Archiv für Rechtschreibung

Die 24-Volt-Spannung und die 25-Grad-Grenze

Die elektrische Spannung und die Temperaturgrenze stehen nur deshalb gemeinsam im Titel, weil beide mit Bindestrichen geschrieben werden. Heute geht es nämlich um eine zwar recht einfach zu beantwortende, aber trotzdem immer wieder auftauchende Rechtschreibfrage:

Frage

Gerne würde ich wissen, wie man Zusammensetzungen wie „24 V Spannung“ und „24 Volt Spannung“ schreibt. Mit Bindestrichen, Leerstellen oder zusammen?

Antwort

Guten Tag,

in Zusammensetzungen mit Ziffern und Abkürzungen verwendet man Bindestriche. Für Ihr Beispiel bedeutet dies, das wie folgt geschrieben wird:

die 24-Volt-Spannung
die 24-V-Spannung

Die entsprechende Regel finden Sie hier. Man schreibt also zum Beispiel auch:

die 100-Jahr-Feier
der 80-Meter-Lauf oder der 80-m-Lauf
der 5-Liter-Kanister oder der 5-l-Kanister
der 6-Zylinder-Motor
das 2.-Klasse-Abteil oder das 2.-Kl.-Abteil
der ¾-Takt

Oft ist natürlich auch die Schreibung in Worten möglich (und meiner Meinung nach zu empfehlen, denn auch längere Wörter sind oft ohne Bindestriche gut lesbar und ergeben ein ruhigeres Schriftbild – doch das ist wohl eher eine Geschmacksfrage):

Hundertjahrfeier
Achtzigmeterlauf
Fünfliterkanister
Sechszylindermotor
Dreivierteltakt

Wenn das Thermometer die richtige Temperatur anzeigt, haben wir hier soeben die 25-Grad-Grenze überschritten!

Mit sonnigen Grüßen

Dr. Bopp

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Regelmässig trennen

Wenn Sie denken, im Titel einen Fehler entdeckt zu haben, stimmt das nur bedingt.  Es geht heute um eine Frage, die mich hin und wieder aus der Schweiz erreicht. In der schweizerischen Rechtschreibung gibt es das ß (Eszett) ja nicht. Man verwendet immer ss. Manchmal stellt sich dann am Zeilenende die Frage, wie dieses anstelle von ß verwendete ss zu trennen ist. Wie also trennt man regelmäßig, wenn man regelmässig schreibt?

Frage

Können Sie mir bitte die korrekte Trennung von „regelmässig“ sagen. Im Duden finde ich nur die deutsche Schreibweise.

Antwort

Sehr geehrte Frau W.,

wenn man ss statt ß schreibt, trennt man ss gleich wie andere Doppelkonsonanten:

re-gel-mäs-sig (re-gel-mä-ßig)
schweis-sen (schwei-ßen)
Straus-sen-fe-der (Strau-ßen-fe-der)
gros-se Füs-se (gro-ße Fü-ße)

und

schweiss-te (schweiß-te)
scheuss-lich (scheuß-lich)
Fleiss-ar-beit (Fleiß-ar-beit)
klei-ne Füss-chen (kleine Füß-chen)

Die entsprechende Regel finden Sie hier (unter „x, ss und ß“).

Das war früher, das heißt vor der Rechtschreibreform, übrigens anders. Damals war man „offiziell“ gehalten, für ß stehendes ss gemeinsam abzutrennen (re-gel-mä-ssig). Wahrscheinlich haben sich aber nur wenige an diese Regel gehalten – sofern sie überhaupt bekannt war. Die mit der Reform eingeführte Änderung ist kaum jemandem aufgefallen, geschweige denn, dass es zu Protesten gekommen wäre. Man trennt in der Schweiz heute also nicht nur in der Praxis, sondern auch mit offzieller „Genehmigung“ der Rechtschreibregelung re-gel-mäs-sig.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

NS: Leser und Leserinnen, die diese schweizerische Schreibgewohnheit nicht kennen, und sich nun vielleicht fragen, wie man überhaupt ohne ß auskommen kann, verweise ich auf den schon etwas älteren Blogeintrag „Die Maße und die Masse in der Schweiz“.

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Siehe und sieh!

