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	<title>Fragen Sie Dr. Bopp! &#187; Deklination</title>
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	<description>Deutsche Rechtschreibung und Grammatik</description>
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		<title>&#8230; außer dem Holz im Kamin</title>
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		<pubDate>Mon, 06 Feb 2012 16:07:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Bopp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Grammatik]]></category>
		<category><![CDATA[Deklination]]></category>
		<category><![CDATA[Genitiv]]></category>

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		<description><![CDATA[Frage „Als Konrad Lang zurückkam, stand alles in Flammen, außer dem Holz im Kamin.“ So beginnt der Roman „Small World“ von Martin Suter. Gerühmt wird dabei allenthalben der eben zitierte Eingangssatz. Ich bin dabei ein paar Male hängengeblieben. Ist das nun richtig mit dem Dativ? [...] Gefühlsmäßig hätte ich den Genitiv angewendet. [...] Hat das vielleicht [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Frage</strong></p>
<p>„Als Konrad Lang zurückkam, stand alles in Flammen, außer dem Holz im Kamin.“ So beginnt der Roman „Small World“ von Martin Suter. Gerühmt wird dabei allenthalben der eben zitierte Eingangssatz. Ich bin dabei ein paar Male hängengeblieben. Ist das nun richtig mit dem Dativ? [...] Gefühlsmäßig hätte ich den Genitiv angewendet. [...] Hat das vielleicht damit zu tun, dass Suter Schweizer ist? Es tauchen im Buch eine Reihe von Schweizer Ausdrücken auf, wie z. B. Serviertochter für Kellnerin, Randen für rote Bete etc.</p>
<p><strong>Antwort</strong></p>
<p>Sehr geehrter Herr S.,</p>
<p><em>Serviertocher</em> und <em>Randen</em> sind eindeutig schweizerische Wörter, das erste eher etwas antiquiert, das zweite so lebendig wie gesund. Der Dativ nach <em>außer</em> hingegen ist kein Helvetismus. Den Genitiv verwendet man nach <em>außer</em> nämlich nur in festen Wendung:</p>
<blockquote><p>außer Landes<br />
außer Hauses</p></blockquote>
<p>Sonst steht nach der Präposition <em>außer</em> in der Regel der Dativ:</p>
<blockquote><p>Niemand war im Haus außer mir selbst.<br />
Wir brauchen außer einem Liter Milch auch etwas Butter und Käse.<br />
am Ende jedes Monats außer dem letzten</p></blockquote>
<p>Deshalb schreibt Martin Suter ganz korrekt (also ohne den Tod des Genitivs zu fördern): <em>außer dem Holz</em>.</p>
<p>Das ist aber nicht alles: Man kann <em>außer</em> auch als Konjunktion verwenden. Die ihm folgende Wortgruppe steht dann im gleichen Fall wie das Wort, auf das sie sich bezieht:</p>
<blockquote><p>Alles stand in Flammen, außer das Holz im Kamin.<br />
Niemand war im Haus außer ich selbst.<br />
Wir brauchen außer einen Liter Milch auch etwas Butter und Käse.<br />
am Ende jedes Monats außer des letzten.</p></blockquote>
<p>Hier steht also</p>
<blockquote><p><em>- das Holz</em> im Nominativ wie <em>alles</em>,<br />
<em>- ich selbst</em> im Nominativ wie <em>niemand,</em><br />
<em>- einen Liter Milch</em> im Akkusativ wie <em>etwas Butter und Käse,</em><br />
<em>- des letzten</em> im Genitiv wie<em> jedes Mo</em><em>nats</em>.</p></blockquote>
<p>Vgl. die Angaben zu <a href="http://www.canoo.net/services/OnlineGrammar/Wort/Praeposition/Kasus/Dativ.html#Anchor-11306"><em>außer</em> in Canoonet</a>.</p>
<p>Die mit <em>außer</em> eingeleitete Wortgruppe kann übrigens durch Kommas abgetrennt werden, wenn sie besonders hervorgehoben werden soll. Dies ist bei Suters einleitendem Satz der Fall. Das Komma vor <em>außer</em> deutet hier eine kleine Pause an, die den Überraschungseffekt schön unterstützt:</p>
<blockquote><p>„Als Konrad Lang zurückkam, stand alles in Flammen, außer dem Holz im Kamin.“<br />
<small>[Martin Suter,<em> Small World</em>, Diogenes, Zürich, 1997]</small></p></blockquote>
<p>Mit freundlichen Grüßen</p>
<p>Dr. Bopp</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Mit Fokus auf den Akkusativ oder mit Fokus auf dem Dativ</title>
		<link>http://canoo.net/blog/2012/01/26/mit-fokus-auf-den-akkusativ-oder-mit-fokus-auf-dem-dativ/</link>
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		<pubDate>Thu, 26 Jan 2012 11:17:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Bopp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Grammatik]]></category>
