Archiv für Rechtschreibung

An die Falsche geraten

Frage

Ich war der Meinung, dass man Adjektive klein schreibt, wenn sie sich auf den vorherigen Satz beziehen. Beispiel:

Ich mag Brezeln. Bevorzugen tue ich die salzigen.

Trotz des Artikels wird „salzigen“ kleingeschrieben, weil es sich auf die Brezeln im vorherigen Satz bezieht, oder?

Wenn ich nun recht habe, verwirrt mich dann allerdings etwas. Wir hatten vor kurzem im Deutschunterricht eine Art Diktat geschrieben. Dort kamen folgende zwei Sätze vor:

Einer hielt mit einer Pistole am Eingang Wache, der andere, mit einem Schal maskierte Mann packte die Putzfrau und verlangte Geld. Aber da war er an die Falsche geraten.

Ich machte den Fehler und schrieb „an die falsche“. Ich habe „falsche“ kleingeschrieben, weil ich eben dachte, dass man sich weiterhin auf die Putzfrau bezieht, was ja eigentlich auch so ist. […]

Antwort

Guten Tag L.,

in diesem Fall ist tatsächlich die Großschreibung Falsche richtig. Das an die Falsche geraten bezieht sich hier zwar auf die Person der Putzfrau, aber nicht auf das Wort Putzfrau. Der Räuber ist nicht an die falsche Putzfrau geraten, sondern an die falsche Person. Das Wort Person oder Frau kommt nicht im Text vor. Deshalb wird großgeschrieben.

Im Prinzip haben Sie recht: Kleingeschrieben wird ein Adjektiv auch dann, wenn es sich über die Satzgrenze hinaus auf ein vorhergehendes Substantiv bezieht. Zum Beispiel:

Ich mag Brezeln. Ich bevorzuge die salzigen.
(= die salzigen Brezeln)
Siehst du die Putzfrau dort? Sie ist die beste, die je hier gearbeitet hat.
(= die beste Putzfrau)
Sie hat meine Nummer. – Vielleicht hast du ihr aus Versehen die falsche gegeben.
(= die falsche Nummer)

Aber: Wenn das Adjektiv sich zwar inhaltlich auf etwas Vorhergehendes bezieht, aber nicht direkt auf ein vorhergehendes Substantiv, schreibt man groß:

Sie heißt Susanne. Sie ist die Beste der Klasse.
(= die beste Schülerin, nicht *die beste Susanne)
Ich mag Eingemachtes nicht. Das ist das Scheußlichste, was es gibt.
(= das Scheußlichste, was man essen kann; nicht *das scheußlichste Eingemachte)
Er bedrohte die Putzfrau. Da war er aber an die Falsche geraten.
(= die falsche Person, nicht *die falsche Putzfrau)

Die Schreibweise an die falsche war die falsche. Es war aber das Richtige, bei Unsicherheiten nachzufragen – und dafür sind Sie bei mir hoffentlich an den Richtigen geraten.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Sagte er Hallo oder »Hallo«?

Frage

Welche Schreibung ist korrekt […]?

Er betrat den Raum und sagte Hallo.
Er betrat den Raum und sagte „Hallo“.
Er betrat den Raum und sagte: „Hallo!“

(Es geht nicht um Groß-/Kleinschreibung von hallo/Hallo.)

Antwort

Sehr geehrter Herr T.,

gewisse Wendungen der Begrüßungen, der Zustimmung und Ablehnung oder des Dankes können in Verbindung mit Verben wie sagen unterschiedlich gemeint sein. Das zeigt sich auch in der Zeichensetzung.

Wenn gesagt wird, dass jemand grüßt, sich verabschiedet, etwas bejaht oder verneint resp. sich bedankt, sind Doppelpunkt und Anführungszeichen nicht notwendig. Das Wort oder die Wendung ist dann ganz in den Satz integriert (und kann groß- oder kleingeschrieben werden):

Er kam in Zimmer und sagte Hallo/hallo.
Ich kommen noch schnell vorbei, um Auf/auf Wiedersehen zu sagen.
Als ich ihn gefragt habe, hat er Ja/ja gesagt.
Warum sagt ihr Nein/nein?
Sie hat nicht einmal Danke/danke gesagt.

