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	<title>Fragen Sie Dr. Bopp! &#187; Wortschatz</title>
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	<description>Deutsche Rechtschreibung und Grammatik</description>
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		<title>Deutsch-französische Kontamination</title>
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		<pubDate>Sat, 12 May 2012 10:09:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Bopp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Wortbildung]]></category>
		<category><![CDATA[Wortschatz]]></category>

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		<description><![CDATA[Wenn ich hier von einer deutsch-französischen Kontamination rede, meine ich nicht eine zwischenstaatliche Verschmutzung, Verunreinigung oder Verseuchung irgendeiner Art. Es geht mir schon gar nicht darum, gegen Gallizismen (französische Lehnwörter) zu wettern. Gemeint ist eine bestimmte Art von Kontamination im Bereich des Wortschatzes. Man Bezeichnet mit diesem Begriff die Zusammenziehung zweier Wörter zu einem. Beispiele [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn ich hier von einer deutsch-französischen Kontamination rede, meine ich nicht eine zwischenstaatliche Verschmutzung, Verunreinigung oder Verseuchung irgendeiner Art. Es geht mir schon gar nicht darum, gegen Gallizismen (französische Lehnwörter) zu wettern. Gemeint ist eine bestimmte Art von Kontamination im Bereich des Wortschatzes. Man Bezeichnet mit diesem Begriff die Zusammenziehung zweier Wörter zu einem. Beispiele sind:</p>
<blockquote><p>jein <em>aus</em> ja <em>und</em> nein<br />
Gebäulichkeiten <em>aus</em> Gebäude <em>und</em> Baulichkeiten<br />
Eurasien <em>aus</em> Europa <em>und</em> Asien<br />
Brunch <em>aus</em> breakfast <em>und</em> lunch<br />
Denglisch <em>aus</em> Deutsch <em>und</em> Englisch<br />
Bollywood <em>aus</em> Bombay <em>und</em> Hollywood</p></blockquote>
<p>Mehr dazu <a href="http://canoo.net/blog/2008/03/15/jein/">hier</a>.</p>
<p>Wie komme ich auf dieses Thema und was ist nun mit der eingangs erwähnten deutsch-französischen Kontamination gemeint? Ein jüngeres bekanntes Beispiel einer Kontamination habe ich noch nicht genannt:</p>
<blockquote><p>Merkozy <em>aus</em> Merkel <em>und</em> Sarkozy</p></blockquote>
<p>Seit sich abzeichnete, dass Sarkozy die Präsidentschaftswahlen verlieren könnte, und noch mehr, seit sich dies bewahrheitet hat, machen sich viele Gedanken darüber, wie die deutsch-französische politische Zusammenarbeit innerhalb Europas aussehen wird. Dabei können verschiedene politische, wirtschaftliche und kulturelle Aspekte beleuchtet werden. Mir geht es um den unwichtigsten von allen: Wie werden die beiden (nicht?) zusammenarbeitenden Staatsleute Merkel und Hollande genannt werden. Es schwirren bereits Vorschläge herum:</p>
<blockquote><p>Horkel<br />
Merkande</p></blockquote>
<p>Ich bezweifle allerdings, dass sich eine dieser beiden Zusammenziehungen durchsetzen wird. Im Vergleich zu <em>Merkozy</em> sind sie weniger durchsichtig und vor allem weniger „zweisprachig“: <em>Merkozy</em> beginnt auch klanglich deutsch und endet französich. <em>Horkel</em> hingegen klingt von vorn bis hinten urdeutsch, nach altem Ackerbaugerät und Bauernmuseum. Bei Merkande wiederum denke ich eher an einen delikaten Speisefisch, der auf einem französischen Fischmarkt neben Hummern und Austern angeboten wird.</p>
<p>Die Zeit wird zeigen, ob meine Skepsis begründet war. Vielleicht schafft es ja auch eine dritte Kontamination; dann findet nächste Woche in Berlin das erste <em>Merkollande</em>-Treffen statt.</p>
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		<title>Können deutsche Autos gehen?</title>
		<link>http://canoo.net/blog/2012/05/10/konnen-deutsche-autos-gehen/</link>
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		<pubDate>Thu, 10 May 2012 13:50:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Bopp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Wortschatz]]></category>
		<category><![CDATA[Regionale Unterschiede]]></category>
		<category><![CDATA[Wortwahl]]></category>

