Archiv für Rechtschreibung

Wenn die Crème brûlée bio ist

Frage
Wie verhält es sich mit der Schreibung von „Crème brûlée“, wenn noch ein „Bio-“ davortritt?

Bio-Crème brûlée
oder
Bio-Crème-brûlée

Antwort

Sehr geehrter Herr F.,

wenn Dinge bio sind, das heißt, wenn sie biologisch im Sinne von naturrein etc. sind, kann dieses bio auch vor dem Wort stehen, das es bestimmt. In der gesprochenen Sprache ist das problemlos, in der geschriebenen Sprache führt es aber oft zu recht abenteuerlichen Schreibungen. Im Prinzip ist es ganz einfach: Bio- wird vor einem Substantiv mit dem Substantiv zusammengeschrieben.

Biologisch erzeugtes Gemüse ist Biogemüse. Der Bauer, der es anbaut ist ein Biobauer und der Laden, in dem Bioprodukte aus Bioanbau und Bioproduktion verkauft werden, ist ein Bioladen oder ein Bioshop. Also:

Biogemüse, Biobäuerin, Bioprodukte, Bioanbau, Bioproduktion, Bioladen, Bioshop

Da viele heute den Bindestrich sehr mögen und es in der Rechtschreibregelung den häufig ge- und missbrauchten Paragraphen über den „verdeutlichenden“ Bindestrich gibt, muss die Schreibung mit Bindestrich in diesen Fällen (meinerseits eher zähneknirschend) ebenfalls akzeptiert werden:

Bio-Gemüse, Bio-Bäuerin, Bio-Produkte, Bio-Anbau, Bio-Produktion, Bio-Laden, Bio-Shop.

Zweifellos gerechtfertigt ist die Verwendung von Bindestrichen auch für mich in Wortungetümen wie:

Bio-Meerrettich-Gewürzpaste, Bio-6-Korn-Flocken, Bio-Mini-Schoko-Doppelkekse

Nach den geltenden Rechtschreibregeln nicht korrekt ist die Getrenntschreibung:

*Bio Gemüse, *Bio Produkte, *Bio Laden, *Bio Shop, *Bio Mini Schoko-Doppelkeks, *Bio Paprika Chips

Etwas schwieriger wird es, wenn Bio- vor eine getrennt geschriebene Wortgruppe tritt. Dann gilt die Regel, dass zwischen allen Teile der Verbindung ein Bindestrich stehen muss. So wird die Crème brûlée mit Zutaten aus biologischer Produktion zur Bio-Crème-brûlée:

Crème brûlée → Bio-Crème-brûlée

Ebenso:

Sauce hollandaise → Bio-Sauce-hollandaise
High Society → Pseudo-High-Society
Mister Schweiz → Ex-Mister-Schweiz

So weit, so gut. Die Rechtschreibung lässt uns aber dann im Stich, wenn es um Wortgruppen dieser Art geht:

grüner Tee → ?
dunkle Schokolade → ?

Dieser Fall war wohl nicht vorgesehen. Wer die Rechtschreibregeln nicht missachten will, muss deshalb kreativ werden und ein bisschen umformulieren:

Bio-Grüntee
dunkle Bioschokolade
biologischer grüner Tee
biologische dunkle Schokolade

Wenn ich Entwerfer von Verpackungen, Prospekten und Webseiten für Bioprodukte wäre, würde ich von den „zuständigen Stellen“ einfordern, dass hier eine umfassende und einfache Lösung für die korrekte Schreibung von Bioprodukten gefunden wird, die auf exotische Schreibungen wie Bio-Crème-brûlée verzichten kann. Bis dann werden wir uns mit Bio-Paprika-Chips (oder dem fast unlesbaren Biopaprikachips) behelfen müssen, weil die wohl am häufigsten vorkommende Schreibung Bio Paprika Chips auf der Verpackung zwar „knalliger“ wirkt, aber orthografisch leider nicht den Regeln entspricht.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Wie schreibst du denn, man/Mann!

