Fränkische Bratwürste und die Groß- und Kleinschreibung

Frage

Ich habe eine Frage zur Groß-/Kleinschreibung von Eigennamen: „Fränkische Bratwurst“ wird als Eigenname großgeschrieben. Wie aber verhält es sich in der Mehrzahl mit „Fränkische/fränkische Bratwürste“?

Antwort

Guten Tag Herr H.,

es handelt sich bei dieser Verbindung nicht um einen Eigennamen. Es gibt keine individuelle Wurst, die Fränkische Bratwurst heißt wie der Hund meiner Schwester Theo, die Zeichentrickbiene Maja oder Pippi Langstrumpfs Pferd Kleiner Onkel. Es ist eine Bezeichnung für alle Würste dieser Art. Als solches ist es eine feste Verbindung zwischen einem Adjektiv und einem Substantiv. Im Prinzip wird das Adjektiv in Verbindungen dieser Art kleingeschrieben, auch dann, wenn es von einem geografischen Namen abgeleitet ist:

die fränkische Bratwurst, eine fränkische Bratwurst, die fränkischen Bratwürste

Ebenso zum Beispiel:

der italienische Salat, die italienischen Salate
die französische Salatsauce, die französischen Salatsaucen
ein ungarisches Gulasch
die schwäbischen Spätzle

Es ist aber nach der neuesten Version der amtlichen Rechtschreibregelung stärker als früher möglich, das Adjektiv großzuschreiben, wenn man betonen möchte, dass es sich um eine spezielle feste Verbindung handelt (siehe § 63 2.2). Hier könnte man sagen, dass ein Fachbegriff aus dem Wurstbereich gemeint ist:

die Fränkische Bratwurst, eine Fränkische Bratwurst, die Fränkischen Bratwürste

Ich würde die Kleinschreibung des Adjektivs empfehlen (die fränkische Bratwurst), aber die Großschreibung (die Fränkische Bratwurst) kommt häufig vor und ist ebenfalls vertretbar.

Einfacher ist es übrigens bei den geografischen Bezeichnungen, die auf er enden. Sie werden immer großgeschrieben, ganz gleich ob eine „normale“ Bezeichnung oder ein Fachbegriff gemeint ist (siehe hier):

der Berliner Pfannkuchen
die Schwarzwälder Kirschtorte
zwei Wiener Würstchen
das Zürcher Geschnetzelte

Nicht so sehr das Thema Groß- und Kleinschreibung als vielmehr die Art der Beispiele bringt mich dazu, kurz in die Küche zu schleichen, um etwas Leckeres zu suchen …

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Von Linguist Bopp oder vom Linguisten Bopp

Frage

Laut grünem Duden ist es erlaubt, ein Substantiv im Dativ ohne Flexionsendung zu schreiben, wenn kein Artikel vor einem Titel oder einer Berufsbezeichnung steht […]:

(Es wurde) die Einschaltung von Bundestagspräsident Gerstenmaier gefordert

Was aber, wenn Herr Gerstenmaier ein Soziologe ist und man sich auch nicht mit dem Genitiv behelfen kann?

Das Buch wird von Soziologe Peter Gerstenmaier präsentiert

klingt nach meinem Sprachgefühl falsch. Noch falscher wäre es zum Beispiel bei einem Wirtschaftsweisen:

Das Buch wird von Wirtschaftsweise Wilhelm Muster präsentiert

Aber warum? Wo ist der entscheidende Unterschied zum Satz:

Das Buch wird von Bild-Chefredakteur Julian Reichelt präsentiert

der sich in Ordnung anhört?

Antwort

Guten Tag Herr H.,

lassen Sie mich zuerst einmal etwas ausholen: Wenn Titel, Berufsbezeichnungen, Verwandtschaftsbezeichnungen u. Ä. ohne Artikel vor einem Namen stehen, sind sie vorangestellte Appositionen (nähere Bestimmungen) zum Namen, vor dem sie stehen. In solchen Fällen wird der Name und nicht die Apposition gebeugt. Am besten sieht man das im Genitiv (kursiv der gebeugte Teil der Personenbezeichnung):

