Die Erstbeste und der erste Beste

Frage

Wie schreibt man richtig?

Sie glauben doch nicht, dass wir für diese Sache den Erstbesten anheuern.
Sie glauben doch nicht, dass wir für diese Sache den erstbesten anheuern.

Antwort

Guten Tag J.,

richtig ist hier die Großschreibung:

Sie glauben doch nicht, dass wir für diese Sache den Erstbesten anheuern!

Das Adjektiv erstbeste wird genau gleich wie beste und andere Adjektive behandelt. Wenn es vor einem Substantiv steht, schreibt man es klein:

Was wäre gewesen, wenn Eva nur ein wenig nachgedacht hätte, statt die Ratschläge des erstbesten Reptils zu befolgen.1
Manche hängen ihre Fahnen nach dem erstbesten Wind.2

Wenn erstbeste allein steht, sich aber auf ein vorhergehendes oder nachfolgendes Substantiv bezieht, schreibt man ebenfalls klein, zum Beispiel in diesem unter anderem von Immobilienhändlern verwendeten „Motto“:

Besser die beste Lage als die erstbeste!

Großgeschrieben wird dann, wenn erstbeste als substantiviertes Adjektiv verwendet wird:

Wir fragten den Erstbesten, dem wir auf der Straße begegneten.
Lass dich doch nicht gleich mit der Erstbesten ein!
Titanic – Das endgültige Satirebuch: Das Erstbeste aus 30 Jahren3

Man kann statt erstbeste auch erste beste verwenden. Dann sieht es mit der Groß- und Kleinschreibung wie folgt aus:

Das Mädchen heiratet aus Ärger den ersten besten Mann, der ihr in den Weg gelaufen4

Lieber die beste Lösung als die erste beste!

Wir fragten den ersten Besten, dem wir auf der Straße begegneten.
Verlieb die nicht gleich in die erste Beste!

Den schrecklichen Witz über die Mutter, die ihrer schwangeren Tochter vorwirft, mit dem Erstbesten das Bett geteilt zu haben, worauf diese erwidert, es sei weder der Erste noch der Beste gewesen, erwähne ich hier nur deshalb, weil er mir jedes Mal unweigerlich in den Sinn kommt, wenn es um das Wort erstbeste geht.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

1 Anne Weber, Im Anfang war, Frankfurt 2000, Suhrkamp Verlag, S. 7
2 Tomte, Das hier ist Fußball, Album: Ich sang die ganze Zeit von dir, Grand Hotel van Cleef, 2006
3 Peter Knorr, Oliver Maria Schmitt, Martin Sonneborn, Mark-Stefan Tietze, (Hg.) u.a., Titanic – Das endgültige Satirebuch: Das Erstbeste aus 30 Jahren, Rowohlt Verlag, 2009
4 Heinrich Heine, Ein Jüngling liebt ein Mädchen, in: Buch der Lieder, 1827

Kommentare

Feiertagswünsche und Kleinbuchstaben

Gehören Sie zu den Menschen, die auch in E-Mails, SMS, Facebookeinträgen, Tweets und anderen digitalen Mitteilungen noch die Groß- und Kleinschreibung berücksichtigen? Oder verschicken Sie vielleicht sogar noch „analoge“ Feiertagswünsche in Form von Karten, die mit so altertümlichen Dingen wie Mit-der-Hand-Schreiben, Umschlag, Briefmarke und einem Gang zum Briefkasten verbunden sind? Dann ist der folgende, alljährlich wiederkehrende Hinweis wahrscheinlich nicht neu für Sie:

In Feiertagswünschen sollte man Adjektive wie frohe, fröhliche, gesegnete, gutes, neues usw. außer am Zeilenanfang kleinschreiben. Zum Beispiel:

Wir wünschen Ihnen frohe Weihnachen und ein glückliches neues Jahr.

Mehr dazu finden Sie in diesem älteren Blogeintrag.