Nur wenn angegeben werden soll, welches Wort oder welche Wendung genau verwendet wird, geht man wie bei wörtlichen Zitaten vor. Zum Beispiel:

Was hat er gesagt? – Er hat „Hallo“ gesagt.
Sie sagte nur diese zwei Worte: „Auf Wiedersehen“.
Er schrie laut: „Nein!“
Und dann sagte sie: „Danke!“

Wie so oft, sind auch hier die Übergänge fließend, das heißt, häufig sind beide Schreibweisen möglich.

Und um Ihre Frage nun noch konkret zu beantworten: Alle Schreibungen, die Sie anführen, sind möglich, je nachdem, ob Sie ausdrücken, dass gegrüßt wurde:

Er sagte Hallo.

oder ob Sie betonen, dass das Wort „Hallo“verwendet wurde:

Er sagte: „Hallo!“
Er sagte „Hallo“.

Ich sage nun Danke für Ihre Frage und tue dies, indem ich „Danke“ schreibe.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Pro- und Kontra-Diskussion oder Pro-und-Kontra-Diskussion?

Frage

Da ich meine Kursteilnehmer in die Geheimnisse der Pro- und Kontra-Diskussion einweihen soll, stellt sich mir nun die Frage, ob die weit verbreitete Schreibung (Pro- und Kontra-Diskussion) überhaupt richtig ist. Sinnvoller würde mir „die Pro-und-Kontra-Diskussion“ erscheinen, denn es handelt sich ja nur um eine Diskussion und nicht um zwei verschiedene. Was denken Sie?

Antwort

Sehr geehrte Frau R.,

im Prinzip sind beide Schreibweisen möglich, aber es gibt dabei einen kleinen Bedeutungsunterschied. Bei der ersten Schreibung steht bei Pro ein Ergänzungsstrich:

Pro- und Kontra-Diskussion = Pro-Diskussion und Kontra-Diskussion

Es geht hier also eigentlich um zwei Diskussionen: um eine Diskussion des Pros und eine Diskussion des Kontras. Eine ähnliche Struktur haben diese Beispiele:

die Apfel- und Birnenernte = die Apfelernte und die Birnenernte
auf Länder- und Gemeindeebene = auf Länderebene und auf Gemeindeebene

Bei der zweiten Schreibung stehen Bindestriche zwischen allen Teilen der Verbindung (vgl. Bindestrich bei Zusammensetzungen mit Wortgruppen):

Pro-und-Kontra-Diskussion = Diskussion von Pro und Kontra

Hier gibt es nur eine Diskussion: die Diskussion über Pro und Kontra. Diese Struktur findet sich auch in Bildungen wie den folgenden:

Berg-und-Tal-Bahn = Bahn über Berg und Tal
Sturm-und-Drang-Dichtung = Dichtung aus dem Sturm und Drang
Fix-und-Foxi-Magazin = Magazin mit Fix und Foxi

Ich würde hier wie Sie die zweite Variante wählen und sie auch empfehlen. Im Gegensatz zu Apfelernte und Gemeindeebene, die allgemein üblich sind, kommen Pro-Diskussion und Kontra-Diskussion allein wenig vor. Es geht in der Regel um eine Diskussion, die sich mit dem Pro und Kontra beschäftigt. Deshalb stimme ich mit Ihnen überein, dass hier die Schreibung Pro-und-Kontra-Diskussion vorzuziehen ist.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

PS: Warum schreibe ich „vorzuziehen“ und nicht „die einzig richtige“? – Die Schreibung Pro- und Kontradiskussion ist nicht grundsätzlich falsch. Wenn es zuerst eine Diskussion der Pro-Punkte gibt (eine Pro-Diskussion), der eine Diskussion der Kontra-Punkte folgt (eine Kontra-Diskussion), und wenn man auf diese Trennung der Diskussionen wert legt, ist Pro- und Kontra-Diskussion eine mögliche Schreibung. In der Regel wird aber nicht in dieser streng getrennten Weise über Pro und Kontra diskutiert, weil Pro und Kontra meist innerhalb einer Diskussion gegeneinander abgewogen werden.

