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	<title>Fragen Sie Dr. Bopp! &#187; Aussprache</title>
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	<description>Deutsche Rechtschreibung und Grammatik</description>
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		<title>Gluten wie zehn oder wie sputen?</title>
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		<pubDate>Thu, 17 Nov 2011 11:46:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Bopp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Aussprache]]></category>
		<category><![CDATA[Fremdwörter]]></category>
		<category><![CDATA[Wortgeschichte]]></category>

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		<description><![CDATA[Im heutigen Beitrag spielen nicht etwa glühende Kohlen oder gar feurige Leidenschaft die Hauptrolle, sondern das Gluten, ein klebriger, zäher Eiweißstoff, der in den Körnern gewisser Getreidearten vorkommt. Gluten ist offenbar beim Backen eines schönen Brotlaibs wichtig, es kann aber auch – wie einige wahrscheinlich besser wissen, als ihnen lieb ist – zu allergischen Reaktionen führen (Glutenintoleranz). Es geht [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Im heutigen Beitrag spielen nicht etwa glühende Kohlen oder gar feurige Leidenschaft die Hauptrolle, sondern das Gluten, ein klebriger, zäher Eiweißstoff, der in den Körnern gewisser Getreidearten vorkommt. Gluten ist offenbar beim Backen eines schönen Brotlaibs wichtig, es kann aber auch – wie einige wahrscheinlich besser wissen, als ihnen lieb ist – zu allergischen Reaktionen führen (Glutenintoleranz). Es geht hier allerdings nicht um so praktische Inhalte wie Tipps für das Brotbacken oder glutenfreie Ernährung, sondern rein um die Form: Wie spricht man <em>Gluten</em> aus?</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Frage</strong></p>
<p><strong> </strong>In Ernährungsabhandlungen wird öfters das Wort „Gluten“ benutzt,  auch in der Verbindung „glutenfrei“. Allerdings erfolgt die Aussprache in zweierlei Weise: einmal „glú-ten“ mit Betonung von „glut“, das andere Mal „glu-tén“ mit betontem langem „ten“. Welche Betonung ist richtig?</p>
<p><strong>Antwort</strong></p>
<p><strong> </strong>Sehr geehrter Herr K.,</p>
<p>das Wort <em>Gluten</em> wird heute meist auf dem e der zweiten Silbe betont, wobei das e lang gesprochen wird. Dies geschieht in Anlehnung an die Namen chemischer Verbindungen mit der Endung <em>-en</em> wie zum Beispiel <em>Äthylen, Propen</em>. Die Betonung auf dem u kommt ebenfalls vor. Sie orientiert sich an der Herkunft des Wortes, das heißt dem lateinischen Wort für Leim: <em>gluten</em> (Genitiv: <em>glutinis</em>). Das lateinische Wort hat einen langen Vokal (ū), der im Deutschen in dieser Position normalerweise die Hauptbetonung erhält (vgl. <em>volūmen, volūminis – Volúmen; nōmen, nōminis – Nómen; imāgō, imāginis – Imágo</em>)</p>
<p>Dieses „Herkunftsprinzip“ bei der Betonung kann man auch in anderen Sprachen beobachten:</p>
<blockquote><p>en: gl<strong>u</strong>ten vs ethyl<strong>e</strong>ne, prop<strong>e</strong>ne<br />
nl: gl<strong>u</strong>ten vs ethyl<strong>ee</strong>n, prop<strong>ee</strong>n<br />
it: gl<strong>u</strong>tine vs etli<strong>e</strong>ne, prop<strong>e</strong>ne</p></blockquote>
<p>Trotzdem ist heute im Deutschen, wie gesagt, die Betonung auf dem e üblicher. Die Betonung auf dem u der ersten Silbe ist aber nicht als falsch anzusehen. <em>Gluten</em> reimt sich also heute meist „modern“ auf <em>zehn</em>, aber manchmal auch noch „klassisch“ auf <em>sputen.</em></p>
<p>Mit freundlichen Grüßen</p>
<p>Dr. Bopp</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Hähbät Bähgä</title>
		<link>http://canoo.net/blog/2011/02/27/herbert/</link>
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		<pubDate>Sun, 27 Feb 2011 16:17:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Bopp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Aussprache]]></category>
		<category><![CDATA[Regionale Unterschiede]]></category>

