Zum 1. Oktober

Wahrscheinlich wussten Sie schon, dass der Oktober seinen Namen der Tatsache verdankt, dass er nach dem altrömischen Kalender der achte Monat im Jahr war: mensis october, octo = acht. Es ist gut möglich, dass Sie auch die folgenden alten deutschen Namen schon kannten: Weinmonat oder Weinmond (wegen der Weinlese), Gilbhard (weil die Blätter gelb werden, d. h. vergilben) und Dachsmond (nach dem Höhepunkt der Dachsjagd). Was Ihnen aber wie mir ganz neu sein könnte, ist Folgendes:

Nachdem es Julius Cäsar und Augustus ganz „bescheiden“ gelungen war, einen Monat nach sich benennen zu lassen, gestand der römische Senat auch Kaiser Domitian zu, seinen Geburtsmonat, den Oktober, Domitianus zu nennen. Im Gegensatz zu Juli und August hat sich der Name Domitian aber nicht durchgesetzt. Dieses Los teilt er mit anderen Namen wie zum Beispiel Neroneus (April), Claudius (Mai) und Germanicus (je nach gerade herrschendem Kaiser Juni oder September).

Auch die genannten alten deutschen Namen haben sich nicht wirklich durchgesetzt. Deshalb steht oben in und unter dem Titel 1. Oktober und nicht 1. Domitian, 1. Gilbhard, 1. Dachsmond oder – was mir eigentlich auch ganz gut gefiele –  1. Weinmond.

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Mitteleuropa einschließlich Österreich[s]

Frage

Wenn ich folgenden Satz habe: „Die Awaren wanderten bis weit nach Mitteleuropa einschließlich Österreich ein“, beziehe ich dann „Österreich“ auf „einschließlich“ und sollte somit der Genitiv verwendet werden?

Antwort

Sehr geehrte Frau M.,

in Ihrem Satz ist Österreich von einschließlich abhängig. Nach einschließlich steht im Prinzip der Genitiv:

der Preis einschließlich aller Getränke
der ganze Verein einschließlich des Vorsitzenden
die maximale Höhe einschließlich eines allfälligen Antennenmastes

Dies gilt aber nur bedingt für allein stehende Nomen im Singular. Sie bleiben nach einschließlich nämlich meistens ungebeugt:

einschließlich Porto
Der Artikel hat einschließlich Inhaltsverzeichnis 32 Seiten.
die maximale Höhe einschließlich Antennenmast

Bei ohne Artikel stehenden geographischen Namen, die ja auch zu dieser Ausnahmegruppe gehören, sind sowohl gebeugte als auch ungebeugte Formen üblich:

Bremen einschließlich Bremerhaven oder
Bremen einschließlich Bremerhavens

zehn Länder einschließlich Großbritannien oder
zehn Länder einschließlich Großbritanniens

Die Wahl liegt also bei Ihnen. Beide der folgenden Formulierungen sind korrekt:

wanderten die Awaren nach Mitteleuropa einschließlich Österreich ein
wanderten die Awaren nach Mitteleuropa einschließlich Österreichs ein

Sehen Sie auch die Angaben zu einschließlich in Canoonet.

Dies gilt übrigens auch für die Präpositionen ausschließlich, inklusive und exklusive. Wieder einmal zeigt sich also, dass man nie einfach so behaupten sollte, eine Präposition stehe immer mit dem Genitiv.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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(Keine) Idylle auf deutschen Autobahnen

Wie sehr, sehr viele andere auch habe ich letztes Wochenende ein paar Stunden auf deutschen Autobahnen zugebracht. Da die Landschaft nicht überall so hügelig ist, dass man sich an schönen Fernsichten erfreuen könnte, und in flacherem Gelände fast überall die Autobahnbegrünung vor der Aussicht steht, habe ich mich einen Teil der für mich „steuerlosen“ Zeit damit beschäftigt, auf die Namen von Parkplätzen und Raststätten zu achten. Mir war vorher nie aufgefallen, dass sie so poetisch sein können. Wenn ich einmal einen epischen Roman wie „Der Herr der Ringe“ schreiben würde (was ich bestimmt nie tun werde), wüsste ich nun, wo ich einen Teil der Flurnamen für ein Plagiat von Tolkiens Mittelerde hernehmen könnte:

Hinter dem Entenfang und dem Königsforst stoßen wir auf den Schwarzbach, den wir beim Neuhöfer Tann überqueren. Dann geht es über die Rolandshöhe und den Fuchsbuckel nach Schauinsland, wo man eine gute Aussicht auf den Mahlberg hat, an dessen Fuß der Pfaffenbach in die Murg strömt. Dort wird auf der Fliegwiese gerastet, bevor es weitergeht und wir uns bei Scheidweg entschließen müssen, ob wir unsere Schritte rechts nach Elz oder links nach Welschehahn lenken.

