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	<title>Fragen Sie Dr. Bopp! &#187; Wortschatz</title>
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	<description>Deutsche Rechtschreibung und Grammatik</description>
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		<title>Es wird nicht mehr gemeuchelt</title>
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		<pubDate>Sun, 29 Jan 2012 21:00:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Bopp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Wortschatz]]></category>
		<category><![CDATA[Wortbedeutung]]></category>
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		<description><![CDATA[Heute begegnete mir das Wort – und glücklicherweise nur das Wort – Meuchelmörder. Ein Meuchelmörder ist jemand, der einen anderen Menschen heimlich und hinterhältig ums Leben bringt. Begeht eine Frau eine solchen Meuchelmord, ist sie eine Meuchelmörderin. Dies sind Wörter, die man nicht sehr oft hört und liest – meist in einem auf die Vergangenheit bezogenen Zusammenhang, in dem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Heute begegnete mir das Wort – und glücklicherweise nur das Wort – <em>Meuchelmörder</em>. Ein Meuchelmörder ist jemand, der einen anderen Menschen heimlich und hinterhältig ums Leben bringt. Begeht eine Frau eine solchen <em>Meuchelmord</em>, ist sie eine <em>Meuchelmörderin</em>. Dies sind Wörter, die man nicht sehr oft hört und liest – meist in einem auf die Vergangenheit bezogenen Zusammenhang, in dem es um historische Figuren geht, die ihr Leben durch die Hand eines Meuchelmörders oder einer Meuchelmörderin verloren. Manchmal sind sie eher scherzhaft gemeint, zum Beispiel in der Schlagzeile „Gericht sühnt Meuchelmord an Frosch Knötti.“</p>
<p>Noch seltener begegnet man dem ersten Wortteil, dem Verb <em>meucheln</em>, und seinen Ableitungen: Wenn Sie lesen, dass ein Bösewicht sich in <em>meuchlerischer</em> Absicht näherte oder jemand <em>meuchlings</em> ermordet wurde, ist es nicht ganz unwahrscheinlich, dass Sie eine Passage aus einem historischen Roman des Kalibers „Die drei Musketiere“ oder „Angélique“ vor sich haben. Heute wird meistens nicht gemeuchelt, sondern heimtückisch gemordet. Das Resultat ist allerdings dasselbe. Entsprechend ist die Frage der Wortwahl den Ermordeten wahrscheinlich ziemlich gleichgültig.</p>
<p>Das Verb <em>meucheln</em> bedeutete früher allgemeiner <em>heimlich, heimtückisch handeln</em> und geht auf ein älteres Wort <em>muchon</em> zurück, das <em>(sich) verbergen, verstecken</em> und noch früher u. a. <em>heimlich lauern</em> bedeutete. Mit <em>Meuchel-</em> beginnende Wörter gab es früher viel mehr. Ein paar schöne Beispiele aus dem <a href="http://woerterbuchnetz.de/DWB/?sigle=DWB&amp;mode=Vernetzung&amp;lemid=GM04565">Deutschen Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm</a>:</p>
<blockquote><p>Meuchelhund = Schimpfwort für einen heimtückischen Menschen<br />
Meuchellist = heimtückische List<br />
Meuchellüge = heimtückische Lüge<br />
Meuchelrotte = Bande von Meuchelmördern<br />
Meuchelschwert = zum Meuchelmord dienendes Schwert</p></blockquote>
<p>Mein Favorit (als Wort, nicht als Tätigkeit!):</p>
<blockquote><p>Meuchelbrennerei = heimtückische Brandstiftung</p></blockquote>
<p><em>Meuchel-</em> ist also häufig durch Wendungen mit <em>heimtückisch</em> ersetzt worden. Immer noch springlebendig ist aber ein vielleicht mit <em>meucheln</em> verwandtes, eher umgangssprachliches Wort: <em>mogeln</em>. Auch wenn nicht mehr gemeuchelt wird, gemogelt wird noch immer.</p>
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		<title>Feuerwerk</title>
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		<pubDate>Sat, 31 Dec 2011 14:54:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Bopp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Wortbildung]]></category>
		<category><![CDATA[Wortschatz]]></category>
		<category><![CDATA[Wortbedeutung]]></category>

