An die Elfenbeinküste, in die Elfenbeinküste oder nach Elfenbeinküste

Es steht zwar nicht ganz oben auf der Liste der am meisten besuchten Urlaubsziele, aber falls Sie Ihren Osterurlaub doch einmal in diesem westafrikanischen Land verbringen möchten, fahren Sie dann an die Elfenbeinküste, in die Elfenbeinküste oder nach Elfenbeinküste? Eine ähnliche Frage hat Frau W. gestellt:

Frage

Heißt es „Addah an der Elfenbeinküste“ oder „Addah in der Elfenbeinküste“?

Persönlich finde ich die erste Lösung besser, allerdings schreibt beispielsweise der Duden: „er ist Staatsbürger von Elfenbeinküste“. Sicher, die Elfenbeinküste ist ein Staat, aber klingt das nicht furchtbar?

Antwort

Sehr geehrte Frau W.,

es gibt hier keine eindeutig festgelegte, allgemein verbindliche Formulierung. Im offiziellen Verkehr wird im Deutschen im Prinzip der einzige offiziell von diesem Staat akzeptierte Name Côte d’Ivoire verwendet.

Addah liegt in Côte d’Ivoire
die Bevölkerung von Côte d’Ivoire

Sonst ist die Elfenbeinküste oder seltener Elfenbeinküste ohne Artikel üblich:

die Bevölkerung der Elfenbeinküste
die Bevölkerung von Elfenbeinküste

Wenn man den Namen mit Artikel verwendet, kann bei Ortsangaben an oder in stehen. Mit an verweist man auf die Küste dieses Namens, mit in auf den Staat. Es gibt somit drei Möglichkeiten, von denen keine als falsch bezeichnet werden kann:

Addah liegt in Elfenbeinküste
Addah liegt in der Elfenbeinküste
Addah liegt an der Elfenbeinküste

Am schönsten (und interessantesten) klingt für mich an der Elfenbeinküste. Damit ist allerdings eher die Küste als der Staat gemeint. Bei einem Ort, der nicht wie Addah an der Küste, sondern weiter im Landesinnern liegt, verwendet man besser eine dieser Formulierungen:

Yamoussoukro liegt in der Elfenbeinküste
Yamoussoukro liegt in Elfenbeinküste

Die Einwohner und Einwohnerinnen der Elfenbeinküste heißen übrigens offiziell Ivorer und Ivorerinnen und das Adjektiv lautet ivorisch (vgl. d’Ivoire). Da diese Bezeichnungen nicht allzu bekannt sind, würde ich allerdings empfehlen, X der Elfenbeinküste oder Y von Elfenbeinküste zu verwenden, wenn man gerne auf Anhieb verstanden werden möchte.

Man kann also in die Elfenbeinküste/nach Elfenbeinküste fahren, wenn das Land gemeint ist, oder an die Elfenbeinküste, wenn das Ziel der Reise dort am Meer liegt. Ich verbringe Ostern dieses Jahr übrigens ruhig und ohne jeglichen präpositionalen Zweifel zu Hause.

Frohe Ostern!

Dr. Bopp

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Von Bernd das Brot oder von Bernd dem Brot?

Frage

Gestern bin ich auf einen Artikel gestoßen, in dem es um Bernd das Brot ging, Titel: „Was ich von Bernd das Brot über das Leben gelernt habe“.

Intuitiv würde ich hier stattdessen schreiben: „Was ich von Bernd dem Brot über das Leben gelernt habe“, analog zu „was Alexander dem Großen widerfuhr“. Ich würde „das Brot“ also als eine ganz normale Apposition behandeln.