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		<description><![CDATA[Soeben hörte ich jemanden „Extremdeutsch“ sprechen. Er sagte etwas, dass ich ungefähr so aufschreiben würde: Eä heißt Hähbät Bähgä. Gemeint war: Er heißt Herbert Berger. In die gleiche Reihe gehören Aussprachen wie: eeählich (ehrlich) hähtä (härter) Fahbe (die Farbe) a la kaaht (à la carte) Nun ist es so, dass das r in vielen Regionen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Soeben hörte ich jemanden „Extremdeutsch“ sprechen. Er sagte etwas, dass ich ungefähr so aufschreiben würde:</p>
<blockquote><p>Eä heißt Hähbät Bähgä.</p></blockquote>
<p>Gemeint war:</p>
<blockquote><p>Er heißt Herbert Berger.</p></blockquote>
<p>In die gleiche Reihe gehören Aussprachen wie:</p>
<blockquote><p>eeählich (ehrlich)<br />
hähtä (härter)<br />
Fahbe (die Farbe)<br />
a la kaaht (à la carte)</p></blockquote>
<p>Nun ist es so, dass das r in vielen Regionen nicht „rollend“ gesprochen wird und das rollende r entsprechend im Standarddeutschen fast nicht (mehr) üblich ist, aber man kann alles übertreiben! Das sollten sich <em>Hähbät</em>-Sager und <em>Gähda-</em>Sagerinnen überlegen, bevor sie die Aussprache anderer kritisieren oder belächeln. Es sind nämlich häufig solche extremen „r‑Vokalisierer“, die meinen, eine besonders gute Standardaussprache zu haben.</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Gäbe wie wäre und hätte</title>
		<link>http://canoo.net/blog/2011/01/26/gaebe-gebe/</link>
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		<pubDate>Wed, 26 Jan 2011 10:48:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Bopp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Grammatik]]></category>
		<category><![CDATA[Konjugation/Deklination]]></category>
		<category><![CDATA[Aussprache]]></category>
		<category><![CDATA[Konjugation]]></category>

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		<description><![CDATA[Eine Frage, die immer wieder auftaucht, ist die Unterscheidung zwischen gebe und gäbe. Da die gleiche Frage bei sei und wäre oder habe und hätte bei weitem nicht so oft gestellt wird, können diese Formen herangezogen werden, wenn dringlich Soforthilfe benötigt wird. Frage Gelegentlich werde ich beruflich dazu angehalten, über Sitzungen Protokoll zu führen. Ich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Eine Frage, die immer wieder auftaucht, ist die Unterscheidung zwischen <em>gebe</em> und <em>gäbe</em>. Da die gleiche Frage bei <em>sei</em> und <em>wäre</em> oder <em>habe</em> und <em>hätte</em> bei weitem nicht so oft gestellt wird, können diese Formen herangezogen werden, wenn dringlich Soforthilfe benötigt wird.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Frage</strong></p>
<p>Gelegentlich werde ich beruflich dazu angehalten, über Sitzungen Protokoll zu führen. Ich verfasse diese im Konjunktiv („XY bestätigt, dass dies richtig sei.“). Nun begegne ich aber immer wieder dem Problem, wann es denn nun richtig ist, „gebe“ oder „gäbe“ zu verwenden. Beispiele:</p>
<blockquote><p>XY erklärt, es gebe/gäbe Überlegungen&#8230;<br />
Bezüglich xy gebe/gäbe es einige Änderungen.<br />
XY berichtet, dass es keine eindeutige Richtlinie gebe/gäbe.</p></blockquote>
<p><strong>Antwort</strong></p>
<p>Sehr geehrte Frau R.,</p>
<p>theoretisch ist es ganz einfach: Die Form <em>gebe</em> steht im Konjunktiv I, die Form <em>gäbe</em> im Konjunktiv II. Doch wer weiß schon immer genau, wann man welchen Konjunktiv verwenden kann, muss oder darf? Deshalb werde ich hier ausnahmsweise auf grammatikalische Betrachtungen verzichten und Ihnen einfach eine Eselsbrücke angeben, die für die meisten** ganz gut funktioniert:</p>
<blockquote><p>g<strong>e</strong>be <em>wie</em> s<strong>e</strong>i <em>und </em>h<strong>a</strong>be<br />
g<strong>ä</strong>be <em>wie</em> w<strong>ä</strong>re <em>und</em> h<strong>ä</strong>tte</p></blockquote>
<p>Man schreibt <em>gebe</em>, wenn man an gleicher Stelle für das Verb <em>sein</em> die Form <em>sei</em> oder für <em>haben</em> die Form <em>habe</em> verwenden würde. Man schreibt <em>gäbe</em>, wenn man für <em>sein</em> oder <em>haben</em> auch die Form mit ä nehmen würde (<em>wäre</em>, <em>hätte</em>).</p>