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		<description><![CDATA[Frage Wieso heißt es in Deutschland „Umgehungsstraße“? Bei uns in der Schweiz heißt es „Umfahrungsstraße“. Ein Auto fährt doch – oder geht es doch? Antwort Dass man in Deutschland Umgehungsstraße und nicht Umfahrungsstraße sagt, liegt daran, dass die Deutschen das Wort umgehen in diesem Zusammenhang ein bisschen anders, abstrakter verwenden als die Schweizer und die Österreicher. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Frage</strong></p>
<p>Wieso heißt es in Deutschland „Umgehungsstraße“? Bei uns in der Schweiz heißt es „Umfahrungsstraße“. Ein Auto fährt doch – oder geht es doch?</p>
<p><strong>Antwort</strong></p>
<p>Dass man in Deutschland <em>Umgehungsstraße</em> und nicht <em>Umfahrungsstraße</em> sagt, liegt daran, dass die Deutschen das Wort <em>umgehen</em> in diesem Zusammenhang ein bisschen anders, abstrakter verwenden als die Schweizer und die Österreicher. Mit <em>umgehen</em> kann nicht nur <em>um etwas herumgehen</em>, sondern auch <em>um etwas herumfahren</em> oder um <em>etwas herumverlaufen</em> gemeint sein. Auf gut „Deutschländisch“ kann man deshalb sagen:</p>
<blockquote><p>Wir umgehen die Stadt westlich auf der A 81.<br />
Die Schnellstraße umgeht das Dorf in einem weiten Bogen.</p></blockquote>
<p>Für deutsche Ohren klingt <em>Umgehungsstraße</em> also ganz normal, auch wenn man nicht zu Fuß, sondern im Auto auf ihr unterwegs ist. In der Schweiz und in Österreich versteht man das natürlich auch, man sagt aber:</p>
<blockquote><p>Wir umfahren die Stadt westlich auf der A3.<br />
Die Schnellstraße führt in einem weiten Bogen um das Dorf.</p></blockquote>
<p>Entsprechend heißt es dann nicht <em>Umgehungsstraße</em>, sondern <em>Umfahrungsstraße</em> (oder nach gut schweizerischer Orthografie <em>Umfahrungsstrasse</em>).</p>
<p>In Deutschland können Autos also auch nicht wirklich gehen, aber man kann in ihnen – sofern das Straßennetz es zulässt – einen Ort fahrend umgehen.</p>
<p>Mit freundlichen Grüßen</p>
<p>Dr. Bopp</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Der Mai und die Entlehnung von Wörtern</title>
		<link>http://canoo.net/blog/2012/04/30/der-mai-und-die-entlehnung-von-woertern/</link>
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		<pubDate>Mon, 30 Apr 2012 11:46:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Bopp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Wortschatz]]></category>
		<category><![CDATA[Fremdwörter]]></category>
		<category><![CDATA[Wortgeschichte]]></category>

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		<description><![CDATA[Wir haben vieles, auch viele Wörter, von den Römern übernommen. In Fachsprachen gibt es unzählige lateinische Wörter und Wortelemente, aber auch in der Allgemeinsprache kommen wir nicht ohne sie aus. Latinismen sind überall in unterschiedlicher Form zu finden: Bei den Wochentagen schöpfen wir, außer am Samstag, aus dem eigenen Wort- und Götterfundus: zum Beispiel Sonne [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wir haben vieles, auch viele Wörter, von den Römern übernommen. In Fachsprachen gibt es unzählige lateinische Wörter und Wortelemente, aber auch in der Allgemeinsprache kommen wir nicht ohne sie aus. Latinismen sind überall in unterschiedlicher Form zu finden:</p>
<p>Bei den Wochentagen schöpfen wir, außer am Samstag, aus dem eigenen Wort- und Götterfundus: zum Beispiel <em>Sonne</em> und <em>Mond</em> bei <em>Sonn-</em> und <em>Montag</em>, die Gottheiten <em>Donar</em> und <em>Freya</em> bei <em>Donnerstag</em> und <em>Freitag</em>, und der <em>Mittwoch</em> erklärt sich zumindest auf der Wortebene von selbst. Die Namen der Wochentage waren aber stark durch lateinische Begriffe beeinflusst. So wurden zum Beispiel der <em>dies Solis (Tag der Sonne) </em>zum <em>Sonntag,</em> der <em>dies Lunae (Tag des Mondes) </em>zum<em> Montag </em>und<em> Iovis dies (Jupiters Tag)</em> zum <em>Donnerstag (Donars Tag)</em>. Wir haben also einfach lateinische Bezeichnungen für die Wochentage ins Germanische übersetzt.</p>
<p>Bei den Monaten hingegen haben wir alles von den Lateinern übernommen: Von <em>Januar (Ianuarius)</em> bis <em>Dezember (December)</em> gehen alle Monatsnamen direkt auf die Bezeichnungen zurück, die die Römer verwendeten. Wir haben im Laufe der Jahrhunderte nur ein paar Endungen weggelassen <em>(-ius, -is</em>) und an verschiedenen Stellen das Schriftbild mithilfe der Buchstaben <em>J, ä, k</em> und <em>z</em> etwas „entlatinisiert“.</p>
