Archiv für Rechtschreibung

Nicht und das Adjektiv

Nach dem Urlaub und dem unvermeidlichen Abtragen des Mailbergs heute wieder einmal das Thema nicht+Adjektiv:

Frage

Was ist richtig:

nichttumorbedingte Schmerzen
nicht tumorbedingte Schmerzen
nicht-tumorbedingte Schmerzen

Was mich immer ein bisschen verwirrt, ist die folgende Aussage, die ich auf einer Rechtschreibseite für Naturwissenschafter zu diesem Thema gefunden habe:

[…] Man schreibt in einem Wort, wenn dieses „klassenbildend“ ist, ansonsten getrennt in zwei Wörtern. Entsprechend: „nichtoxidierende Säure“, „nichtnewtonsches Fluid“, „nicht poröses Material“ etc.

Auch im Springer Copyediting-Manual wird das so ausgedrückt:

Verbindungen mit „nicht“ werden in einem Wort geschrieben, wenn sie „klassenbildend“ sind: nichtberufstätig (gegenüber berufstätig), nichtmetastasierend (gegenüber metastasierend), Nichtzutreffendes (gegenüber Zutreffendes).

Im Duden und bei Canoo habe ich diese Regel nicht gefunden. Ist sie korrekt? Wenn ja, könnten Sie mir bitte kurz erklären, was „klassenbildend“ bedeutet? Ich verstehe nämlich nicht, warum „nichtoxidierende Säure“, „nichtnewtonsches Fluid“ etc. klassenbildend sind und „nicht poröses Material“ nicht.

Wie soll ich das dann auf meine Beispiele mit „tumorbedingt“ anwenden?

Antwort

Guten Tag H.,

Die Angaben, die Sie zitieren, können nur als Empfehlungen verstanden werden. Die geltende amtliche Rechtschreibregelung § 36.2.3. sagt nur, dass zusammen- wie auch getrennt geschrieben werden kann bei:

Verbindungen von nicht mit Adjektiven, zum Beispiel:
eine nicht öffentliche/nichtöffentliche Sitzung, nicht operativ/nichtoperativ behandeln

Von „klassenbildend“ ist weder ausdrücklich noch implizit bei den Beispielen die Rede. Es liegt also im Ermessen der Schreibenden, ob sie solche Verbindungen zusammenschreiben wollen oder nicht.

Nun ist es im deutschen Sprachraum (nach meiner Erfahrung vor allem in Deutschland) so, dass „so viel“ Freiheit manchen Mühe bereitet. Daher kommt vielleicht das Bedürfnis nach einer Regel wie dieser mit „klassenbildend“. Innerhalb einer Fachsprache kann sie für die Vereinheitlichung der Terminologie einen gewissen Nutzen haben. Als allgemeine Regel halte sie für nicht sehr nützlich. Ich weiß nämlich auch nicht genau, ob tumorbedingt und nichttumorbedingt klassenbildend sind oder nicht.

Sie können also zusammen- oder getrennt schreiben. Nur die Schreibung mit Bindestrich sollten Sie nicht verwenden:

nicht tumorbedingte Schmerzen
nichttumorbedingte Schmerzen

Wichtig ist höchstens, dass Sie innerhalb eines Textes oder einer Textreihe möglichst konsequent dieselbe Schreibweise verwenden, also immer nicht tumorbedingt oder immer nichttumorbedingt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Das Komma zwischen dass und wenn – und Urlaub

Frage

Stimmt die Kommasetzung, wenn der Satz lautet: „Maria erklärt, dass wenn sich dies nicht bessere, sie sich beim Hausmeister beschweren werde“? Meine Lehrerin hat das verbessert, indem sie noch ein Komma nach „dass“ gesetzt hat. Bin mir aber ziemlich sicher, dass da eigentlich schon alles richtig war … Oder nicht?

Antwort

Guten Tag L.,

Ihre Lehrerin hat recht. Das Komma zwischen dass und wenn muss gesetzt werden. Es trennt den wenn-Satz vom dass-Satz ab. Der wenn-Satz ist hier in den dass-Satz eingeschoben und muss vorn und hinten durch Kommas abgetrennt werden:

Lisa erklärt, dass, wenn sich dies nicht bessere, sie sich beschweren werde.

