Die Bindestriche-sind-besser-Haltung oder die „Leerzeichen gehen auch“-Einstellung

Frage

Ich habe eine Übersetzung mit folgendem Satz vorliegen:

Du wirst nicht diese schwache „Ich-bin-nur-Durchschnitt“-Mentalität haben.

Es geht mir um „Ich-bin-nur-Durchschnitt“-Mentalität (im engl. Orig.: “I’m just average” mentality; “mentality” steht nicht in Anführungszeichen). Aus meiner Sicht ist die Koppelung des Ausdrucks mit Bindestrichen zusammen mit der Verwendung von Anführungszeichen falsch oder zumindest redundant. Ich würde die Bindestriche entfernen und die Phrase in Anführungszeichen an „Mentalität“ anbinden, also: „Ich bin nur Durchschnitt“-Mentalität schreiben. Ist das aus Ihrer Sicht korrekt? […]

Antwort

Guten Tag T.,

die folgenden Schreibweisen kommen in Fällen wie diesen häufig vor:

a) die Ich-bin-nur-Durchschnitt-Mentalität
b) die „Ich bin nur Durchschnitt“-Mentalität

Ich würde Ihnen a), das heißt die Variante mit Bindestrichen und ohne Anführungszeichen empfehlen. Da man im Englischen hier in der Regel nicht durchkoppelt, können die Anführungszeichen dort dazu beitragen, die Mehrwortgruppe innerhalb des Textes als eine Einheit zusammenzuhalten. Das liest sich etwas einfacher. Die Anführungszeichen sind im Deutschen dank der bei Komposita mit Mehrwortgruppen üblichen Durchkoppelung für das Verständnis oder die Verdeutlichung der Zusammensetzung eigentlich nicht notwendig. Sie können besser weggelassen werden.

Weitere Beispiele im Deutschen:

die Ohne-mich-Mentalität
eine Mir-ist-alles-egal-Haltung
die Nach-mir-die-Sintflut-Einstellung

Wenn Sie gar nicht auf die Anführungszeichen verzichten wollen oder können, ist b) üblich. Diese Schreibweise ist allerdings nicht in der amtlichen Rechtschreibregelung vorgesehen und nicht unumstritten. Ich halte die Verwendung von Leerzeichen innerhalb einer Zusammensetzung für keine gute, lesefreundliche Lösung, auch wenn sie die Dudenredaktion hier für vertretbar hält (Duden, Richtiges und Gutes Deutsch, Stichwort „Bindestrich“).

Ich habe hier eben mehr eine Bindestriche-sind-besser-Haltung als eine „Leerzeichen gehen auch“-Einstellung.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

PS: Die Variante, die Ihnen vorliegt, „Ich-bin-nur-Durchschnitt“-Mentalität, scheint weniger häufig vorzukommen. Sie ist etwas gar viel des Guten, wenn es um die Satzzeichen geht, aber nach meiner Einschätzung nicht grundsätzlich ausgeschlossen. Ich würde sie allerdings nicht verwenden.

Kommentare

Nicht kostenpflichtige und nichtkostenpflichtige Sprachdienste

Frage

Ich lese gerade eine Bachelorarbeit und bin mir wegen des Bindestrichs nach „nicht“ unsicher. Ich würde es so schreiben: „Der zweite Absatz behandelt die nicht-funkbasierten Systeme.“ Ist der Bindestrich korrekt?

Antwort

Sehr geehrte Frau D.,

es ist eigentlich ganz einfach: Verbindungen von nicht und einem Adjektiv werden entweder zusammen- oder getrennt geschrieben (vgl. hier). Beides ist korrekt. Richtig sind also diese beiden Schreibungen:

die nichtfunkbasierten Systeme
die nicht funkbasierten Systeme

Ebenso zum Beispiel:

ein nichteheliches / nicht eheliches Kind
nichtrostender / nicht rostender Stahl
die nichtkostenpflichtige / nicht kostenpflichtige Dienstleistung
Bitte Nichtzutreffendes / nicht Zutreffendes streichen

Die  Schreibung mit Bindestrich (die nicht-funkbasierte Systeme) kommt zwar häufig vor, sie ist in der amtlichen Rechtschreibregelung (§ 36 2.3) aber nicht vorgesehen.