<p>Wie man sieht, gab es im Bereich der Latinisimen (mindestens) zwei verschiedene Übernahmearten: die mehr oder weniger wörtliche Übersetzung wie bei den Wochentagen und die direkte Entlehnung wie bei den Monatsnamen. Wir waren also schon lange vor dem „Zeitalter der Anglizismen“ nicht allzu konsequent bei der Übernahme von Begriffen aus anderen Sprachen.</p>
<p>Heute, an einem Brückentag zwischen dem Sonntag und dem für viele arbeitsfreien Tag der Arbeit, kam beim mir die Frage auf, woher der Monatsname <em>Mai</em> genau stammt. An dieser Stelle wollte ich eigentlich etwas ausholen und eine schöne Wortgeschichte erzählen. Der Monat Mai gibt aber diesbezüglich nicht viel her: Die Römer nannten den Monat <em>Maius</em> und taten dies wahrscheinlich nach einer alten italischen Gottheit des Wachstums (<em>Maius</em> oder <em>Maia</em>). Viel mehr gibt es darüber nicht zu sagen, außer dass die Namen <em>Maius</em> und <em>Maia</em> mit <em>magnus (groß)</em> verwandt sind.</p>
<p>Ich wünsche allen einen schönen Ersten Mai!</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Loszählen</title>
		<link>http://canoo.net/blog/2012/04/14/loszaehlen/</link>
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		<pubDate>Sat, 14 Apr 2012 11:39:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Bopp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Wortschatz]]></category>
		<category><![CDATA[Wortbedeutung]]></category>

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		<description><![CDATA[Eine Iranerin, die Deutsch studiert hat, beschäftigt sich mit einem älteren deutschen Text und kommt beim Wort loszählen nicht mehr weiter. Hätten Sie auf Anhieb gewusst, was dieses Verb im unten zitierten Text bedeutet? Gemeint ist jedenfalls nicht anfangen zu zählen &#8230; Frage Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mir sagen, ob in dem unten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Eine Iranerin, die Deutsch studiert hat, beschäftigt sich mit einem älteren deutschen Text und kommt beim Wort <em>loszählen</em> nicht mehr weiter. Hätten Sie auf Anhieb gewusst, was dieses Verb im unten zitierten Text bedeutet? Gemeint ist jedenfalls nicht <em>anfangen zu zählen &#8230;</em></p>
<p><strong>Frage</strong></p>
<p>Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mir sagen, ob in dem unten stehen Satz <em>los</em> zum Verb <em>zählen</em> gehört. Ich möchte auch gerne wissen, ob <em>ihrer Bürgerschaft</em> Genitiv ist und ob <em>des Friedens Geiseln</em> Genitiv zu <em>ihrer Bürgschaft</em> ist.</p>
<blockquote><p>Der Krieg zählt ihrer Bürgschaft los des Friedens Geiseln*<br />
[Franz Grillparzer, <em>Weh dem der lügt, </em>1. Akt]</p></blockquote>
<p><strong>Antwort</strong></p>
<p>Sehr geehrte Frau S.,</p>
<p>Grillparzers Lustspiel <em>Weh dem der lügt</em> ist ein Text, der auch für „unvorbereitete“ Muttersprachige nicht immer leicht verständlich ist.</p>
<blockquote><p>Der Krieg zählt ihrer Bürgschaft los des Friedens Geiseln*</p></blockquote>
<p>Das Nachdenken beginnt hier beim Verb <em>loszählen</em>, das heute nicht mehr gebräuchlich ist (auch <em>ledig zählen</em>, vgl. <a href="http://www.woerterbuchnetz.de/DWB?lemma=zaehlen">Grimm, <em>zählen</em>, Bedeutung 5</a>). Seine Bedeutung ist <em>jemanden von etwas lösen, befreien</em>. Zum Beispiel:</p>
<blockquote><p>Gefangene wurden, wenn sie Glück hatten, losgezählt („seines gefengnus loszzuzcelen „)</p></blockquote>
<blockquote><p>Jemand konnte mit den Worten „du bist hiermit losgezehlet, und die sache ist dir vergeben“ von einem Bann befreit werden.</p></blockquote>
<blockquote><p>Es war einer Frau nicht erlaubt, sich „anderweit“ zu verloben, „ehe sie von ihrem ersten breutgam &#8230; ordentlicher weyse loßgezehlet“.</p></blockquote>
<blockquote><p>Manchmal konnten auch Dinge losgezählt werden: „eigenhändige privattestamente sind von allen förmlichkeiten losgezählt“</p></blockquote>
<blockquote><p>(Beispiele aus dem <a href="http://drw-www.adw.uni-heidelberg.de/drw/  ">Deutschen Rechtswörterbuch</a>, Stichwort <em>loszählen</em>)</p></blockquote>