Frage

In unserem Arbeitsalltag als technische Übersetzer stolpern wir oft über Querverweise auf Abbildungen, Tabellen usw. mit dem kleinen Wörtchen „siehe“. Wird dieses groß- oder kleingeschrieben oder gibt es keine wirkliche Konvention. Zum Beispiel: „Die Warnleuchte befindet sich auf der Rückseite des Deckels (siehe/Siehe Abbildung 3 auf Seite 7).“ Und wie verhält es sich mit den Punkten?

Antwort

Sehr geehrter Herr P.,

eine allgemeingültige Regelung gibt es meines Wissens nicht, aber die folgenden Schreibweisen kommen häufig vor und sind recht praktisch:

Der Verweis wird oft in Klammern gesetzt. Man schreibt siehe dann klein und verwendet direkt nach dem Verweis keinen Punkt:

Die Warnleuchte befindet sich auf der Rückseite des Deckels (siehe Abbildung 3, Seite 7). Sie wird mit Schalter C bedient.
Die Warnleuchte befindet sich auf der Rückseite des Deckels (siehe Abbildung 3, Seite 7) und wird mit Schalter C bedient.
Die Warnleuchte befindet sich auf der Rückseite des Deckels (siehe Abbildung 3, Seite 7), wo auch der Schalter C zu finden ist.

Man kann dem Verweis auch etwas mehr Gewicht geben, indem man ihn nicht in Klammern setzt, sondern nach einem Punkt separat aufführt. Auch dann verwendet man üblicherweise kein Ausrufezeichen, obwohl es sich bei siehe um eine Art Befehlsform des Verbs sehen handelt.

Die Warnleuchte befindet sich auf der Rückseite des Deckels. Siehe Abbildung 3 auf Seite 7.

Weiter gibt es noch die folgende Art des Verweises. Man beachte, dass hier zwischen dem eigentlichen Verweis und demjenigen, wozu der Verweis angegeben wird, kein Komma steht (nein, auch nicht vor siehe im ersten Beispiel!):

Für die Montage der Warnleuchte siehe Anleitung B auf Seite 7.
Siehe Anleitung B auf Seite 7 für die Montage der Warnleuchte.

Dies sind nicht die einzig möglichen Schreibweisen, aber mit diesen einfachen „Regeln“ bin ich bis jetzt immer gut gefahren.

Wenn wir schon dabei sind, hier noch ein paar Worte zur Form: siehe mit e steht nur in Verweisen und Ausrufen:

Siehe Seite 7.
Siehe da, es funktioniert!
Und siehe, ein Engel des Herrn erschien.

Die „gewöhnliche“ Befehlsform von sehen ist sieh ohne e:

Sieh mich bitte an!
Sieh dir den Text noch einmal an!
Sieh her und sei ruhig!

Noch eine allerletzte Bemerkung und dann werde ich wirklich ruhig sein: Auch wenn die Befehlsform sieh! kein e am Schluss hat, kommt sie ganz ohne Apostroph aus!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Der Bindestrich beim Golfen

Frage

Ich schlage mich gerade mit Golfvokabular herum und bin etwas erstaunt, wie wenig davon in gängigen Nachschlagewerken zur deutschen Sprache zu finden ist. So gerate ich bereits bei Schreibungen von „Hole-in-one“ oder „Driving-Range“ ins Grübeln, was hier denn korrekt wäre. Ich bin hier nicht sicher, ob „driving“ als Partizip einzustufen ist oder nicht [...]. Können Sie mir weiterhelfen? Auch anspruchsvolle Zeitungen sind sich hier leider nicht immer einig …

Antwort

Sehr geehrter Herr F.,

es gibt kaum einen Bereich in der Rechtschreibung, bei dem durch die Rechtschreibregelung vorgeschriebene Schreibungen und wirklich vorkommende Schreibungen so häufig nicht übereinstimmen: Mehrwortbegriffe aus dem Englischen. Es kann deshalb vorkommen, dass man gewisse Begriffe sehr viel öfter in nicht standardgemäßer als in „korrekter“ Schreibung antrifft.

Wenn die Golfbegriffe nicht als Zitatwörter aus dem Englischen gemeint sind (dies ist eigentlich schon eine Art ein „Gummiparagraph“), müssen Sie wie folgt geschrieben werden:

Hole-in-one
Driving-Range oder Drivingrange

Man kann driving nicht als adjektivisch verwendetes Partizip ansehen, weil es sich hier nicht um eine „drivende Range“, sondern um eine „Range für das Driven“ handelt (engl. nicht so etwas wie range that is driving, sondern range for [the] driving). Man sollte deshalb wie zum Beispiel bei Swimmingpool, Shoppingcenter und Chewinggum zusammen- oder mit einem verdeutlichenden Bindestrich schreiben. Das gilt auch für zum Beispiel die folgenden Golfbegriffe:

Putting-Green oder. Puttinggreen resp. Putting-Grün oder Puttinggrün
Pitching-Green oder Pitchinggreen resp. Pitching-Grün oder Pitchinggrün

Siehe die Regel für die Zusammenschreibung und die Regel für die Schreibung mit Bindestrich.

