Warum teuer nicht täuer ist

Frage

Warum wird teuer mit eu statt mit äu geschrieben?

Antwort

Sehr geehrte Frau W.,

der Laut [ɔ?] wird im Prinzip mit eu geschrieben (neu, treu, Eule, Leute, heute). Man schreibt nur dann äu, wenn es eine Grundform mit au gibt (zum Beispiel: bläulich wegen blau; Häuschen wegen Haus, Häute wegen Haut). Bei teuer gibt es keine solche Grundform. Die entsprechenden Regeln und einige der natürlich wieder einmal unvermeidlichen Ausnahmen finden Sie in der amtlichen Regelung § 1.3 und § 16-17.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

——————

Frau W. Hat leider eine falsche E-Mail-Adresse angegeben (vielleicht ein Vertipper). Deshalb konnte ich ihr nicht direkt antworten. Deshalb auch wieder einmal die dringende Bitte an alle Fragestellerinnen und Fragesteller: Vergewissern Sie sich, dass Sie eine korrekte Antwortadresse angeben! (Oder verwenden Sie statt des Frageformulars einfach die ebenfalls dort angezeigte E-Mail-Adresse.)

Die Kommentar-Funktion für diesen Beitrag ist zur Zeit ausgeschaltet.

Russischbrot und Britischkurzhaar?

Frage

Mir sind in letzter Zeit zwei Wörter begegnet, die häufiger mit dem „Deppenleerzeichen“ anzutreffen sind als ohne: Russisch Brot und Britisch Kurzhaar. Wenn man diese Wörter getrennt schreiben würde, müssten die Adjektive eigentlich dekliniert werden. Woher rührt also die Getrenntschreibung und ist diese überhaupt korrekt?

Antwort

Sehr geehrter Herr P.,

Zusammensetzungen mit einem Adjektiv auf -isch an erster Stelle haben zwei besondere Eigenschaften:

  • Sie sind selten.
  • Sie haben oft ein anderes Betonungsmuster als andere Zusammensetzungen.

Die zweite Eigenschaft ist wichtig für das Verständnis, warum oft getrennt Russisch Brot und Britisch Langhaar geschrieben wird. Im Normalfall liegt die Hauptbetonung in einer Zusammensetzung auf dem ersten Element:

Rótbuche
Adoptíveltern
Fértigprodukt
Grátisanzeiger

Bei Russischbrot und Britisch Kurzhaar ist die Betonung aber anders. Die Hauptbetonung liegt nicht (nur) auf dem ersten Element:

Rússischbrót
Britisch Kúrzhaar

Die Betonung ist also gleich wie bei getrennt geschriebenen Wortgruppen wie diesen:

rosa Brílle
Berlíner Pfánnkuchen

Es gibt hier also zwei einander widersprechende Indizien:

  • Ungebeugtes flektierbares Adjektiv an erster Stelle
    => zusammengeschriebene Zusammensetzung
  • Hauptbetonung nicht auf dem ersten Element der Zusammensetzung
    => getrennt geschriebene Wortgruppe

Es ist also nicht sehr erstaunlich, dass hier neben der Zusammenschreibung häufig auch die getrennte Schreibung vorkommt.

In der amtlichen Rechtschreibregelung finde ich keine Angaben dazu, wie in einem solchen Fall vorzugehen ist. Für Russischbrot geben die meisten Rechtschreibwörterbücher an, dass zusammengeschrieben werden sollte. Ob sie auch für die Namen der Katzenrassen die Zusammenschreibung Britischkurzhaar und Britischlanghaar vorschreiben würden, kann ich nicht beurteilen. Ich persönlich halte in diesen Fällen beide Schreibungen für vertretbar und entsprechend nicht jeden für einen Deppen, der hier ein Leerzeichen verwendet.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare (2)

Beteidigt statt beteiligt

Frage

Ich habe immer wieder Probleme, wenn ich das Wort »beteiligen« schreiben will. Ich bin mir immer unsicher, ob es »er beteiligt sich an etw.« oder »er beteidigt sich an etw.« heißt (l oder d). Nachdem ich das dann nachgeschlagen habe, weiß ich auch, dass die erste Schreibung richtig ist. Trotzdem spreche ich das Wort oft falsch aus. Hat das vielleicht phonetische Gründe? Fällt es mir/manchen/allen leichter, ein »d« an dieser Stelle zu sprechen?

