Guineisch und guineanisch

Kommentar

Leider vermisse ich einen Eintrag zu guineanisch, in Bezug auf Guinea.

Antwort

Sehr geehrter Herr C.,

Sie finden das Wort guineanisch nicht in Canoonet, weil das im Deutschen übliche Adjektiv zu Guinea anders lautet: guineisch. Die Menschen aus Guinea sind Guineerinnen und Guineer. Das Gleiche gilt für Äquatorialguinea: äquatorialguineisch, Äquatorialguineer, Äquatorialguineerin. Nicht nur in Afrika, sondern auch auf einem anderen Kontinent geht es wortbildungsmäßig gleich zu, jedenfalls auf Deutsch: Die Einwohner des neuguineischen Staates Papua-Neuginea werden offiziell Papua-Neuguineer und Papua-Neuguineerinnen genannt.

Auch wenn guineanisch nicht die „korrekte“ Form ist, klingt es eigentlich gar nicht so falsch. Zu vielen Ländernamen, die auf a enden, gehört nämlich ein Adjektiv auf anisch. Aber offensichtlich nicht zu allen. Um der Sache einmal etwas genauer nachzugehen, habe ich im „Länderverzeichnis für den amtlichen Gebrauch in der Bundesrepublik Deutschland“ nachgesehen. Dort habe ich u. a. die folgenden Angaben gefunden:

Viele Namen, die auf a enden, haben tatsächlich ein Adjektiv auf anisch:

Andorra, andorranisch, Andorraner/-in
Angola, angolanisch, Angolaner/-in
Antigua, antiguanisch, Antiguaner/-in
Costa Rica, costa-ricanisch, Costa Ricaner/-in o. Costa-Ricaner/-in
Jamaika, jamaikanisch, Jamaikaner/-in
Kambodscha, kambodschanisch, Kambodschaner/-in
Korea, koreanisch, Koreaner/-in
Kuba, kubanisch, Kubaner/-in
Liberia, liberianisch, Liberianer/-in
Nicaragua, nicaraguanisch, Nicaraguaner/-in
Nigeria, nigerianisch, Nigerianer/-in
Samoa, samoanisch, Samoaner/-in
Südafrika, südafrikanisch, Südafrikaner/-in

Bei den folgenden Namen ist es zweifelhaft, ob man beim Adjektiv von der Endung anisch oder isch sprechen muss:

Botsuana, botsuanisch, Botsuaner/-in
Guayana, guayanisch, Guayaner/-in
Guyana, guyanisch, Guyaner/-in
Tansania, tansanisch, Tansanier/-in

Nur die Endung isch haben die Adjektive der folgenden Ländernamen auf a:

Bermuda(s), bermudisch, Bermuder/-in
Burkina Faso, burkinisch, Burkiner/-in
Eritrea, eritreisch, Eritreer/-in
Gambia, gambisch, Gambier/-in
Guinea, guineisch, Guineer/-in
Kanada, kanadisch, Kanadier/-in
Malaysia, malaysisch, Malaysier/-in
Namibia, namibisch, Namibier/-in
Ruanda, ruandisch, Ruander/-in
Sambia, sambisch, Sambier/-in
Sri Lanka, sri-lankisch, Sri Lanker/-in o. Sri-Lanker/-in
Uganda, ugandisch, Ugander/-in

Wie man sieht, fällt das a am Ende des Namens vor isch in der Regel weg. Manchmal aber auch nicht:

Ghana, ghanaisch, Ghanaer/-in
Panama, panamaisch, Panamaer/-in
Tonga, tongaisch, Tongaer/-in

Noch komplizierter wird die ganze Angelegenheit durch Fälle wie diese:

Venezuela, venezolanisch, Venezolaner/-in
China, chinesisch, Chinese/Chinesin
Malta, maltesisch, Malteser/-in
Guatemala, guatemaltekisch, Guatemalteke/Guatemaltekin

Es gibt also keine feste Regel, wie zu geographischen Namen gehörende Adjektive und Einwohnerbezeichnungen gebildet werden müssen. Und dann reden wir hier nur von den auf a endenden Namen von Ländern! Das liegt daran, dass die deutschen Bezeichnungen sich teilweise, aber lange nicht immer und schon gar nicht konsequent nach den Bezeichnungen der am entsprechenden Ort (oder anderswo) gesprochenen Sprache richten. Dieses Durcheinander haben wir also den „Ausländern“ zu verdanken. Weit gefehlt! Die Bezeichnungen haben „wir“ selbst gewählt – und bei unserem eigenen Kontinent erlauben wir uns sogar einen ziemlich unsystematischen Umlaut: Europa, europäisch, Europäer/-in.

