Archiv für Wortschatz

Maharadscha, Maharani, mega, Michelsdorf und Mecklenburg

Vor ein paar Tagen bin ich in der Sommerflaute wieder einmal über einen alten Filmklassiker gestolpert: Der Tiger von Eschnapur von Fritz Lang aus dem Jahr 1958. Es geht dabei um eine etwas komplizierte Abenteuer- und Liebesgeschichte, in der ein blutrünstiger Tiger, ein tapferer deutscher Ingenieur, eine bildschöne indische Tempeltänzerin, die durch Heirat mit dem Maharadscha zur Maharani wird, sowie zünftige Portionen Liebe, Heldenmut, Eifersucht und Hinterhältigkeit eine Rolle spielen. Wenn Sie melodramatisches Drama und Abenteuer mögen, sicher empfehlenswert.

Mir geht es hier aber mehr um die schönen Wörter Maharani und Maharadscha, deren Herkunft ich kurz nachgeschlagen habe (solche Dinge tun Sprachler bei Hitze und Sommerflaute …). Die beiden Wörter kommen aus dem Hindi, der Sprache, die vor allem in Nordindien gesprochen wird und offizielle Amtssprache Indiens ist. Die Wörter setzen sich aus zwei Teilen zusammen, nämlich

mahā = groß
rājā = König, Fürst; rānī = Königin, Fürstin

Ein Maharadscha ist also ein großer Fürst und hat entsprechend einen höheren Rang als ein Radscha.

Interessant finde ich, dass diese Wörter zeigen, dass es trotz beträchtlicher Distanz eine Verwandtschaft zwischen den indischen und den europäischen Sprachen gibt, die zusammen die indoeuropäische Sprachfamilie bilden:

rājā und rānī sind mit rex (lat. für König), regieren und über zwei Ecken mehr auch mit reich/rich/riche/rico/ricco verwandt;

mahā ist mit griechisch mega und mit dem alten germanischen Wort mikil = groß verwandt. „Überlebt“ hat mikil noch in Ortsnamen wie Michelsdorf und Mecklenburg.

Nun sollte auch klar sein, was die Wörter im Titel miteinander zu tun haben. Sie sind miteinaner verwandt: groß. Den krampfhaften Versuch, sie alle vier in einem eleganten und humoristischen Schlusssatz zusammenzubringen, erspare ich Ihnen heute.

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Standstreifenertüchtigung

Manchmal kann ich meine Schweizer Wurzeln noch weniger verleugnen als sonst. So konnte ich vor einigen Tagen meinen Augen kaum trauen, als ich auf einer deutschen Autobahn das Wort „Standstreifenertüchtigung“ las. Ich habe sofort verstanden, was gemeint ist, und dennoch würde ich dieses Wort nie, aber auch gar nie selbst verwenden.

„Standstreifenertüchtigung“ ist ein durch und durch bundesdeutsches Wort. Das fängt natürlich damit an, dass der Standstreifen resp. die Standspur in der Schweiz und – soweit ich weiß – auch in Österreich meistens „Pannenstreifen“ genannt wird.

Weiter geht es damit, dass mit „Ertüchtigung“ ein Fachwort aus dem Bauwesen für eine Mitteilung verwendet wird, die an die Allgemeinheit gerichtet ist. Als Nichtbaufachmensch assoziiere ich „Ertüchtigung“ eigentlich nur mit der Leibesertüchtigung zu Zeiten des Turnvaters Jahn. Ich habe ganz allgemein das Gefühl (beweisen kann ich es nicht), dass ich in Deutschland viel häufiger Fachwörtern wie Schraubendreher, Außenleuchte oder Kleinkraftrad begegne als in der Schweiz.

Als Letztes sei die Vorliebe für lange Wörter genannt, sobald es amtlich oder formell wird. Die „Standstreifenertüchtigung“ wird in der Schweiz eher als „Erneuerung des Pannenstreifens“ oder „Sanierung des Pannenstreifens“ angekündigt, wenn nicht sowieso einfach „Baustelle“ zu lesen oder ein dreieckiges Warnschild mit einem schaufelnden Menschen zu sehen ist. Als weiteres Beispiel kann „Landwirtschaftsförderungsgesetz“ dienen, das in der Schweiz meistens nicht so, sondern „Gesetz über die Förderung der Landwirtschaft“ genannt wird.