<p>Wie die Beispiele zeigen wurde <em>loszählen</em> meist mit <em>von</em> verbunden. Man konnte aber auch <em>einer Sache</em> losgezählt werden. Grillparzer verwendet die Konstruktion mit dem Genitiv:</p>
<blockquote><p>Der Kriegt zählt sie<em> ihrer Bürgschaft</em> los.</p></blockquote>
<p>Es steht noch ein weiterer Genitiv in diesem Satz: <em>des Friedens</em>. Es handelt sich dabei um ein Genitivattribut, das dem Bezugswort <em>Geiseln</em> vorangestellt ist:</p>
<blockquote><p>des Friedens Geiseln = die Geiseln des Friedens</p></blockquote>
<p>In modernerem Deutsch und ohne das Versmaß zu beachten lassen sich Grillparzers Worte ungefähr so umschreiben:</p>
<blockquote><p>Der Krieg befreit die Geiseln des Friedens aus ihrer Bürgschaft.</p></blockquote>
<p>Gemeint ist – wenn ich es richtig verstehe –, dass zu Friedenszeiten gestellte Geiseln freigelassen werden müssen, wenn der Krieg ausbricht. Dies wurde so kunstvoll mit zwei Genitiven und einem inzwischen veralteten Verb in Jamben gegossen, dass man sich heute gut konzentrieren muss, wenn man den Satz verstehen will.</p>
<p>Diese Art zu formulieren gehörte auch zu Grillparzers Zeiten nicht dem alltagsprachlichen Repertoire an. So sprach wohl niemand. Sie zeigt aber trotzdem, dass die deutsche Sprache sich seit 1840 sehr verändert hat. Auch in einem sehr literarisch gemeinten Text würde man heute eine solche Formulierung nicht mehr antreffen. Es ist also kaum erstaunlich, dass ein Text wie dieser Ihnen Schwierigkeiten bereitet.</p>
<p>Mit freundlichen Grüßen</p>
<p>Dr. Bopp</p>
<p>*Kontext: Bischof Gregors Neffe Atalus wurde als Geisel gestellt, um Frieden zu schließen. Nun ist doch wieder Krieg ausgebrochen und Gregor spricht mit der Küchenhilfe Leon über Atalus’ Flucht oder Befreiung:</p>
<blockquote><p><strong>Leon:</strong><br />
Hm, das begreift sich. – Doch wenn Atalus<br />
Ersäh&#8217; den Vorteil, seiner Haft entspränge?<br />
<strong>Gregor:</strong><br />
Er möcht&#8217; es ohne Sünde, denn <em>der Krieg<br />
Zählt ihrer Bürgschaft los des Friedens Geiseln</em>,<br />
Und nur mit Unrecht hält man ihn zurück.<br />
[Franz Grillparzer, Weh dem der lügt, 1840, 1. Akt]</p></blockquote>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Balkon, ein europäisches Wort</title>
		<link>http://canoo.net/blog/2012/03/30/balkon-ein-europaeisches-wort/</link>
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		<pubDate>Fri, 30 Mar 2012 17:00:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Bopp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Wortschatz]]></category>
		<category><![CDATA[Wortgeschichte]]></category>

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		<description><![CDATA[Vom Frühliungputz halte ich nicht viel, aber es ist Zeit, dem Dreck, der sich im Laufe des Winters auf dem Balkon niedergelassen hat, mit dem Besen zu Leibe zu rücken. Das merkt man spätestens dann, wenn die Balkonbegrünung wieder den Einsatz des Gießkännchens erfordert. Es folgt nun weder eine Beschreibung empfehlenswerter Balkongewächse noch ein Tipp, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Vom Frühliungputz halte ich nicht viel, aber es ist Zeit, dem Dreck, der sich im Laufe des Winters auf dem Balkon niedergelassen hat, mit dem Besen zu Leibe zu rücken. Das merkt man spätestens dann, wenn die Balkonbegrünung wieder den Einsatz des Gießkännchens erfordert. Es folgt nun weder eine Beschreibung empfehlenswerter Balkongewächse noch ein Tipp, wie man am besten seinen Balkon fegt. Die zu behandelnde Frage ist vielmehr, woher <em>Balkon</em> eigentlich kommt.</p>
<p>Das Wort wird von vielen wie <em>balkong</em> ausgesprochen. Das deutet auf eine französische Herkunft hin. Wir haben es tatsächlich von den Franzosen übernommen, die das Wort <em>balcon</em> allerdings nicht selbst erfunden haben. Vor allem während des 16. und 17. Jahrhunderts war der italienische Einfluss am französischen Hof sehr groß: angefangen bei Katharina von Medici, die als Gattin Heinrichs II. ab 1547 Königin von Frankreich und später Regentin war, über Maria von Medici, ebenfalls durch Heirat französische Königin und später Regentin, bis hin zum auch aus Italien stammenden Kardinal Mazarin (Giulio Mazzarino), der von 1642 bis 1661 als regierender Minister Frankreichs die eigentliche Macht im Staat innehatte. Dieser über ein Jahrhundert währende politische und kulturelle Einfluss manifestierte sich auch in einer großen Anzahl italienischer Lehnwörter (Italianismen).</p>