<p>Für Ihre Beispiele gilt also:</p>
<blockquote><p>XY erklärt, es <strong>gebe</strong> Überlegungen<br />
<em>vgl.</em> es <strong>sei</strong> überlegenswert</p>
<p>Bezüglich xy <strong>gebe</strong> es einige Änderungen<br />
<em>vgl. </em>bezüglich XY <strong>sei</strong> einiges geändert worden</p>
<p>XY berichtet, dass es keine eindeutigen Richtlinien <strong>gebe</strong><br />
<em>vgl.</em> dass man keine eindeutigen Richtlinien <strong>habe</strong></p></blockquote>
<p>Der Vollständigkeit halber noch zwei Beispiele für <em>gäbe</em>:</p>
<blockquote><p>XY sagt, dass es eine bessere Lösung <strong>gäbe</strong>, wenn man mehr Zeit hätte.<br />
<em>vgl. </em>dass eine bessere Lösungen möglich <strong>wäre</strong>, wenn man &#8230;</p>
<p>Wenn er nur endlich Ruhe <strong>gäbe</strong>!<br />
<em>vgl. </em>Wenn er nur endlich ruhig <strong>wäre</strong>!</p></blockquote>
<p>Ganz ohne Grammatikalisches will ich hier doch nicht enden: In der indirekten Rede verwendet man im Prinzip (aber <a href="http://www.canoo.net/services/OnlineGrammar/Wort/Verb/Modi/Indirekte.html#Anchor-Stilistische-47857">nicht immer &#8230;</a>) den Konjunktiv I. Wenn also jemand <em>gibt</em> gesagt oder geschrieben hat, erscheint das in der indirekten Rede als <em>gebe</em>. Falls Sie doch noch mehr zur Verwendung des Konjunktivs wissen möchten, finden Sie auf <a href="http://www.canoo.net/services/OnlineGrammar/Wort/Verb/Modi/Konjunktiv.html">dieser Grammatikseite</a> allgemeine Angaben und weiterführende Links.</p>
<p>Mit freundlichen Grüßen</p>
<p>Dr. Bopp</p>
<p>** Diese Eselsbrücke funktioniert auch für diejenigen (hauptsächlich Norddeutsche), die es hier besonders schwer haben, weil sie ein langes ä wie ein langes e aussprechen. Wenn man <em>Säle</em> gleich wie <em>Seele</em> und <em>wäre</em> gleich wie <em>Wehre</em> ausspricht, klingt <em>gäbe</em> auch genau gleich wie <em>gebe</em>.</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Warum teuer nicht täuer ist</title>
		<link>http://canoo.net/blog/2010/09/06/warum-teuer-nicht-tauer-ist/</link>
		<comments>http://canoo.net/blog/2010/09/06/warum-teuer-nicht-tauer-ist/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 06 Sep 2010 15:11:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Bopp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Rechtschreibung]]></category>
		<category><![CDATA[Aussprache]]></category>
		<category><![CDATA[Buchstaben]]></category>

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		<description><![CDATA[Frage Warum wird teuer mit eu statt mit äu geschrieben? Antwort Sehr geehrte Frau W., der Laut [ɔʏ] wird im Prinzip mit eu geschrieben (neu, treu, Eule, Leute, heute). Man schreibt nur dann äu, wenn es eine Grundform mit au gibt (zum Beispiel: bläulich wegen blau; Häuschen wegen Haus, Häute wegen Haut). Bei teuer gibt es keine solche [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Frage</strong></p>
<p>Warum wird <em>teuer</em> mit <em>eu</em> statt mit <em>äu </em>geschrieben?</p>
<p><strong>Antwort</strong></p>
<p>Sehr geehrte Frau W.,</p>
<p>der Laut [ɔʏ] wird im Prinzip mit <em>eu</em> geschrieben (<em>neu, treu, Eule, Leute, heute</em>). Man schreibt nur dann <em>äu</em>, wenn es eine Grundform mit <em>au </em>gibt (zum Beispiel: <em>bläulich </em>wegen<em> blau</em>; <em>Häuschen</em> wegen <em>Haus, Häute </em>wegen<em> Haut</em>). Bei <em>teuer</em> gibt es keine solche Grundform. Die entsprechenden Regeln und einige der natürlich wieder einmal unvermeidlichen Ausnahmen finden Sie in der amtlichen Regelung <a href="http://www.canoo.net/services/GermanSpelling/Amtlich/LautBuchst/pgf1.html">§ 1.3</a> und <a href="http://www.canoo.net/services/GermanSpelling/Amtlich/LautBuchst/pgf16-17.html ">§ 16-17</a>.</p>
<p>Mit freundlichen Grüßen</p>
<p>Dr. Bopp</p>
<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;</p>
