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	<title>Fragen Sie Dr. Bopp! &#187; Geschlecht</title>
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	<description>Deutsche Rechtschreibung und Grammatik</description>
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		<title>Sie hüteten des Nachts ihre Herde</title>
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		<pubDate>Thu, 22 Dec 2011 18:25:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Bopp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Deklination]]></category>
		<category><![CDATA[Geschlecht]]></category>

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		<description><![CDATA[»Es waren Hirten aus derselben Gegend auf dem Felde und sie hüteten des Nachts ihre Herde &#8230;« Für die Weihnachtsgeschichte ist es allerdings noch ein bisschen zu früh. Es geht hier dann auch nicht um Hirten, Engel, Ställe, Esel, Ochsen, Krippen und den Heiland. Herrn M.s Frage richtet sich also nicht an meine Bibelkenntnisse, sondern auf [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>»Es waren Hirten aus derselben Gegend auf dem Felde und sie hüteten des Nachts ihre Herde &#8230;« Für die Weihnachtsgeschichte ist es allerdings noch ein bisschen zu früh. Es geht hier dann auch nicht um Hirten, Engel, Ställe, Esel, Ochsen, Krippen und den Heiland. Herrn M.s Frage richtet sich also nicht an meine Bibelkenntnisse, sondern auf die bei genauerer Betrachtung recht seltsame Wendung <em>des Nachts</em>.</p>
<p><strong>Frage</strong></p>
<p>Was verbirgt sich eigentlich hinter dem Ausdruck „des Nachts“? Ist das Wort „Nacht“ einmal männlich gewesen oder woher stammt diese Redewendung? Logisch kann ich das nicht nachvollziehen.</p>
<p><strong>Antwort</strong></p>
<p>Sehr geehrter Herr M.,</p>
<p>soweit ich weiß, war <em>Nacht</em> auch früher nicht männlich. Das Wortgeschlecht spielt aber trotzdem eine Rolle. Die Entstehung dieser grammatisch sehr ungewöhnlichen Wendung (der Genitiv müsste ja <em>der Nacht</em> lauten) hat damit zu tun, dass <em>Nacht</em> die einzige weibliche Tageszeitangabe ist. Die Wendungen <em>des Nachts</em> und <em>eines Nachts</em> sind Analogiebildungen zu <em>des Morgens, des Mittags, des Abends</em> bzw.<em> eines Morgens, eines Mittags, eines Abends, eines Tages</em>. Das weibliche Wort <em>Nacht</em> hat sich bei dieser Ausdrucksweise also der Übermacht männlicher Tageszeitangaben beugen müssen (typisch!). „Logisch“ gesehen und nach den Regeln der deutschen Grammatik müsste man die Wendungen <em>des Nachts</em> und <em>eines Nachts</em> also eigentlich als falsch bezeichnen. Sie gehören aber trotzdem zur Standardsprache –  sogar zur gehobenen!</p>
<p>Mit freundlichen Grüßen</p>
<p>Dr. Bopp</p>
<p>PS: Zur Groß- und Kleinschreibung bei <em>eines Nachts</em> und <em>nachts</em> siehe <a href="http://www.canoo.net/spelling/Nacht&amp;features=(Cat+N)">hier</a>. Zur Frage, weshalb hier überhaupt der Genitiv steht, siehe <a href="http://canoo.net/blog/2010/09/14/der-adverbialgenitiv/">hier</a>.</p>
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		<title>Jede(r) der Neubauten</title>
		<link>http://canoo.net/blog/2011/10/31/jeder-der-neubauten/</link>
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		<pubDate>Mon, 31 Oct 2011 17:16:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Bopp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Konjugation/Deklination]]></category>
		<category><![CDATA[Deklination]]></category>
		<category><![CDATA[Geschlecht]]></category>
		<category><![CDATA[Kongruenz]]></category>

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		<description><![CDATA[Manchmal sind ganz einfach klingende Fragen auf den zweiten Blick doch gar nicht so einfach. Frage Ein schwieriger Fall, der, je länger ich drüber nachdenke, umso verworrener wird: Heißt es „Jeder der Neubauten ist schön“ oder „Jede der Neubauten ist schön“? Ich tendiere ja zu Letzterem. Antwort Sehr geehrter Herr L., zuerst dachte ich, dass [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Manchmal sind ganz einfach klingende Fragen auf den zweiten Blick doch gar nicht so einfach.</p>
