Archiv für Wortschatz

Schnorcheln klingt, wie wenn man es nicht kann.

Der Urlaub war schön: Sonne, Wärme, Strand, schwimmen und – wie sich das für tropische Gewässer gehört – schnorcheln. Dabei habe ich viele bunte Fische und sogar einige Muränen, zwei kleine Seeschildkröten und einen Rochen gesehen. Letzterer war zum Glück kein Riesenexemplar, so dass ich bei seinem Anblick nur mäßig erschrocken bin. Ich tauge eben doch mehr zum Schreibtischtäter als zum Unterwasserhelden.

Über den Unterwasserhelden, der ich nicht bin, kommen wir langsam zu einem eher sprachlichen Thema. Das Word schnorcheln klingt nämlich ganz wie jemand, der nicht schnorcheln kann. Nehmen Sie einmal an, dass Sie beim Schnorcheln Salzwasser in Mund und/oder Nase gekriegt haben, und stellen Sie sich dann vor, wie Sie nach der Wassereinnahme, aber noch vor dem Hustenanfall klingen. Schnorchel trifft es vielleicht nicht ganz, aber es kommt dem Geräusch doch sehr nahe.

Ich wollte also wieder einmal wissen, woher ein Wort kommt. Wir haben es für einmal nicht aus dem Englischen übernommen. Das englische snorkel ist im Gegenteil ein Lehnwort aus dem Deutschen, obwohl die deutschen Küsten im Allgemeinen nicht gerade als Schnorchelparadies bekannt sind. Ein Schnorchel ist nicht nur ein Atemrohr zum Schwimmen unter Wasser, sondern auch ein ausfahrbarer hohler Mast, durch den U-Boote auf Sehrohrtiefe Luft für die Maschinen ansaugen können, ohne auftauchen zu müssen.  Deutsche U-Boote sollen die ersten mit einem solchen Schnorchel gewesen sein. Das erklärt den Wortexport ins Englische vielleicht besser.

Nach den Angaben, die ich finden konnte, geht Schnorchel auf das landschaftliche Wort Schnorgel oder Schnörgel zurück, das Mund, Nase, Schnauze bedeutet. Schnorgel ist ein lautmalerisches Wort, das unter anderem mit dem ebenfalls lautmalerischen schnarchen verwandt ist. Diesmal hat mich also mein erste Intuition wider Erwarten nicht ganz getäuscht. Und wenn sie in Zukunft beim Schnorcheln einmal Wasser statt Luft schnappen, ist das zwar immer noch unangenehm, aber Sie können sich wenigstens mit dem Gedanken „trösten“, dass Sie damit sozusagen zum lautmalerischen Ursprung des Wortes zurückgekehrt sind.

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Das große O und das kahle Ü: Omega und Ypsilon

Letzthin hatte ich wieder einmal ein „sprachliches Aha-Erlebnis“. Es ging um den Ausdruck das A und das O, der die Bedeutung das Wichtigste, die Hauptsache, der Kernpunkt hat. Der Ausdrucks ist auch in der Bibel zu finden: Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende, spricht Gott der Herr (Offenbarung 1,8). Der Vergleich bezieht sich auf griechische Alphabet, in dem Alpha (A) der erste und Omega (Ω) der letzte Buchstabe ist. Man findet die Buchstabenkombination A und Ω deshalb oft als Symbol auf Türen, Fenstern und Gemälden in Kapellen, Kirchen und Kathedralen.

Soweit so gut. Aber warum steht denn das Ω im griechischen Alphabet an letzter Stelle, während unser O im Alphabet in der hinteren Mitte angesiedelt ist? Solche unerwarteten und wenig überlebenswichtigen Fragen kommen eben manchmal in mir auf, ohne dass ich etwas dagegen tun könnte. Ein Blick auf das griechische Alphabet zeigt, dass unser O nicht auf das Omega, sondern auf das griechische Omikron zurückgeht, das die gleiche runde Form und ebenfalls eine Position in der hinteren Mitte hat. Omega – Omikron. Plötzlich war mir die Bedeutung des Wortes Omega klar: großes O. Mega bedeutet ja groß, wie man mit etwas Phantasie leicht aus Wörtern wie Megaprojekt, Megastar und megacool herleiten kann. Das Omikron ist dann das kleine O, denn mikro bedeutet ja klein (vgl. Mikroskop, Mikroklima und Mikrokredit). Tatsächlich steht im Griechischen das Omega, das große O, für ein langes O und das Omikron, das kleine O, für ein kurzes O. Fall geklärt.