Ebenso zum Beispiel:

Sie fragte sich, ob, weil kein Licht brannte, schon alle weggegangen waren.
Ich will noch den Führerschein machen, weil, als ich 18 war, mir das Geld dafür fehlte.

Stilistisch wirken solche Verschachtelungen meist nicht gut oder sie sind zumindest nicht allzu lesefreundlich. Sie könnten die Nebensätze deshalb vielleicht besser ein bisschen entwirren und den Satz wie folgt formulieren:

Maria erklärt, dass sie sich beschweren werde, wenn sich dies nicht bessere.

Ich hoffe, dass, wenn ich Ihnen solche Vorschläge mache, Sie es nicht als allzu pingelig erfahren.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp


Urlaub

Vom 20. bis 29. Juni habe ich Urlaub (dort, wo das Komma virgule heißt). Es wird also in den nächsten Tagen keine neuen Blogeinträge geben und eine Reaktion auf Ihre Fragen und Kommentare wird leider länger auf sich warten lassen. Danach werde ich versuchen, Ihnen so schnell wie möglich zu antworten.

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Nordkorea und Nord-Mazedonien?

Zwei aktuelle Ereignisse, die auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun haben, sind das nordkoreanisch-amerikanische Trump-Kim-Spitzentreffen in Singapur und der neue Name der ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedonien. Auch auf den zweiten und dritten Blick ist kaum ein Zusammenhang erkennbar – dafür braucht es schon einen Blog über Grammatik und Rechtschreibung des Deutschen. In diesem Fall geht es um die Rechtschreibung: Nordkorea und Nord-Mazedonien?

Namen von Ländern, Regionen usw. die mit einer Himmelsrichtung beginnen, werden im Deutschen in der Regel zusammengeschrieben:

Nordkorea, Nordirland, Nordbayern
Südkorea, Südafrika, Südtirol
Ostasien, Ostösterreich, Ostfriesland
Westeuropa, Westdeutschland, die Westschweiz
Südostasien, Südwestafrika, Nordwestmecklenburg
Ostwestfalen

Dabei macht es nichts aus, ob ein Staat oder eine Region gemeint ist, ob es sich um einen offiziellen oder einen inoffiziellen Namen handelt oder ob es den entsprechenden Namen mit der gegenüberliedgenden Himmelsrichtung ebenfalls gibt. Deshalb war ich etwas erstaunt, dass in fast allen Pressemitteilungen der neue Name des Republik im Herzen Südosteuropas mit einem Bindestrich geschrieben wird:

Republik Nord-Mazedonien

Ich hätte nämlich erwartet, dass man hier – wie sonst auch – ohne Bindestrich auskommen würde:

Republik Nordmazedonien

Was bei Nordkorea, Südkorea, Südafrika und noch nicht so lange auch Südsudan möglich ist bzw. früher bei Nord- und Südvietnam oder Ost- und Westdeutschland möglich war, sollte doch auch bei Nordmazedonien zu keinen größeren Leseschwierigkeiten führen.

Das waren natürlich erst die ersten Presseberichte, wer weiß, wie sich die Schreibung des Namens einbürgern wird. Und um auf einer richtig schön nörglerischen Note zu enden: immer noch besser Nord-Mazedonien mit einem (meiner Meinung nach überflüssigen) Bindestrich als das ebenfalls in einigen Meldungen stehende (eindeutig falsch geschriebene) *Nord Mazedonien!

PS: Bei der automatischen Rechtschreibprüfung ist mir aufgefallen, worauf die Schreibung mit Bindestrich (oder gar die Getrenntschreibung) u. a. zurückzuführen sein könnte: Das Prüfprogramm lässt nur Nord-Mazedonien und Nord Mazedonien durch, Nordmazedonien hingegen wird als Fehler angemerkt …

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Das höfliche Fragezeichen

Frage

Ich frage mich ob hier ein Fragezeichen gesetzt werden soll oder nicht, da es sich um eine höfliche Aufforderung handelt, welche als Frage daher kommt.

