Archiv für Wortschatz

Karneval, Fasching Fas(t)nacht usw.

Herr G. hat mich gefragt, wie die Bezeichnung der Karnevals-, Faschings- resp. Fastnachtstage etwas vereinheitlicht werden könnte. Ich habe ihm darauf nicht allzu hilfsbereit (wofür ich ihn nochmals um Verzeihung bitte) geantwortet, dass ich eine Vereinheitlichung in diesem Bereich, der geradezu mit der Umkehrung der sonst geltenden Regeln zu tun hat und sehr regional geprägt ist, nicht für nötig halte. Hier eine Übersicht der gängigeren Namen:

Bereits hinter uns haben wir den Tag mit der größten Zahl verschiedener Bezeichnungen:

Weiberfasching, Wieverfastelovend, Fettdonnerstag, Schwerdonnerstag, Weiberfasnet, Altweiberfasching, Altweiberfastnacht, Schmutziger Donnerstag

Heute ist:

Rußiger Freitag, Karnevalsfreitag, Faschingsfreitag, Fastnachtsfreitag

Morgen haben wir dann:

Schmalziger Samstag, Nelkensamstag, Karnevalssamstag, Faschingssamstag, Fastnachtsamstag

Danach wird Auswahl an verschiedenen Bezeichnungen immer geringer. Auf den

Tulpensonntag, Karnevalssonntag, Faschingssonntag, Fastnachtssonntag

folgen:

Rosenmontag, Karnevalsmontag, Faschingsmontag, Fastnachtsmontag

Veilchendienstag, Karnevalsdienstag, Faschingsdienstag, Fastnachtsdienstag

Aschermittwoch

Da ich aus einer Region ohne Fastnacht komme und in einer Region ohne Karneval wohne, bin ich alles andere als ein Faschingsspezialist. Ich übernehme deshalb keine Verantwortung für die Korrektheit und Vollständigkeit der oben stehenden Liste und entlasse nun alle Narren und Närrinnen ins Narrentreiben und die anderen in ein hoffentlich schönes Wochenende.

Mit dem in Ihrer Region üblichen Narrenruf und einem freundlichen Gruß

Dr. Bopp

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Die poetische Note am Verschollensein

Frage

Wir zerbrechen uns seit einigen Tagen den Kopf über das Wort „verschollen“. Von welchem Wort leitet es sich ab? Gibt es nur diese eine Zeitform bei diesem Wort? Was ist der Infinitiv dieses Wortes? Kann etwas nur verschollen sein oder auch gerade dabei sein zu verschellen/verschallen/…. ?

Antwort

Guten Tag Herr H. und Herr B.,

das Adjektiv verschollen kommt tatsächlich von einem Verb, nämlich von verschallen. Es ist eine alte Perfektform – heute heißt es ja verschallen, verschallte/verscholl, verschallt –, die sich vom Verb gelöst und im 19. Jahrhundert die Bedeutung seit längerer Zeit mit unbekanntem Aufenthaltsort abwesend, unauffindbar erhalten hat. Man geht davon aus, dass die heutige Verwendung von verschollen, das ja eigentlich verklungen, verhallt bedeutete, als euphemistischer (beschönigender, verhüllender) Ausdruck für verschwunden, für Tot gehalten entstanden ist. Der, die oder das Verschollene ist also, poetisch ausgedrückt, verhallt und verklungen.

Das mag so besehen schön und dichterisch klingen, diese poetische Note ist aber leider ohne jeden Belang, wenn jemand konkret mit einer verschollenen Person oder Sache konfrontiert ist.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Über Uhr und Stunde

Frage

Woher kommt bitte der Ausdruck „Uhr“ als Zeitangabe (z. B. „Es ist ein Uhr“)? Handelt es sich um eine Abkürzung? Denn „Uhr“ mit Großbuchstaben ist nach wie vor Substantiv, aber als Zeitangabe im Gegensatz zum Ding „die Uhr“ ist die Zeitangabe ja unveränderlich und ohne Pluralform. Wie sind die Zusammenhänge, vielleicht von „Es ist eins an der Uhr“ […] zu „Es ist ein Uhr“?