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		<description><![CDATA[Es knallt hier schon seit gestern ziemlich oft und ziemlich laut. Viele können nicht bis heute Mitternacht warten. Ich kann es ja verstehen. Es hat etwas Schönes, Faszinierendes und Gefährliches. Mir gefällt auch das leicht altertümlich anmutende Wort: Feuer-werk. Wenn man ein bisschen im Wörterbuch herumsucht, stellt man fest, dass es viele Zusammensetzungen mit -werk an [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es knallt hier schon seit gestern ziemlich oft und ziemlich laut. Viele können nicht bis heute Mitternacht warten. Ich kann es ja verstehen. Es hat etwas Schönes, Faszinierendes und Gefährliches. Mir gefällt auch das leicht altertümlich anmutende Wort: <em>Feuer-werk.</em></p>
<p>Wenn man ein bisschen im Wörterbuch herumsucht, stellt man fest, dass es viele Zusammensetzungen mit <em>-werk</em> an letzter Stelle gibt. Noch erstaunlicher ist die Vielfalt der Bedeutungen dieser Wörter.</p>
<p>Eine erste Gruppe von auf <em>-werk</em> endenden Wörtern bezeichnet die Gesamtheit von etwas. Es kann etwas Natürliches sein:</p>
<blockquote><p>Astwerk, Blätterwerk, Haarwerk, Laubwerk, Rankenwerk, Strauchwerk, Wurzelwerk</p></blockquote>
<p>Die Gesamtheit kann aber auch etwas von Menschenhand Geschaffenes sein:</p>
<blockquote><p>Federwerk (Uhr), Festungswerk, Mauerwerk, Räderwerk, Segelwerk, Seilwerk, Tauwerk</p></blockquote>
<p>Beispiele von nicht ganz so konkreten Dingen:</p>
<blockquote><p>Gesetzeswerk, Reformwerk, Vertragswerk, Regelwerk</p></blockquote>
<p>Wörter auf <em>–werk</em> Bezeichnen auch Produkte bestimmter Tätigkeiten:</p>
<blockquote><p>Backwerk, Bauwerk, Druckwerk, Knüpfwerk, Schnitzwerk</p></blockquote>
<p>Wozu sie dienen:</p>
<blockquote><p>Naschwerk, Schleckwerk, Räucherwerk</p></blockquote>
<p>Woraus sie bestehen:</p>
<blockquote><p>Maschenwerk, Netzwerk, Zuckerwerk</p></blockquote>
<p>Weiter gibt es die Gruppe der Vorrichtungen und Maschinen, die etwas Bestimmtes tun:</p>
<blockquote><p>Laufwerk, Triebwerk, Schöpfwerk, Förderwerk, Hebewerk, Heizwerk, Leitwerk, Mahlwerk, Rührwerk, Schaltwerk, Schlagwerk, Zählwerk</p></blockquote>
<p>Diese Gruppe geht über in die Gruppe der Wörter, die ganze Betriebe bezeichnen, in denen etwas getan wird:</p>
<blockquote><p>Emaillierwerk, Kopierwerk, Lieferwerk, Presswerk, Pumpwerk, Sägewerk, Schmelzwerk, Stauwerk, Walzwerk</p></blockquote>
<p>Ganz allgemein bezeichnet <em>Werk</em> auch einen Betrieb, eine Fabrik.</p>
<p>- Betrieb nach Erzeugnis:</p>
<blockquote><p>Betonwerk, Chemiewerk, Elektrizitätswerk, Gaswerk, Kraftwerk, Stahlwerk, Zementwerk (im weiteren Sinne auch: Hilfswerk)</p></blockquote>
<p>- Betrieb nach Bereich:</p>
<blockquote><p>Bergwerk, Hüttenwerk, Industrierwerk</p></blockquote>
<p>- Ganz allgemein Betrieb:</p>
<blockquote><p>Audiwerke, Volkswagenwerke, Siemenswerke, Stadtwerke, Zweigwerk</p></blockquote>
<p>Die nächste große Gruppe umfasst ganz andere Bezeichnungen, nämlich die Resultate kreativen Tuns:</p>
<blockquote><p>Bach-Werk, Bühnenwerk, Erstlingswerk, Frühwerk, Geschichtswerk, Hauptwerk, Jahrhundertwerk, Kunstwerk, Lebenswerk, Lehrwerk, Musikwerk, Nachschlag(e)werk, Prosawerk, Sprachwerk</p></blockquote>
<p>Andere Wörter auf <em>–werk</em> bezeichnen die Tätigkeit selbst (und deren Resultat) unter verschiedenen Gesichtspunken:</p>
<blockquote><p>Handwerk, Maßwerk<br />
Einigungswerk, Pionierwerk, Zerstörungswerk<br />
Friedenswerk, Liebeswerk<br />
Menschenwerk, Teufelswerk<br />
Blendwerk, Gaukelwerk<br />
Machwerk, Flickwerk</p></blockquote>
<p>Eine letzte Restgruppe konnte ich nirgendwo richtig einteilen:</p>
<blockquote><p>Fuhrwerk, Grottenwerk, Schuhwerk, Stockwerk, Mundwerk</p></blockquote>
<p>Ganz für sich allein darf heute dieses schöne Wort stehen:</p>
<blockquote><p>Feuerwerk</p>
<p><img class="alignnone size-medium wp-image-6975" title="Feuerwerk" src="http://canoo.net/blog/wp-content/uploads/2011/12/silvester-feuerwerk-kinder-g-300x134.jpg" alt="" width="300" height="134" /></p></blockquote>
<p>Ich wünsche Ihnen einen guten Start ins neue Jahr! Falls Sie es mit Feuerwerk begrüßen, seien Sie bitte vorsichtig. Wenn man nicht gut aufpasst, kann das erste im Wort genannte Element gefährlich sein.</p>
<p>Dr. Bopp</p>
<p>&#8212;</p>
<p>PS: Bevor Sie sich nun vielleicht kopfschüttelnd ans Nachschlagen und Neueinteilen machen, beachten Sie bitte das Folgende: Diese Übersicht ist weder vollständig noch sehr genau – und auch nicht die einzig mögliche.</p>