Dürften wir Sie bitten zu prüfen, ob die Liste korrekt ist, und zu Unrecht aufgeführte Personen allenfalls zu streichen

Antwort

Guten Tag Frau K.,

nach einer höflichen Aufforderung, die als Frage formuliert ist, setzt man in der Regel ein Fragezeichen:

Könnten Sie uns bitte vorbeilassen?
Würdest du bitte die Tür schließen?
Wären Sie so freundlich, an der Umfrage teilzunehmen?

Das gilt auch für Ihren Satz:

Dürften wir Sie bitten zu prüfen, ob die Liste korrekt ist, und zu Unrecht aufgeführte Personen allenfalls zu streichen?

Zusammen mit dem Konjunktiv soll die Frageform (in der Schrift mit Fragezeichen) eine Aufforderung möglichst unaufdringlich erscheinen lassen.

Im Umgang mit anderen Menschen gibt es aber viele verschiedenen Ebenen. So kann man eine Aufforderung zwar höflich als Frage einkleiden, sie aber trotzdem nachdrücklich bis drohend meinen. Dann ändert sich in der gesprochenen Sprache der Ton und in der Schrift wird das Fragezeichen durch ein Ausrufezeichen ersetzt:

Könnten Sie uns bitte endlich vorbeilassen!
Zum x-ten Mal: Würdest du bitte die Tür schließen!

So kann man in der geschriebenen Sprache mithilfe der Satzzeichen die Beschreibung der Stimmung und des Tons ein wenig unterstützen:

„Würden Sie bitte das Lokal verlassen?“, sagte der Kellner in ruhigem Ton.
„Würden Sie bitte das Lokal verlassen!“, sagte der Rausschmeißer in beunruhigendem Ton.

Siehe auch hier.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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So lange und solange

Ein Dauerbrenner bei den Rechtschreibunsicherheiten: solange und so lange.

Frage

Ich stehe auf dem Schlauch: „Ich werde warten, so lange es auch dauert.“ Richtig so oder doch: „solange es auch dauert“? Ich tendiere doch eher zur Zusammenschreibung. […] Kann man das auch anhand der Betonung entscheiden? Wenn man „lange“ betont, zusammen, und wenn man „so“ betont, getrennt – oder ist das nicht immer zuverlässig?

Antwort

Guten Tag Frau S.,

richtig ist in diesem Fall tatsächlich die Zusammenschreibung solange (vgl. hier):

Ich werde warten, solange es auch dauert.

Bei der Entscheidung, ob man solange oder so lange schreibt, kann die Betonung eine Hilfe sein, sie ist aber nicht immer ein zuverlässiges Kriterium. Man sagt zum Beispiel:

Du darfst só lange bleiben, wie du willst.

Man kann aber auch wie folgt betonen, ohne dass man anders schreibt:

Du darfst so lánge bleiben, wie du willst.

Die Betonung ist höchstens insofern ein Kriterium, als man in der Regel getrennt schreibt, wenn man so betonen kann. Ist die Betonung auf so nicht möglich (oder zumindest sehr seltsam), dann schreibt man zusammen:

Ich werde warten, solánge es auch dauert. (nicht: sólange es auch dauert)

Ein besseres Kriterium ist die Grammatik: Man schreibt solange zusammen, wenn es als Konjunktion am Anfang eines Nebensatzes steht. In einem Nebensatz steht die konjugierte Verbform an letzter Stelle. Vergleichen Sie jeweils die Schreibung solange/so lange und die Stellung der konjugierten Verbform:

Du darfst bleiben, solange du [bleiben] willst.
Fünf Tage? So lange willst du bleiben?!

Ich werde warten, solange es auch dauern wird.
Wir brauchen fünf Tage und so lange wird es auch dauern.

Solange es uns möglich war, haben wir euch geholfen.
… So lange war es uns möglich, euch zu helfen, aber danach nicht mehr.

Im Prinzip ist es also ganz einfach: Man schreibt solange zusammen, wenn es einen Nebensatz einleitet. Solange Sie diese Regel anwenden, so lange werden Sie hier die Zusammen- und Getrenntschreibung richtig handhaben.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Komma nach Ergänzungsstrich?