Es heißt also guineisch und nicht guineanisch, aber wirklich logisch ist das nicht.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare

Aßlar, Esslingen, Pressburg

Die Rechtschreibreform liegt einige Jährchen zurück und die Wogen haben sich zumindest in der öffentlichen Diskussion seit einiger Zeit wieder geglättet. Auch an dieser Stelle werden kaum mehr Fragen dazu gestellt. Hier folgt doch noch ein Thema, das vielleicht noch für diejenigen neu sein könnte, die nicht in oder neben einem Ort wohnen, der mit ß geschrieben wird:

Frage

Heute geht es mir um eine Diskussion darüber, wie die deutsche Version von Bratislava zu schreiben ist. Da es sich um einen historischen Namen handelt, meine ich, dass es Preßburg heißen muss, also die Regeln der Rechtschreibreform in diesem Spezialfall nicht greifen. Allerdings sieht das die Redaktion der zweibändigen Ausgabe von „WAHRIG Die deutsche Rechtschreibung“, 2007, anders. Auf Seite 1360 steht blau hervorgehoben „Pressburg“ [...].

Ein weiteres Argument für Preßburg: Auch die Schreibweise von Altjeßnitz, Aßlar, Aßling, an der Riß, Eßbach, Faßberg, Saßnitz und etlicher anderer Orte müssten – wenn Preßburg neuerdings Pressburg hieße, wohl geändert werden.

Antwort

Sehr geehrter Herr G.,

die aktuellen Ausgaben von Wahrig, Duden und Canoo.net geben die Schreibung Pressburg an. Wie kommen sie dazu? Die Schreibung von Eigennamen ist nur bedingt an die Rechtschreibregelung gebunden. Eine wichtige Rolle spielt dabei, ob es sich um einen offiziellen Ortsnamen in einem deutschsprachigen Gebiet handelt oder nicht.

Bei offiziellen Ortsnamen (Städte, Dörfer, Länder, Landkreise, Bezirke usw.) in Regionen mit Deutsch als Amtssprache ist die Schreibung juristisch festgelegt. Diese amtlich festgelegte Schreibung kann nur durch einen Rechtsakt geändert werden, wenn sie zum Beispiel der Reformschreibung angepasst werden soll. Deshalb gelten an vielen Orten noch die hergebrachten Schreibungen: Aßlar, Aßling, Haßloch, Meßkirch. Bei Esslingen am Neckar und Sassnitz wurde der offizielle Name übrigens schon vor der Reform geändert: Eßlingen wurde 1964 offiziell zu EsslingenSaßnitz 1993 zu Sassnitz. Diese beiden Namen werden also seit der Reform sozusagen wieder „richtig“ geschrieben.

Bei anderen geografischen Namen (Weiler, Höfe, Berghütten, Flurnamen usw.) wird die Schreibung durch die Eigentümer oder durch verantwortliche Institutionen bestimmt. Es wird empfohlen, die Namen der reformierten Schreibung anzupassen, es gibt aber keine Verpflichtung dazu, denn auch die amtliche Regelung lässt bei geografischen Bezeichnungen Schreibungen zu, die nicht mit den allgemeinen Rechtschreibregeln übereinstimmen (Amtl. Regelung, Laut-Buchstaben-Zuordnung, Vorbemerkungen, Absatz 3.2.).

Es bleiben noch die deutschen Namen für Orte in Regionen, die nicht Deutsch als Amtssprache haben. Es wird empfohlen und es ist auch üblich, hier die neue Schreibung zu verwenden. Beispiele sind Elsass, Russland, Parnass (Griechenland), Pressburg, Schässburg (Rumänien) statt wie vor der Reform Elsaß, Rußland, Parnaß, Preßburg, Schäßburg.