Was meinen Sie dazu? Gibt es Fälle, in denen eine Apposition ein Teil des Namens wird und nicht flektiert wird? […]

Antwort

Sehr geehrter Herr S.,

es gibt keine eindeutige, in Stein gemeißelte Regel für solche Fälle. Wenn das Brot als Apposition empfunden wird, geht man gleich vor wie bei Katharina der Großen, Wilhelm dem Eroberer oder Jan Brueghel dem Älteren:

Ich bin Bernd das Brot.
Ich habe Bernd dem Brot zugehört.
Was ich von Bernd dem Brot gelernt habe.
Leben und Werk Bernds des Brotes

Ganz so eindeutig ist es aber nicht. Der Kinderfernsehstar Bernd ist kein Herrscher wie Katharina II. von Russland oder Wilhelm I. von England und das Brot ist auch kein unterscheidendes Merkmal wie bei Vater und Sohn Jan Brueghel dem Älteren und dem Jüngeren. Man kann das Brot auch einfach als Familiennamen sehen. Seine Form mit einem bestimmten Artikel ist im Deutschen ungewöhnlich, aber Bernd, der Träger des Namens, ist ja auch keine ganz alltägliche Figur. Als Familienname wird er wie ein „gewöhnlicher“ Familienname behandelt:

Ich heiße Bernd das Brot.
Ich habe Bernd das Brot zugehört.
Was ich von Bernd das Brot gelernt habe.
Bernd das Brots Leben und Werk

Es lässt sich nicht eindeutig und objektiv feststellen, ob das Brot eine nachgestellte enge Apposition oder ein Familienname sein muss. Beides ist vertretbar. Ich neige eher zur Apposition, insbesondere dann, wenn nicht nur von Bernd dem Brot, sondern auch von Chili dem Schaf und Briegel dem Busch die Rede ist. Beim Kinderfernsehkanal KIKA (zumindest im Webauftritt) schein man aber das Brot als Familiennamen zu behandeln:

„Freu dich auf Spaß, Spiel und ganz viel Comedy!“, heißt es in Sketchen mit Bernd das Brot.
http://www.kika.de/bernd-friends/index.html

Mehr Informationen zur Beugung von engen Appositionen und Namen finden Sie hier.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Der Unterschied zwischen Südostasien und Ostwestfalen

Es geht hier natürlich nicht um geographische oder kulturelle Unterschiede zwischen diesen beiden kaum vergleichbaren Regionen, sondern um die Bildung ihrer Namen. Genauer genommen geht es um den Namen Ostwestfalen, der auch mich stutzen ließ, als ich ihn zum ersten Mal hörte.

Frage

Ich bin mit einem Bekannten uneins über den Namen „Ostwestfalen“. Seiner Meinung nach ist die Bezeichnung für diesen Landstrich „ein Widerspruch in sich“. Ich hatte nämlich als weitere Beispiele Südwestafrika, Südwestrundfunk, Südostasien, Nordwestlotto, Northwest Territories und Südosteuropa angeführt. Er sagte dazu: „Alle diese Gegenden sind gemäß der Himmelsrichtungen benachbart. Das geht. Ost und West liegen sich gegenüber. Deshalb ist Ostwestfalen ein Widerspruch in sich.“ Wie ist Ihre Meinung dazu?

Antwort

Sehr geehrter Herr M.,

Ihr Bekannter hat insofern recht, als die Bezeichnung Ostwestfalen nicht ganz gleich strukturiert ist wie zum Beispiel Südwestafrika oder Südostasien.

Bei Südostasien sind die beiden Himmelsrichtungen gleichrangig: Es ist eine Region, die im Südosten Asiens liegt, also in einem Teil der innerhalb Asiens gleichzeitig südlich und östlich ist. Es ist nicht so sehr der südliche Teil Ostasiens, als vielmehr der südöstliche Teil Asiens. Nur die Konvention bestimmt übrigens, dass die Himmelsrichtungen Süd und Nord vor Ost und West genannt werden, sonst könnte man ohne Bedeutungsänderung auch Ostsüdasien statt Südostasien oder Westnorddeutschland statt Nordwestdeutschland sagen.