<p>Frau W. Hat leider eine falsche E-Mail-Adresse angegeben (vielleicht ein Vertipper). Deshalb konnte ich ihr nicht direkt antworten. Deshalb auch wieder einmal die dringende Bitte an alle Fragestellerinnen und Fragesteller: Vergewissern Sie sich, dass Sie eine korrekte Antwortadresse angeben! (Oder verwenden Sie statt des Frageformulars einfach die ebenfalls <a href="http://canoo.net/blog/feedback/">dort</a> angezeigte E-Mail-Adresse.)</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Russischbrot und Britischkurzhaar?</title>
		<link>http://canoo.net/blog/2010/09/01/russischbrot-und-britischkurzhaar/</link>
		<comments>http://canoo.net/blog/2010/09/01/russischbrot-und-britischkurzhaar/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 01 Sep 2010 09:59:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Bopp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Rechtschreibung]]></category>
		<category><![CDATA[Aussprache]]></category>
		<category><![CDATA[getrennt/zusammen]]></category>

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		<description><![CDATA[Frage Mir sind in letzter Zeit zwei Wörter begegnet, die häufiger mit dem „Deppenleerzeichen“ anzutreffen sind als ohne: Russisch Brot und Britisch Kurzhaar. Wenn man diese Wörter getrennt schreiben würde, müssten die Adjektive eigentlich dekliniert werden. Woher rührt also die Getrenntschreibung und ist diese überhaupt korrekt? Antwort Sehr geehrter Herr P., Zusammensetzungen mit einem Adjektiv auf [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Frage</strong></p>
<p>Mir sind in letzter Zeit zwei Wörter begegnet, die häufiger mit dem „Deppenleerzeichen“ anzutreffen sind als ohne: <em>Russisch Brot</em> und <em>Britisch Kurzhaar</em>. Wenn man diese Wörter getrennt schreiben würde, müssten die Adjektive eigentlich dekliniert werden. Woher rührt also die Getrenntschreibung und ist diese überhaupt korrekt?</p>
<p><strong>Antwort</strong></p>
<p>Sehr geehrter Herr P.,</p>
<p>Zusammensetzungen mit einem Adjektiv auf <em>-isch</em> an erster Stelle haben zwei besondere Eigenschaften:</p>
<ul>
<li>Sie sind selten.</li>
<li>Sie haben oft ein anderes Betonungsmuster als andere Zusammensetzungen.</li>
</ul>
<p>Die zweite Eigenschaft ist wichtig für das Verständnis, warum oft getrennt <em>Russisch Brot</em> und <em>Britisch Langhaar </em>geschrieben wird. Im Normalfall liegt die Hauptbetonung in einer Zusammensetzung auf dem ersten Element:</p>
<blockquote><p>Rótbuche<br />
Adoptíveltern<br />
Fértigprodukt<br />
Grátisanzeiger</p></blockquote>
<p>Bei <em>Russischbrot</em> und <em>Britisch Kurzhaar</em> ist die Betonung aber anders. Die Hauptbetonung liegt nicht (nur) auf dem ersten Element:</p>
<blockquote><p>Rússischbrót<br />
Britisch Kúrzhaar</p></blockquote>
<p>Die Betonung ist also gleich wie bei getrennt geschriebenen Wortgruppen wie diesen:</p>
<blockquote><p>rosa Brílle<br />
Berlíner Pfánnkuchen</p></blockquote>
<p>Es gibt hier also zwei einander widersprechende Indizien:</p>
<ul>
<li>Ungebeugtes flektierbares Adjektiv an erster Stelle<br />
=&gt; zusammengeschriebene Zusammensetzung</li>
<li>Hauptbetonung nicht auf dem ersten Element der Zusammensetzung<br />
=&gt; getrennt geschriebene Wortgruppe</li>
</ul>
<p>Es ist also nicht sehr erstaunlich, dass hier neben der Zusammenschreibung häufig auch die getrennte Schreibung vorkommt.</p>
<p>In der amtlichen Rechtschreibregelung finde ich keine Angaben dazu, wie in einem solchen Fall vorzugehen ist. Für <em>Russischbrot</em> geben die meisten Rechtschreibwörterbücher an, dass zusammengeschrieben werden sollte. Ob sie auch für die Namen der Katzenrassen die Zusammenschreibung <em>Britischkurzhaar</em> und <em>Britischlanghaar</em> vorschreiben würden, kann ich nicht beurteilen. Ich persönlich halte in diesen Fällen beide Schreibungen für vertretbar und entsprechend nicht jeden für einen Deppen, der hier ein Leerzeichen verwendet.</p>
<p>Mit freundlichen Grüßen</p>
<p>Dr. Bopp</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Beteidigt statt beteiligt</title>
		<link>http://canoo.net/blog/2010/07/29/beteidigt-statt-beteiligt/</link>
		<comments>http://canoo.net/blog/2010/07/29/beteidigt-statt-beteiligt/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 29 Jul 2010 11:22:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Bopp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Wortbildung]]></category>