Frage

Dass z. B. „Was redest du, Mann?”, „Was redet ihr, Mann?” die richtige Schreibweise ist, ist ja bewiesen. Wie erklären Sie sich jedoch das Phänomen, dass es im alltäglichen Gebrauch (SMS/Chat/Internet-Foren) ausschließlich nur mit einem „n“ geschrieben wird ? Als Neologismus in dem Sinne kann man dies ja nicht bezeichnen,  da „man“ als Pronomen schon existiert. Aber wie kommt es, dass es eben v. a. unter Jugendlichen bei einem „n“ bleibt, auch wenn sich die meisten bewusst sind, dass „der Mann“ so geschrieben wird? [...] Kann man also „man“ [...] als schlichtweg komplett falsch bezeichnen, auch wenn es im Gebrauch deutlich überwiegt ?

Antwort

Sehr geehrter Herr G.,

die Schreibung man statt Mann für die Interjektion ist tatsächlich kein Neologismus, sondern eher ein „Neographismus“ (eine Neuschreibung). Warum so viele im Internet diese Schreibung wählen, kann ich natürlich ohne genauere Untersuchungen nicht mit Sicherheit sagen. Es mag daran liegen, dass das Nomen Mann im Prinzip eine männliche Person in der Einzahl bezeichnet, während die Interjektion Mann auch an eine weibliche Person oder an mehrere Personen gerichtet sein kann. Das „klemmt“ irgendwie und deshalb wird auf die Schreibung man ausgewichen. Dies Schreibung man „klemmt“ allerdings auch, denn die Interjektion hat ja auch nicht die gleiche Funktion und Bedeutung wie das unbestimmte Personalpronomen man.

In der Umgangssprache im Internet werden nicht alle grammatischen und orthografischen Regeln eingehalten, die für die „normale“ schriftliche Standardsprache gelten. Und das ist auch nicht weiter schlimm. Der Ausruf Mann wird ohnehin höchst selten in einem Kontext verwendet, in dem eine regelkonforme Rechtschreibung wirklich wichtig wäre. Im informellen Internetgebrauch scheint die Schreibung man üblich zu sein, auch wenn nach der amtlichen Rechtschreibregelung Mann geschrieben werden sollte. In informellen Mails, Chats, SMS usw. gibt es gegen diese Form man nicht viel einzuwenden. Die Schreibung Mann! würde dort wahrscheinlich oft sogar als ziemlich antiquiert und unpassend empfunden werden. Im formelleren schriftlichen Verkehr gilt diese Schreibung aber (noch?) als falsch (sofern die Interjektion Mann dort überhaupt vorkommt). Wie man redet und schreibt, hängt in starkem Maße auch vom Kontext, der Umgebung und dem Medium ab. Es gelten nicht immer und überall die gleichen Standards.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Weder Drachche noch Sprahche oder Spraache

Frage

Warum reimt sich „Sprache“ nicht auf „Drache“, wie mir beim Vorlesen eines Kinderbuchs aufgefallen ist? Und warum drückt sich der Unterschied nicht in der Schreibweise aus?

Antwort

Guten Tag Herr oder Frau N.,

Die beiden Wörter reimen sich tatsächlich nicht: Sprache wird mit einem langen a gesprochen, Drache hingegen mit einem kurzen a. Das sieht man allerdings nicht an der Schreibweise. Das liegt daran, dass das Deutsche nur bedingt eine Sprache ist, bei der die Schrift die Aussprache eins zu eins wiedergibt. Allgemeine Regeln zur Laut-Buchstaben-Zuordnung werden aus verschiedenen Gründen häufig nicht konsequent umgesetzt (z. B. Respektierung gefestigter Schreibweisen, Stammprinzip, Fremdwörter). Es gibt also viele Ausnahmen.

Nach der allgemeinen Regel wird ein einzelner Konsonant nach einem kurzen betonten Vokal verdoppelt. Zum Beispiel:

Ebbe, Paddel, Affe, Egge, Backe (ck=kk), Galle, Stamm, Panne, Kappe, Knarre, Nuss, Platte, Tatze (tz=zz)

Ausnahmen sind (abgesehen von Fremdwörtern) zum Beispiel

an, bis, mit, man, bin, hat

Ein ch wird nicht verdoppelt. Es entspricht in der gesprochenen Sprache zwar einem einzelnen Laut, geschrieben sind es dann aber doch zwei Buchstaben. Deshalb schreibt man Drache und nicht *Drachche.

Der kurze Vokal wird hier also nicht besonders gekennzeichnet. Wie steht es nun mit dem langen Vokal von Sprache? Ein langer Vokal kann durch ein h oder durch Verdoppelung gekennzeichnet werden (Regel).