Dies erklärt die unterschiedliche Handhabung der ss/ß-Schreibung bei zum Beispiel Aßlar und Pressburg.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare

Die Genitivendung des modernen Mitteleuropa(s)

Frage

Ich kann mich nicht entscheiden, ob in folgendem Beispiel das Genitiv-s stehen muss oder nicht:

Bildband des kulturellen Mitteleuropa(s)

Was ist richtig? Vielleicht ist beides möglich? Im heutigen Sprachgebrauch ist ja zu beobachten, dass das Genitiv-s in vielen Fällen nicht mehr gesprochen oder geschrieben wird.

Antwort

Sehr geehrter Herr G.,

beides ist möglich:

Bildband des kulturellen Mitteleuropas
Bildband des kulturellen Mitteleuropa

Grundsätzlich haben geografische Namen, die ohne Artikel verwendet werden, im Genitiv die Endung s:

Mitteleuropas Kultur
Abu Dhabis Erdölreserven
Hausbootferien auf Mecklenburgs Seen
Canoo, Basels beste Firma

Das gilt auch dann, wenn der Name nachgestellt ist:

die Kultur Mitteleuropas
die Erdölreserven Abu Dhabis
Hausbootferien auf den Seen Mecklenburgs
Canoo, die beste Firma Basels

Geografische Namen dieser Art werden mit Artikel verwendet, wenn sie eine nähere Bestimmung haben. Im Genitiv fällt die Endung s dann häufig weg:

ein Bildband des modernen Europa o. des modernen Europas
die Wirtschaft des erdölreichen Abu Dhabi o. (selten) des erdölreichen Abu Dhabis
im Herzen des ländlichen Mecklenburg o. des ländlichen Mecklenburgs
eine Karte des mittelalterlichen Basel o. des mittelalterlichen Basels

Siehe auch hier.

Dann noch eine Nebenbemerkung: Wenn Sie einmal ganz, ganz sicher sein wollen, dass niemand, aber auch wirklich niemand Ihnen einen Fehler ankreidet, können Sie die Version mit s verwenden. Seit häufiger geklagt wird, dass der Genitiv bedroht sei, gibt es immer wieder Leute, die alle endungslosen Formen im Genitiv verurteilen, auch wenn diese wie hier wirklich nicht falsch sind. Und sonst nehmen Sie einfach die Form, die Ihnen am meisten zusagt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare

Ein wenig der Milch

Eine Frage, die schon vor einiger Zeit gestellt worden ist:

Frage

Ich denke über „mit ein wenig Milch“ nach. Warum wird „ein wenig“ nicht dekliniert? Und warum wird „Milch“ unverbunden angeschlossen und kein Genitiv- oder präpositionales Attribut (mit von) verwendet? Den gleichen Befund zeigen Wörter wie „viel“ oder „genug“.

Antwort

Sehr geehrter Herr O.,

es würde der Struktur des Deutschen nicht grundsätzlich widersprechen, wenn man statt ein wenig Milch auch ein wenig der Milch oder ein wenig von Milch sagen würde, doch man tut dies nicht. Warum genau sich eine Sprache für eine von mehreren Möglichkeiten entscheidet, ist oft schwierig oder unmöglich zu ergründen. Hier folgen zumindest ein paar Angaben dazu, wie man die im Deutschen übliche Ausdrucksweise analysieren kann:

  • Das unbestimmte Pronomen und Artikelwort ein wenig ist immer unveränderlich (siehe hier).
  • Die unbestimmten Zahlwörter viel und wenig bleiben im Singular vor einem Nomen meist ungebeugt (siehe hier).
  • Das Wort genug wird meist bei den Adverbien eingeteilt. In zum Beispiel genug Milch hat es aber wie viel und wenig die Funktion eines unbestimmten Zahlwortes. Auch als unbestimmtes Zahlwort ist es unveränderlich.

Es handelt sich hier also um unbestimmte Artikelwörter oder Zahlwörter, die vor dem Nomen stehen und in der Regel unveränderlich sind.

(Es ist übrigens nicht immer unmöglich, ein wenig der Milch zu sagen. Man hat dann schon von einer bestimmten Art oder Menge von Milch gesprochen und fährt dann zum Beispiel wie folgt weiter: „Gießen Sie ein wenig der Milch in eine Tasse und …“)

Nach dem Grund, warum viel und wenig im Singular meist ungebeugt bleiben, müsste ich raten. Die Wendung ein wenig hat im Laufe ihrer Entwicklung den substantivischen Charakter verloren und ist zum unveränderlichen Artikelwort resp. Pronomen „degradiert“ worden. Das spiegelt sich auch in der Rechtschreibung wieder: ein wenig wird kleingeschrieben. Eine ähnliche Entwicklung haben auch ein bisschen und ein paar durchlaufen.