Wann verwendet man welche Variante? Das liegt ganz in Ihrem Ermessen. Im Prinzip gibt es nur einen kleinen Unterschied: Bei der zusammengeschriebenen Variante liegt die Hauptbetonung der Verbindung auf nicht. Dabei wird nachdrücklicher angegeben, dass es sich um ein feste Verbindung handelt. Bei der getrennt geschriebenen Variante liegt die Betonung stärker auf dem Adjektiv:

die níchtfunkbasierten / nicht fúnkbasierten Systeme
níchtrostender / nicht róstender Stahl
Níchtzutreffendes / nicht Zútreffendes streichen

Da häufig beide Betonungen möglich sind und der Betonungsunterschied keinen wesentlichen Bedeutungsunterschied mit sich bringt, sind jeweils beide Schreibungen möglich.

Die Zusammenschreibung ist natürlich nur dann möglich, wenn nicht nur das Adjektiv und nicht eine größere Wortgruppe oder den ganzen Satz verneint. Also nur getrennt:

Wir sind nicht ausreichend informiert worden.
Der Garten ist nicht öffentlich zugänglich.

Ich hoffe, dass Sie mit dieser Antwort und mit unseren nichtkostenpflichtigen / nicht kostenpflichtigen Sprachdiensten zufrieden sind.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Keynotespeaker, Keynote-Speaker, Keynote Speaker und andere Zusammensetzungen aus dem Englischen

Ein immer wiederkehrendes Problem sind die zusammengesetzten Fremdwörter, insbesondere aus dem Englischen. Da sich die Ursprungssprache und das Deutsche bei den Regeln und Gebräuchen im Bereich der Zusammen-, Getrennt- und Bindestrichschreibung zum Teil beträchtlich unterscheiden, kommt es regelmäßig zu Zweifeln. Im Folgenden wird nicht dargestellt, was häufig vorkommt oder u. a. in Fachsprachen üblich ist, sondern „nur“, wie man nach der amtlichen Regelung vorgehen sollte. Wundern Sie sich also bitte nicht, wenn Sie in Ihren Augen ungewohnte Schreibungen antreffen!

Frage

Gibt es für die Zusammenschreibung von englischen Fremdwörtern Regeln? Wenn das Wort aus einem Verb und einem Partikel besteht, ist der Bindestrich vorzuziehen, sagt der Duden (vgl. Know-how). Wie sieht es aber bei einer Zusammensetzung von Substantiv und Substantiv bzw. Adjektiv und Substantiv aus (Keynote Speaker, Best Practice)?

Antwort

Sehr geehrte Frau W.,

wenn Sie zusammengesetzte Fremdwörter aus dem Englischen ins Deutsche integrieren, gilt im Prinzip wie bei einheimischen Zusammensetzung die Zusammenschreibung. So weit wäre es eigentlich ganz einfach. Doch dann kommen natürlich wieder einmal die Ausnahmen:

Bei Zusammensetzungen Substantiv + Substantiv ist neben a) der Zusammenschreibung auch b) der verdeutlichende Bindestrich möglich. Die ebenfalls häufig vorkommende c) Getrenntschreibung ist nach der amtlichen Rechtschreibregelung nicht korrekt (außer bei direkten Zitaten aus der Fremdsprache, z. B. „keynote speaker“):

  1. Keynotespeaker, Taskforce, Junkfood, Realityshow
  2. Keynote-Speaker, Task-Force, Junk-Food, Reality-Show
  3. Keynote Speaker, Task Force, Junk Food, Reality Show (NB: nach amtl. Regelung nicht korrekt)

Bei Zusammensetzungen Adjektiv + Substantiv ist a) die Zusammenschreibung möglich, wenn die Hauptbetonung der Verbindung auf dem Adjektiv liegt. Daneben ist auch b) die Getrenntschreibung möglich, die für alle anderen Adjektiv-Substantiv-Verbindungen aus dem Englischen verbindlich ist:

  1. Smalltalk, Shortstory, Coldcream
  2. Small Talk, Short Story, Cold Cream; Best Practice, Electronic Banking, Direct Mailing

Bei Verb-Partikel-Verbindungen ist neben a) der Zusammenschreibung ebenfalls b) die Schreibung mit Bindestrich möglich. Der Bindestrich ist vorzuziehen, wenn die Zusammenschreibung die Lesbarkeit beeinträchtigen würde. (Eine Duden-Empfehlung ist übrigens nicht weniger und nicht mehr als eine unverbindliche Empfehlung der Duden-Redaktion.)