König Arthurs Tafelrunde
Malermeisterin Eva Hubers Geschäft
Bundestagspräsident Gerstenmaiers Büro
Bild-Chefredakteur Julian Reichelts Präsentation des Buches
Soziologe Peter Gerstenmaiers Präsentation des Buches
Pädagoge Dr. Rob Kindles neue Theorie

Das gilt auch im Dativ. Auch dort bleiben Titel u. Ä. als Apposition ungebeugt und wird der Name in den Dativ gesetzt (was man allerdings nicht sieht, weil Eigennamen im Dativ endungslos sind):

von König Arthur
mit Malermeisterin Eva Huber
mit Bild-Chefredakteur Julian Reichelt

Auch ein schwach gebeugter Titel u. Ä.  bleibt im Dativ ungebeugt, weil nicht er, sondern der Eigenname im Dativ steht:

die Einschaltung von Bundestagspräsident Gerstenmaier
die Präsentation von Soziologe Peter Gerstenmaiers
bei Pädagoge Dr. Rob Kindle

Sie sagen, dass die Formulierungen mit Soziologe ungewöhnlich klingt und die Formulierung mit Wirtschaftsweise sogar falsch. Sie haben damit insofern recht, als diese Wörter in der Regel nicht als artikellose Titel verwendet werden bzw. verwendet werden können. Man verwendet sie normalerweise nur mit Artikel. Dann sind sie keine Appositionen mehr, sondern Wortgruppenkerne, die gebeugt werden (und der Name bleibt ungebeugt):

die Tafelrunde des Königs Arthur
das Geschäft der Malermeisterin Eva Huber
die Präsentation des Bild-Chefredakteurs Julian Reichert

die Präsentation des Soziologen Peter Gerstenmeier
die Präsentation des Wirtschaftsweisen Wilhelm Muster

Ebenso im Dativ

Das Buch wird vom Soziologen Peter Gerstenmeier präsentiert
Das Buch wird vom Wirtschaftsweisen Wilhelm Muster präsentiert

So viel von Linguist Dr. Bopp oder vom Linguisten Dr. Bopp zu diesem Thema. Siehe auch hier und hier für die Beugung solcher Wortgruppen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Nahe von London, nahe Londons oder nahe London?

Frage

Die Grammatik sagt: „nahe“ mit Dativ

Doppelzimmer in ruhiger Lage nahe dem Zentrum
Das Ferienhaus liegt nahe dem Waldrand

Aber wie ist das mit einem Substantiv ohne Artikel, wie etwa „Wien“ oder „London“? Muss dann „von“ eingefügt werden? „Nahe Londons“ klingt für mich nicht übel, „nahe von London“ etwas behäbig. Der Satz lautet: „Windsor liegt nahe von London / nahe Londons.“

Antwort

Guten Tag Frau R.,

die Präposition „nahe“ verlangt tatsächlich den Dativ:

Wir wohnen nahe dem Bahnhof
Der Zoo liegt nahe der Innenstadt / dem Zentrum

Wenn Sie nahe mit einem artikellosen Ortsnamen verwenden wollen, steht er auch im Dativ. Das ist allerdings an der Form nicht zu sehen, denn der Dativ ist bei solchen Namen endungslos:

beliebte Ausflugsziele nahe Wien
die Gemeinde Moritzburg nahe Dresden

Entsprechend lautet Ihr Beispielsatz:

Windsor liegt nahe London

Bei nahe geht es also nicht anders zu und her als bei anderen Präpositionen, die den Dativ verlangen:

beliebte Ausflugsziele bei Wien
die Reise nach Klagenfurt
Abflug ab London

Es ist übrigens nicht allzu erstaunlich, dass Sie auf eine Formulierung mit von oder dem Genitiv gekommen sind. Das kann einerseits mit der Nähe von nahe zu in der Nähe zu tun haben (vgl. in der Nähe von London, in der Nähe Londons), andererseits kann auch die Tendenz eine Rolle spielen, gehobenere Präpositionen „vorsichtshalber“ mit dem Genitiv zu verbinden, obwohl Sie standardsprachlich korrekt mit dem Dativ stehen sollten (zum Beispiel unrichtig: *laut eines Polizeisprechers, *gemäß dieses Urteils, *gegenüber des Restaurants, *nahe des Zentrums statt korrekt laut einem Polizeisprecher, gemäß diesem Urteil, gegenüber dem Restaurant, nahe dem Zentrum; vgl. hier).