Antwort

Guten Tag Frau T.,

Sie stellen eine berechtigte Frage: Warum verwenden wir das Wort Uhr bei der Angabe der Stunde des Tages? Wenn wir beim Ursprung (dieses Wort konnte ich mir hier einfach nicht verkneifen) von Uhr anfangen, wird die Sache nicht auf Anhieb deutlicher. Es zeigt sich dann nämlich, dass man die Frage eigentlich umgekehrt formulieren muss: Weshalb verwenden wir Uhr für ein Zeitmessgerät?

Das Wort Uhr kam vom griechischen ὥρα über das lateinischen hora zu uns und bedeutete wie dieses Stunde (vgl. eng. hour, frz. heure, ital. ora, span. u. port. hora, nld. uur). Uhr wurde für Zeitangaben verwendet und dabei häufig auch gebeugt (eine Uhr, zwei Uhren). Im Laufe der Zeit war in Zeitangaben nur noch die ungebeugte Singularform Uhr gebräuchlich (ein Uhr, zwei Uhr). Dann verschiebt sich die Bedeutung vom Gemessenen auf das Messende, das heißt, seit dem 15. Jahrhundert wird Uhr auch für Stundenmesser und Uhrwerk verwendet. Im heutigen Deutschen ist Uhr mit der ursprünglichen Bedeutung Stunde nur in Zeitangaben bewahrt geblieben.

Für den Begriff Stunde gab es nämlich auch schon ein Wort: stunta bedeutete schon im Althochdeutschen Stunde, Zeit, Zeitpunkt. Man nimmt an, dass es eine Ableitung des Stamms stand (zu stehen) ist. Ursprünglich soll es stehender Punkt, Haltepunkt im Zeitverlauf bedeutet haben, später festgesetzte Zeit, bestimmter Zeitraum. Seit etwa dem 15. Jahrhundert bezeichnet Stunde wie heute den auf der Uhr markierten Zeitabschnitt des 24-stündigen Tages.

Etwas gar grob zusammengefasst haben sich Uhr und Stunde im gleichen Bedeutungsfeld bewegt, bis ab etwa dem 15. Jahrhundert jedes Wort seine eigene Aufgabe erhielt. Bei der Zeitangabe Uhr für die Stunde des Tages kommen sie einander auch heute noch sehr nahe.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Maharadscha, Maharani, mega, Michelsdorf und Mecklenburg

Vor ein paar Tagen bin ich in der Sommerflaute wieder einmal über einen alten Filmklassiker gestolpert: Der Tiger von Eschnapur von Fritz Lang aus dem Jahr 1958. Es geht dabei um eine etwas komplizierte Abenteuer- und Liebesgeschichte, in der ein blutrünstiger Tiger, ein tapferer deutscher Ingenieur, eine bildschöne indische Tempeltänzerin, die durch Heirat mit dem Maharadscha zur Maharani wird, sowie zünftige Portionen Liebe, Heldenmut, Eifersucht und Hinterhältigkeit eine Rolle spielen. Wenn Sie melodramatisches Drama und Abenteuer mögen, sicher empfehlenswert.

Mir geht es hier aber mehr um die schönen Wörter Maharani und Maharadscha, deren Herkunft ich kurz nachgeschlagen habe (solche Dinge tun Sprachler bei Hitze und Sommerflaute …). Die beiden Wörter kommen aus dem Hindi, der Sprache, die vor allem in Nordindien gesprochen wird und offizielle Amtssprache Indiens ist. Die Wörter setzen sich aus zwei Teilen zusammen, nämlich

mahā = groß
rājā = König, Fürst; rānī = Königin, Fürstin

Ein Maharadscha ist also ein großer Fürst und hat entsprechend einen höheren Rang als ein Radscha.