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Komma vor dem Doppelpunkt?

Frage

Wenn einem Redebegleitsatz noch vor der wörtlichen Rede ein Nebensatz, ein Einschub oder Ähnliches folgt, wird dieser dann mit einem Komma abgeschlossen, sodass ein Komma direkt vor dem Doppelpunkt steht? Beispielsatz:

Er antwortete auf die Bitte, sich zu melden(,): „Danke für den Brief.“

Antwort

Sehr geehrter Herr S.,

spontan lasse ich das Komma vor dem Doppelpunkt weg und ich empfehle Ihnen, dies auch zu tun:

Er antwortet auf die Bitte, sich zu melden: „Danke für den Brief.“

In der amtlichen Rechtschreibregelung kann ich aber keine exakten Angaben dazu finden. Leitet man von bestehenden Regeln ab, kann sowohl für das Komma (wie zum Beispiel beim abschließenden Gedankenstrich eines Einschubes) als auch gegen das Komma (wie zum Beispiel vor dem Schlusspunkt) argumentiert werden. Da das Komma nicht die gleiche Funktion hat wie der Gedankenstrich und der Doppelpunkt nicht die gleiche Funktion wie der Schlusspunkt, lassen sich für beides auch Gegenargumente finden. Die über alle Zweifel erhabene Lösung gibt es also nicht.

Ich gehe davon aus, dass das zweite Komma die Funktion hat, das Ende der Infinitivgruppe anzugeben. Dies ist vor einem Punkt am Satzende und hier vor dem Doppelpunkt nicht notwendig. Der Doppelpunkt gibt an, dass der vorangestellte Begleitsatz, zu dem die Infinitivgruppe gehört, abgeschlossen ist. Ich halte es deshalb für gerechtfertigt, das Komma wegzulassen und damit eine sehr ungewöhnliche Folge von Satzzeichen zu vermeiden:

Er antwortet auf die Bitte, sich zu melden: „Danke für den Brief.“

Ebenso:

Er antwortete auf die Frage, ob er mitkomme: „Danke für die Einladung.“
Er fragte Hans, seinen Bruder: „Kommst du auch mit?“
Sie sagte zu Frau Sieger, d. h. zu ihrer Nachbarin: „Jetzt habe ich genug davon!“

Mit einer ähnlichen Begründung könnte man auch den zweiten Gedankenstrich bei paarigen Gedankenstrichen für „überflüssig“ erklären. Er sollte aber – das ergibt sich aus § 85 der amtl. Regelung – wie die abschließende Klammer auch vor dem Doppelpunkt geschrieben werden:

Er antwortet auf diese Bitte – wie könnte es auch anders sein! –: „Das geht dich nichts an.“

Das ist vielleicht nicht bis in Letzte konsequent, aber Kommas und paarige Gedankenstriche werden ja auch z. B. in Bezug auf die Leerschritte nicht gleich behandelt. Deshalb meine Empfehlung: kein Komma vor dem Doppelpunkt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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»Rechnungsstellung an die auf der Bestellung angegebene E-Mail-Adresse« oder Kommasetzung bei attributiv verwendeten Partizipgruppen

Frage

In Verträgen tritt immer wieder die folgende Satzkonstellation auf, bei der ich immer wieder über die richtige Zeichensetzung nachdenke. Hier ein Beispiel:

Die Rechnungsstellung kann per Post bzw. per E-Mail an die, auf der Bestellung angegebene, E-Mail-Adresse erfolgen.

Daher ergeben sich folgende Fragen: Ist die Schreibweise in dem Beispiel korrekt? […] Wie heißt diese Satzkonstellation in der Fachsprache?