Damit war aber diesmal die Neugierde des Dr. Bopp noch nicht ganz zufrieden. Ein anderer griechischer Buchstabe mit einem langen Namen ist das Ypsilon. Was hat es damit auf sich? Da mein Griechisch äußerst beschränkt ist (viel weiter als mega–mikro, kalimera–kalispera und efcharisto–parakalo bin ich auch nach mehrmaligem Griechenlandurlaub nie gekommen) musste ich etwas weiter suchen. Das Ypsilon ist auf Griechisch das υ psilon. Das bedeutet auf Deutsch das einfache Y, oder wörtlicher das bloße, kahle Y. Das Wort psilon findet sich noch in Fremdwörtern wie Psilose, einer Bezeichnung für krankhaften Haarausfall, und Psilocybe, dem Namen der Pilzgattung der Kahlköpfe. Doch ich schweife wieder einmal ab.

Inwieweit ist das Y also kahl, bloß oder einfach? Im Frühgriechischen wurde es wie ein u ausgesprochen und hieß auch so. Im klassischen Griechisch verschob sich die Aussprache zu ü und später dann zu i. Irgendwann einmal fiel diese Aussprache mit der Aussprache der Buchstabenkombination oι zusammen. Im Gegensatz zum zweibuchstabigen oι war das Y also bloß oder eben einfach. Das Gleiche gilt übrigens für das Epsilon, dass als einfaches ε der im Griechischen gleich ausgesprochenen Buchstabenkombination aι gegenübersteht.

Noch kurz zur Aussprache: Die im heutigen Standarddeutschen übliche Aussprache ü (Ägüpten, hüpermodern) geht auf den Einfluss der Schulbildung zurück, die sich dabei am klassischen Griechisch orientiert. Noch bis im 19. Jahrhundert soll der Buchstabe y auch im Deutschen wie in den meisten anderen Sprachen einschließlich des Neugriechischen wie ein i ausgesprochen worden sein. Das y in Bayern haben die Bayern übrigens ihrem König Ludwig I. zu verdanken, der als großer Philhellene (Freund des Griechentums) per Anordnung verfügte, dass Baiern zu Bayern werden sollte. Man sieht wieder einmal mehr: Nicht alles was alt aussieht, ist es auch.

Was man nicht alles über Buchstaben schreiben kann! Ich höre jetzt aber trotzdem auf und verweise sie nur noch auf diese Seite.

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Altweibersommer

In der Ecke, in der ich weile, konnte man am vergangenen Wochenende prächtigstes Nachsommerwetter genießen: sonnig und warm, ohne dass man ins Schwitzen käme. Ein richtiger Altweibersommer. Ich mag nicht nur diesen Wettertyp, sondern auch das Wort: Altweibersommer.

Ich dachte immer, dass der Altweibersommer so genannt wird, weil er ideal ist für ältere Damen (früher nicht  allzu abschätzig gemeint alte Weiber genannt), die sonst über den Kreislauf belastende Hitze oder Gelenkschmerzen fördernde Nasskälte zu klagen haben. Das würde auch erklären, weshalb ich dieses Wetter mag, denn zu der Katogorie gehöre ich ja auch schon bald. Ich bin zwar keine Dame, aber doch schon etwas älter und hin und wieder über die Gesundheit klagend. Über Gesundheitsprobleme und die aktuelle Wetterlage zu klagen ist bekanntlich nicht nur dem weiblichen Geschlecht eigen. Wie dem auch sei, meine Ideen zur Wortherkunft stimmen nicht. Es gibt nämlich eine poetischere Erklärung:

Der Altweibersommer verdankt seinen Namen den Spinnenfäden, die im Herbst durch den Wind davongetragen werden. Ob diese Spinnenfäden mit den grauen Haaren alter Frauen verglichen wurden? Sie haben auf jeden Fall noch andere schöne Namen wie Marienseide, Marienfäden oder Herbstfäden. Es könnte auch sein, dass weib nicht mit dem alten Wort für Frau, sondern mit weiben, einem alten Wort für weben, zu tun hat. Wie sich die Herkunft des Wortes Altweibersommer genau erklären lässt, ist also nicht völlig geklärt.

