Die Einwohner von Itzehoe und der Hafen von Laboe

Heute einmal etwas aus dem Norden:

Frage

Nach § 19 der neuen deutschen Rechtschreibregeln wird ein e weggelassen, wenn auf -ee oder -ie die Endungen/Suffixe -e, -en, -er, -es, -ell folgen (Feen, Mondseer usw.). Wie verhält es sich aber beim e auf Vokal in -oe im Ortsnamen Itzehoe? Schreibt man Itzehoer oder Itzehoeer? Und wie soll der o-Umlaut im Ortsnamen Laboe behandelt werden, wenn -er angehängt wird: Laboer oder Laboeer?

Antwort

Sehr geehrter Herr V.,

die Einwohner von Itzehoe schreibt man offiziell Itzehoer und die der Hafen von Laboe erscheint im Allgemeinen als der Laboer Hafen im Schriftbild. In beiden Fällen fällt ein e weg. Weshalb?

Die Rechtschreibregel, die Sie zitieren, hat eigentlich nichts mit dem „Fall Itzehoe“ zu tun. Das Schluss-e in Knie und in See gibt an, dass das i resp. das e lang gesprochen wird. Nach diesem langen i resp. e kann die Endung auch ausgesprochen werden: [knie–en], [see–en]. Es gibt also ein e, dass Länge anzeigt, und ein unbetontes e der Endung. Man kann deshalb argumentieren, dass sie beide geschrieben werden müssen: knieen, Ideeen. Die von Ihnen genannte Rechtschreibregel bestimmt aber, dass hier in der Schrift ein e wegfallen muss. Man schreibt deshalb immer knien, Ideen.

Bei Itzehoe + er hingegen fallen das auslautende e des Namens und das unbetonte e der Endung schon in der Aussprache immer zusammen: [i–tse–ho–er]. Deshalb fällt auch in der Schrift ein e weg, genau gleich wie dies z.B. auch bei Rose–Rosen, Bombe–Bomber und Halle–Haller geschieht: Itzehoer.

Etwas anders liegt der Fall bei Laboe (ausgesprochen wie Labö) und seinen Einwohnern. Hier kann man sagen, dass das Schluss-e im Namen zur Angabe der Aussprache ö dient und dann ein e der Endung folgt: Laboe–er. Aber die Einwohner von Laboe schreiben in der Regel trotzdem nur ein e: Laboer.  Bei Eigennamen und deren Ableitungen ist dies das wichtigste Argument, denn wenn die Menschen ihre Namen in einer bestimmten Weise schreiben, sollte man das akzeptieren. Man wendet in Laboe also sozusagen die für -ie und -ee geltende Regel auch auf den Namen der Ortschaft an.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Der Apostroph in Beck’s

Frage

Könnten Sie mir bitte sagen ob der Apostroph in „Becks“ (das Bier) richtig verwendet ist?

Antwort

Sehr geehrter Herr H.,

nach der alten Rechtschreibung war Becks mit Apostroph als Genitivform im Prinzip falsch. ABER: Die Rechtschreibregeln galten und gelten nicht für Eigennamen. Es steht einem im Prinzip also frei, wie man seine Firma oder sein Produkt nennen und schreiben will. Becks ist in diesem Sinne kein „gewöhnliches“ Wort, sondern ein Produktname. Dass die Firma sich für eine Schreibung mit Apostroph entschied, könnte damit zu tun haben, dass die Bremer Brauerei ursprünglich (fast) nur für den Export produzierte und auch heute noch ein großer Teil der Produktion in die nicht deutschsprachige Welt geht. Die Firma kennt übrigens die richtige Schreibung, wie dieses Zitat aus ihrer Webseite zur Geschichte der Brauerei zeigt:

Seit einer Umstrukturierung im Jahre 1875 unter dem Namen „Beck & Co“ firmierend, blieb die Brauerei auch nach dem Tode Heinrich Becks (1881) und Lüder Rutenbergs (1890) auf Erfolgskurs.

Nach der neuen Rechtschreibung darf der Apostroph vor der Genitivendung s bei Eigennamen zur Verdeutlichung verwendet werden. Gedacht ist dies vor allem zur Vermeidung von Verwechslungen der folgenden Art:

Andreas – Andreas
Carlos – Carlos

Sehen Sie hierzu diese Regel oder ganz amtlich § 57 E. Somit entspricht der Produktname Becks (halbwegs) der neuen Rechtschreibung.