Bei Ostwestfalen hingegen sind Ost und West nicht gleichrangig. Diese Region ist der östliche Teil von Westfalen, wie Osteuropa der östliche Teil von Europa ist oder die Ostschweiz der östliche Teil der Schweiz. Ost bezieht sich nicht auf Falen, sondern auf Westfalen. Die Bezeichnung Ostwestfalen mag für einige widersprüchlich klingen, das wäre sie aber nur dann, wenn Ost und West gleichrangig wären. Ostwestfalen liegt aber nicht im Osten und im Westen einer nicht bestehenden Region Falen, sondern, wie bereits gesagt, im Osten von Westfalen.

Diese Art Bezeichnungen mit nicht gleichrangigen Himmelsrichtungen kommen selten vor (man spricht zum Beispiel eher vom Norden Südafrikas als von Nordsüdafrika), aber sie sind nicht widersprüchlich oder gar grundsätzlich falsch. Das wissen die Ostwestfalen natürlich schon lange.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Das „von“ in Max von Mustermann

Zum Wochenende gibt es eine nicht gerade weltbewegende Frage – außer wenn man einen Familiennamen der Form von X oder de Y hat. Wer Personen solchen Namens anschreiben oder über sie schreiben will, kommt manchmal wie T. ins Zweifeln: von oder Von?

Frage

Ich möchte jemanden anschreiben und derjenige hat ein „von“ in seinem Namen. Schreibe ich „Max von Mustermann“ oder „Max Von Mustermann“?

Antwort

Guten Tag T.,

Namenszusätze wie von, zu und de schreibt man im Prinzip klein. Das gilt auch in Anschriften und Anreden:

Herrn M. von Mustermann
Sehr geehrter Herr von Mustermann.

Und weil es so schön einfach ist, gleich noch ein paar Beispiele:

Frau Carla von Siebenthal
Sehr geehrte Frau von Siebenthal

Es sang die Familie von Trapp.
Frau von der Leyen und Herr de Maizière
Ursula von der Leyen und Thomas de Maizière
die Sonnenblumen von van Gogh
Den Anfang macht von Webers Oper „Der Freischütz“.
Marcel von Huber Kaminfeger GmbH

die Rosa-von-Luxemburg-Straße
das Anette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasium

Es gibt allerdings zwei Situationen, in denen diese Namenszusätze großgeschrieben werden: am Satzanfang und als erster Teil einer substantivischen Zusammensetzung:

Von der Leyen sprach mit de Maizière.
De Maizière hörte von der Leyen zu.
Van Gogh und das abgeschnittene Ohr
Von Huber Kaminfeger GmbH
Von Webers Oper „Der Freischütz“ machte den Anfang.

die Van-Gogh-Ausstellung
eine dreibändige De-Sade-Ausgabe
die „Von-der-Leyen-Show“

Ist die Zusammensetzung ein Adjektiv, schreibt man allerdings wieder klein:

ein van-Gogh-ähnliches Bild
der de-Gaulle-treue Flügel der Partei

Zusammenfassend: Das „von“ in Namen ist immer klein, außer am Satzanfang und am Anfang von substantivischen Zusammensetzungen. Man schreibt es also nur dort groß, wo man eigentlich immer alles großschreibt.

Weitere Spitzfindigkeiten erspare ich Ihnen ebenso wie die knifflige Angelegenheit, wie man Namen mit Adelstiteln und Ähnlichem schreibt und beugt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp (leider nicht Dr. von Bopp)

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Ist oder sind die Niederlande eines der wichtigsten Exportländer?

Es geht natürlich nicht um Exportzahlen, sondern um die Einzahl oder Mehrzahl.

Frage

Die Niederlande sind eines der wichtigsten Exportländer

Stimmt das?