All diese schönen Namen habe ich, wie gesagt, am Rande deutscher Autobahnen entdeckt. Allzu romantisch wird es einem dort allerdings nie zu Mute. Bevor man sich in einer Idylle wähnt, wird man immer wieder durch weniger poetische Texte wie „Baustelle“, „sechsstreifiger Ausbau“, „Missachtung wird geahndet“ und „Tropfmengen sind sofort aufzunehmen“ auf den Boden der Autobahnrealität zurückgeholt.

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adidas, canoo, DER SPIEGEL und das iPhone

Frage

Wenn canoo im Satz klein geschrieben werden soll (davon gehe ich aus), wie schreibt man es dann am Satzanfang?

Antwort

Sehr geehrter Herr J.,

das Logo der Canoo Engineering AG ist:

canooRGB

Auch das Logo canoonet2 schreibt man mit einem kleinen Anfangsbuchstaben. Wenn man diese Wörter aber nicht als Logos, sondern als Namen in einem Text verwendet, kann man sie einfach mit einem großen C schreiben:

Es ist interessant, bei Canoo zu arbeiten.
Canoo ist eine Schweizer Firma.

Das Gleiche gilt auch für Logos wie »adidas« und »DER SPIEGEL«. Wenn Sie nicht an einen Hausstil gebunden sind, der etwas anderes vorschreibt, können Sie einfach Schuhe von Adidas und ein Artikel im Spiegel schreiben.

Es gibt nämlich keine amtliche Regelung für solche Fälle, denn es ist im Prinzip nicht korrekt, Eigennamen mit einem Kleinbuchstaben beginnen zu lassen. Da es aber allen freisteht, ihre Firma oder ihr Produkt so zu nennen, wie sie es wollen, gibt es nun einmal Eigennamen, die – zumindest in Logos – mit einem Kleinbuchstaben beginnen.

Da es keine offizielle Vorschrift gibt, haben Sie am Satzanfang verschiedene Möglichkeiten:

1. Sie schreiben trotzdem groß:

Adidas ist ein deutscher Hersteller von Sportartikeln.

Das tue ich normalerweise. Es kann allerdings bei Namen wie iPhone zu unleserlichen Formen führen.

2. Sie schreiben auch am Satzanfang klein:

adidas ist ein deutscher Hersteller von Sportartikeln.
iPhone ist nicht das bestverkaufte Smartphone.

Dies ist nicht zu empfehlen, weil die Großschreibung am Satzanfang eines der wichtigsten Gliederungselemente eines geschriebenen Textes ist. Ein Text wird durch solche Kleinschreibungen schlecht lesbar. Die Kleinschreibung am Satzanfang ist höchstens dann zu vertreten, wenn der Name sich als Logo oder anderweitig durch Farbe, Größe oder Schriftart vom Rest des Textes abhebt.

3. Sie vermeiden es, den Namen als erstes Wort im Satz zu verwenden. Meist kann umformuliert oder ein beschreibendes Element eingefügt werden. Zum Beispiel:

Die Firma »adidas« ist ein deutscher Hersteller von Sportartikeln.
Apples iPhone ist nicht das bestverkaufte Smartphone.

Meine Empfehlung für solche Fälle lautet: Schreiben Sie nur Logos klein und verwenden Sie in durchlaufenden Texten, also nicht nur am Satzanfang, die sonst übliche Groß- und Kleinschreibung:

Canoo ist ein Spezialist für RIA-Anwendungen.
Sportschuhe von Adidas und Puma
Das habe ich im Spiegel gelesen.

Dies ist  die leserfreundlichste Variante. Leserfreundlichkeit finde ich hier wichtiger als Respekt vor der Kreativität der Logoentwerfer.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

PS: Wenn Sie sich kommerziell mit solchen Namen und Logos beschäftigen, sollten Sie natürlich die geltenden Bestimmungen zur Verwendung geschützter Markennamen beachten.

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Prinz Charles’ Ehe

Immer wieder taucht die Frage nach dem Apostroph beim Genitiv von Eigennamen auf. Diesmal geht es aber ausnahmsweise nicht um Marias Blumenladen, sondern um die Ehe eines Prinzen!

