Die Van-Gogh-Ausstellung, die iPod-Touch-Applikation, der Big-Brother-Fan und der Bindestrich.

Frage

Bei uns in der Redaktion ist gerade Streit ausgebrochen in Bezug auf die Bindestrich-Regel bei Eigennamen. Es gibt zum Beispiel eine Veranstaltung namens Intel Friday Night Games. Schreibt man nun Intel Friday Night Games-Teilnehmer oder Intel-Friday-Night-Games-Teilnehmer?

Antwort

Sehr geehrter Herr S.,

nach den amtlichen Regeln müssen Sie zwischen allen Teilen der Zusammensetzung Bindestriche verwenden:

der Intel-Friday-Night-Games-Teilnehmer

Wenn eine Zusammensetzung eine mehrteilige Wortgruppe enthält, werden alle Teile der Zusammensetzung mit Bindestrichen verbunden. Das gilt auch dann, wenn der erste Teil ein mehrteiliger Eigenname ist. Weitere Beispiele:

die Van-Gogh-Ausstellung
die Vincent-van-Gogh-Ausstellung
der Tour-de-France-Gewinner
die Rio-de-la-Plata-Mündung
das Einstürzende-Neubauten-Album
eine iPod-Touch-Applikation
Windows-7-Benutzer
Big-Brother-Fans und Gute-Zeiten-schlechte-Zeiten-Zuschauer

Sehen Sie hierzu auch diese Regel und diese Regel.

Wenn Ihnen all diese Bindestriche in Intel-Friday-Night-Games-Teilnehmer nicht gefallen, gibt es noch eine andere Formulierung, die stilistisch sogar ein bisschen besser und auch etwas leserfreundlicher ist:

Teilnehmer an den Intel Friday Night Games

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Oper, Toast und Eponyme

Soeben bin ich zufällig über diese Information gestolpert: Heute ist der 79. Todestag der australischen Opernsängerin Helen Porter Mitchell (19. Mai 1861 – 23. Februar 1931). Unter dem Namen Nelly Melba sang die international gefeierte Sopranistin u. a. Verdi, Rossini, Donizetti, Puccini und Wagner in Häusern wie der Mailänder Scala, der New Yorker Metropolitan Opera und dem Londoner Royal Opera House.

Es geht mir hier aber nicht um die Sangeskünste dieser Primadonna, sondern ums Essen. Wie es sich für eine Diva gehört, wohnte Frau Melba in London im Savoy Hotel, wo der französische Meisterkoch Georges Auguste Escoffier das Zepter über die Küche schwang. Hier soll nun der Meisterkoch für die Primadonna ein Dessert (Nachtisch klingt hier eindeutig zu gewöhnlich) kreiert haben, das er nach ihr benannte: Pfirsich mit Vanilleeis und Himbeermark, bekannt unter dem Namen Pêche Melba oder Pfirsich Melba. Einige Jahre später soll die Sängerin während eines Aufenthalts in London auf Diät gegangen sein, dies im Zusammenhang mit einer Erkrankung und nicht etwa wegen des Kalorienreichtums des Desserts. Für diese Krankendiät schuf Escoffier einen trockenen, sehr dünnen Toast, der wahrscheinlich auf Veranlassung des ebenfalls sehr berühmten Hotelbesitzers César Ritz den Namen Toast Melba erhielt.

Neben dem Melba-Toast und dem Pfirsich Melba gibt es noch die Bezeichnung Melba-Sauce für die Himbeersauce und die Farbbezeichnung Melba für einen bestimmten Pfirsichton. All diese Wörter sind Beispiele für Bezeichnungen, die auf einen Personennamen zurückgehen. Solche Wörter nennt man Eponyme. Andere Beispiele sind Achillesferse, Béchamelsauce, Brailleschrift, Casanova, Chauvinismus, Diesel, Geigerzähler, Kalaschnikow, pasteurisieren, Saxophon, Zeppelin. Hiermit ist mir der Dreh von der Opernsängerin über das Essen zur Sprachwissenschaft gelungen!

