Archiv für Rechtschreibung

Mit Ergänzungs- oder keinem Strich?

Heute wieder einmal etwas zu den kleinen Tücken des sonst gar nicht so komplizierten Ergänzungsstrichs:

Frage

Können Sie mir bitte sagen, ob die Kombination von „wahrnehmen“ und „ernst nehmen“ hier so mit Bindestrich nach „wahr-“ korrekt ist oder ob es eine andere Version gibt:

Es ist wichtig, möglichst authentisch zu sein, um von anderen wahr- und ernst genommen zu werden.

Antwort

Guten Tag K.,

wenn in einer Aufzählung ein gemeinsamer Wortteil weggelassen wird, schreibt man an dessen Stelle einen Ergänzungsstrich (so wird der Bindestrich genannt, wenn er diese Funktion hat). Zum Beispiel:

Groß- und Kleinschreibung
= Großschreibung und Kleinschreibung

Vor- und Nachteile
= Vorteile und Nachteile

ein- oder ausladen
= einladen oder ausladen

zwei- bis dreimal
= zweimal bis dreimal

Softwareentwicklung und -vermarktung
= Softwareentwicklung und Softwarevermarktung

Software-Entwicklung und -Vermarktung
= Software-Entwicklung und Software-Vermarktung

zusammennieten oder -leimen
= zusammennieten oder zusammenleimen

Das ist wahrscheinlich nicht neu für Sie, aber es kann ja nicht schaden, ab und zu einmal auch Einfacheres zu wiederholen. Siehe auch hier.

Dann kommen wir nun zu Ihrem Spezialfall: Für einen weggelassene Wortteil schreibt man auch dann einen Ergänzungsstrich, wenn er im anderen Teil der Aufzählung als selbstständiges Wort erscheint. Sie haben es also richtig gemacht:

um von anderen wahr- und ernst genommen zu werden
= wahrgenommen und ernst genommen

Ebenso zum Beispiel:

Die Verbindung kann zusammen- oder getrennt geschrieben werden
= zusammengeschrieben oder getrennt geschrieben

die Ecken auseinander- und nach unten ziehen
= auseinanderziehen und nach unten ziehen

Natur- und synthetische Gewebe
= Naturgewebe und synthetische Gewebe

Standard- und individuelle Lösungen
= Standardlösungen und individuelle Lösungen

Dreht man die Reihenfolge in einer solchen Aufzählung um, kommt man ohne einen Ergänzungsstrich aus, denn er steht nie für ganze weggelassene Wörter:

Die Verbindung kann getrennt oder zusammengeschrieben werden
= getrennt geschrieben oder zusammengeschrieben

die Ecken nach unten und auseinanderziehen
= nach unten ziehen und auseinanderziehen

synthetische und Naturgewebe
= synthetische Gewebe und Naturgewebe

individuelle und Standardlösungen
= indidivuelle Lösungen und Standardlösungen

Auch der Binde- oder eben Ergänzungsstrich kann so seine kleinen Tücken haben.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Quak, quak; ja, ja; nein, nein – und das laut, fröhlich oder empört

Frage

Ich bin unsicher, wie ich folgende Interjektion schreiben soll:

Am Teich hören sie ein lautes Quak, quak.

Oder müsste man dies dann wie bei einer Konjunktion handhaben, also: „ein lautes Quak-quak“?

Antwort

Guten Tag Frau S.,

wie so oft, wenn man zweifelt, gibt es mehr als eine Möglichkeit. Die erste schlagen Sie in Ihrer Frage vor:

Am Teich hören sie ein lautes Quak-quak.

Sie können also „quak, quak“ als substantivierte mehrteilige Interjektion behandeln. Dabei werden die einzelnen Elemente durch einen Bindestrich verbunden, wie das ähnlich auch bei zum Beispiel das Sowohl-als-auch, das Teils-teils geschieht.