Wie Sie sehen, ist es gut möglich, eine Entwicklung oder ein Phänomen zu beschreiben. Die Frage danach, warum eine Entwicklung so und nicht anders verlaufen ist und warum man etwas so und nicht anders sagt, kann aber sehr oft nicht beantwortet werden. Das ist ein bisschen frustierend, wenn man wie ich lieber schöne Erklärungen anbieten möchte, aber es muss auch einmal gesagt werden.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare

Carinthischer Sommer im Kärntner Sommer

Frage

Ich war 10 Tage in Kärnten und es hat mir gut gefallen. In Kärnten spricht man über den „Carintischen Sommer“. Ich verstehe das nicht. Der carinthische Sommer oder der kärntnerische Sommer??

Antwort

Sehr geehrter Herr K.,

wenn man ein Adjektiv zu Kärnten braucht, steht eine relativ große Auswahl zur Verfügung. Am häufigsten wird das unveränderliche, großgeschriebene Kärntner verwendet. Daneben gibt es kärntnerisch, insbesondere im Zusammenhang mit den in Kärnten gesprochenen Mundarten. Sonst gibt es keinen eindeutigen Anwendungsunterschied zwischen Kärntner und kärntnerisch (vgl. Schweizer vs schweizerisch). Weiter kommt offenbar seltener auch noch kärntisch vor.

Das Adjektiv carinthisch ist eine neuere Bildung, die von Carinthia, der neulateinischen Bezeichnung für Kärnten, abgeleitet ist. Sie kommt vor allem in gehobeneren und kulturellen Kontexten vor. Carinthischer Sommer ist dann auch der Name eines Musik- und Kulturfestivals. Wenn man vom Sommer in Kärnten spricht, heißt es in der Regel einfach Kärntner Sommer oder kärntnerischer Sommer.

Ob diese Angaben wirklich ganz genau dem Gebrauch dieser Adjektive in Kärnten entsprechen, wage ich nicht zu behaupten. Dafür kenne ich Kärnten bei Weitem nicht gut genug. Aus allgemeinsprachlicher Sicht sollten sie aber zutreffen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

NS: Gerne würde ich an Ort und Stelle der Frage nachgehen, ob die obenstehenden allgemeinen Angaben auch für Kärnten selbst gelten. Der Sommer ist zwar vorbei (zumindest der meteorologische), aber einer „Studienreise“ nach Kärnten wäre ich auch im Herbst keineswegs abgeneigt. Da dies leider heuer nicht möglich ist, bin ich für eventuelle Berichtigungen auf Kärntner Leserinnen und Leser (oder andere Kärntenkundige) angewiesen.

Kommentare (2)

Der ungebeugte Präsident

Frage

Mir ist aufgefallen, dass es bei „von“ scheinbar unerklärliche Ausnahmen gibt. Dabei geht es mir um folgenden Satz: „Ich halte nichts von Präsident XY.“ Das „von“ sollte doch eigentlich den Dativ fordern, tut es hier aber offensichtlich nicht, da es sonst „PräsidentEN“ heißen müsste. Bildet man den Satz mit einem bestimmten Artikel, so kann man auf einmal korrekt formulieren: „Ich halte nichts von dem Präsidenten XY.” Könnten Sie mich hier aufklären?

Antwort

Sehr geehrte Frau S.,

diese „Ausnahme“ kann man nicht nur bei von und nicht nur bei Präsident beobachten. Sie hat mit der Funktion zu tun, die Wörter wie Präsident (Titel, Berufsbezeichnungen, Verwandschaftsbezeichnungen u. Ä.) innerhalb einer Personenbezeichnung haben können.

