Archiv für Rechtschreibung

Wie man »außer« trennt, wenn man «ausser» schreibt

Bekanntlich schreibt man in der Schweiz und auch in Liechtenstein üblicherweise ss statt ß. Wenn es um dieses Thema geht, ist das gegenseitige Unverständnis manchmal groß: Die ß-Schreibenden wundern sich, wie denn das komplette Chaos ohne den Buchstaben ß vermieden werden kann, wenn es um die berühmten Beispielpaare Busse/Buße und Masse/Maße geht. Die ss-Schreibenden fragen sich, warum denn fast krampfhaft an diesem seltsam antiquiert anmutenden Buchstaben festgehalten wird, wenn man doch erwiesenermaßen problemlos ohne ihn auskommen kann.

Doch darum, wer hier „recht hat“, soll es heute nicht gehen. Frau W. fragt nämlich, wie es sich mit der Worttrennung verhält, wenn ss statt ß geschrieben wird. Die gängigen Wörterbücher helfen hier tatsächlich nicht viel weiter. 

Frage

Wie trennt man denn bitte das Wort „aussergewöhnlich“? Die Trennung nach „au“ bei „außergewöhnlich“ ist mir bekannt, aber für die Schweizer Schreibweise mit „ss“ finde ich nichts im Duden.

Antwort

Die Antwort ist ganz einfach: Wenn das ß als ss geschrieben wird, trennt man wie bei allen anderen Doppelkonsonanten.

Man trennt also nicht:

*au-sser wie au-ßer
*Stra-sse wie Stra-ße
*flei-ssig wie flei-ßig
*schlie-ssen wie schlie-ßen

sondern:

aus-ser, aus-ser-ge-wöhn-lich
Stras-se
fleis-sig
schlies-sen

Das ergibt sich aus § 110 der neuen amtlichen Rechtschreibregelung. Siehe hier und hier.

Dies wurde übrigens nicht ausschließlich der Schweiz und dem Fürstentum Liechtenstein zuliebe so, wie man dort schon lange trennt, in die Regelung aufgenommen. Es hat auch damit zu tun, dass ein Doppelkonsonant am Zeilenanfang – was sonst nie vorkommt – auch für ß-Schreibende nicht in das gewohnte Schriftbild passen würde.

Für ß-Gewohnte sind Trennungen wie  fleis-sig und aus-sergewöhnlich natürlich sehr gewöhnungsbedürftig – falls sie ihnen außerhalb dieses Blogartikels überhaupt je begegnen –, aber das gilt ja ebenso für ungetrenntes fleissig und aussergewöhnlich.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Blogeintrag vom sechsundzwanzigsten Neunten zweitausendsiebzehn

Frage

Ich würde gerne in einer Einladung das Datum ausschreiben. Jetzt stellt sich mir die Frage, ob man die ausgeschrieben Zahlen bei einem Datum groß oder klein schreibt. Ist es so korrekt?

Freitag, sechzehnter Februar
zweitausendachtzehn
um fünfzehn Uhr

Antwort

Sehr geehrte Frau M.

ja, so ist die Groß- und Kleinschreibung korrekt. Und damit die Antwort nicht ganz so knapp ist, folgt noch eine kurze Begründung.

Wenn Sie ein Datum ganz in Worten schreiben, gelten die folgenden allgemeinen Grundsätze:

  • Den Tag und ggf. den Monat geben wir als Ordnungszahlen an. Ordnungszahlen (Ordinalzahlen) werden wie Adjektive kleingeschrieben, außer wenn sie substantiviert sind.
  • Die Jahreszahlen sind Grundzahlen. Grundzahlen (Kardinalzahlen) werden immer kleingeschrieben.

Dies alles führt zu den folgenden Schreibungen:

Freitag, der sechzehnte Februar zweitausendachtzehn, um fünfzehn Uhr
Freitag, der sechzehnte Zweite zweitausendachtzehn, um drei Uhr nachmittags
am Freitag, dem sechzehnten Februar zweitausendachtzehn, um drei Uhr nachmittags
am Freitag, dem sechzehnten Zweiten zweitausendachtzehn, um fünfzehn Uhr

Das Komma vor der Uhrzeitangabe ist übrigens fakultativ, d.h., es kann auch weggelassen werden.

