Archiv für Rechtschreibung

Grammatik oder Rechtschreibung

Die Unterscheidung zwischen Grammatik und Rechtschreibung ist für einige von Ihnen manchmal ein Problem. Der heutige Beitrag beschäftigt sich mit dieser Frage. Sie finden hier aber keine wissenschaftlich fundierte, alles abdeckende Abhandlung. Es ist nur eine kurze und hoffentlich praktische Hilfestellung.

Frage

Bei meiner Korrekturarbeit soll ich nur Rechtschreib-, nicht aber Grammatikfehler verbessern. Nun stellt sich mir die Frage, wie ich Rechtschreib- von Grammatikfehlern abgrenzen soll. Meiner Meinung nach geht es bei der Grammatik um korrekte Deklination und Konjugation und die richtige Satzbildung oder, anders gesagt, um „hörbare“ Fehler. […]

Antwort

Guten Tag Frau K.,

kurz und kräftig ausgedrückt:

Die Grammatik bestimmt, welche Wörter und Wortformen man in welcher Reihenfolge verwendet. Die Rechtschreibung bestimmt, wie man diese Wortformen schreibt.

Hier ein paar Beispiele, die den Unterschied aufzeigen sollen:

er habt statt er hat = Grammatik
er hatt statt er hat = Rechtschreibung

sie bittete statt sie bat = Grammatik
sie baht statt sie bat = Rechtschreibung

Sehe mich an! statt Sieh mich an! = Grammatik
Sie mich an! statt Sieh mich an! = Rechtschreibung

Hilf mich bitte! statt Hilf mir bitte! = Grammatik
Hilf mier bitte! statt Hilf mir bitte! = Rechtschreibung

weil sie ist krank statt weil sie krank ist = Grammatik
weill si kranck isst statt weil sie krank ist = Rechtschreibung

die Frage, dass statt die Frage, ob = Grammatik
die Tatsache, das statt die Tatsache, dass = Rechtschreibung

das Buch, was du liest statt das Buch, das du liest = Grammatik
das Buch, dass du liest statt das Buch, das du liest = Rechtschreibung

die großschreibung“ statt die Großschreibung = Rechtschreibung

Leistungs Ausweis statt Leistungsausweis = Rechtschreibung

Wenn Sie diese Beispiele laut vorlesen, sehen Sie, dass Ihre Faustregel zutrifft: Grammatikfehler hört man, Rechtschreibfehler nicht.

Grammatik und Rechtschreibung sind also zwei recht unterschiedliche Disziplinen. Die Rechtschreibung kommt aber nicht ohne die Grammatik aus: Bei der Rechtschreibung muss man die Grammatik kennen, wenn es zum Beispiel um die Groß- und Kleinschreibung geht oder wenn unterschiedliche Wortformen gleich klingen, aber unterschiedlich geschrieben werden. Zum Beispiel

Wir leben unser Leben.
Man ist, was man isst.
Ihr seid seit gestern hier.

Die Grammatik hingegen kommt ganz ohne die Rechtschreibung aus. Man kann grammatisch richtig formulieren, ohne sich um die Rechtschreibung kümmern zu müssen. Die Sätze Wir leben unser leben und Ihr seit seit gestern hier sind grammatisch korrekt, nur falsch geschrieben.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Das Komma und die Bachelor- und Mastertitel

Frage

Ich hätte eine Frage bez. Kommasetzung. […] Werden akademische Grade wie zum Beispiel B. A. oder B. Sc. bei Eigennamen mit Kommas abgetrennt oder nicht?

Beispielsatz: … meine Betreuerinnen Frau X, B. Sc. und Frau Y, M. A. sowie Frau …

Müssen hier nach B. Sc. und M. A. Kommas gesetzt werden?

Antwort

Guten Tag Herr P.,

ob man hier Kommas setzt, hängt davon ab, als was man nachgestellte abgekürzte Bachelor- und Mastertitel ansieht. Sind sie Bestandteil des Namens (ohne Komma) oder sind sie Apposition (mit Komma)? Beide Sichtweisen sind vertretbar.

Nach den Angaben in Duden, Richtiges und gutes Deutsch, und nach DIN 2005 (Schreib- und Gestaltungsregeln für die Textverarbeitung) stehen abgekürzte Master- und Bachelortitel als Teil des Namens ohne Komma hinter dem Namen:

… meine Betreuerinnen Frau Icks B. Sc. und Frau Ypsilon M. A. sowie Frau …

Siehe auch hier.