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		<title>Wörter des Jahres</title>
		<link>http://canoo.net/blog/2011/12/18/woerter-des-jahres/</link>
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		<pubDate>Sun, 18 Dec 2011 09:50:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Bopp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Wortschatz]]></category>
		<category><![CDATA[Wortwahl]]></category>

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		<description><![CDATA[Es gibt wohl nur wenige, denen entgangen ist, dass Stresstest zum Wort des Jahres 2011 gewählt worden ist. Vor allem in Deutschland dürften aber einige nicht wissen, dass es sich hier genau genommen um das bundesdeutsche Wort des Jahres handelt. Weil dies nicht immer erwähnt wird, sei hier der Vollständigkeit halber gesagt: Das österreichische Wort des [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es gibt wohl nur wenige, denen entgangen ist, dass <a href="http://www.gfds.de/presse/pressemitteilungen/161211-wort-des-jahres-2011/  ">Stresstest</a> zum Wort des Jahres 2011 gewählt worden ist. Vor allem in Deutschland dürften aber einige nicht wissen, dass es sich hier genau genommen um das <em>bundes</em>deutsche Wort des Jahres handelt. Weil dies nicht immer erwähnt wird, sei hier der Vollständigkeit halber gesagt:</p>
<p>Das österreichische Wort des Jahres ist <a href="http://www-oedt.kfunigraz.ac.at/oewort/index.php">Euro-Rettungsschirm</a> und in der deutschsprachigen Schweiz hat man sich für <a href="http://www.chwort.ch/  ">Euro-Rabatt</a> entschieden. Das liechtensteinische Wort des Jahres 2011 ist noch nicht gekürt worden.</p>
<p>Dann noch ein Hinweis für diejenigen, die sich für Wörter des Jahres interessieren: Bis zum 7. Januar 2012 können Sie sich mit Ihrem Vorschlag an der Wahl des <a href="http://www.anglizismusdesjahres.de/nominierungen-2011/">Anglizismus des Jahres 2011</a> beteiligen. Es sieht auch dort ein bisschen „deutschländisch“ aus, aber Vorschläge aus anderen deutschsprachigen Regionen nimmt man bestimmt auch entgegen.</p>
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		<title>Joghurt und Joga</title>
		<link>http://canoo.net/blog/2011/11/27/joghurt-und-joga/</link>
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		<pubDate>Sun, 27 Nov 2011 11:03:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Bopp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Wortschatz]]></category>
		<category><![CDATA[Essen/Trinken]]></category>
		<category><![CDATA[Wortgeschichte]]></category>

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		<description><![CDATA[Wenn man am Sonntagmorgen bei Mü(e)sli mit Joghurt in einem Artikel das Wort Joga liest, fragt man sich aus Versehen plötzlich, ob man nicht wieder einmal etwas Gesundes für Leib uns Seele tun sollte und ob eventuell Joga eine geeignete Lösung dafür sein könnte. Wenn man dann wie ich keine Lust hat, sich schon mit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn man am Sonntagmorgen bei <a href="http://canoo.net/blog/2008/11/27/muesli-musli-und-muesli/">Mü(e)sli</a> mit Joghurt in einem Artikel das Wort <em>Joga</em> liest, fragt man sich aus Versehen plötzlich, ob man nicht wieder einmal etwas Gesundes für Leib uns Seele tun sollte und ob eventuell Joga eine geeignete Lösung dafür sein könnte. Wenn man dann wie ich keine Lust hat, sich schon mit solch schwerwiegenden Fragen zu beschäftigen, bringt die Berufsdeformation die Rettung: <em>Joghurt – Joga</em>, beides ist gesund und klingt sehr ähnlich. Es gibt hier bestimmt einen wortgeschichtlichen Zusammenhang!</p>
<p>Bevor die Spannung nun ins Unerträgliche steigt, sei es gleich verraten: Außer der lautlichen Ähnlichkeit gibt es keinen Zusammenhang zwischen den beiden Wörtern. Sie kommen sogar aus zwei verschiedenen Sprachfamilien.</p>
<p>Das Wort <em>Joghurt</em> (auch <em>Jogurt</em> geschrieben) haben wir aus dem Türkischen übernommen. Dort bedeutet <em>yoğurt </em>„dicke Milch“ und eben „Joghurt“. Es gehört in die gleiche Wortfamilie wie <em>yoğun</em> „dicht, dick, kompakt“ und <em>yoğmak</em> „gerinnen, dick werden“.</p>