Interessant finde ich, dass diese Wörter zeigen, dass es trotz beträchtlicher Distanz eine Verwandtschaft zwischen den indischen und den europäischen Sprachen gibt, die zusammen die indoeuropäische Sprachfamilie bilden:

rājā und rānī sind mit rex (lat. für König), regieren und über zwei Ecken mehr auch mit reich/rich/riche/rico/ricco verwandt;

mahā ist mit griechisch mega und mit dem alten germanischen Wort mikil = groß verwandt. „Überlebt“ hat mikil noch in Ortsnamen wie Michelsdorf und Mecklenburg.

Nun sollte auch klar sein, was die Wörter im Titel miteinander zu tun haben. Sie sind miteinaner verwandt: groß. Den krampfhaften Versuch, sie alle vier in einem eleganten und humoristischen Schlusssatz zusammenzubringen, erspare ich Ihnen heute.

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Standstreifenertüchtigung

Manchmal kann ich meine Schweizer Wurzeln noch weniger verleugnen als sonst. So konnte ich vor einigen Tagen meinen Augen kaum trauen, als ich auf einer deutschen Autobahn das Wort „Standstreifenertüchtigung“ las. Ich habe sofort verstanden, was gemeint ist, und dennoch würde ich dieses Wort nie, aber auch gar nie selbst verwenden.

„Standstreifenertüchtigung“ ist ein durch und durch bundesdeutsches Wort. Das fängt natürlich damit an, dass der Standstreifen resp. die Standspur in der Schweiz und – soweit ich weiß – auch in Österreich meistens „Pannenstreifen“ genannt wird.

Weiter geht es damit, dass mit „Ertüchtigung“ ein Fachwort aus dem Bauwesen für eine Mitteilung verwendet wird, die an die Allgemeinheit gerichtet ist. Als Nichtbaufachmensch assoziiere ich „Ertüchtigung“ eigentlich nur mit der Leibesertüchtigung zu Zeiten des Turnvaters Jahn. Ich habe ganz allgemein das Gefühl (beweisen kann ich es nicht), dass ich in Deutschland viel häufiger Fachwörtern wie Schraubendreher, Außenleuchte oder Kleinkraftrad begegne als in der Schweiz.

Als Letztes sei die Vorliebe für lange Wörter genannt, sobald es amtlich oder formell wird. Die „Standstreifenertüchtigung“ wird in der Schweiz eher als „Erneuerung des Pannenstreifens“ oder „Sanierung des Pannenstreifens“ angekündigt, wenn nicht sowieso einfach „Baustelle“ zu lesen oder ein dreieckiges Warnschild mit einem schaufelnden Menschen zu sehen ist. Als weiteres Beispiel kann „Landwirtschaftsförderungsgesetz“ dienen, das in der Schweiz meistens nicht so, sondern „Gesetz über die Förderung der Landwirtschaft“ genannt wird.

Natürlich ist nicht alles schwarz und weiß. Zu all diesen Aspekten gibt es hüben wie drüben Gegenbeispiele. Ich wollte nur aufzeigen, wie ich mir mein großes Erstaunen über „Standstreifenertüchtigung“ zu erklären versucht habe. Ich war nämlich sehr erstaunt, dass ich so sehr erstaunt war.

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Schöne Fremdwörter: extraflorale Nektarien

Man lernt ja immer wieder Neues. Am vergangenen Wochenende war es bei mir die Antwort auf die folgende Frage: Weshalb summt der Kirschlorbeerstrauch im Garten meiner Eltern wie ein Bienenkorb? Bienen zuhauf, obwohl im ganzen Strauch keine einzige Blüte zu entdecken ist. Wie immer, wenn es um solche „lebenswichtigen“ Fragen geht, schauten alle mich an, weil ich meistens der Erste bin, der blinzelt und zum Browser greift. So habe ich auch diesmal die Antwort auf dem Internet gefunden:

Der Kirschlorbeer hat extraflorale Nektarien. Das sind Nektardrüsen, die nicht in einer Blüte, sondern an der Unterseite des Blattes zu finden sind. Trotz ihres eindrücklichen Namens sind sie fürs menschliche Auge nur unscheinbare kleine braune Punkte. Wozu der Lorbeer dort Nektar erzeugt, ist mir ein Rätsel geblieben, nach dem Summkonzert zu schließen scheint er aber für die Bienen unwiderstehlich zu sein.

Mir hat auch der wissenschaftliche Name gefallen. Der Ausdruck beschreibt nämlich bei genauerem Hinsehen so schön, worum es geht. (Ich musste allerdings noch im Fremdwörterbuch nachschauen, wie die Einzahl von Nektarien lautet: die Nektarie oder das Nektarium? Antwort weiter unten.)

extra = außerhalb
vgl. z. B. extragalaktisch (außerhalb unserer Galaxie), extraordinär (außergewöhnlich), extraterrestrisch (außerirdisch)

floral = Blüten betreffend
vgl. z. B. Florist (Blumenhändler), florieren (blühen; sich günstig entwickeln)

Nektarium ≈ wo es Nektar gibt

Man könnte also extraflorale Nektarien schon fast poetisch als außerblumische Honigdrüsen in ein bisschen weniger fremdwortlastiges Deutsch übersetzen. Und ich hätte bis gestern mit großer Sicherheit behauptet, dass der Sammelfleiß der Bienen sich in der Natur nur auf Blüten beschränkt.

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Warum es nicht „nach hier“ heißt

Frage

Mein Mitbewohner und ich streiten uns seit einiger Zeit darüber, ob „nach hier“ grammatikalisch korrekt ist. Er kommt aus einer anderen Stadt und bittet mich des Öfteren „nach hier zu kommen“. Ich bin der Meinung, dass diese Formulierung falsch ist, kann ihm jedoch auch nicht erklären warum.

Antwort

Guten Tag Frau R.,

in der Standardsprache und eigentlich auch umgangssprachlich ist nach hier tatsächlich nicht üblich. Man verwendet stattdessen:

hierher o. hierhin
Ich bitte dich hierherzukommen.
Schau bitte hierher!
Ich habe die Schere hierhingelegt.

Die Formulierung nach hier ist rein grammatisch möglich (vgl. nach oben, nach hinten, nach draußen usw.). Sie wird trotzdem nicht verwendet, weil das Wort hierher sie blockiert. Mit „Blockierung“ ist Folgendes gemeint: Ein bereits etabliertes, häufig vorkommendes anderes Wort verhindert das Entstehen oder den Gebrauch einer Form. Hier blockiert das geläufige hierher die Wendung nach hier. Dass die Blockierung auch andernorts wirken kann, zeigt dieser Blogartikel. Auch für weitere Beispiele verweise ich Sie nach dort – nein: dorthin.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Wortausbeute

Ich mag Wortzusammensetzungen. Vor allem in Bereichen, von denen ich nichts verstehe, gibt es immer wieder Komposita, die mich einfach ansprechen.

Ich war gestern kurz im Baumarkt, wo ich mit meinen zwei rechten Händen – ich bin Linkshänder – nicht sehr häufig anzutreffen bin. Hier die spontane Wortausbeute dieses Nichthandwerkers:

Felgenbürste
Kabeltrommel
Kombihammer
Zahnspachtel
Meisenknödel

Das letzte Wort gehört nicht zum Standardangebot eines Baumarktes, aber man findet es derzeit trotzdem auch dort. Es ist auch das einzige der fünf Produkte, das ich gekauft habe …

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Abgehängt und abgehangen

Frage

Ich bitte Sie um Beantwortung der Frage, ob der folgende Satz richtig ist: „Das Fleisch hat zwei Wochen im Reiferaum gehangen und ist jetzt sehr gut abgehängt.“ Es geht mir besonders um „abgehängt“ und „abgehangen“!