Häufig wird allerdings nach angelsächsischem Vorbild der nachgestellte Titel als Apposition gesehen und durch Kommas abgetrennt. Dabei sollte auch das abschließende Komma hinter dem Titel gesetzt werden:

… meine Betreuerinnen Frau Icks, B. Sc., und Frau Ypsilon, M. A., sowie Frau …

Wenn Sie den Titel vor den Namen stellen – was auch nicht „verboten“ ist – dann steht kein Komma:

… meine Betreuerinnen Frau B. Sc. Icks und Frau M. A. Ypsilon sowie Frau …

Eine eindeutige, allgemein verbindliche Regel gibt es (erstaunlicherweise!) nicht. Wenn es wichtig und formell ist und Sie für eine bestimmte Instanz schreiben, lohnt es sich, dort nachzufragen, ob es entsprechende interne Empfehlungen oder Richtlinien gibt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Beim Nachhausegehen und beim Drachen-steigen-Lassen

Frage

Eine Stadt bringt mit riesigen Schildern Gastsättenbesucher zum Nachdenken. Auf einem Schild steht: „Lieber Gast, bitte nimm Rücksicht auf die Anwohner beim nach Hause gehen.“ Täusche ich mich, wenn ich behaupte, der Gast soll beim Nachhausegehen Rücksicht nehmen?

Antwort

Guten Tag Herr P.,

Sie täuschen sich nicht, richtig ist tatsächlich:

beim Nachhausegehen

Nach beim, das ja eine Zusammenziehung von bei dem ist, wird ein Infinitiv oder eine Infinitivgruppe großgeschrieben:

Sie haben ihn beim Stehlen erwischt.
Paket beim Auspacken vorsichtig aufschneiden.
Sie wünscht ihm viel Glück beim Internetdaten.
Ein weißes Hemd ist beim Spaghettiessen keine gute Idee.

Da neben nachhause gehen in zwei Wörtern auch nach Hause gehen in drei Wörtern erlaubt ist, könnte die Substantivierung auch so geschrieben werden:

beim Nach-Hause-Gehen

Wenn eine Infinitivgruppe aus mehr als zwei Teilen besteht, schreibt man sie in der Regel mit Bindestrichen (und das erste Wort, alle Substantive und den [letzten] Infinitiv groß, siehe hier und hier):

Sie haben ihn beim Geld-aus-der-Kasse-Klauen erwischt.
Beim Direkt-aus-der-Pfanne-Essen kann man sich den Mund verbrennen.
Hochspannungsleitung: Vorsicht beim Drachen-steigen-Lassen!

Und wenn ich schon beim Erklären bin: Dasselbe gilt auch für Infinitive nach am (z. B. am Lachen sein). Wichtig ist allerdings vor allem, dass man auf die Nachbarn Rücksicht nimmt, ganz gleich ob dies orthografisch korrekt geschieht.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Vom Haushalten, Staubsaugen und Gewährleisten

Frage

Wie heißt es richtig: „dass du mit deinen Kräften haushältst“ oder „dass du mit deinen Kräften haushaltest“?

Antwort

Guten Tag Frau S.,

bei haushalten gilt Ähnliches wie bei u. a. staubsaugen und gewährleisten. Diese Verbindungen können nämlich sowohl untrennbare Verbkomposita als auch trennbare Verbverbindungen sein.

Bei untrennbar gewährleisten und trennbar Gewähr leisten ändert sich auch die Satzkonstruktion:

etwas gewährleisten
Wir gewährleisten die pünktliche Lieferung der Waren.
Wir können einen reibungslosen Ablauf gewährleisten.
Wir tun alles, um die Sicherheit zu gewährleisten.
Die Richtigkeit der Angaben wird nicht gewährleistet.

für etwas Gewähr leisten
Wir leisten für die pünktliche Lieferung der Waren Gewähr.
Wir können für einen reibungslosen Ablauf Gewähr leisten.
Wir tun alles, um für die Sicherheit Gewähr zu leisten.
Für die Richtigkeit der Angaben wird keine Gewähr geleistet.

Wenn staubsaugen ohne Akkusativobjekt steht, kann es auch Staub saugen sein:

staubsaugen
Er staubsaugt im ganzen Haus.
Ich muss noch staubsaugen und die Küche putzen.
Vergiss nicht zu staubsaugen!
Ich habe gestern schon gestaubsaugt.