Natürlich ist nicht alles schwarz und weiß. Zu all diesen Aspekten gibt es hüben wie drüben Gegenbeispiele. Ich wollte nur aufzeigen, wie ich mir mein großes Erstaunen über „Standstreifenertüchtigung“ zu erklären versucht habe. Ich war nämlich sehr erstaunt, dass ich so sehr erstaunt war.

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Schöne Fremdwörter: extraflorale Nektarien

Man lernt ja immer wieder Neues. Am vergangenen Wochenende war es bei mir die Antwort auf die folgende Frage: Weshalb summt der Kirschlorbeerstrauch im Garten meiner Eltern wie ein Bienenkorb? Bienen zuhauf, obwohl im ganzen Strauch keine einzige Blüte zu entdecken ist. Wie immer, wenn es um solche „lebenswichtigen“ Fragen geht, schauten alle mich an, weil ich meistens der Erste bin, der blinzelt und zum Browser greift. So habe ich auch diesmal die Antwort auf dem Internet gefunden:

Der Kirschlorbeer hat extraflorale Nektarien. Das sind Nektardrüsen, die nicht in einer Blüte, sondern an der Unterseite des Blattes zu finden sind. Trotz ihres eindrücklichen Namens sind sie fürs menschliche Auge nur unscheinbare kleine braune Punkte. Wozu der Lorbeer dort Nektar erzeugt, ist mir ein Rätsel geblieben, nach dem Summkonzert zu schließen scheint er aber für die Bienen unwiderstehlich zu sein.

Mir hat auch der wissenschaftliche Name gefallen. Der Ausdruck beschreibt nämlich bei genauerem Hinsehen so schön, worum es geht. (Ich musste allerdings noch im Fremdwörterbuch nachschauen, wie die Einzahl von Nektarien lautet: die Nektarie oder das Nektarium? Antwort weiter unten.)

extra = außerhalb
vgl. z. B. extragalaktisch (außerhalb unserer Galaxie), extraordinär (außergewöhnlich), extraterrestrisch (außerirdisch)

floral = Blüten betreffend
vgl. z. B. Florist (Blumenhändler), florieren (blühen; sich günstig entwickeln)

Nektarium ≈ wo es Nektar gibt

Man könnte also extraflorale Nektarien schon fast poetisch als außerblumische Honigdrüsen in ein bisschen weniger fremdwortlastiges Deutsch übersetzen. Und ich hätte bis gestern mit großer Sicherheit behauptet, dass der Sammelfleiß der Bienen sich in der Natur nur auf Blüten beschränkt.

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Warum es nicht „nach hier“ heißt

Frage

Mein Mitbewohner und ich streiten uns seit einiger Zeit darüber, ob „nach hier“ grammatikalisch korrekt ist. Er kommt aus einer anderen Stadt und bittet mich des Öfteren „nach hier zu kommen“. Ich bin der Meinung, dass diese Formulierung falsch ist, kann ihm jedoch auch nicht erklären warum.

Antwort

Guten Tag Frau R.,

in der Standardsprache und eigentlich auch umgangssprachlich ist nach hier tatsächlich nicht üblich. Man verwendet stattdessen:

hierher o. hierhin
Ich bitte dich hierherzukommen.
Schau bitte hierher!
Ich habe die Schere hierhingelegt.

Die Formulierung nach hier ist rein grammatisch möglich (vgl. nach oben, nach hinten, nach draußen usw.). Sie wird trotzdem nicht verwendet, weil das Wort hierher sie blockiert. Mit „Blockierung“ ist Folgendes gemeint: Ein bereits etabliertes, häufig vorkommendes anderes Wort verhindert das Entstehen oder den Gebrauch einer Form. Hier blockiert das geläufige hierher die Wendung nach hier. Dass die Blockierung auch andernorts wirken kann, zeigt dieser Blogartikel. Auch für weitere Beispiele verweise ich Sie nach dort – nein: dorthin.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Wortausbeute

Ich mag Wortzusammensetzungen. Vor allem in Bereichen, von denen ich nichts verstehe, gibt es immer wieder Komposita, die mich einfach ansprechen.

