln

Heute geht es wieder einmal um eine häufiger gestellte Frage, nämlich das Dativ-n bei gewissen Maß- und Mengenangaben.

Frage

Nie werde ich es mir merken: Heißt es „ein Gefäß von zwei Litern Inhalt“ oder „zwei Liter Inhalt“?

Antwort

Sehr geehrte Frau M.,

vielleicht können Sie es sich nicht  merken, weil beides möglich und korrekt ist:

ein Gefäß von zwei Liter Inhalt
oder
ein Gefäß von zwei Litern Inhalt

Männliche und sächliche Maß- und Mengenbezeichnungen bleiben nach Zahlenangaben in der Regel unveränderlich:

zwei Paar Schuhe
2,5 Kilo Äpfel
zehn Fuß dicke Mauern
eine Bildschirmgröße von 17 Zoll
27 Euro

Eine Ausnahme sind Bezeichnungen wie Meter, Liter und Viertel im Dativ Plural. Diese Wörter haben die Eigenschaft, dass sie nur im Dativ eine Pluralendung haben: den Metern, den Litern, den Vierteln. Die anderen Pluralformen sind mit der Form des Nominativ Singular identisch: der Meter ­– die Meter. Bei solchen Maß- und Mengenangaben wird im Dativ Plural nach der allgemeinen Regel die endungslose Form verwendet oder (seltener) als Ausnahme doch die Pluralform:

endungslos
aus sieben Meter Stoff
auf 750 Meter Höhe liegen
ein Gewicht von drei Zentner
mit drei Viertel der Menge

gebeugt
aus sieben Metern Stoff
auf 750 Metern Höhe liegen
ein Gewicht von drei Zentnern
mit drei Vierteln der Menge

Beide Formulierungen gelten als korrekt. Mehr dazu finden Sie hier und hier.

Wie Sie sehen, gibt es im Deutschen auch bei etwas so Präzisem wie Maß- und Mengenangaben nicht nur Regeln, sondern auch Ausnahmen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Wenn der Fahrstuhl das 1. UG nicht erreicht

Frage

Was ist richtig?

Der Fahrstuhl scheint kurz vor dem vollständigen Erreichen der 1.UG zu klemmen.
oder
Der Fahrstuhl scheint kurz vor dem vollständigen Erreichen des 1.UG´s zu klemmen.

Antwort

Sehr geehrter Herr G.,

richtig ist:

Der Fahrstuhl scheint kurz vor dem vollständigen Erreichen des 1. UG zu klemmen.
oder
Der Fahrstuhl scheint kurz vor dem vollständigen Erreichen des 1. UGs zu klemmen.

Die Abkürzung UG steht für Untergeschoss. Es heißt deshalb das 1. UG und das Erreichen des 1. UG/UGs.

UG kann wie viele männliche und sächliche Abkürzungen mit oder ohne Genitiv-s verwendet werden: des UG oder des UGs. Das Genitiv-s wird OHNE Apostroph direkt an die Abkürzung angehängt. Mehr zum Thema Genitiv und Mehrzahl von Abkürzungen finden Sie hier.

Ich hoffe, dass der Fahrstuhl mittlerweile nicht mehr klemmt!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Tausendundeine Nacht oder tausendundein Nächte

Frage

In der russischen Grammatik – ich bin Muttersprachler – ist es so, dass man den Singular einsetzen muss, wenn ein Kardinalzahl auf „eins“ (RU odin) endet. [...] So setzt man bei „eins“ den Singular ein, also auch bei „zwanzig eins“ (RU dvadtsat’ odin), „dreißig eins“ (RU tridtsat’ odin) und so weiter.

Ist es in der deutschen Grammatik auch so, oder geht die deutsche Grammatik logisch vor? [...] Heißt es „hundertein Auto“ oder logischerweise „hundertein Autos“?