		<category><![CDATA[Deklination]]></category>

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		<description><![CDATA[Frage Ich bin zwar Deutsche, verzweifle gerade aber an der Frage, ob es „englischsprachig mit Fokus auf interkulturelle Kompetenz“ oder „englischsprachig mit Fokus auf interkultureller Kompetenz“ heißt. Antwort Sehr geehrte Frau L., auch Muttersprachige können hier unsicher werden, sobald sie anfangen, darüber nachzudenken. Das liegt daran, dass Fokus in Kombination mit auf in unterschiedlicher Weise [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Frage</strong></p>
<p>Ich bin zwar Deutsche, verzweifle gerade aber an der Frage, ob es „englischsprachig mit Fokus auf interkulturell<strong>e</strong> Kompetenz“ oder „englischsprachig mit Fokus auf interkulturell<strong>er</strong> Kompetenz“ heißt.</p>
<p><strong>Antwort</strong></p>
<p>Sehr geehrte Frau L.,</p>
<p>auch Muttersprachige können hier unsicher werden, sobald sie anfangen, darüber nachzudenken. Das liegt daran, dass <em>Fokus</em> in Kombination mit <em>auf</em> in unterschiedlicher Weise in einem Satz auftreten kann:</p>
<blockquote><p>Der Fokus ist auf eine Sache gerichtet.<br />
Der Fokus liegt auf einer Sache.</p></blockquote>
<p>Je nachdem, ob der Fokus gerichtet ist oder ob er liegt, steht nach <em>auf</em> der „dynamische“ Akkusativ  oder der „statische“ Dativ. In der Wendung<em> mit Fokus auf </em>kann man nicht sehen, ob es sich um einen liegenden oder einen gerichteten Fokus handelt. Der entscheidende Satzzusammenhang fehlt und es gibt eigentlich keinen merkbaren Bedeutungsunterschied. Deshalb sind beide Formulierungen möglich:</p>
<blockquote><p>mit Fokus auf interkulturelle Kompetenz<br />
= mit auf interkulturelle Kompetenz gerichtetem Fokus</p></blockquote>
<blockquote><p>mit Fokus auf interkultureller Kompetenz<br />
= mit auf interkultureller Kompetenz liegendem Fokus</p></blockquote>
<p>Der mit der üblichen Vorsicht zu genießende schnelle Google-Blick ins Internet zeigt allerdings, dass der Akkusativ hier häufiger vorzukommen scheint.</p>
<p>Mit freundlichen Grüßen</p>
<p>Dr. Bopp</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Das Möbel(stück)</title>
		<link>http://canoo.net/blog/2012/01/16/das-moebelstueck/</link>
		<comments>http://canoo.net/blog/2012/01/16/das-moebelstueck/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 16 Jan 2012 18:19:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Bopp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Konjugation/Deklination]]></category>
		<category><![CDATA[Deklination]]></category>
		<category><![CDATA[Regionale Unterschiede]]></category>

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		<description><![CDATA[Frage Schreibt man „Ich brauche ein Möbel für mein Telefon“ oder „Ich brauche ein Möbelstück für mein Telefon“? Antwort Sehr geehrte Frau S., das Wort Möbel steht meistens in der Mehrzahl. Es ist aber nicht grundsätzlich falsch, es in der Einzahl zu verwenden (steht zum Beispiel auch in Duden, DWDS, Wahrig, Pons, Canoonet). Je nach [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Frage</strong></p>
<p>Schreibt man „Ich brauche ein Möbel für mein Telefon“ oder „Ich brauche ein Möbelstück für mein Telefon“?</p>
<p><strong>Antwort</strong></p>
<p>Sehr geehrte Frau S.,</p>
<p>das Wort <em>Möbel</em> steht meistens in der Mehrzahl. Es ist aber nicht grundsätzlich falsch, es in der Einzahl zu verwenden (steht zum Beispiel auch in Duden, DWDS, Wahrig, Pons, Canoonet). Je nach Region, Alter, Beruf oder was sonst noch eine Rolle spielen mag, finden wir die Einzahl <em>das Möbel</em> unmöglich, ungewöhnlich oder ganz normal. <em>Möbel</em> ist also – anders als das englische <em>furniture</em> und anders als gelegentlich gesagt wird – nicht ein Wort, das ausschließlich in der Mehrzahl verwendet werden darf.</p>
<p>Daneben wird auch das Wort <em>Möbelstück</em> verwendet, vor allem von denjenigen, die sich nicht mit <em>das Möbel</em> anfreunden können oder wollen. Sie können also beides sagen:</p>
<blockquote><p>Ich brauche ein Möbel für mein Telefon.<br />
Ich brauche ein Möbelstück für mein Telefon.</p></blockquote>
<p>In meinen Ohren klingen allerdings beide Formulierungen etwas ungewöhnlich. Die Einzahl von <em>Möbel</em> ist wohl deshalb wenig gebräuchlich, weil vom winzigen japanischen Lacktischchen bis hin zum kolossalen Bücherschrank aus Eichenholz alles den Namen <em>Möbel</em> trägt. Wenn man einen einzelnen Einrichtungsgegenstand meint, gibt man deshalb meistens genauer an, was gemeint ist. Zum Beispiel:</p>