  1. Knowhow, Backup, Burnout, Stopover
  2. Know-how, Back-up, Burn-out, Stop-over; Make-up, Go-in

Das sind nur die wichtigsten Stolpersteine bei der Schreibung von Fremdwörtern. Auf dieser Seite in Canoonet finden Sie Links auf die Regeln, weitere Informationen und Beispiele.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Dahin und dorthin oder da hin und dort hin?

Frage

Ich habe eine Frage die mich schon länger beschäftigt. Es geht um das Wort „dahin“. Schreibt man „Kannst du die Vase dahin stellen“ oder „Kannst du die Vase da hinstellen“?

Antwort

Guten Tag,

wenn Sie sich in gepflegtem schriftlichem Standarddeutsch ausdrücken wollen oder müssen, schreiben Sie am besten

Du kannst die Vase dahin stellen.

Ihr Zweifel kommt wahrscheinlich daher, dass dahin und dorthin mit der örtlichen Bedeutung an diesen/jenen Ort umgangssprachlich sehr häufig getrennt verwendet werden:

Da kannst du die Vase nicht hinstellen.
Du solltest sie dort nicht hinstellen.
Da musst du unbedingt einmal hinfahren.
Kein Zug und kein Bus fährt dort heute noch hin.

Standardsprachlich sollten dahin und dorthin hier nicht getrennt verwendet werden:

Dahin kannst du die Vase nicht stellen.
Du solltest sie nicht dorthin stellen.
Dahin musst du unbedingt einmal fahren.
Kein Zug und kein Bus fährt heute noch dorthin.

Entsprechend schreiben Sie also besser die Vase dahin stellen als die Vase da hinstellen. Etwas ganz Ähnliches gilt übrigens auch für die Fragewörter woher und wohin (siehe hier).

Für den Fall, dass Sie sich nun wundern, dass diese Formen als „falsch“ gelten, sei das Folgende gesagt: Sie sind nicht wirklich falsch. In der gesprochenen Alltagssprache kommen sie zum Teil so häufig vor, dass man sie als zur Grammatik des gesprochenen Alltagsdeutschen gehörend betrachten sollte. Auch in der geschriebenen Sprache kommen sie regelmäßig vor, so dass es wahrscheinlich nur noch eine Frage der Zeit ist, bis dieser Artikel – mehr als jetzt schon – nur noch ein stilistischer Hinweis ist. Ob und wann es so weit kommt, möchte ich dahingestellt sein lassen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

PS: Mehr zur Schreibung von dahin in Verbindung mit Verben finden Sie hier.

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Solange oder so lange vor Vorrat?

Frage

Heißt es „solange Vorrat“ oder „so lange Vorrat“?

Antwort

Sehr geehrter Herr M.,

üblich und richtig ist hier die Zusammenschreibung:

solange Vorrat

Es ist eine Verkürzung von zum Beispiel:

Das Angebot gilt, solange der Vorrat reicht.

Das Wörtchen solange leitet hier einen Nebensatz ein und muss deshalb zusammengeschrieben werden (vgl. hier).

Die Schreibung so lange Vorrat ist nicht üblich, aber theoretisch nicht völlig abwegig. Man könnte die verkürzte Wendung nämlich auch wie folgt auflösen:

Das Angebot gilt so lange, wie der Vorrat reicht.

Hier leitet so lange keinen Nebensatz ein und wird deshalb getrennt geschrieben. Das Komma, das in der langen Version zwischen so lange und Vorrat steht, spricht aber eher gegen eine solche Interpretation.

Apropos Komma, eine Frage zur meistens ohne Komma geschriebenen Wendung

Nur solange Vorrat

habe ich vor einiger Zeit (hier) beantwortet.