Auch heute gilt, dass Eigennamen, Firmennamen, Namen von Produkten u. Ä. von den Rechtschreibregeln ausgenommen sind. Selbst wenn es diese neue Ausnahmeregel nicht gäbe, könnte man also einer international operierenden Brauerei nicht verbieten, den Namen ihrer Produkte nach ihrem eigenen Gutdünken zu schreiben. Die Bremer Bierbrauer sind auch nicht die einzigen „Rechtschreibpiraten“. Auch mehr oder weniger häufig vorkommende Schreibungen wie DIE ZEIT statt Die Zeit, ver.di statt Verdi und Meissner Porzellan statt Meißner Porzellan, sind (z.T. geschützte) Namen, die nicht den amtlichen Rechtschreibregeln entsprechen.

Ich hoffe, dass mir die Liebhaber und Produzenten anderer Biermarken diesen Beitrag verzeihen mögen. Es geht nur um die Schreibung, nicht um den Geschmack! Den zu beurteilen überlasse ich anderen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Die Niederlande und die Mehrzahl

Frage

Ich schreibe gerade eine Seminararbeit über das Steuerrecht der Niederlande. Hierzu meine Frage: Warum heißt es Die Niederlande liegen in Westeuropa und nicht Die Niederlande liegt in Westeuropa? Warum verwende ich den Plural? Die Niederlande sind kein föderalistischer Staat. Es kann also nicht daran liegen, dass die Niederlande in mehreren Teilstaaten unterteilt sind (oder ist?).

Antwort

Sehr geehrter Herr M.,

die Niederlande sind heute tatsächlich kein föderalistischer Staat, aber sie sind aus einem Verbund verschiedener Länder (alter Plural: Lande) entstanden und hießen früher auch einmal Republik der Sieben Vereinigten Niederlande. (Mehr Geschichtliches dazu finden Sie unter anderem in Wikipedia, und zwar hier und hier.) Aus diesem Grund ist Niederlande im Deutschen ein Ländername, der wie Vereinigte Staaten im Plural verwendet wird:

Die Niederlande gehören zu den am dichtesten besiedelten Ländern der Welt.
Wir fahren in die schönen Niederlande.
Viele Blumen werden aus den Niederlanden importiert.
politische Bedenken seitens der Niederlande

Und nicht nur im Deutschen:

les Pay-Bas (Französisch, Plural)
los Países Bajos (Spanisch, Plural)
i Paesi Bassi (Italienisch, Plural)
The Netherlands (Englisch, Singular oder Plural)

Aber ausgerechnet im Niederländischen wird dieses Land mit dem in der Einzahl verwendeten Namen Nederland bezeichnet. Hochoffiziell heißt der Staat aber Koninkrijk der Nederlanden (wörtliche Übersetzung: Königreich der Niederlande). Man kennt also auch dort eine Pluralform für das Land.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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China, Peking und Beijing

Pünktlich zur Eröffnung der Olympischen Spielen 2008 ein paar kleine sprachliche Hintergrundinformationen: Woher kommt der Name China und was hat es mit Peking und Beijing auf sich?

Wieso heißt China eigentlich China? Die Chinesen selber nennen ihr Land Zhōngguó (auf Deutsch: Reich der Mitte). Von diesem Namen aus kommt man auch mit noch so viel Zungenfertigkeit – oder Mangel an Zungenfertigkeit – nicht auf China, ganz gleich ob man das Ch am am Anfang als ich-Laut oder als k ausspricht.

Der in den westlichen Sprachen übliche Name China geht auf nur einen Teil des heutigen Chinas zurück: Qin (ausgesprochen ungefähr tschin). Dieser Staat im Nordosten Chinas umfasste “nur” etwa einen Viertel der heutigen Staatsfläche. Seine Geschichte ist eng mit derjenigen der Qin-Dynastie (221-206 v.Chr.) verknüpft. Sie wurde von einem gewissen Yíng Zhèng gegründet, der sich – dies sei nur nebenbei erwähnt – ganz unbescheiden Qin Shihuangdi nannte, was so viel wie erster erhabener Gottkaiser von Qin bedeutet. Der Name des Landes Qin gelangte im Laufe der Geschichte über Südostasien zu den europäischen Seefahrern, die ihn in die westliche Welt zurücknahmen.