Das Dehnungs-h kommt aber vor allem dann vor, wenn kein Konsonant oder ein l, m, n oder r folgt:

nah, fähig, zäh, froh, Kuh
lahm, ahnen, Kohle, Möhre

Das ist aber auch dann nicht immer der Fall:

säen, Böe
Tal, Name, Ton, Hure

Das Dehnungs-h kommt auch vor einem ch im Stamm nicht vor. Man schreibt also Sprache und nicht *Sprahche. Ein weiterer Grund mag sein, dass Sprache zur Vergangenheitsform sprach von sprechen gehört. All diese Formen werden ohne h nach dem Stammvokal geschrieben.

Die Verdopplung des Vokals kommt nur bei einer kleinen Anzahl heimischer Wörtern vor (z. B. Aal, Haar, See, Teer, Boot, Moos). Das Wort Sprache gehört nicht dazu, u. a. vielleicht weil es, wie bereits gesagt, zu sprechen/sprach gehört. Wir schreiben also auch nicht *Spraache.

Vor einem ch sind die Schreibungen für einen kurzen und für einen langen Vokal also gleich:

lang – kurz
Sprache – Rache, Drache, Sache, mache, Wache
brach – flach, Dach, Krach
hoch – Koch
Maloche – Woche
Tuch, such! – Spruch, huch!

Kurz oder lang ausgeprochen wird das a in Lache (Pfütze):

Lache – Lache

Ganz kurz zusammengefasst:

Drache, nicht Drachche
Sprache, nicht Sprahche, Spraache

Die deutsche Rechtschreibung hat also auch im Bereich der Laut-Buchstaben-Zuordnung ihre Tücken. Ganz so arg wie die Franzosen und die Engländer treiben wir es aber doch nicht. Zum Beispiel:

Die folgenden französischen Wortformen werden alle gleich ausgesprochen:

mer, mère, maire (= Meer, Mutter, Bürgermeister)
parler, parlez, parlai, parlé, parlée, parlés, parlées (= versch. gebeugte Formen des Verbs parler)

Das Englische treibt es  mit seiner historischen Orthografie ja zum Teil noch viel bunter. Ein bekanntes, nicht allzu seriös zu nehmendes Beispiel:

ghoti = fish
das gh von enough (inaf)
das o von women (wimen)
das ti von nation (neischen)

Unser Drache-Sprache-Phänomen ist also vergleichsweise harmlos.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Wem schwerfallen nicht allzu leicht fällt

Frage

Es ist mir immer noch nicht ganz klar, wie man die Verbindung Adjektiv und Verb schreibt, wenn sie gesteigert ist, also Beispiel:

schwerfallen, leichtfallen
schwerer_fallen, leichter_fallen
oder: sehr schwer_gefallen, viel leichter fallen.

Antwort

Sehr geehrte Frau M.,

Sie sind nicht die Einzige, der die Schreibung solcher Verbverbindungen nicht allzu leicht fällt oder sogar in hohem Maße schwerfällt. Ich weiß es auch nie genau. Dieser Fall (Zusammen- oder Getrenntschreibung bei erweiterten Adjektiv-Verb-Verbindungen mit übertragener Bedeutung) ist nämlich nicht ausdrücklich in der Rechtschreibregelung geregelt. Es gibt hierzu eine Duden-Empfehlung, die aber nicht immer weiterhilft und die ich persönlich nicht ganz in dieser Weise formulieren würde.

Bei den gesteigerten Formen schreibe ich den einfachen Komparativ mit dem Verb zusammen und den Superlativ mit am vom Verb getrennt:

schwerfallen, schwererfallen, am schwersten fallen
leichfallen, leichterfallen, am leichtesten fallen

Dabei halte ich aber die Getrenntschreibung schwerer fallen und leichter fallen in Anlehnung an § 34 2.3 ebenfalls für richtig.

Wenn die Verbverbindung erweitert wird, ist es theoretisch so, dass zusammengeschrieben wird, wenn der ganze verbale Ausdruck erweitert wird. Wenn nur das Adjektiv erweitert wird, schreibt man getrennt. Das ist in der Praxis aber nicht immer einfach zu entscheiden. Bezieht sich zum Beispiel im folgenden Satz sehr a) nur auf schwer oder b) auf den ganzen Ausdruck?

a) Die Entscheidung ist mir sehr schwer gefallen.
b) Die Entscheidung ist mir sehr schwergefallen.