Für digitale Wünsche kommt der Hinweis etwas früh, aber wenn Sie sie handschriftlich auf Papier verschicken möchten, sollten Sie bedenken, dass heute der dritte Advent ist – und in vierzehn Tagen Weihnachten!

Eine weiterhin schöne Adventszeit wünscht Ihnen

Dr. Bopp

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Wer am besten am Lachen ist

Frage

Es ist zwar kein gutes Deutsch, aber wenn man schreibt: „Wir waren heute nur am lachen“, schreibt man „lachen“ groß oder klein? Ich hätte es instinktiv kleingeschrieben, weil es ja eine Tätigkeit ist. Aber dann hieß es, am sei eine Präposition und dann werde „lachen“ großgeschrieben. Jetzt bin ich total verwirrt. Laut Regeln schreibt man Verben, vor denen eine Präposition steht, groß, aber ergibt das einen Sinn? „Wir waren heute nur an dem Lachen?“ Wenn man schreibt: „Ich habe ihn am Lachen erkannt“, das ergibt Sinn. Ich hoffe nun, dass ich mit dieser Frage nicht zur Lachnummer Nr. 1 in ihrem Blog geworden bin .

Antwort

Sehr geehrter Herr M.,

man schreibt in diesem Fall tatsächlich groß:

Wir waren am Lachen.

Ebenso zum Beispiel:

Das ist zum Lachen.
Sie ist beim Lachen beinah erstickt.
Seid ihr fertig mit Lachen?
Haben Sie sich vom Lachen erholt?

Siehe hier und hier.

Ihre Frage ist aber keineswegs eine Lachnummer. Es gibt auch Gründe, die für die Kleinschreibung sprechen. Die Wendung am Lachen sein ist standardsprachlich noch nicht vollständig akzeptiert. Sie ist eine Art Zeitform des Verbs, wie es sie zum Beispiel im Englischen gibt:

we are laughing = wir sind am Lachen

Man nennt diese Form u. a. die rheinische Verlaufsform, weil sie angeblich vor allem am Rhein gebräuchlich ist. Sie kommt aber auch andernorts immer häufiger vor und breitet sich im heutigen Deutsch schnell aus.

Wenn man am Lachen sein in dieser Weise als eine Verbform interpretiert, könnte man auch für die Kleinschreibung argumentieren. Man schreibt schließlich auch die mit am gebildeten Steigerungsformen von Adjektiven klein:

gut, besser, am besten
klein, kleiner, am kleinsten
(Mehr zu dieser Schreibung lesen Sie hier.)

ich lache, ich bin am *lachen
ich werde lachen, ich werde am *lachen sein
ich lachte, ich war am *lachen
usw.

Die Rechtschreibregeln folgen aber nicht dieser Argumentation, sonder einer anderen: Infinitive schreibt man nach Artikel und Präposition groß. Es gibt hier also zwei mögliche Argumentationen, die einander widersprechen. Die Rechtschreibregelung hat sich in diesem Fall für die Großschreibung entschieden. Man schreibt deshalb die oben mit einem Sternchen gekennzeichneten Formen groß: am Lachen sein.

Ich finde die Großschreibung hier gut vertretbar, nicht so sehr weil diese Verlaufsform nicht allgemein akzeptiert ist, sondern weil sie nicht uneingeschränkt verwendbar ist. Anders als die englische ing-Form steht sie hauptsächlich bei einfachen Infinitiven. Je mehr ein Verb mit weiteren Satzteilen erweitert wird, desto unüblicher ist die Form am + Infinitiv:

Wir waren am Reden.
Wir waren miteinander am Reden. (?)
Wir waren über ein anderes Thema am Reden. (?)
Wir waren miteinander über ein anderes Thema am Reden. (??)