Soweit also die nach der Rechtschreibregelung korrekten Schreibweisen. Wundern Sie sich aber nicht, wenn Sie – wie eingangs gesagt – sehr häufig andere, sich mehr nach dem englischen Original richtende Schreibungen antreffen!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Komma, Ergänzungsstrich und Gazanien

Kommafragen gehören zu Ihren Lieblingsfragen. Das Wort „Lieblingsfragen“ ist wahrscheinlich falsch gewählt. Dass viele Ihrer Fragen den Beistrich betreffen, liegt wohl nicht daran, dass Sie das Komma so mögen, sondern vielmehr daran, dass die Kommasetzung im Deutschen so komplex ist. Während andere Sprachen mit dreieinhalb Regeln auskommen (Über- und Untertreibungen dieser Art sind in Blogs gestattet), benötigt die amtliche deutsche Rechtschreibregelung acht Paragraphen (§§ 71-79), um dieses Satzzeichen zu bändigen. Acht Paragraphen sind eigentlich nicht viel. Wenn man aber genauer hinschaut, sieht man, dass diese acht Paragraphen insgesamt in ungefähr vierzig(!) Abschnitte und Ausnahmebestimmungen unterteilt sind. Dann wird klarer, warum Sie – und auch ich – des Öfteren nicht mehr wissen, ob ein Komma gesetzt werden muss oder nicht. Ob die Rechtschreibreform die Kommasetzung vereinfacht hat, weiß ich nicht. Wenn ja, war es eine relative „Vereinfachung“ in dem Sinne, dass schrecklich kompliziert einfacher ist als ungeheuerlich kompliziert.

Klagen hilft nichts. Wer korrekt schreiben will, muss sich mit der Beistrichregelung herumschlagen. Irgendwie sind wir ja auch selbst schuld, denn die Deutschsprechenden und -schreibenden wollen immer ganz genau wissen, was richtig und was falsch ist. Gründlichkeit hat ihren Preis. Wären wir bereit, einen lockereren Umgang mit dem Komma zu akzeptieren, kämen vielleicht auch wir mit dreieinhalb Kommaregeln aus.

Wie dem auch sei: Falls Sie einmal nicht weiterkommen, fragen Sie Dr. Bopp! Ich werde versuchen, eine befriedigende Antwort zu finden. Das hat auch Herr W. getan. Diesmal war die Antwort sogar relativ einfach und entsprechend kurz:

Frage

Ich hätte eine Frage zur Kommasetzung an Sie. Schreibt man:

Paris ist bald nicht mehr 18 Flug- sondern nur noch vier Autostunden entfernt.

oder:

Paris ist bald nicht mehr 18 Flug-, (!) sondern nur noch vier Autostunden entfernt.

Antwort

Sehr geehrter Herr W.,

vor der Konjunktion sondern steht immer ein Komma. Das gilt auch dann, wenn vor sondern ein Wort mit einem Ergänzungsstrich steht:

Paris ist bald nicht mehr 18 Flug-, sondern nur noch vier Autostunden entfernt.

In Aufzählungen u. Ä. kann ganz allgemein ein Komma auf einen Ergänzungsstrich folgen. Zum Beispiel:

auf Gemeinde-, Landes- und Bundesebene
ein-, aus- und umräumen
Es gibt ein-, aber auch mehrfarbige Blüten.

Der letzte Beispielsatz stammt aus der Beschreibung einer Gazanie genannten Pflanzengattung. Ob Gazanien wirklich ein-, aber auch mehrfarbige Blüten haben, weiß ich eigentlich nicht. Ich weiß nur, dass nach ein- ein Komma stehen muss, wenn man diese Blumen so beschreibt. Rechtschreibung ist oft eine farblose Angelegenheit.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Die Frage, ob und wenn ja wo hier Kommas stehen müssten

Frage

Bitte helfen Sie mir bei der Kommasetzung [...] Wo werden (weitere) Kommas benötigt?

