Wenn Carne sich auf Sahne reimt
In der deutschen Standardaussprache wird das r am Endrand der Silbe ja von vielen vokalisiert (als Selbstlaut ausgesprochen):
wer = [we:ɐ]
ihr = [i:ɐ]
Wort = [woɐt]
Wurst = [wuɐst]
Nach einem a lassen manche das r sogar ganz wegfallen:
wahr = [wa:ɐ] oder [wa:]
Da ich ursprünglich aus einer Ecke des deutschen Sprachraums stamme, in der man das r fröhlich rollen lässt, kommt mir diese letzte Ausspracheweise, das heißt das gänzliche Weglassen des r, immer irgendwie „extrem“ vor. Seit dem vergangenen Wochenende weiß ich aber endgültig, dass man hier nicht mehr von „extrem“ sprechen kann. Im WDR-Radio hörte ich einen Schlager, in dem die Liebe anhand von verschiedenen Gerichten erklärt wird. Mein Ohr blieb bei den letzen beiden Zeilen des Refrains hängen:
Ich find dich schärfer als Chili con Carne
und noch viel süßer als Erbeer’n mit Sahne.
Chili con carne reimt sich hier auf Erdbeeren mit Sahne. Wenn das „ungestraft“ durchgeht, ist der fortschreitende Schwund des r nicht mehr zu stoppen. Ich fange deshalb schon einmal an, die Aussprache Tschili kon Kahne zu üben …
Das allerschönste Kompliment dieser kulinarischen Liebeserklärung findet man übrigens (mit einwandfreiem Binnenreim) in der zweiten Strophe dieses Schlagers:
Ich find dich schöner als ’n Döner
Wer könnte einem solchen Kompliment widerstehen!