<p>Auch <em>balcon</em> stammt aus dem Italienischen. Das Wort <em>balcone</em> bezeichnete dort ursprünglich ein Balkengerüst. <em>Balkengerüst</em> lässt vermuten, in welche Richtung man weitersuchen muss: <em>balcone</em> geht auf das langobardische Wort <em>balko</em> zurück. Die Langobarden waren ein germanisches Volk, das im 6. Jahrhundert in Norditalien einwanderte und dort auch einige sprachliche Spuren hinterließ (u. a. in der Lombardei, die ihren Namen den Langobarden verdankt). Das langobardische <em>balko</em> ist direkt mit unserem deutschen Wort <em>Balken </em>verwandt.</p>
<p>Den Balkon habe ich noch nicht gefegt, dafür weiß ich aber jetzt, dass man anhand des Wortes <em>Balkon</em> einen Teil der europäischen Geschichte verfolgen kann. Das germanische Wort gelangte mit den Langobarden nach Italien. Von dort reiste es mit italienischen Prinzessinnen, Kardinälen und deren Gefolge nach Frankreich und kam später, als das Französische hier noch sehr <em>en vogue</em> war, wieder zu uns in den germanischen Sprachraum zurück – ein wahrhaft europäisches Wort! Nebenbei wissen Sie nun auch, dass man Wortgeschichte als Vorwand benutzen kann, wenn man keine Lust auf Hausarbeit hat. Der Balkon muss noch einen Tag warten.</p>
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		</item>
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		<title>Gescheiter[t]</title>
		<link>http://canoo.net/blog/2012/03/18/gescheitert/</link>
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		<pubDate>Sun, 18 Mar 2012 16:08:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Bopp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Wortschatz]]></category>
		<category><![CDATA[Wortgeschichte]]></category>

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		<description><![CDATA[Frage Gibt es einen Grund, warum die Wörter „gescheit“ und „gescheitert“ so ähnlich sind? Oder ist es nur Zufall? Antwort Sehr geehrter Herr H., im heutigen Deutsch gibt es keinen Zusammenhang zwischen gescheitert und gescheit. Ganz zufällig ist die Ähnlichkeit der beiden Wörter aber nicht: Das Wort gescheit geht auf ein altes Adjektiv geschîde zurück, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Frage</strong></p>
<p>Gibt es einen Grund, warum die Wörter „gescheit“ und „gescheitert“ so ähnlich sind? Oder ist es nur Zufall?</p>
<p><strong>Antwort</strong></p>
<p>Sehr geehrter Herr H.,</p>
<p>im heutigen Deutsch gibt es keinen Zusammenhang zwischen <em>gescheitert</em> und <em>gescheit</em>. Ganz zufällig ist die Ähnlichkeit der beiden Wörter aber nicht:</p>
<p>Das Wort <em>gescheit</em> geht auf ein altes Adjektiv <em>geschîde</em> zurück, das in übertragenem Sinne <em>(geistig) scharf und unterscheidend</em> bedeutete. Dieses Adjektiv ist direkt mit dem Verb <em>schîden</em>, einer Nebenform von <em>scheiden</em>, verwandt.</p>
<p>Das Wort <em>gescheitert</em> gehört zum Verb <em>scheitern</em>. Mit der Bedeutung <em>misslingen, fehlschlagen</em> ist dieses Verb relativ jung (17. Jh.). Davor gab es <em>zerscheitern</em> (16. Jh.), wahrscheinlich also <em>in Scheiter gehen</em>, <em>in Stücke gehen</em>. Das Wort <em>Scheit</em> <em>(abgespaltenes Stück Holz)</em> hatte früher die Form <em>schît</em> und ist – vielleicht erraten Sie es schon – mit dem Verb <em>scheiden</em> verwandt.</p>
<p><em>Ge</em><em>sc</em><em>heit</em> und <em>gescheitert</em> sind also beide in gewissem Sinne Nachkommen des Verbs <em>scheiden</em>. Ihre Bedeutungen haben sich aber sehr unterschiedlich entwickelt. Der Zusammenhang zwischen den beiden Wörtern ist deshalb (wie die Verwandtschaft mit <em>Holzscheit</em>) nur noch rein formal am Wortkern <em>scheit</em> zu erkennen – auch wenn es wenig Mühe bereitet, die beiden Wörter gemeinsam in einen Satz zu zwängen: „Wärst du gescheiter, wärst du nicht gescheitert.“ „Daran sind schon Gescheitere gescheitert.“</p>
<p>Gegen das Ende der Wintersportsaison auch interessant: Über ein paar zusätzliche (norwegische) Ecken hat auch das Wort <em>Ski</em> mit <em>gescheitert</em> und <em>gescheit</em> zu tun. Das norwegische Wort für <em>Schneeschuh</em>, den Vorläufer des Skis, ist nämliche ein direkter Verwandter des deutschen Wortes <em>Scheit</em>.</p>