Bevor Sie nun dazu übergehen, eine große Werbekampagne mit „Solange Vorrat“ zu starten, sollten Sie sich vergewissern, ob dies rechtlich auch in Ordnung ist. Wenn der Vorrat nämlich gar klein ist, kann ein solches Angebot selbst mit orthografisch korrekt geschriebenem solange als unerlaubtes Lockvogelangebot gelten.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Stellt man etwas wieder her oder wiederher?

Frage

Ich habe einmal eine Frage zu dem Wort „wiederherstellen“ wie beispielsweise im Satz:

So stellt man den alten Zustand wieder her / wiederher.

Da sehen Sie auch schon das Dilemma: Eine Korrekturleserin meinte, das „wiederher“ werde in diesem Fall zusammengeschrieben und der Duden bestätigt diese Aussage sogar. Ich finde diese Schreibweise jedoch sehr ungewöhnlich und möchte behaupten, das in dieser Form noch nie gesehen zu haben […]. Haben Sie eine Erklärung?

Antwort

Sehr geehrte Frau B.,

Sie haben recht. Die korrekte Schreibweise ist:

So stellt man den alten Zustand wieder her.

Siehe zum Beispiel hier (weit unten auf der Seite), hier und hier.

Das Verb wiederherstellen gehört zu den wenigen Verben, bei denen ein abtrennbarer Verbteil vor einem bereits trennbaren Verb steht (wieder+herstellen). Weitere Beispiele sind:

wiederaufbauen, wiederaufnehmen, wiedereinstellen, wiedergutmachen, miteinbeziehen u.a.m.

Das Besondere an diesen „doppelt trennbaren“ Verben ist, dass sie im Hauptsatz nicht wie gewöhnliche trennbare Verben in zwei, sondern in drei Teile auseinanderfallen:

Man stellt den alten Zustand wieder her. (nicht *wiederher)
Sie bauten das Haus wieder auf. (nicht *wiederauf)
Wie mache ich das nur wieder gut? (nicht *wiedergut)
Beziehen Sie das in Ihre Überlegungen mit ein! (nicht *mitein)

Die meisten von uns schreiben diese Formen spontan richtig. Man begegnet ihnen aber dennoch hin und wieder, insbesondere in automatisch erzeugten Konjugationstabellen. Im Allgemeinen sind deutsche Verben in dieser Hinsicht entweder einteilig (wiederholen – ich wiederhole) oder zweiteilig (wiederkehren – ich kehre wieder). Die meisten Programme können damit problemlos umgehen. Einige von ihnen „stolpern“ aber über diese dreiteiligen Verben (wiederherstellen – ich stelle wieder her), weil sie im Programm nicht vorgesehen sind, und behandeln sie fälschlich gleich wie die zweiteiligen Verben (*ich stelle wiederher).

Ich vermute, dass im Wörterbuch, das Sie in Ihrer Frage erwähnen, ein ähnlicher Fehler passiert ist. Man findet dort in der Konjugationstabelle des Verbs wiederherstellen tatsächlich die Form ich stelle wiederher. Dasselbe Wörterbuch gibt dann aber bei zum Beispiel wiederherrichten in der Tabelle korrekt ich richte wieder her an. Fehler können überall vorkommen (auch bei uns …).

Ich hoffe, dass das Vertrauen in Ihr Schreibgefühl durch diese Antwort gänzlich wiederhergestellt ist.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Wiedersehen und wieder sprechen

Eine kleine orthografische Spitzfindigkeit:

Frage

Wie würden Sie schreiben:

Ich möchte dich wiedersehen und sprechen.

Gemeint ist „dich wiedersehen“ und „dich wieder sprechen“. Was muss da wie zusammen- bzw. getrennt geschrieben werden?

Antwort

Sehr geehrter Herr T.,

je nach Betonung schreiben Sie:

a) Ich möchte dich wiedersehen und wieder sprechen.
b) Ich möchte dich wieder sehen und [wieder] sprechen.