Die Präposition nahe gehört eher dem gehobeneren Sprachgebrauch an. Wenn Ihnen nahe London etwas zu gesucht vorkommt oder seltsam in den Ohren klingt, können Sie auch auf das üblichere in der Nähe von London oder in der Umgebung von London ausweichen. Und wenn es kurz sein soll, geht auch bei London. Das ist nicht weiter entfernt von Buckingham Palace, Harrods und Big Ben als nahe London.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Nordkorea und Nord-Mazedonien?

Zwei aktuelle Ereignisse, die auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun haben, sind das nordkoreanisch-amerikanische Trump-Kim-Spitzentreffen in Singapur und der neue Name der ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedonien. Auch auf den zweiten und dritten Blick ist kaum ein Zusammenhang erkennbar – dafür braucht es schon einen Blog über Grammatik und Rechtschreibung des Deutschen. In diesem Fall geht es um die Rechtschreibung: Nordkorea und Nord-Mazedonien?

Namen von Ländern, Regionen usw. die mit einer Himmelsrichtung beginnen, werden im Deutschen in der Regel zusammengeschrieben:

Nordkorea, Nordirland, Nordbayern
Südkorea, Südafrika, Südtirol
Ostasien, Ostösterreich, Ostfriesland
Westeuropa, Westdeutschland, die Westschweiz
Südostasien, Südwestafrika, Nordwestmecklenburg
Ostwestfalen

Dabei macht es nichts aus, ob ein Staat oder eine Region gemeint ist, ob es sich um einen offiziellen oder einen inoffiziellen Namen handelt oder ob es den entsprechenden Namen mit der gegenüberliedgenden Himmelsrichtung ebenfalls gibt. Deshalb war ich etwas erstaunt, dass in fast allen Pressemitteilungen der neue Name des Republik im Herzen Südosteuropas mit einem Bindestrich geschrieben wird:

Republik Nord-Mazedonien

Ich hätte nämlich erwartet, dass man hier – wie sonst auch – ohne Bindestrich auskommen würde:

Republik Nordmazedonien

Was bei Nordkorea, Südkorea, Südafrika und noch nicht so lange auch Südsudan möglich ist bzw. früher bei Nord- und Südvietnam oder Ost- und Westdeutschland möglich war, sollte doch auch bei Nordmazedonien zu keinen größeren Leseschwierigkeiten führen.

Das waren natürlich erst die ersten Presseberichte, wer weiß, wie sich die Schreibung des Namens einbürgern wird. Und um auf einer richtig schön nörglerischen Note zu enden: immer noch besser Nord-Mazedonien mit einem (meiner Meinung nach überflüssigen) Bindestrich als das ebenfalls in einigen Meldungen stehende (eindeutig falsch geschriebene) *Nord Mazedonien!

PS: Bei der automatischen Rechtschreibprüfung ist mir aufgefallen, worauf die Schreibung mit Bindestrich (oder gar die Getrenntschreibung) u. a. zurückzuführen sein könnte: Das Prüfprogramm lässt nur Nord-Mazedonien und Nord Mazedonien durch, Nordmazedonien hingegen wird als Fehler angemerkt …

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The Evanses’ house auf Deutsch

Frage

Eine englische Familie Evans hat ein Haus. Auf Englisch schreibt man:

the Evanses’ house

Wie lautet die deutsche Entsprechung?

das Haus von den Evans / der Evans
das Haus von den Evanses / der Evanses

Antwort

Guten Tag Herr T.,

zuerst stellt sich mir die Frage, ob man überhaupt so formulieren soll. Formulierungen wie

das Haus der Müllers
das Auto der Schmidts

oder mit einem s-Laut am Schluss

die Kinder der Schulz[ens]
der Hund der Weiß[ens]

kommen im Deutschen vor, sie sind aber in der heutigen Standardsprache nicht sehr üblich. Sie sind entweder eher umgangssprachlich oder passen auf einer gehobeneren Ebene zum Beispiel zu Namen von Dynastien u. Ä (die Hochzeiten der Windsors, das Gold der Romanovs).