Nun zur Hauptstadt: Je mehr die Olympischen Spiele 2008 in Blickfeld rücken, desto mehr erhält der Name Peking Konkurrenz von der Bezeichnung Beijing. Der chinesische Name Beijing bedeutet Nördliche Hauptstadt (bei = Norden, jing = Hauptstadt). Aber wenn die Chinesen Beijing sagen, wieso sagen wir dann Peking?

Der Name soll auf französische Missionare zurückgehen, die ihn im 17. Jahrhundert nach Europa gebracht haben sollen. Vielleicht waren es ja auch nicht französische Jesuiten, aber auf jeden Fall gelangte der Name zu uns, bevor ein bestimmter chinesischer Lautwandel stattfand. Während der Qing-Dynastie (1644-1911) veränderte die Aussprache des k vor einem i in etwas Ähnliches wie ein dsch (geschrieben j). Dehalb heißt die Stadt im modernen Chinesisch Beijing.

Der im Deutschen nach wie vor üblichere Name ist Peking. So steht er zum Beispiel auch im Länderverzeichnis für den amtlichen Gebrauch in der Bundesrepublik Deutschland. Ob das wohl nach den Spielen immer noch so sein wird?

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Die Berge des Himalaja(s): der Genitiv geographischer Namen

Frage

Setzt man das Genitiv-s bei festen Ortsbezeichnungen ein oder nicht?
die Berge des Himalaja oder die Berge des Himalajas?

Antwort

Sehr geehrte Frau S.,

ob man beim Genitiv von geographischen Namen ein s verwendet oder nicht, hängt davon ab, ob sie mit oder ohne Artikel verwendet werden und — wenn sie mit Artikel stehen — welches Geschlecht Sie haben.

Bei geographischen Namen ohne Artikel ist es einfach: Sie werden im Genitiv eigentlich immer mit s verwendet. Zum Beispiel:

Münchens U-Bahn
Salzburgs Bürgermeister
Zürichs Altstadt
der beliebtester Showmaster Deutschlands

Ausnahme: Bei geographischen Namen die auf s, x oder z enden, verwendet man im Prinzip einen Apostroph anstelle des s, aber üblicherweise wird anders formuliert:

Paris Metro
üblicher: die Metro von Paris oder die Pariser Metro

Weibliche geographische Namen mit Artikel haben im Genitiv keine Endung:

die Berge der Schweiz
die Mündung der Donau

Männliche und sächliche geographische Namen mit Artikel bilden den Genitiv normalerweise mit s und/oder es:

die Mündung des Rheins oder des Rheines
die Besteigung des Matterhorns oder des Matterhornes
am Fuße des Brenners
inmitten des Harzes

Viele, vor allem (aber nicht nur) fremde Namen haben daneben auch eine endungslose Variante:

die Quelle des Nils oder des Nil
an den Ufern des Inns oder des Inn
die Geschichte des Balkans oder des Balkan
die Hauptstadt des Irans oder des Iran
und
die Berge des Himalajas oder die Berge des Himalaja

Wenn Sie unsicher sind, welche Variante(n) Sie verwenden können, schauen Sie am besten in einem Wörterbuch nach. Sonst könnte als grobe Faustregel gelten:

Genitiv von geographischen Namen:

  • ohne Artikel: mit s (Ausnahmen: Paris’/von Paris, Florenz’/von Florenz)
  • mit Artikel, weiblich: endungslos
  • mit Artikel, männlich oder sächlich: mit s
    (zum Teil auch mit -es und sehr oft auch endungslos üblich, aber s ist fast immer richtig; Ausnahmen: des Harzes, des Brennerpasses)

Das klingt jetzt alles recht kompliziert. Zu kompliziert eigentlich, denn in den meisten Fällen sagt Ihnen Ihr Sprachgefühl, ob eine Form richtig ist. Man wird oft erst dann unsicher, wenn man anfängt darüber nachzudenken.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Dem Ralf seine Eltern

Frage

Es gab Diskussionen zu folgendem Satz: Das sind dem Ralf seine Eltern. Mein Opa sagte, dieser Satz sei falsch. Richtig müsse es heißen: Das sind Ralfs Eltern. Ist denn der erste Satz so falsch?

