Guten Tag(,) Frau Schneider – Briefanreden mit oder ohne Komma?

Frage

Ich habe versucht, auf Ihrer Internetseite folgende Kommasetzung zu finden:

Hallo, Frau Schneider!
Guten Tag, Herr Schulz!

Wir sind uns im Büro leider nicht einig, ob nach Hallo und Guten Tag in Briefanreden ein Komma gesetzt wird oder nicht.

Antwort

Sehr geehrte Frau Z.,

es ist nicht besonders verwunderlich, dass Sie sich im Büro bei dieser Frage nicht einig werden können. Nach den Beispielen in der DIN 5008 (sie legt Schreib- und Gestaltungsregeln für die Textverarbeitung fest) schreibt man ohne Komma:

Hallo Frau Schneider,
Guten Tag Herr Schulz,

Nach den Beispielen in Duden – Richtiges und gutes Deutsch kann man nach Hallo ein Komma setzen und muss man nach Guten Tag ein Komma verwenden:

Hallo[,] Frau Schneider,
Guten Tag, Herr Schulz

Was ist also richtig? Ich greife hier auf die amtlichen Rechtschreibregeln zurück, die besagen, dass man bei Anreden ein Komma setzt, wenn man sie besonders hervorheben will (siehe Regel). Die Unsicherheit entsteht durch den dort stehenden Nebensatz „die besonders hervorgehoben werden sollen“. Man muss hier also nicht unbedingt Kommas verwenden.

Hervorhebung wird in der gesprochenen Sprache u. a. durch eine kurze Pause angegeben. Anreden wie Hallo[,] Frau Meier oder Guten Tag[,] Herr Schulz kann man sowohl mit, als auch ohne Hervorhebung resp. Pause lesen. Entsprechend kann mit oder ohne Komma geschrieben werden.

Soweit ich weiß üblicher und für mein Auge etwas weniger gewöhnungsbedürftig sind übrigens die Briefanreden ohne Komma. Wenn die Anrede länger wird, drängt sich allerdings wieder eher die Verwendung des Kommas auf:

Guten Tag, sehr geehrte Frau Schneider,

Der langen Rede kurzer Sinn: Ein Komma ist nicht notwendig, es kann aber gesetzt werden. Das ist keine eindeutige Regel, aber das macht nichts. Diese Anreden werden ja verwendet, weil sie weniger förmlich sind als das traditionelle Sehr geehrte(r). Dann darf man sicher auch die Kommasetzung etwas lockerer nehmen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Liebe Auszubildende(n)?

Frage

Ich habe eine Frage zur Flexion von substantivisch verwendeten Partizipien: Wenn ich meine Azubis anschreiben möchte, heißt es dann Liebe Auszubildende oder Liebe Auszubildenden?

Antwort

Sehr geehrte Frau S.

Die richtige Anrede lautet in diesem Fall:

Liebe Auszubildende

Das Partizip wird hier wie ein substantiviertes Adjektiv verwendet. Es muss deshalb wie ein ohne Artikelwort stehendes Adjektiv gebeugt werden. Es hat die gleiche Endung wie das vor ihm stehende Adjektiv liebe.

Ohne Artikelwort stehende Adjektive werden stark gebeugt und Anreden stehen im Nominativ. Daraus folgt, dass die beiden Wörter in der Anrede die folgende Form haben müssen: Nominativ Plural starke Flexion.

  • Die Form des Nominativ Plural der starken Flexion finden Sie hier.
    => Auszubildende
  • Die Regel zur Deklination zweier aufeinanderfolgender Adjektive steht hier.
    => Liebe Auszubildende

Andere Beispiele sind:

Lieber Auszubildender
Liebe Studierende
Sehr geehrte Beamtinnen und Beamte

Die Anrede mit der Endung en (Liebe Auszubildenden) wird wohl in Anlehnung an die Pluralform mit Artikelwort (die Auszubildenden) oder Anreden mit anderen Wörter (zum Beispiel Liebe Kollegen) gebildet. Sie kommt recht häufig vor, ist aber als falsch anzusehen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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