Staub saugen
Er saugt im ganzen Haus Staub.
Ich muss noch Staub saugen und die Küche putzen.
Vergiss nicht Staub zu saugen!
Ich habe gestern schon Staub gesaugt.

Mit Akkusativobjekt ist nur die untrennbare Variante üblich:

etwas staubsaugen
Er staubsaugt das ganze Haus.
Ich muss noch den Teppich staubsaugen.
Vergiss nicht, dein Zimmer zu staubsaugen!
Ich habe es gestern schon gestaubsaugt.

Und nun sind wir endlich bei „Ihrem“ Verb: Neben dem untrennbaren haushalten gibt es auch das trennbare Haus halten. Anders als bei den vorhergehenden Verben gibt es hier keine Unterschiede auf der Ebene der möglichen Ergänzungen. Die Unterschiede zeigen sich bei den Wortformen: Das Verb haushalten ist regelmäßig, halten in Haus halten aber unregelmäßig:

(mit etwas) haushalten
Er haushaltet nicht gut mit seiner Zeit.
Ich kann einfach nicht haushalten.
Versuche, besser mit deinen Mitteln zu haushalten.
Die Kieler Mannschaft haushaltete klug mit ihren Kräften und gewann.
Es muss vorausschauend mit den Vorräten gehaushaltet werden.

(mit etwas) Haus halten
Er hält nicht gut mit seiner Zeit Haus.
Ich kann einfach nicht Haus halten.
Versuche, besser mit deinen Mitteln Haus zu halten.
Die Kieler Mannschaft hielt klug mit ihren Kräften Haus und gewann.
Es muss vorausschauend mit den Vorräten Haus gehalten werden.

Der vielen Beispiele und der langen Rede kurzer Sinn: Diese beiden Formulierungen sind korrekt:

dass du mit deinen Kräften haushaltest
dass du mit deinen Kräften Haus hältst

So, und jetzt widme ich mich dem Frühlingsputz und gehe Staub saugen bzw. staubsaugen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Die bekannte(,) leidige Frage nach dem Komma zwischen Adjektiven

Frage

Es geht um die Kommasetzung zwischen Adjektiven. Mit der folgenden Faustregel komme ich nicht klar. Wenn man ein „und“ zwischen die Adjektive setzen kann, steht ein Komma: „ein leichter, herber Rotwein“. Wenn das zweite Adjektiv mehr zum Substantiv gehört, steht kein Komma: „ein bekannter spanischer Autor“. Es gibt ja so viele Zweifelsfälle, und ich habe das Gefühl, dass es keiner mehr richtig weiß, abgesehen von den klaren Fällen. Hier noch einige Beispiele:

eine kleine vogelhafte Frau
ein zierlicher kleiner Kopf
ein alter rundlicher Kahn
ein großer runder Raum
ein riesiger halbmondförmiger Eichentisch
ein feiner halbkreisförmiger Schnitt

Antwort

Guten Tag Frau M,

Sie gehen offenbar etwas zu stark davon aus, dass es bei der Kommasetzung zwischen zwei Adjektiven immer nur eine richtige Lösung gibt. Das ist nicht so. Häufig sind beide Schreibungen vertretbar. Aus diesem Grund gibt es so viele Zweifel und keine eindeutige Regel. Auch ich halte die Faustregel mit „und“, die Sie zitieren, häufig nicht für allzu nützlich. Ich empfehle Ihnen deshalb ein einfache Faustregel, die mir am besten hilft: die Betonung.

Wenn in der gesprochenen Sprache eine deutliche Pause gemacht wird, setzt man ein Komma. Hört man zwischen den beiden Adjektiven keine Pause, wird auch kein Komma gesetzt:

  1. ein anderes, umweltfreundliches Verfahren
    (statt eines nicht umweltfreundlichen Verfahrens)
  2. ein anderes umweltfreundliches Verfahren
    (ein weiteres umweltfreundliches Verfahren)

Hier gibt es einen Bedeutungsunterschied, den man in der gesprochenen Sprache mit Hilfe einer deutlich hörbaren Pause ausdrückt. Diese Pause entspricht in der geschriebenen Sprache einem Komma:

Wenn wie in a) eine Pause gemacht werden muss, muss ein Komma stehen. Wenn wie in b) keine Pause gemacht werden darf, darf kein Komma stehen. (Vgl. hier)

Und nun kommt das, was immer wieder für Unsicherheit sorgt: In vielen Fällen ist beides möglich. Manchmal ist es vom Kontext abhängig, ob man ein Komma schreibt oder nicht:

  1. Ich mag keine schweren, süßen Weine. Ich will einen leichten, herben Rotwein.
    (mit Pause gesprochen = der Rotwein soll leicht und herb sein)
  2. Ich will keinen schweren, sondern einen leichten herben Rotwein.
    (ohne Pause gesprochen = der herbe Rotwein soll leicht sein)

Häufig ist sogar ohne wesentlichen Bedeutungsunterschied beides möglich:

  1. eine kleine, vogelhafte Frau
    (mit Pause gesprochen = eine Frau, die klein und vogelhaft ist)
  2. eine kleine vogelhafte Frau
    (ohne Pause gesprochen = eine vogelhafte Frau, die klein ist)

Zwischen e) und f) gibt es keinen wesentlichen Bedeutungsunterschied. Sie können schreiben, wie Sie betonen würden. Wenn beide Betonungen möglich sind, sind auch beide Schreibungen (mit und ohne Komma) richtig.

Fragen Sie sich also jedes Mal, wenn Sie zweifeln, ob Sie für die richtige Bedeutung eine Pause machen müssen. Wenn die Antwort ja lautet, setzen Sie ein Komma (Beispiele a und c). Wenn Sie für die Bedeutung keine Pause machen dürfen, setzen Sie kein Komma (Beispiele b und d). Ist eine Formulierung mit und ohne Pause richtig, kann sie auch mit und ohne Komma geschrieben werden (Beispiele e und f). Sie wählen dann einfach, was Ihnen „natürlicher“ erscheint.

Alle Beispiele in Ihrer Frage können im Prinzip mit und ohne Komma geschrieben werden, weil mit und ohne Pause gesprochen werden kann.

Zusammenfassend zum Komma zwischen zwei aufeinanderfolgenden Adjektiven:

  • Pause obligatorisch = Komma obligatorisch
  • Pause nicht möglich = kein Komma
  • Pause möglich = Komma möglich

Ich hoffe, dass die bekannte leidige Frage oder eben die bekannte, leidige Frage nach dem Komma zwischen aufeinanderfolgenden Adjektiven nun für etwas weniger Unsicherheit sorgt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Steht ein Komma vor »als etwas zu essen«?

Frage

Es geht um diesen Satz:

Sie hatte Schlaf noch mehr nötig,(??) als etwas zu essen.

Mir ist unklar, ob diese Infinitivkonstruktion mit Komma abgetrennt wird, weil mit „etwas zu essen“ ja eigentlich ein Substantiv gemeint ist, wenn man schreiben würde „als Essen“. Vergleichbar hier ein Satz aus dem Netz: „Eine Jause ist mehr als etwas zu essen.“

Antwort

Guten Tag Herr E.,

Sie zweifeln zu Recht, denn richtig ist die Schreibung ohne Komma:

Sie hatte Schlaf noch mehr nötig als etwas zu essen.

Das liegt daran, dass „etwas zu essen“ zwar wie eine Infinitivgruppe aussieht, hier aber  eine Pronomengruppe ist:

Infinitivgruppe:
etwas zu essen = dass man etwas isst
(engl. to eat something, frz. manger quelque chose)

Pronomengruppe
etwas zu essen = etwas, das man essen kann
(engl. something to eat, frz. quelque chose à manger)

Vor vergleichendem „als“ steht dann ein Komma, wenn es einen Nebensatz oder eine Infinitivgruppe einleitet (siehe hier und hier). In Ihrem Satz ist aber eine Pronomengruppe gemeint. Deshalb setzen Sie kein Komma:

Sie hatte Schlaf noch mehr nötig als etwas zu essen.
vgl. Sie hatte Schlaf noch mehr nötig als Essen.

Es gab nicht mehr als etwas zu trinken.
vgl. Es gab nicht mehr als ein Getränk.

Aber zum Beispiel:

Sie kann besser schlafen, als etwas zu essen.
vgl. Sie kann besser schlafen, als zu essen.

Sie konnten nichts anderes mehr tun, als etwas zu trinken.
vgl. Sie konnten nichts anderes mehr tun, als zu trinken.