<p>Das Türkische gehört zu den altaischen Sprachen. Das Deutsche hingegen gehört zu den indoeuropäischen Sprachen, und das Wort <em>Joga</em> (auch <em>Yoga</em> geschrieben) hat indoeuropäische Wurzeln. Es ist ein altindisches Wort, das ursprünglich die Bedeutung „Verbindung, Vereinigung“ hatte und mit einem ganz anderen Wort als <em>Joghurt</em> verwandt ist, das man auch heute noch kennt. Über ein altindisches Verb, das „verbinden, anschirren“ bedeutet, kann es mit dem Vorfahren des Wortes <em>Joch</em> in Verbindung gebracht werden.</p>
<p>Feinheiten und philosophischen Hintergründe außer Acht lassend könnte man also den folgenden Schluss ziehen: Joga – Joch, Entspannung durch Anspannung. Ich werde es heute jedenfalls beim Joghurt bleiben lassen.</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Zwei Köpfe Kopfsalat</title>
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		<pubDate>Mon, 14 Nov 2011 17:34:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Bopp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Wortschatz]]></category>
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		<category><![CDATA[Wortbedeutung]]></category>

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		<description><![CDATA[Frage Ist „Kopfsalat“ eigentlich eine Sortenbezeichnung oder ist „Kopf“ eine Stückangabe, so dass es getrennt geschrieben werden muss?  Zum Beispiel „zwei Kopf (oder Köpfe) Salat“? Antwort Sehr geehrter Herr R., beides ist zutreffend: Kopf wird unter anderem für Gemüse verwendet, das einen runden Körper bildet, der etwa der Größe eines Kopfes entspricht. Dieses Wort Kopf [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Frage</strong></p>
<p>Ist „Kopfsalat“ eigentlich eine Sortenbezeichnung oder ist „Kopf“ eine Stückangabe, so dass es getrennt geschrieben werden muss?  Zum Beispiel „zwei Kopf (oder Köpfe) Salat“?</p>
<p><strong>Antwort</strong></p>
<p>Sehr geehrter Herr R.,</p>
<p>beides ist zutreffend:</p>
<ul>
<li><em>Kopf</em> wird unter anderem für Gemüse verwendet, das einen runden Körper bildet, der etwa der Größe eines Kopfes entspricht. Dieses Wort <em>Kopf</em> wird auch als Mengenangabe verwendet:</li>
<blockquote><p>ein Kopf Salat<br />
ein Kopf Blumenkohl<br />
zwei Köpfe Eisbergsalat (<em>selten</em> zwei Kopf &#8230;)</p></blockquote>
</ul>
<ul>
<li><em>Kopfsalat</em> ist eine bestimmte Salatsorte mit hellgrünen Blättern, die einen solchen Kopf bilden. Der wissenschaftliche Name lautet <em>Lactuca sativa var. capitata</em>. Das lateinische Adjektiv <em>capitatus, capitata</em> bedeutet hier übrigens so etwas wie <em>mit einem Kopf, einen Kopf habend</em>.</li>
<blockquote><p>ein Kopfsalat<br />
zwei Kopfsalate</p></blockquote>
</ul>
<p>Wenn Sie auf dem Markt, beim Bauern oder in einer der wenigen noch bestehenden „bemenschten“ Gemüseabteilungen eines Lebensmittelgeschäftes zwei Exemplare dieser Salatsorte kaufen möchten, können Sie also <em>zwei Kopfsalate</em> oder <em>zwei Köpfe Kopfsalat</em> verlangen.</p>
<table cellpadding="0" align="center">
<tbody>
<tr>
<td><img class="alignnone size-medium wp-image-6419" title="Kopfsalat" src="http://canoo.net/blog/wp-content/uploads/2011/11/kopfsalat-300x258.jpg" alt="" width="180" height="155" /></td>
<td style="text-align: left;"><img class="alignnone size-medium wp-image-6419" title="Kopfsalat" src="http://canoo.net/blog/wp-content/uploads/2011/11/kopfsalat-300x258.jpg" alt="" width="180" height="155" /></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p><em>Z</em><em>wei Köpfe Kopfsalat</em> habe ich noch nie gesagt, aber ich werde es mir beim nächsten Salateinkauf wohl kaum verkneifen können. Nur schon deshalb lohnt es sich, wieder einmal Kopfsalat zu essen!</p>
<p>Mit freundlichen Grüßen</p>
<p>Dr. Bopp</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Von Moor und Meer</title>
		<link>http://canoo.net/blog/2011/10/24/von-moor-und-meer/</link>
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		<pubDate>Mon, 24 Oct 2011 16:32:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Bopp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Wortschatz]]></category>
		<category><![CDATA[Wortgeschichte]]></category>