Antwort

Sehr geehrter Herr L.,

fachsprachlich kann man hier von einer attributiv verwendeten Partizipgruppe sprechen. Richtig ist dabei die Schreibweise ohne Kommas:

Die Rechnungsstellung kann per Post bzw. per E-Mail an die auf der Bestellung angegebene E-Mail-Adresse erfolgen.

Es geht hier um die Wortgruppe auf der Bestellung angegebene. Dabei handelt es sich um das adjektivisch verwendete Partizip angegebene, das mit der Angabe auf der Bestellung erweitert ist. Solche erweiterten Partizipien werden nicht durch Kommas abgetrennt, wenn sie attributiv verwendet werden, das heißt, wenn sie wie hier vor dem Substantiv stehen, das sie näher bestimmen.

Sie werden auch dann nicht durch Kommas abgetrennt, wenn sie umfangreich sind. Also immer ohne abtrennende Kommas:

Schicken Sie die Rechnung an die angegebene Adresse.
Schicken Sie die Rechnung an die dort angegebene Adresse.
Schicken Sie die Rechnung an die auf der Bestellung angegebene Adresse.
Schicken Sie die Rechnung an die ganz unten auf der zweiten Seite der Bestellung angegebene Adresse.

Sie sprach die wartenden Leute an.
Sie sprach die auf den Bus wartenden Leute an.
Sie sprach die an der Haltestelle auf den Bus wartenden Leute an.
Sie sprach die seit über einer halben Stunde an der Haltestelle vor dem Kunstmuseum auf den Bus wartenden Leute an.

Vor allem der jeweils letzte Beispielsatz zeigt, dass man den Lesern und Leserinnen zuliebe auf allzu lange Partizipgruppen verzichten sollte. Leichter verständlich ist dann eine Formulierung mit einem Nebensatz:

Schicken Sie die Rechnung an die Adresse, die ganz unten auf der zweiten Seite der Bestellung angegeben ist.
Sie sprach die Leute an, die seit über einer halben Stunde an der Haltestelle vor dem Kunstmuseum auf den Bus warteten.

Weitere Beispiele und mehr Informationen dazu, wie man Partizipgruppen erweitern und verwendet kann, finden Sie auf dieser Seite in der Canoonet-Grammatik.

Mit auch sonst trotz der jeweils etwas formellen und floskelhaften Formulierung dennoch immer wieder aufrichtig gemeinten freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Das „von“ in Max von Mustermann

Zum Wochenende gibt es eine nicht gerade weltbewegende Frage – außer wenn man einen Familiennamen der Form von X oder de Y hat. Wer Personen solchen Namens anschreiben oder über sie schreiben will, kommt manchmal wie T. ins Zweifeln: von oder Von?

Frage

Ich möchte jemanden anschreiben und derjenige hat ein „von“ in seinem Namen. Schreibe ich „Max von Mustermann“ oder „Max Von Mustermann“?

Antwort

Guten Tag T.,

Namenszusätze wie von, zu und de schreibt man im Prinzip klein. Das gilt auch in Anschriften und Anreden:

Herrn M. von Mustermann
Sehr geehrter Herr von Mustermann.

Und weil es so schön einfach ist, gleich noch ein paar Beispiele:

Frau Carla von Siebenthal
Sehr geehrte Frau von Siebenthal

Es sang die Familie von Trapp.
Frau von der Leyen und Herr de Maizière
Ursula von der Leyen und Thomas de Maizière
die Sonnenblumen von van Gogh
Den Anfang macht von Webers Oper „Der Freischütz“.
Marcel von Huber Kaminfeger GmbH

die Rosa-von-Luxemburg-Straße
das Anette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasium

Es gibt allerdings zwei Situationen, in denen diese Namenszusätze großgeschrieben werden: am Satzanfang und als erster Teil einer substantivischen Zusammensetzung:

Von der Leyen sprach mit de Maizière.
De Maizière hörte von der Leyen zu.
Van Gogh und das abgeschnittene Ohr
Von Huber Kaminfeger GmbH
Von Webers Oper „Der Freischütz“ machte den Anfang.

die Van-Gogh-Ausstellung
eine dreibändige De-Sade-Ausgabe
die „Von-der-Leyen-Show“

Ist die Zusammensetzung ein Adjektiv, schreibt man allerdings wieder klein:

ein van-Gogh-ähnliches Bild
der de-Gaulle-treue Flügel der Partei

Zusammenfassend: Das „von“ in Namen ist immer klein, außer am Satzanfang und am Anfang von substantivischen Zusammensetzungen. Man schreibt es also nur dort groß, wo man eigentlich immer alles großschreibt.