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Wie man Herrscher beugt: Kaiser Karl im Genitiv

Wie ich schon des Öfteren erwähnt habe, kommen Fragen manchmal wie in Wellen. Diese und letzte Woche war die Beugung von Herrschernamen an der Reihe. Warum das wohl so ist? Mit der Regierungsbildung in Deutschland kann es nicht so viel zu tun haben, denn von Angela der Ersten habe ich noch nie gehört und zu Guido dem Ersten wird es wohl nur schon wegen der Größe seiner Partei nicht kommen (auch wenn ihm das vielleicht gar nicht so missfallen würde). Doch ich schweife wieder einmal ab.

Frage

Wir würden uns gerne Gewissheit darüber verschaffen, ob man korrekterweise die Kaiserpfalz Karls des Großen oder die Kaiserpfalz Karl des Großen schreibt.

Antwort

Sehr geehrter Herr S.,

bei Herrschernamen werden sowohl der Name selbst als auch der Zusatz gebeugt. Wenn Karl der Große das Thema ist, redet man über Karl den Großen. Man beschäftigt sich also mit Karl dem Großen. Im Genitiv sagt und schreibt man:

die Kaiserpfalz Karls des Großen

Das gilt auch für Frauen: Wenn Katharina die Große das Thema ist, redet man über Katharina die Große. Man beschäftigt sich also mit Katharina der Großen. Und im Genitiv:

die Herrschaft Katharinas der Großen

Sehen Sie hierzu diese Angaben in der CanooNet-Grammatik.

Etwas komplizierter wird es, wenn man vor dem Namen den Titel nennt. Der Titel bleibt ungebeugt, wenn er ohne Artikel steht:

die Pfalz Kaiser Karls (des Großen)
die Herrschaft Kaiserin Katharinas (der Großen)
die Truppen Herzog Wilhelms (des Eroberers)

Wenn der Titel mit Artikel steht, übernimmt er die Herrschaft in der Wortgruppe und wird deshalb gebeugt. Dafür tritt der Eigenname zurück und verliert die Endung:

die Pfalz des Kaisers Karl (des Großen)
die Herrschaft der Kaiserin Katharina (der Großen)
die Truppen des Herzogs Wilhelm (des Eroberers)

Das bisher Gesagte gilt auch dann, wenn man Herrscher sozusagen durchnummeriert:

die Herrschaft Karls des Fünften
die Truppen Herzog Wilhelms des Zweiten
das Reich der Kaiserin Katharina der Ersten

Zu guter Letzt noch ein Hinweis zur Schreibweise: Wenn man die Namen „nummerierter“ Herrscher mit römischen Ziffern abkürzt, fällt der Artikel vor der Ordnungszahl weg (nur in der Schrift; bei lautem Lesen muss er gesprochen werden). Hinter der Ziffer schreibt man einen Punkt:

die Herrschaft Karls V.
die Truppen Herzog Wilhelms II.
das Reich der Kaiserin Katharina I.

Das klingt alles recht kompliziert – und das ist es auch. Wir sind diese Namen eben nicht mehr so gewohnt, weil es außer im Vaduz Hans-Adams II. von und zu Liechtenstein in den deutschsprachigen Gefilden keine „richtigen“ Herrscher mehr gibt. Das stimmt allerdings nicht ganz, denn auch unter den Untertanen Alberts des Zweiten von Belgien und den Landsleuten Großfürst Henris von Luxemburg gibt es Deutschsprachige.

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Im Iran oder in Iran? Ländernamen und der Artikel

Frage

Heißt es in Iran oder im Iran?