<blockquote><p>Im Korridor versperrt ein großer Schrank den Durchgang.<br />
Wann kaufst du endlich ein neues Sofa?<br />
Ich brauche ein Tischchen für mein Telefon</p></blockquote>
<p>Wenn Sie aber noch nicht wissen, welche Art Einrichtungsgegenstand Sie sich anschaffen wollen, können Sie auch von <em>einem Möbel</em> oder <em>einem Möbelstück</em> reden. Dabei steht es Ihnen frei, die Variante zu wählen, die Ihnen weniger ungewöhnlich vorkommt.</p>
<p>Mit freundlichen Grüßen</p>
<p>Dr. Bopp</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Von geschlossenen und zuen Schuhen</title>
		<link>http://canoo.net/blog/2012/01/08/von-geschlossenen-und-zuen-schuhen/</link>
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		<pubDate>Sun, 08 Jan 2012 16:16:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Bopp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Grammatik]]></category>
		<category><![CDATA[Deklination]]></category>
		<category><![CDATA[Umgangssprache]]></category>
		<category><![CDATA[Wortwahl]]></category>

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		<description><![CDATA[Wer zurzeit nicht in den Bergen im Schnee versinkt, hört in tieferen Gefilden meist sumpfig-schmatzende Geräusche unter den Sohlen, wenn er zu Fuß abseits asphaltierter oder anderweitig befestigter Straßen unterwegs ist. Bei den gegenwärtigen Schnee- und Regenmengen ist von Sandalen und anderem offenem Schuhwerk dringend abzuraten. Die zu diesem Thema passende, nicht allzu neue Frage: [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wer zurzeit nicht in den Bergen im Schnee versinkt, hört in tieferen Gefilden meist sumpfig-schmatzende Geräusche unter den Sohlen, wenn er zu Fuß abseits asphaltierter oder anderweitig befestigter Straßen unterwegs ist. Bei den gegenwärtigen Schnee- und Regenmengen ist von Sandalen und anderem offenem Schuhwerk dringend abzuraten. Die zu diesem Thema passende, nicht allzu neue Frage:</p>
<p><strong>Frage</strong></p>
<p>Wenn man von geschlossenem Schuhwerk spricht, wie schreibt man dann „zuhe“ Schuhe?</p>
<p><strong>Antwort</strong></p>
<p>Sehr geehrter Herr R.,</p>
<p>wenn man von geschlossenen Schuhen redet und das Wort <em>zu</em> verwendet, schreibt man <em>zue Schuhe</em> oder<em> zune Schuhe</em>. Diese Verwendung von <em>zu</em> als vorangestelltes Adjektiv ist allerdings rein umgangssprachlich. Sie gilt standardsprachlich sogar als falsch. Standardsprachlich spricht und schreibt man nur von <em>geschlossenen Schuhen</em>. Auch zu(n)e Türen, ein am Sonntag zu(n)es Restaurant oder eine noch zu(n)e Kaugummipackung trifft man in der Standardsprache nicht so an, sondern als geschlossene Türen, ein am Sonntag geschlossenes Restaurant oder eine noch ungeöffnete Kaugummipackung.</p>
<p>Dasselbe gilt übrigens auch für das Gegenteil von <em>zu</em>. Weder ein <em>aufes Fenster</em> noch <em>aufe Schuhe</em> sind im Standardeutschen akzeptiert. Wenn es zieht und man an die Füße friert, liegt das standardsprachlich an einem offenstehenden Fenster und offenen Schuhen.</p>
<p>Mit freundlichen Grüßen</p>
<p>Dr. Bopp</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Mord an Polizeibeamten</title>
		<link>http://canoo.net/blog/2012/01/06/mord-an-polizeibeamten/</link>
		<comments>http://canoo.net/blog/2012/01/06/mord-an-polizeibeamten/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 06 Jan 2012 18:19:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Bopp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Konjugation/Deklination]]></category>
		<category><![CDATA[Deklination]]></category>

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		<description><![CDATA[Frage Auf einem Fahndungsplakat heißt es „Mord an Polizeibeamten“, wobei ein einzelner Polizeibeamter gemeint ist. Nun bin ich unsicher, ob es nicht „Mord an Polizeibeamtem“ heißen müsste. &#8230; Antwort Sehr geehrter Herr G., es müsste tatsächlich heißen: Mord an Polizeibeamtem Das Wort Beamter wird wie ein Adjektiv gebeugt: Singular: Nom.: der Beamte, ein Beamter, Beamter Dat.: [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Frage<br />
<span style="font-weight: normal;"> </span></strong></p>