So weit meine Antwort vom sechsundzwanzigsten September oder sechsundzwanzigsten Neunten zweitausendsiebzehn.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Nähe Goetheplatz, groß oder klein?

Frage

Ich wollte gerade einer Person mitteilen, dass sich ein Geschäft in der Nähe eines bestimmten Ortes befindet und zwar in der Nähe des Goetheplatzes. Ich hatte es kurz gehalten und folgendermaßen geschrieben: „Nadel & Faden, Heinrichstraße 9, Nähe Goetheplatz“.

Könnte man das so sagen oder muss es beispielsweise „in der Nähe“ heißen? Müsste „Nähe“ im oben genannten Fall klein geschrieben werden?

Antwort

Guten Tag L.,

in einem „normal“ formulierten Text ist die Wendung in der Nähe vorzuziehen:

Das Geschäft Nadel & Faden liegt in der Nähe des Goetheplatzes.

Es spricht aber nichts dagegen, Nähe in kürzeren Mitteilungen allein stehend zu verwenden. Obwohl das Wort dann ähnlich wie eine Präposition benutzt wird, schreiben Sie es groß, so wie Sie es getan haben:

Nadel & Faden, Heinrichstraße 9, Nähe Goetheplatz

Die folgenden Substantive trifft man häufiger in ähnlicher Weise allein stehend an. Sie werden ebenfalls großgeschrieben:

Sie gehen zuerst Richtung Goetheplatz.
Seit Anfang dieses Jahres gelten andere Bestimmungen.
Ich werde Ihnen spätestens Mitte Oktober antworten.
Sie haben bis Ende der Woche Zeit.

Für diese Substantive gilt also (noch?) nicht, dass sie den substantivischen Charakter verloren haben und als Präpositionen kleingeschrieben werden. Dies im Gegensatz zu zum Beispiel den folgenden „Exsubstantiven“(siehe hier):

Wir haben es dank eurer Hilfe geschafft.
Hiermit erteile ich  kraft meines Amtes den Auftrag  …
Wir sind trotz allem Freundinnen geblieben.
Elisabeth von Portugal war zeit ihres Lebens sehr fromm.

Sie können also bei Platzmangel oder wenn es eilt, Nähe statt in der Nähe verwenden, sie sollten es aber immer noch großschreiben.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Start-und-Lande-Bahn oder Start- und Landebahn

Achtung: Nur für Fans eher langatmiger orthografischer Betrachungen!

Frage

In Zusammensetzungen aus Wortgruppe und Substantiv werden das erste Wort, das Grundwort sowie weitere substantivische Bestandteile groß geschrieben. Verbale Bestandteile müssten demnach kleingeschrieben werden, sofern es sich nicht um Substantivierungen handelt. Nun verzeichnet aber der Duden und alle weiteren Quellen, die ich bisher gefunden habe, die Schreibweise „Start-und-Lande-Bahn“ für eine „Bahn“ (Grundwort), auf der Flugzeuge „starten und landen“ (Wortgruppe zur Bestimmung des Grundworts). Nach eingangs formulierter Regel müsste die Schreibweise in meinem Verständnis aber „Start-und-lande-Bahn“ sein, denn eine Substantivierung des Bestandteils „lande“ kann ich hier nicht erkennen. In den einschlägigen Quellen wird jeweils nur darauf eingegangen, dass die Schreibweise „Start- und Landebahn“ zwar weit verbreitet, aber falsch ist, da hier eben keine Ergänzung im Sinne von „Startbahn und Landebahn“ gemeint ist, genau wie bei „Gewinn-und-Verlust-Rechnung“. […] Die Frage ist also: Was für eine Form ist das „Lande“ in „Start-und-Lande-Bahn“?