Antwort

Guten Tag K.,

die Ländernamen Iran und Irak werden im Deutschen sowohl mit als auch ohne Artikel verwendet:

der Iran oder Iran
im Iran oder in Iran
in den Iran oder nach Iran
aus dem Iran oder aus Iran
die Hauptstadt des Iran[s] oder die Hauptstadt Irans

Beide Varianten sind im Standarddeutschen richtig. Nach dem Länderverzeichnis des Auswärtigen Amtes für den amtlichen Gebrauch in der Bundesrepublik Deutschland  wird in amtlichen Schriftstücken die Variante ohne Artikel verwendet. Außerhalb von amtlichen Schriftstücken ist aber, wie gesagt, auch die Variante mit Artikel richtig und gebräuchlich.

Ähnliches gilt für die folgenden Staatennamen:

der Jemen oder Jemen
der Kongo oder Kongo
der Kosovo oder Kosovo
der Libanon oder Libanon
der Niger oder Niger
der Senegal oder Senegal
der Tschad oder Tschad

Weibliche Ländernamen stehen immer mit dem Artikel:

die Elfenbeinküste
die Mongolei
die Schweiz
die Slowakei
die Türkei
die Dominikanische Republik

Auch Staatenbezeichnungen, die in der Mehrzahl stehen, werden immer vom bestimmten Artikel begleitet. Zum Beispiel:

die Malediven
die Niederlande
die Philippinen
die Seychellen
die Vereinigten Arabischen Emirate
die Vereinigten Staaten von Amerika

Das Nette oder, wenn man es nicht mehr weiß, das Ärgerliche an der Sache ist, dass fast nicht vorherzusagen ist, welche Ländernamen mit dem Artikel stehen. Man muss diese Ausnahmen einfach lernen oder nachschlagen. Nur bei den in der Mehrzahl stehenden Ländernamen ist es etwas einfacher: Sie enthalten entweder ein Wort im Plural (Staaten, Emirate) oder es ist eine Inselgruppe und der Name endet auf -en. Aber auch hier gibt es natürlich Ausnahmen, denn wer weiß zum Beispiel schon auf Anhieb, dass Lande in die Niederlande ein alter Plural von Land ist?

Fortgeschrittene könne sich an die Namen von Regionen und Landstrichen wagen. Dort gibt es nämlich auch noch Namen, die mit dem Artikel das stehen. Zum Beispiel das Burgund, das Elsass, das Saarland (vgl. hierzu Griechenland …) usw.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Fussball Club statt Fußballclub?

Frage

Ich habe eine Frage zum Wort Fußball . Die deutsche Rechtschreibung für das Wort Fußball ist eindeutig. Doch wenn das Wort Fußball für die Bezeichnung eines Fußballvereines verwendet wird, darf man dann das Wort sozusagen als Eigenname mit ss schreiben? Im konkreten Fall geht es um den Fußballverein Berliner Fussball Club Dynamo, die offizielle Abkürzung lautet BFC Dynamo.

Antwort

Sehr geehrter Herr Z.,

schreiben dürfen Sie im Prinzip so, wie Sie wollen, außer an der Schule und bei staatlichen Stellen. Die Rechtschreibung ist nämlich, grob gesagt, nur in diesen beiden Bereichen verbindlich. Wenn man sich aber – wie auch ich es empfehle – an die Rechtschreibregeln hält, schreibt man Fußball, nicht Fussball.

Beim BFC Dynamo spielt, wie Sie richtig vermuten, etwas anderes eine Rolle. Die Schreibung Berliner Fussball Club Dynamo kommt im Logo des Clubs vor. Es ist sogar eine Schutzmarke (oder soll es werden). In diesem Bereich, dem Bereich der Eigennamen, gelten die Rechtschreibregeln nur bedingt: Man kann seinen Club, seine Firma usw. so nennen und schreiben, wie man will. Insofern „darf“ also dieser Berliner Fußballclub in seinem Clublogo die Schreibung Fussball verwenden. Das Logo enthält übrigens noch einen zweiten „Fehler“: Fußballclub schreibt man zusammen.