Antwort

Sehr geehrter Herr H.,

wenn es um das Hoch- oder Standarddeutsche geht, hat Ihr Opa recht. Man sagt und schreibt:

Das sind Ralfs Eltern.
Das ist Tante Annas Auto.

Formulierungen wie die folgenden gelten im Standarddeutschen als nicht korrekt:

Das sind dem Ralf seine Eltern.
Das ist der Tante Anna ihr Auto

Diese Wendungen gelten als umgangssprachlich oder mundartlich. Woher stammen sie? In vielen Dialekten, vor allem im südlichen deutschen Sprachraum, gibt es (fast) keinen Genitiv. Standardsprachliche Formulierungen wie Ralfs Eltern sind dort also gar nicht möglich, denn Ralfs ist ja eine Genitivform. Besitzverhältnisse im weiteren Sinne werden deshalb mit von+Dativ oder eben dem … sein … bzw. der … ihr … ausgedrückt. Hinzu kommt, dass ebenfalls vor allem in den Dialekten des südlichen deutschen Sprachraums Personennamen in der Regel nur mit Artikel verwendet werden:

der Ralf
die Tante Anna
usw.

Das Fehlen des Genitivs und die Verwendung des Artikels bei Eigennamen führen zu Formulierungen wie dem Ralf seine Eltern. In den jeweiligen Dialekten und Varianten der Umgangssprache sind solche Formulierungen deshalb grammatisch richtig. Sätze mit dem Genitiv wie Wessen Auto ist das? - Das ist Tante Annas Auto (statt Wem sein Auto ist das? - Das ist der Tante Anna ihr Auto) sind dort falsch oder führen zumindest zu hochgezogenen Augenbrauen im Sinne von Was ist denn mit dem/der los? Wenn Sie zum Beispiel bayrisch, schwäbisch oder schweizerdeutsch reden, ist somit gegen dem Ralf seine Eltern gar nichts einzuwenden. Ganz im Gegenteil! Wenn Sie aber danach auf Hochdeutsch umschalten, gilt wie gesagt nur Ralfs Eltern als korrekt.

Sehen Sie hierzu auch diese Grammatikseite.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Oranje, Oranien und Orange

Die folgende Tatsache ist in letzter Zeit wohl nicht nur den Einwohnern von Bern und Basel und nicht nur Fußballfans aufgefallen: Wenn die niederländische Nationalmannschaft spielt, erkennt man die entsprechenden Fans schnell und eindeutig an der Farbe Orange. Auch die Fußballelf tritt am liebsten von Shirt bis Socke in Orange gekleidet an. Bei der Farbe Blau muss man genauer hinschauen, ob es les bleus“ aus Frankreich oder gli azzurri“ aus Italien sind. Bei roten Trikots ist die Auswahl ganz besonders groß: Österreicher, Polen, Portugiesen, Schweizer, Spanier, Tschechen, Türken und vielleicht auch noch andere spielen, wenn es geht, in Rot. Bei orangefarbenen T-Shirts hingegen gibt es wie bei Wohnwagen mit gelben Nummernschildern nicht den geringsten Zweifel: Das sind Holländer.

Wieso orange? Das liegt am niederländischen Königshaus, dem Haus von Oranien-Nassau (nld. Oranje-Nassau). Der erste Teil, Oranien, bezieht sich auf die französische Stadt Orange und das erklärt die Vorliebe der Niederländer für die Farbe Orange (nld. oranje), wenn es um Königin und Vaterland geht.

Wie das geschichtlich genau zu erklären ist, passt nicht hierher. Schon eher die Frage, was die Farbe Orange mit der Stadt Orange zu tun hat. Die Antwort lautet: erstaunlich wenig. Der Name der Frucht Orange, von der die Farbbezeichnung stammt, kam unter Anlehnung an das frühere niederländische oranjeappel aus dem Französischen. Wie so oft, wenn es um Exotischeres geht, stammt der Name aus dem Arabischen: narang (dies wiederum aus dem Persischen). Das n fiel irgendwann einmal weg und für das o am Wortanfang gibt es verschiedene Erklärungen. Es soll von or (frz. für Gold) oder eben vom Namen der Stadt Orange beeinflusst sein. Die Stadt habe früher etwas mit dem Orangenhandel zu tun gehabt. Die Bezeichnung Apfelsine verdanken wir übrigens direkt den Niederländern: Dort hieß die Frucht früher appelsina, Apfel aus China, und sie wird auch heute noch nicht etwas oranje, sondern sinaasappel oder appelsien genannt.