Antwort

Sehr geehrte Frau S.,

dass die Niederlande ein Name ist, der im Plural steht, wissen die meisten. Wenn es dann aber darum geht, dieses Wissen in konkreten Formulierungen auch anzuwenden, hapert es manchmal ein bisschen. Deutschland hat viele Nachbarländer und nur eines davon hat offiziell einen solchen „Pluralnamen“. Dann kann es schon hin und wieder schiefgehen.

Es heißt also:

Die Niederlande gehören zu Westeuropa.
Wir fahren in die schönen Niederlande.
Rotterdam liegt in den Niederlanden.

Darüber habe ich vor ein paar Jahren schon einmal berichtet. Siehe hier.

Ganz besondere Schwierigkeiten scheinen die Niederlande zu bereiten, wenn Sie in einem Satz mit einem sogenannten Gleichsetzungsnominativ vorkommen, insbesondere wenn der andere Nominativ in der Einzahl steht. Das klingt wieder einmal komplizierter als es ist:

Die Niederlande sind eine parlamentarische Monarchie.
Ein wichtiger Exportpartner sind die Niederlande.
Die Niederlande sind eines der beliebtesten Urlaubsziele für Deutsche.

Gerade in Sätzen wie dem letzten haben viele die Neigung, ist statt sein zu verwenden. Aber auch hier gilt, dass bei mit sein verbundenen Nominativen, von denen einer im Singular und einer im Plural steht, das Verb im Plural verwendet wird (vgl. hier):

Die Beduinen sind ein Nomadenvolk.
Mein größter Besitz sind meine Kinder.
Die Guerillagruppen sind eine der größten Gefahren für die Stabilität.

und also ebenso:

Die Niederlande sind eines der wichtigsten Exportländer.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

PS: Wenn Sie einmal ganz unsicher werden, weichen Sie im informellen Kontext einfach auf Holland aus. Dieser Name steht ganz „normal“ in der Einzahl. Und bevor nun empörte Reaktionen folgen: Ich weiß, dass die Niederlande und Holland offiziell nicht dasselbe sind (ein Staat vs nur ein Teil dieses Staates), aber im deutschsprachigen Alltagsgebrauch wird dieser Unterschied hartnäckig nicht beachtet. So werden zum Beispiel Rudi Carrell, Johan Cruyff, Linda de Mol, Heintje, André Rieu, Sylvie Meis und Tooske Ragas regelmäßig Holländer und Holländerinnen genannt, obwohl dies genau genommen nur für Carrell, Cruyff und de Mol gilt. Von den anderen sind die ersten beiden Limburger, Meis ist Nordbrabanterin und Ragas kommt aus der Provinz Overijssel … Wer es ganz korrekt machen will, bleibt vielleicht doch besser bei Niederlande und Niederländer/Niederländerin.

 

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In oder im Camp Green Lake

Frage

Heißt es „Interview in Camp Green Lake“ oder „Interview im Camp Green Lake“?

Antwort

Sehr geehrte Frau V.,

ob es in oder im heißt, hängt davon ab, ob Sie Camp Green Lake als Ganzes als Ortsnamen ohne Artikel verwenden (wie zum Beispiel Camp David, den Namen des Landsitzes des amerikanischen Präsidenten) oder ob Sie es als ein Camp mit dem Namen Green Lake sehen und mit Artikel verwenden.

Ohne Artikel:

Camp Green Lake liegt in der Wüste
Die Leitung von Camp Green Lake
Wir fahren nach Camp Green Lake
Interview in Camp Green Lake

Mit Artikel:

Das Camp Green Lake liegt in der Wüste
Die Leitung des Camps Green Lake
Wir fahren ins Camp Green Lake
Interview im Camp Green Lake

Das Erziehungscamp mitten in der Wüste, das aus der Feder des Autors Louis Sachar stammt, ist ein Camp und als Ganzes ein Ort. Deshalb sind beide Sichtweisen möglich und kommen auch beide Formulierungen vor. (Auch im Englischen scheint beides vorzukommen: at Camp Green Lake und at the Camp Green Lake.) Die Wahl liegt also bei Ihnen, ob das Interview in oder im Camp Green Lake stattgefunden hat. Nach dem Titel des Buches (Löcher. Das Geheimnis von Green Lake) zu schließen gibt sogar noch eine dritte Möglichkeit: Interview in Green Lake.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Ist oder sind Metallica eine Metal-Band?