Ein anderes Beispiel (über das sich, so weit ich weiß, kaum jemand aufregt) für eine von der amtlichen Regelung abweichende Schreibung dieser Art ist die geschützte Handelsmarke Meissener Porzellan der Meißener Firma Staatlichen Porzellan-Manufaktur Meissen GmbH.

Es könnte sein, dass mehr oder weniger international orientierte Institutionen lieber ein Logo mit ss als eines mit dem außerhalb des deutschen Sprachraums nicht ganz so bekannten ß verwenden.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Ein norwegischer Sänger in der russischen Hauptstadt

Wie es sich für einen seriösen Sprachwissenschaftler nicht gehört, habe ich auch dieses Jahr wieder mit viel Vergnügen, einem Gläschen Wein und etwas zum Knabbern den Liederwettbewerb der Eurovision am Fernsehen verfolgt. Die deutschsprachigen Länder waren dabei ziemlich untervertreten, da gar kein österreichisches Lied angemeldet worden war, es noch nie einen liechtensteinischen Beitrag gegeben hat und die schweizerischen musikalischen Abgesandten im Halbfinale völlig zu Unrecht nicht genügend Stimmen für die Teilnahme am Finale für sich gewinnen konnten. Für die anderen Länder, in denen Deutsch eine Amtssprache ist, gilt, dass die letzten italienischen und luxemburgischen Teilnahmen schon Jahre zurückliegen und der belgische Elvis-Imitator es etwas weniger unerwartet als der Schweizer Beitrag nicht ins Finale geschafft hatte.

Als großer Geldgeber der Eurovision konnte nur Deutschland, ohne eine Vorrunde durchstehen zu müssen, direkt am Finale in der russischen Hauptstadt teilnehmen. Es gab dann also doch einen Beitrag aus deutschsprachigen Landen. Allerdings stand (oder besser: wand sich) dort ein amerikanischer Sänger mit einem englisch gesungenen Lied, aber im Rahmen des europäischen Gedankens und der gesamteuropäischen Unterhaltung sei dies zugestanden. Den Erfolg des deutschen Beitrags kann man, gelinde gesagt, mit mäßig umschreiben, was – nichts für ungut – die Qualität des Songs recht gut widerspiegelt.

Überwältigend gewonnen hat dann in der osteuropäischen Metropole ein junger norwegischer Sänger mit weißrussischen Wurzeln und einem so entwaffnenden Lächeln, dass es ihm europaweit gelingen würde, selbst die strengsten und misstrauischsten zukünftigen Schwiegervater- und Schwiegermutterherzen im Nu zu erobern.

Fans und Verächter des Eurovision Song Contests ebenso wie die große Gruppe derer, denen diese Veranstaltung und der Zirkus darum herum ziemlich gleichgültig sind, fragen sich vielleicht, was dies alles in einem Sprachblog zu suchen hat. Die Antwort lautet: im Prinzip gar nichts. Ich wollte nur wieder einmal darauf hinweisen, dass von geographischen (und anderen) Namen abgeleitete Adjektive im Deutschen anders als zum Beispiel im Englischen kleingeschrieben werden:

ein österreichisches Lied, ein liechtensteinischer Beitrag, die schweizerischen Abgesandten, die luxemburgische Teilnahme, ein belgischer Elvis-Imitator, die russische Hauptstadt, die osteuropäische Metropole, der norwegische Sänger usw.

Was eignet sich besser als ein internationales Ereignis wie dieses, um das mit vielen Beispielen zu illustrieren.

Ausnahmen sind die unveränderlichen Adjektive auf -er wie Schweizer in Schweizer Beitrag und Moskauer in das Moskauer Stadtzentrum. Auch die Adjektive, die Teil eines Eigennamens sind, schreibt man groß: die Deutsche Bahn, der Österreichische Rundfunk (ORF), die Schweizerische Eidgenossenschaft, die Europäische Union.

Wer mich besser kennt, wird nun vermuten, dass ich nicht das Festival dazu verwende, um etwas über die Rechtschreibung zu schreiben, sondern umgekehrt die Rechtschreibung als Ausrede missbrauche, um auch einmal etwas über das Eurovisionsfestival schreiben zu können. Wer mir solches unterstellt, hat nicht ganz unrecht.