Beides ist möglich. Ich folge deshalb „in der Praxis“ dieser Faustregel: 1) zusammen, wenn die Erweiterung ein Verb bestimmen kann; 2) getrennt, wenn dies nicht der Fall ist. Ein paar Beispiele:

1) Zusammenschreibung, wenn die Erweiterung das Verb betreffen kann:

dass es mir nicht schwerfällt
vgl.: dass es mich nicht belastet

dass es mir sehr schwerfällt
vgl.: dass es mich sehr belastet

dass es mir zu sehr schwerfällt
vgl.: dass es mich zu sehr belastet

dass es mir kaum/in hohem Maße schwerfällt
vgl.: dass es mich kaum/in hohem Maße belastet

(dass es mir noch mehr schwerfällt
vgl. dass es mich noch mehr belastet)

2) Getrenntschreibung, wenn die Erweiterung das Adjektiv betreffen muss, das heißt, wenn sie nicht ein Verb betreffen kann:

dass es mir zu schwer fällt
nicht: dass es mich zu belastet

dass es mir ganz schwer fällt
nicht: dass es mich ganz belastet

dass es mir viel schwerer fällt
nicht: dass es mich viel belastet

dass es mir noch schwerer fällt
nicht: dass es mich noch belastet (andere Bedeutung)

Eine einfachere oder für alle Fälle eindeutige Lösung kenne ich leider nicht. Ich hoffe aber, dass Ihnen die Entscheidung, ob Sie in solchen Fällen zusammen- oder getrennt schreiben, mit Hilfe dieser Faustregel ein bisschen leichterfällt/leichter fällt …

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Top Drei, Top drei, top drei oder Topdrei?

Frage

Wie schreibt man „top drei“?  Zum Beispiel: „Unser Unternehmen zählt zu den top drei im Bereich X.“

Antwort

Sehr geehrter Herr F.,

die eindeutige Antwort muss ich Ihnen auch hier wieder einmal schuldig bleiben. Keine „offizielle“ Stelle macht Angaben hierzu. Aus den geltenden Regeln würde ich die folgende Schreibweise ableiten:

Unser Unternehmen zählt zu den top drei im Bereich X.

Ich sehe hier top als unveränderliches Adjektiv, das es auch in Top Ten sein muss. Die Wörterliste der amtlichen Rechtschreibregelung verweist nämlich beim Eintrag Top Ten auf § 37 E4, wo „aus dem Englischen stammende Bildungen aus Adjektiv + Substantiv“ behandelt werden. Dass es ein solches Adjektiv zumindest umgangssprachlich gibt, zeigen Äußerungen wie „Das ist top!“, „Das hast du top gemacht!“.

Ich schreibe deshalb top klein. Die Zahl drei wird ebenfalls kleingeschrieben:

zählt zu den top drei im Bereich X

genau so wie:

zählt zu den besten/bekanntesten/obersten drei im Bereich X

Es gibt allerdings ein kleines Problem: Beinahe niemand schreibt top drei so.

Eine weitere Variante ist:

zählt zu den Topdrei im Bereich X

Da im Ausdruck Top Ten die Kardinalzahl Ten orthografisch als Substantiv behandelt und großgeschrieben wird, können wir dies ausnahmsweise auch mit der deutschen Zahl tun. Verbindungen von Top- und einem deutschen Substantiv werden aber anders als bei Verbindungen aus dem Englischen zusammengeschrieben:

Topdrei  (wie z. B . Topform, Topmodell)

Neben einem kleineren Problem bei der Wortbetonung bleibt das Hauptproblem dasselbe wie oben: Fast niemand schreibt es so.

Am häufigsten kommen Top Drei und Top drei vor. Für keine der beiden Schreibungen kann ich eine regelkonforme Erklärung finden. Das Wort Top steht im Singular, der Artikel aber im Plural. Nicht Top, sondern drei muss also der Kern der Wortgruppe sein. Das macht es schwierig die Großschreibung Top in Kombination mit der Getrenntschreibung zu rechtfertigen. Diese Schreibvarianten orientieren sich mehr oder weniger direkt an der Schreibung des englischen Ausdrucks Top Ten. Das ist sonst nicht üblich. Vielleicht etabliert sich hier ja eine neue Ausnahme.