Man schreibt wiedersehen zusammen, wenn die Hauptbetonung auf der ersten Silbe liegt. Man schreibt getrennt, wenn die Hauptbetonung auf dem Verb liegt:

wiedersehen (wieder treffen)
wieder sehen (noch einmal sehen; aufs Neue sehen)

Je nach Kontext ist der Bedeutungsunterschied groß (eine blinde Person, die wieder sieht) oder kaum merkbar (eine Person, die man gerne wieder sieht/wiedersieht). In Ihrem Beispiel gibt es nach meinem Empfinden keinen großen Bedeutungsunterschied.

Weil es kein zusammengeschriebenes bzw. auf der ersten Silbe betontes wiedersprechen gibt, kann nicht zusammengezogen werden, wenn das erste Verb wiedersehen ist. Das wieder muss dann wiederholt werden (a). Wenn das erste Verb wieder sehen ist, kann das zweite, ebenfalls weniger betonte wieder wegfallen [aber es muss nicht weggelassen werden] (b). Beide Varianten sind ohne wesentlichen Bedeutungsunterschied möglich.

Ihre Lösung ist übrigens nicht falsch, hat aber genau genommen eine leicht andere Bedeutung:

c) Ich möchte dich wiedersehen und sprechen.

Damit wünschen Sie, jemanden wiederzusehen und diese Person zu sprechen, nicht aber wie in a) und b) sie wieder zu sprechen. Der Unterschied ist aber in den meisten Fällen nicht wirklich weltbewegend groß.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Aufs Substantivierte-Infinitive-mit-vielen-Ergänzungen-Verwenden verzichten

Frage

Immer wieder lese ich Sätze wie der folgende: „Kinder unterhalten sich beim Bücher anschauen“. Es kann doch nicht richtig sein, dass „anschauen“ kleingeschrieben wird, da es hier „beim“, also „bei dem Anschauen“, heißt.

Antwort

Sehr geehrte Frau L.,

es ist tatsächlich nicht richtig, dass anschauen hier kleingeschrieben wird. Richtig ist nämlich diese Schreibung:

Kinder unterhalten sich beim Bücheranschauen.

Substantivierte Infinitive schreibt man groß:

beim Lesen
das Ärgern
das Sagen
zum Essen
freiwilliges Aufräumen

Wenn sie um eine Ergänzung erweitert sind, schreibt man alles zusammen und groß:

beim Bücherlesen
das Sichärgern
Danke fürs Bescheidsagen
zum Selbstessen
freiwilliges Zimmeraufräumen

Die entsprechende Rechtschreibregel finden Sie hier.

Bei mehr als einer Ergänzung verwendet man in der Regel Bindestriche:

beim Zusammen-Bücher-Anschauen
das Gefühl des Mit-dem-Rücken-zur-Wand-Stehens
das So-richtig-ausgiebig-in-der-Nase-Bohren

Mehr dazu hier.

Die letzten Beispiele zeigen, dass es oft lesefreundlicher und stilistisch viel besser ist, wenn man solche erweiterten Infinitive vermeidet und anders formuliert. Man kann also besser auf das Substanitivierte-Infinitive-mit-vielen-Ergänzungen-Verwenden verzichten.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Allerlei zu entgegen

Frage

Im Lied „Über den Wolken“ von Reinhard Mey steht der Satz:

Wie ein Schleier staubt der Regen, / bis sie abhebt und sie schwebt / der Sonne entgegen.

Ich wurde nun gefragt in welchem Fall „der Sonne entgegen“ steht. Meiner Meinung nach ist es der Dativ und „entgegen“ ist ein Adverb. Ist das richtig oder ist es der Genitiv?

Antwort

Guten Tag K.,

Sie haben recht: In sie schwebt der Sonne entgegen ist der Sonne ein Dativ. Bei entgegen steht immer der Dativ.

Als Präposition (Bedeutung: im Gegensatz zu, im Widerspruch zu) verlangt entgegen den Dativ:

Entgegen allen Erwartungen haben sie das Spiel gewonnen.
Wir fahren entgegen eurem Rat heute noch weg.

Auch nachgestellt:

Allen Erwartungen entgegen haben sie das Spiel gewonnen.
Wir fahren eurem Rat entgegen heute noch weg.