<p><strong>Frage</strong></p>
<p>Ein schwieriger Fall, der, je länger ich drüber nachdenke, umso verworrener wird: Heißt es „Jeder der Neubauten ist schön“ oder „Jede der Neubauten ist schön“? Ich tendiere ja zu Letzterem.<strong> </strong></p>
<p><strong>Antwort</strong></p>
<p>Sehr geehrter Herr L.,</p>
<p>zuerst dachte ich, dass die Antwort auf Ihre Frage ganz einfach sei. Dann aber schlug meine eigene Unsicherheit zu. Was ist nun eigentlich richtig? Im Prinzip heißt es:</p>
<blockquote><p>Jeder der Neubauten ist schön.</p></blockquote>
<p><em>Neubauten</em> ist der Plural des männlichen Substantivs <em>Neubau</em>:</p>
<blockquote><p><a href="http://canoo.net/inflection/Neubauten">der Neubau / die Neubauten</a></p></blockquote>
<p>Man sollte hier deshalb die männliche Form <em>jeder</em> verwenden. Vgl.</p>
<blockquote><p>Jeder der Männer erhielt ein Stück Kuchen.<br />
Jede der Frauen erhielt ein Stück Kuchen.<br />
Jedes der Kinder erhielt eine Stück Kuchen.</p></blockquote>
<p>Ganz so unkompliziert ist es bei <em>Neubauten</em> allerdings doch nicht. Die Unsicherheit entsteht dadurch, dass die Form <em>Bauten</em> irgendwie so weiblich aussieht. Das liegt daran, dass sie dies eigentlich auch war: Der Plural <em>die Bauten</em> von <em>der Bau</em> gehörte ursprünglich zum heute kaum mehr verwendeten weiblichen Wort <em>die Baute </em>(<em>das Gebäude</em>).</p>
<p>Falls Ihnen die Formulierung <em>jeder der Neubauten</em> immer noch nicht gefallen will (sie „klemmt“ auch in meinen Ohren), verwenden Sie doch einfach eine andere. Zum Beispiel:</p>
<blockquote><p>Alle diese Neubauten sind schön.<br />
Sämtliche Neubauten sind schön.</p></blockquote>
<p>Mit freundlichen Grüßen</p>
<p>Dr. Bopp</p>
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		<title>Schirmherrschaft, Schirmfrauschaft, Schirmherrinnenschaft</title>
		<link>http://canoo.net/blog/2011/02/08/schirmfrauschaft/</link>
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		<pubDate>Tue, 08 Feb 2011 14:19:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Bopp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Stilistisches]]></category>
		<category><![CDATA[Wortschatz]]></category>
		<category><![CDATA[Geschlecht]]></category>
		<category><![CDATA[Wortwahl]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Thema der geschlechtergerechten Formulierung meide ich (fast) immer mit beinahe so viel Überzeugung wie der Teufel das Weihwasser. Es gibt meistens ebenso viele Meinungen, wie es Fach- und andere Leute gibt, die sich darüber äußern. Diskussionen in Foren u. Ä. werden auf beiden Seiten oft mit einer solchen Vehemenz geführt, dass Fundamentalisten aller Glaubensrichtungen noch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das Thema der geschlechtergerechten Formulierung meide ich (<a href="http://canoo.net/blog/2008/11/19/liebe-freundinnen-und-freunde/">fast</a>) immer mit beinahe so viel Überzeugung wie der Teufel das Weihwasser. Es gibt meistens ebenso viele Meinungen, wie es Fach- und andere Leute gibt, die sich darüber äußern. Diskussionen in Foren u. Ä. werden auf beiden Seiten oft mit einer solchen Vehemenz geführt, dass Fundamentalisten aller Glaubensrichtungen noch etwas davon lernen könnten. Da weder Grammatik noch Rechtschreibung diese Frage eindeutig bestimmen können und mein Fachwissen mir deshalb nicht viel hilft, halte ich mich als „Dr. Bopp“ normalerweise von dieser Diskussion fern. Nach dieser langen Einleitung mache ich heute eine Ausnahme für die Wortschöpfung <em>Schirmfrauschaft</em>.</p>
<p><strong>Frage</strong></p>
<p><strong></strong>Gibt es tatsächlich den gebrauch des Wortes „Schirmfrauschaft“ anstelle von „Schirmherrschaft“, wenn eine Frau die „Schirmherrin“ ist. Eigentlich achte ich für gewöhnlich auf eine genderneutrale Sprache in Texten, finde aber die Anfrage eines Auftraggebers für „Schirmfrauschaft“ sehr befremdlich.</p>