Frage

Ein Thema, über das ich leider keine guten, fundierten Hilfen im www finden konnte, ist die Frage, ob auf Bandnamen oder allgemeiner auf Namen von Gruppen bezogene Verben im Singular oder im Plural stehen sollen/dürfen, also zum Beispiel „Metallica sind Headliner“ vs. „Metallica ist Headliner“.

Antwort

Guten Tag S.,

erlaubt ist (mehr oder weniger), was gefällt, denn eine verbindliche Regel gibt es nicht und linguistisch sind häufig beide Varianten vertretbar.

Bei Bandnamen, die eindeutig als Plural empfunden werden, stehen das Verb, die Possessivartikel usw. im Plural. Das gilt insbesondere für Gruppen, die mit dem deutschen Pluralartikel die stehen. Zum Beispiel:

die Beatles / die Rolling Stones / die Beach Boys / die Pointer Sisters sind eine Band/Gruppe

Gruppennamen, die in der Ursprungssprache (meist Englisch) für uns erkennbar pluralisch sind und im Deutschen ohne deutschen Artikel verwendet werden, stehen häufig mit dem Plural, weil sie – wie man annehmen darf – in Anlehnung an die Ursprungssprache als Plural empfunden werden. Der Singular kommt ebenfalls häufig vor, weil es eine Band oder eine Gruppe ist und entsprechend als Singular empfunden wird. Zum Beispiel:

Guns ’n’ Roses / 4 Non Blondes / The Doors / Children of Bodom sind eine Band
Guns ’n’ Roses / 4 Non Blondes / The Doors / Children of Bodom ist eine Band

Bei anderen Gruppennamen steht nach den deutschen Kongruenzregeln der Singular. Ein Gruppenname lässt sich mit einer Sammelbezeichnung (Kollektivum) wie Obst, Herde, Familie, Team, Mannschaft usw. vergleichen. Sammelbezeichnungen stehen im Deutschen immer mit dem Singular.

Metallica, Pink Floyd, Queen, Nirvana ist eine Band

So weit, so gut. Hier kommt aber häufig auch der Plural vor. Ich vermute stark (ohne genauere Untersuchungen kann ich es natürlich nicht mit wissenschaftlich fundierter Genauigkeit sagen), dass dies ein Einfluss des Englischen ist. Bei gewissen singularischen Sammelbezeichnungen, die Personengruppen bezeichnen, ist im Englischen die Kongruenz im Plural möglich (zum Beispiel the familiy are, the crew are, the band are). Das gilt auch für Namen von Musikgruppen u. Ä. Dieser Plural wird bei Bandnamen auch ins Deutsche übernommen

Metallica, Pink Floyd, Queen, Nirvana sind eine Band

Ich würde bei dieser Art von Namen immer die Übereinstimmung im Singular empfehlen. Da die Verwendung des Plurals hier aber häufig und systematisch vorkommt, halte ich den Plural nicht mehr für grundsätzlich falsch. Gerade in einem so stark angelsächsisch dominierten Gebiet wie der Pop- und Rockmusik ist ein Einfluss des Englischen auch auf der sprachlichen Ebene nicht sehr erstaunlich.

Und wer immer noch unsicher ist, kann natürlich einfach auf Wendung wie die Metal-Band Metallica, die britische Rockgruppe Queen oder die Rockband 4 Non Blondes ausweichen. Dann steht immer der Singular.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Warum in und nicht auf Polynesien?