Frage

Bei folgendem Problemchen habe ich mit einer Korrektorin einen kleinen Meinungsstreit. Es geht um diesen Satzanfang:

Seitdem ich im Freundes- Bekannten- und Familienkreis …

Ich bin für ein Komma nach „Freundes-“, sie ist dagegen. Was ist nun richtig und warum?

Antwort

Guten Tag Herr V.,

manchmal irren sich selbst Korrektorinnen und Korrektoren. Richtig ist hier nämlich die  Schreibweise mit Komma, die Sie vertreten:

Seitdem ich im Freundes-, Bekannten- und Familienkreis …

Es geht um die Einsparung von gemeinsamen Wortteilen in einer Aufzählung. Dabei wird der nicht genannte Wortteil durch einen Ergänzungsstrich ersetzt. Der Rest des Satzes bleibt unverändert:

Seitdem ich im Freundeskreis, Bekanntenkreis und Familienkreis
Seitdem ich im Freundes-, Bekannten- und Familienkreis …

Das Komma gehört nicht zum weggelassenen Wortteil, sondern zum Rest des Satzes. Auch wenn -kreis vor ihm weggelassen wird, behält es die Funktion, die Elemente der Aufzählung voneinander abzutrennen. Das Komma nach Freundes- muss also wie das und nach Bekannten- stehen bleiben (NB: ohne Leerzeichen zwischen dem Ergänzungsstrich und dem Komma). Vgl. hier.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Grammatik oder Rechtschreibung

Die Unterscheidung zwischen Grammatik und Rechtschreibung ist für einige von Ihnen manchmal ein Problem. Der heutige Beitrag beschäftigt sich mit dieser Frage. Sie finden hier aber keine wissenschaftlich fundierte, alles abdeckende Abhandlung. Es ist nur eine kurze und hoffentlich praktische Hilfestellung.

Frage

Bei meiner Korrekturarbeit soll ich nur Rechtschreib-, nicht aber Grammatikfehler verbessern. Nun stellt sich mir die Frage, wie ich Rechtschreib- von Grammatikfehlern abgrenzen soll. Meiner Meinung nach geht es bei der Grammatik um korrekte Deklination und Konjugation und die richtige Satzbildung oder, anders gesagt, um „hörbare“ Fehler. […]

Antwort

Guten Tag Frau K.,

kurz und kräftig ausgedrückt:

Die Grammatik bestimmt, welche Wörter und Wortformen man in welcher Reihenfolge verwendet. Die Rechtschreibung bestimmt, wie man diese Wortformen schreibt.

Hier ein paar Beispiele, die den Unterschied aufzeigen sollen:

er habt statt er hat = Grammatik
er hatt statt er hat = Rechtschreibung

sie bittete statt sie bat = Grammatik
sie baht statt sie bat = Rechtschreibung

Sehe mich an! statt Sieh mich an! = Grammatik
Sie mich an! statt Sieh mich an! = Rechtschreibung

Hilf mich bitte! statt Hilf mir bitte! = Grammatik
Hilf mier bitte! statt Hilf mir bitte! = Rechtschreibung

weil sie ist krank statt weil sie krank ist = Grammatik
weill si kranck isst statt weil sie krank ist = Rechtschreibung

die Frage, dass statt die Frage, ob = Grammatik
die Tatsache, das statt die Tatsache, dass = Rechtschreibung

das Buch, was du liest statt das Buch, das du liest = Grammatik
das Buch, dass du liest statt das Buch, das du liest = Rechtschreibung

die großschreibung“ statt die Großschreibung = Rechtschreibung

Leistungs Ausweis statt Leistungsausweis = Rechtschreibung

Wenn Sie diese Beispiele laut vorlesen, sehen Sie, dass Ihre Faustregel zutrifft: Grammatikfehler hört man, Rechtschreibfehler nicht.

Grammatik und Rechtschreibung sind also zwei recht unterschiedliche Disziplinen. Die Rechtschreibung kommt aber nicht ohne die Grammatik aus: Bei der Rechtschreibung muss man die Grammatik kennen, wenn es zum Beispiel um die Groß- und Kleinschreibung geht oder wenn unterschiedliche Wortformen gleich klingen, aber unterschiedlich geschrieben werden. Zum Beispiel

Wir leben unser Leben.
Man ist, was man isst.
Ihr seid seit gestern hier.

Die Grammatik hingegen kommt ganz ohne die Rechtschreibung aus. Man kann grammatisch richtig formulieren, ohne sich um die Rechtschreibung kümmern zu müssen. Die Sätze Wir leben unser leben und Ihr seit seit gestern hier sind grammatisch korrekt, nur falsch geschrieben.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Das Komma und die Bachelor- und Mastertitel

Frage

Ich hätte eine Frage bez. Kommasetzung. […] Werden akademische Grade wie zum Beispiel B. A. oder B. Sc. bei Eigennamen mit Kommas abgetrennt oder nicht?

Beispielsatz: … meine Betreuerinnen Frau X, B. Sc. und Frau Y, M. A. sowie Frau …

Müssen hier nach B. Sc. und M. A. Kommas gesetzt werden?

Antwort

Guten Tag Herr P.,

ob man hier Kommas setzt, hängt davon ab, als was man nachgestellte abgekürzte Bachelor- und Mastertitel ansieht. Sind sie Bestandteil des Namens (ohne Komma) oder sind sie Apposition (mit Komma)? Beide Sichtweisen sind vertretbar.

Nach den Angaben in Duden, Richtiges und gutes Deutsch, und nach DIN 2005 (Schreib- und Gestaltungsregeln für die Textverarbeitung) stehen abgekürzte Master- und Bachelortitel als Teil des Namens ohne Komma hinter dem Namen:

… meine Betreuerinnen Frau Icks B. Sc. und Frau Ypsilon M. A. sowie Frau …

Siehe auch hier.

Häufig wird allerdings nach angelsächsischem Vorbild der nachgestellte Titel als Apposition gesehen und durch Kommas abgetrennt. Dabei sollte auch das abschließende Komma hinter dem Titel gesetzt werden:

… meine Betreuerinnen Frau Icks, B. Sc., und Frau Ypsilon, M. A., sowie Frau …

Wenn Sie den Titel vor den Namen stellen – was auch nicht „verboten“ ist – dann steht kein Komma:

… meine Betreuerinnen Frau B. Sc. Icks und Frau M. A. Ypsilon sowie Frau …

Eine eindeutige, allgemein verbindliche Regel gibt es (erstaunlicherweise!) nicht. Wenn es wichtig und formell ist und Sie für eine bestimmte Instanz schreiben, lohnt es sich, dort nachzufragen, ob es entsprechende interne Empfehlungen oder Richtlinien gibt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Beim Nachhausegehen und beim Drachen-steigen-Lassen

Frage

Eine Stadt bringt mit riesigen Schildern Gastsättenbesucher zum Nachdenken. Auf einem Schild steht: „Lieber Gast, bitte nimm Rücksicht auf die Anwohner beim nach Hause gehen.“ Täusche ich mich, wenn ich behaupte, der Gast soll beim Nachhausegehen Rücksicht nehmen?

Antwort

Guten Tag Herr P.,

Sie täuschen sich nicht, richtig ist tatsächlich:

beim Nachhausegehen

Nach beim, das ja eine Zusammenziehung von bei dem ist, wird ein Infinitiv oder eine Infinitivgruppe großgeschrieben:

Sie haben ihn beim Stehlen erwischt.
Paket beim Auspacken vorsichtig aufschneiden.
Sie wünscht ihm viel Glück beim Internetdaten.
Ein weißes Hemd ist beim Spaghettiessen keine gute Idee.

Da neben nachhause gehen in zwei Wörtern auch nach Hause gehen in drei Wörtern erlaubt ist, könnte die Substantivierung auch so geschrieben werden:

beim Nach-Hause-Gehen

Wenn eine Infinitivgruppe aus mehr als zwei Teilen besteht, schreibt man sie in der Regel mit Bindestrichen (und das erste Wort, alle Substantive und den [letzten] Infinitiv groß, siehe hier und hier):

Sie haben ihn beim Geld-aus-der-Kasse-Klauen erwischt.
Beim Direkt-aus-der-Pfanne-Essen kann man sich den Mund verbrennen.
Hochspannungsleitung: Vorsicht beim Drachen-steigen-Lassen!