Schreiben Sie so, wie Sie es für richtig halten – nach der Schreibweise in Ihrer Frage zu Urteilen ist dies top drei – und rechnen Sie mit Kommentaren. Wenn Sie kommentarlos „davonkommen“ wollen oder müssen, ist Top Drei zu erwägen. Es stimmt zwar (vorläufig?) nicht ganz, aber fast niemand merkt’s. Und die besten drei geht natürlich auch immer.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Social TV, Web-TV und der Bindestrich

Die Schreibung von mehrteiligen Ausdrücken aus anderen Sprachen, meist aus dem Englischen, gehört zu Ihren Favoriten. Die Frage lautet jeweils: getrennt, zusammen, Bindestrich? Es ist nicht sehr erstaunlich, dass dieser Bereich immer wieder zu Fragen Anlass gibt, denn wenn man die Rechtschreibregeln hier konsequent anwendet, führt dies manchmal zu eher ungewöhnlich anmutenden Schreibungen.

Frage

Für eine wissenschaftliche Arbeit würde ich gern wissen, wie es richtig heißt: Social-TV oder Social TV. Wie würde man es bei drei Worten schreiben: Social-TV-Integration, Social TV-Integration oder Social TV Integration? Und gilt dann für Web-TV / Web TV und Smart-TV / Smart TV die gleiche Regelung?

Antwort

Sehr geehrte Frau E.,

die Ausdrücke, die Sie anführen, kommen alle aus dem Englischen, sie haben aber nicht alle die gleiche Struktur. Nämlich:

  • Verbindung von Adjektiv und Substantiv: Social TV, Smart TV
  • Verbindung von zwei Substantiven: Web-TV

Bei der ersten Gruppe, empfiehlt es sich, getrennt zu schreiben. Bei Adjektiv-Substantiv-Verbindungen aus dem Englischen kann getrennt oder zusammengeschrieben werden (Regel). Zum Beispiel:

Big Band oder Bigband
Happy End oder Happyend
Small Talk oder Smalltalk

Da die Zusammenschreibung mit einer Abkürzung wie TV nicht möglich ist (s. u.), ist die Getrenntschreibung hier die beste Lösung:

Social TV
Smart TV

Im zweiten Fall muss mit Bindestrich geschrieben werden. Substantiv-Substantiv-Verbindungen (und andere) mit einer Abkürzung werden mit Bindestrich geschrieben (Regel):

Eiskunstlauf-WM
Lungen-Tbc
Frühstücks-TV

Web ist ein Substantiv, TV ist eine Abkürzung, deshalb:

Web-TV

Wenn diese Begriffe in einer Zusammensetzung vorkommen, verwendet man Bindestriche:

Social-TV-Integration
Smart-TV-Anbieter
Web-TV-Angebote

Wenn Wortgruppen (z. B. Social TV)  oder Zusammensetzungen mit Bindestrich (z. B. Web-TV) in einer Zusammensetzung vorkommen, setzt man nämlich zwischen alle Teile der Zusammensetzung einen Bindestrich (Regel).

Social TV neben Social-TV-Integration oder Smart TV neben Smart-TV-Anbieter sieht irgendwie uneinheitlich aus. Das mag (neben Unkenntnis der Regeln) ein Grund dafür sein, weshalb sehr häufig auch andere Schreibweisen zu lesen sind. Wenn Sie sich aber an die geltende Rechtschreibregelung halten wollen oder müssen, bleibt Ihnen nicht viel anderes übrig, als so zu schreiben. Nach diesen Regeln ist Social-TV nicht zu empfehlen und Social TV-Integration oder Social TV Integration falsch. Es sieht allerdings auch nicht uneinheitlicher aus als zum Beispiel:

die Werke van Goghs in dieser Van-Gogh-Ausstellung
Fragen zu Vitamin C und Vitamin-C-Mangel
Kommt der New-Orleans-Jazz wirklich aus New Orleans?
Doping bei der Tour de France: Viele Tour-de-France-Gewinner sollen …

Ganz so ungewöhnlich und unsystematisch ist die Einpassung von mehrteiligen Begriffen aus dem Englisch ins deutsche Schriftbild also doch nicht.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Zusammen oder getrennt? Verbindungen mit Partizipien

Frage

Wieder einmal habe ich eine Frage zur Getrennt- bzw. Zusammenschreibung, und zwar geht es um Partizipien:

sich weiterbilden –> die sich Weiterbildenden [nur so]
nicht zutreffen –> das nicht Zutreffende / das Nichtzutreffende

Wieso ist im zweiten Fall [...] die Zusammenschreibung möglich, bzw. warum beim ersten Beispiel nicht?