<p><strong>Antwort</strong></p>
<p>Sehr geehrte Frau M.,</p>
<p>um gleich unangebracht kalauernd zu beginnen: Das Wort <em>Schirmfrauschaft</em> ist dann eine gute Wortschöpfung, wenn man auch sagt:</p>
<blockquote><p>die Hausfrau <em>statt</em> die Hausherrin<br />
die Schutzfrau <em>statt</em> Schutzherrin<br />
die Schirmfrau <em>statt</em> die Schirmherrin<br />
unter der Frauschaft Katharinas der Großen <em>statt</em> unter der Herrschaft &#8230;<br />
unter der Schutzfrauschaft der heiligen Barbara <em>statt</em> unter der Schutzherrschaft &#8230;</p></blockquote>
<p>Ich will damit eigentlich aufzeigen, dass das Wort <em>Frau</em> im heutigen Deutschen nur bei Eigennamen die weibliche Entsprechung zum männlichen <em>Herr<span style="font-style: normal;"> ist:</span> Frau M</em><em>üller – Herr Müller</em>. Sonst gilt nämlich:</p>
<blockquote><p>Frau – Mann<br />
Herrin – Herr</p></blockquote>
<p>Zum Beispiel:</p>
<blockquote><p>Kauffrau – Kaufmann<br />
PR-Frau – PR-Mann<br />
Bauherrin – Bauherr<br />
Schutzherrin – Schutzherr<br />
Hausfrau – Hausmann<br />
Hausherrin – Hausherr<br />
<em>und</em><br />
Schirmherrin – Schirmherr</p></blockquote>
<p>Im Allgemeinen gilt weiter, dass Herrschaft etwas ist, das sowohl von einem Herrn als auch von einer Herrin ausgeübt werden kann:</p>
<blockquote><p>unter der Herrschaft Katharinas der Großen<br />
unter die Schutzherrschaft der heiligen Barbara stellen</p></blockquote>
<p>Für mich gehört deshalb die Verwendung von <em>Schirmfrauschaft</em> in den Bereich „Man kann alles übertreiben“. Die Schirmherrschaft obliegt einem Schirmherrn <em>oder</em> einer Schirmherrin. Wenn man dieses Wort unbedingt „geschlechtergerechter“ machen will, ist <em>Schirmherrinnenschaft</em> eine bessere Lösung. Am besten und meiner Meinung nach ebenso geschlechtergerecht ist aber einfach <em>Schirmherrschaft</em>.</p>
<p>Mit freundlichen Grüßen</p>
<p>Dr. Bopp</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
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		<title>Weibliche Motorschiffe</title>
		<link>http://canoo.net/blog/2010/12/09/weibliche-motorschiffe/</link>
		<comments>http://canoo.net/blog/2010/12/09/weibliche-motorschiffe/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 09 Dec 2010 11:37:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Bopp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Geschlecht]]></category>

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		<description><![CDATA[Eine Frage für Landratten und Binnenlandbewohner: Frage Ich las einen Artikel, in dem sinngemäß stand:  „&#8230; dann hat die MS Alexander &#8230;“ Mir ist die MS Alexander auch sympathisch. Es tönt angenehmer, gewohnter als das MS Alexander. Bin ich auf dem Holzweg, wenn ich MS als Motorschiff lese? Antwort Sehr geehrter Herr H., Sie sind [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Eine Frage für Landratten und Binnenlandbewohner:</p>
<p><strong>Frage</strong></p>
<p>Ich las einen Artikel, in dem sinngemäß stand:  „&#8230; dann hat die MS Alexander &#8230;“ Mir ist <strong>die</strong> MS Alexander auch sympathisch. Es tönt angenehmer, gewohnter als <strong>das</strong> MS Alexander. Bin ich auf dem Holzweg, wenn ich MS als Motorschiff lese?</p>
<p><strong>Antwort</strong></p>
<p>Sehr geehrter Herr H.,</p>
<p>Sie sind nicht „auf dem Holzweg“. Schiffsnamen sind im Allgemeinen weiblich: <em>die Titanic, die Hindenburg, die Bounty </em>usw. Das gilt sogar dann, wenn eine an und für sich sächliche Abkürzung wie MS (Motorschiff) oder SS (je nach Sprache Steam Ship o. Segelschiff) Teil des Namens ist. Es heißt deshalb <em>das Motorschiff »Alexander«,</em> aber <em>die »MS Alexander«</em> oder einfach <em>die »Alexander«</em>. Ebenso zum Beispiel: <em>die MS Hamburg, die MS Rossini, die SS Rotterdam, die TSS Carnivale </em>usw.</p>
<p>Warum Schiffe immer weiblich sind, ist eine andere Frage, auf die ich bis jetzt keine vernünftige Antwort finden konnte – nur witzig Gemeintes wie „weil die Takelage so teuer ist“ &#8230;</p>
<p>Mit freundlichen Grüßen</p>
<p>Dr. Bopp</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Männlicher oder sächliches Filter</title>
		<link>http://canoo.net/blog/2010/12/04/mannlicher-oder-sachliches-filter/</link>
		<comments>http://canoo.net/blog/2010/12/04/mannlicher-oder-sachliches-filter/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 04 Dec 2010 13:34:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Bopp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Grammatik]]></category>
		<category><![CDATA[Geschlecht]]></category>

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		<description><![CDATA[Frage Heißt es „der Filter“ oder „das Filter“? Ich bin zwar der festen Überzeugung, dass es „der Filter“ heißt, aber mein Prof. redet immer von „das Filter“. Ich bin deshalb inzwischen ein bisschen verunsichert und wollte mal kurz Klarheit geschaffen haben. Er schreibt zum Beispiel: „Ein analoges Filter hat die Übertragungsfunktion &#8230;“ Antwort Guten Tag S., [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Frage</strong></p>
<p><strong> </strong>Heißt es „der Filter“ oder „das Filter“? Ich bin zwar der festen Überzeugung, dass es „der Filter“ heißt, aber mein Prof. redet immer von „das Filter“. Ich bin deshalb inzwischen ein bisschen verunsichert und wollte mal kurz Klarheit geschaffen haben. Er schreibt zum Beispiel: „Ein analoges Filter hat die Übertragungsfunktion &#8230;“</p>
<p><strong>Antwort</strong></p>
<p>Guten Tag S.,</p>
<p>bis jetzt hatte ich beim Wortgeschlecht von <em>Filter</em> die gleiche Überzeugung wie Sie: Man sagt „natürlich“ <em>der Filter</em>. Ein kurzer Blick in die Wörterbücher zeigt aber, dass wir uns –&nbsp;wie es einem bei solchen Überzeugungen im Sprachbereich so oft ergeht&nbsp;– beide getäuscht haben. Das Wort <em>Filter</em> kann sowohl männlich als auch sächlich sein. Sehen Sie zum Beispiele <a href="http://www.canoo.net/inflection/Filter&amp;features=(Cat+N)">hier</a>.</p>
<p>Es scheint allerdings so zu sein, dass die sächliche Variante <em>das Filter</em> hauptsächlich in technischen Fachsprachen verwendet wird. Das könnte stimmen, denn <em>das Filter</em>, von dem Ihr Professor spricht, klingt ziemlich technisch. Im Gegensatz dazu sind zum Beispiel der trotz des Aufkommens von Espressomaschinen und Kaffeevollautomaten immer noch recht alltägliche Kaffeefilter sowie der seit einigen Jahren in meinem Alltag nicht mehr vertraute, aber deswegen noch lange nicht fachsprachliche Zigarettenfilter eigentlich immer nur männlich: <em><a href="http://www.canoo.net/inflection/Kaffeefilter">der Kaffeefilter</a>, der Zigarettenfilter</em>.</p>
<p>Mit freundlichen Grüßen</p>
<p>Dr. Bopp</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Eines Abends, eines Nachts</title>
		<link>http://canoo.net/blog/2010/01/14/eines-abends-eines-nachts/</link>
		<comments>http://canoo.net/blog/2010/01/14/eines-abends-eines-nachts/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 14 Jan 2010 15:05:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Bopp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Konjugation/Deklination]]></category>
		<category><![CDATA[Deklination]]></category>
		<category><![CDATA[Genitiv]]></category>
		<category><![CDATA[Geschlecht]]></category>
		<category><![CDATA[Redewendungen]]></category>

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		<description><![CDATA[Heute geht es wieder einmal im eine Frage, bei der ich mich wundere, dass ich sie mir nie selbst gestellt habe. Frage Warum sagt man eines Nachts, obwohl das Nomen Nacht weiblich ist? Antwort Sehr geehrte Frau M., es ist tatsächlich erstaunlich, dass ein weibliches Wort wie Nacht plötzlich wie ein männliches oder sächliches Wort [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Heute geht es wieder einmal im eine Frage, bei der ich mich wundere, dass ich sie mir nie selbst gestellt habe.</p>
<p><strong>Frage</strong></p>
<p>Warum sagt man <em>eines Nachts</em>, obwohl das Nomen <em>Nacht</em> weiblich ist?</p>