Frage

In meiner Zeitung stand u. a.:

Charles pedantische Ordnungsliebe
Charles Ehe

Muss da nicht ein Apostroph nach Charles stehen oder ist der freigestellt?

Antwort

Sehr geehrter Herr T.,

hier müsste tatsächlich ein Apostroph stehen, sofern es sich um Prinz Charles oder allgemein um jemanden mit einem auf s endenden Namen handelt. Es ist nicht korrekt, den Apostroph hier wegzulassen. Man schreibt also richtig:

Charles’ pedantische Ordnungsliebe
Charles’ Ehe

Die entsprechende Regel und weitere Informationen finden Sie hier und hier.

Die Regel gilt natürlich nicht nur für Charles Philip Arthur George Mountbatten-Windsor, Prince of Wales und Herzog von Cornwall, sondern für alle, die einen auf s, ss, ß, x oder z endenden Namen haben:

Pythagoras’ Lehren
Erika Hess’ Slalomsiege
Johann Strauß’ Donauwalzer
Beatrix’ Sportwagen
Kater Franz’ Spielzeugmaus

Weil solche Formen manchmal ungewohnt anmuten oder verunsichern können, werden oft andere, ebenso korrekte Formulierungen verwendet:

der Satz des Pythagoras (a2+b2=c2)
die Slalomsiege von Erika Hess
der Donauwalzer von Johann Strauß

Die z. T. ebenfalls möglichen Genitivformen auf -ens und sind heute nicht mehr üblich:

Beatrixens Sportwagen
Kater Franzens Spielzeugmaus

Der Apostroph steht in der Regel auch bei fremdsprachigen Namen, die ausgesprochen auf ein s, aber geschrieben auf zum Beispiel –ce oder –se enden:

Alice’ Reise durchs Wunderland
Amy Winehouse’ neues Album
Henri Matisse’ Scherenschnitte

Es heißt also Prinz Charles’ Ehe oder die Ehe von Prinz Charles. Im ersten Fall schreibt man einen Apostroph, weil ein Genitiv-s wegfällt (vgl. Prinz Andrews Exfrau, die Exfrau von Prinz Andrew). Dem englischen Thronfolger und seiner Gattin wird es allerdings ziemlich egal sein, wann genau sein Name im Deutschen mit einem Apostroph geschrieben wird. Sie machen sich wahrscheinlich mehr Gedanken darüber, ob es wirklich noch einmal Charles’ Thron werden wird.

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Der Name der Vampire

Frage

Hat der Name Krolock (Graf Krolock aus »Tanz der Vampire«) eine Bedeutung?

Antwort

Guten Tag Herr L.,

die Onomastik oder Namenkunde gehört zu den Teildisziplinen der Sprachwissenschaft, die wir auf CanooNet meist gröblich vernachlässigen. Für diesen Namen mache ich aber gern einmal eine Ausnahme, denn er ist noch relativ jung und nicht wie ein gewöhnlicher Name entstanden.

Der Name Graf von Krolock, den Sie vielleicht vom Musical »Tanz der Vampire« kennen, stammt aus Roman Polanskis gleichnamigem und übrigens sehr amüsantem Film aus dem Jahr 1967, der dem Musical als Vorlage diente. Es ist wahrscheinlich, dass der Name dieses Vampirfürsten lautlich vom Namen Graf Orlok abgeleitet ist (Orlok > Krolock). Graf Orlok ist die Vampirfigur im Film »Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens«, der 1921 von Friedrich Willhelm Murnau gedreht wurde. Inspirationsquelle für diesen Gruselfilm war die Urmutter aller bekannten Vampirerzählungen: der Roman »Dracula« von Bram Stoker. Da die Rechte des Buches nicht erworben werden konnten, durfte der Name Graf Dracula in Murnaus Film nicht verwendet werden. Der blutdurstige Graf musste also einen anderen Namen erhalten. Der Name Orlok ist möglicherweise eine lautliche Zusammenziehung zweier Wörter, die im ersten Kapitel des Romans vorkommen. Dort werden einige nicht gerade vertrauenerweckende Wörter zitiert, die der Ich-Erzähler in Transsylvanien von der örtlichen Bevölkerung vernommen hatte. Darunter sind Orodog = Teufel und vrolok = Werwolf, Vampir.