Antwort

Sehr geehrter Herr F.,

es geht hier um die (mehr oder weniger) bekannten Regeln zur Getrennt- und Zusammenschreibung von Verbindungen mit Partizipien. Verhältnismäßig bekannt sind zwei Regeln. Um alles abzudecken, fehlt aber eine dritte Regel.

Die erste Regel, die ich hier nenne, legt fest, dass Verbindungen mit Partizipien zusammengeschrieben werden, wenn das erste Wort der Verbindung für eine Wortgruppe steht:

den Abend füllend – abendfüllend
durch einen Computer gesteuert – computergesteuert
vor dem Wind geschützt – windgeschützt
von selbst klebend – selbstklebend (Regel)

Die zweite Regel sagt, dass Verbindungen mit Partizipien getrennt oder zusammengeschrieben werden können, wenn ihnen eine getrennt geschriebene Verbgruppe zugrunde liegt:

Fleisch fressen – Fleisch fressende / fleischfressende Tiere
getrennt schreiben – getrennt geschriebene / getrenntgeschriebene Wörter
nicht zutreffen – nicht Zutreffendes / Nichtzutreffendes
selbst backen – selbst gebackener / selbstgebackener Kuchen

Wir haben bis jetzt gesehen, wann zusammengeschrieben werden muss und wann zusammen- oder getrennt geschrieben werden kann. Was noch fehlt, ist eine Erklärung dafür, wann man nur getrennt schreiben sollte. Warum schreibt man nicht sichweiterbildende?

Verbindungen mit Partizipien werden nur dann zusammengeschrieben, wenn die Verbindung als Zusammensetzung angesehen wird. Wir empfinden eine Verbindung u. a. dann als Zusammensetzung, wenn bei neutraler Aussprache die Hauptbetonung auf dem ersten Wort liegt. Deshalb ist bei den folgenden Wörtern neben der Getrenntschreibung auch die Zusammenschreibung möglich:

fleischfressend,  getrenntgeschrieben, nichtzutreffend, notleidend, selbstgebacken, obenerwähnt, ratsuchend, vielsagend usw.

Wenn die Hauptbetonung nicht auf dem ersten Element liegt oder, anders gesagt, wenn das an zweiter Stelle stehende Partizip bei neutraler Aussprache** nicht unbetont sein kann, wird getrennt geschrieben. Das ist bei sich weiterbildend der Fall:

die sich Weiterbildenden (nicht: Sichweiterbildenden)
farblich passende Strümpfe (nicht: farblichpassende)
laut telefonierende Mitmenschen (nicht: lauttelefonierende)
unerwartet eingestürzte Brücke (nicht: unerwarteteingestürzte)

Diese in der amtlichen Regelung nicht erwähnte Betonungsregel ist eine Hilfsregel, die Sie eigentlich gar nicht bewusst kennen müssen. Ihr Gefühl sagt Ihnen wahrscheinlich in den meisten Fällen sofort, dass bei Wortgruppen wie sich weiterbildende, farblich passende und unerwartet eingestürzte keine Zusammensetzung vorliegt und deshalb nicht zusammengeschrieben werden kann.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Ich habe lange gezögert, ob ich diese Betonungsregel überhaupt erwähnen soll, denn sie ist nicht unproblematisch. Es gibt nämlich auch die Möglichkeit, kontrastierend zu betonen. Dann liegt die Hauptbetonung auf dem hervorgehobenen Wort:

nicht die leise telefonierenden, sondern die laut telefonierenden Leute

Diese Art der Betonung bewirkt keine Zusammenschreibung. Deshalb steht oben die Bedingung „bei neutraler Aussprache“.

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Wasser sparen hilft die Umwelt schonen, und das mit und ohne „zu“

Liebhaber und Liebhaberinnen einer einzigen korrekte Formulierung ist das folgende Thema wohl eher ein Gräuel. Wer Variantenvielfalt mag, lese weiter und freue sich!

Frage

Ich bin etwas unsicher bei manchen Infinitivkonstruktionen, wenn sie ohne „zu“ stehen. Zum Beispiel:

Wasser sparen hilft die Umwelt schonen.

Ist dieser Satz als mögliche Verkürzung von „Wasser zu sparen hilft die Umwelt zu schonen“ zulässig oder ist das „zu“ obligatorisch?

Antwort

Sehr geehrter Herr U.,

der Satz kann ohne zu formuliert werden:

Wasser sparen hilft die Umwelt schonen.

Die erste Infinitivkonstruktion ist das Subjekt des Satzes: Wer oder was hilf die Umwelt zu schonen? Wenn eine Infinitivkonstruktion die Funktion des Subjekts hat, kann sie mit oder ohne zu stehen:

Dich zu verstehen ist nicht immer einfach.
Dich verstehen ist nicht immer einfach.

Somit auch:

Wasser zu sparen hilft …
Wasser sparen hilft …

Je länger und komplexer die Infinitivkonstruktion ist, desto üblicher ist es übrigens, zu zu verwenden. (Siehe diese Grammatikseite ganz unten. Dort finden Sie auch Angaben zum dem, was nun folgt).

Die zweite Infinitivkonstruktion ist von helfen abhängig. Wenn der Infinitiv allein steht, steht er ohne zu:

Er hilft mir abwaschen.

Eine erweiterte Infinitivgruppe steht bei helfen meistens mit zu, sie kann aber auch ohne zu verwendet werden:

Er hilft mir[,] das Geschirr abzuwaschen.
Er hilft mir das Geschirr abwaschen.

Die zweite Infinitivkonstruktion in Ihrem Beispiel steht somit eher mit zu, sie kann aber auch ohne zu stehen:

… hilft Wasser zu sparen.
… hilft Wasser sparen.

Beide Infinitivgruppen können also mit oder ohne zu stehen. Daraus ergeben sich alles in allem vier mögliche Formulierungen:

Wasser zu sparen hilft die Umwelt zu schonen.
Wasser sparen hilft die Umwelt zu schonen.
Wasser zu sparen hilft die Umwelt schonen.

und eben auch:

Wasser sparen hilft die Umwelt schonen.

Genau genommen gibt es orthografisch sogar noch mehr Möglichkeiten. Die „zu-lose“ Infinitivgruppe Wasser sparen kann nämlich auch als Substantivierung aufgefasst und zusammengeschrieben werden (das Wassersparen):

Wassersparen hilft die Umwelt [zu] schonen.

Weiter können die Infinitivgruppen mit zu fakultativ durch ein Komma abgetrennt werden (Regel). Ich erspare aber Ihnen und nicht zuletzt auch mir die Aufzählung der dadurch entstehenden möglichen Schreibvarianten. Die Variantenvielfalt ist jetzt schon groß genug!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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www am Satzanfang

Frage

Schreibt man die Abkürzung www am Satzanfang groß? Www.irgendwas.de sieht schon komisch aus.

Antwort

Sehr geehrter Herr G.,

am Satzanfang sollte ein Großbuchstabe stehen. Wenn ich entsprechend am Satzanfang Www.canoo.net schreibe, sieht das aber tatsächlich sehr gewöhnungsbedürftig aus:

Www.canoo.net ist die Adresse unserer Website.

Eine mögliche Lösung wäre, die Großbuchstabenregel außer Acht zu lassen und am Satzanfang ausnahmsweise einmal kleinzuschreiben. Das verdient aber auch keine Nominierung für den Nobelpreis für Rechtschreibung. Es sieht nämlich mindestens ebenso gewöhnungsbedürftig aus:

www.canoo.net ist die Adresse unserer Website.

Ich empfehle Ihnen deshalb die Ausweichroute: Stellen Sie nie eine Webadresse an den Satzanfang! Am besten formulieren Sie um. Das ist meistens recht einfach möglich. Zum Beispiel:

Die Adresse www.canoo.net gehört zu unserer Website.
Unsere Website hat die Adresse www.canoo.net.
Unter www.canoo.net erreichen Sie Canoonet.

Wenn eine Internetadresse allein auf einer Zeile steht oder nicht in einen Satz integriert ist, kann sie allerdings mit kleinem Anfangsbuchstaben stehen:

Canoonet erreichen Sie unter
www.canoo.net

Webadresse: www.canoo.net

Im Allgemeinen gilt, dass Abkürzungen, die für mehr als ein Wort stehen, nicht am Satzanfang erscheinen sollten. Man schreibt sie am Satzanfang wenn möglich aus (was allerdings bei einer Webadresse nicht sehr sinnvoll wäre) oder verschiebt sie ins Satzinnere:

nicht: Z. B. Tom und Anna sind beliebte Namen.
sondern: Zum Beispiel Tom und Anna sind beliebte Namen.
oder: Beliebte Namen sind z. B. Tom und Anna.
nicht: I. d. R. werden mehrteilige Abkürzungen am Satzanfang ausgeschrieben.
sondern: In der Regel werden mehrteilige Abkürzungen am Satzanfang ausgeschrieben.
oder: Mehrteilige Abkürzungen werden am Satzanfang i. d. R. ausgeschrieben.
nicht: M. f. G.
sondern besser:

Mit freundlichen Grüßen

Dr. [sic] Bopp

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Aßlar, Esslingen, Pressburg

Die Rechtschreibreform liegt einige Jährchen zurück und die Wogen haben sich zumindest in der öffentlichen Diskussion seit einiger Zeit wieder geglättet. Auch an dieser Stelle werden kaum mehr Fragen dazu gestellt. Hier folgt doch noch ein Thema, das vielleicht noch für diejenigen neu sein könnte, die nicht in oder neben einem Ort wohnen, der mit ß geschrieben wird:

Frage

Heute geht es mir um eine Diskussion darüber, wie die deutsche Version von Bratislava zu schreiben ist. Da es sich um einen historischen Namen handelt, meine ich, dass es Preßburg heißen muss, also die Regeln der Rechtschreibreform in diesem Spezialfall nicht greifen. Allerdings sieht das die Redaktion der zweibändigen Ausgabe von „WAHRIG Die deutsche Rechtschreibung“, 2007, anders. Auf Seite 1360 steht blau hervorgehoben „Pressburg“ [...].

Ein weiteres Argument für Preßburg: Auch die Schreibweise von Altjeßnitz, Aßlar, Aßling, an der Riß, Eßbach, Faßberg, Saßnitz und etlicher anderer Orte müssten – wenn Preßburg neuerdings Pressburg hieße, wohl geändert werden.

Antwort

Sehr geehrter Herr G.,

die aktuellen Ausgaben von Wahrig, Duden und Canoo.net geben die Schreibung Pressburg an. Wie kommen sie dazu? Die Schreibung von Eigennamen ist nur bedingt an die Rechtschreibregelung gebunden. Eine wichtige Rolle spielt dabei, ob es sich um einen offiziellen Ortsnamen in einem deutschsprachigen Gebiet handelt oder nicht.

Bei offiziellen Ortsnamen (Städte, Dörfer, Länder, Landkreise, Bezirke usw.) in Regionen mit Deutsch als Amtssprache ist die Schreibung juristisch festgelegt. Diese amtlich festgelegte Schreibung kann nur durch einen Rechtsakt geändert werden, wenn sie zum Beispiel der Reformschreibung angepasst werden soll. Deshalb gelten an vielen Orten noch die hergebrachten Schreibungen: Aßlar, Aßling, Haßloch, Meßkirch. Bei Esslingen am Neckar und Sassnitz wurde der offizielle Name übrigens schon vor der Reform geändert: Eßlingen wurde 1964 offiziell zu EsslingenSaßnitz 1993 zu Sassnitz. Diese beiden Namen werden also seit der Reform sozusagen wieder „richtig“ geschrieben.

Bei anderen geografischen Namen (Weiler, Höfe, Berghütten, Flurnamen usw.) wird die Schreibung durch die Eigentümer oder durch verantwortliche Institutionen bestimmt. Es wird empfohlen, die Namen der reformierten Schreibung anzupassen, es gibt aber keine Verpflichtung dazu, denn auch die amtliche Regelung lässt bei geografischen Bezeichnungen Schreibungen zu, die nicht mit den allgemeinen Rechtschreibregeln übereinstimmen (Amtl. Regelung, Laut-Buchstaben-Zuordnung, Vorbemerkungen, Absatz 3.2.).

Es bleiben noch die deutschen Namen für Orte in Regionen, die nicht Deutsch als Amtssprache haben. Es wird empfohlen und es ist auch üblich, hier die neue Schreibung zu verwenden. Beispiele sind Elsass, Russland, Parnass (Griechenland), Pressburg, Schässburg (Rumänien) statt wie vor der Reform Elsaß, Rußland, Parnaß, Preßburg, Schäßburg.

Dies erklärt die unterschiedliche Handhabung der ss/ß-Schreibung bei zum Beispiel Aßlar und Pressburg.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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