Wenn Sie damit nicht einverstanden sind oder aus einem anderen Grund dennoch so formulieren wollen, kommt für den englischen Namen Evans am ehesten die endungslose Variante die Evans (statt die Evansens) in Frage:

das Haus der Evans

Als standardsprachlich übliche Entsprechung für the Evanses’ house würde ich aber diese Formulierung empfehlen:

das Haus der Familie Evans

Sie hat außerdem den Vorteil, dass sofort deutlich ist, wie der Familienname lautet, ohne dass man sich über das s am Schluss oder ungebräuchliche Endungen Gedanken machen muss.

Zuletzt möchte ich noch von der englischen Pluralbildung Evanses abraten. Es macht in der Schrift und erst recht im Ton einen überkorrekten oder etwas gezierten Eindruck, wenn man in einem deutschen Text einen englischen Familiennamen in dieser Weise beugt. Es ist aber nicht grundsätzlich falsch oder unmöglich, diese Formulierung zu verwenden:

das Haus der Evanses

Wie so häufig gibt es also mehr als nur eine Möglichkeit. Mein Favorit ist hier aber eindeutig: das Auto der Familie Müller, die Kinder des Ehepaars Schulz, der Hund der Familie Weiß und das Haus der Familie Evans.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Wie man Tschechische Republik, Deutsche Bank und Alte Post beugt

Wenn man nicht darüber nachdenkt, geht es eigentlich immer gut. Nur wenn es beim Schreiben einmal ganz genau stimmen soll, kommen immer wieder einige ins Zweifeln: die Beugung des Adjektivs in mehrteiligen Eigennamen. 

Frage

Werden zu einem mehrteiligen Namen gehörende Adjektive dekliniert? Zum Beispiel „Rote Armeefraktion“: Heißt es „Teile der sogenannten Rote Armee Fraktion“ oder „Teile der sogenannten Roten Armee Fraktion“?

Antwort

Sehr geehrte Frau L.,

mehrteilige Eigennamen werden grundsätzlich gleich gebeugt wie „gewöhnliche“ Wortgruppen. Das gilt nicht nur für die gesprochene, sondern auch für die geschriebene Sprache. Sie sagen und schreiben also:

Siehe Nachtrag unten
[[die Rote Armeefraktion

der Roten Armeefraktion
Teile der sogenannten Roten Armeefraktion]]

Es ist ganz einfach. Hier trotzdem noch einige mehr oder weniger bekannte Beispiele, die dieses Prinzip veranschaulichen sollen:

die Tschechische Republik
Er wohnt in der Tschechischen Republik

das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK)
Sie arbeitet beim Internationalen Komitee vom Roten Kreuz
Der Hauptsitz des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz ist in Genf

Zweites Deutsches Fernsehen (ZDF)
eine Sendung des Zweiten Deutschen Fernsehens

Deutsche Bank
die Direktion der Deutschen Bank

das Gasthaus Alte Post
Wir treffen uns heute Abend in der Alten Post

der Filmpreis Goldener Bär
Der Film hat den Goldenen Bären gewonnen

Eigennamen, selbst Firmen- und Markennamen, sind also nicht „unberührbar“. Wenn sie wie eine gewöhnliche Wortgruppe aufgebaut sind, dürfen sie auch so behandelt werden.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

NACHTRAG:

Jan Schreiber hat mich in seinem Kommentar auf einen Fehler hingewiesen: Die Rote Armeefraktion ist keine Armeefraktion, die rot ist, und wird auch nicht so geschrieben. Es ist eine Fraktion der Roten Armee (jedenfalls in der Sicht der Gründer und Mitglieder) und sollte entsprechend Rote-Armee-Fraktion geschrieben werden. Es ist eine der seltenen Zusammensetzung dieser Art, bei der die Beugung unsicher ist. Das Adjektiv kann gebeugt werden, aber auch ungebeugt bleiben:

der Rote-Armee-Fraktion / der Roten-Armee-Fraktion
der Arme-Sünder-Glocke / der Armen-Sünder-Glocke (o. der Armesünderglocke)

Es ist also gerade bei diesem Beispiel nicht ganz so einfach. Wie Jan Schreiber ziehe ich übrigens aufgrund der Struktur der Zusammensetzung die ungebeugte Version der Rote-Armee-Fraktion vor.