Die am-Verlaufsform des Verbs ist also (vorläufig?) viel weniger eine systematisch verwendete Flexionsform als die am-Superlativform des Adjektivs. Wenn wir aber alle fleißig am+Infinitiv am Verwenden sind und bleiben, ändert sich das vielleicht eines Tages.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Auch große Zahlen bleiben klein

Frage

Ich habe eine Frage, die mich schon geraume Zeit foltert. Es handelt sich dabei um die Groß- oder Kleinschreibung von ausgeschriebenen Zahlen in einer bestimmen Begriffskonstellation. Beispielsweise:

- Heißt es „Flug dreiunddreißig“ oder „Flug Dreiunddreißig“?
- Heißt es „Camp einhundertzwei“ oder „Camp Einhundertzwei“?
- Heißt es „Sektor fünf“ oder „Sektor Fünf“?

Ich habe einmal gehört, dass in solchen Fällen die Kleinschreibung richtig ist. Allerdings kommt mit sehr oft die Großschreibung unter. Was stimmt denn nun?

Antwort

Sehr geehrter Herr H.,

darf ich annehmen, dass „foltern“ nur eine rhetorische Übertreibung ist? Rechtschreibfragen sind nämlich nicht so wichtig, dass Sie zu schlaflosen Nächten oder gar geistiger Folter führen sollten. Ich hoffe, dass ich Sie aus dieser quälenden Ungewissheit erlösen kann:

Nach der amtlichen Rechtschreibregelung schreibt man Grundzahlen unter einer Million klein:

Flug dreiunddreißig
Camp einhundertzwei
Sektor fünf
Buslinie zwölf
Kapitel zwanzig

Oft stellt sich die Frage der Groß- und Kleinschreibung bei Verbindungen dieser Art gar nicht, weil Ziffern verwendet werden:

Flug AF5201
Camp 102
Sektor 5
Buslinie 12
Kapitel 20

Auch in anderen Zusammenhängen haben Grundzahlen meist einen kleinen Anfangsbuchstaben, wenn man sie in Worten schreibt:

drei Grad über null
eins und zwei gibt/ist/macht drei
Wir treffen uns um halb vier.
Er ist gestern fünf geworden.
Mit siebzehn hat man noch Träume.
Die ersten zehn können hereinkommen.
Euch drei will ich hier nicht mehr sehen!

Auch große Zahlen bleiben klein:

Auf diese dreitausend mehr oder weniger kommt es auch nicht mehr an.
eine Einwohnerzahl von mehr als zweihundertfünfzigtausend

Nur wenn die Zahl an und für sich gemeint ist, schreibt man sie groß:

die Ziffer Drei
Schreibt eine Zwei auf euren Zettel!
Im letzten Zeugnis hatte ich eine Vier in Französisch.
Du hast dreimal hintereinander eine Sechs gewürfelt!
Er hat alles auf die Dreizehn gesetzt.
ein rundes Schild mit rotem Rand und einer schwarzen Hundert auf weißem Hintergrund

Wenn Sie mehr wissen möchten (zum Beispiel zu Sonderfällen, die es ja immer gibt …), finden Sie in Canoonet die entsprechenden Regeln und weitere Beispiele für Zahlen wie fünf, dreißig und hundert.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Der längste Tag

Es ist halb zehn Uhr abends und immer noch nicht dunkel! Heute ist der längste Tag. Obwohl dies ein ganz besonderer, in jedem Jahr nur ein einziges Mal vorkommender Tag ist, schreibt man einfach der längste Tag. Trotz der teilweise herrschenden „Manie“, bei festeren Wortgruppen, die sich aus einem Adjektiv und einem Nomen zusammensetzen, auch dem Adjektiv einen großen Anfangsbuchstaben zu verpassen, schreibt man einfach der längste Tag, nicht der Längste Tag. Sogar im gleichlautenden Titel des berühmten, vor Stars strotzenden amerikanischen Kriegsfilms aus dem Jahre 1962 schreibt man das Adjektiv einfach klein: „Der längste Tag“. Siehe auch hier und hier.

So, das waren wieder einmal ein paar „erbauliche“ Worte zur Rechtschreibung. Eigentlich ist es dafür heute schon viel zu spät. Deshalb nur noch Folgendes: Der längste Tag markiert auch den astronomischen Beginn des Sommers. Ich wünsche allen einen schönen Sommer!