Antwort

Sehr geehrter Herr P.,

das Deutsche bietet einem hier wieder einmal verschiedene Möglichkeiten. Man verwendet in der Regel den Plural:

hundertein Autos
hundertundein Autos

fünfhundertein Gründe
fünfhundertundein Gründe

tausendein Nächte
tausendundein Nächte

Bei der Form mit und kann aber auch der Singular stehen. Das Zahlwort muss dann gebeugt werden:

hundertundein Auto
mit hundertundeinem Auto

fünfhundertundein Grund
Es gibt fünfhundertundeinen Grund dafür.

tausendundeine Nacht
während tausendundeiner Nacht

Mit einem Artikelwort ist nur die ungebeugte Form -ein mit der Mehrzahl möglich:

die hundert[und]ein Autos
mit seinen fünfhundert[und]ein Ausreden
während dieser tausend[und]ein Nächte

Es herrscht hier aber eine gewisse Unsicherheit. Andere Formen kommen auch vor (zum Beispiel hunderteine Nacht) und selbstverständlich gefallen nicht alle Varianten allen gleich gut. Formen mit –eins vor einem Substantiv gelten allerdings in der Standardsprache als falsch:

nicht: hunderteins Autos
nicht: tausendeins Nächte

Die berühmte orientalische Märchensammlung wird übrigens im Allgemeinen „Tausendundeine Nacht“ genannt. „Ali Baba und die vierzig Räuber“ und „Sindbad der Seefahrer“ sind also Erzählungen aus „Tausendundeiner Nacht“. Wenn Sie Märchen und Erzählungen mögen, können Sie dort auch die Geschichte des Walt-Disney-Zeichentrickilms „Aladin und die Wunderlampe“ in der Originalversion nachlesen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Ein changeant Stoff

Frage

Das Adjektiv „changeant“ ist unflektierbar. Laut DWDS kann man trotzdem sagen: „ein changeant Farbton“ bzw. „changeant Stoffe“. Das klingt in meinen Ohren sehr komisch.

Antwort

Guten Tag M.,

wenn changeant nicht unveränderlich wäre, hieße es:

ein *changeanter Farbton
*changeante Stoffe.

Das Adjektiv ist aber unveränderlich. Man sagt also nicht trotzdem, sondern deshalb:

ein changeant Farbton
changeant Stoffe

Nicht deklinierbar heißt nur, dass ein Adjektiv in allen Stellungen unveränderlich ist. Es heißt nicht, dass es nicht vor einem Substantiv verwendet werden darf.

Es ist aber nicht sehr erstaunlich, dass diese Formulierungen in ihren Ohren komisch klingen. Sie sind nicht der einzige, dem es so geht. Unveränderliche Adjektive (oft eher „exotische“ Farbbezeichnungen wie rosa, lila, pink, oliv, mauve, bordeaux usw.) scheinen irgendwie nur schlecht ins Flexionssystem des Deutschen zu passen. Deshalb hört und liest man sehr oft anstelle von

ein rosa Kleid
das pink T-Shirt
ein orange Stoff

standardsprachlich:

ein rosafarbenes Kleid
das pinkfarbene T-Shirt
ein orangefarbener Stoff

oder umgangssprachlich:

ein rosanes Kleid
ein pinkiges T-Shirt
ein oranger Stoff

Bei Unsicherheit oder Missfallen über solche unveränderliche Adjektive empfiehlt es sich, auf die Variante mit –farben auszuweichen.

Für changeant gibt es diese Ausweichmöglichkeit allerdings nicht. Man kann hier zum Beispiel die Übersetzung ein mehrfarbig schillernder Stoff verwenden. In einem Zusammenhang, in dem dieses Adjektiv vorkommt, kann es aber auch ganz chic sein, ein changeant Stoff zu sagen und so zu schauen, als ob man tagtäglich solche unveränderlichen Adjektiven verwenden würde. Damit der Effekt nicht verloren geht, ist dabei übrigens zu beachten, dass die Aussprache schangschang und nicht etwa tscheinschent ähnelt. Das Wort wurde nicht aus dem Englischen, sondern aus dem Französischen übernommen und bedeutet wörtlich schlicht und einfach wechselnd.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare (16)