Teilen Sie mir bitte mit, ob und wenn ja bis wann Sie die Texte schicken können.

Antwort

Sehr geehrter Herr T.,

es werden keine weiteren Kommas benötigt. Wenn man will, kann man allerdings zwei weitere Kommas einfügen. Wie ich zu diesem Schluss komme, lässt sich über einige Schritte herleiten.

Es handelt sich bei dieser Formulierung um die Zusammenziehung zweier indirekter Fragen, die mit einem eingeschobenen formelhaft verkürzten Bedingungssatz garniert ist. Wenn wir auf die Zusammenziehung verzichten und den verkürzten Bedingungssatz weglassen, erhalten wir den folgenden Satz:

Teilen Sie mir bitte mit, ob Sie die Texte schicken können und wann Sie die Texte schicken können.

Vorläufig wird also weder vor dem und noch nach dem und ein Komma benötigt. Da der Satz so aber etwas seltsam ist, fügen wir nun den weggelassenen Bedingungssatz unverkürzt wieder ein:

Teilen Sie mir bitte mit, ob Sie die Texte schicken können und, wenn die Antwort ja ist, wann Sie die Texte schicken können.

Vor und nach dem eingeschobenen Nebensatz muss, wie man sieht, ein Komma stehen (vor wenn und nach ist).

Nun gehen wir in die umgekehrte Richtung und ziehen wieder zusammen. Wir lassen den zweimal vorkommenden Teil (Sie die Texte schicken können) im ersten Nebensatz weg:

Teilen Sie mir bitte mit, ob und, wenn die Antwort ja ist, wann Sie die Texte schicken können.

Als letzten Schritt verkürzen wir den eingeschobenen Nebensatz so, dass nur noch wenn ja von ihm übrig bleibt:

Teilen Sie mir bitte mit, ob und, wenn ja, wann Sie die Texte schicken können.

Der eingeschobene Nebensatz ist so sehr verkürzt, dass er als „formelhaft verkürzter Nebensatz“ gelten kann. Das hat zur Folge, dass man die abtrennenden Kommas auch weglassen darf (Regel):

Teilen Sie mir bitte mit, ob und wenn ja wann Sie die Texte schicken können.

Bei Formulierungen der Art ob und wenn ja … kann man also den Einschub wenn ja durch Kommas abtrennen, muss dies aber nicht tun. Die Anfangsfrage hätte also auch so gestellt werden können:

Meine Frage lautet, ob und wenn ja wo weitere Kommas benötigt werden?
Meine Frage lautet, ob und, wenn ja, wo weitere Kommas benötigt werden?

Ich habe mich gefragt, ob und[,] wenn ja[,] an welchem Tag ich diese Frage im Blog erwähnen soll. Warum nicht gleich heute?

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Die Erstbeste und der erste Beste

Frage

Wie schreibt man richtig?

Sie glauben doch nicht, dass wir für diese Sache den Erstbesten anheuern.
Sie glauben doch nicht, dass wir für diese Sache den erstbesten anheuern.

Antwort

Guten Tag J.,

richtig ist hier die Großschreibung:

Sie glauben doch nicht, dass wir für diese Sache den Erstbesten anheuern!

Das Adjektiv erstbeste wird genau gleich wie beste und andere Adjektive behandelt. Wenn es vor einem Substantiv steht, schreibt man es klein:

Was wäre gewesen, wenn Eva nur ein wenig nachgedacht hätte, statt die Ratschläge des erstbesten Reptils zu befolgen.1
Manche hängen ihre Fahnen nach dem erstbesten Wind.2

Wenn erstbeste allein steht, sich aber auf ein vorhergehendes oder nachfolgendes Substantiv bezieht, schreibt man ebenfalls klein, zum Beispiel in diesem unter anderem von Immobilienhändlern verwendeten „Motto“:

Besser die beste Lage als die erstbeste!

Großgeschrieben wird dann, wenn erstbeste als substantiviertes Adjektiv verwendet wird:

Wir fragten den Erstbesten, dem wir auf der Straße begegneten.
Lass dich doch nicht gleich mit der Erstbesten ein!
Titanic – Das endgültige Satirebuch: Das Erstbeste aus 30 Jahren3

Man kann statt erstbeste auch erste beste verwenden. Dann sieht es mit der Groß- und Kleinschreibung wie folgt aus:

Das Mädchen heiratet aus Ärger den ersten besten Mann, der ihr in den Weg gelaufen4

Lieber die beste Lösung als die erste beste!