Antwort

Sehr geehrter Herr L.,

um es gleich vorwegzunehmen: Die vom gelben und einigen anderen Wörterbüchern vorgeschlagene (resp. übernommene?) Schreibung Start-und-Lande-Bahn halte ich für eine unschöne und unnötig komplizierte Lösung. Es geht hier um die Schreibung mit Bindestrichen und die Schreibung mit einem Ergänzungsstrich.

Man verwendet Bindestriche, wenn es sich um eine Zusammensetzung mit einer Wortgruppe handelt:

die Berg-und-Tal-Bahn
= die Bahn, die über Berg und Tal geht
nicht: die Bahn, die Bergbahn und Talbahn ist

die Nacht-und-Nebel-Aktion
= die Aktion, die bei Nacht und Nebel stattfindet
nicht: die Aktion, die Nachtaktion und Nebelaktion ist

das Katz-und-Maus-Spiel
= das Spiel, das dem Verhalten von Katz(e) und Maus gleicht
nicht: das Spiel, das Katzspiel und Mausspiel ist

Sturm-und-Drang-Periode
= die Periode des Sturm und Drangs
nicht: die Periode, die Sturmperiode und Drangperiode ist

Der Ergänzungsstrich wird bei der Zusammenziehung von Wörtern mit einem identischen Element verwendet (NB: Die folgenden vier Bsp. kommen aus Duden, »Deutsches Universalwörterbuch«, die ersten drei stehen auch in Duden, »Die deutsche Rechtschreibung«):

der Buß- und Bettag
= der Tag, der Bußtag und Bettag ist

die Maul- und Klauenseuche
= die Seuche, die Maulseuche und Klauenseuche ist

die Wach- und Schließgesellschaft
= die Gesellschaft, die Wachgesellschaft und Schließgesellschaft ist

der Bürsten- und Pinselmacher
= der Handwerker, der Bürstenmacher und Pinselmacher ist

Die Bahn, um die es hier geht, ist sowohl eine Startbahn als auch eine Landebahn, wie der Buß- und Bettag genannte Tag sowohl ein Bußtag als auch ein Bettag ist oder die Bürsten- und Pinselmacherin genannte Handwerkerin sowohl eine Bürstenmacherin als auch eine Pinselmacherin ist. Bei der Verwendung eines Ergänzungsstriches muss es sich also nicht zwangsläufig um mehr als eine Bahn, einen Tag oder eine Handwerkerin handeln. Ich halte aus diesem Grund diese Schreibung für besser:

die Start- und Landebahn
= die Bahn, die Startbahn und Landebahn ist

Die Schreibung Gewinn-und-Verlust-Rechnung ist dann richtig, wenn es sich um eine Gesamtberechnung von Gewinn und Verlust handelt. Man kann aber auch argumentieren, dass es sich um die Zusammenfassung der Gewinnrechnung und der Verlustrechnung handelt. Dann kommt man zur Schreibung Gewinn- und Verlustrechnung, die unter anderem im deutschen Handelsgesetzbuch verwendet wird.

Wenn wir nun dennoch von der Schreibung Start-und-Lande-Bahn ausgehen, dann gehört das e nicht zur Verbform. Es ist ein Fugenelement, das bei Zusammensetzungen aus einem Verbstamm und einem Substantiv stehen kann. Zum Beispiel:

Badesaison, Hängeschrank, Schweigeminute, Verladebahnhof
Landeanflug, Landeerlaubnis, Landeklappe, Landeeinrichtung/Lande-Einrichtung

Die Zusammensetzung sieht dann also eigentlich so aus:

schweig[en] + e + Minute -> Schweigeminute
land[en] + e + Bahn -> Landebahn
start[en] und land[en] + e + Bahn -> Start-und-Lande-Bahn

Ist das Element lande in dieser Zusammensetzung groß- oder kleinzuschreiben? Für beides gibt es Argumente: klein, weil es eine Verbform ist [?]; groß, weil es mit dem Fugenelement e steht und dadurch gewissermaßen substantiviert ist [?]. Die Fragezeichen sollen angeben, dass ich zwar zur Großschreibung (Start-und-Lande-Bahn) neigen würde, dies aber nicht wirklich eindeutig begründen kann. Außerdem bin ich, wie oben gesagt, sowieso für Start- und Landebahn.