Antwort

Sehr geehrter Herr L.,

die genauen Gründe, weshalb Sie und offenbar auch andere die Neigung haben beteidigt statt beteiligt zu sagen, sind auch mir ein Rätsel. Es hat wahrscheinlich damit zu tun, dass Sie das Wort nicht mehr als abgeleitetes Wort mit dem Kern Teil erfahren. Man ist an etwas beTEILigt, wenn man daran teilnimmt oder teilhat;  man ist ein Teil davon oder trägt einen Teil dazu bei. Diesen Zusammenhang mit Teil spüren Sie nicht mehr. Vielleicht in Anlehnung an die ähnlich klingenden Wörter beleidigt, vereidigt und verteidigt sprechen Sie dann beteiligt als beteidigt aus.

Die Aussprache beteidigt hat also insofern phonetische Gründe, als sie dem Einfluss ähnlich klingender Wörter zuzuschreiben sein könnte. Es ist mir nicht bekannt, dass ein d an dieser Stelle leichter auszusprechen wäre als ein l.

Ich hoffe, dass Ihnen beim Lesen dieser Antwort der Zusammenhang zwischen beteiligen und Teil wieder richtig deutlich geworden ist. Dann werden Sie nämlich in Zukunft ganz automatisch und ohne nachdenken zu müssen beteiligt sagen und schreiben.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare (5)

Warum Wuster und nicht Wörtschester?

Frage

Ich weiß, dass Sie kein Kochprofi sind, aber ich frage Sie trotzdem einmal, warum in aller Welt man „Worcestersauce“ als „Wustersoße“ und nicht etwa als „Wörtschestersoße“ ausspricht? Daneben gibt es ja sogar noch die Schreibweise „Worcestershiresauce“!

Antwort

Sehr geehrte Frau M.,

die Frage nach der Worcestersauce hat mit Kochen und Englisch zu tun. Da ich regelmäßig koche,  aber vor allem weil diese Würzsoße auch im deutschen Sprachgebiet in vielen Regalen steht, liegt die Frage trotzdem nicht vollständig außerhalb meines Fachgebietes. Die Antwort lautet: Daran sind die Engländer schuld.

Wie die meisten von uns sehr schnell beim Englischlernen feststellen mussten, haben die Englischsprechenden und -schreibenden manchmal die Neigung, Wörter ganz anders zu schreiben, als sie ausgesprochen werden. So auch hier: Die Stadt Worcester, aus der die Soße stammt, ist die Hauptstadt der Grafschaft Worcestershire. Ausgesprochen werden diese Namen ungefähr wie Wuster und Wusterscher. Dabei liegt die Hauptbetonung auch bei der Grafschaft auf dem u. Danach folgt nur noch ein wenig Gerausche und Genuschel.

Solch große Unterschiede zwischen Schreibung und Aussprache kennt das Englische deshalb, weil es eine „historische“ Rechtschreibung hat. Während die Aussprache sich im Laufe der Zeit veränderte, ist die Schreibung gleich geblieben. Man schreibt also – vereinfacht ausgedrückt – (fast) gleich wie schon vor einigen hundert Jahren. So wurde die Stadt Worcester mit großer Wahrscheinlichkeit früher einmal dreisilbig ausgesprochen.

Die Worcestershiresauce ist übrigens die einzige echte Würzsoße des einzigen echten Herstellers aus Worcester. Der Name ist markenrechtlich geschützt. Unter dem Namen Worcestersauce kauft man Nachahmungen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare (3)

Das weibliche Menschenkind und die kleine Insektenlarve

Es geht hier nicht um eine wissenschaftliche Variante von „Rotkäppchen und der böse Wolf“ für Entomologen (Insektenforscher), sondern um das Wort Mädchen:

Frage

Gibt es einen Grund dafür, dass die Verniedlichungsform von „Made“ und „Frauen im Kindesalter“ sich das gleiche Wort teilen müssen?!?