Wir fragten den ersten Besten, dem wir auf der Straße begegneten.
Verlieb die nicht gleich in die erste Beste!

Den schrecklichen Witz über die Mutter, die ihrer schwangeren Tochter vorwirft, mit dem Erstbesten das Bett geteilt zu haben, worauf diese erwidert, es sei weder der Erste noch der Beste gewesen, erwähne ich hier nur deshalb, weil er mir jedes Mal unweigerlich in den Sinn kommt, wenn es um das Wort erstbeste geht.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

1 Anne Weber, Im Anfang war, Frankfurt 2000, Suhrkamp Verlag, S. 7
2 Tomte, Das hier ist Fußball, Album: Ich sang die ganze Zeit von dir, Grand Hotel van Cleef, 2006
3 Peter Knorr, Oliver Maria Schmitt, Martin Sonneborn, Mark-Stefan Tietze, (Hg.) u.a., Titanic – Das endgültige Satirebuch: Das Erstbeste aus 30 Jahren, Rowohlt Verlag, 2009
4 Heinrich Heine, Ein Jüngling liebt ein Mädchen, in: Buch der Lieder, 1827

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Scheiß und super

Bei zuen Schuhen und aufen Fenstern ging es Anfang dieser Woche um ein umgangssprachliches Phänomen. Auch heute bleiben wir bei der Umgangssprache, allerdings – wie der Titel schon zeigt – bei einer etwas vulgäreren Ausdrucksweise.

Frage

Man findet oft in Texten die Verbindung von „Scheiß“ mit einem Substantiv: „Scheiß-Maut“, „Scheiß-Aufgabe“ usw. Wie schreibt man das richtig? Es ist ja eigentlich nicht richtig im Sinne von „Scheiße“ gemeint, wie z.B. bei „Scheißhaus“, sondern mehr als Adjektiv („die Maut ist scheiße“). Ist es dann besser, wie oben mit Bindestrich zu schreiben („Scheiß-Haus“ ist etwas anderes „als Scheißhaus”), oder nimmt man das Adjektiv (ohne e: „scheiß Maut“)?

Ich schreibe so etwas nicht ;-) , aber man kann es oft lesen und ich stolpere immer darüber.

Antwort

Sehr geehrte Frau S.,

man schreibt solche Ausdrücke in einem Wort:

Scheißmaut, Scheißaufgaben, Schweißhaus, Scheißschule
scheißfaul, scheißblöd, scheißgemütlich

Der Bindestrich dient dazu, unübersichtliche oder missverständliche Zusammensetzungen deutlicher zu gestalten. Er hat nicht die Funktion, Unterschiede zwischen wörtlicher (ScheißhausToilette) und übertragener (Scheißhausmiserables Haus) Bedeutung anzugeben.

Man schreibt auch (noch) nicht getrennt. Wenn scheiß ein vorangestelltes unveränderliches Adjektiv wäre, müsste anders betont werden. Nun liegt die Hauptbetonung „standardsprachlich“ auf Scheiß-:

Schéíßschule, Schéíßhaus, Schéíßmaut

wie zum Beispiel:

Wéíßkohl, Dúmmkopf, Grátisanzeige

Erst wenn scheiß regelmäßig auch unbetont vor einem Substantiv steht, kann man es vielleicht einmal auch getrennt schreiben:

diese scheiß Schúle
eine scheiß Àngst

Eine solche Entwicklung hat die Vorsilbe super- hinter sich. In der Umgangssprache hat sie sich zu einem eigenständigen, unveränderlichen Adjektiv entwickelt. Dies sieht (oder besser: hört) man an der Betonung: super kann auch unbetont vor einem Nomen stehen:

ein Súperangebot – ein super Àngebot
ein Súperteam  – ein super Téám

Dabei gibt es nach meinem Sprachgefühl oft einen leichten Bedeutungsunterschied zwischen zum Beispiel Superangebot und super Angebot. Diese Entwicklung hat scheiß (vorläufig?) noch nicht vollendet. Man schreibt hier deshalb standardsprachlich noch besser zusammen, wenn man die Umgangsprache zitiert.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Zweimal, 2-mal, 2 x

Für Liebhaber rechtschreiblicher Haarspaltereien:

Frage

Man sieht häufig in Listen oder in Aufzählungen, dass für einmal, zweimal usw. 1 x, 2 x usw. verwendet wird. Wird das „x“ nun mit Abstand zur Zahl gesetzt oder ohne Abstand? Es ist ja kein Rechenzeichen, sondern ersetzt eine Silbe. Können Sie es mir vielleicht genau sagen und begründen?