<p>Mit freundlichen Grüßen</p>
<p>Dr. Bopp</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Warum heißt die Gegenwart so?</title>
		<link>http://canoo.net/blog/2012/03/08/warum-heisst-die-gegenwart-so/</link>
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		<pubDate>Thu, 08 Mar 2012 13:17:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Bopp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Grammatik]]></category>
		<category><![CDATA[Wortschatz]]></category>
		<category><![CDATA[Wortgeschichte]]></category>

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		<description><![CDATA[Kinder stellen gute Fragen. Ich hatte mir die folgende Frage jedenfalls noch nie gestellt – und das als „Sprachler“! Frage Mein achtjähriger Sohn M[...] fragt, warum das Wort „Gegenwart“ so heißt? Woher kommt die Wortverbindung aus „gegen“ und „wart(en?)“ bzw. was hat diese mit der Wortbedeutung zu tun? Antwort Sehr geehrte Frau R., lieber M., [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Kinder stellen gute Fragen. Ich hatte mir die folgende Frage jedenfalls noch nie gestellt – und das als „Sprachler“!</p>
<p><strong>Frage</strong></p>
<p>Mein achtjähriger Sohn M[...] fragt, warum das Wort „Gegenwart“ so heißt? Woher kommt die Wortverbindung aus „gegen“ und „wart(en?)“ bzw. was hat diese mit der Wortbedeutung zu tun?</p>
<p><strong>Antwort</strong></p>
<p>Sehr geehrte Frau R., lieber M.,</p>
<p>das Wort <em>Gegenwart</em> ist ein altes Wort. Es ist mit einem Adjektiv verbunden, das <em>gegewertec</em> oder <em>gegenwürtec</em> hieß und <em>gegenwärtig</em>, <em>anwesend</em> bedeutete. Die wörtliche Bedeutung war <em>gegenüber seiend</em>. Es bezeichnete also dasjenige, das sich einem gegenüber befindet, das anwesend ist.</p>
<p>Den Wortteil <em>gegen</em> kann man somit als <em>gegenüber</em> verstehen. Der zweite Teil, <em>wart</em>, hat nichts mit dem Wort <em>warten</em> zu tun. Er ist mit <em>-wärtig</em> verwandt, das <em>gewendet</em>, <em>gerichtet</em> bedeutete. Man findet dieses <em>wärt(ig)</em> heute noch in zum Beispiel <em>auswärts (nach außen gewendet), abwärts (hinab gerichtet),  südwärts (nach Süden gerichtet) </em>usw.</p>
<p>Als Bezeichnung für die Zeitform des Verbs kam <em>Gegenwart</em> erst im 18. Jahrhundert auf.</p>
<p>Von der früheren wörtlichen Bedeutung <em>gegen(über) gerichtet, gegenüber seiend</em> bis zur heutigen Bedeutung <em>Jetztzeit</em> hat das Wort <em>Gegenwart</em> also einen recht langen Weg zurückgelegt, den man aber – wenn man es einmal weiß – recht gut nachvollziehen kann.</p>
<p>Mit freundlichen Grüßen</p>
<p>Dr. Bopp</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>In der Tinte sitzen</title>
		<link>http://canoo.net/blog/2012/02/29/in-der-tinte-sitzen/</link>
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		<pubDate>Wed, 29 Feb 2012 12:35:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Bopp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Wortschatz]]></category>
		<category><![CDATA[Redewendungen]]></category>
		<category><![CDATA[Wortgeschichte]]></category>

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		<description><![CDATA[Frage Ich wollte Sie freundlich anfragen, ob Sie mir aus der Patsche helfen. Woher kommt wohl der Ausdruck „in der Tinte sitzen“? Antwort Sehr geehrte Frau M., aus dieser Patsche kann ich Ihnen leider nicht helfen. Ich haben keine zuverlässige Erklärung für die Entstehung der Wendung in der Tinte sitzen (= in Bedrängnis, Schwierigkeiten sein) finden [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Frage</strong></p>
<p>Ich wollte Sie freundlich anfragen, ob Sie mir aus der Patsche helfen. Woher kommt wohl der Ausdruck „in der Tinte sitzen“?</p>
<p><strong>Antwort</strong></p>
<p>Sehr geehrte Frau M.,</p>
<p>aus dieser Patsche kann ich Ihnen leider nicht helfen. Ich haben keine zuverlässige Erklärung für die Entstehung der Wendung <em>in der Tinte sitzen</em> (<em>= in Bedrängnis, Schwierigkeiten sein</em>) finden können.</p>