Auch wenn es adverbiell verwendet wird (Bedeutung: in Richtung auf etwas zu), steht bei entgegen der Dativ:

Dem Wind entgegen!
Neuen Abenteuern entgegen!

In Verbindung mit einem einfachen Verb gilt dieses entgegen als Verbzusatz, das heißt, es wird ggf. mit dem Verb zusammengeschrieben:

der Sonne entgegenschweben
dem Himmel entgegenfliegen
Ich will euch gerne entgegenkommen.
das wichtige Fußballspiel, dem du seit Tagen entgegenfieberst

Mehr zu entgegen finden Sie zum Beispiel hier und hier. Und zu guter Letzt sei noch dies erwähnt: Im Standarddeutschen steht entgegen nicht mit dem Genitiv. Es heißt also nicht:

*entgegen des Uhrzeigersinns
*entgegen ihres Willens

sondern:

entgegen dem Uhrzeigersinn
entgegen ihrem Willen
oder
dem Uhrzeigersinn entgegen
ihrem Willen entgegen

Ich konnte es einfach nicht lassen, hier kurz den Auffassungen gewisser übereifriger Genitivanhänger und –anhängerinnen entgegenzutreten.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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10-Prozent-Anteil und 10-Euro-Schein mit % und €

Frage

Wie sind Wortbildungen mit Sonderzeichen wie „die 30°C-Marke“ oder „der 10%-Anteil“ oder „der 10€-Schein“ korrekt zu schreiben? Und lassen sich solche Bildungen auch ausschreiben? Also: „die Dreißiggradcelsiusmarke“?

Antwort

Sehr geehrte Frau S.,

es gibt verschiedene Möglichkeiten, solche Bildungen zu schreiben. So können sie ganz in Worten oder mit einer Ziffer geschrieben werden:

Dreißig-Grad-Celsius-Marke
30-Grad-Celsisus-Marke
(Dreißiggradcelsiusmarke ist möglich, aber nicht sehr gut lesbar)

Zehnprozentanteil
10-Prozent-Anteil

Zehneuroschein
10-Euro-Schein

Vgl. hier und hier.

Komplizierter wird es, wenn die Maßeinheit mit einer Abkürzung wiedergegeben wird. Es wird zwar sehr(!) häufig anders geschrieben, aber man sollte auch dann Bindestriche zwischen allen Teilen der Zusammensetzung verwenden (siehe hier):

100-g-Beutel
10-km-Lauf

Und nun kommen wir endlich zu Ihrer eigentlichen Frage: Es gibt keine feste Regel mehr, wenn nicht Buchstaben und Ziffern, sondern Sonderzeichen und Symbole in einer Zusammensetzung vorkommen. Die Rechtschreibregelung macht nämlich keine Angaben dazu. Es gibt drei mögliche Schreibweisen, von denen ich keine als wirklich falsch bezeichnen würde:

30° C-Marke* 30°C-Marke 30°-C-Marke*
10 %-Anteil 10%-Anteil 10-%-Anteil
10 €-Schein 10€-Schein 10-€-Schein
1 £-Note 1£-Note 1-£-Note

Beim Prozentzeichen empfehlen die Wörterbücher die Schreibung mit einem (geschützten, schmalen) Leerzeichen zwischen Ziffer und %: 10 %-Anteil. Zu den anderen Symbolen machen sie keine Angaben.

Weiter ist noch zu bemerken, dass beim Eurozeichen die Schreibung mit einem Leerzeichen zu Missverständnissen führen kann:

10 €-Scheine = Zehn-Euro-Scheine oder zehn Euroscheine

10 €-Scheine

Es gibt also keine einfache, allgemein verbindliche und alle Fälle abdeckende Regel. Alles in allem würde ich deshalb empfehlen, wenn möglich in Zusammensetzungen keine Sonderzeichen zu verwenden:

30-Grad-Celsius-Marke
10-Prozent-Anteil
10-Euro-Schein
1-Pfund-Note

Diese Wörter lassen sich problemlos schreiben, sind gut lesbar und nicht furchtbar viel länger als die Varianten mit Symbolen und Sonderzeichen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

* Fachsprachlich auch 30 °C-Marke, 30-°C-Marke; vgl. hier.

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