Ich bitte insbesondere Frau L. dafür um Entschuldigung, dass ich das Beispiel zu schnell übernommen und falsch analysiert habe. Die übrigen Beispiele sind korrekt.

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Denises Auto und Denise’ Auto

Frage

In einer Diskussionsgruppe hat jemand die Frage gestellt, ob es Denise‘ Auto oder Denises Auto heißt. Meiner Meinung nach ist Denise‘ Auto richtig. Jemand hat aber behauptet, dass Denises stimmt. Jetzt frage ich Sie als Experten, was jetzt wirklich stimmt?

Antwort

Sehr geehrter Herr A.,

was stimmt, das heißt, wie man die Genitivform von Denise bildet, hängt davon ab, wie man den Namen ausspricht.

Bei der in Deutschland üblichen Aussprache hat der Name drei Silben und endet auf ein unbetontes e. Dann hängt man in Aussprache und Schrift im Genitiv ein s an:

Denise [denisə] – Denises Auto [denisəs auto]

Es heißt also Denises Auto wie Susannes Wagen, Hannelores Harley oder Lasses Lada.

Bei ans Englische angelehnter Aussprache hat der Name zwei Silben und endet auf s, das heißt, se am Wortende wird als s ausgesprochen. Die Aussprache ist im Genitiv gleich wie im Nominativ. Dann schreibt man im Genitiv einen Apostroph:

Denise [deni:s] – Denise’ Auto [deni:s auto]

Man schreibt dann Denise’ Auto wie Bruce’ Wagen, Alice’ Alfa oder Maurice’ Motorrad. (Sehr häufig sind diese Schreibungen aber nicht, da meist bewusst oder unbewusst auf andere Formulierungen ausgewichen wird.)

Die Schreibung des Genitivs von Denise richtet sich also nach der Aussprache des Namens (siehe auch hier). Somit haben in Ihrer Diskussionsgruppe im Prinzip alle recht – allerdings nur solange niemand auf die Idee kommt, Denise’s Auto zu schreiben. Das wäre ein Apostroph, den man im Deutschen besser nicht setzt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Manchmal kommen Sandro, Frau Wagner und Dr. Bopp im Genitiv ohne s aus

Frage

Auf dieser Seite in Canoonet steht: „der Geburtstag des kleinen Sandro“. Ist das nicht ein Fehler? Sollte es nicht heißen: „der Geburtstag des kleinen Sandros“ ?

Antwort

Sehr geehrter Herr A.,

Personennamen haben im Genitiv in der Regel die Endung s, wenn sie ohne Artikel stehen:

Goethes Dramen
Kleopatras Reich
Elisabeths Meinung
Joachim Bergers Beitrag
Frau Wagners BMW
Dr. Bopps Blog
Sandros Geburtstag

Wenn Personennamen aber mit einem Artikel stehen, sind sie im heutigen Deutschen in der Regel auch im Genitiv endungslos. Sie stehen vor allem dann mit einem Artikel, wenn sie von einem Adjektiv begleitet werden:

die Dramen des jungen Goethe
das Reich der schönen Kleopatra
der Beitrag des sehr interessierten Joachim Berger
das Leben der heiligen Elisabeth
der BMW der geschäftstüchtigen Frau Wagner
der Blog des nicht sehr strengen Dr. Bopp

Und ebenso:

der Geburtstag des kleinen Sandro

Wer dem Genitiv und dem Genitiv-s sehr zugetan ist, mag es bedauern, aber diese Endungslosigkeit ist auch standardsprachlich üblich und akzeptiert (und nicht etwa der Einfall eines viel zu nachgiebigen Dr. Bopp). Siehe auch hier.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

 

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Hamburg zeigt sich von seiner/ihrer schönsten Seite

Frage

Wenn ich mit meinem Gast spazieren gehe, sage ich dann zu ihm: „Hier zeigt sich Hamburg von seiner schönsten Seite“? Oder sage ich, weil ein Femininum: „von ihrer schönsten Seite“?