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		<description><![CDATA[Gestern war das Wetter herrlich sonnig. Wir beschlossen, das auszunützen und endlich einmal die seit langem geplante Rundwanderung um das Hochmoor zu machen. Es war fantastisch. Man musste an zwei, drei Stellen halbverwilderte Kuhherden umgehen – als Städter natürlich mit leicht beunruhigten Seitenblicken, wenn sich bei genauerem Hinsehen erwies, dass eine der Kühe keine Kuh, sondern [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Gestern war das Wetter herrlich sonnig. Wir beschlossen, das auszunützen und endlich einmal die seit langem geplante Rundwanderung um das Hochmoor zu machen. Es war fantastisch. Man musste an zwei, drei Stellen halbverwilderte Kuhherden umgehen – als Städter natürlich mit leicht beunruhigten Seitenblicken, wenn sich bei genauerem Hinsehen erwies, dass eine der Kühe keine Kuh, sondern ein Stier war. An anderen Stellen war es recht nass und sumpfig, so dass die Schuhe danach zu Hause draußen vor der Tür aufs Abgebürstetwerden warten mussten. Die Kühe und Stiere interessierten sich aber viel mehr für das Gras als für uns und im „Sumpf“ sanken wir nirgendwo viel tiefer ein als anderthalb Schuhsolen. Auch sonst erwiesen sich das Moor und die umliegende Landschaft als sehr friedlich: warme Herbstfarben, in der Sonne glitzernde Spinnfäden, Pilze in allerlei Größen und Formen – und genau zur richtigen Zeit, das heißt nach ungefähr zwei Dritteln des Weges, ein Bänklein mit idyllischer Aussicht auf einen Weiher, Heide und Waldrand. Es war die erste, aber bestimmt nicht unsere letzte Wanderung um das Moor.</p>
<p>Das bringt mich zur Frage, die ich mir heute Morgen plötzlich stellte, als ich an den gestrigen Nachmittag dachte: <em>Moor</em>? Ich habe (zumindest für mich) Erstaunliches herausgefunden: Das Wort <em>Moor</em> ist eine abgelautete Variante von <em>Meer</em>.</p>
<p>Was haben nun das Moor und das Meer gemeinsam, außer dass beide natürlich und sehr feucht sind? Sie haben gemeinsame Vorfahren. Im Althochdeutschen bezeichnete <em>mer(i)</em> ursprünglich nicht etwa das große, salzige Nass, sondern es bedeutete <em>Sumpf, stehendes Gewässer</em>. Später hat es die heutige Bedeutung <em>die See</em> erhalten. Die alte Bedeutung findet sich heute u. a. noch im niederländischen <em>het meer = der See</em> und im gehobeneren englischen <em>the mere = Weiher, kleiner See</em>. Eine viel geringere Bedeutungsänderung hat <em>das Moor</em> hinter sich. Es geht auf die alte Variante <em>mor,</em> <em>muor = Sumpf, Sumpfland</em> zurück. <em>Meer</em> und <em>Moor</em> sind übrigens die germanischen Verwandten des lateinischen Wortes <em>mar = die See, das Meer</em> &#8230; Wenn man nun noch die für Fremdsprachige oft verwirrende Unterscheidung <em>der See</em> und <em>die See</em> hinzunimmt, sieht man, dass die deutsche Wortgeschichte auch im Bereich der mehr oder weniger feuchten Landschaftstypen reichlich unsystematisch verlaufen ist. Doch wen kümmert das schon bei einer schönen Wanderung rund ums Hochmoor?</p>
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		<title>Ohrwürmer</title>
		<link>http://canoo.net/blog/2011/10/16/ohrwuermer/</link>
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		<pubDate>Sun, 16 Oct 2011 10:18:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Bopp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Wortschatz]]></category>
		<category><![CDATA[Wortbedeutung]]></category>
		<category><![CDATA[Wortgeschichte]]></category>

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		<description><![CDATA[Wenn man an einem Sonntagmorgen Radio hört, ist die Gefahr einer Ohrwurmattacke groß. Bei mir ist heute die Textzeile „Weine nicht, wenn der Regen fällt / dam, dam, dam, dam / Es gibt einen, der zu dir hält / dam, dam, dam, dam“ mit der dazugehörendem Melodie aus Drafi Deutschers Evergreen „Marmorstein Marmor, Stein und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn man an einem Sonntagmorgen Radio hört, ist die Gefahr einer Ohrwurmattacke groß. Bei mir ist heute die Textzeile „Weine nicht, wenn der Regen fällt / dam, dam, dam, dam / Es gibt einen, der zu dir hält / dam, dam, dam, dam“ mit der dazugehörendem Melodie aus Drafi Deutschers Evergreen „<strike>Marmorstein</strike> Marmor, Stein und Eisen bricht“ in der Endlosschlaufe hängen geblieben. Ohrwürmer sind Melodien, die sich einem so einprägen, dass man sie stunden- und in hartnäckigen Fällen tagelang nicht mehr loswird. Das Bild ist relativ einfach: Wie ein Wurm bohrt sich eine Melodie ins Ohr und lässt einen dann nicht mehr in Ruhe.</p>
<p>Es gibt noch andere Ohrwürmer: die krabbelnden Tierchen mit dem schönen wissenschaftlichen Namen <em>Dermaptera</em>. Ihr deutscher Name ist eigentlich ein Doppelfehler. Es sind keine Würmer, sondern Insekten, und sie interessieren sich nicht sonderlich für Ohren. Man glaubte früher, dass Ohrwürmer in die Ohren Schlafender kriechen und sich mit ihren Zangen einen Weg durchs Trommelfeld zum Hirn bahnen, um dort Blut zu saugen oder – eine noch unangenehmere Vorstellung – ihre Eier abzulegen. Da sich Ohrwürmer wie andere kleinere Tierchen gerne in Ritzen und Spalten verstecken, ist es im Laufe der Menschheitsgeschichte sicher mehr als einmal vorgekommen, dass sich ein Ohrwurm in ein Ohr verirrt hat, aber sehr weit kann ein solches Tierchen mit seinen schwachen Zangen dort nicht vordringen.</p>
<p>Ohrwürmer wurden lange Zeit auch als Mittel gegen Taubheit verwendet. Eines dieser Rezepte schrieb vor, zu diesem Zweck in Hasenurin aufgelöste pulversierte Ohrwürmer zu sich zu nehmen &#8230;</p>
<p>Solche Überlieferungen waren nicht nur unter den Deutschsprachigen verbreitet. Auf Englischen heißt der Ohrwurm <em>earwig</em> (<em>Ohr</em> + ein altes Wort für <em>Insekt</em>), auf Französisch <em>perce-oreille</em> (<em>Ohrenbohrer</em>), auf Niederländisch <em>oorworm</em> oder <em>oorwurm</em> (&#8230;) und der wissenschaftliche Name des Gemeinen Ohrwurms lautet <em>Forficula auricularia</em> (<em>Ohrenzänglein).</em></p>
<p>Inzwischen bin ich den musikalischen Ohrwurm leider noch nicht losgeworden: „Nimm den goldenen Ring von mir / dam, dam, dam, dam / Bist du traurig, dann sagt er dir / dam, dam, dam, dam &#8230;“ Falls ich sie nun angesteckt habe, tut mir das sehr leid. Und für alle, die diesen Ohrwurm noch nicht kennen, gibt es <a href=" http://www.youtube.com/watch?v=8twYCFACPjY">Youtube</a>.</p>
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		<title>Warum geht einem ein Licht auf und nicht an?</title>
		<link>http://canoo.net/blog/2011/10/06/warum-geht-einem-ein-licht-auf-und-nicht-an/</link>
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		<pubDate>Thu, 06 Oct 2011 20:31:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Bopp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Wortschatz]]></category>
		<category><![CDATA[Redewendungen]]></category>

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		<description><![CDATA[Frage Warum geht jemanden ein Licht auf ? Das Licht geht doch eigentlich an. Antwort Guten Tag C., woher der Ausdruck genau stammt, weiß ich leider nicht. Er ist nämlich schon recht alt. So kommt die Wendung schon in der Lutherbibel 1545 vor: &#8230; die da sassen / am ort vnd schatten des tods / [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Frage</strong></p>
<p>Warum geht jemanden ein Licht <em>auf</em> ? Das Licht geht doch eigentlich <em>an</em>.</p>
<p><strong>Antwort</strong></p>
<p>Guten Tag C.,</p>
<p>woher der Ausdruck genau stammt, weiß ich leider nicht. Er ist nämlich schon recht alt. So kommt die Wendung schon in der Lutherbibel 1545 vor:</p>
<blockquote><p>&#8230; die da sassen / am ort vnd schatten des tods / den ist ein Liecht auffgangen.<br />
&#8230; und die da saßen am Ort und Schatten des Todes, denen ist ein Licht aufgegangen.<br />
(Matthäus 4, 16)</p></blockquote>
<p>Gemeint ist weniger das Licht als Glühbirne, die als Zeichen einer Erleuchtung oder guten Idee über dem Kopf von zum Beispiel Daniel Düsentrieb und anderen Donald-Duck-Figuren <em>an</em>geht. Gemeint ist vielmehr das Licht als leuchtender Himmelskörper, der in der Finsternis der Unwissenheit <em>auf</em>geht und Klarheit bringt. Meistens ist es heute allerdings etwas nüchterner gemeint, wenn man sagt, dass einem ein Licht aufgegangen ist. Das Bild hat im Laufe der Zeit an Kraft verloren.</p>
<p>Mit freundlichen Grüßen</p>
<p>Dr. Bopp</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Konstellieren</title>
		<link>http://canoo.net/blog/2011/09/16/konstellieren/</link>
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		<pubDate>Fri, 16 Sep 2011 17:47:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Bopp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Wortbildung]]></category>
		<category><![CDATA[Wortschatz]]></category>
		<category><![CDATA[Wort unbekannt]]></category>

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		<description><![CDATA[Heute wieder einmal etwas dazu, warum es gar nicht so einfach ist, ein neugebildetes Wort zu verwenden. Frage Letztens stieß ich in einem wissenschaftlichen Text auf das Wort „konstellieren“ (abgeleitet von „Konstellation“). Ich fand’s sehr hübsch, traue mich aber nicht, es selbst zu verwenden, weil ich nicht weiß, ob es das Wort wirklich gibt. Eine [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Heute <a href="http://canoo.net/blog/2010/07/12/ein-wort-erfunden-was-nun/">wieder einmal</a> etwas dazu, warum es gar nicht so einfach ist, ein neugebildetes Wort zu verwenden.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Frage</strong></p>
<p>Letztens stieß ich in einem wissenschaftlichen Text auf das Wort „konstellieren“ (abgeleitet von „Konstellation“). Ich fand’s sehr hübsch, traue mich aber nicht, es selbst zu verwenden, weil ich nicht weiß, ob es das Wort wirklich gibt. Eine Google-Stichprobe ergab, dass es kaum vorkommt. In den Wörterbüchern taucht es gar nicht auf. Ist es Ihnen bekannt?</p>
<p><strong>Antwort</strong></p>
<p>Sehr geehrter Herr H.,</p>
<p>das Verb <em>konstellieren</em> ist mir nicht bekannt. Auch in den mir zur Verfügung stehenden Wörterbüchern und -listen kommt es nicht vor. Ist es deshalb ein falsches oder unmögliches Wort?</p>
<p>Seine Form passt gut in ein häufig vorkommendes Muster: Zu vielen auf <em>–ieren</em> endenden Verben gibt es ein Substantiv auf <em>–ation</em>:</p>
<blockquote><p>isolieren – Isolation<br />
konzentrieren – Konzentration<br />
partizipieren &#8211; Partizipation<br />
restaurieren – Restauration<br />
u. v. a. m.</p></blockquote>
<p>Dazu passt mühelos auch dieses Wortpaar:</p>
<blockquote><p>konstellieren – Konstellation</p></blockquote>
<p>Die Form ist also kein Problem. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, weshalb das Wort bei flüchtigerem Lesen unbemerkt „durchrutscht“. Bei genauerem Lesen stellt sich dann allerdings die Frage der Bedeutung. Doch wie oft kommt es nicht vor, dass man in wissenschaftliche oder wissenschaftlich daherkommenden Texten einem Wort begegnet, dessen Bedeutung man nicht oder nur vage kennt. „Es wird wohl etwa mit <em>zusammenstellen</em> zu tun haben“, war mein erster Gedanke. Erst wenn man es genauer wissen will, stockt man beim Verb <em>konstellieren</em>.</p>
<p>Fangen wir einmal beim in den Wörterbüchern verzeichneten Substantiv <em>Konstellation</em> an: Es geht auf das lateinische <em>constellatio</em> mit der Bedeutung <em>Stellung der Sterne (untereinander) </em>zurück. Diese Bedeutung hat es auch heute noch. Es wird auch im übertragenen Sinne verwendet und bezeichnet dann das Zusammentreffen bestimmter Umstände und die sich daraus ergebende Situation: <em>eine neue politische Konstellation, eine ungünstige Konstellation der Umweltfaktoren</em>.</p>
<p>Im Französischen und Italienischen gibt es ein dazu passendes Verb: <em>consteller</em> bzw. <em>costellare</em>. Beide bedeuten <em>mit Sternen übersäen</em> und figürlich <em>mit etwas besetzten/bestreuen</em>. Ich weiß nun nicht, ob Ihnen bei der deutschen Neuschöpfung eine ähnliche Bedeutung vorschwebt oder ob Sie mit diesem Verb etwas anderes ausdrücken möchten. Vielleicht ist damit <em>zu einer bestimmten Konstellation führen</em>, <em>eine bestimmte Konstellation entstehen lassen </em>gemeint. Es könnte auch sein, dass ganz einfach meine erste Intuition richtig war: Sie möchten <em>konstellieren</em> als eine Art gelehrter klingende Variante von <em>zusammenstellen</em> benutzen.</p>
<p>Damit sind wir beim eigentliche Problem der Verwendung von Neubildungen wie <em>konstellieren </em>angelangt: Das Wort ist weder prinzipiell falsch noch unmöglich, Sie können aber nicht sicher sein, dass man versteht, was Sie genau damit meinen. Ihr Zögern ist also gerechtfertigt. Wenn Ihnen das Wort so gut gefällt, dass Sie es einfach nicht lassen können, es zu verwenden, sollten Sie es kurz erklären oder dafür sorgen, dass aus dem Kontext deutlich hervorgeht, was gemeint ist.</p>
<p>Mit freundlichen Grüßen</p>
<p>Dr. Bopp</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Kiefer</title>
		<link>http://canoo.net/blog/2011/09/04/kiefer/</link>
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		<pubDate>Sun, 04 Sep 2011 10:39:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Bopp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Wortschatz]]></category>
		<category><![CDATA[Wortgeschichte]]></category>

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		<description><![CDATA[Vergangene Woche war ich beim Kieferchirurgen. Mein Zahnarzt meinte, dass das unerlässlich sei, denn sonst hätte ich bestimmt von einem Besuch bei einem Vertreter oder einer Vertreterin dieses Berufsstandes abgesehen. Es  ging um die Behandlung einer Entzündung und die dadurch bedingte Extraktion (klingt besser als Ziehen, läuft aber exakt aus dasselbe hinaus) eines Backenzahns im [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Vergangene Woche war ich beim Kieferchirurgen. Mein Zahnarzt meinte, dass das unerlässlich sei, denn sonst hätte ich bestimmt von einem Besuch bei einem Vertreter oder einer Vertreterin dieses Berufsstandes abgesehen. Es  ging um die Behandlung einer Entzündung und die dadurch bedingte Extraktion (klingt besser als <em>Ziehen</em>, läuft aber exakt aus dasselbe hinaus) eines Backenzahns im rechten Unterkiefer. Das Resultat des halbstündigen Besuches ist, dass ich zurzeit nicht nur Linkshänder, sondern auch Linkskauer bin.</p>
<p>An Zahnarztphobie Leidende müssen diesen Beitrag nicht unbedingt sofort wegklicken. Weitere Einzelheiten werden nicht erwähnt. Es geht hier eigentlich um das Wort <em>Kiefer</em>. Es war mir nie besonders aufgefallen, außer als Beispiel für gleich klingende Wörter, die nichts miteinander zu tun haben: <em>der Kiefer</em> und <em>die Kiefer</em>. Um es gleich vorwegzunehmen: Die beiden Wörter haben abgesehen von der Form wirklich nichts miteinander zu tun. Die Wortgeschichte der beiden <em>Kiefer</em> ist zum Teil ungeklärt und zum Teil zu komplex, als dass ich sie wirklich verstehen würde. Auch hier erspare ich uns deshalb die Details.</p>
<p><em>Die Kiefer</em> verdankt ihren Namen wahrscheinlich einer undurchsichtig gewordenen Zusammenziehung von <em>Kien</em> und <em>Föhre</em>: <em>kienforha → Kiefer</em>. Kiefernholz war (und ist es bestimmt immer noch) für die Herstellung von Kienspänen und Fackeln geeignet, weil es sehr harzreich ist. <em>Kien</em> ist ein altes Wort für <em>Kienspan, Fackel</em>. <em>Föhre</em> diente schon in althochdeutscher Zeit als Baumname (<em>forha</em>) und wird auch heute noch vor allem im südlichen deutschen Sprachraum für <em>Kiefer</em> verwendet.</p>
<p>Beim anderen<em> Kiefer</em> ist die Herkunft dunkler: Das männliche Wort <em>Kiefer</em> wird in unterschiedlicher Weise auf Wörter im Bedeutungsbereich <em>Mund</em>, <em>Rachen</em>, <em>kauen,</em> <em>essen</em> zurückgeführt. Es soll mit Wörtern wie <em>kauen</em>, <em>Kieme</em> und <em>Käfer</em>[!] verwandt sein. Mit <em>Käfer</em> wurden zuerst vor allem fresssüchtige schädliche Insekten wie die Heuschrecken bezeichnet. Erst später wurde es allgemeiner im heutigen Sinne verwendet.</p>
<p>Das Wort <em>der Kiefer</em> hat also schon lange etwas mit Essen und Kauen zu tun. Das erstaunt mich zurzeit gar nicht. Erst wenn man beim Kauen aufpassen muss, merkt man so richtig, dass dies die Hauptfunktion eines Kiefers ist. Nur bei Schauspielern, deren markanter Unterkiefer ihnen ein besonders männliches Aussehen verleiht, hat der Kiefer eine weitere Funktion: Er verhilft zu Machoheldenrollen und zu Auftritten in Werbespots für Rasierprodukte. Die Brötchen, die diese „Breitkinnigen“ damit verdienen, müssen dann allerdings auch wieder gekaut werden.</p>
<p>Zu guter Letzt noch ein Stoßseufzer, den man mir bitte verzeihen möge: Linkshänder will ich gerne bleiben – ich bin es schon mein Leben lang –, aber ich habe jetzt schon genug davon, Linkskauer zu sein! Es wird hoffentlich nicht allzu lange dauern.</p>
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