Weitere Spitzfindigkeiten erspare ich Ihnen ebenso wie die knifflige Angelegenheit, wie man Namen mit Adelstiteln und Ähnlichem schreibt und beugt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp (leider nicht Dr. von Bopp)

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Dahin und dorthin oder da hin und dort hin?

Frage

Ich habe eine Frage die mich schon länger beschäftigt. Es geht um das Wort „dahin“. Schreibt man „Kannst du die Vase dahin stellen“ oder „Kannst du die Vase da hinstellen“?

Antwort

Guten Tag,

wenn Sie sich in gepflegtem schriftlichem Standarddeutsch ausdrücken wollen oder müssen, schreiben Sie am besten

Du kannst die Vase dahin stellen.

Ihr Zweifel kommt wahrscheinlich daher, dass dahin und dorthin mit der örtlichen Bedeutung an diesen/jenen Ort umgangssprachlich sehr häufig getrennt verwendet werden:

Da kannst du die Vase nicht hinstellen.
Du solltest sie dort nicht hinstellen.
Da musst du unbedingt einmal hinfahren.
Kein Zug und kein Bus fährt dort heute noch hin.

Standardsprachlich sollten dahin und dorthin hier nicht getrennt verwendet werden:

Dahin kannst du die Vase nicht stellen.
Du solltest sie nicht dorthin stellen.
Dahin musst du unbedingt einmal fahren.
Kein Zug und kein Bus fährt heute noch dorthin.

Entsprechend schreiben Sie also besser die Vase dahin stellen als die Vase da hinstellen. Etwas ganz Ähnliches gilt übrigens auch für die Fragewörter woher und wohin (siehe hier).

Für den Fall, dass Sie sich nun wundern, dass diese Formen als „falsch“ gelten, sei das Folgende gesagt: Sie sind nicht wirklich falsch. In der gesprochenen Alltagssprache kommen sie zum Teil so häufig vor, dass man sie als zur Grammatik des gesprochenen Alltagsdeutschen gehörend betrachten sollte. Auch in der geschriebenen Sprache kommen sie regelmäßig vor, so dass es wahrscheinlich nur noch eine Frage der Zeit ist, bis dieser Artikel – mehr als jetzt schon – nur noch ein stilistischer Hinweis ist. Ob und wann es so weit kommt, möchte ich dahingestellt sein lassen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

PS: Mehr zur Schreibung von dahin in Verbindung mit Verben finden Sie hier.

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Solange oder so lange vor Vorrat?

Frage

Heißt es „solange Vorrat“ oder „so lange Vorrat“?

Antwort

Sehr geehrter Herr M.,

üblich und richtig ist hier die Zusammenschreibung:

solange Vorrat

Es ist eine Verkürzung von zum Beispiel:

Das Angebot gilt, solange der Vorrat reicht.

Das Wörtchen solange leitet hier einen Nebensatz ein und muss deshalb zusammengeschrieben werden (vgl. hier).

Die Schreibung so lange Vorrat ist nicht üblich, aber theoretisch nicht völlig abwegig. Man könnte die verkürzte Wendung nämlich auch wie folgt auflösen:

Das Angebot gilt so lange, wie der Vorrat reicht.

Hier leitet so lange keinen Nebensatz ein und wird deshalb getrennt geschrieben. Das Komma, das in der langen Version zwischen so lange und Vorrat steht, spricht aber eher gegen eine solche Interpretation.

Apropos Komma, eine Frage zur meistens ohne Komma geschriebenen Wendung

Nur solange Vorrat

habe ich vor einiger Zeit (hier) beantwortet.