		<category><![CDATA[Aussprache]]></category>

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		<description><![CDATA[Frage Ich habe immer wieder Probleme, wenn ich das Wort »beteiligen« schreiben will. Ich bin mir immer unsicher, ob es »er beteiligt sich an etw.« oder »er beteidigt sich an etw.« heißt (l oder d). Nachdem ich das dann nachgeschlagen habe, weiß ich auch, dass die erste Schreibung richtig ist. Trotzdem spreche ich das Wort oft [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Frage</strong></p>
<p><strong></strong>Ich habe immer wieder Probleme, wenn ich das Wort »beteiligen« schreiben will. Ich bin mir immer unsicher, ob es »er beteiligt sich an etw.« oder »er beteidigt sich an etw.« heißt (l oder d). Nachdem ich das dann nachgeschlagen habe, weiß ich auch, dass die erste Schreibung richtig ist. Trotzdem spreche ich das Wort oft falsch aus. Hat das vielleicht phonetische Gründe? Fällt es mir/manchen/allen leichter, ein »d« an dieser Stelle zu sprechen?</p>
<p><strong>Antwort </strong></p>
<p>Sehr geehrter Herr L.,</p>
<p>die genauen Gründe, weshalb Sie und offenbar auch andere die Neigung haben <em>beteidigt</em> statt <em>beteiligt</em> zu sagen, sind auch mir ein Rätsel. Es hat wahrscheinlich damit zu tun, dass Sie das Wort nicht mehr als abgeleitetes Wort mit dem Kern <em>Teil</em> erfahren. Man ist an etwas beTEILigt, wenn man daran teilnimmt oder teilhat;  man ist ein Teil davon oder trägt einen Teil dazu bei. Diesen Zusammenhang mit <em>Teil</em> spüren Sie nicht mehr. Vielleicht in Anlehnung an die ähnlich klingenden Wörter <em>beleidigt</em>, <em>vereidigt</em> und <em>verteidigt</em> sprechen Sie dann <em>beteiligt</em> als <em>beteidigt</em> aus.</p>
<p>Die Aussprache <em>beteidigt</em> hat also insofern phonetische Gründe, als sie dem Einfluss ähnlich klingender Wörter zuzuschreiben sein könnte. Es ist mir nicht bekannt, dass ein d an dieser Stelle leichter auszusprechen wäre als ein l.</p>
<p>Ich hoffe, dass Ihnen beim Lesen dieser Antwort der Zusammenhang zwischen <em>beteiligen</em> und <em>Teil</em> wieder richtig deutlich geworden ist. Dann werden Sie nämlich in Zukunft ganz automatisch und ohne nachdenken zu müssen <em>beteiligt</em> sagen und schreiben.</p>
<p>Mit freundlichen Grüßen</p>
<p>Dr. Bopp</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Warum Wuster und nicht Wörtschester?</title>
		<link>http://canoo.net/blog/2010/07/20/warum-wuster-und-nicht-wortschester/</link>
		<comments>http://canoo.net/blog/2010/07/20/warum-wuster-und-nicht-wortschester/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 20 Jul 2010 15:31:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Bopp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Wortschatz]]></category>
		<category><![CDATA[Aussprache]]></category>
		<category><![CDATA[Essen/Trinken]]></category>
		<category><![CDATA[Fremdwörter]]></category>

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		<description><![CDATA[Frage Ich weiß, dass Sie kein Kochprofi sind, aber ich frage Sie trotzdem einmal, warum in aller Welt man „Worcestersauce“ als „Wustersoße“ und nicht etwa als „Wörtschestersoße“ ausspricht? Daneben gibt es ja sogar noch die Schreibweise „Worcestershiresauce“! Antwort Sehr geehrte Frau M., die Frage nach der Worcestersauce hat mit Kochen und Englisch zu tun. Da [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Frage</strong></p>
<p>Ich weiß, dass Sie kein Kochprofi sind, aber ich frage Sie trotzdem einmal, warum in aller Welt man „Worcestersauce“ als „Wustersoße“ und nicht etwa als „Wörtschestersoße“ ausspricht? Daneben gibt es ja sogar noch die Schreibweise „Worcestershiresauce“!</p>
<p><strong>Antwort</strong></p>
<p>Sehr geehrte Frau M.,</p>
<p>die Frage nach der Worcestersauce hat mit Kochen und Englisch zu tun. Da ich regelmäßig koche,  aber vor allem weil diese Würzsoße auch im deutschen Sprachgebiet in vielen Regalen steht, liegt die Frage trotzdem nicht vollständig außerhalb meines Fachgebietes. Die Antwort lautet: Daran sind die Engländer schuld.</p>