Und wenn Sie wissen möchten, wann man Farbbezeichnungen klein- und wann großschreibt, hier eine kleine Liste:

das Trikot ist orange
die orange Farbe
die Farbe Orange
in Orange gekleidet

Dies und auch noch eine kurze Bemerkung dazu, ob man ein orange Trikot oder ein oranges Trikot sagt oder sagen sollte, finden Sie auf dieser Seite.

Selbst ein eingefleischter Fußballmuffel wie ich kann sich also nicht ganz dem EM-Rummel entziehen. Andere eingefleischte Fußballmuffel mögen mir diesen Moment der Schwäche verzeihen. Ganz so fußballlastig ist dieser Beitrag ja nun auch wieder nicht.

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Wörth, Werth, Werd und Werder

Ein Kommentar mit nettem Gruß vom Wörther See hat mich an eine andere Frage erinnert:

Frage

Wovon ist eigentlich der Begriff Wörth abgeleitet? Oder was ist mit diesem Begriff eigentlich ursprünglich gemeint?

Ich habe heute im Buch „Istein und der Isteiner Klotz III“ diesen Begriff Wörth als Namensteil früherer Inseln im Alt-Rhein/Bereich Istein entdeckt. Hierzu vermute ich eine Parallele bei Nürtingen. In diesem Fall gibt es die Bezeichnung Stadion Wörth. Dieses Gelände liegt am Zusammenfluss von Neckar und Aich und könnte früher durchaus (auch) eine Insel gewesen sein.

Antwort

Sehr geehrter Herr S.,

Sie vermuten richtig. Der Ortsname Wörth geht auf mittelhochdeutsch wert und althochdeutsch warid, werid zurück. Es bedeutete Insel, oder genauer gesagt gegen Wasser geschütztes o. schützendes Land. Im neueren Deutschen gibt es noch die auf das gleich Wort zurückgehende Nebenform Werder mit der Bedeutung Flussinsel, Niederung zwischen Flüssen und Seen. Sehen Sie hierzu den entsprechenden Eintrag „Werder“ im Deutschen Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm.

Ortschaften mit dem Namen Wörth liegen dann auch am Wasser. So gibt es zum Beispiel ein Wörth an der Donau, an der Isar, an der Lafnitz, am Main, an der Sauer, an der Sempt und auch am Rein. Inseln mit dem Namen Wörth gibt es unter anderem in der Donau, im Schliersee, im Staffelsee und im Wörthsee. Und auch der Wörther See (oder Wörthersee) in Kärnten verdankt seinen Namen den in ihm liegenden Inseln.

Eine Variante zu Wörth ist Werth. Diesen Ortsnamen gibt es unter anderem im Münsterland, an der Ruhr, in Stolberg, in Wuppertal und als Teilname in zum Beispiel Niederwerth (Rheininsel), Beeckerwerth und Werthacker in Duisburg, Kaiserswerth in Düsseldorf, Oberwerth in Koblenz, Rolandswerth und Nonnenwerth in Remagen.

Mit d statt th findet man zum Beispiel das Obere und das Untere Werd in Wien, die Insel Werd im Bodensee und die Werdinsel in Zürich, die also genau genommen Inselinsel heißt.

Und dann gibt es, wie bereits erwähnt, auch noch die Variante Werder:

Damerower Werder, Halbinsel im Kölpinsee
Großer Werder, Halbinsel östlich von Zingst in Vorpommern
Kleine Werder, Inselgruppe östlich von Zingst in Vorpommern
Großer Werder im Liepnitzsee in Brandenburg
Elbinsel Großer Werder in Magdeburg.
Stadtwerder in Bremen

Es gibt noch viele Ortschaften, Stadtteile, Inseln, Halbinseln usw. die den Namen Wörth, Werth, Werd oder Werder tragen. Ich kann sie hier nicht alle nennen und hoffe dann auch, dass niemand beleidigt ist, weil sein oder ihr Name hier nicht erwähnt wird.