Eines ist jedenfalls klar: Es besteht in diesem Bereich eine gewisse Unsicherheit …

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Die Bindestriche-sind-besser-Haltung oder die „Leerzeichen gehen auch“-Einstellung

Frage

Ich habe eine Übersetzung mit folgendem Satz vorliegen:

Du wirst nicht diese schwache „Ich-bin-nur-Durchschnitt“-Mentalität haben.

Es geht mir um „Ich-bin-nur-Durchschnitt“-Mentalität (im engl. Orig.: “I’m just average” mentality; “mentality” steht nicht in Anführungszeichen). Aus meiner Sicht ist die Koppelung des Ausdrucks mit Bindestrichen zusammen mit der Verwendung von Anführungszeichen falsch oder zumindest redundant. Ich würde die Bindestriche entfernen und die Phrase in Anführungszeichen an „Mentalität“ anbinden, also: „Ich bin nur Durchschnitt“-Mentalität schreiben. Ist das aus Ihrer Sicht korrekt? […]

Antwort

Guten Tag T.,

die folgenden Schreibweisen kommen in Fällen wie diesen häufig vor:

a) die Ich-bin-nur-Durchschnitt-Mentalität
b) die „Ich bin nur Durchschnitt“-Mentalität

Ich würde Ihnen a), das heißt die Variante mit Bindestrichen und ohne Anführungszeichen empfehlen. Da man im Englischen hier in der Regel nicht durchkoppelt, können die Anführungszeichen dort dazu beitragen, die Mehrwortgruppe innerhalb des Textes als eine Einheit zusammenzuhalten. Das liest sich etwas einfacher. Die Anführungszeichen sind im Deutschen dank der bei Komposita mit Mehrwortgruppen üblichen Durchkoppelung für das Verständnis oder die Verdeutlichung der Zusammensetzung eigentlich nicht notwendig. Sie können besser weggelassen werden.

Weitere Beispiele im Deutschen:

die Ohne-mich-Mentalität
eine Mir-ist-alles-egal-Haltung
die Nach-mir-die-Sintflut-Einstellung

Wenn Sie gar nicht auf die Anführungszeichen verzichten wollen oder können, ist b) üblich. Diese Schreibweise ist allerdings nicht in der amtlichen Rechtschreibregelung vorgesehen und nicht unumstritten. Ich halte die Verwendung von Leerzeichen innerhalb einer Zusammensetzung für keine gute, lesefreundliche Lösung, auch wenn sie die Dudenredaktion hier für vertretbar hält (Duden, Richtiges und Gutes Deutsch, Stichwort „Bindestrich“).

Ich habe hier eben mehr eine Bindestriche-sind-besser-Haltung als eine „Leerzeichen gehen auch“-Einstellung.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

PS: Die Variante, die Ihnen vorliegt, „Ich-bin-nur-Durchschnitt“-Mentalität, scheint weniger häufig vorzukommen. Sie ist etwas gar viel des Guten, wenn es um die Satzzeichen geht, aber nach meiner Einschätzung nicht grundsätzlich ausgeschlossen. Ich würde sie allerdings nicht verwenden.

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„Drei Tage nachdem“ ist nicht „drei Tage, nachdem“

Frage

„Zehn Minuten bevor sie hier eintraf, bin ich fertig geworden.“ Ist das Komma hier korrekt und falls ja, lässt sich das tatsächlich damit begründen, dass es sich bei „bevor“ um eine Konjunktion handelt? Ich würde es streichen.