Sie könnten den Entenlaut aber auch sozusagen als direktes, in den Satz integriertes Zitat mit Anführungszeichen schreiben:

Am Teich hören sie ein lautes „quak, quak“.
Am Teich hören sie ein lautes „quak, quak!“.

Das ist die Version, die ich wählen würde, denn man geht gleich vor wie bei mehrteiligen Ausrufen wie den folgenden:

ein fröhliches „ja, ja“
mit einem empörten „nein, nein!“
ein zögerndes „so, so“
Niemand hörte sein „Hilfe! Hilfe!“
ein verzweifeltes „Nein, nein, tu das nicht!“

Und wenn Sie nun mit einem bedenklichen „hm, hm“ zum Schluss kommen, dass die Rechtschreiblage hier nicht gerade eindeutig ist, antworte ich mit einem „Ja, ja, das stimmt“. Doch Enten, Fröschen und anderen Wesen, die „quak, quak“ sagen, ist das wahrscheinlich nicht so wichtig.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Variantenski fahren oder variantenskifahren?

Viele zieht es über die Weihnachtsfeiertage in die Berge. Frau W.s Frage passt gut hierzu:

Frage

Heute hätte ich eine kurze Frage:

Ski- und Snowboardfahrer, die außerhalb der markierten Pisten variantenskifahren, tun dies auf eigenes Risiko.

Müsste die Schreibweise nicht „Variantenski fahren“ (analog zu „Ski fahren“) lauten ?

Antwort

Hier komme auch ich ins Zweifeln. Am besten formuliert man anders, aber wenn es denn so sein soll, würde ich die Zusammenschreibung empfehlen.

Bei Ski fahren ist wie bei Auto fahren, Rad fahren oder Schlittschuh laufen der erste Teil der Verbindung das Mittel, dessen man sich bedient. Bei variantenskifahren ist dies nicht der Fall (wenn ich alles richtig verstehe, fährt man dabei nicht auf einem Variantenski genannten Gerät den Berg hinunter). Ich würde das Verb deshalb wie die Verben eislaufen, marathonlaufen oder delfinschwimmen zusammenschreiben: Skifahrer, die variantenskifahren.

Der Satz, den Sie zitieren, ist also meiner Meinung nach richtig geschrieben.

Aber: Nach der Rechtschreibregelung, § 33 E, kann neben marathonlaufen und delfinschwimmen auch Marathon laufen (ich laufe Marathon) und Delfin schwimmen (ich schwimme Delfin) geschrieben werden. Ich wage es deshalb nicht, die Getrenntschreibung Variantenski fahren (ich fahre Variantenski[??]) als grundsätzlich falsch zu bezeichnen. Nur zusammen schreibt man im Übrigen die Substantivierungen das Variantenskifahren, beim Variantenskifahren.

Wirklich wichtig ist sowieso nicht die Getrennt- oder Zusammenschreibung, sondern dass man das Variantenskifahren, wenn überhaupt, nur unter genauer Berücksichtigung des Geländes, des Wetters und der Lawinenlage betreibt.

Ob Sie in den nächsten Tagen auf oder neben der Piste Ski fahren, sich an einem Strand tummeln, zu Hause feiern oder aber arbeiten müssen: frohe Weihnachten!

Dr. Bopp

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Das neue Jahr und das Neue Jahr

Zwischen Nikolaustag und zweitem Adventssonntag komme ich wieder einmal auf eines der orthografischen Lieblingsthemen im Monat Dezember zurück. Viele machen sich derzeit ans Aufstellen und Versenden von Weihnachts- und Neujahrswünschen. Wie Sie sie versenden, das überlasse ich natürlich ganz Ihnen. Wie Sie sie verfassen übrigens auch. Nur wenn Sie Zweifel bei der richtigen Schreibung Ihrer Wünsche auf Karten oder weniger traditionell mit digitalen Mitteln haben, kann ich Ihnen eventuell eine kleine Hilfestellung leisten.