Und wenn ich schon beim Erklären bin: Dasselbe gilt auch für Infinitive nach am (z. B. am Lachen sein). Wichtig ist allerdings vor allem, dass man auf die Nachbarn Rücksicht nimmt, ganz gleich ob dies orthografisch korrekt geschieht.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Vom Haushalten, Staubsaugen und Gewährleisten

Frage

Wie heißt es richtig: „dass du mit deinen Kräften haushältst“ oder „dass du mit deinen Kräften haushaltest“?

Antwort

Guten Tag Frau S.,

bei haushalten gilt Ähnliches wie bei u. a. staubsaugen und gewährleisten. Diese Verbindungen können nämlich sowohl untrennbare Verbkomposita als auch trennbare Verbverbindungen sein.

Bei untrennbar gewährleisten und trennbar Gewähr leisten ändert sich auch die Satzkonstruktion:

etwas gewährleisten
Wir gewährleisten die pünktliche Lieferung der Waren.
Wir können einen reibungslosen Ablauf gewährleisten.
Wir tun alles, um die Sicherheit zu gewährleisten.
Die Richtigkeit der Angaben wird nicht gewährleistet.

für etwas Gewähr leisten
Wir leisten für die pünktliche Lieferung der Waren Gewähr.
Wir können für einen reibungslosen Ablauf Gewähr leisten.
Wir tun alles, um für die Sicherheit Gewähr zu leisten.
Für die Richtigkeit der Angaben wird keine Gewähr geleistet.

Wenn staubsaugen ohne Akkusativobjekt steht, kann es auch Staub saugen sein:

staubsaugen
Er staubsaugt im ganzen Haus.
Ich muss noch staubsaugen und die Küche putzen.
Vergiss nicht zu staubsaugen!
Ich habe gestern schon gestaubsaugt.

Staub saugen
Er saugt im ganzen Haus Staub.
Ich muss noch Staub saugen und die Küche putzen.
Vergiss nicht Staub zu saugen!
Ich habe gestern schon Staub gesaugt.

Mit Akkusativobjekt ist nur die untrennbare Variante üblich:

etwas staubsaugen
Er staubsaugt das ganze Haus.
Ich muss noch den Teppich staubsaugen.
Vergiss nicht, dein Zimmer zu staubsaugen!
Ich habe es gestern schon gestaubsaugt.

Und nun sind wir endlich bei „Ihrem“ Verb: Neben dem untrennbaren haushalten gibt es auch das trennbare Haus halten. Anders als bei den vorhergehenden Verben gibt es hier keine Unterschiede auf der Ebene der möglichen Ergänzungen. Die Unterschiede zeigen sich bei den Wortformen: Das Verb haushalten ist regelmäßig, halten in Haus halten aber unregelmäßig:

(mit etwas) haushalten
Er haushaltet nicht gut mit seiner Zeit.
Ich kann einfach nicht haushalten.
Versuche, besser mit deinen Mitteln zu haushalten.
Die Kieler Mannschaft haushaltete klug mit ihren Kräften und gewann.
Es muss vorausschauend mit den Vorräten gehaushaltet werden.

(mit etwas) Haus halten
Er hält nicht gut mit seiner Zeit Haus.
Ich kann einfach nicht Haus halten.
Versuche, besser mit deinen Mitteln Haus zu halten.
Die Kieler Mannschaft hielt klug mit ihren Kräften Haus und gewann.
Es muss vorausschauend mit den Vorräten Haus gehalten werden.

Der vielen Beispiele und der langen Rede kurzer Sinn: Diese beiden Formulierungen sind korrekt:

dass du mit deinen Kräften haushaltest
dass du mit deinen Kräften Haus hältst

So, und jetzt widme ich mich dem Frühlingsputz und gehe Staub saugen bzw. staubsaugen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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