Manchmal ist es gar nicht so einfach, den Unterschied zwischen Pronomengruppe und Infinitivgruppe festzulegen, weil beides möglich ist:

Eine Jause ist mehr als etwas zu essen  (vgl. mehr als nur Esswaren)
Eine Jause ist mehr, als etwas zu essen (vgl. mehr, als nur zu essen)

Ob mit oder ohne Komma: Hauptsache, es gibt etwas zu essen!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Großes »Viertel« und kleines »viertel« in Uhrzeitangaben

Nach meinem Urlaub auf (vgl. hier) Gran Canaria kann ich sagen, dass diese Insel ein empfehlenswertes Reiseziel ist, egal ob Sie sich in großen Touristenzentren wohl fühlen oder ob Sie es wie ich lieber ländlich-ruhig haben. Ich bin also eigentlich entspannt und ausgeruht, aber um nicht gleich in rasendem Tempo loszulegen, nehme ich den Blogfaden mit einer Frage im Viertelstundenbereich wieder auf.

Frage

Mich beschäftigen immer wieder die Uhrzeitangaben mit „Viertel/viertel“ mit „um“ oder Artikel. Auch im Duden finde ich leider unterschiedliche Angaben, die für mich nicht zufriedenstellend sind. Ich füge einige Beispiele an:

es ist ein Viertel vor, nach eins
es ist Viertel vor, nach eins
wir treffen uns um viertel acht, um drei viertel acht
um viertel acht (Viertel nach sieben)

Antwort

Guten Tag Frau R.,

ganz einfach gesagt ist bei der Schreibung von Viertel/viertel in diesem Zusammenhang entscheidend, welches Viertelstundensystem Sie verwenden. Wie Ihnen vielleich bekannt ist, gibt es im deutschen Sprachgebiet zwei verschiedene Arten die Uhrzeiten x Uhr 15 und x Uhr 45 anzugeben.

Wenn man das „Viertel-vor-und-Viertel-nach-acht-System“ benutzt, schreibt man Viertel groß. Wenn man das „Viertel-und-drei-viertel-acht-System“ verwendet schreibt man viertel klein:

um 8 Uhr 15 = um Viertel nach acht / um viertel neun
um 8 Uhr 45 = um Viertel vor neun / um drei viertel neun

es ist 8 Uhr 15 = es ist Viertel nach acht / es ist viertel neun
um 8 Uhr 45 = es ist Viertel vor neun / es ist drei viertel neun

Siehe auch hier und hier.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Eingeleitete und integrierte wörtliche Wiedergabe

Frage

Es geht um folgende Satzkonstruktion:

Auf die Frage „War es schön?“ folgt ein muffliges „Kann sein“.

Ich würde die Satzzeichen (Doppelpunkt, Komma, Doppelpunkt) folgendermaßen ergänzen:

Auf die Frage: „War es schön?“, folgt ein muffliges: „Kann sein“.

Liege ich damit richtig?

Antwort

Bei eingeleiteten Zitaten mit Begleitsatz gelten die Regeln, die hier dargestellt werden. Weniger oft wird ein anderer Fall in den Rechtschreibbüchern dargestellt: Ein Zitat kann eng in den Satz integriert sein. Dann sieht die Zeichensetzung etwas einfacher aus (nämlich so).

Der Übergang zwischen „eingeleitet“ und „integriert“ ist allerdings fließend. Integrierte Zitate stehen häufig am Satzanfang oder im Satzinnern oder sie haben ein Artikelwort, ein Adjektiv oder ein Attribut bei sich. Am besten sieht man den Unterschied wahrscheinlich an konkreten Beispielen:

a) eingeleitet direkte Rede
b) integrierte direkte Rede

a) Sie hat gesagt: „Ich gehe nach Hause.“
b) Sie hat „Ich gehe nach Hause“ gesagt.

a) Er fragte: „Wer kommt mit?“, aber niemand antwortete.
b) Auf seine Frage „Wer kommt mit?“ antwortete niemand.

a) Das bekannte Sprichwort lautet: „Eile mit Weile“.
b) Das Sprichwort „Eile mit Weile“ ist sehr bekannt.

a) Nicht alle mögen diese Frage: „Woran denkst du?“
a) „Woran denkst du?“, wollte er schon wieder wissen.
b) „Woran denkst du?“ ist eine Frage, die nicht alle mögen.

a) Das Kind rief laut: „Ich esse das nicht!“
b) Laut klang das „Ich esse das nicht!“ des Kindes.
b) Laut klang sein „Das esse ich nicht!“.

Für Ihren Satz bedeutet dies, dass er ohne zusätzliche Doppelpunkte und ohne ein Komma auskommt:

a) Die Mutter fragte: „War es schön?“, und ich antwortete mufflig: „Kann sein.“
b) Auf die Frage „War es schön?“ folgte ein muffliges „Kann sein“.