Antwort

Sehr geehrte Frau G.,

die Abkürzung 2 x für zweimal ist weder in der Rechtschreibregelung noch in typografischen oder anderen Richtlinien vorgesehen. Ich kann Ihnen deshalb nicht genau sagen und begründen, wie Sie die Abkürzung schreiben müssen. An eine Empfehlung möchte ich mich aber trotzdem wagen:

Davon ausgehend, dass x für mal steht, sehe ich verschiedene Argumentationsmöglichkeiten:

a) 2x

Die Ziffer 2 steht für zwei, der Buchstabe x steht für mal, also kürzt man zweimal ohne Leerschritt ab.

b) 2-x

Es handelt sich um eine Zusammensetzung mit einer Ziffer und einem Einzelbuchstaben. Zusammensetzungen mit Ziffern und Einzelbuchstaben werden mit Bindestrich geschrieben (vgl. 2-mal, x-mal; Regel).

Entsprechend ist die Schreibung a) 2x eigentlich falsch. Allerdings darf man 2-fach (für zweifach) auch zusammenschreiben: 2fach. Wenn man nun beschließt, diese Ausnahme auch für 2-x zuzulassen, sind wir wieder bei a).

c) 2 x

Man kann zweimal bei besonderer Betonung auch getrennt schreiben: zwei Mal. Die Abkürzung orientiert sich außerdem an der mathematischen Schreibweise (wobei das x nur ein Ersatz für das eigentliche Malzeichen, den mittigen Punkt, ist). Bei Gleichungen setzt man vor und nach dem x ein Leerzeichen: 2 x 5 = zwei mal fünf.

Alle Begründungen sind möglich und vertretbar. Bindende Richtlinien gibt es nicht. Wenn Sie diese Art der Abkürzung überhaupt verwenden wollen, würde ich persönlich empfehlen, die Schreibung c) zu verwenden. Sie folgt dem Gebrauch der Schreibung, von der die Abkürzung abgeleitet ist (Mathematik) und sie wird häufig verwendet. Schreibung a) ist bei strenger Anwendung der amtl. Rechtschreibregeln eigentlich falsch (nur durch Einführung einer neuen Ausnahme zu rechtfertigen) und Schreibung b) kommt schlicht kaum vor. Also:

Die Eingabe muss 2 x bestätigt werden.
Wir verlosen 5 x 2 Freikarten!

Andere Schreibungen sind aber, wie gesagt, ebenfalls vertretbar.

Am besten gefallen mir außerhalb von mathematischen Gleichungen die ausgeschriebenen Formen zweimal und fünfmal. Über zwei Freikarten würde ich mich allerdings auf jeden Fall freuen, gleichgültig, ob sie nun 5x, 5-x, 5 x, 5-mal oder fünfmal verlost werden.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Feiertagswünsche und Kleinbuchstaben

Gehören Sie zu den Menschen, die auch in E-Mails, SMS, Facebookeinträgen, Tweets und anderen digitalen Mitteilungen noch die Groß- und Kleinschreibung berücksichtigen? Oder verschicken Sie vielleicht sogar noch „analoge“ Feiertagswünsche in Form von Karten, die mit so altertümlichen Dingen wie Mit-der-Hand-Schreiben, Umschlag, Briefmarke und einem Gang zum Briefkasten verbunden sind? Dann ist der folgende, alljährlich wiederkehrende Hinweis wahrscheinlich nicht neu für Sie:

In Feiertagswünschen sollte man Adjektive wie frohe, fröhliche, gesegnete, gutes, neues usw. außer am Zeilenanfang kleinschreiben. Zum Beispiel:

Wir wünschen Ihnen frohe Weihnachen und ein glückliches neues Jahr.

Mehr dazu finden Sie in diesem älteren Blogeintrag.

Für digitale Wünsche kommt der Hinweis etwas früh, aber wenn Sie sie handschriftlich auf Papier verschicken möchten, sollten Sie bedenken, dass heute der dritte Advent ist – und in vierzehn Tagen Weihnachten!

Eine weiterhin schöne Adventszeit wünscht Ihnen

Dr. Bopp

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