Dr. Bopp

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Wir: Bescheidenheit, Majestät, Krankenschwestern, Fußball

Frage

Wenn ich in einem Bewerbungsschreiben Folgendes formuliere: „… dann freue ich mich auf unser persönliches Gespräch…“, schreibt man dann „unser“ groß oder klein?

Antwort

Sehr geehrte Frau K.,

man schreibt wir, uns unser usw. (außer am Satzanfang) immer klein:

… dann freue ich mich auf unser persönliches Gespräch.

Die Kleinschreibung gilt auch dann, wenn wir, uns und unser in Briefen u. Ä. steht und eine Person einschließt, die man mit der großgeschriebenen Höflichkeitsform Sie anschreibt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Weiteres zu wir:

Es gibt übrigens verschiedene wir, uns und unser die man fast alle immer kleinschreibt:

Der Bescheidenheitsplural (Pluralis Modestiae) ist das wir, das verwendet wird, wenn man das Wort ich vermeiden möchte, um sich nicht zu prominent in den Vordergrund zu stellen. Er kommt häufig in der Form des Autorenplurals (Pluralis Auctoris) in wissenschaftlichen und anderen Abhandlungen vor. So schrieb man vor allem früher auch dann wir, wenn man gar keine Hilfe anderer in Anspruch genommen hatte:

Wie unsere Untersuchungen zeigen, …

Diese Form ist heute weniger üblich. Man kann hier auch ich verwenden, ohne gleich als unbescheiden zu gelten. Formulierungen, mit denen man die Leser mit einbezieht (wir = Sie und ich), kommen aber noch häufiger vor:

Damit kommen wir zum wichtigsten Punkt …

Ein alles andere als bescheidener Plural ist der Majestätsplural (Pluralis Majestatis), der von hohen Würdenträgern bei offiziellen Anlässen und in offiziellen Schreiben verwendet wird:

Wir, Beatrix, Königin der Niederlande von Gottes Gnaden [...] geben bekannt, …
Gegeben zu St. Peter in Rom, am 28. Oktober 2008, im vierten Jahr unseres Pontifikats. BENEDICTUS PP. XVI.

Hier schreibt man wir und unser auch im Satzinnern oft groß. Wenn man schon in der Mehrzahl von sich spricht, kann man auch die Großschreibung in Anspruch nehmen:

im vierten Jahr Unseres Pontifikats

Königin und Papst verwenden diesen Plural wahrscheinlich nicht aus reinster Arroganz, um die eigene Person hervorzuheben. Es geht vor allem darum, die Wichtigkeit des Amtes, das sie bekleiden, zu unterstreichen.

Ein sehr bekannter, bei den Angesprochenen nicht sehr beliebter wir-Plural ist der sogenannte Krankenschwesternplural:

Guten Morgen, Frau Holzer, haben wir gut geschlafen?
Herr Schmidt, wir haben ja gar nicht alles aufgegessen.
Wir müssen unsere Pillen nehmen, liebes Kind, wenn wir gesund werden wollen.

Der Krankenschwesternplural scheint allerdings langsam der Vergangenheit anzugehören. Man hat verstanden, dass man Patientinnen und Patienten nicht unbedingt den Eindruck gibt, sie für seriöse Gesprächspartner zu halten, wenn man sie mit diesem wir anspricht.

Ein weiterer wir-Plural ist dagegen noch springlebendig: der „Fußballplural“ („Pluralis Pediludii“) oder allgemeiner der „Siegerplural“ („Pluralis Victoris“). Es geht um das wir, das man sehr, sehr oft in der Nähe von gewonnen antrifft.

Wir haben gewonnen!
Wir haben hervorragend gespielt.
Wir sind Weltmeister!