Bevor Sie nun dazu übergehen, eine große Werbekampagne mit „Solange Vorrat“ zu starten, sollten Sie sich vergewissern, ob dies rechtlich auch in Ordnung ist. Wenn der Vorrat nämlich gar klein ist, kann ein solches Angebot selbst mit orthografisch korrekt geschriebenem solange als unerlaubtes Lockvogelangebot gelten.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Schrägstrich mit Leerzeichen / ohne Leerzeichen

Frage

Wie verhält es sich mit eventuellen Leerzeichen vor, hinter oder vor und hinter einem Schrägstrich? Zum Beispiel:

Heide/Kreis Dithmarschen oder
Heide/ Kreis Dithmarschen oder
Heide / Kreis Dithmarschen

Antwort

Sehr geehrte Frau Z.,

die amtliche Rechtschreibregelung gibt hierüber keinen Aufschluss, weil bei allen Beispielen, die man dort zum Schrägstrich findet, links und rechts des Schrägstriches nur ein einzelner, ungegliederter Begriff steht (ein Wort, eine Zahl, eine Abkürzung). Sie sind also sozusagen auf sich selbst gestellt, wenn der Schrägstrich Wortgruppen voneinander trennt. Üblich sind diese beiden Schreibweisen:

  1. Heide/Kreis Dithmarschen
  2. Heide / Kreis Dithmarschen

Ich verwende in der Regel a) bei einzeln stehenden Begriffen und b), wenn auf einer oder beiden Seiten des Schrägstrichs mehr als ein Wort steht:

  1. Juli/August
    Frau Müller/Meier
    Anton/Christine
    Sprachen: Deutsch/Englisch/Französisch
  2. Ende Juli / Anfang August
    Frau Müller / Frau Meier
    Anton / Frau Meier
    Frau Müller / Christine
    Wörterbuch Deutsch–Englisch / Englisch–Deutsch

Häufig werden bei b), falls möglich, schmalen Leerzeichen verwendet. Eine allgemein verbindliche Regelung gibt es aber nicht.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Achtung, Hühner!

Frage

Eine Anzeige lautet beispielsweise:

Achtung Referendare!
Rechtssicher handeln mit der Ausbildungsliteratur aus dem Hause …

Muss oder kann nach „Achtung” ein Komma stehen oder wäre ein Komma gerade falsch? Es soll nicht vor Referendaren gewarnt werden, sondern diese sollen aufmerksam gemacht werden.

Antwort

Sehr geehrte Frau P.,

sowohl die an Referendare gerichtete Aufforderung, sie sollen aufpassen, als auch die Aufforderung, vor Referendaren aufzupassen, werden mit Komma geschrieben:

Achtung, Referendare!

Vgl.

Vorsicht, Stufe!
Achtung, bissiger Hund!

Passt auf, Kinder!
Achtung, Michael, die Ampel ist rot!

Es gibt fast keine Möglichkeit, eventuellen Zweideutigkeiten dieser Art mit Hilfe der Zeichensetzung vorzubeugen. (Die Aufforderung vor etwas oder jemandem aufzupassen, kann – aber muss keineswegs – mit einem Doppelpunkt geschrieben werden: Achtung: Referendare! Aber das ist ja gerade, was in Ihrem Beispiel nicht gesagt werden soll.)

In der Regel gibt die Bedeutung oder der weitere Zusammenhag an, was gemeint ist. Falls dies nicht so ist und es zu Problemen führen kann, muss anders formuliert werden. In Ihrem Beispiel sollte es meiner Meinung nach nicht zu Missverständnissen kommen (außer bei den üblichen Spaßvögeln, siehe auch unten).

Mir kommt hier ein Schild am Straßenrand bei einem Bauernhof in den Sinn, an dem wir auf einer unsere Lieblingsfahrradtouren vorbeikommen. Darauf steht in großen Buchtstaben die Warnung:

Achtung, Hühner!

Es ist bereits zu einer Tradition geworden, dass wir uns dann fröhlich fragen (Achtung, Humor!), wovor die Hühner denn aufpassen sollen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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