Antwort

Sehr geehrte Frau S.,

Hamburg ist nicht weiblich, sondern wie alle Länder und Städte, die ohne Artikel stehen, sächlich. Das sieht man dann gut, wenn eine nähere Bestimmung dazutritt:

das alte Hamburg
das Hamburg meiner Kindheit
mein schönes Hamburg
Hamburg und seine Elbphilharmonie

Entsprechend sagen Sie also auch:

Hier zeigt sich Hamburg von seiner schönsten Seite.

Und weil es diesmal so schön einfach ist, hier gleich noch ein paar Beispiele:

das alte Rom
das Deutschland der Dichter und Denker
mein schönes Hessen/Sachsen/Österreich
Schweden und seine Hauptstadt Stockholm
Dort zeigt sich Südamerika von seiner schönsten Seite.

Anders sieht es aus, wenn Sie die Formulierung die Stadt Hamburg verwenden. Dann ist das weibliche Substantiv Stadt der Kern der Wortgruppe, mit dem die grammatische Übereinstimmung erfolgt:

meine schöne Stadt Hamburg
die Stadt Hamburg und ihre Elbphilharmonie
Hier zeigt sich die Stadt Hamburg von ihrer schönsten Seite.

Hamburg zeigt sich also von seiner schönsten Seite und die Stadt zeigt sich von ihrer schönsten Seite.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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An die Elfenbeinküste, in die Elfenbeinküste oder nach Elfenbeinküste

Es steht zwar nicht ganz oben auf der Liste der am meisten besuchten Urlaubsziele, aber falls Sie Ihren Osterurlaub doch einmal in diesem westafrikanischen Land verbringen möchten, fahren Sie dann an die Elfenbeinküste, in die Elfenbeinküste oder nach Elfenbeinküste? Eine ähnliche Frage hat Frau W. gestellt:

Frage

Heißt es „Addah an der Elfenbeinküste“ oder „Addah in der Elfenbeinküste“?

Persönlich finde ich die erste Lösung besser, allerdings schreibt beispielsweise der Duden: „er ist Staatsbürger von Elfenbeinküste“. Sicher, die Elfenbeinküste ist ein Staat, aber klingt das nicht furchtbar?

Antwort

Sehr geehrte Frau W.,

es gibt hier keine eindeutig festgelegte, allgemein verbindliche Formulierung. Im offiziellen Verkehr wird im Deutschen im Prinzip der einzige offiziell von diesem Staat akzeptierte Name Côte d’Ivoire verwendet.

Addah liegt in Côte d’Ivoire
die Bevölkerung von Côte d’Ivoire

Sonst ist die Elfenbeinküste oder seltener Elfenbeinküste ohne Artikel üblich:

die Bevölkerung der Elfenbeinküste
die Bevölkerung von Elfenbeinküste

Wenn man den Namen mit Artikel verwendet, kann bei Ortsangaben an oder in stehen. Mit an verweist man auf die Küste dieses Namens, mit in auf den Staat. Es gibt somit drei Möglichkeiten, von denen keine als falsch bezeichnet werden kann:

Addah liegt in Elfenbeinküste
Addah liegt in der Elfenbeinküste
Addah liegt an der Elfenbeinküste

Am schönsten (und interessantesten) klingt für mich an der Elfenbeinküste. Damit ist allerdings eher die Küste als der Staat gemeint. Bei einem Ort, der nicht wie Addah an der Küste, sondern weiter im Landesinnern liegt, verwendet man besser eine dieser Formulierungen:

Yamoussoukro liegt in der Elfenbeinküste
Yamoussoukro liegt in Elfenbeinküste

Die Einwohner und Einwohnerinnen der Elfenbeinküste heißen übrigens offiziell Ivorer und Ivorerinnen und das Adjektiv lautet ivorisch (vgl. d’Ivoire). Da diese Bezeichnungen nicht allzu bekannt sind, würde ich allerdings empfehlen, X der Elfenbeinküste oder Y von Elfenbeinküste zu verwenden, wenn man gerne auf Anhieb verstanden werden möchte.

Man kann also in die Elfenbeinküste/nach Elfenbeinküste fahren, wenn das Land gemeint ist, oder an die Elfenbeinküste, wenn das Ziel der Reise dort am Meer liegt. Ich verbringe Ostern dieses Jahr übrigens ruhig und ohne jeglichen präpositionalen Zweifel zu Hause.

Frohe Ostern!

Dr. Bopp

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