<p>Wie die meisten von uns sehr schnell beim Englischlernen feststellen mussten, haben die Englischsprechenden und -schreibenden manchmal die Neigung, Wörter ganz anders zu schreiben, als sie ausgesprochen werden. So auch hier: Die Stadt <em>Worcester</em>, aus der die Soße stammt, ist die Hauptstadt der Grafschaft <em>Worcestershire</em>. Ausgesprochen werden diese Namen ungefähr wie <em>Wuster</em> und <em>Wusterscher</em>. Dabei liegt die Hauptbetonung auch bei der Grafschaft auf dem u. Danach folgt nur noch ein wenig Gerausche und Genuschel.</p>
<p>Solch große Unterschiede zwischen Schreibung und Aussprache kennt das Englische deshalb, weil es eine „historische“ Rechtschreibung hat. Während die Aussprache sich im Laufe der Zeit veränderte, ist die Schreibung gleich geblieben. Man schreibt also – vereinfacht ausgedrückt – (fast) gleich wie schon vor einigen hundert Jahren. So wurde die Stadt Worcester mit großer Wahrscheinlichkeit früher einmal dreisilbig ausgesprochen.</p>
<p>Die Worcestershiresauce ist übrigens die einzige echte Würzsoße des einzigen echten Herstellers aus Worcester. Der Name ist markenrechtlich geschützt. Unter dem Namen Worcestersauce kauft man Nachahmungen.</p>
<p>Mit freundlichen Grüßen</p>
<p>Dr. Bopp</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Das weibliche Menschenkind und die kleine Insektenlarve</title>
		<link>http://canoo.net/blog/2010/06/21/das-weibliche-menschenkind-und-die-kleine-insektenlarve/</link>
		<comments>http://canoo.net/blog/2010/06/21/das-weibliche-menschenkind-und-die-kleine-insektenlarve/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 21 Jun 2010 16:59:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Bopp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Wortbildung]]></category>
		<category><![CDATA[Wortschatz]]></category>
		<category><![CDATA[Aussprache]]></category>
		<category><![CDATA[Wortgeschichte]]></category>

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		<description><![CDATA[Es geht hier nicht um eine wissenschaftliche Variante von „Rotkäppchen und der böse Wolf“ für Entomologen (Insektenforscher), sondern um das Wort Mädchen: Frage Gibt es einen Grund dafür, dass die Verniedlichungsform von „Made“ und „Frauen im Kindesalter“ sich das gleiche Wort teilen müssen?!? Antwort Sehr geehrter Herr T., es gibt keinen wirklichen Grund dafür, dass [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es geht hier nicht um eine wissenschaftliche Variante von „Rotkäppchen und der böse Wolf“ für Entomologen (Insektenforscher), sondern um das Wort <em>Mädchen</em>:</p>
<p><strong>Frage</strong></p>
<p><strong></strong>Gibt es einen Grund dafür, dass die Verniedlichungsform von „Made“ und „Frauen im Kindesalter“ sich das gleiche Wort teilen müssen?!?</p>
<p><strong>Antwort</strong></p>
<p>Sehr geehrter Herr T.,</p>
<p>es gibt keinen wirklichen Grund dafür, dass das Wort <em>Mädchen</em> sowohl ein weibliches Kind als auch eine kleine Made bezeichnen kann. Der einzige Grund, den man dafür anführen kann, ist, dass es manchmal vorkommt, dass verschiedene Wörter in ihrer gesprochenen und/oder geschriebenen Form zusammenfallen. Das weibliche Kind war früher ein <em>Mägdchen</em>, d.h. eine kleine Magd. Damals war eine Magd noch nicht eine Bedienstete, sondern eine junge Frau und Jungfrau. Mit der Zeit ist das <em>g</em> weggefallen, so dass das <em>Mägdchen</em> zu <em>Mädchen</em> wurde. In dieser Form fällt das Wort dann mit der Verkleinerungsform von <em>Made</em> zusammen.</p>
<p>Dass Formen aus den verschiedensten Gründen in Klang und/oder Schrift zusammenfallen können, ohne dass es sonst irgendeinen Zusammenhang zwischen ihnen gäbe, zeigen auch die folgenden Beispiele:</p>
<blockquote><p>Strauß (Blumengebinde und Vogel)<br />
Ruhr (Fluss und Krankheit)<br />
Ball (kugelförmiges Spielgerät und Tanzfest)<br />
Wachstube (Tube Wachs und Stube der Wache)</p></blockquote>
<p>Und weil es in der Frage um Wörter mit <em>-chen</em> geht, hier noch ein paar weitere Beispiele:</p>
<blockquote><p>Kieferchen (kleine Kiefer und kleiner Kiefer)<br />
Wägelchen (kleiner Wagen und kleine Waage)<br />