Auf den zuletzt genannten Namen, Stadtwerder, geht übrigens den Name des Sportvereins Werder Bremen zurück. Nun wissen wir also, was der Fußballclub aus Bremen mit der Werdinsel in Zürich und dem Wörther See in Kärnten gemeinsam hat.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Aristoteles und der Apostroph: Eigennamen im Genitiv

Frage

Für die nützliche Information auf Ihrer Webseite möchte ich mich bedanken. Allerdings hätte ich eine Frage bzgl. des Genitivs. Sie führen zwei Möglichkeiten an:

die Regeln des Aristoteles
Aristoteles’ Regeln

Wie aber steht es nun mit dem nachgestellten Genitiv ohne Artikel, so wie in das Zimmer Karins? Darf man die Regeln Aristoteles’ schreiben oder ist es die Regeln Aristoteles – ohne Apostroph?

Antwort

Sehr geehrter Herr R.,

die folgenden Wortstellungen sind im Standarddeutschen möglich:

a) Karins Zimmer
b) das Zimmer Karins
c) das Zimmer der Karin

Wenn ein Name auf s, x oder z endet, steht anstelle des Genitiv-s ein Apostroph:

a) Aristoteles’ Regeln

Nachgestellt ohne Artikel muss ebenfalls ein Apostroph stehen, weil auch hier ein s wegfällt:

b) die Regeln Aristoteles’

Diese Form wird aber nicht verwendet, da sie wegen des Wegfallens des Genitv-s ziemlich undeutlich sein könnte. Diese Undeutlichkeit ist der Grund dafür, dass gerade bei diesen Namen im Genitiv der Artikel häufiger verwendet wird als bei anderen Namen:

c) die Regeln des Aristoteles

Mehr Informationen zum Apostroph bei Eigennamen – zum Beispiel ob nun Carlos Pizzapardies oder Carlo’s Pizzaparadies oder gar beides richtig geschrieben ist – finden Sie hier. Auf keinen Fall den amtlichen Rechtschreibregeln entspricht:

Carlo’s Pizza Paradies

Das hat aber nichts mit dem Apostroph und noch weniger mit Aristoteles zu tun und gehört deshalb nicht hierher.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Die Callas und die Huber: der Artikel bei Eigennamen

Frage

Warum heißt es: „Der Ball rollt zu Jakob“? Kann man nicht auch sagen: „Der Ball rollt zum Jakob“?

Antwort

Sehr geehrter Herr H.,

im Standarddeutschen werden Vornamen ohne Artikel verwendet. Deshalb sagt man zu Jakob und nicht zum Jakob (= zu dem Jakob). Andere standarddeutsche Sätze sind:

Das hat Susanne gesagt
Hast du Jakob gesehen?
Ich habe die Geschichte Jakob und Susanne erzählt.

Es ist allerdings so, dass vor allem im südlichen deutschen Sprachraum in der Umgangssprache Vornamen häufig mit dem Artikel verwendet werden. Zum Beispiel:

Das hat die Susanne gesagt.
Hast du den Jakob gesehen?
Ich habe die Geschichte dem Jakob und der Susanne erzählt.

Diese Formen gelten aber wie gesagt als umgangssprachlich.

Der Artikel wird aber auch in der Standardsprache manchmal bei Namen verwendet. Das geschieht vor allem bei Familiennamen von Frauen, denen man so den Status einer Diva zuspricht:

Mit dem „Blauen Engel“ gelang der Dietrich der internationale Durchbruch.
Die Callas brillierte unter anderem in Verdis „Traviata“ und Bellinis „Norma“.
Doch einen Oscar bekam die Lollobrigida im Gegensatz zur „Busenfeindin“ Sophia Loren nie.

Bei weniger bekannten Frauen und Männern hat die Verwendung des Artikels beim Familiennamen interessanterweise den gegenteiligen Effekt. Der Artikel gilt hier wieder als umgangssprachlich und er zeugt oft von einer - gelinde gesagt – nicht allzu ehrfurchtsvollen Haltung gegenüber der Person, über die man spricht:

Hast du gehört, was die Huber gemacht haben soll!?
Das ist wohl wieder so ein Hirngespinst vom Schröder.

So kann also die gleiche sprachliche Strategie, nämlich die Verwendung des bestimmten Artikels vor einem Familiennamen, ganz unterschiedliche Bedeutungen haben, je nachdem ob man von Stars oder Nachbarn spricht.

Mehr zum Thema Artikel bei Eigennamen finden Sie hier.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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