Ich war gestern kurz im Baumarkt, wo ich mit meinen zwei rechten Händen – ich bin Linkshänder – nicht sehr häufig anzutreffen bin. Hier die spontane Wortausbeute dieses Nichthandwerkers:

Felgenbürste
Kabeltrommel
Kombihammer
Zahnspachtel
Meisenknödel

Das letzte Wort gehört nicht zum Standardangebot eines Baumarktes, aber man findet es derzeit trotzdem auch dort. Es ist auch das einzige der fünf Produkte, das ich gekauft habe …

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Abgehängt und abgehangen

Frage

Ich bitte Sie um Beantwortung der Frage, ob der folgende Satz richtig ist: „Das Fleisch hat zwei Wochen im Reiferaum gehangen und ist jetzt sehr gut abgehängt.“ Es geht mir besonders um „abgehängt“ und „abgehangen“!

Ich bin mir nicht sicher, ob es sich bei dem abgehängten Fleisch doch vielleicht um ein Zustandspassiv handelt, da ja nicht gemeint ist, dass das Fleisch ohne Zwischenfälle von irgendwo abgenommen wurde, sondern dass es sich um seinen jetzigen Zustand handelt.

Antwort

Sehr geehrter Herr K.,

das Partizip abgehängt gehört zum transitiven Verb abhängen (etwas Aufgehängtes herunternehmen, etwas loskoppeln).

Sie hat Bild wieder abgehängt.
Der hinterste Wagen wird in Freiburg abgehängt.
Wir haben alle Konkurrenten abgehängt.

Das Partizip abgehangen gehört zum intransitiven Verb abhängen (u.a. durch längeres Hängen mürbe werden).

gut abgehangenes Rindfleisch

Es ist theoretisch möglich, zu sagen, dass das Fleisch sehr gut abgehängt ist. Mit diesem Zustandspassiv würde ausgerückt, dass das Fleisch sich in einem Zustand des Sehr-gut-vom-Haken-genommen-Seins befindet.

Wenn jedoch, wie ich stark vermute, gesagt werden soll, dass das Fleisch sehr schön mürbe (geworden) ist, muss es heißen:

Das Fleisch hat zwei Wochen im Reiferaum gehangen und ist jetzt sehr gut abgehangen.

Auch ich werde hoffentlich in gut zwei Wochen das intransitive Verb abhängen in umgangssprachlichem Sinn verwenden können: Ich habe in Portugal viel einfach nur abgehangen. Für diese Wortwahl bin ich allerdings nicht mehr jung genug – und wenn ich es noch wäre, hieße es nun wohl eher gechillt. Ich werde es einfach ruhig und entspannt angehen und zwei Wochen lang entsprechend wenig von mir hören lassen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Keine Korrigierung wegen Blockierung

Frage

Ich bin in den letzten Wochen auf zwei Wörter gestoßen, die mir Kopfzerbrechen bereiten: „Erbung“ und „Korrigierung“. Ich empfinde beide zwar nicht direkt als falsch, aber als unschön und würde dazu raten, sie z. B. durch „Erbschaft“ bzw. „Korrektur“ zu ersetzen. Was meinen Sie dazu?

Antwort

Sehr geehrter Herr S.,

die Wörter Erbung und Korrigierung sind korrekt mit einem im heutigen Deutsch aktiven Wortbildungsprozess gebildet worden (Verb-zu-Substantivableitung mit –ung). Insofern sind es mögliche Wörter. Dann greift aber ein Phänomen, das Blockierung (Blocking) genannt wird: Ein bereits etabliertes, häufig vorkommendes anderes Wort blockiert das Entstehen oder den Gebrauch dieser Wortbildungen. Die Wörter (das) Erbe, Erbschaft und Korrektur gibt es bereits mit dieser Bedeutung und sie sind allgemein bekannt. Sie blockieren die Bildung oder die Verwendung der deshalb „überflüssigen“ Wörter.

Ebenso werden zum Beispiel blockiert:

Stehler durch Dieb
Warmheit durch Wärme
Pferdin durch Stute

Die Blockierung wirkt aber nicht absolut. So gibt es zum Beispiel das Adjektiv unschön (siehe oben Ihre Frage), obwohl es auch hässlich gibt*, und im folgenden Sprichwort hebt der starke Wunsch nach einem Reim die Blockierung auf:

Der Hehler ist schlimmer als der Stehler.

Auch hier gibt es also keine unverrückbare Regel, die alle Fälle vorhersagen kann, aber diese Art der Blockierung erklärt, warum ich Ihnen jeweils eine Antwort und nie eine Antwortung schreibe.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

* Das Ajektiv unschön kann neben hässlich als Gegenteil von schön bestehen, weil es häufig ein leicht andere, „mildere“  Bedeutung hat. Es klingt weniger konfrontierend als hässlich.

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Wählen und wollen

Dieses Wochenende geht Deutschland zur Wahl. Deutschlands Bürgerinnen und Bürger haben dieses Wochenende die Möglichkeit, ihr Wahlrecht bei den Wahlen zum Bundestag auszuüben. Von diesem einmal hart erkämpfte Recht sollten meiner Meinung nach alle Gebrauch machen. Doch meine Meinung hierzu hat natürlich nichts mit Sprache, dem Thema dieses Blogs, zu tun.

Was hingegen mit Sprache oder besser Sprachgeschichte zu tun hat, ist die Herkunft des Wortes wählen (und des dazugehörende Substantivs Wahl). Wer nun eine spannende Geschichte erwartet, wird enttäuscht sein. Im Etymologischen Wörterbuch des Deutschen von Wolfgang Pfeifer steht:

wählen Vb. ‘(unter mehreren Möglichkeiten) aussuchen, nach eigenem Ermessen bestimmen’, ahd. wellen (8. Jh.), mhd. weln, wel(l)en […] ist zu der unter wollen (s. d.) angegebenen Wurzel ie. *u̯el- ‘wollen, wählen’ gebildet. Ahd. wellen (aus germ. *waljan) tritt auch als Infinitiv in das Paradigma des unter wollen behandelten Verbs ein.
(Zitiert nach DWDS)

Kurz zusammengefasst: wählen ist sprachgeschichtlich eng mit wollen verwandt.

Wer wählt, gibt an was er/sie will. Wenn Sie zur Wahl gehen, geben Sie mit Ihrer Stimme an, was Sie wollen. Sie geben mit Ihrer Stimme also nicht an, was Sie nicht wollen. Dessen sollten Sie sich bewusst sein, wenn Sie Ihre Stimme einer Partei geben.

Man verzeihe mir bitte diese außersprachliche Abschweifung.

Dr. Bopp

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Be- und entfüllen?

Kommentar

Ich möchte Ihnen die Bedeutung des Wortes „entfüllen“ erklären. Für mich heißt es, dass etwas geleert wird. Also „befüllen“ und „entfüllen“.

Antwort

Sehr geehrter Herr S.,

man kann tatsächlich ein Verb entfüllen mit dieser Bedeutung bilden. Bei Ihrem entfüllen drückt ent- aus, dass etwas wieder rückgängig gemacht wird: entfüllen = etwas Gefülltes leer machen. Ebenso zum Beispiel:

entbürokratisieren, entwarnen

Häufig drückt ent- das Gegenteil von be- oder ver- aus:

entkleiden, entwaffnen,
entkrampfen, entzaubern

In Verbindung mit einem Substantiv und einer Verbendung drückt ent- aus, dass etwas entfernt wird:

entwalden, entrußen, entkernen

Mit bestimmten Verben hat ent- die Bedeutung weg-:

entfliehen, entreißen

In Verbindung mit Adjektiven kann ent- die Bedeutung so sein rückgängig machen haben:

entmündigen, entmutigen, entpersönlichen

Interessant ist, dass bei Adjektiven, die eine Abwesenheit beinhalten, ent- das Gegenteil der oben genannten Bedeutung von ent- auszudrückt, nämlich so werden lassen:

entblößen, entfremden, entleeren

Und mit dem letzten Beispielwort, entleeren, sind wir beim Grund, weshalb man das Verb entfüllen zwar bilden kann, es aber nicht gebräuchlich ist. Etwas vereinfach ausgedrückt: Da es bereits ein gebräuchliches Verb mit derselben Bedeutung gibt, nämlich entleeren, wird das Verb entfüllen nicht benötigt. Nicht alles, was man korrekt bilden kann, wird auch gebraucht.

Das Verb entfüllen ist also nicht falsch, es wird nur nicht verwendet. Und ich sage bewusst nicht nie. Vor allem in technischen Texten kommt es nämlich gelegentlich in der Kombination be- und entfüllen vor. Das ist so schön kurz und bündig und klingt wie be- und entladen.

Mein Sommerurlaub ist zu Ende. Aber hoffentlich liegen noch viele sommerliche Tage vor uns, so dass wir die aufblasbaren Schwimmbecken in den Gärten noch lange nicht entleeren oder – mit „Ihrem“ Verb ausgedrückt – entfüllen müssen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Badeblume, Meerestau, königliches Kraut und andere aromatische Gewächse

Weil der Lavendel im Garten gerade so schön blüht, heute wieder einmal etwas Wortgeschichtliches.

Lavendel

 

Wie Sie vielleicht wissen, befällt mich hin und wieder die etymologische Neugier. Wieso heißt der Lavendel so, wie er heißt? Meine Französisch- und Italienischkenntnisse hatten mir schon eingeflüstert, dass der Name etwas mit laver resp. lavare (= waschen) zu tun haben könnte. Der Lavendel ist zurzeit zwar auch in nördlicheren Gebieten eine beliebte Gartenpflanze, aber er kommt ursprünglich doch aus südlicheren Gefilden, wo man laver und lavare sagt. Das würde dann ja passen.

Nach den Angaben der etymologischen Wörterbücher stimmt es sogar. Die Herkunft ist zwar unsicher, aber man nimmt an, dass es auf ein wahrscheinlich in Italien gebildetes lateinisches lavindula, lavendula zurückgeht, was ungefähr was zum Waschen dient bedeutete. Der Lavendel diente als wohlriechender Zusatz zum Wasch- oder Badewasser und verdankt seinen Namen wahrscheinlich dieser Tatsache.

Beim Lavendel war ich also auf der richtigen Spur. Bei einer anderen aromatischen Pflanze waren meine Vermutungen weniger zutreffend. Den Rosmarin assoziierte ich spontan mit Meerrose. Dabei störte mich weder die fehlende Ähnlichkeit mit einer Rose noch die Tatsache, dass das Wort dann eigentlich weiblich sein müsste, während es bei uns, aber auch z. B. im Französischen (romarin) und Italienischen (rosmarino) männlich ist. Bei marin (Meer-) lag ich noch richtig. Die Pflanze wuchs ursprünglich vor allem in Küstengebieten. Bei ros aber lag ich falsch. Dieser Wortteil wird nicht auf rosa = Rose, sondern auf ros = Tau zurückgeführt. Der Rosmarin trägt also den poetische Namen Meerestau, vielleicht dank der silbergrauen Unterseite seiner Blätter oder weil er im Tau des Meeres besonders gut wachsen soll.

Auch der Thymian trägt einen interessanten Namen. Er geht über ein paar „Umwege“ auf das griechische thýmon = Thymian zurück, das wiederum von thýein = ein Rauch- oder Brandopfer darbringen abgeleitet sei. Man habe diese Pflanze ihres Duftes wegen bei Brandopfern verwendet.

Der Basilikum kommt von griechisch basilikós = königlich, fürstlich. Es handelt sich also – dem stimmen sicher viele Fans von Tomaten und Insalata caprese zu – um ein königliches Kraut.

Langweiliger oder, wenn man will, mysteriöser ist schließlich die Herkunft der Namen Majoran und Oregano. Beide gehen auf ein griechisches Wort zurück. Beide waren aber auch im Griechischen schon Lehnwörter und bei beiden ist die weitere Herkunft unbekannt.

So weit der Exkurs in die Herkunft der Namen einiger aromatischer Pflanzen. Viel interessanter wäre natürlich, welche Köstlichkeiten man mit ihnen zubereiten kann, doch Rezepte gehören (leider!) nicht in diesen Blog.

Dr. Bopp

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