<p><strong><span style="font-weight: normal;">Auf einem Fahndungsplakat heißt es „Mord an Polizeibeamten“, wobei ein </span></strong>einzelner Polizeibeamter gemeint ist. Nun bin ich unsicher, ob es nicht „Mord an Polizeibeamtem“ heißen müsste.</p>
<p style="text-align: center;"><img class="aligncenter size-medium wp-image-7044" title="Fahndungsbild" src="http://canoo.net/blog/wp-content/uploads/2012/01/Fahndungsbild-300x116.jpg" alt="" width="300" height="116" /></p>
<p style="text-align: center;">&#8230;</p>
<p><strong>Antwort</strong></p>
<p>Sehr geehrter Herr G.,</p>
<p>es müsste tatsächlich heißen:</p>
<blockquote><p>Mord an Polizeibeamtem</p></blockquote>
<p>Das Wort <em>Beamter</em> wird wie ein Adjektiv gebeugt:</p>
<blockquote><p><em>Singular:</em><br />
<em>Nom.:</em> der Beamte, ein Beamter, Beamter<br />
<em> Dat.:</em> dem Beamten, einem Beamten, <strong>Beamtem<br />
</strong><br />
<em> Plural:</em><br />
<em>Nom.:</em> die Beamten, Beamte<br />
<em>Dat.:</em> den Beamten, <strong>Beamten</strong></p></blockquote>
<p>Im Dativ Singular steht also die Endung <em>em</em>, wenn <em>Beamter</em> oder <em>Polizeibeamter</em> ohne Artikelwort steht:</p>
<blockquote><p>Mord an Polizeibeamtem<br />
= Mord an einem Polizeibeamten</p></blockquote>
<p>Die Endung <em>en</em> steht im Dativ dann, wenn <em>Polizeibeamter</em> von einem gebeugten Artikelwort begleitet wird:</p>
<blockquote><p>Mord an einem Polizeibeamten<br />
der Mord an diesem Polizeibeamten</p></blockquote>
<p>Die Endung <em>en</em> steht aber auch im Plural. Wenn mehr als ein Polizeibeamter ermordet worden wäre, müsste die Kriminalpolizei auf dem Fahndungsplakat schreiben:</p>
<blockquote><p>Mord an Polizeibeamten<br />
= Mord an mehreren Polizeibeamten</p></blockquote>
<p>Solche artikellosen Formulierungen findet man vor allem in Titeln, stichwortartigen Aufzählungen und juristischen oder juristisch daherkommenden Texten. Zum Beispiel:</p>
<blockquote><p>Zielvereinbarungen zwischen <em>Studierendem/Studierender</em> und Ausbildungsinstitut<br />
Verkehrsmissstände mit <em>Verantwortlichem</em> des Campingplatzes besprechen<br />
Rentner wegen erzwungenem Sex mit <em>Verlobter</em> vor Gericht<br />
<em>Mitreisende</em> gesucht<br />
Drei<em> Jugendliche</em> vemisst<br />
Staatsanwaltschaft wirft <em>Angeklagter</em> 50 Straftaten vor<em>.</em><em> </em><br />
<em>Betrunkener</em> bricht <em>Polizeibeamtem</em> den Finger</p></blockquote>
<p>Im zweitletzten Satz ist mit <em>Angeklagt<strong>er</strong></em> (Dativ Singular) eine Frau gemeint. Im letzten Satz bezeichnet <em>Betrunken<strong>er</strong></em> (Nominativ Singular) aber einen Mann. Kein Wunder, dass die Fälle hier manchmal durcheinandergeraten.</p>
<p>Wenn Sie einmal gar nicht mehr weiterwissen, denken Sie sich einfach <em>Mann</em> oder <em>Frau</em> (oder im Plural <em>Menschen</em>) dazu, dann finden Sie die richtige Form ganz einfach:</p>
<blockquote><p>Staatsanwalt wirft angeklagter Frau 50 Straftaten vor.<br />
=&gt; Staatsanwalt wirft Angeklagter 50 Straftaten vor.</p></blockquote>
<blockquote><p>Betrunkener Mann bricht Polizeibeamtem den Finger.<br />
=&gt; Betrunkener bricht Polizeibeamtem den Finger.</p></blockquote>
<p>Beim Beamten ist dies allerdings schwieriger. Wenn Sie ihn ohne Artikel verwenden wollen oder müssen und nicht sicher sind, welche Endung Sie verwenden sollten, ersetzen Sie ihn am besten durch ein Wort wie <em>Angestellter</em>:</p>
<blockquote><p>Betrunkener bricht angestellt<strong>em</strong> Mann den Finger.<br />
Betrunkener bricht Angestellt<strong>em </strong>den Finger.<br />
=&gt; Betrunkener bricht Polizeibeamt<strong>em</strong> den Finger.</p></blockquote>
<p>Wenn hier stehen würde</p>
<blockquote><p>Betrunkener bricht Polizeibeamten den Finger.</p></blockquote>
<p style="text-align: left;">müsste der Betrunkene mindestens zwei Polizistenfinger gebrochen haben.</p>
<p>Im öffentlichen Dienst tätige Frauen machen uns das Leben hier übrigens wieder einmal viel einfacher: Die Beugung des Wortes <em>Beamtin/Beamtinnen</em> bietet keine größeren Schwierigkeiten.</p>
<p>Mit freundlichen Grüßen</p>
<p>Dr. Bopp</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Sie hüteten des Nachts ihre Herde</title>
		<link>http://canoo.net/blog/2011/12/22/sie-hueteten-des-nachts-ihre-herde/</link>