Auch wenn es vielleicht nicht ganz stimmt, gehe ich doch noch davon aus, dass Altweibersommer eine Zusammensetzung ist, die aus einem Adjektiv und zwei Substantiven besteht. Dieser Wortbildungstyp kommt relativ häufig vor, insbesondere mit Zahlwörtern an erster Stelle. Er bildet Wörter wie Achtfamilienhaus, Fünfsternehotel, Vielvölkerstaat und Mehrparteiensystem, aber eben auch so schöne Wortschöpfungen wie Dreitagebart, Hinterzungenvokal, Schwarzfersenantilope, Sechstagerennen, Siebenmeilenstiefel, Weißwangengans, Weitstreckenwagen, Zwölfprophetenbuch und (vielleicht) Altweibersommer.

Weitere Beispiele finden Sie auf dieser Seite.

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eins Komma fünf, eineinhalb und anderthalb

Im letzten Beitrag ging es um eine Wendung mit Ordnungszahlen (zu viert). Dazu kommt mir heute noch etwas nicht so Wichtiges, aber doch nicht ganz Uninteressantes in den Sinn, auf das ich letzthin gestoßen bin: das Wort anderthalb.

Es ist leicht zu verstehen, dass man für 1½ eineinhalb oder einundeinhalb sagt. Daneben gibt es aber auch noch anderthalb. Persönlich finde ich, dass eineinhalb und anderthalb nicht ganz das Gleiche bedeuten. Wenn man eineinhalb Stunden hat warten müssen, dann hat man ziemlich genau 90 Minuten gewartet. Hat man anderthalb Stunden gewartet, betrug die Wartezeit eher eine Stunde und dann noch ungefähr eine halbe. In anderen Worten: Es gibt das mathematisch genaue eins Komma fünf, das etwas lockerer zu nehmende eineinhalb und dann noch anderthalb, das aus der Zeit stammt, in der es noch keine Stoppuhren und Präzisionswaagen gab und man diese wahrscheinlich auch gar nicht vermisste. Wenn ich so darüber nachdenke, wird mir das Wort so richtig sympathisch.

Doch woher kommt es? Hier sind wir dann endlich bei den eingangs erwähnten Ordnungszahlen angelangt: Der Teil ander… ist nichts anderes als das Wort andere, das früher auch die Bedeutung zweite hatte. Im Schwedischen (andra), Norwegischen (annen) und Dänischen (anden) verwendet man auch heute noch das gleiche Wort für andere und zweite. Das Wort bedeutete also eigentlich so etwas wie zweithalb. Und genau so konnte man früher im Deutschen Zahlenangaben machen:

anderthalb (*zweithalb) = eineinhalb
dritthalb = zweieinhalb
vierthalb = dreieinhalb
fünfthalb = viereinhalb
usw.

Man zählte also nicht zwei und ein Halbes zusammen, sondern gab an, dass das Dritte nur zur Hälfte mitgerechnet werden durfte. So kann übrigens auch das t erklärt werden: Weil ander in der Bedeutung zweit nicht mehr so gebräuchlich war, wurde das t in Anologie mit den Ordnungszahlen (viert…, fünft… usw.) eingefügt. So erklärt es zumindest das renommierte historische Wörterbuch der Gebrüder Grimm.

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Okay: all correct oder Otto Kowalski?

Frage

Woher kommt eigentlich der Ausdruck o. k.?

Antwort

Auf diese Frage gibt es viele Antworten, denn niemand scheint es genau zu wissen. Der Duden zum Beispiel beschränkt sich auf ein einfaches H. u. (Herkunft unbekannt). Das ist gut verständlich, denn die große Anzahl der Theorien lässt sich kaum in einem Wörterbuchartikel zusammenfassen.

Da es sich um einen Ausdruck aus dem amerikanischen Englisch handelt, habe ich auch in DEM amerikanischen Online-Wörterbuch, dem Merriam-Webster, nachgeschaut. Es soll sich bei O.K. um eine absichtlich falsch geschriebene Abkürzung für all correct handeln. Das ist plausibel, denn man spricht das ja ungefähr als ool korrekt aus, so dass o. k. sicher als gesprochene Abkürzung viel besser passt als a. c. Außerdem soll es in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts in Boston und Umgebung Mode sein gewesen, solche falsch oder phonetisch geschriebenen Abkürzungen zu verwenden. Der Ausdruck kommt dann auch zum ersten Mal im Frühjahr 1839 in der Boston Morning Post“ nachweislich in gedruckter Form vor.

Viel interessanter und zum Teil lustiger sind aber andere Erklärungen und Erklärungsversuche. Hier ein Griff aus der Wundertüte:

Eine Erklärung greift auf das Griechische zurück: o. k. soll auf ‘olos kalos (alles gut) zurückgehen. Eine andere These besagt, dass okay von den Siedlern aus der Sprache der Choctaw-Indianer übernommen worden sei. Dort bedeutet der Begriffe okeh soviel wie in der Tat.

Aus der Armeewelt stammt die Erklärung, es sei eine Abkürzung für den Ausdruck order known, mit dem ein Befehl quittiert wurde, oder eine Abkürzung für zero killed (0k, keiner tot), was man wirklich als äußerst okay ansehen darf.

Am besten gefallen mir aber die Erklärungen, die mit Initialen zu tun haben. Zum Teil sind sie nur schon deshalb nicht plausibel, weil sie die Entstehung der Abkürzung auf eine Zeitpunkt nach 1839 festlegen. Hier eine kurze Auswahl:

  • Orrin Kendall & Sons, ein Biskuithersteller, der während des amerikanischen Bürgerkrieges Kekse an die Armee lieferte. Ob diese Kekse so gut waren?
  • Oswald Kowalski (oder Otto Kaiser, Otto Krause u.a.), der Leiter der Qualitätssicherung bei den Ford-Werken in Detroit. Jedes Auto, das das Band verließ, hatte ein Prüfzertifikat, das er mit dem Kürzel OK unterzeichnete.
  • Oskar Keller, ein Kartoffelzüchter, der auf jede Kiste seine Initialen stempelte und immer gleichbleibend hohe Qualität geliefert haben soll.

Noch mehr Theorien finden Sie auf Wikipedia oder zum Beispiel auch hier.

Und weil ich es wieder einmal nicht lassen kann, hier noch etwas zur Rechtschreibung: Man schreibt den ausgeschriebenen Ausdruck als Adjektiv und Adverb klein und als Substantiv groß. Bei der Abkürzung hat man etwas mehr Freiheit:

Alles ist okay.
sein Okay geben

Alles ist o. k. oder O. K.
sein O. K. geben

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Türkische Birnen statt Quitten

Heute wieder einmal etwas Persönlicheres: Dr. Bopp kocht – nicht etwa bei Canoo, sondern ganz privat zu Hause. Dieses Wochenende soll es sogar etwas Ausländisches“ mit Lammfleisch, Pflaumen und Quitten geben. Da stellt man sich gleich drei Fragen: Wann haben Quitten Saison, wo kauft man sie und wie kommen sie zu ihrem Namen? Da dies nicht in eine Kochrubrik ausarten soll, beschäftige ich mich hier mit der dritten Frage. Regelmäßigere Besucherinnen und Besucher dieses Blogs wird es kaum wundern: Bei einem mit Q beginnenden Wort will man als Sprachler“ einfach wissen, woher es kommt.

Dieser Frage nachzugehen war diesmal ganz einfach: Das Wort Quitte geht über verschiedene Schritte wie vulgärlateinisch quidonea und lateinisch cydonia auf das griechische kydonia mela zurück. Das wiederum heißt Apfel aus Kydonia. Kydonia war eine antike Hafenstadt im Nordosten Kretas. Heute heißt die Stadt übrigens Chania. Wenn sie einmal in der Gegend sind, ist die etwas gar touristische griechische Hafenstadt mit ihren vielen venezianischen Einflüssen einen Besuch mehr als wert. Ob ich dort auf dem Markt Quitten gefunden hätte?

Ich konnte nämlich keine Quitten finden. Ich habe mir sagen lassen, dass ihre Saison wie diejenige der zur gleichen Familie gehörenden Äpfel und Birnen erst im September beginne. Ich habe dann halt beim türkischen Gemüsehändler türkische Birnen gekauft. Das sind zwar keine Quitten, aber es sind immerhin ebenfalls gelbe Früchte und sie kommen aus etwa der gleichen geographischen Ecke wie ursprünglich der kydonische Apfel“. (Weshalb gibt es schon türkische Birnen, aber noch keine türkischen Quitten? Das hätte ich den Gemüsehändler fragen müssen!)

Zum Schluss noch eine kleine, fast schon hämische Bemerkung: Bei Quitte, Quittung, Quelle, quasi, quer und Querulant hat die Rechtschreibreform eine ausgezeichnete Möglichkeit verpasst, weiteres äußerst empörtes Aufschreien zu provozieren. Man hätte ja einfach Kwitte, Kwittung, Kwelle, kwasi, kwer und Kwerulant schreiben können. Mich persönlich hätte das übrigens gar nicht so furchtbar gestört, außer dass der arme Buchstabe q im Deutschen ein Außenseiterdasein hätte fristen müssen, da er dann eigentlich nur noch in fremdsprachigen Zitaten vorgekommen wäre.

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Schweizer, schweizerisch, eidgenössisch

Die drei Wörter Schweizer, schweizerisch, eidgenössisch hören sich zwar fast wie Steigerungsformen an, aber sie sind keine Gradangaben für die Intensität des Schweizerischseins. Das müsste man eher mit schweizerisch, schweizerischer, am schweizerischsten ausdrücken. Schweizer, schweizerisch und eidgenössisch sind drei Adjektive, die sich in unterschiedlicher Weise auf die Schweiz beziehen.

Mit eidgenössisch meint man die Schweiz als Staat. Wie Sie wahrscheinlich wissen heißt die Schweiz ja offiziell die Schweizerische Eidgenossenschaft. Es gibt zum Beispiel eidgenössische Wahlen, eidgenössische Politik und eidgenössisch diplomierte Apotheker und Apothekerinnen. In Eigennamen aller Art wird das Adjektiv großgeschrieben: das Eidgenössische Departement des Inneren, die Eidgenössische Technische Hochschule ETH und (wenigstens ein Klischee sei mir hier gegönnt) das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest.

Nicht immer wird aber bei die gesamte Eidgenossenschaft Betreffendem das Wort eidgenössisch verwendet. Auch wenn die Armee in der Schweiz eine gesamtschweizerische Staatsangelegenheit ist, kommt in ihrem Namen das Wort eidgenössisch nicht vor. Sie heißt offiziell die Schweizer Armee. Und hiermit sind wir bei einem weiteren Adjektiv: Schweizer. Wir kennen es (ich kann es doch nicht nur bei einem Klischee lassen) vom Schweizer Käse, der Schweizer Schokolade, den Schweizer Alpen und dem Schweizer Franken. Das Adjektiv wird immer großgeschrieben, ist unveränderlich und kann nur vor dem Nomen stehen. Wenn es gebeugt oder an einer anderen Stelle stehen soll, muss auf schweizerisch ausgewichen werden: Die beste Schokolade ist die schweizerische.

Gibt es darüber hinaus noch einen Unterschied zwischen Schweizer und schweizerisch? – Nicht wirklich. Es gibt unter anderem eine Tendenz, dass Schweizer eher in feststehenden Bergriffen verwendet wird. So gibt es nur den Schweizer Franken, nicht aber den schweizerischen Franken. Schweizer Käse ist schon fast eine Art Institution oder Appellation contrôlée, während schweizerischer Käse einfach nur nach Käse aus der Schweiz klingt. Schon bei der Schweizer Uhrenindustrie und der schweizerischen Uhrenindustrie ist es aber kaum mehr möglich, einen Bedeutungsunterschied zu entdecken. Auch Namen von Instituten, Organisationen u.Ä. folgen dieser Tendenz nicht: Es heißt zwar offiziell die Schweizer Armee, aber es ist das Schweizerische Rote Kreuz; und ausgerechnet die Bezeichnung des Landes lautet nicht die Schweizer Eidgenossenschaft, sondern die Schweizerische Eidgenossenschaft.