Antwort

Sehr geehrte Frau W.,

das Komma sollten Sie nicht streichen. Es trennt tatsächlich einen Nebensatz ab, der aber genau genommen nicht mit einem einfachen bevor eingeleitet wird. Die Konjunktion bevor kann nämlich durch zusätzliche Angaben erweitert sein und zusammen mit ihnen eine Einheit bilden, die nicht durch ein Komma unterbrochen wird. Der Nebensatz wird aber immer noch durch ein Komma abgetrennt:

Ich bin fertig geworden, bevor sie hier eintraf.
Ich bin fertig geworden, kurz bevor sie hier eintraf.
Ich bin fertig geworden, zehn Minuten bevor sie hier eintraf.
Kurz bevor sie hier eintraf, bin ich fertig geworden.
Zehn Minuten bevor sie hier eintraf, bin ich fertig geworden.
Erst etwas mehr als zehn Minuten bevor sie hier eintraf, bin ich fertig geworden.

Siehe auch hier. Dasselbe gilt übrigens auch für nachdem:

Er verließ den Raum, kurz nachdem sie hereinkommen war.
Kurz nachdem sie hereingekommen war, verließ er den Raum.
Erst drei Wochen nachdem sie aufgebrochen waren, kamen sie endlich in Rom an.
Fünf uns unendlich lang vorkommende Tage nachdem wir die Anmeldung abgeschickt hatten, lag endlich die Bestätigung in der Mailbox.

Manchmal muss man vielleicht ein bisschen nachdenken, wo das Komma hingehört. So haben die folgenden Sätze jeweils eine recht unterschiedliche Bedeutung:

Er telefonierte noch eine Stunde, bevor er das Haus verließ (eine Stunde lang)
Er telefonierte noch, eine Stunde bevor er das Haus verließ (eine Stunde vorher)

Es regnete drei Tage, nachdem wir in Rom angekommen waren (drei Tage lang)
Es regnete, drei Tage nachdem wir in Rom angekommen waren (drei Tage später)

Und zu guter Letzt sei noch gesagt: Zögern Sie nicht lange, bevor Sie sich an Dr. Bopp wenden! Eine Antwort erhalten Sie in der Regel, kurz nachdem Sie Ihre Frage gestellt haben.

Mit freundlichen Grüße

Dr. Bopp

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Nicht kostenpflichtige und nichtkostenpflichtige Sprachdienste

Frage

Ich lese gerade eine Bachelorarbeit und bin mir wegen des Bindestrichs nach „nicht“ unsicher. Ich würde es so schreiben: „Der zweite Absatz behandelt die nicht-funkbasierten Systeme.“ Ist der Bindestrich korrekt?

Antwort

Sehr geehrte Frau D.,

es ist eigentlich ganz einfach: Verbindungen von nicht und einem Adjektiv werden entweder zusammen- oder getrennt geschrieben (vgl. hier). Beides ist korrekt. Richtig sind also diese beiden Schreibungen:

die nichtfunkbasierten Systeme
die nicht funkbasierten Systeme

Ebenso zum Beispiel:

ein nichteheliches / nicht eheliches Kind
nichtrostender / nicht rostender Stahl
die nichtkostenpflichtige / nicht kostenpflichtige Dienstleistung
Bitte Nichtzutreffendes / nicht Zutreffendes streichen

Die  Schreibung mit Bindestrich (die nicht-funkbasierte Systeme) kommt zwar häufig vor, sie ist in der amtlichen Rechtschreibregelung (§ 36 2.3) aber nicht vorgesehen.

Wann verwendet man welche Variante? Das liegt ganz in Ihrem Ermessen. Im Prinzip gibt es nur einen kleinen Unterschied: Bei der zusammengeschriebenen Variante liegt die Hauptbetonung der Verbindung auf nicht. Dabei wird nachdrücklicher angegeben, dass es sich um ein feste Verbindung handelt. Bei der getrennt geschriebenen Variante liegt die Betonung stärker auf dem Adjektiv:

die níchtfunkbasierten / nicht fúnkbasierten Systeme
níchtrostender / nicht róstender Stahl
Níchtzutreffendes / nicht Zútreffendes streichen

Da häufig beide Betonungen möglich sind und der Betonungsunterschied keinen wesentlichen Bedeutungsunterschied mit sich bringt, sind jeweils beide Schreibungen möglich.