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		<pubDate>Thu, 22 Dec 2011 18:25:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Bopp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Deklination]]></category>
		<category><![CDATA[Geschlecht]]></category>

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		<description><![CDATA[»Es waren Hirten aus derselben Gegend auf dem Felde und sie hüteten des Nachts ihre Herde &#8230;« Für die Weihnachtsgeschichte ist es allerdings noch ein bisschen zu früh. Es geht hier dann auch nicht um Hirten, Engel, Ställe, Esel, Ochsen, Krippen und den Heiland. Herrn M.s Frage richtet sich also nicht an meine Bibelkenntnisse, sondern auf [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>»Es waren Hirten aus derselben Gegend auf dem Felde und sie hüteten des Nachts ihre Herde &#8230;« Für die Weihnachtsgeschichte ist es allerdings noch ein bisschen zu früh. Es geht hier dann auch nicht um Hirten, Engel, Ställe, Esel, Ochsen, Krippen und den Heiland. Herrn M.s Frage richtet sich also nicht an meine Bibelkenntnisse, sondern auf die bei genauerer Betrachtung recht seltsame Wendung <em>des Nachts</em>.</p>
<p><strong>Frage</strong></p>
<p>Was verbirgt sich eigentlich hinter dem Ausdruck „des Nachts“? Ist das Wort „Nacht“ einmal männlich gewesen oder woher stammt diese Redewendung? Logisch kann ich das nicht nachvollziehen.</p>
<p><strong>Antwort</strong></p>
<p>Sehr geehrter Herr M.,</p>
<p>soweit ich weiß, war <em>Nacht</em> auch früher nicht männlich. Das Wortgeschlecht spielt aber trotzdem eine Rolle. Die Entstehung dieser grammatisch sehr ungewöhnlichen Wendung (der Genitiv müsste ja <em>der Nacht</em> lauten) hat damit zu tun, dass <em>Nacht</em> die einzige weibliche Tageszeitangabe ist. Die Wendungen <em>des Nachts</em> und <em>eines Nachts</em> sind Analogiebildungen zu <em>des Morgens, des Mittags, des Abends</em> bzw.<em> eines Morgens, eines Mittags, eines Abends, eines Tages</em>. Das weibliche Wort <em>Nacht</em> hat sich bei dieser Ausdrucksweise also der Übermacht männlicher Tageszeitangaben beugen müssen (typisch!). „Logisch“ gesehen und nach den Regeln der deutschen Grammatik müsste man die Wendungen <em>des Nachts</em> und <em>eines Nachts</em> also eigentlich als falsch bezeichnen. Sie gehören aber trotzdem zur Standardsprache –  sogar zur gehobenen!</p>
<p>Mit freundlichen Grüßen</p>
<p>Dr. Bopp</p>
<p>PS: Zur Groß- und Kleinschreibung bei <em>eines Nachts</em> und <em>nachts</em> siehe <a href="http://www.canoo.net/spelling/Nacht&amp;features=(Cat+N)">hier</a>. Zur Frage, weshalb hier überhaupt der Genitiv steht, siehe <a href="http://canoo.net/blog/2010/09/14/der-adverbialgenitiv/">hier</a>.</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Die nächste und die näheste Tankstelle</title>
		<link>http://canoo.net/blog/2011/11/30/die-naechste-tankstelle/</link>
		<comments>http://canoo.net/blog/2011/11/30/die-naechste-tankstelle/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 30 Nov 2011 19:21:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Bopp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Grammatik]]></category>
		<category><![CDATA[Deklination]]></category>
		<category><![CDATA[Steigerung]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://canoo.net/blog/?p=6565</guid>
		<description><![CDATA[Frage Mich fragte ein Student neulich, was es mit dem Komparativ und Superlativ von „nah“ auf sich hat. nah &#8211; näher &#8211; am nächsten Gibt es nicht auch im Volksmund den Begriff „am nähesten“ und ist das eine legitime Alternative? Antwort Sehr geehrter Herr D., das Adjektiv nah oder nahe hat nach den Angaben aller [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Frage</strong></p>
<p>Mich fragte ein Student neulich, was es mit dem Komparativ und Superlativ von „nah“ auf sich hat.</p>
<blockquote><p>nah &#8211; näher &#8211; am nächsten</p></blockquote>
<p>Gibt es nicht auch im Volksmund den Begriff „am nähesten“ und ist das eine legitime Alternative?</p>
<p><strong>Antwort</strong></p>
<p>Sehr geehrter Herr D.,</p>
<p>das Adjektiv <em>nah </em>oder<em> nahe</em> hat nach den Angaben aller Grammatiken, Lehrbücher und Wörterbücher die folgenden Steigerungsformen:</p>
<blockquote><p>nah(e) – näher – am nächsten</p></blockquote>
<p>Dies sind die standardsprachlich akzeptierten Formen. Daneben trifft man aber auch die Superlativform <em>am nähesten</em> an. Sie gilt standardsprachlich als nicht korrekt, aber sie ist nicht einfach nur „dumm“. Sie lässt sich wahrscheinlich wie folgt erklären:</p>