Immer wieder gibt es Fragen dazu, welche Präpositionen bei Inseln zu verwenden sind (siehe zum Beispiel hier und hier). Immer wieder erstaunt mich das, denn das deutsche Sprachgebiet ist ja nicht besonders inselreich. Vielleicht erklärt gerade die relative Inselarmut die Popularität dieser Frage. Die Regel, die die meisten irgendwann einmal lernen, ist ganz einfach: bei Namen von Orten, Regionen und Ländern verwendet man in (in Dresden, in Osaka, in Sachsen, im Burgund, in Deutschland, in den Niederlanden), bei Inseln aber auf (auf Sylt, auf Curaçao, auf der Mainau). Dass es aber nicht immer ganz so eindeutig ist, sehen Sie  hier und hier. Und heute ein weiteres Beispiel, weshalb es trotz der Einfachheit der Regel zu Fragen kommen kann.

Bora Bora

Inselfrage

Polynesien scheint unter den Sonderfällen ein Sonderfall zu sein. Man ist „in“ Polynesien, obwohl man „auf“ den Inseln weilt. Man kann auf den Kanaren geboren sein, aber nicht auf Polynesien. Die geopolitischen Ansätze funktionieren hier nicht mehr. (Quantengrammatik ?)

Antwort

Sehr geehrter Herr B.,

um die Verwendung von in bei Polynesien zu erklären, braucht man keine „Quantengrammatik“. Der Name Polynesien bezeichnet anders als zum Beispiel Kanaren, Azoren und Bahamas nicht eine Inselgruppe, sondern eine ganze Region, die aus verschiedenen eigenständigen Inseln und Inselgruppen besteht. Das sieht man auch daran, dass Polynesien zwar viele Inseln umfasst, als Name aber in der Einzahl steht (Polynesien hat/ist…). Man lebt nicht auf einer Region, sonder in einer Region. So lebt man zum Beispiel auf Hawaii, auf Samoa oder auf den Cook-Inseln, die alle in Polynesien liegen. Dasselbe gilt für Melanesien und Mikronesien – und auch für Inselstaaten wie Indonesien und Japan.

Auch bei Japan und Indonesien heißt es nicht auf Japan, sondern in Japan und nicht auf Indonesien, sondern in Indonesien, obwohl es sich, wie ein Blick auf die Karte zeigt, um Inselgruppen handelt. Die Namen Japan und Indonesien werden also als Name eines Landes oder einer Region aufgefasst und entsprechend behandelt.

Als Faustregel kann gelten: Namen von aus Inselgruppen bestehenden Ländern und Regionen werden nur dann mit auf verwendet, wenn der Name ein Plural ist:

auf den Kanaren, auf den Azoren, auf den Philippinen
in Polynesien, in Indonesien, in Japan

Es ist nicht die brisanteste aller deutschen Grammatikfragen, sie zeigt aber gut, dass es auch bei so etwas Übersichtlichem wie Inselgruppen mehr als eine Betrachtungsweise und entsprechend mehr als eine sprachliche Ausdrucksweise geben kann.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Herr Doppler und sein Effekt: Eigennamen in Zusammensetzungen

Frage

Christian Doppler war Mathematiker und Physiker. „Doppler-Effekt“ lässt sich schön mit Bindestrich schreiben. Jedoch stolpere ich über die Schreibweise von „dopplersonografisch“.

Antwort

Sehr geehrte Frau S.,

in Zusammensetzungen mit einem einfachen Eigennamen an erster Stelle kann zur Verdeutlichung ein Bindestrich verwendet werden. Er muss also nicht stehen.

Ohne Bindestrich:

der Dopplereffekt
die Dopplersonografie
dopplersonografisch
eine dopplersonografische Untersuchung

Mit Bindestrich:

der Doppler-Effekt
die Doppler-Sonografie
Doppler-sonografisch
eine Doppler-sonografische Untersuchung

Zu beachten ist, dass der Eigenname in der zusammengeschriebenen Variante einen kleinen Anfangsbuchstaben hat, in der Variante mit Bindestrich aber großgeschrieben wird. Siehe auch hier.