Dieser Beitrag ist der Tatsache zu verdanken, dass der heutige 1. August – wie schon vor einem Jahr erwähnt – der schweizerische oder Schweizer Nationalfeiertag ist.

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So eine frabannte Ähnlichkeit

Frage

Karl Valentin, ein Münchner Komiker der 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts, benutzte in einem seiner Dialoge das Wort frabannt im Satz „So eine frabannte Ähnlichkeit!“ Könnten Sie die Wortbedeutung erforschen?

Antwort

Sehr geehrter Herr G.,

das Wort frabannt kenne ich nicht und ich kann es auch nirgendwo finden. Ich vermute allerdings stark, dass Karl Valentins Worte, wenn man sie ins Standarddeutsche „übersetzt“, die folgenden wären: „So eine frappante Ähnlichkeit!“

Das aus dem Französischen stammende Wort frappant bedeutet überraschend, verblüffend. Im Französischen bedeutet frapper eigentlich schlagen, treffen, aber man braucht nicht allzu viel Fantasie, um den Schritt zur übertragenen Bedeutung überraschen, verblüffen zu verstehen. Wenn man sich dabei noch den übersteigerten Gesichtsausdruck eines den Überraschten darstellenden Komikers oder Pantomimen vorstellt, ist es sogar ein sehr passendes und einleuchtendes Bild. Mit dieser Bedeutung gibt es das Verb auch im älteren, gehobenen Deutsch: frappieren.

Das Adjektiv frappant kommt übrigens nicht ausschließlich, aber doch sehr häufig zusammen mit Ähnlichkeit vor:

So eine frappante Ähnlichkeit.
Die Ähnlichkeit war frappant.
Sie gleichen sich in frappanter Weise.

Sehen Sie auch frappant in Canoo.net und DWDS.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Blog und Weblog in Canoo.net

Frage

Mir ist aufgefallen, dass Canoo.net mit Suchbegriffen wie Blog, Weblog oder bloggen nichts anfangen kann bzw. keine Einträge findet, obwohl diese Begriffe doch mittlerweile auch im Duden zu finden sind. Das hat mich etwas gewundert, da Canoo.net doch ansonsten das m. E. vollständigste freie Wörterbuch zur Verfügung stellt.

Antwort

Sehr geehrter Herr S.,

den Schönheitspreis verdient es tatsächlich nicht, aber es ist auch nicht so erstaunlich. Das Wort Blog ist uns bei der letzten Aktualisierung der Wörterbuchdaten ganz einfach durch die Lappen gegangen. Zusammen mit bloggen, Blogger, Bloggerin und Weblog steht es seit einiger Zeit auf der Liste der aufzunehmenden Wörter. Da die Erweiterung des Wörterbuches und die damit zusammenhängende Datenaktualisierung sehr aufwendig sind und zurzeit leider nicht erste Priorität haben, könnte es noch ein Weilchen dauern, bis das Wort Blog online auf Canoo.net abfragbar sein wird.

Für solche Fälle gibt es dann die Möglichkeit, Fragen an die Menschen von Canoo.net zu richten. Das ist zwar aufwendiger und dauert länger, dafür ist die Antwort manchmal etwas ausführlicher:

Es gibt Leute, die behaupten, dass es unbedingt, nur und ausschließlich das Blog sein müsse. Blog ist eine verkürzte Form von Weblog. Der Teil log steht für das englische logbook, das auf Deutsch das Logbuch heißt. Deshalb müsse es auch unbedingt das Log, das Weblog und das Blog heißen. Die deutsche Sprachgemeinschaft hält sich aber nicht an diese ziemlich lange Ursprungsgeschichte (vor allem der Schritt von Weblog zu Blog ist recht undurchsichtig) und verwendet fast ebenso häufig der Blog. Das hat zum Beispiel Duden und Wahrig dazu gebracht, der Blog als Variante von das Blog aufzunehmen. Auch in Canoo.net werden wir beide Möglichkeiten angeben. Wenn Sie aber ganz sicher sein wollen, dass Ihnen wirklich niemand je vorwirft, der Blog sei falsch, können Sie am besten das Blog verwenden. Aber wie gesagt: Zusammen mit anderen Wörterbüchern sind wir der Meinung, dass auch der Blog als richtig zu gelten hat.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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A ticket to Rome/ein Flugschein nach Rom

Zurück aus Rom habe ich mich erst an der den Regen gewöhnen müssen. Am liebsten hätte ich gleich ein Flugticket zurück in den Süden gekauft, aber ich kann Sie ja nicht so lange im Stich lassen. Die Tatsache, dass ich nicht unbegrenzt Ferientage zur Verfügung habe, mag bei der Entscheidung, im feuchtkühlen Raum nördlich der Alpen zu bleiben, auch eine gewisse Rolle gespielt haben.

Für den Flug nach Rom habe ich mein Ticket über den Online-Booking-Service der Airline gekauft. Ich konnte also vor dem Abflug von zu Hause aus in das Online-Check-in einloggen und sowohl einchecken als auch den Boarding-Pass printen. Am Airport musste ich deshalb nicht mehr zum Check-in-Counter, sondern konnte gleich zum Baggage-Drop-off. Danach ging es entlang der Duty-Free-Shops und durch die Security-Control zum Gate.

Für den Flug nach Rom habe ich meinen Flugschein über das Netzbuchungssystem der Fluggesellschaft gekauft. Ich konnte mich also vor dem Abflug von zu Hause aus in die Netzflugabfertigung einwählen und sowohl mich für den Flug anmelden als auch die Einstiegskarte drucken. Am Flughafen musste ich deshalb nicht mehr zum Flugabfertigungsschalter, sondern konnte gleich zur Gepäckabgabestelle. Danach ging es entlang der Zollfreiläden und durch die Sicherheitskontrolle zum Flugsteig.

Sie sehen, es geht um Anglizismen, das heißt aus dem Englischen übernommene Wörter. Wenn es ums Fliegen geht, gibt es deren viele. Ich habe die beiden Texte hier nicht nebeneinandergestellt, damit Sie den einen verurteilen und den anderen begrüßen sollen. Mir wollen sie nämlich beide nicht so recht gefallen. Einerseits klingen in meinen Ohren Online-Booking-Service, Airline und Baggage-Drop-off etwas zu sehr nach „Internationaler-Vielflieger-und-Weltbürger-sein-Wollen“, andererseits haben Netzbuchungssystem, Netzflugabfertigung und Flugsteig für mich irgendwie etwas Forciertes und „Handgestricktes“.

Die beiden Textabschnitte oben sollen nur aufzeigen, dass sowohl die eine als auch die andere „Extremlösung“ einen etwas seltsamen Eindruck hinterlassen kann. Wenn man viele Anglizismen verwendet, riskiert man schnell einmal, den Eindruck einer Möchtegern-Fachfrau oder eines doch nicht ganz so weit gereisten Weltbürgers zu machen — wenn man denn schon von allen verstanden wird. Auf der anderen Seite kann eisernes Festhalten an ausschließlich deutschen Wörtern farblos und etwas sehr verbissen wirken — und manchmal ebenfalls zu Verständnisproblemen führen (wer weiß schon auf Anhieb, was Netzflugabfertigung bedeuten soll?)

Es liegt also an Ihrem Stilgefühl und dem Eindruck, den Sie (nicht) hinterlassen wollen, welche Wahl Sie jeweils zwischen den Anglizismen und deren deutschen Entsprechungen treffen. Oft gibt es sogar auf dem Wortniveau so etwas wie den goldenen Mittelweg. Ein schönes Beispiel dafür finde ich Online-Buchungssystem statt Online-Booking-System oder Netzbuchungssystem. Aber auch dies ist letztlich eine Frage des Geschmackes.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

PS: Die meiner Meinung nach ebenso fruchtlose wie uferlose Diskussion zu Sinn und Unsinn von Anglizismen und der Gefahr, die sie für die deutsche Sprache sein sollen, will ich hier bewusst nicht führen.

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