Dieses wir hat zwei interessante Eigenschaften: 1. Wer es verwendet, war nicht am Erringen des Sieges beteiligt, will sich aber gerne damit assoziieren. 2. Es ist äußerst instabil: In der Nähe von Wörtern wie verloren schlägt es plötzlich in sie oder die um:

Sie haben verloren.
Haben die wieder schlecht gespielt!

Ich nenne dieses wir „Fußballplural“, weil es am häufigsten im Zusammenhang mit dieser Sportart verwendet wir. Es kommt aber als “Siegerplural” auch bei anderen Gelegenheiten vor: Nächsten Monat findet der Liederwettbewerb der Eurovision aus deutscher Sicht in Deutschland statt, weil „wir [dank Lena Meyer-Landrut] letztes Jahr in Oslo gewonnen haben“. Und als die Bildzeitung im Jahr 2005 in Riesenlettern titelte:

WIR SIND PAPST!

wurde nicht der erste Majestätsplural des frischgebackenen Pontifex Bendediktus XVI. zitiert, nein, diese fast schon legendäre Schlagzeile war vor allem ein ausgesprochen schönes Beispiel eines „Pluralis Victoris“.

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Von und de, wenn der Adel in die Schlagzeilen gerät

Der Adel macht es einem nicht einfach, wenn er in die Schlagzeilen gerät. Es geht hier aber nicht um Abgeschriebenes und Rücktritte, sondern nur um die Schreibung von Adelspartikeln wie von und de am Satzanfang.

Frage

Wenn es Frau von der Leyen in die Überschrift einer Zeitung schafft, ist dann am Anfang der Titelzeile ,,von der Leyen tut dies und das” oder ,,Von der Leyen tut dies und das” korrekt”?

Antwort

Guten Tag Frau A.,

das Wörtchen von in Familiennamen verhält sich gleich wie die „gewöhnliche“ Präposition von: Man schreibt es grundsätzlich klein, außer wenn es am Satzanfang steht. Zum Beispiel:

Sehr geehrte Frau von der Leyen, …
Wer folgte Frau von der Leyen im Amt als Familienministerin?
Die deutsche Arbeitsministerin heißt von der Leyen.

Von der Leyen heißt die deutsche Arbeitsministerin.

Man schreibt auch dann groß, wenn der Name in einer Zusammensetzung an erster Stelle steht:

Politik nach Von-der-Leyen-Art

Aus aktuellem Anlass sei noch ergänzt, dass dies im Prinzip auch für die Adelspartikel de gilt:

Sehr geehrter Herr de Maizière, …
Wer folgt Herrn de Maizère im Amt als Innenminister?
Der neue Verteidigungsminister heißt de Maizière.

De Maizière heißt der neue Verteidigungsminister.
Politik nach De-Maizère-Art

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare

Die Heiligen Drei Könige

Am heutigen Dreikönigstag werden in einigen Gebieten Dreikönigskuchen gegessen, an anderen Orten hat sich die Tradition des Dreikönigssingens oder der Sternsinger noch erhalten und diejenigen, die die Weihnachtsdekoration nicht schon an Silvester aufgeräumt haben, sollten dies je nach Gegend und Brauchtum spätestens am 6. Januar tun. Die Befolger und Befolgerinnen von Traditionen, die ich hier nicht genannt habe, mögen mir dies bitte verzeihen. Es geht hier nämlich wieder einmal nur um so etwas Profanes wie die Rechtschreibung:

Wie der einleitende Abschnitt zeigt, kommen der Dreikönigstag und das Dreikönigsfest ebenso wie der Dreikönigskuchen und das Dreikönigssingen ganz ohne Bindestriche aus. Auch die kürzere Bezeichnung Dreikönig oder Dreikönige schreibt man zusammen: an/zu Dreikönig(e). Getrennt schreibt man nur dann, wenn man nicht den Feiertag, sondern die morgenländischen Weisen Kaspar, Balthasar und Melchior meint. Das sind die Heiligen Drei Könige. Da der Ausdruck als Eigenname gilt, werden alle drei Wörter mit großem Anfangsbuchstaben geschrieben (vgl. heilig).