Ich bin mir nicht sicher, ob es sich bei dem abgehängten Fleisch doch vielleicht um ein Zustandspassiv handelt, da ja nicht gemeint ist, dass das Fleisch ohne Zwischenfälle von irgendwo abgenommen wurde, sondern dass es sich um seinen jetzigen Zustand handelt.

Antwort

Sehr geehrter Herr K.,

das Partizip abgehängt gehört zum transitiven Verb abhängen (etwas Aufgehängtes herunternehmen, etwas loskoppeln).

Sie hat Bild wieder abgehängt.
Der hinterste Wagen wird in Freiburg abgehängt.
Wir haben alle Konkurrenten abgehängt.

Das Partizip abgehangen gehört zum intransitiven Verb abhängen (u.a. durch längeres Hängen mürbe werden).

gut abgehangenes Rindfleisch

Es ist theoretisch möglich, zu sagen, dass das Fleisch sehr gut abgehängt ist. Mit diesem Zustandspassiv würde ausgerückt, dass das Fleisch sich in einem Zustand des Sehr-gut-vom-Haken-genommen-Seins befindet.

Wenn jedoch, wie ich stark vermute, gesagt werden soll, dass das Fleisch sehr schön mürbe (geworden) ist, muss es heißen:

Das Fleisch hat zwei Wochen im Reiferaum gehangen und ist jetzt sehr gut abgehangen.

Auch ich werde hoffentlich in gut zwei Wochen das intransitive Verb abhängen in umgangssprachlichem Sinn verwenden können: Ich habe in Portugal viel einfach nur abgehangen. Für diese Wortwahl bin ich allerdings nicht mehr jung genug – und wenn ich es noch wäre, hieße es nun wohl eher gechillt. Ich werde es einfach ruhig und entspannt angehen und zwei Wochen lang entsprechend wenig von mir hören lassen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Keine Korrigierung wegen Blockierung

Frage

Ich bin in den letzten Wochen auf zwei Wörter gestoßen, die mir Kopfzerbrechen bereiten: „Erbung“ und „Korrigierung“. Ich empfinde beide zwar nicht direkt als falsch, aber als unschön und würde dazu raten, sie z. B. durch „Erbschaft“ bzw. „Korrektur“ zu ersetzen. Was meinen Sie dazu?

Antwort

Sehr geehrter Herr S.,

die Wörter Erbung und Korrigierung sind korrekt mit einem im heutigen Deutsch aktiven Wortbildungsprozess gebildet worden (Verb-zu-Substantivableitung mit –ung). Insofern sind es mögliche Wörter. Dann greift aber ein Phänomen, das Blockierung (Blocking) genannt wird: Ein bereits etabliertes, häufig vorkommendes anderes Wort blockiert das Entstehen oder den Gebrauch dieser Wortbildungen. Die Wörter (das) Erbe, Erbschaft und Korrektur gibt es bereits mit dieser Bedeutung und sie sind allgemein bekannt. Sie blockieren die Bildung oder die Verwendung der deshalb „überflüssigen“ Wörter.

Ebenso werden zum Beispiel blockiert:

Stehler durch Dieb
Warmheit durch Wärme
Pferdin durch Stute

Die Blockierung wirkt aber nicht absolut. So gibt es zum Beispiel das Adjektiv unschön (siehe oben Ihre Frage), obwohl es auch hässlich gibt*, und im folgenden Sprichwort hebt der starke Wunsch nach einem Reim die Blockierung auf:

Der Hehler ist schlimmer als der Stehler.

Auch hier gibt es also keine unverrückbare Regel, die alle Fälle vorhersagen kann, aber diese Art der Blockierung erklärt, warum ich Ihnen jeweils eine Antwort und nie eine Antwortung schreibe.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

* Das Ajektiv unschön kann neben hässlich als Gegenteil von schön bestehen, weil es häufig ein leicht andere, „mildere“  Bedeutung hat. Es klingt weniger konfrontierend als hässlich.

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