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Straßennamen

Frage

Wann schreibe ich –str. zusammen, und wann – Str. getrennt? Und wann kommt ein Bindestrich dazu und wann nicht? Gelten diese Regeln dann auch für Alleen, Wege und Chausseen?

Antwort

Sehr geehrter Herr S.,

nach den amtlichen Rechtschreibregeln schreibt man Straßennamen grundsätzlich gleich wie „gewöhnliche“ Zusammensetzungen:

Im Prinzip zusammen:

Bahnhofstraße
Goethestraße
Fleischergasse
Langgasse
Eichenweg
Donauallee    

Ist der erste Teil ein gebeugtes Adjektiv, schreibt man den Namen getrennt und das Adjektiv groß:

Breite Straße
Lange Gasse
Neue Gasse

Man schreibt ebenfalls getrennt, wenn der erste Teil ein mit -er von einem geographischen Namen abgeleitetes unveränderliches Adjektiv ist:

Bielefelder Straße
Innsbrucker Straße
Königsberger Allee
Berliner Chaussee
(aber: Hannoverstraße)

Bindestriche werden dann verwendet, wenn der erste Teil aus einer Wortgruppe wie zum Beispiel einem mehrteiligen Eigennamen besteht:

Heinrich-Heine-Straße
Van-Gogh-Straße
Heinrich-von-Kleist-Weg
General-Guisan-Quai

ABER: Dies sind die allgemeinen Regeln. Im konkreten Fall weichen Ortschaften und Städte von diesen Regeln ab. So schreibt man in der Schweiz Genferstrasse und Baslerstrasse statt Genfer Straße und Baseler Straße, und auch in Österreich findet man des Öfteren die Schreibung Innsbruckerstraße statt der amtlich empfohlenen Schreibung Innsbrucker Straße. Diese lokal festgelegten Schreibweisen gehen den amtlichen Rechtschreibregeln vor!

Abgekürzt wird genau gleich. Also zum Beispiel:

Bahnhofstr.
Breite Str.
Bielefelder Str.
Heinrich-Heine-Str.

Noch viel mehr Informationen zur Schreibung von Eigennamen finden sie auf dieser Seite.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare (3)

Hat der bayerische Ministerpräsident ein großes B?

Frage

Es geht um die Großschreibung von Adjektiven bei Eigennamen und Titeln, z.B. der Heilige Vater. Wie schreibt man nun der bayerische Ministerpräsident richtig? Bayerische groß oder klein? Ich habe bisher verschiedene Schreibweisen gesehen.

Antwort

Sehr geehrte Frau H.,

nach den amtlichen Rechtschreibregeln richtig ist:

der bayerische Ministerpräsident

Im Gegensatz zu Heilig in der Heilige Vater gehört bayerisch nicht zum Titel oder zur Amtsbezeichnung des Ministerpräsidenten. Es ist ein ganz „normales“ Adjektiv, das angibt, dass es sich um den Ministerpräsidenten Bayerns und nicht etwa um seinen baden-württembergischen oder thüringischen Amtskollegen handelt. (Amtskolleginnen hat er ja zurzeit wieder einmal keine, aber das ist eine ganz andere Frage.)

Man schreibt bayerisch dann groß, wenn es Bestandteil eines Eigennamens ist. Zum Beispiel: der Bayerische Rundfunk (BR), der Bayerische Wald (Gebirgszug in Ostbayern).