I must say they were not cheering to me, for amongst them were “Ordog”–Satan, “Pokol”–hell, “stregoica”–witch, “vrolok” and “vlkoslak”–both mean the same thing, one being Slovak and the other Servian for something that is either werewolf or vampire.
Bram Stoker, Dracula, Chapter 1

Es ist also möglich – aber leider keineswegs hundertprozentig sicher – dass Graf von Krolock in »Tanz der Vampire« seinen Namen dem Grafen Orlok aus »Nosferatu« verdankt und dass dieser wiederum durch eine lautlichen Zusammenziehung unheilsschwangerer Wörter aus dem Roman »Dracula« entstanden ist. Wichtig ist vor allem, dass der Graf uns je nach Art der Geschichte, in der er auftritt, zum Gruseln oder zum Lachen bringt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Professor Bopp

Frage

Ich lese grad die schönen Reiseberichte Heinrich Heines, und traf Ihren Namen wieder:

Doktor Bopp ist hier angestellt als Professor der orientalischen Sprachen und hat vor einem großen Auditorium seine erste Vorlesung über das Sanskrit gehalten.
(Heinrich Heine, Reisebilder und Reisebriefe, Briefe aus Berlin, Erster Brief)

Ich kann mich der Frage nicht erwehren, ob der genannte Herr Ihr Vorfahre war?

Antwort

Sehr geehrte Frau T.,

bei Heinrich Heine geht es um einen in Linguistenkreisen sehr berühmten und ungemein viel beleseneren Dr. Bopp, dem der hier schreibende Dr. Bopp nicht das Wasser reichen kann:

Franz Bopp (1791-1867) gilt als einer der Begründer der vergleichenden Sprachwissenschaft. 1821 erhielt er eine außerordentliche Professur an der Universität in Berlin (Heine schrieb den besagten Brief aus Berlin im Januar 1822). Von 1825 an war er dort ordentlicher Professor der orientalischen Literatur und allgemeinen Sprachkunde. Sein Hauptwerk ist „Vergleichende Grammatik des Sanskrit, Zend, Griechischen, Lateinischen, Litauischen, Altslavischen, Gotischen und Deutschen“ (1833-52). Mit seinen Arbeiten zeigte Franz Bopp die Verwandtschaft zwischen vielen indogermanischen Sprachen auf.

Soweit ich weiß, sind dieser Professor Dr. Bopp und ich nicht miteinander verwandt, auch nicht über sieben Ecken. Der Familienname Bopp kommt häufiger vor, als Sie vielleicht annehmen. Er ist nur nicht im ganzen deutschen Sprachgebiet verbreitet. Mehr dazu lesen Sie, wenn Sie mögen, in einem älteren Blogeintrag.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Die USA und die Mehrzahl

Frage

Heißt es „Die USA versinken im Chaos“ oder „Die USA versinkt im Chaos“? Klar, die Abkürzung steht für United States of America (also Plural), und somit ist wohl der Plural richtig. Des ungeachtet finde ich die Formulierung irgendwie ungewöhnlich und holprig. Auch treffe ich häufig auf die genau gegenteilige Wendung, zum Beispiel: „Die USA ist ein beliebtes Reiseziel.“ Was nun?

Antwort

Guten Tag H.,

den US-Amerikanern wünsche ich, dass ihr Land nicht wirklich im Chaos versinken möge und dass entsprechend nur die Form und nicht auch die Bedeutung des folgenden Satzes korrekt ist:

Die USA versinken im Chaos.

Standardsprachlich verwendet man die Länderbezeichnung USA mit dem Plural. Weitere Beispiele:

Die USA sind ein beliebtes Reiseziel.
Studieren in den USA
Obama und die neuen USA

Für die Verwendung des Plurals sprechen zwei Gründe: Wie sie richtig bemerken, ist die Bezeichnung, für die die Abkürzung USA steht, im Prinzip pluralisch: United States of America.** Auch die deutsche Übersetzung wird in der Mehrzahl verwendet: die Vereinigten Staaten [von Amerika]. Weil sowohl das Grundwort in der Ursprungssprache als auch die Übersetzung ins Deutsche pluralisch sind, hat hier der Plural eindeutig die besseren Karten. Die Verwendung in der Einzahl sieht man zwar auch manchmal, sie gilt aber standardsprachlich als nicht korrekt.