Hörnchen (kleines Horn und kleines Nagetier)<br />
Küchelchen (mit kurzem ü: kleine Küche; mit langem ü: kleiner Kuchen)</p></blockquote>
<p>Solche „Doppelformen“ werden fachsprachlich Homonyme genannt. Sie führen übrigens nur sehr selten zu Verständigungsschwierigkeiten. So muss man sich z. B. ziemlich viel Mühe geben, um einen Satzzusammenhang zu finden, in dem man das Wort <em>Mädchen</em> überhaupt im Sinne von <em>kleine Made</em> verwendet und in dem man dann das Insektenlärvchen auch noch mit einem kleinen weiblichen Kind verwechseln könnte. Unmöglich ist es nicht, aber nicht sehr wahrscheinlich.</p>
<p>Mit freundlichen Grüßen</p>
<p>Dr. Bopp</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Ein changeant Stoff</title>
		<link>http://canoo.net/blog/2010/05/14/ein-changeant-stoff/</link>
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		<pubDate>Fri, 14 May 2010 15:57:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Bopp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Konjugation/Deklination]]></category>
		<category><![CDATA[Aussprache]]></category>
		<category><![CDATA[Deklination]]></category>
		<category><![CDATA[Fremdwörter]]></category>

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		<description><![CDATA[Frage Das Adjektiv „changeant“ ist unflektierbar. Laut DWDS kann man trotzdem sagen: „ein changeant Farbton“ bzw. „changeant Stoffe“. Das klingt in meinen Ohren sehr komisch. Antwort Guten Tag M., wenn changeant nicht unveränderlich wäre, hieße es: ein *changeanter Farbton *changeante Stoffe. Das Adjektiv ist aber unveränderlich. Man sagt also nicht trotzdem, sondern deshalb: ein changeant [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Frage</strong></p>
<p>Das Adjektiv „changeant“ ist unflektierbar. Laut <a href="http://www.dwds.de/?kompakt=1&amp;qu=changeant">DWDS</a> kann man trotzdem sagen: „ein changeant Farbton“ bzw. „changeant Stoffe“. Das klingt in meinen Ohren sehr komisch.</p>
<p><strong>Antwort</strong></p>
<p>Guten Tag M.,</p>
<p>wenn <em>changeant</em> nicht unveränderlich wäre, hieße es:</p>
<blockquote><p>ein *changeanter Farbton<br />
*changeante Stoffe.</p>
</blockquote>
<p>Das Adjektiv ist aber unveränderlich. Man sagt also nicht trotzdem, sondern deshalb:</p>
<blockquote><p>ein changeant Farbton<br />
changeant Stoffe</p>
</blockquote>
<p>Nicht deklinierbar heißt nur, dass ein Adjektiv in allen Stellungen unveränderlich ist. Es heißt nicht, dass es nicht vor einem Substantiv verwendet werden darf.</p>
<p>Es ist aber nicht sehr erstaunlich, dass diese Formulierungen in ihren Ohren komisch klingen. Sie sind nicht der einzige, dem es so geht. Unveränderliche Adjektive (oft eher „exotische“ Farbbezeichnungen wie<em> rosa, lila, pink, oliv, mauve, bordeaux </em>usw.) scheinen irgendwie nur schlecht ins Flexionssystem des Deutschen zu passen. Deshalb hört und liest man sehr oft anstelle von</p>
<blockquote><p>ein rosa Kleid<br />
das pink T-Shirt<br />
ein orange Stoff</p>
</blockquote>
<p>standardsprachlich:</p>
<blockquote><p>ein rosafarbenes Kleid<br />
das pinkfarbene T-Shirt<br />
ein orangefarbener Stoff</p>
</blockquote>
<p>oder umgangssprachlich:</p>
<blockquote><p>ein rosanes Kleid<br />
ein pinkiges T-Shirt<br />
ein oranger Stoff</p>
</blockquote>
<p>Bei Unsicherheit oder Missfallen über solche unveränderliche Adjektive empfiehlt es sich, auf die Variante mit <em>–farben</em> auszuweichen.</p>
<p>Für <em>changeant</em> gibt es diese Ausweichmöglichkeit allerdings nicht. Man kann hier zum Beispiel die Übersetzung <em>ein mehrfarbig schillernder Stoff </em>verwenden<em>.</em> In einem Zusammenhang, in dem dieses Adjektiv vorkommt, kann es aber auch ganz chic sein, <em>ein changeant Stoff </em>zu sagen und so zu schauen, als ob man tagtäglich solche unveränderlichen Adjektiven verwenden würde. Damit der Effekt nicht verloren geht, ist dabei übrigens zu beachten, dass die Aussprache <em>schangschang</em> und nicht etwa <em>tscheinschent </em>ähnelt. Das Wort wurde nicht aus dem Englischen, sondern aus dem Französischen übernommen und bedeutet wörtlich schlicht und einfach <em>wechselnd</em>.</p>