Wenn Präsident ohne Artikel vor einem Namen steht, ist es eine Ergänzung (Apposition) zum Namen. Der Name ist der Kern der Wortgruppe und wird gebeugt. Der Titel bleibt ungebeugt:

Die Bundeskanzlerin empfängt Präsident Hollande.
Europa hat von Präsident Hollande nicht zu fürchten.
Präsident Hollandes Lebensgefährtin

Ebenso zum Beispiel:

der von Fürst Metternich geleitete Kongress
Krimiautor Mario Puzos berühmter Roman
Onkel Bernhards Fiat und Tante Lindas Volvo
Königin Elisabeths Thronjubiläum

Wenn man ein Wort wie Präsident mit einem Artikelwort verwendet, werden die Rollen umgedreht. Der Titel ist der Kern der Wortgruppe und der Name eine Ergänzung (Apposition). Dann wird der Titel gebeugt und der Name bleibt unverändert:

Die Bundeskanzlerin empfängt den Präsidenten Hollande.
Europa hat vom Präsidenten Hollande nicht zu fürchten.
die Lebensgefährtin des Präsidenten Hollande

Ebenso zum Beispiel:

der vom Fürsten Metternich geleitete Kongress
der berühmte Roman des Krimiautors Mario Puzo
der Fiat meines Onkels Bernhard und der Volvo deiner Tante Linda
das Thronjubiläum der Königin Elisabeth

Mehr zu diesem Thema finden Sie, wenn Sie möchten, in der Canoonet-Grammatik hier und hier.

Es ist also nicht nur bei Präsidenten so, dass ohne Artikel der Name und mit Artikel der Titel gebeugt wird. Das Deutsche behandelt ganz demokratisch auch Königinnen, Krimiautoren und normalsterbliche Onkel und Tanten in dieser Weise.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

PS: Natürlich gibt es auch hier wieder Ausnahmen: Die Anrede Herr wird immer gebeugt, also auch dann, wenn kein Artikel verwendet wird:

Frau Merkel empfängt Herrn Hollande.
Europa hat von Herrn Hollande nichts zu befürchten.
Herrn Hollandes Lebensgefährtin.

Umgekehrt bleibt der Titel Doktor auch mit Artikel ungebeugt:

Doktor Bopps Blog
der Blog des Doktor Bopp

Kommentare

Angela Merkel mit und ohne Kommas

Frage

Ich hatte noch gelernt, dass bei Funktionsbezeichnungen wie: „Die Bundeskanzlerin, Angela Merkel, sagte …“ die Apposition mit Kommata abgetrennt wird, weil es nur eine amtierende Bundeskanzlerin gibt. Wenn man die Bezeichnung wie einen Titel gebraucht, steht kein Komma: „Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte …“

Dann hatte ich noch gelernt, dass wenn z. B. ein Amt von mehreren Personen ausgeübt wird, kein Komma steht: „Der stellvertretenden Landesvorsitzende der GdP-Saarland Ralf Porzel sagte …“

Ich bin durch die ganzen Rechtschreibreformen verunsichert und wollte deshalb wissen, ob das immer noch so ist?

Antwort

Sehr geehrter Herr S.,

durch die Rechtschreibreform hat sich in diesem Bereich der Kommasetzung nichts geändert. Die Regel, die Sie hantieren, führt meist zu einem korrekten Resultat, sie ist aber viel zu strikt. Es gibt oft mehr als eine Möglichkeit.

Die Kommasetzung hängt hier nämlich nicht davon ab, ob es einen oder mehrere Vertreter einer bestimmten Funktion gibt, sondern davon, ob man die Nennung des Namens als Hauptsache oder als nachgestellte Apposition (nähere Bestimmung) versteht. Im Prinzip ist es ganz einfach: Wenn man in der gesprochenen Sprache vor und nach dem Namen eine Pause macht, ist er eine Apposition, das heißt eine nähere Bestimmung, wer genau mit der genannten Funktion gemeint ist. Man setzt Kommas. Wenn man beim Sprechen keine Pausen macht, ist der Name der Kern der Wortgruppe, dem ein Titel oder eine Funktionsbezeichnung vorausgeht. Man schreibt keine Kommas. In vielen Fällen ist beides möglich, unabhängig davon, ob es mehrere Vertreter oder Vertreterinnen der genannten Funktion gibt oder nicht. Ein paar Beispiele:

Mit oder ohne Pause → mit oder ohne Komma:

Es spricht die Bundeskanzlerin Angela Merkel.
Es spricht die Bundeskanzlerin, Angela Merkel.