<p><strong>Antwort</strong></p>
<p>Sehr geehrte Frau M.,</p>
<p>es ist tatsächlich erstaunlich, dass ein weibliches Wort wie <em>Nacht</em> plötzlich wie ein männliches oder sächliches Wort daherkommt. Weibliche Nomen haben (außer als Eingennamen) kein s im Genitiv. In einigen festen Wendungen stehen weibliche Wörter trotzdem mit einem Genitiv-s und manchmal sogar mit einem männlich/sächlichen Artikelwort. Eher veraltet:</p>
<blockquote><p>von Obrigkeits wegen<br />
an Zahlungs statt</p></blockquote>
<p>Noch springlebendig, aber etwas gehoben:</p>
<blockquote><p>eines Nachts</p></blockquote>
<p>Diese eigentlich sehr sonderbaren Formen wurden schon vor langer Zeit in Analogie mit männlichen und sächlichen Wörtern gebildet, die in vergleichbaren festen Wendungen vorkommen:</p>
<blockquote><p>von Amts wegen, von Staats wegen<br />
an Kindes statt, an Eides statt<br />
eines Tages, eines Morgens, eines Abends</p></blockquote>
<p>Nach und nach haben sich diese weiblichen s-Genitive so sehr eingebürgert, dass sie uns heute gar nicht mehr sonderbar vorkommen. Sie sind auch standardsprachlich richtig, obwohl sie ihre Laufbahn streng genommen als „falsche Analogie“ angefangen haben.</p>
<p>Wortformen wie <em>Zahlungs</em>, <em>Obrigkeits</em> und <em>Nachts</em> kommen nur in diesen festen adverbialen Wendungen vor. Das erwähne ich hier auch zur Beruhigung von Deutschlernenden, die nach viel Arbeit und Mühe die Endungen der deutschen Nomendeklination endlich im Griff haben und dann plötzlich weiblichen Substantiven wie <em>Nacht</em> mit einem Genitiv-s begegnen.</p>
<p>Mit freundlichen Grüßen</p>
<p>Dr. Bopp</p>
<p>NS: Auch das Adverb <em>nachts</em> (z. B. <em>um drei Uhr nachts</em>) ist ursprünglich eine Analogiebildung zu <em>tags</em>.</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Warum der Python männlich ist</title>
		<link>http://canoo.net/blog/2009/11/11/warum-der-python-mannlich-ist/</link>
		<comments>http://canoo.net/blog/2009/11/11/warum-der-python-mannlich-ist/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 11 Nov 2009 10:39:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Bopp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Wortschatz]]></category>
		<category><![CDATA[Geschlecht]]></category>
		<category><![CDATA[Wortgeschichte]]></category>

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		<description><![CDATA[Frage Warum heißt es der Python und nicht die Python? Antwort Sehr geehrte Frau D., der Python verdankt seinen Namen der von Apollo getöteten Schlange Python. Diese mythologische Figur, die das Orakel in Delphi behütete, ist im Griechischen männlich. Deshalb heißt die Schlange wohl auch im Deutschen offiziell der Python. Vor allem umgangssprachlich ist diese [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Frage</strong></p>
<p>Warum heißt es <em>der</em> Python und nicht <em>die</em> Python?</p>
<p><strong>Antwort</strong></p>
<p>Sehr geehrte Frau D.,</p>
<p>der Python verdankt seinen Namen der von Apollo getöteten Schlange <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Python_(Mythologie)">Python</a>. Diese mythologische Figur, die das Orakel in Delphi behütete, ist im Griechischen männlich. Deshalb heißt die Schlange wohl auch im Deutschen offiziell <a href="http://www.canoo.net/services/Controller?input=Python&amp;MenuId=Search&amp;service=canooNet"><em>der</em> Python</a>.</p>
<p>Vor allem umgangssprachlich ist diese Schlange aber häufig weiblich: <em>die</em> Python. Auch ich muss mir Mühe geben, um <em>„der</em> Python“ zu sagen, denn auch bei mir kommt spontan <em>„</em><em>die</em> Python“ auf. Das liegt daran, dass praktisch alle anderen Schlangenarten wie das Wort <em>„</em>Schlange“ weiblich sind*. Zum Beispiel:</p>
<blockquote><p>die Anakonda, die Boa, die Kobra, die Mamba, die Natter, die Otter (<em>der</em> Otter ist ein ganz anderes Tier!), die Viper</p></blockquote>
<p>Wenn man es aber standardsprachlich ganz richtig machen will, sagt man am besten <em>„</em><em>der</em> Python“.</p>
<p>Mit freundlichen Grüßen</p>
<p>Dr. Bopp</p>
<p>* Ich habe <em>„</em>auf die Schnelle“ nur eine weitere Ausnahme gefunden: <em>der</em> Buschmeister (eine giftige Grubenotternart aus Mittel- und Südamerika). Es ist möglich, dass es noch mehr Ausnahmen gibt.</p>
]]></content:encoded>
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		<slash:comments>4</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Die Ruderin und die Zauberin: ein beliebter Streitfall</title>
		<link>http://canoo.net/blog/2009/10/19/die-ruderin-und-die-zauberin-ein-beliebter-streitfall/</link>
		<comments>http://canoo.net/blog/2009/10/19/die-ruderin-und-die-zauberin-ein-beliebter-streitfall/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 19 Oct 2009 18:36:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Bopp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Wortbildung]]></category>
		<category><![CDATA[Geschlecht]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://canoo.net/blog/?p=1201</guid>
		<description><![CDATA[Wieder einmal ein bliebtes Thema, wenn Deutschsprachige sich über ihre Sprache streiten: Frage Ich diskutiere gerade mit Freunden über die weibliche Form von Bezeichnungen wie Zauberer &#8211; Zauberin, Ruderer &#8211; Ruderin. Meine Freunde behaupten, es müsse Zaubererin und Rudererin heißen, schließlich sage man auch Fahrer &#8211; Fahrerin. Ich weiß zwar, dass ich Recht habe (Zauberin, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wieder einmal ein bliebtes Thema, wenn Deutschsprachige sich über ihre Sprache streiten:<strong></strong></p>
<p><strong>Frage</strong></p>
<p>Ich diskutiere gerade mit Freunden über die weibliche Form von Bezeichnungen wie <em>Zauberer &#8211; Zauberin</em>, <em>Ruderer &#8211; Ruderin.</em> Meine Freunde behaupten, es müsse <em>Zaubererin</em> und <em>Rudererin</em> heißen, schließlich sage man auch <em>Fahrer</em> &#8211; <em>Fahrerin</em>. Ich weiß zwar, dass ich Recht habe (<em>Zauberin</em>, <em>Ruderin</em>), aber ich würde es gern begründen.</p>
<p><strong>Antwort</strong></p>
<p>Sehr geehrte Frau R.,</p>
<p>der Unterschied zwischen <em>Fahrer</em> und <em>Zauberer</em> liegt darin, dass das erste Wort am Schluss nur ein unbetontes <em>er</em> hat, während das zweite auf zwei unbetonte <em>er</em> (-<em>erer</em>) endet. Wenn die weibliche Endung <em>in</em> an ein Wort angehängt wird, das auf unbetontes <em>erer</em> endet, fällt im Standarddeutschen ein <em>er</em> weg (vgl. <a href="http://www.canoo.net/services/WordformationRules/Derivation/To-N/Suffixe/in-dt.html">CanooNet</a>):</p>
<blockquote><p><em>Zauberin</em> (nicht <em>*Zaubererin</em>)<br />
<em>Ruderin</em> (nicht <em>*Rudererin</em>)<br />
<em>Bewunderin</em> (nicht <em>*Bewundererin</em>)<br />
<em>Herausforderin</em> (nicht <em>*Herausfordererin</em>)<br />
usw.</p></blockquote>
<p>Dies ist nicht etwa eine von Grammatikern frei erfundene Regel, die uns Deutschsprechenden das Leben schwer machen soll, sondern ein historisch gewachsenes lautliches Phänomen. Es handelt sich um eine sogenannte <em>Haplologie</em>. Man verzeihe mir bitte diesen Fachausdruck. Mir gefällt das Wort einfach gut. Man spricht von einer Haplologie, wenn zwei gleichlautende Silben zu einer Silbe zusammenfallen. Der Zweck der Übung: Es vereinfacht die Aussprache ungemein.</p>
<p>Bei den männlichen Formen <em>Zauberer</em> und <em>Bewunderer</em> tritt keine Haplologie auf, weil sonst die Bedeutung der Nachsilbe <em>er</em> (jemand, der die Verbhandlung ausübt) wegfällt: <em>Zauber<span style="text-decoration: line-through;">er</span> =&gt; Zauber</em>, <em>Bewunder<span style="text-decoration: line-through;">er</span> =&gt; Bewunder</em>. Tritt nun aber noch eine Silbe hinzu, die wie <em>in</em> angibt, dass es sich um eine „ausübende“ Person handelt, kann die Haplologie zuschlagen, ohne dass Bedeutungselemente verloren gehen: <em>Zauber<span style="text-decoration: line-through;">er</span>in</em>, <em>Bewunder<span style="text-decoration: line-through;">er</span>in</em> =&gt; <em>Zauberin, Bewunderin</em>. Wie bereits gesagt, ist das nicht eine durch Grammatiker ausgetüftelte Spitzfindigkeit, sondern ein lautliches Phänomen, das im Deutschen historisch gewachsen ist. Hätten Grammatiker die Finger im Spiel gehabt, hätte wahrscheinlich diejenige „Logik“ gewonnen, die <em>-ererin</em> vorschreiben würde.</p>
<p>Mit freundlichen Grüßen</p>
<p>Dr. Bopp</p>
<p>NS: Wenn das Wort <em>Hap<strong>lolo</strong>gie</em> dem Phänomen unterliegen würde, das es beschreibt, würde es <em>Hap<strong>lo</strong>gie</em> heißen. Es ist sozusagen ein Fachwort mit eingebauter Eselsbrücke.</p>
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		<title>Männliche Autos und weibliche Motorräder</title>
		<link>http://canoo.net/blog/2009/09/28/mannliche-autos-und-weibliche-motorrader/</link>
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		<pubDate>Mon, 28 Sep 2009 21:32:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Bopp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Grammatik]]></category>
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		<description><![CDATA[Frage Mich irritiert eine Sache ganz gewaltig: Wenn ich ein Auto z. B. der Marke BMW besitze, sage ich: „Ich fahre einen BMW.“ Habe ich aber ein BMW-Motorrad, sage ich: „Ich fahre eine BMW.“ Da sowohl das Motorrad als auch das Auto sächlich sind, muss der Ursprung für diese Ausdrucksweise ja zum Beispiel von Synonymen (welchen?) [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Frage</strong></p>
<p>Mich irritiert eine Sache ganz gewaltig: Wenn ich ein Auto z. B. der Marke BMW besitze, sage ich: „Ich fahre <em>einen</em> BMW.“ Habe ich aber ein BMW-Motorrad, sage ich: „Ich fahre <em>eine</em> BMW.“ Da sowohl das Motorrad als auch das Auto sächlich sind, muss der Ursprung für diese Ausdrucksweise ja zum Beispiel von Synonymen (welchen?) oder aber von importierten Möglichkeiten anderer Sprachen entstanden sein?</p>
<p><strong>Antwort</strong></p>
<p>Sehr geehrte Frau H.,</p>
<p>bis auf wenige Ausnahmen sind Autos männlich und Motorräder weiblich. Zum Beispiel:</p>
<blockquote><p>Autos:<br />
der Alfa Romeo<br />
der Audi<br />
der Citroën<br />
der Honda</p></blockquote>
<blockquote><p>Motorräder:<br />
die Ducati<br />
die Honda<br />
die Harley<br />
die Kawasaki</p></blockquote>
<p>Den genauen Grund für die Wahl des männlichen und weiblichen Artikels kann ich nicht mir Sicherheit angeben. Es ist aber sehr wahrscheinlich, dass bei den Autos das männliche Wort <em>der Wagen</em> und bei den Motorrädern das weibliche Wort <em>die Maschine</em> eine entscheidende Rolle gespielt haben. Aber warum nicht einfach <em>das</em>? Hier muss ich raten: <em>Wagen</em> klingt eben vornehmer und teurer als <em>Auto</em> und <em>Maschine</em> macht einen schnelleren und sportlicheren Eindruck als <em>Motorrad</em>. Motorfahrzeuge haben ja für viele von uns nicht nur die Funktion, einen von A nach B zu bringen.</p>
<p>Den Einfluss anderer Sprachen kann man eigentlich ausschließen. Die heute einflussreichste Fremdsprache, das Englische, kennt ja außer bei Personen kein Wortgeschlecht. Ihre Vorgänger in Sachen Einfluss, das Französische und zum Teil auch das Italienische, können auch nicht „schuld“ sein. Aus Frankreich und Italien kommen zwar viele Autos, aber dort sind sie weiblich: <em>la Renault, une Peugeot; la Fiat, una Ferrari</em>. Grammatische Einflüsse dieser Art aus dem Japanischen und Koreanischen, also aus Sprachen weiterer Autoländer, kommen wohl ebenfalls nicht in Frage. Diese Sprachen sind dafür nicht nur geographisch etwas zu weit entfernt.</p>
<p>Mit freundlichen Grüßen</p>
<p>Dr. Bopp</p>
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		<title>Autos als Lebensinhalt und Deutschland als Weltmeisterin</title>
		<link>http://canoo.net/blog/2009/09/15/autos-als-lebensinhalt-und-deutschland-als-weltmeisterin/</link>