Antwort

Sehr geehrter Herr T.,

es gibt keinen wirklichen Grund dafür, dass das Wort Mädchen sowohl ein weibliches Kind als auch eine kleine Made bezeichnen kann. Der einzige Grund, den man dafür anführen kann, ist, dass es manchmal vorkommt, dass verschiedene Wörter in ihrer gesprochenen und/oder geschriebenen Form zusammenfallen. Das weibliche Kind war früher ein Mägdchen, d.h. eine kleine Magd. Damals war eine Magd noch nicht eine Bedienstete, sondern eine junge Frau und Jungfrau. Mit der Zeit ist das g weggefallen, so dass das Mägdchen zu Mädchen wurde. In dieser Form fällt das Wort dann mit der Verkleinerungsform von Made zusammen.

Dass Formen aus den verschiedensten Gründen in Klang und/oder Schrift zusammenfallen können, ohne dass es sonst irgendeinen Zusammenhang zwischen ihnen gäbe, zeigen auch die folgenden Beispiele:

Strauß (Blumengebinde und Vogel)
Ruhr (Fluss und Krankheit)
Ball (kugelförmiges Spielgerät und Tanzfest)
Wachstube (Tube Wachs und Stube der Wache)

Und weil es in der Frage um Wörter mit -chen geht, hier noch ein paar weitere Beispiele:

Kieferchen (kleine Kiefer und kleiner Kiefer)
Wägelchen (kleiner Wagen und kleine Waage)
Hörnchen (kleines Horn und kleines Nagetier)
Küchelchen (mit kurzem ü: kleine Küche; mit langem ü: kleiner Kuchen)

Solche „Doppelformen“ werden fachsprachlich Homonyme genannt. Sie führen übrigens nur sehr selten zu Verständigungsschwierigkeiten. So muss man sich z. B. ziemlich viel Mühe geben, um einen Satzzusammenhang zu finden, in dem man das Wort Mädchen überhaupt im Sinne von kleine Made verwendet und in dem man dann das Insektenlärvchen auch noch mit einem kleinen weiblichen Kind verwechseln könnte. Unmöglich ist es nicht, aber nicht sehr wahrscheinlich.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare (1)

Ein changeant Stoff

Frage

Das Adjektiv „changeant“ ist unflektierbar. Laut DWDS kann man trotzdem sagen: „ein changeant Farbton“ bzw. „changeant Stoffe“. Das klingt in meinen Ohren sehr komisch.

Antwort

Guten Tag M.,

wenn changeant nicht unveränderlich wäre, hieße es:

ein *changeanter Farbton
*changeante Stoffe.

Das Adjektiv ist aber unveränderlich. Man sagt also nicht trotzdem, sondern deshalb:

ein changeant Farbton
changeant Stoffe

Nicht deklinierbar heißt nur, dass ein Adjektiv in allen Stellungen unveränderlich ist. Es heißt nicht, dass es nicht vor einem Substantiv verwendet werden darf.

Es ist aber nicht sehr erstaunlich, dass diese Formulierungen in ihren Ohren komisch klingen. Sie sind nicht der einzige, dem es so geht. Unveränderliche Adjektive (oft eher „exotische“ Farbbezeichnungen wie rosa, lila, pink, oliv, mauve, bordeaux usw.) scheinen irgendwie nur schlecht ins Flexionssystem des Deutschen zu passen. Deshalb hört und liest man sehr oft anstelle von

ein rosa Kleid
das pink T-Shirt
ein orange Stoff

standardsprachlich:

ein rosafarbenes Kleid
das pinkfarbene T-Shirt
ein orangefarbener Stoff

oder umgangssprachlich:

ein rosanes Kleid
ein pinkiges T-Shirt
ein oranger Stoff

Bei Unsicherheit oder Missfallen über solche unveränderliche Adjektive empfiehlt es sich, auf die Variante mit –farben auszuweichen.

Für changeant gibt es diese Ausweichmöglichkeit allerdings nicht. Man kann hier zum Beispiel die Übersetzung ein mehrfarbig schillernder Stoff verwenden. In einem Zusammenhang, in dem dieses Adjektiv vorkommt, kann es aber auch ganz chic sein, ein changeant Stoff zu sagen und so zu schauen, als ob man tagtäglich solche unveränderlichen Adjektiven verwenden würde. Damit der Effekt nicht verloren geht, ist dabei übrigens zu beachten, dass die Aussprache schangschang und nicht etwa tscheinschent ähnelt. Das Wort wurde nicht aus dem Englischen, sondern aus dem Französischen übernommen und bedeutet wörtlich schlicht und einfach wechselnd.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare (16)

Rutschen

Das neue Jahr ist nun gut eine Woche alt. Wenn ein „Wort der ersten Woche im Jahr 2010“ gekürt werden müsste, fiele meine Wahl auf rutschen. Warum? – Zuerst einmal wegen der zum Jahreswechsel oft gehörten Wendungen „Guten Rutsch ins neue Jahr!“, „Rutschen Sie gut rüber!“ und allen anderen Variationen zu diesem Thema, dann aber auch wegen der aktuellen Wetterlage in weiten Teilen Europas.

Ich gehöre zu den Glücklichen, die die täglichen Staus nur von den Verkehrsmeldungen im Rundfunk kennen. Die meisten im Alltag notwendigen Ortsveränderungen kann ich nämlich mit dem Fahrrad unternehmen. Das tue ich bei fast jedem Wetter, auch wenn es nass und kalt ist. Diese Woche aber habe ich das Rad zu Hause stehen lassen und auf gutes Schuhwerk und die öffentlichen Verkehrsmittel umsteigen müssen. Schnee und Glätte einerseits und das Fahrrad andererseits sind nämlich eine sehr ungünstige Kombination. Auf zwei Rädern rutscht es sich so leicht. Geradeaus geht es ja noch, aber Kurven, Steigungen und nur schon leichtes Gefälle sind jedes Mal ein Abenteuer, auf dessen guten Ablauf man nur hoffen kann. Wenn es nicht gut abläuft, liegt man – rutsch! – auf dem Boden. Das kann im Straßenverkehr nicht ganz ungefährlich sein.

Rutschen ist also „das Wort der Woche“. Es ist wieder einmal eines dieser schönen Wörter, deren Klang gut zur Bedeutung passt: rutsch! Wie es im Deutschen bei Bewegungsverben üblich ist, kann man rutschen auch so schön mit vielen verschiedenen Partikeln kombinieren, je nachdem wie oder wohin man rutscht. Zum Beispiel: abrutschen, abwärtsrutschen, ausrutschen, durchrutschen, herumrutschen, herunterrutschen, umherrutschen, wegrutschen, weiterrutschen, zurückrutschen; verrutschen.

Weitere Kombinationsmöglichkeiten gibt es, wenn im übertragenen Sinne gerutscht wird: Man kann hoffentlich gut ins neue Jahr hinüberrutschen, ungewollt in eine Sache hineinrutschen oder etwas kann einem dummerweise einfach so herausrutschen. Obwohl man eigentlich nicht hinaufrutschen kann (das widerspricht irgendwie der Bewegungsart, die rutschen beschreibt), gibt es sogar ein Verb, das nach oben rutschen bedeutet: Ein knapp sitzender Rock oder eine zu enge Jacke können immer wieder hochrutschen.

Ich schweife wieder einmal ab. Ich wollte eigentlich nur wissen, woher das Wort kommt. Die Antworten, die ich finden konnte, sind aber nicht gerade befriedigend. Das Verb rutschen taucht erst relativ spät (im 15. Jahrhundert) als rütschen auf. Eine andere, ältere Form ist rützen. Die weitere Herkunft ist ungeklärt. Es handle sich wahrscheinlich um ein lautmalerisches, das heißt den Klang nachahmendes Wort. Ich finde also nicht als Einziger, dass der Klang des Verbs recht gut seine Bedeutung wiedergibt.

Vielerorts scheint das Streusalz knapp zu werden. Seien Sie also vorsichtig und passen Sie gut auf, dass Sie nicht ausrutschen!

Dr. Bopp

Kommentare (4)

Angstschweiß: Wenn Konsonanten sich häufen

Gestern fragte mich ein Kollege nach Angstschweiß. Er weiß natürlich, dass ich nur ein „Sprachdoktor“ bin. Er meinte also nicht die emotional bedingte Drüsensekretion, sondern das Wort.  Angstschweiß wird nämlich häufig dann genannt, wenn es um das deutsche Wort mit der höchsten Anzahl nacheinanderstehenden Konsonanten geht. Es hat deren acht: ngstschw.

Wahrscheinlich stimmt diese Aussage sogar, wenn man die Suche auf in Wörterbüchern verzeichnete Wörter beschränkt. Aber auch dann muss Angstschweiß den ersten Platz mit Angstschrei teilen. Außerdem zählt man nur die geschriebenen und nicht die gesprochenen Konsonanten. So werden zum Beispiel die Buchstaben ng als ein Nasallaut [ŋ] gesprochen und stehen die drei Buchstaben sch für nur einen gesprochenen Zischlaut [ʃ].

Das Wort Angstschweiß hat zwar acht geschriebene, aber nur fünf gesprochene aufeinanderfolgende Konsonanten (ng-s-t-sch-w). So einzigartig ist es deshalb eigentlich nicht, denn fünf gesprochene Konsonanten hintereinander gibt es recht häufig: Dunstglocke, Schwertstreich, Dialektsprecher, Waldstraße usw. Die Verbform röntgst endet sogar mit fünf Konsonanten. Wahrscheinlich ist es darum kaum möglich, dieses Wort überhaupt auszusprechen.

Mit einer Anhäufung von einem halben Dutzend gesprochenen Konsonanten können zum Beispiel Durststrecke und Kunstspringen aufwarten.

Wenn wir den Bereich der Wörterbücher verlassen und die Phantasie etwas spielen lassen, ist es einfach möglich, weitere Wörter mit großen Konsonantenansammlungen zu bilden. Zum Beispiel:

Herbstschnee
8 geschriebene und 6 gesprochene Konsonanten
Herbststreifen
7 geschriebene und 7 (!!) gesprochene Konsonanten

Unübertroffen ist wahrscheinlich der Borschtschschmand: 12 (!!) geschriebene und 6 gesprochene Konsonanten hintereinander! Borschtsch ist aber nicht wirklich ein deutsches Wort und ich bezweifle, dass es spezielle Sahne für Borschtsch gibt. Bei Wortspielereien wie diesen sollte man es aber mit solchen Dingen nicht so streng nehmen. Wenn man auch noch Dialektwörter wie Gschnader und Gschwätz zulässt, kann man auf noch höhere Zahlen kommen.

Kommentare (6)

Die Algarve, das Portugiesische und das Wetter

Der Urlaub war schön, lehrreich und vor allem auch erholsam. Ich war im Süden Portugals, genauer gesagt in der Algarve. Für Puristen müsste ich jetzt sagen im Algarve, denn im Portugiesischen ist das Wort männlich o Algarve. Üblicher und allgemein akzeptiert ist aber im Deutschen doch die weibliche Form die Algarve. Dort bin ich der deutschen Sprache außer im eigenen Hausgebrauch, auf einigen Menükarten und erstaunlicherweise auf Bioprodukten in Supermärkten kaum begegnet. Die Konversation mit den Einheimischen verlief entweder in sehr dürftigem Portugiesisch meinerseits oder viel besserem Englisch seitens der Portugiesen (also meistens Englisch …).

Die üblichen Redewendungen wie bitte – faz favor, danke – obrigado und die Begrüßungen bom dia, boa tarde und boa noite hatten wir natürlich schon aus dem Reisebüchlein gelernt. Aber danach wird es schwieriger. Wenn man schon eine andere romanische Sprache wie zum Beispiel Französisch, Italienisch oder insbesondere Spanisch kann, kommt man beim Lesen des Portugiesischen noch recht weit. Viele Wörter werden ähnlich oder sogar gleich geschrieben. Natürlich versteht man nicht alles, aber man begreift oft, worum es geht. Dieses Begreifen hat abrupt ein Ende, wenn man Portugiesisch hört. Dann trifft einen ein recht wohlklingender Wortschwall mit viel sss und sch und wenig Selbstlauten. Portugiesen haben die Neigung, Selbstlaute zu verschlucken oder sie nur anzudeuten. Wenn dann doch einmal ein Vokal zu hören ist (auch Portugiesen kommen nicht ohne Selbstlaute aus), klingt er oft anders, als man das aus dem Schriftbild erwarten würde. So spricht man o aus wie u, ou wie o und a oft wie unbetontes e. Und wenn dahinter ein n oder m folgt oder darauf ein ~ steht, wird der Laut wie im Französischen nasaliert (durch die Nase gesprochen). Wenn Sie einmal einen portugiesischen Wein aus der Douro-Region bestellen, sagen Sie also nicht – wie die meisten das erwarten würden – „einen Duro bitte“, sondern mit gut vorbereiteter Kennermiene „einen Doru bitte“. Die Aussprache für Weine aus der Dão-Region ist dann etwas für Fortgeschrittene.

Diese Aussprachehürden führten ganz schnell dazu, dass ich abgesehen von den genannten Höflichkeitsfloskeln meist aufs Englische ausweichen musste. Nach ausreichender  Vorbereitung gelang es mir zwar, eine offenbar sogar einigermaßen verständliche Frage zu formulieren, aber von der Antwort habe ich dann meistens nur das erste oder das letzte Wort verstanden. Das genügt normalerweise leider nicht.

Manchmal konnte man aber nicht auf Englisch übergehen. Auf einer Wanderung begegneten wir einem älteren Ziegenhirten (so richtig malerisch mit Ziegen, Hunden und durch die Witterung zerfurchtem Gesicht), dem ein Gespräch mit Touristen wohl gerade recht war. Er sprach langsam und verschluckte nur wenige Vokale. Ich habe den Mann verstanden! Ich war also doch des Portugiesischen mächtig!! Dieser Eindruck verschwand aber wieder vollständig am Abend zwischen viertel vor sieben und sieben Uhr während des Aktualitätensprogramms auf RTP 1. Irgendwann während dieser Viertelstunde wurde nämlich der Wetterbericht ausgesendet. Die Präsentatorin der Sendung war nicht nur äußerlich das pure Gegenteil des Ziegenhirten (blond, Deuxpièces, glatt geschminkter Teint). Sie sprach auch ganz anders, nämlich so, als ob es ihr erklärtes Ziel wäre, möglichst viele Vokale wegzulassen. So sprach sie den im Bild eingeblendeten Namen Kristina aus wie krschtna und ein Wort, das representar geschrieben wird, klang bei ihr wie chpchsntar. Keine Chance auch nur einen Satz von ihr zu verstehen! Den Wetterbericht präsentierte dann immer jemand anders, den man mit Hilfe der Wetterbildchen viel besser verstand. Wir hatten vierzehn Tage lang ohnehin ungefähr das gleiche Wetter, so dass der Wortschatz diesbezüglich zum Glück sehr beschränkt bleiben konnte: céu pouco nublado oder céu limpo: leicht bewölkt oder unbewölkt!

Die Kommentar-Funktion für diesen Beitrag ist zur Zeit ausgeschaltet.

E-Mail-Adressen vorlesen

Frage

Ich weiß nicht, wie man eine E-Mail-Adresse liest. Es geht insbesondere um die Zeichen _ und @.

Antwort

Sehr geehrte Frau N.,

E-Mail-Adressen werden in der heutigen Zeit nicht mehr oft vorgelesen. Manchmal kommt man aber doch nicht darum herum. Man kann dann von Glück reden, wenn man eine möglichst einfache Adresse ohne 4 für for, unmotiviertes Q, maxxximale doppelte bis dreifache X oder andere momentan gerade modische Verzierungen hat. Das erspart einem einiges Buchstabieren. Neben dem Buchstabieren gibt es noch Stolpersteine wie Zeichen, die man sonst nie verwendet: _ und @.

Das Zeichen _ nennt man Unterstrich. Das Zeichen @ heißt At-Zeichen oder At-Symbol und wird wie englisches at (= bei) ausgesprochen: ätt. Eine Adresse wie diese:

stephan_bopp@canoo.com

liest man dann also – abgesehen vom leidigen Buchstabieren wegen ph (noblesse oblige), pp und canoo – in dieser Weise:

stephan Unterstrich bopp ätt canoo Punkt com

(Diese Adresse gibt es übrigens nicht! Die wirkliche Kontaktadresse finden Sie hier.)

Das ist die mehr oder weniger offizielle Version. Anstelle von Unterstrich wird oft auch die englische Bezeichnung Underscore verwendet und für @ gibt es unter anderem so schöne (umgangssprachliche) Namen wie Klammeraffe und Affenschwanz.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare (3)