Er war also so richtig geschrieben, wie Sie ihn zuerst angegeben haben.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Infinitivgruppen: kein »zu«, kein Komma

Frage

Ich habe eine Kommafrage zu diesem Satz: „Den Kontakt zu unseren Kunden stärken, heißt …“ Steht vor „heißt“ ein Komma? […]

Antwort

Guten Tag Herr G.,

vor heißt steht hier kein Komma:

Den Kontakt zu unseren Kunden stärken heißt …

Das ist einer der wenigen Fälle, in denen eine Infinitivgruppe ohne zu steht (die Infinitivgruppe ist Subjekt des Satzes; siehe hier, ganz unten). Erweiterte Infinitive ohne zu gelten nicht als „nebensatzähnlich“ und werden wie gewöhnliche Satzglieder behandelt. Sie werden also nicht durch Kommas abgetrennt:

Dich verstehen ist nicht einfach.
Mit dem Finger auf Leute zeigen gilt als unhöflich.
Den ganzen Tag arbeiten macht hungrig.
Den Kontakt zu unseren Kunden steigern heißt noch besser auf ihre Wünsche eingehen.

Ich kann Ihnen hierzu keine konkrete Kommaregel nennen, weil die meisten Kommaregeln „nur“ angeben, wo man ein Komma setzen muss oder kann. Dieser Fall (erweiterter Infinitiv ohne zu) wird nicht ausdrücklich genannt. Daraus folgt, dass man kein Komma setzt.

Man kann diese Sätze auch mit zu formulieren. Dann gibt es Regeln, nämlich die Kommaregeln für die Infinitivgruppen (siehe hier für eine Übersicht). Diese Regeln sagen, dass man hier ein Komma setzen kann:

Dich zu verstehen(,) ist nicht immer einfach.
Mit dem Finger auf Leute zu zeigen(,) gilt als unhöflich.
Den ganzen Tag zu arbeiten(,) macht hungrig.
Den Kontakt zu unseren Kunden zu stärken(,) heißt(,) noch besser auf ihre Wünsche einzugehen.

Zusammenfassend kann man sagen

ohne Komma:
Die Kommaregeln verstehen ist nicht immer einfach.

mit fakultativem Komma:
Die Kommaregeln zu verstehen ist nicht immer einfach.
Die Kommaregeln zu verstehen, ist nicht immer einfach.

Dem habe ich vorerst nichts hinzuzufügen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Warum das dass das das tötet …

Heute geht es um die Frage, warum das dass das das tötet und warum das orthografisch nicht korrekt ist:

Frage

Könnten Sie mir sagen, ob Kommas in diesem Satz fehlen, und falls ja, wo?

Antwort

Guten Tag Herr V.,

man muss bei diesem bekannten Spruch genau hinsehen, bis man seine Struktur erkennt. Dann sieht man aber, dass die Kommas richtig gesetzt sind. Der Gesamtsatz fängt mit einem dass-Satz an:

Dass das X mit Y verwechselt wird, …

Dann kommt der Hauptsatz:

… führt irgendwann dazu, …

gefolgt von zwei weiteren, durch und verbundenen gleichrangigen dass-Sätzen:

… dass das X das nicht mehr erträgt und dass das X das Y dann tötet

Dabei steht X für dass und Y für das. Wenn man nun alles zusammensetzt, erhält man diesen Satz:

Dass das X mit Y verwechselt wird, führt irgendwann dazu, dass das X das nicht mehr erträgt und dass das X das Y dann tötet

Und wenn man X und Y wieder ersetzt:

Dass das dass mit das verwechselt wird, führt irgendwann dazu, dass das dass das nicht mehr erträgt und dass das dass das das dann tötet.

Ein amüsantes Wortspiel. Doch nun kommt der pingelige Spielverderber: Die Kommas sind zwar richtig gesetzt, aber bei der Groß- und Kleinschreibung hapert es. Wo oben der bestimmte Artikel das vor dass und das steht, handelt es sich eigentlich um Substantivierungen, die großgeschrieben werden müssen. Nach den Rechtschreibregeln ganz richtig wäre also:

Dass das Dass mit das verwechselt wird, führt irgendwann dazu, dass das Dass das nicht mehr erträgt und dass das Dass das Das dann tötet.

So wäre es orthografisch korrekt, aber so viel Korrektheit ist leider auch witztötend.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare (3)