Das ist aber noch nicht ganz alles: Die Abkürzung USA wird im Deutschen immer mit dem bestimmten Artikel verwendet;

Sind die USA ein guter Bündnispartner?
Wir sind quer durch die USA gereist.
Chaos in den USA
die Regierung der USA

Es heißt also im Standarddeutschen nicht Chaos in USA oder Reise quer durch USA.

Es mag in Ihren Ohren ungewöhnlich oder sogar holprig klingen, doch wenn Sie es standardsprachlich richtig machen wollen, verwenden Sie die USA immer im Plural und mit Artikel, so wie dies zum Beispiel auch für die Niederlande, die Philippinen, die Malediven oder die Vereinigten Arabischen Emirate üblich ist.

Falls sich Ihre Ohren trotz alledem nicht an die USA im Plural gewöhnen wollen, sagen und schreiben Sie doch einfach:

Die Vereinigten Staaten sind ein beliebtes Reiseziel.

Das klingt überhaupt nicht holprig und es herrschen hier, soweit ich weiß, auch keinerlei Zweifel darüber, ob man den Plural verwenden soll.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

** Man muss hier präzisieren, dass USA und vor allem U.S. im Englischen manchmal auch als Singular behandelt werden. Die zugrundeliegende Wortgruppe, so wie wir sie als durchschnittliche Englischkönner kennen, ist aber eindeutig pluralisch.

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Wohin kommt bei von und zu das s?

Frage

Ich habe eine Frage zum Genitiv bei „von“-Namen. Heißt es „Reinhard von Neunecks Leben“ oder „Reinhards von Neuneck Leben“?

Antwort

Sehr geehrte Frau R.,

bei Namen, die aus Vor- und Familiennamen zusammengesetzt sind, wird nur der letzte Name gebeugt. Das gilt auch dann, wenn der Name von einem Titel o. Ä. begleitet wird oder einen Namenszusatz wie von, van, de, de la, da usw. enthält. Ein paar mehr oder weniger willkürlich gewählte Beispiele:

Reinhard von Neunecks Lebenslauf
Ludwig van Beethovens 9. Sinfonie
Annette von Droste-Hülshoffs „Der Knabe im Moor“
Dr. Bopps Blog
Professor Minerva McGonagalls Verwandlungsunterricht
Gloria Prinzessin von Thurn und Taxis’ Geburtstag
Dr. Karl-Theodor Freiherr von und zu Guttenbergs Selbstbewusstsein

Mehr Angaben zu diesem Thema finden Sie auf dieser Seite in CanooNet.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Von Marias Blumenladen zur Gesundheit von Amy Winehouse

Weil immer wieder danach gefragt und viel darüber geklagt wird: der Apostroph bei Eigennamen

Frage

Immer wieder werden Eigennamen mit Apostroph geschrieben, ist das korrekt? Ich gehe eigentlich davon aus, dass es sich um einen ganz normalen Genitiv handelt und der Apostroph falsch ist. Beispiele: Maria’s Blumenladen, Rainer’s Eck.

Antwort

Sehr geehrte Frau N.,

im Prinzip steht auch bei Eigennamen kein Apostroph vor dem Genitiv-s. Nach der neuen Rechtschreibregelung kann man aber in gewissen Fällen einen Apostroph verwenden, um die Grundform des Namens zu verdeutlichen.  Zum Beispiel:

Carlo’s Blumenladen
Andrea’s Eck

Der Apostroph soll hier die Verwechslung mit den Vornamen Carlos und Andreas verhindern. Auf Firmenschildern und Briefpapier kann dies sogar sinnvoll sein. Da es aber meistens zu keinen Verwechslungen und Undeutlichkeiten kommen kann, ist der Apostroph in Fällen wie diesen unnötig:

Marias Blumenladen
Rainers Eck
Hendriks Blog
Evelines Witz des Tages

Selbst englische und amerikanische Namen kommen im Deutschen bestens ohne einen Apostroph vor dem Genitiv-s aus:

George W. Bushs Päsidentschaft
Hillary Clintons Asienreise
Clooneys Kaffeereklame
Lady Gagas offizielle Website

Nur manchmal muss man einen Apostroph verwenden, dann nämlich, wenn der Name auf ein (gesprochenes) s endet:

Friedrich Engels’ Werke
Marguerite Duras’ Romane
Robbie Williams’ Privatleben
Amy Winehouse’ Gesundheit

Hier weicht man aber oft auf eine andere Formulierung aus (z. B. die Gesundheit von Amy Winehouse).

Mehr zum Apostroph bei Eigennamen finden Sie hier.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare (6)