Der Vorsitzende Hans Christoph Brummer begrüßte die Anwesenden.
Der Vorsitzende, Hans Christoph Brummer, begrüßte die Anwesenden.

Der Angeklagte sagte, dass er nicht mit seiner Verteidigerin Dr. Thekla Araneus einverstanden sei.
Der Angeklagte sagte, dass er nicht mit seiner Verteidigerin, Dr. Thekla Araneus, einverstanden sei.

Ich reiste mit meinem Nachbarn Alois Siebenpunkt nach Prag.
Ich reiste mit meinem Nachbarn, Alois Siebenpunkt, nach Prag.

Ohne Pause → ohne Komma:

Nach der Aussage der Landtagsabgeordneten Maja Apis verliefen die Unterhandlungen gut.

Mit Pause → mit Komma:

Nach der Aussage einer Landtagsabgeordneten, Maja Apis, verliefen die Unterhandlungen gut.

Mir persönlich helfen die Pausen in der gesprochenen Sprache gut bei der Entscheidung, ob ich in solchen Fällen ein Komma setzen will oder nicht.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare (3)

Die Inselfrage – und England

Eine berühmte Frage ist die „Inselfrage“, wie Frau D. sie so schön nennt. Ich habe mir vorgenommen, diese Frage im Folgenden ein für alle Mal zu beantworten. Ich befürchte allerdings, dass es mir nicht gelingen wird …

Frage

Mein Zweifel betrifft die „Inselfrage“. Man sagt „Ich wohne auf Sardinien“ aber „Ich wohne in England“. Heißt es je nach Inselgröße auf oder in oder woran liegt das?

Antwort

Sehr geehrte Frau D.,

bei den Inselnamen ist die Wahl der Präposition tatsächlich nicht so einfach. Die Größe der Insel spielt dabei aber keine Rolle. In der Standardsprache gelten die folgenden „Regeln“:

Bei Inselnamen, die ohne Artikel stehen, verwendet man bei einer Zielangabe (Frage wohin?) die Präposition nach:

Ich fahre nach Sylt.
Wir fliegen nach Kreta.
die Fähre nach Sizilien

Bei Inselnamen, die mit Artikel stehen, verwendet man bei einer Zielangabe (Frage wohin?) die Präposition auf:

Ich fahre auf die Mainau.
Wir fliegen auf die Isla Margarita.
Sie wanderte auf die Kanarischen Inseln aus.

Bei einer Ortsangabe (wo?) steht bei Inselnamen allgemein die Präposition auf:

Sie wohnt auf Sylt.
Heraklion liegt auf Kreta.
Ich habe ihn auf Sizilien getroffen.

Wir gingen auf der Mainau spazieren.
Urlaub auf der Isla Margerita
Sie wohnt schon seit Jahren auf den Kanaren.

Damit es nicht zu einfach bleibt, folgt noch eine kleine Ergänzung: Bei Inselnamen, die auch Ländernamen sind, kann neben dem zur Insel gehörenden auf auch das zum Land gehörende in stehen:

auf Jamaika / in Jamaika
auf Madagaskar / in Madagaskar

Noch etwas komplizierter wird es im Fall von England. (Wie könnte es auch anders sein bei einer Nation, die die Punktezählung beim Tennis erfunden hat und erst gerade dabei ist, sich an das metrische System zu gewöhnen!) Man sagt nie auf England, weil England keine Insel ist. Es liegt zusammen mit Wales und Schottland auf der Insel Großbritannien. Doch auch Großbritannien wird nur selten mit auf verwendet. Im deutschen Sprachraum meint man üblicherweise nicht die Insel, sondern den Staat, d. h. das Vereinigte Königreich von Großbritannien und Nordirland, wenn man Großbritannien sagt. Es heißt deshalb fast immer in Großbritannien. Auch wenn man eher umgangssprachlich England für den Staat verwendet, ist nicht die Insel, sondern das Land gemeint. Man antwortet deshalb auf die Frage wo? immer mit in England.

Und wenn Sie mich nun fragen, warum bei Ortsangaben eigentlich immer in Irland und nicht auf Irland gesagt wird (auch wenn die ganze Insel und nicht „nur“ die Republik Irland gemeint ist), muss ich Ihnen die Antwort schuldig bleiben … Die Inseln machen es einem wirklich nicht einfach!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare (6)

Athen und Basel im Genitiv

Frage

Ist es richtig, dass man zum Beispiel „die Territorialverteidigung des hellenistischen Athen“ und nicht „die Territorialverteidigung des hellenistischen Athens” schreibt? In der Literatur finde ich beides.