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		<pubDate>Tue, 15 Sep 2009 10:13:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Bopp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Grammatik]]></category>
		<category><![CDATA[Geschlecht]]></category>
		<category><![CDATA[Kongruenz]]></category>
		<category><![CDATA[Verbergänzung]]></category>
		<category><![CDATA[Werbung]]></category>

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		<description><![CDATA[Es geht hier nicht um die Frage, ob die Deutschen ihr Auto mehr lieben als der Rest der Welt. Frage Wie erklärt der Sprachwissenschafler das Besondere folgender Opel-Werbung: „Wir leben Autos“ (FAS 13.9.09)? Wodurch entsteht grammatikalisch die Wirkung? Und wie ist es bei der folgenden Mercedes-Werbung: „Deutschland ist Weltmeisterin“ (FAZ 12.9.09)? Antwort Sehr geehrter Herr [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es geht hier <strong>nicht</strong> um die Frage, ob die Deutschen ihr Auto mehr lieben als der Rest der Welt.</p>
<p><strong>Frage</strong></p>
<p>Wie erklärt der Sprachwissenschafler das Besondere folgender Opel-Werbung: „Wir leben Autos“ (FAS 13.9.09)? Wodurch entsteht grammatikalisch die Wirkung? Und wie ist es bei der folgenden Mercedes-Werbung: „Deutschland ist Weltmeisterin“ (FAZ 12.9.09)?</p>
<p><strong>Antwort</strong></p>
<p>Sehr geehrter Herr L.,</p>
<p>beide Werbesprüche haben das wichtigste Ziel erreicht: Sie fallen auf. Das beweisen nur schon Ihre Frage und meine Antwort. Doch wie fallen Sie auf? Am besten fällt man auf, indem man abweicht. In beiden Werbeslogans steht eine Formulierung, die vom normalen Sprachgebrauch abweicht.</p>
<p><em>Wir leben Autos</em></p>
<p>In der Opelwerbung fällt die Verwendung des Wortes <em>Autos</em> als Akkusativobjekt bei <em>leben</em> auf. Normalerweise sagt man einfach <em>leben</em>, <em>gut leben, an einem Ort leben</em>, <em>für etwas leben</em>, <em>von etwas leben</em>, <em>mit etwas leben</em> usw. usw. Man sagt praktisch nie <em>etwas leben</em>. Dies ist nur üblich, wenn es um Begriffe geht, die man durchleben, vorleben oder im Leben praktizieren kann. Zum Beispiel:<em> ein einfaches Leben leben, Demokratie leben, seinen Glauben leben, seine eigene Geschichte leben</em> u. Ä. Es geht also um abstrakte Begriffe. Autos hingegen sind konkrete Dinge, die man im Prinzip nicht leben kann. Durch den Werbeslogan wird etwas Konkretes wie Autos zu etwas Abstraktem, zu so etwas wie einer Weltanschauung, einem Lebensinhalt. Das fällt auf.</p>
<p><em>Deutschland ist Weltmeisterin</em></p>
<p>Der Mercedes-Slogan knüpft an den Weltmeistertitel der deutschen Fußballfrauen an. Mercedes-Benz war ja der Generalsponsor der deutschen Frauen-Fußballnationalelf. Hier fällt auf, dass die weibliche Form <em>Weltmeisterin</em> sich auf <em>Deutschland</em> bezieht. Man kann sich zwar mit weiblichen Personenbezeichnungen auf eine Sache, Institution usw. beziehen, aber das ist nur dann möglich, wenn es sich um ein weibliches Wort handelt:</p>
<blockquote><p>Antragstellerin ist die Universität<br />
Die Firma AX ist Lieferantin des Produktes.</p></blockquote>
<p>Bei männlichen und sächlichen Wörtern ist dies im Prinzip nicht möglich. Trotzdem bezieht sich im Mercedes-Slogan die weibliche Personenbezeichnung <em>Weltmeisterin</em> auf das sächliche Wort <em>Deutschland</em>. Obwohl es Frauen waren, die den Weltmeister(innen)titel errungen haben, ist das grammatisch gesehen eigentlich falsch und fällt deshalb entsprechend auf.</p>
<p>Sehen Sie hierzu auch <a href="http://canoo.net/blog/2008/05/22/die-universitat-als-antragsteller-oder-antragstellerin/">diesen</a> und <a href="http://canoo.net/blog/2008/09/26/die-polizei-deine-freundin-und-helferin/">diesen</a> älteren Blogeintrag.</p>
<p>Werbesprüche können also mit Hilfe „grammatischer Vergehen“ auffallen und dadurch wirkungsvoll sein. Bei Opel und Mercedes hat das jedenfalls insofern gut funktioniert, dass die Markennamen einige Male in diesem Blog genannt werden &#8230;</p>
<p>Mit freundlichen Grüßen</p>
<p>Dr. Bopp</p>
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