<p>Die Form <em>näheste</em> folgt einem regelmäßigen Steigerungsmuster:</p>
<blockquote><p>nah – näher – am nähesten</p></blockquote>
<p>wie zum Beispiel:</p>
<blockquote><p>froh – froher – am frohesten<br />
lang – länger – am längsten</p></blockquote>
<p>Wichtiger als diesen formalen Aspekt finde ich, dass diese Steigerungsform dem offenbar bei einigen bestehenden Bedürfnis entgegenkommt, <em>nächste</em> im Sinne von a) <em>unmittelbar folgende</em> und <em>nächste</em> im Sinne von b) <em>am wenigsten weit entfernte</em> voneinander zu unterscheiden:</p>
<blockquote><p>a)<br />
am nächsten Morgen<br />
Wir halten nicht bei dieser Tankstelle, sondern erst bei der nächsten.</p></blockquote>
<blockquote><p>b)<br />
Dieses Zimmer liegt am *nähesten beim Ausgang.<br />
Ich muss tanken. Wo ist die *näheste Tankstelle?</p></blockquote>
<p>Die Form <em>näheste</em> kommt nur für <em>nächste</em> im Sinne b) vor. Äußerungen wie <em>am *nähesten Morgen</em> oder <em>Wir halten nicht bei dieser Tankstelle, sondern erst bei der *nähesten</em> hört man nicht. Die Form <em>näheste</em> hat also neben <em>nächste</em> eine unterscheidende Funktion. Dabei steht sie als die formal regelmäßigere Form für die auch sinngemäß regelmäßigere Steigerung von <em>nahe</em>.</p>
<p>Dass diese Unterscheidung nicht an den Haaren herbeigezogen ist, zeigt ein Vergleich mit anderen Sprachen, in denen die Bedeutungen a) und b) durch verschiedene Wörter ausgedrückt werden:</p>
<blockquote>
<table border="1" cellspacing="2" cellpadding="2">
<tbody>
<tr>
<td></td>
<td>unmittelbar folgend</td>
<td>am wenigsten weit entfernt</td>
</tr>
<tr>
<td>en</td>
<td>the <em>next</em> service station</td>
<td>the <em>nearest</em> service station</td>
</tr>
<tr>
<td>fr</td>
<td>la <em>prochaine</em> station-service</td>
<td>la station-service <em>la plus proche</em></td>
</tr>
<tr>
<td>it</td>
<td>la <em>prossima</em> stazione di servizio</td>
<td>la stazione di servizio <em>più vicina</em></td>
</tr>
<tr>
<td>nl</td>
<td>de <em>volgende</em> benzinepomp</td>
<td>de <em>dichtstbijzijnde</em> benzinpomp</td>
</tr>
<tr>
<td colspan="3">Zum Vergleich:</td>
</tr>
<tr>
<td>de</td>
<td>die <em>nächste</em> Tankstelle</td>
<td>die <em>nächste</em> Tankstelle</td>
</tr>
</tbody>
</table>
</blockquote>
<p>Das Deutsche ist hier nicht gerade ein Paradebeispiel für Präzision. Es gäbe also gute Gründe dafür, neben <em>nächste</em> auch eine Form <em>näheste</em> zu haben!</p>
<p>Bevor man mich nun aber beschuldigt, dass ich hier falsche Formen doziere, wiederhole ich noch einmal: Die Form <em>näheste</em> ist in der deutschen Standadsprache nicht akzeptiert. Wenn einmal eine Unterscheidung oder Verdeutlichung notwendig sein sollte, drückt man dies standardsprachlich nicht mit <em>näheste</em>, sondern mit zum Beispiel <em>nächstgelegene</em> aus. Ich möchte hier nur zeigen, dass eine Form wie <em>näheste</em> oft nicht einfach nur ein dummer Fehler ist.</p>
<p>Mit freundlichen Grüßen</p>
<p>Dr. Bopp</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Null Punkte, zéro point</title>
		<link>http://canoo.net/blog/2011/11/06/null-punkte-zero-point/</link>
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		<pubDate>Sun, 06 Nov 2011 11:24:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Bopp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Konjugation/Deklination]]></category>
		<category><![CDATA[Deklination]]></category>
		<category><![CDATA[Zahlen]]></category>

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		<description><![CDATA[Bemerkung Das Plural-/Singularthema im Blog rief mir in Erinnerung, dass es in unterschiedlichen Sprachen unterschiedliche Verwendungen des Numerus gibt. Im Deutschen sagt man zum Beispiel „null Punkte“, im Französisch jedoch „zéro point“, also ohne Plural-s. Erst wenn man diese beiden Formen nebeneinander sieht, fällt einem auf, dass die französische Form „logischer“ ist, wir uns aber [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Bemerkung</strong></p>