<p>Eine Erklärung sagt, dass man dann so richtig in der Tinte sitzt, wenn man durch etwas in Bedrängnis kommt, das schriftlich, das heißt mit Tinte festgelegt ist. Besser gefällt mir der Versuch, den Ursprung der Wendung in der „Geschichte von den schwarzen Buben“ im „Struwwelpeter“ zu suchen. In der nach heutigen Maßstäben politisch nicht sehr korrekten Erzählung wird ein vor dem Tor spazierender Mohr zum Gespött dreier böser Buben. Zur Strafe werden die uneinsichtigen Bösewichte ins große Tintenfass des großen Nikolas getunkt:</p>
<table>
<tbody>
<tr>
<td><img class="alignnone size-medium wp-image-7496" title="Geschichte von den schwarzen Buben" src="http://canoo.net/blog/wp-content/uploads/2012/02/Tinte-2--246x300.jpg" alt="" width="197" height="240" /></td>
<td>Da kam der große NIKOLAS<br />
Mit seinem großen Tintenfaß.<br />
Der sprach: »Ihr Kinder, hört mir zu,<br />
Und laßt den Mohren hübsch in Ruh’!<br />
Was kann denn dieser Mohr dafür,<br />
Daß er so weiß nicht ist wie ihr?«<br />
Die Buben aber folgten nicht,<br />
Und lachten ihm ins Angesicht<br />
Und lachten ärger als zuvor<br />
Über den armen schwarzen Mohr</td>
</tr>
<tr>
<td><img class="alignnone size-medium wp-image-7497" title="Geschichte von den schwarzen Buben" src="http://canoo.net/blog/wp-content/uploads/2012/02/Tinte-3-246x300.jpg" alt="" width="197" height="240" /></td>
<td>Der Niklas wurde bös und wild,<br />
Du siehst es hier auf diesem Bild!<br />
Er packte gleich die Buben fest,<br />
Beim Arm, beim Kopf, bei Rock und West’,<br />
Den Wilhelm und den Ludewig,<br />
Den Kaspar auch, der wehrte sich.<br />
Er tunkt sie in die Tinte tief,<br />
Wie auch der Kaspar: »Feuer!« rief.<br />
Bis übern Kopf ins Tintenfaß<br />
Tunkt sie der große Nikolas</td>
</tr>
<tr>
<td colspan="2"><small>[Heinrich Hoffmann, <em>Die Geschichte von den schwarzen Buben</em>, in: <em><a href="http://de.wikisource.org/wiki/Lustige_Geschichten_und_drollige_Bilder">Lustige Geschichten und drollige Bilder</a></em>, 1845, Frankfurt am Main (ab 1847 mit dem Titel <em>Der Struwwelpeter</em>)]</small></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>So sympathisch die Erklärung auch klingen mag, die Redewendung <em>in der Tinte sitzen</em> kann ihren Ursprung nicht im „Struwwelpeter“ haben. Gemäß den Angaben in <a href="http://www.woerterbuchnetz.de/DWB?lemma=dinte">Grimm</a> verwendete zum Beispiel Johann Geiler von Kaysersberg (1445-1510), Autor und bekannter Münsterprediger in Straßburg, diese Ausdrucksweise bereits Ende des 15. und Anfang des 16. Jahrhunderts:</p>
<blockquote><p>ir stecken mit mir in der dinten<br />
<small>[<em>Doctor Keiserssbergs Postill</em>, 1522]</small></p>
<p>soltestu den man strofen, din gesind strofen, so bistu selber in der dinten<br />
<small>[<em>Peregrinus / Der bilger mit seinen eygenschaften</em>, 1494]</small></p></blockquote>
<p>Am wahrscheinlichsten ist, dass Tinte, die bei unsachgemäßer Handhabung ja ausgezeichnet und hartnäckig beschmutzen kann, eine nettere Alternative für <em>Dreck</em> war und ist. Auch ihre dunkle, undurchsichtige Färbung mag zu diesem negativen Bild beitragen. Mit Sicherheit kann ich dies aber leider nicht sagen.</p>
<p>Mit freundlichen Grüßen</p>
<p>Dr. Bopp</p>
]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>Die Lawine kommt aus der Schweiz</title>
		<link>http://canoo.net/blog/2012/02/19/die-lawine-kommt-aus-der-schweiz/</link>
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		<pubDate>Sun, 19 Feb 2012 12:04:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Bopp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Wortschatz]]></category>
		<category><![CDATA[Wortgeschichte]]></category>

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		<description><![CDATA[Wenn es viel schneit kommt in den Bergen neben großer Wintersportfreude unweigerlich auch große Lawinengefahr auf. Das allgemein bekannte und zurzeit leider wieder sehr aktuelle Wort Lawine kommt aus der Schweiz. Dass es aus dem Alpenraum stammt, ist nicht sehr erstaunlich, denn im deutschsprachigen Raum gab es vor Massenreisefieber und Massenmedien andernorts selten Verwendung für [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn es viel schneit kommt in den Bergen neben großer Wintersportfreude unweigerlich auch große Lawinengefahr auf. Das allgemein bekannte und zurzeit leider wieder sehr aktuelle Wort <em>Lawine</em> kommt aus der Schweiz. Dass es aus dem Alpenraum stammt, ist nicht sehr erstaunlich, denn im deutschsprachigen Raum gab es vor Massenreisefieber und Massenmedien andernorts selten Verwendung für dieses Wort – außer vielleicht im Zusammenhang mit Dachlawinen, doch man kam dabei offensichtlich ohne die spezielle Bezeichnung <em>Lawine</em> aus.</p>