Oft wird bayerisch auch deshalb großgeschrieben (vielleicht in Anlehnung an das Englische), weil es ein geographisches Adjektiv ist. Von Eigennamen abgeleitete Adjektive werden im Deutschen aber im Prinzip kleingeschrieben: wienerisch, mecklenburgisch, schweizerisch, europäisch, ägyptisch, amerikanisch usw. Weitere Informationen und die unvermeidlichen Ausnahmen finden Sie auf den folgenden Rechtschreibseiten:

Dr. Bopp

Kommentare

Fugen-s und Bindestrich im österreichischen Bahnverkehr

Frage

Was ist richtig:

….. ICE, die durch die ÖBB Personenverkehrs AG angemietet wurden oder
….. ICE, die durch die ÖBB Personenverkehr AG angemietet wurden

Hier kann oder muss man doch auch bei Personenverkehrs AG ein -s anfügen oder?

Antwort

Sehr geehrte Frau H.,

im Prinzip müsste man tatsächlich ÖBB-Personenverkehrs-AG oder ÖBB-Personenverkehrs-Aktiengesellschaft schreiben. In zusammengesetzten Wörtern steht nach Verkehr in der Regel ein Fugen-s: Verkehrsstau, Fremdenverkehrsamt, Luftverkehrsleiter usw. Man würde also auch Personenverkehrs-Aktiengesellschaft erwarten. Wenn aber Institutionen, Firmen usw. bei der Wahl ihres Namens von den allgemeinen Regeln abweichen wollen, dürfen sie das. Ein Blick ins Internet zeigt, dass die Firma sich selbst ÖBB-Personenverkehr AG nennt. Wenn man also über diesen Betrieb schreibt, sollte man dessen eigene Namenswahl respektieren.

Darüber hinaus kann man sagen, dass die Firma mit dem Weglassen eines Bindestrichs zwischen Personenverkehr und AG angibt, dass  AG nicht Teil des eigentlichen Namens ist. Damit meine ich etwas gar spitzfindig, dass die Firma ÖBB-Personenverkehr heißt und eine AG ist und nicht etwa den Namen ÖBB-Personenverkehr-AG trägt. Dann ist natürlich so ein Fugen-s nach Personenverkehr fehl am Platz, denn es handelt sich nicht um eine Zusammensetzung mit AG. Dass dann aber im Text auf der Webseite der Firma die ÖBB-Personenverkehr AG und nicht der ÖBB-Personenverkehr steht, spricht eigentlich wieder eher für eine Zusammensetzung mit einem Fugen-s.

Doch man darf, wie bereits gesagt, bei Eigennamen von den Regeln abweichen, ohne dass einem das gleich als Fehler angerechnet werden sollte. Bei Firmennamen mit AG und GmbH ist ohnehin nicht ganz klar, was die Grammatik und die Rechtschreibregeln nun genau vorschreiben. In diesem Fall ist es viel wichtiger, dass die Züge einigermaßen pünktlich fahren, ganz gleich ob der Betrieb nun ein Fugen-s hat oder nicht.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Des Kanton Zürichs, des Bezirk Rostocks, des Land Kärntens: immer dieser Genitiv!

Frage

Was ist richtig: des Kantons Zürich oder des Kanton Zürichs? Im Internet finde ich beide Schreibweisen – oft sogar im gleichen Dokument.

Antwort

Sehr geehrter Herr G.,

richtig ist des Kantons Zürich. Der sogenannte Kern der Wortgruppe ist hier Kanton. Zürich ist eine genauere Bestimmung (hier: Apposition), die hinter diesem Kern steht. Bei dieser Art geographischer Bezeichnungen wird nur der Kern der Wortgruppe gebeugt:

der Kanton Zürich – des Kantons Zürich

Andere Beispiele:

der Stadtteil St. Pauli  –  des Stadtteils St. Pauli (nicht: des Stadtteil St. Paulis)
der Weiler Heuberg  –  des Weilers Heuberg (nicht: des Weiler Heubergs)
der Bezirk Rostock  –  des Bezirks Rostock (nicht: des Bezirk Rostocks)
das Land Kärnten  –  des Landes Kärnten (nicht: des Land Kärntens)
die Stadt New York  – der Stadt New York (nicht: der Stadt New Yorks)

Sehen Sie hierzu auch diese Grammatikangaben.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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