<p>Das <a href="   http://canoo.net/blog/2011/10/21/eineinhalb-pfund-erbsen-singular-oder-plural/ ">Plural-/Singularthema im Blog</a> rief mir in Erinnerung, dass es in unterschiedlichen Sprachen unterschiedliche Verwendungen des Numerus gibt. Im Deutschen sagt man zum Beispiel „null Punkte“, im Französisch jedoch „zéro point“, also ohne Plural-s. Erst wenn man diese beiden Formen nebeneinander sieht, fällt einem auf, dass die französische Form „logischer“ ist, wir uns aber am deutschen Gebrauch nie an der „unlogischen“ Form gestört haben respektive stören.</p>
<p><strong>Antwort</strong></p>
<p>Sehr geehrter Herr H.,</p>
<p>tatsächlich ein bemerkenswerter Unterschied. Während wir ausschweifend pluralisch mit <em>null Punkten</em> unzufrieden und mit <em>null Fehlern</em> zufrieden sind, ärgern oder freuen sich die Französischsprachigen bescheiden singularisch über <em>zéro point </em>und <em>zéro faute</em>. Wir stören uns wahrscheinlich deshalb nicht am Plural, weil er gar nicht so unlogisch ist. Wenn man <em>null</em> mit <em>kein</em> gleichsetzt, sieht man, dass beides etwa gleich sinnvoll ist:</p>
<blockquote><p>Sie haben keinen Punkt erhalten.<br />
Sie haben keine Punkte erhalten.</p></blockquote>
<p>Ganz einfach gesagt: Wenn nichts da ist, macht es nicht so viel aus, ob eine Einzahl oder eine Mehrzahl fehlt. Warum wir allerdings nach <em>null</em> immer die Mehrzahl wählen, ist eine Frage, die ich leider nicht zu beantworten weiß.</p>
<p>Wir sind allerdings nicht die einzigen, die hier den Plural dem Singular vorziehen. Zum Beispiel:</p>
<blockquote><p>en: <em>zero points</em> (Sing. = <em>point</em>)<br />
it: <em>zero punti </em>(Sing. = <em>punto</em>)<br />
sp: <em>cero puntos</em> (Sing. = <em>punto</em>)<br />
nl: <em>nul punten</em> (Sing. = <em>punt</em>)<br />
pl: <em>zero punktów</em> (Sing. = <em>punkt</em>)</p></blockquote>
<p>Das Französische steht also mit dem Singular <em>zéro point</em> schon ein bisschen allein da.</p>
<p>Mit freundlichen Grüßen</p>
<p>Dr. Bopp</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Jede(r) der Neubauten</title>
		<link>http://canoo.net/blog/2011/10/31/jeder-der-neubauten/</link>
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		<pubDate>Mon, 31 Oct 2011 17:16:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Bopp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Konjugation/Deklination]]></category>
		<category><![CDATA[Deklination]]></category>
		<category><![CDATA[Geschlecht]]></category>
		<category><![CDATA[Kongruenz]]></category>

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		<description><![CDATA[Manchmal sind ganz einfach klingende Fragen auf den zweiten Blick doch gar nicht so einfach. Frage Ein schwieriger Fall, der, je länger ich drüber nachdenke, umso verworrener wird: Heißt es „Jeder der Neubauten ist schön“ oder „Jede der Neubauten ist schön“? Ich tendiere ja zu Letzterem. Antwort Sehr geehrter Herr L., zuerst dachte ich, dass [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Manchmal sind ganz einfach klingende Fragen auf den zweiten Blick doch gar nicht so einfach.</p>
<p><strong>Frage</strong></p>
<p>Ein schwieriger Fall, der, je länger ich drüber nachdenke, umso verworrener wird: Heißt es „Jeder der Neubauten ist schön“ oder „Jede der Neubauten ist schön“? Ich tendiere ja zu Letzterem.<strong> </strong></p>
<p><strong>Antwort</strong></p>
<p>Sehr geehrter Herr L.,</p>
<p>zuerst dachte ich, dass die Antwort auf Ihre Frage ganz einfach sei. Dann aber schlug meine eigene Unsicherheit zu. Was ist nun eigentlich richtig? Im Prinzip heißt es:</p>
<blockquote><p>Jeder der Neubauten ist schön.</p></blockquote>
<p><em>Neubauten</em> ist der Plural des männlichen Substantivs <em>Neubau</em>:</p>
<blockquote><p><a href="http://canoo.net/inflection/Neubauten">der Neubau / die Neubauten</a></p></blockquote>
<p>Man sollte hier deshalb die männliche Form <em>jeder</em> verwenden. Vgl.</p>
<blockquote><p>Jeder der Männer erhielt ein Stück Kuchen.<br />
Jede der Frauen erhielt ein Stück Kuchen.<br />
Jedes der Kinder erhielt eine Stück Kuchen.</p></blockquote>
<p>Ganz so unkompliziert ist es bei <em>Neubauten</em> allerdings doch nicht. Die Unsicherheit entsteht dadurch, dass die Form <em>Bauten</em> irgendwie so weiblich aussieht. Das liegt daran, dass sie dies eigentlich auch war: Der Plural <em>die Bauten</em> von <em>der Bau</em> gehörte ursprünglich zum heute kaum mehr verwendeten weiblichen Wort <em>die Baute </em>(<em>das Gebäude</em>).</p>