<p>Nun klingt <em>Lawine</em> im Vergleich zu <em>Chuchichäschtli</em>, <em>Chopfchüssi</em>, <em>Grüezi/Grüessech</em>, <em>Müesli </em>und <em>Bankghäimnis</em> nicht sehr schweizerdeutsch. Das liegt daran, dass wir es eigentlich den Lateinern zu verdanken haben. Seine Wurzel ist lateinisch <em>lābī = herabgleiten, fallen</em>, von dem das spätlateinische <em>lābīna = Erdrutsch, Bergsturz </em>abgeleitet wurde. Über das Ladinische und Rätoromanische der in den Alpen wohnenden Romanen gelang das Wort schon früh zu den Alemannen an die Alpennordseite: <em>lewina</em>, <em>lowin</em> dann <em>Láui</em>, <em>Láuine</em>, <em>Láuene. </em>Das Wort reiste auch andernorts über die Alpen: bairisch-österreichisch u. a. <em>Lāne</em>, <em>Lān</em>, <em>Län</em>. In der schweizerischen Form <em>Lauwin(e)</em> wurde es später in die Schriftsprache übernommen und gelangte über die Reiseliteratur auch weiter nördlich zu einiger Bekanntheit. Zum eigentlichen „Durchbruch“ hat dem Wort wohl Friedrich Schiller verholfen, der in seinem „Willhelm Tell“ die Nebenform <em>Lawine </em>verwendete:</p>
<blockquote><p>Bei jedem Abschied zittert mir das Herz,<br />
Dass du mir nimmer werdest wiederkehren.<br />
Ich sehe dich im wilden Eisgebirg,<br />
[...] Wie eine Wind<em>lawine</em> dich verschüttet,<br />
<small>[3. Aufzug 1. Szene]</small></p></blockquote>
<blockquote><p>- Das sind die Gletscher, die des Nachts so donnern,<br />
Und uns die Schlag<em>lawinen</em> niedersenden.<br />
- So ists, und die <em>Lawinen</em> hätten längst<br />
Den Flecken Altorf unter ihrer Last<br />
Verschüttet, wenn der Wald dort oben nicht<br />
Als eine Landwehr sich dagegen stellte.<br />
<small>[3. Aufzug 3. Szene]</small></p></blockquote>
<blockquote><p>Vater, es wird mir eng im weiten Land,<br />
Da wohn’ ich lieber unter den <em>Lawinen</em><br />
<small>[3. Aufzug 3. Szene]</small></p></blockquote>
<blockquote><p>Am Abgrund geht der Weg, und viele Kreutze<br />
Bezeichnen ihn, errichtet zum Gedächtniß<br />
Der Wanderer, die die <em>Lawine</em> begraben.<br />
<small>[5. Aufzug 2. Szene]</small></p></blockquote>
<p>Auch damals versuchte man also, dem Publikum mit der Schilderung „exotischer“ Gefahren ein Schaudern zu entlocken. Die Hauptbetonung ist auf dem Weg in den Norden übrigens von der ersten Silbe (Láuwine) auf die zweite Silbe (Lawíne) gerutscht.</p>
<p>Das Wort <em>Lawine</em> kommt also aus der Schweiz. Genauer müsste man allerdings sagen, dass es aus dem Spätlateinischen <em>über</em> die Schweiz in Werken von Reiseschriftstellern und Dichterfürsten in den allgemeinen deutschen Wortschatz gelangt ist.</p>
<p>Wie dem auch sei: Seien Sie vorsichtig und passen Sie gut auf, wenn Sie sich auf Latten und Brettern in den Schnee wagen! Lawinen sind gefährlich – nicht nur bei Schiller und nicht nur in der Schweiz.</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Shitstorm</title>
		<link>http://canoo.net/blog/2012/02/13/shitstorm/</link>
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		<pubDate>Mon, 13 Feb 2012 19:46:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Bopp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Wortschatz]]></category>

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		<description><![CDATA[Es klingt englisch und das ist es auch: Das Wort Shitstorm ist zum Anglizismus des Jahres 2011 gekürt worden. Alles Weitere zu Bedeutung, Konkurrenten, Jury usw. finden Sie bei »Anglizismus des Jahres«.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es klingt englisch und das ist es auch: Das Wort <em>Shitstorm</em> ist zum Anglizismus des Jahres 2011 gekürt worden. Alles Weitere zu Bedeutung, Konkurrenten, Jury usw. finden Sie bei <a href="http://www.anglizismusdesjahres.de/anglizismen-des-jahres/adj-2011/">»Anglizismus des Jahres«</a>.</p>
<p><img class="size-medium wp-image-7377 alignnone" title="Anglizismus-2011" src="http://canoo.net/blog/wp-content/uploads/2012/02/adj-wordcloud-2011-ms-300x200.gif" alt="" width="240" height="160" /></p>
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