Die Zusammenschreibung ist natürlich nur dann möglich, wenn nicht nur das Adjektiv und nicht eine größere Wortgruppe oder den ganzen Satz verneint. Also nur getrennt:

Wir sind nicht ausreichend informiert worden.
Der Garten ist nicht öffentlich zugänglich.

Ich hoffe, dass Sie mit dieser Antwort und mit unseren nichtkostenpflichtigen / nicht kostenpflichtigen Sprachdiensten zufrieden sind.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Keynotespeaker, Keynote-Speaker, Keynote Speaker und andere Zusammensetzungen aus dem Englischen

Ein immer wiederkehrendes Problem sind die zusammengesetzten Fremdwörter, insbesondere aus dem Englischen. Da sich die Ursprungssprache und das Deutsche bei den Regeln und Gebräuchen im Bereich der Zusammen-, Getrennt- und Bindestrichschreibung zum Teil beträchtlich unterscheiden, kommt es regelmäßig zu Zweifeln. Im Folgenden wird nicht dargestellt, was häufig vorkommt oder u. a. in Fachsprachen üblich ist, sondern „nur“, wie man nach der amtlichen Regelung vorgehen sollte. Wundern Sie sich also bitte nicht, wenn Sie in Ihren Augen ungewohnte Schreibungen antreffen!

Frage

Gibt es für die Zusammenschreibung von englischen Fremdwörtern Regeln? Wenn das Wort aus einem Verb und einem Partikel besteht, ist der Bindestrich vorzuziehen, sagt der Duden (vgl. Know-how). Wie sieht es aber bei einer Zusammensetzung von Substantiv und Substantiv bzw. Adjektiv und Substantiv aus (Keynote Speaker, Best Practice)?

Antwort

Sehr geehrte Frau W.,

wenn Sie zusammengesetzte Fremdwörter aus dem Englischen ins Deutsche integrieren, gilt im Prinzip wie bei einheimischen Zusammensetzung die Zusammenschreibung. So weit wäre es eigentlich ganz einfach. Doch dann kommen natürlich wieder einmal die Ausnahmen:

Bei Zusammensetzungen Substantiv + Substantiv ist neben a) der Zusammenschreibung auch b) der verdeutlichende Bindestrich möglich. Die ebenfalls häufig vorkommende c) Getrenntschreibung ist nach der amtlichen Rechtschreibregelung nicht korrekt (außer bei direkten Zitaten aus der Fremdsprache, z. B. „keynote speaker“):

  1. Keynotespeaker, Taskforce, Junkfood, Realityshow
  2. Keynote-Speaker, Task-Force, Junk-Food, Reality-Show
  3. Keynote Speaker, Task Force, Junk Food, Reality Show (NB: nach amtl. Regelung nicht korrekt)

Bei Zusammensetzungen Adjektiv + Substantiv ist a) die Zusammenschreibung möglich, wenn die Hauptbetonung der Verbindung auf dem Adjektiv liegt. Daneben ist auch b) die Getrenntschreibung möglich, die für alle anderen Adjektiv-Substantiv-Verbindungen aus dem Englischen verbindlich ist:

  1. Smalltalk, Shortstory, Coldcream
  2. Small Talk, Short Story, Cold Cream; Best Practice, Electronic Banking, Direct Mailing

Bei Verb-Partikel-Verbindungen ist neben a) der Zusammenschreibung ebenfalls b) die Schreibung mit Bindestrich möglich. Der Bindestrich ist vorzuziehen, wenn die Zusammenschreibung die Lesbarkeit beeinträchtigen würde. (Eine Duden-Empfehlung ist übrigens nicht weniger und nicht mehr als eine unverbindliche Empfehlung der Duden-Redaktion.)