<p>Falls Ihnen die Formulierung <em>jeder der Neubauten</em> immer noch nicht gefallen will (sie „klemmt“ auch in meinen Ohren), verwenden Sie doch einfach eine andere. Zum Beispiel:</p>
<blockquote><p>Alle diese Neubauten sind schön.<br />
Sämtliche Neubauten sind schön.</p></blockquote>
<p>Mit freundlichen Grüßen</p>
<p>Dr. Bopp</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Böden, Bögen, Bröte</title>
		<link>http://canoo.net/blog/2011/09/24/boden-bogen-brote/</link>
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		<pubDate>Sat, 24 Sep 2011 15:22:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Bopp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Konjugation/Deklination]]></category>
		<category><![CDATA[Deklination]]></category>
		<category><![CDATA[Mehrzahl]]></category>
		<category><![CDATA[Regionale Unterschiede]]></category>

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		<description><![CDATA[Frage In „Allerhand Sprachdummheiten“ bin ich über die Pluralbildung gestolpert: „Bei einer Anzahl von Hauptwörtern wird der Plural jetzt oft mit dem Umlaut gebildet, wo dieser keine Berechtigung hat &#8230; Ärme, Böte, Bröte, Röhre, Täge, Böden, Bögen.“ Bei „Ärme“ und „Bröte“ hab ich ja noch geschmunzelt, aber bei „Böden“ und „Bögen“ fühle ich mich ertappt und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Frage</strong><br />
In „Allerhand Sprachdummheiten“ bin ich über die Pluralbildung gestolpert:</p>
<blockquote><p>„Bei einer Anzahl von Hauptwörtern wird der Plural jetzt oft mit dem Umlaut gebildet, wo dieser keine Berechtigung hat &#8230; Ärme, Böte, Bröte, Röhre, Täge, Böden, Bögen.“</p></blockquote>
<p>Bei „Ärme“ und „Bröte“ hab ich ja noch geschmunzelt, aber bei „Böden“ und „Bögen“ fühle ich mich ertappt und Google liefert jede Menge Belegstelle für z. B. „Bögen“, „Sportbögen“, „Pfeile und Bögen“ etc. Gibt es eine heute gültige Regel, die das teilweise erlaubt, oder ist das nach wie vor schlicht falsch?</p>
<p><strong>Antwort</strong></p>
<p>Sehr geehrter Herr B.,</p>
<p>in den über hundert Jahren, seit „Allerhand Sprachdummheiten“ von Gustav Wustmann (1844&nbsp;–&nbsp;1910) erschienen ist*, hat sich in der deutschen Sprache einiges getan; auch in diesem Bereich: Während die umgelauteten Mehrzahlformen <em>Ärme</em>, <em>Böte</em>, <em>Bröte</em>, <em>Röhre</em> und <em>Täge</em> standardsprachlich immer noch als falsch gelten, ist <em>die Bögen</em> heute als die „im Süden“ gebräuchliche Variante zu <em>die Bogen</em> akzeptiert. Die Form <em>die Böden</em> hat den nicht umgelauteten Plural <em>die Boden</em> standardsprachlich sogar ganz verdrängt:</p>
<blockquote><p>der Bogen – die Bogen, <em>auch: </em>die Bögen<br />
der Boden – die Böden</p></blockquote>
<p>Eine feste Regel gibt es hier nicht. Entscheidend ist der Gebrauch in der sogenannten Standardsprache. Als Standardsprache gilt – einfach gesagt – die Sprache in der Form, in der sie allgemein akzeptiert im offiziellen und im formelleren Umgang verwendet und auch an Schulen gelehrt wird. Das ist eine recht ungenaue Definition. Es ist deshalb nicht erstaunlich, dass häufiger eine gewisse Uneinigkeit oder Unsicherheit herrscht, welche Formen als standardsprachlich korrekt gelten. So geben einige Wörterbücher bei <em>Kragen</em> auch heute noch nur den Plural <em>die Kragen</em> an (z. B. Wahrig), während andere auch <em>die Krägen</em> als im südlichen deutschen Sprachraum verwendeten Pluralvariante erwähnen (z. B. Duden).</p>
<p>Wenn Sie wissen möchten, was heute als richtiges Deutsch gilt, können Sie also besser in Wörterbüchern und Grammatiken nachschlagen, die etwas jüngeren Datums als „Allerhand Sprachdummheiten“* sind. (<a href="http://www.canoo.net/inflection/Boden">Boden</a>, <a href="http://www.canoo.net/inflection/Bogen&amp;features=(Cat+N)">Bogen</a>). Es ist allerdings immer interessant, ältere Beschreibungen der deutschen Sprache zu lesen. Sie zeigen unter anderem, wie zeitgebunden die Etiketten „richtig“ und „falsch“ sein können.</p>
<p>Mit freundlichen Grüßen</p>
<p>Dr. Bopp</p>
<p>* Gustav Wustmann: <em>Allerhand Sprachdummheiten. Kleine deutsche Grammatik des Zweifelhaften, des Falschen und des Häßlichen. Ein Hilfsbuch für alle, die sich öffentlich der deutschen Sprache bedienen</em>. Grunow, Leipzig 1891;<br />
2. erw. Aufl. 1896; 3. erw. Aufl. 1903; 4. erw.. 1908;<br />
Nachdruck der 3. Aufl 2008.</p>
]]></content:encoded>
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