Es geht natürlich um das n oder eben N. Wünscht man alles Gute zum neuen Jahr oder alles Gute zum Neuen Jahr? Die Antwort ist einfach, der Anlauf etwas länger:

Bis zur jüngsten Anpassung der Rechtschreibregelung im letzten Jahr (vgl. hier) galt nur die Kleinschreibung als richtig:

bis 2017

Glückwünsche zum neuen Jahr
Alles Gute zum neuen Jahr!
Ein gutes neues Jahr!
Wir wünschen euch frohe Weihnachten und ein glückliches neues Jahr

Dann hat die Regelung sich an den offenbar weitverbreiteten Rechtschreibungehorsam in diesem Bereich angepasst und eingeführt, dass das Adjektiv in festen Adjektiv-Substantiv-Verbindungen „bei Benennung für besondere Anlässe und Kalendertage“ großgeschrieben werden kann (§ 63 E4):

seit 2017

Glückwünsche zum neuen Jahr oder
Glückwünsche zum Neuen Jahr

Alles Gute zum neuen Jahr! oder
Alles Gute zum Neuen Jahr!

Ein gutes neues Jahr! oder
Ein gutes Neues Jahr!

Wir wünschen euch frohe Weihnachten und ein glückliches neues Jahr oder
Wir wünschen euch frohe Weihnachten und ein glückliches Neues Jahr

Ob Sie Ihre Neujahrswünsche mit großem N oder kleinem n schreiben, spielt nun also keine Rolle mehr. Beides ist regelkonform. Zu beachten ist allerdings, dass die Möglichkeit der Großschreibung nur für neu/Neu gilt, nicht für andere Adjektive wie froh, gesegnet, schön, glücklich, gesund und was sonst noch an Gutem und Positivem vor Weihnachten und neues/Neues Jahr stehen kann.

Ich wünsche eine schöne und rechtschreibzweifelfreie Fortsetzung der Adventszeit!

Dr. Bopp

PS: Nach demselben neuen Paragraphen konnte ich übrigens meinen Eltern im Herbst dieses Jahres nicht nur zur diamantenen Hochzeit, sondern auch zur Diamantenen Hochzeit gratulieren. Das habe ich nicht schriftlich gemacht, und angesichts einer Ehe, die 60 Jahre hält, ist die Frage nach der Groß- und Kleinschreibung des Adjektivs ohnehin von nicht allzu großer Bedeutung.

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Doppelpunkt und doppeltes Fragezeichen

Wenn man aus nur zwei Fällen statistische Schlüsse ziehen dürfte, könnte ich sagen, dass Ende September die Saison der Fragesätze ist. Heute geht es nämlich schon wieder um einen Fragesatz. Diesmal ist es eine direkte Frage mit einem Begleitsatz, der auch eine Frage ist.

Frage

Könnten Sie mir bitte bei folgendem Satz weiterhelfen?

Denkt ihr denn nicht, dass euch jedes Mal, wenn ihr essen wollt, etwas durch den Kopf gehen wird wie: ist/Ist es wirklich recht, dass ich hier am Tisch sitze.

Antwort

Guten Tag Herr H.,

da es sich um eine direkte Rede oder, genauer gesagt, eine direkte Frage handelt, sollten Sie Anführungszeichen verwenden. Die Zeichensetzung sieht dann so aus:

Denkt ihr denn nicht, dass euch jedes Mal, wenn ihr essen wollt, etwas durch den Kopf gehen wird wie: „Ist es wirklich recht, dass ich hier am Tisch sitze?“?

Auffallend sind hier die zwei Fragezeichen. Sie sind kein Tippfehler! Das erste gehört zur wörtlich zitierten Frage und steht vor dem abschließenden Anführungszeichen. Das zweite Fragezeichen ganz am Schluss gehört zum Begleitsatz, der ebenfalls eine Frage ist. Keines von beiden kann weggelassen werden (siehe auch hier).

Der Satz kann auch mit einer indirekten Frage formuliert werden:

Denkt ihr denn nicht, dass euch jedes Mal, wenn ihr essen wollt, etwas durch den Kopf gehen wird wie, ob es wirklich recht ist, dass ihr hier/dort am Tisch sitzt?

Der Satz kommt dann ohne Anführungszeichen, ohne Doppelpunkt und mit nur einem Fragezeichen aus. Und das Komma nach wie muss tatsächlich stehen. Es trennt den mit ob eingeleiteten indirekten Fragesatz ab.

Aber lautete Ihre Frage nicht eigentlich: „Soll nach dem Doppelpunkt groß- oder kleingeschrieben werden?“? Die Antwort sehen Sie oben in den Beispielen. Allgemeine Informationen zur Groß- und Kleinschreibung nach einem Doppelpunkt finden Sie hier.

Mit freundlichen Grüße:

Dr. Bopp

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Direkte und indirekte Fragen und ihre Zeichensetzung

Frage

Ist folgender Satz ohne Einleitungswort nach „war“ korrekt und muss ein Fragezeichen am Schluss stehen?

Eine heiß diskutierte Frage war, soll der Anhänger eine Lenkung bekommen, um die Wendigkeit zu steigern.

Antwort

Guten Tag Herr Z.,

der Satz ist im Prinzip korrekt, nur mit den Satzzeichen hapert es ein bisschen. Der zweite Teilsatz ist nämlich als direkter Fragesatz formuliert und hat entsprechend ein Anrecht auf einen Doppelpunkt, Anführungszeichen und ein Fragezeichen:

Eine heiß diskutierte Frage war: „Soll der Anhänger eine Lenkung bekommen, um die Wendigkeit zu steigern?“

Eine heiß diskutierte Frage war: „Wie kann die Wendigkeit des Anhängers gesteigert werden?“

Wenn die Frage als indirekte Frage formuliert werden soll, muss sie mit ob oder einem Fragewort eingeleitet werden. Es gibt keine uneingeleiteten indirekten Fragesätze. Weiter muss sie die Wortstellung eines Nebensatzes erhalten und nicht mit einem Fragezeichen, sondern mit einem einfachen Punkt abgeschlossen werden (siehe hier):

Eine heiß diskutierte Frage war, ob der Anhänger eine Lenkung bekommen solle/soll, um die Wendigkeit zu steigern.

Eine heiß diskutierte Frage war, wie die Wendigkeit des Anhängers gesteigert werden könne/kann.

Und hier gleich noch zwei Beispiele, die die Unterschiede bei der Zeichensetzung in direkten und indirekten Fragen zeigen:

Ich frage dich: „Kommst du mit?“
Ich frage dich, ob du mitkommst.

Sie will wissen: „Wann ist der Abgabetermin?“
Sie will wissen, wann der Abgabetermin ist.

Wenn man es so schön ordentlich nebeneinander aufgeschrieben vor sich hat, sieht es eigentlich ganz unproblematisch aus. Schwieriger kann es werden, wenn man einmal kurz die gesprochene Sprache schriftlich wiedergeben soll. In der gesprochenen Sprache wechselt man schneller und dank des Fehlens jeglicher Satzzeichen vor allem auch unbewusster zwischen der direkten und der indirekten Redewiedergabe hin und her.

Wenn Sie sich wundern: „Braucht es Anführungszeichen und ein Fragezeichen“, lautet die wichtige Frage also: „Ist es eine direkte oder eine indirekte Frage?“

Wenn Sie sich wundern, ob es Anführungszeichen und ein Fragezeichen braucht, lautet die wichtige Frage also, ob es eine direkte oder eine indirekte Frage ist.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Steigernde Anreihungen mit „ja“ sind unkompliziert, ja geradezu einfach

Frage

Sind Konstruktionen wie folgende als Aufzählungen, also ohne schließendes Komma, oder als Einschübe, also mit schließendem Komma, zu betrachten?

Es gilt nun, ein beachtliches Erbe, ja eine lange Tradition(,) hochleben zu lassen.

Antwort

Guten Tag Frau A.,

dieses ja dient zur steigernden Anreihung eines Satzteils oder Satzes. Solche Formulierungen gelten als eine Art Aufzählung, in der mit ja ein zweites Element angefügt wird, das das erste verstärkt. Man schreibt vor ja ein Komma. Wie es bei Aufzählungen üblich ist, wird nach dem zweiten Elment kein abschließendes Komma gesetzt:

Es gilt nun, ein beachtliches Erbe, ja eine lange Tradition hochleben zu lassen.
Sie bleibt als sympathische Frau, ja lieber Mensch in unserer Erinnerung.
Zeitgenossen, die Hexenprozesse für eine Verirrung, ja (geradezu) ein Verbrechen hielten.
Er mochte, ja liebte sie und wollte nie mehr ohne sie sein.

Diesmal ist die Antwort unkompliziert, ja geradezu einfach. Das schreibe ich allerdings vor allem, um mit einer solchen ja-Formulierung abschließen zu können. Ganz so einfach ist es nicht. Ich musste die Kommafrage auch nachschlagen, um ganz sicher zu sein.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Ich und surfen?! Oder doch ich und Surfen?

Frage

Ist in Ausrufen wie „Ich und surfen?!“ das Verb substantiviert oder nicht?

Antwort

Guten Tag Frau A.,

in „Ich und surfen“ kann surfen sowohl als Verbform als auch als Substantivierung gesehen werden.

Wenn man den Infinitiv mit einem ungebeugten, das heißt adverbial verwendeten Adjektiv oder einer anderen Adverbialbestimmung kombinieren kann, ist er eine Verbform und wird kleingeschrieben:

Ich und surfen?!
vgl.
Ich und freiwillig surfen?!
Ich und bei diesem Wind noch surfen?!

Wenn man den Infinitiv mit einem Artikelwort oder einem gebeugten Adjektiv kombinieren kann, ist er eine Substantivierung und wird großgeschrieben:

Ich und Surfen?!
vgl.
Ich und freiwilliges Surfen?!
Ich und dieses Surfen?!

Ebenso zum Beispiel:

Ich und programmieren?!
vgl.
Ich und häufig programmieren?!
Ich und Apps für euch programmieren?!

Ich und Programmieren?!
vgl.
Ich und häufiges Programmieren?!
Ich und euer [dauerndes] Programmieren?!

Wenn der Infinitiv in einer solchen Wendung allein steht, kann er also klein- oder großgeschrieben werden. Ich ziehe dann die Kleinschreibung vor („Ich und surfen?!“), aber die Großschreibung ist ebenfalls vertretbar.

Ganz egal ob surfen oder Surfen, ob klein- oder großgeschrieben, gesurft wird von mir eindeutig, definitiv und ohne jeglichen Zweifel nie und nimmer auf dem Wasser, sondern nur und ausschließlich im Internet!

Ich und surfen/Surfen? – Nie!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Monarchien trennen und das fehlende e

Es geht nicht darum, wie man die Königreiche Elisabeths, Haralds, Carl Gustavs, Margaretes, Willem-Alexanders, Philippes oder Felipes zweiteil oder voneinander löst, sondern schlicht um die Worttrennung am Ende des Wortes Monarchien.

Frage

Ich bin mir unsicher bei der Silbentrennung des Wortes „Monarchien“. Darf am Zeilenende „en“ von „Monarchi“ getrennt werden? Die allgemeinen Trennregeln würden es erlauben. Aber hier steht das „e“ ja wegen der Orthografieregel: „Für den lang gesprochenen i-Laut schreibt man ‹ie›…“.

Antwort

Guten Tag Frau S.,

man kann das Wort Monarchien wie folgt trennen: Monarchi-en[1]. Die Trennregeln erlauben eine solche Trennung am Zeilenende. Dennoch ist Ihre Frage natürlich nicht unbegründet. Beim Trennen fällt nämlich mehr als sonst auf, dass in Monarchien eigentlich ein e fehlt.

In der Pluralform Monarchien treffen im Grunde zwei e aufeinander: 1) das e zur Angabe des langen i-Lautes (Sie erwähnen es in Ihrer Frage) und 2) das e der Pluralendung en. Dazu sagt § 19 der amtlichen Rechtschreibregelung:

Folgen auf -ee oder -ie die Flexionsendungen oder Ableitungssuffixe -e, -en, -er, -es, -ell, so lässt man ein e weg.

Man schreibt deshalb im Plural nicht *Monarchieen, sondern Monarchien mit nur einem e. Das weggelassene e wird auch bei der Worttrennung am Zeilenende nicht wieder eingefügt: Monarchi-en. Aus dem gleichen Grund werden zum Beispiel die Wörter Ideen, knien, ideell und Hinterseer mit einem e „zu wenig“ geschrieben und am Ende (wenn überhaupt) wie folgt getrennt: Ide-en, kni-en, industri-ell, Hinterse-er.

Diese Vorgehensweise ist übrigens keine Selbstverständlichkeit, sondern eine reine Rechtschreibkonvention. Das zeigt zum Beispiel die Rechtschreibung des Niederländischen, einer verwandten Kultursprache, in der man monarchieën und ideeën ohne e-Ausfall schreibt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

[1] Auch noch an einigen anderen Stellen: Mo-n-ar-chi-en.

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Fränkische Bratwürste und die Groß- und Kleinschreibung

Frage

Ich habe eine Frage zur Groß-/Kleinschreibung von Eigennamen: „Fränkische Bratwurst“ wird als Eigenname großgeschrieben. Wie aber verhält es sich in der Mehrzahl mit „Fränkische/fränkische Bratwürste“?

Antwort

Guten Tag Herr H.,

es handelt sich bei dieser Verbindung nicht um einen Eigennamen. Es gibt keine individuelle Wurst, die Fränkische Bratwurst heißt wie der Hund meiner Schwester Theo, die Zeichentrickbiene Maja oder Pippi Langstrumpfs Pferd Kleiner Onkel. Es ist eine Bezeichnung für alle Würste dieser Art. Als solches ist es eine feste Verbindung zwischen einem Adjektiv und einem Substantiv. Im Prinzip wird das Adjektiv in Verbindungen dieser Art kleingeschrieben, auch dann, wenn es von einem geografischen Namen abgeleitet ist:

die fränkische Bratwurst, eine fränkische Bratwurst, die fränkischen Bratwürste

Ebenso zum Beispiel:

der italienische Salat, die italienischen Salate
die französische Salatsauce, die französischen Salatsaucen
ein ungarisches Gulasch
die schwäbischen Spätzle

Es ist aber nach der neuesten Version der amtlichen Rechtschreibregelung stärker als früher möglich, das Adjektiv großzuschreiben, wenn man betonen möchte, dass es sich um eine spezielle feste Verbindung handelt (siehe § 63 2.2). Hier könnte man sagen, dass ein Fachbegriff aus dem Wurstbereich gemeint ist:

die Fränkische Bratwurst, eine Fränkische Bratwurst, die Fränkischen Bratwürste

Ich würde die Kleinschreibung des Adjektivs empfehlen (die fränkische Bratwurst), aber die Großschreibung (die Fränkische Bratwurst) kommt häufig vor und ist ebenfalls vertretbar.

Einfacher ist es übrigens bei den geografischen Bezeichnungen, die auf er enden. Sie werden immer großgeschrieben, ganz gleich ob eine „normale“ Bezeichnung oder ein Fachbegriff gemeint ist (siehe hier):

der Berliner Pfannkuchen
die Schwarzwälder Kirschtorte
zwei Wiener Würstchen
das Zürcher Geschnetzelte

Nicht so sehr das Thema Groß- und Kleinschreibung als vielmehr die Art der Beispiele bringt mich dazu, kurz in die Küche zu schleichen, um etwas Leckeres zu suchen …

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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