  1. Knowhow, Backup, Burnout, Stopover
  2. Know-how, Back-up, Burn-out, Stop-over; Make-up, Go-in

Das sind nur die wichtigsten Stolpersteine bei der Schreibung von Fremdwörtern. Auf dieser Seite in Canoonet finden Sie Links auf die Regeln, weitere Informationen und Beispiele.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Von »nicht wahr« über »oder« bis zu »woll«: immer mit Komma

 Frage

Eigentlich sollte ich es wissen aber ich weiß es nicht mehr 🙁 Kommt in diesen Satz ein Komma oder nicht?

Eigentlich nicht schlecht oder?

Ich freue mich auf Ihre Antwort und evtl. auch eine Erklärung.

Antwort

Sehr geehrte Frau H.,

um gleich mit der Tür ins Haus zu fallen: Vor einem abschließenden fragenden oder steht ein Komma:

Eigentlich nicht schlecht, oder?

Siehe auch hier.

Man kann dieses oder als nachgetragene Erläuterung sehen, mit der man um Zustimmung fragt. Solche nachgetragenen Erläuterungen werden durch ein Komma abgetrennt. Das gilt auch für das standardsprachliche Äquivalent dieses eher umgangssprachlichen oder

Das ist gut, nicht wahr?

sowie für seine regionalen, mehr oder weniger umgangssprachlichen Neffen und Nichten wie zum Beispiel diese:

Da staunst du, gelt/gell/gelle?
Du kommst auch mit, ja?
Wir haben schon gezahlt, oder nicht?
Wir haben gewonnen, stimmt’s?
Ihr kommt aus dem Süden, nich(t)?
Sie haben Hunger, ne?
Sie haben schon gegessen, näch?
Du hast sie nicht mehr alle, wa?
Das war teuer, was?
Da biste platt, woll?

Und seien Sie mir bitte nicht böse, wenn die Variante Ihrer Region nicht dabei ist. Die Beispiellisten können ja nicht immer vollständig sein, oder?

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Etwas tolles Neues und etwas Tolles, Neues

Frage

Bei einem Meeting stand auf einer Power-Point-Folie unter der Rubrik „Ziele für die Zukunft“: „Etwas tolles Neues finden“. Irgendwie kam mir die Schreibweise merkwürdig vor; zumindest habe ich sie so noch nie gesehen. Daher meine Frage: Ist es möglich, dass das substantivierte Adjektiv in diesem Beispiel ein eigenes Adjektiv haben kann? […] Sollte es nicht eher heißen: „Etwas Tolles, Neues finden“ bzw. „Etwas Tolles und Neues finden“?

Antwort

Sehr geehrter Herr B.,

die Formulierung ist stilistisch vielleicht nicht die allerschönste und sieht auch etwas ungewohnt aus, aber sie ist möglich. Es ist nicht ausgeschlossen, dass ein substantiviertes Adjektiv durch ein attributives Adjektiv näher bestimmte wird. Ein paar Beispiele:

Mach aus etwas langweiligem Neuen etwas schönes Neues!
Sie wussten viel interessantes Neues zu berichten
Perlen und anderes Schönes
Sie begrüßte die nervösen Kleinen und die sich gelassen gebenden Großen
Sie trug ihr kleines Schwarzes

und

etwas tolles Neues finden

Das zweite Adjektiv ist substantiviert und wird großgeschrieben. Das erste Adjektiv bestimmt als attributives Adjektiv das substantivierte Adjektiv und wird deshalb kleingeschrieben.

Die Formulierungen etwas Tolles, Neues und etwas Tolles und Neues sind natürlich auch möglich, aber die erste wird anders betont (und die zweite enthält ganz offensichtlich ein „und“).

etwas tolles Neues = etwas Neues, das toll ist
etwas Tolles, Neues = etwas, das neu und toll ist

Meist ist der Unterschied zwischen etwas Neuem, das toll ist, und etwas, das neu und toll ist, nicht allzu groß. Das bedeutet aber nicht, dass nicht beide Formulierungen möglich sind.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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