Ich wünsche Ihnen einen schönen Dreikönigstag!

Dr. Bopp

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Findet man den richtigen oder den Richtigen?

Die Überschrift könnte den Eindruck erwecken, es gehe bei der folgenden Frage um Ratschläge für die Partnersuche. Gemeint ist aber nur die Groß- oder Kleinschreibung allein stehender Adjektive.

Frage

„Zu jedem Menschen passt ein bestimmter Job, aber wie findet man den richtigen/Richtigen?“ Wie schreibt man in diesem Fall  richtigen, groß oder klein?

Antwort

Sehr geehrte Frau C.,

man schreibt das Adjektiv richtigen in Ihrem Satz klein:

Zu jedem Menschen passt ein bestimmter Job, aber wie findet man den richtigen?

Wenn ein Adjektiv sich auf ein im Vorhergehenden oder im Nachfolgenden genanntes Substantiv bezieht, schreibt man es klein, auch wenn es allein nach einem Artikel steht. In ihrem Satz bezieht sich richtigen auf das vorher genannte Substantiv Job und wird deshalb kleingeschrieben. Das gilt übrigens auch über die Satzgrenze hinaus …

Suchen Sie einen Job? Wir helfen Ihnen, den richtigen zu finden.

… und selbst dann, wenn das Adjektiv sich auf einen Menschen bezieht:

Kümmern Sie sich schon früh um eine Hebamme, damit Sie ausreichend Zeit haben, die richtige zu finden.

Die Regel und weitere Beispiele finden Sie hier.

Groß schreibt man Adjektive, die als selbstständige Substantive verwendet werden (Regel). Zum Beispiel:

Es ist nicht immer einfach, das Richtige zu tun.
Möchten Sie nicht länger alleine bleiben? Wir helfen Ihnen den Richtigen oder die Richtige zu finden.

Im Unterschied zu den vorhergehenden Beispielen, wird hier vorher und nachher kein Substantiv genannt, auf das sich Richtige bezieht.

So weit, so gut. Die korrekte Groß- und Kleinschreibung hilft einem aber leider auf der Suche nach dem richtigen Job höchstens ein bisschen (im Bewerbungsschreiben) und nützt einem beim Finden des richtigen „Opfers“ für eine Partnerschaft wohl rein gar nichts.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Groß und klein bei Must-haves

Frage

Heute hätte ich mal eine Frage zu den immer mehr um sich greifenden Anglizismen. So ein neumodisches Wort ist das „Must-have“, also etwas, was man (angeblich) unbedingt haben muss. Würden Sie das Wort auch so schreiben? Oder gibt’s da eine genaue Regel, wie man solche Wörter zu behandeln hat?

Antwort

Sehr geehrter Herr A.,

Wenn ich das Wort Must-have benutzen müsste, würde ich es auch so schreiben. Das englische Wort must-have wird als Substantiv verwendet, deshalb schreibt man den Anfangsbuchstaben im Deutschen groß. Der Wortteil nach dem Bindestrich ist kein Substantiv (have ist ein Verb) und bleibt deshalb klein:

das Must-have

Ebenso zum Beispiel:

das Know-how
das Make-up
die Hit-and-run-Strategie
das Savoir-vivre
der Tour-de-France-Gewinner

Sehen Sie hierzu diese Angaben.

So weit die Regel. Natürlich geht es auch hier nicht ohne Ausnahmen: Die amtliche Wörterliste gibt zum Beispiel an, dass man Rock-and-Roll-Musiker schreiben muss (seufz).

Diese Kleinschreibregelung gilt im Prinzip auch in „deutscheren“ Zusammensetzungen mit Bindestrich. Auch hier werden Wortbestandteile, die keine Substantive sind (und nicht an erster Stelle stehen), kleingeschrieben. Zum Beispiel:

die Ad-hoc-Entscheidung
der Trimm-dich-Pfad
die Links-rechts-Kombination
die Berg-und-Tal-Bahn

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare (3)