Zusammensetzungen dieser Art mit einem einfachen Eigennamen werden häufiger falsch geschrieben. Es gibt ja auch so viele Möglichkeiten, es falsch zu machen. Man schreibt nicht:

die extrem *Obama feindliche Tea-Party-Bewegung
die extrem *Obamafeindliche Tea-Party-Bewegung
die extrem *obama-feindliche Tea-Party-Bewegung

sondern:

die extrem obamafeindliche Tea-Party-Bewegung
die extrem Obama-feindliche Tea-Party-Bewegung

Nach den Rechtschreibregeln schreibt man nicht:

*Moskau freundliche Staaten und *Russland kritische Regierungen
*Moskaufreundliche Staaten und *Russlandkritische Regierungen
*moskau-freundliche Staaten und *russland-kritische Regierungen

sondern:

moskaufreundliche Staaten und russlandkritische Regierungen
Moskau-freundliche Staaten und Russland-kritische Regierungen

Im Prinzip ist es gar nicht so kompliziert, man muss nur wissen, wie’s geht. Und wenn es im Schreibstress einmal schiefgeht, bedeutet das ja nicht gleich den Untergang unserer Schreibkultur. Es stellt sich hier nämlich die Frage, was „schlimmer“ ist: dass man weiß, wie man dopplersonografisch schreibt, aber wie ich keine Ahnung hat, was es bedeutet, oder dass man weiß, wovon man redet, und einen kleinen Verstoß gegen die Rechtschreibregeln begeht. Am besten weiß man immer beides, aber wer ist schon perfekt?

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Vom New-York-Event zum Kaiser-Franz-Josef-Land

Es geht wieder einmal um Bindestriche, die in der „freien Wildbahn“ gerne einmal weggelassen werden.

Frage

Schreibt man Begriffe wie „das New York-Event“ (in einem Blog gefunden) tatsächlich nur mit einem Bindestrich? Mein Sprachgefühl sagt mir, dass zwischen jedem Wort einer sein müsste.

Antwort

Sehr geehrter Herr P.,

richtig ist hier tatsächlich die Schreibung mit zwei Bindestrichen:

das New-York-Event

In Zusammensetzungen mit einem mehrteiligen Eigennamen steht zwischen allen Teilen der Zusammensetzung ein Bindestrich. Die entsprechende Regel finden Sie in Canoonet bei den Angaben zum Bindestrich bei Eigennamen (Ortsnamen zählen auch zu den Eigennamen). Man darf also bedenkenlos in das Wortbild eines Namens eingreifen, indem man ihn mit einem Bindestrich (verun)ziert.

Weil Beispiele oft mehr sagen als eine Regel, folgt hier eine ganze Reihe von Zusammensetzungen dieser Art:

der New-Orleans-Jazz
die Puerto-Rico-Reise
die Hudson-River-Mündung
das Grand-Canyon-Erlebnis

Mit Heiligen:

der Sankt-Andreas-Graben (St.-Andreas-Graben)
die Sankt-Barbara-Kirche (St.-Barbara-Kirche)
das Sankt-Florians-Prinzip (St.-Florians-Prinzip)
der San-Bernardino-Tunnel (S.-Bernardino-Tunnel)

Und mit (mehr oder weniger) Normalsterblichen:

ein Marilyn-Monroe-Film
die Van-Gogh-Ausstellung (aber: van-Gogh-artig)
der Da-Vinci-Code (aber: da-Vinci-ähnlich)
die Katharina-die-Große-Schule

Zum Schluss noch zwei meiner Lieblingsbeispiele aus den Rechtschreibbüchlein:

die Rio-de-la-Plata-Bucht
Kaiser-Franz-Josef-Land

So viel im Dr.-Bopp-Blog zum Thema Zusammensetzungen mit mehrteiligen Eigennamen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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