<p>Mit freundlichen Grüßen</p>
<p>Dr. Bopp</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Rutschen</title>
		<link>http://canoo.net/blog/2010/01/08/rutschen/</link>
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		<pubDate>Fri, 08 Jan 2010 11:03:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Bopp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Wortbildung]]></category>
		<category><![CDATA[Wortschatz]]></category>
		<category><![CDATA[Aussprache]]></category>
		<category><![CDATA[Wortgeschichte]]></category>

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		<description><![CDATA[Das neue Jahr ist nun gut eine Woche alt. Wenn ein „Wort der ersten Woche im Jahr 2010“ gekürt werden müsste, fiele meine Wahl auf rutschen. Warum? – Zuerst einmal wegen der zum Jahreswechsel oft gehörten Wendungen „Guten Rutsch ins neue Jahr!“, „Rutschen Sie gut rüber!“ und allen anderen Variationen zu diesem Thema, dann aber [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das neue Jahr ist nun gut eine Woche alt. Wenn ein „Wort der ersten Woche im Jahr 2010“ gekürt werden müsste, fiele meine Wahl auf <em>rutschen</em>. Warum? – Zuerst einmal wegen der zum Jahreswechsel oft gehörten Wendungen „Guten Rutsch ins neue Jahr!“, „Rutschen Sie gut rüber!“ und allen anderen Variationen zu diesem Thema, dann aber auch wegen der aktuellen Wetterlage in weiten Teilen Europas.</p>
<p>Ich gehöre zu den Glücklichen, die die täglichen Staus nur von den Verkehrsmeldungen im Rundfunk kennen. Die meisten im Alltag notwendigen Ortsveränderungen kann ich nämlich mit dem Fahrrad unternehmen. Das tue ich bei fast jedem Wetter, auch wenn es nass und kalt ist. Diese Woche aber habe ich das Rad zu Hause stehen lassen und auf gutes Schuhwerk und die öffentlichen Verkehrsmittel umsteigen müssen. Schnee und Glätte einerseits und das Fahrrad andererseits sind nämlich eine sehr ungünstige Kombination. Auf zwei Rädern rutscht es sich so leicht. Geradeaus geht es ja noch, aber Kurven, Steigungen und nur schon leichtes Gefälle sind jedes Mal ein Abenteuer, auf dessen guten Ablauf man nur hoffen kann. Wenn es nicht gut abläuft, liegt man – rutsch! – auf dem Boden. Das kann im Straßenverkehr nicht ganz ungefährlich sein.</p>
<p><em>Rutschen</em> ist also „das Wort der Woche“. Es ist wieder einmal eines dieser schönen Wörter, deren Klang gut zur Bedeutung passt: <em>rutsch!</em> Wie es im Deutschen bei Bewegungsverben üblich ist, kann man <em>rutschen</em> auch so schön mit vielen verschiedenen Partikeln kombinieren, je nachdem wie oder wohin man rutscht. Zum Beispiel: <em>abrutschen, abwärtsrutschen, ausrutschen, durchrutschen, herumrutschen, herunterrutschen, umherrutschen, wegrutschen, weiterrutschen, zurückrutschen; verrutschen</em>.</p>
<p>Weitere Kombinationsmöglichkeiten gibt es, wenn im übertragenen Sinne gerutscht wird: Man kann hoffentlich gut ins neue Jahr <em>hinüberrutschen</em>, ungewollt in eine Sache <em>hineinrutschen</em> oder etwas kann einem dummerweise einfach so <em>herausrutschen</em>. Obwohl man eigentlich nicht <em>hinaufrutschen</em> kann (das widerspricht irgendwie der Bewegungsart, die <em>rutschen</em> beschreibt), gibt es sogar ein Verb, das <em>nach oben rutschen</em> bedeutet: Ein knapp sitzender Rock oder eine zu enge Jacke können immer wieder <em>hochrutschen</em>.</p>
<p>Ich schweife wieder einmal ab. Ich wollte eigentlich nur wissen, woher das Wort kommt. Die Antworten, die ich finden konnte, sind aber nicht gerade befriedigend. Das Verb <em>rutschen</em> taucht erst relativ spät (im 15. Jahrhundert) als <em>rütschen</em> auf. Eine andere, ältere Form ist <em>rützen</em>. Die weitere Herkunft ist ungeklärt. Es handle sich wahrscheinlich um ein lautmalerisches, das heißt den Klang nachahmendes Wort. Ich finde also nicht als Einziger, dass der Klang des Verbs recht gut seine Bedeutung wiedergibt.</p>
<p>Vielerorts scheint das Streusalz knapp zu werden. Seien Sie also vorsichtig und passen Sie gut auf, dass Sie nicht ausrutschen!</p>
<p>Dr. Bopp</p>
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