Antwort

Sehr geehrter Herr O.,

in der Literatur finden Sie beides, weil Athen – wie viele andere Dörfer, Städte, Regionen und Länder – hier mit und ohne Genitiv-s stehen kann. Wenn sonst ohne Artikel stehende geographische Namen mit Artikel verwendet werden, wird die Genitivendung oft weggelassen:

Bremen
der Baumeister Bremens
der Baumeister des neuen Bremens oder
der Baumeister des neuen Bremen

Deutschland
die Hauptstadt Deutschlands
die Hauptstadt des vereinigten Deutschlands oder
die Hauptstadt des vereinigten Deutschland

Ebenso:

Athen
die Territorialverteidigung Athens
die Territorialverteidigung des hellenistischen Athens oder
die Territorialverteidigung des hellenistischen Athen

All diese Formulierungen gelten als korrekt. Sehen Sie hierzu auch die folgenden Angaben in der Canoonet-Grammatik (ganz unten auf der Seite).

Wenn ich die Schönheit Basels anpreise, muss ich also ein Genitiv-s verwenden. Fakultativ ist dieses s aber dann, wenn ich von der Schönheit des frühlingshaften Basels oder eben des frühlingshaften Basel schwärme. Heute möchte ich ergänzend sagen: Hauptsache, die Sonne scheint!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare

Nicht nur für Murgtäler und Friedrichstalerinnen

Frage

Ich komme aus einem Ort im Murgtal  im Schwarzwald und es ist üblich wenn man zu mir (zu uns) sagt: „Du bist ein (Ihr seid) Murgtäler.“ Jetzt wohne ich in Friedrichstal bei Karlsruhe. Viele bestehen hier darauf als Friedrichstaler und nicht als Friedrichstäler angesprochen zu werden. Was ist grammatikalisch korrekt?

Antwort

Guten Tag Herr oder Frau M.,

bei Einwohnernamen sollte man vor allem auf die Einwohner und Einwohnerinnen hören. Rein grammatikalisch sind nämlich beide Formen richtig. Wenn man geographische Adjektive und Einwohnernamen mit -er bildet, kann das Grundwort umgelautet werden. Es muss aber nicht umgelautet werden. Zum Beispiel:

Rom – Römer
Elsass – Elsässer
Schwarzwald – Schwarzwälder
Mühlhausen – Mühlhäuser (Thüringen)

Bonn – Bonner
Stuttgart – Stuttgarter
Greifswald – Greifswalder
Mühlhausen – Mühlhaus[en]er (Elsass)

Korrekt sind also theoretisch sowohl:

Murgtäler
Friedrichstäler

als auch:

Murgtaler
Friedrichstaler

Entscheidend ist aber, was am Ort oder in der Region üblich ist:

Murgtäler
Friedrichstaler

Sie sind also ein Murgtäler oder eine Murgtälerin und wohnen nun zwischen den Friedrichstalern und Friedrichstalerinnen. Bei Ortsnamen auf -tal kommt die Form ohne Umlaut übrigens häufiger vor (z.B. Wuppertaler, Emmentaler, Zillertaler). Das heißt aber nicht, dass Murgtäler in irgendeiner Weise falsch oder weniger gut wäre. Es ist die Form, die im Murgtal verwendet wird, und somit ist es die richtige Form.

Das gilt ganz allgemein. Auch wenn fast alle Orte mit einem Namen auf –stadt Einwohner auf –städter haben (Darmstädter, Ingolstädter, Eisenstädter) nennen sich die Einwohner und Einwohnerinnen von Schifferstadt ganz richtig und ganz zu Recht Schifferstadter und Schifferstadterinnen. Auch wenn gemäß den Wörterbüchern das Adjektiv und der Einwohnername zu Basel auch Baseler lauten soll und es in verschiedenen deutschen Städten tatsächlich eine Baseler Straße gibt, käme es in Basel (und dem Rest der deutschsprachigen Schweiz) kaum jemandem in den Sinn, von der Baseler Firma Canoo zu reden. Es heißt hier immer nur: die Basler Firma Canoo.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare