Groß und klein bei der Augenfarbe

Frage

Wie lautet die richtige Schreibweise?

Seine Augenfarbe ist blau.
oder
Seine Augenfarbe ist Blau.

Antwort

Gute Tag H.,

Beide Schreibungen sind möglich, weil man Augenfarbe und blau in unterschiedlicher Weise miteinander kombinieren kann:

die blaue Augenfarbe
die Augenfarbe Blau

Entsprechend gibt es auch für Ihren Satz zwei Möglichkeiten:

Seine Augenfarbe ist Blau. (Was ist seine Augenfarbe?)
Seine Augenfarbe ist blau. (Wie ist seine Augenfarbe?)

Ich würde hier die Großschreibung wählen, aber die Kleinschreibung ist, wie gesagt, auch vertretbar.

Ihre Frage hat bei mir noch eine andere Frage aufgerufen: Warum bin ich selbst noch nie über diese Frage gestolpert, die mich auch verunsichert hat? Ich vermute, dass es daran liegt, dass es eine unübliche Formulierung ist. Ich würde nämlich viel eher eine Formulierung wie diese wählen:

Seine Augen sind blau.
Er hat blaue Augen.

Wenn man ein Farbadjektiv verwendet, geht es sehr häufig auch ohne das Wort Farbe.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Komplett herstellen und komplettes Herstellen

Frage

Bei uns im Geschäft ist die Frage aufgetaucht, wie man einen Bestelltext bezüglich Groß- und Kleinschreibung richtig formuliert. Es geht darum, ob weitere Bearbeitungen an einem Werkstück, wie zum Beispiel „verzinken“, „versilbern“ und so weiter, groß- oder kleingeschrieben werden.

Komplett herstellen nach Zeichnung, versilbern und montieren nach Zeichnung.
Komplett herstellen nach Zeichnung, Versilbern und Montieren nach Zeichnung.

Momentan sind 5 Personen für die klein geschriebene Version und 2 für die groß geschriebene. Vielleicht können Sie uns helfen, diese Frage endlich zu klären.

Antwort

Sehr geehrter Herr B.,

bei den folgenden Formulierungen ist beides möglich. Man kann die Formen sowohl als Verbformen (klein) als auch als Substantivierungen (groß) interpretieren:

herstellen, versilbern und montieren nach Zeichnung
Herstellen, Versilbern und Montieren nach Zeichnung

Geht probieren wirklich über studieren?
Geht Probieren wirklich über Studieren?

Siehe hier.

In Ihrem Beispiel steht aber das Adverb (eigentl. das adverbial verwendete ungebeugte Adjektiv) komplett vor herstellen. Deshalb muss herstellen eine Verbform sein. Vor der Substantivierung müsste nämlich ein gebeugtes Adjektiv stehen. Vgl.

komplett herstellen
das Produkt komplett herstellen

komplettes Herstellen
komplettes Herstellen des Produktes

Auch beim folgenden Beispiel kann man am begleitenden Adverb/Adjektiv sehen, ob es sich um eine kleinzuschreibende Verbform oder eine großzuschreibende Substantivierung handelt:

Geht einfach probieren wirklich über lange studieren?
Geht einfaches Probieren wirklich über langes Studieren?

Sorgfältig arbeiten ist wichtig.
Sorgfältiges Arbeiten ist wichtig.

Das Wort herstellen muss also in Ihrem Text kleingeschrieben werden, weil es durch das adverbial verwendete komplett begleitet wird. Wie sieht es nun endlich mit den anderen Verben aus, um die es Ihnen eigentlich geht? Vor montieren und versilbern steht kein Adverb oder Adjektiv, da sie aber in einer Aufzählung mit der Verbform herstellen stehen, sollten sie ebenfalls als Verbformen kleingeschrieben werden:

Komplett herstellen nach Zeichnung, versilbern und montieren nach Zeichnung.

Oft ist lang erklären / Langes Erklären weniger wirksam als kurz erläutern / kurzes Erläutern. Ich hoffe, dass diese Erklärung trotzdem nicht allzu wortreich ist.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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An die Falsche geraten

Frage

Ich war der Meinung, dass man Adjektive klein schreibt, wenn sie sich auf den vorherigen Satz beziehen. Beispiel:

Ich mag Brezeln. Bevorzugen tue ich die salzigen.

Trotz des Artikels wird „salzigen“ kleingeschrieben, weil es sich auf die Brezeln im vorherigen Satz bezieht, oder?

Wenn ich nun recht habe, verwirrt mich dann allerdings etwas. Wir hatten vor kurzem im Deutschunterricht eine Art Diktat geschrieben. Dort kamen folgende zwei Sätze vor:

Einer hielt mit einer Pistole am Eingang Wache, der andere, mit einem Schal maskierte Mann packte die Putzfrau und verlangte Geld. Aber da war er an die Falsche geraten.

Ich machte den Fehler und schrieb „an die falsche“. Ich habe „falsche“ kleingeschrieben, weil ich eben dachte, dass man sich weiterhin auf die Putzfrau bezieht, was ja eigentlich auch so ist. […]

Antwort

Guten Tag L.,

in diesem Fall ist tatsächlich die Großschreibung Falsche richtig. Das an die Falsche geraten bezieht sich hier zwar auf die Person der Putzfrau, aber nicht auf das Wort Putzfrau. Der Räuber ist nicht an die falsche Putzfrau geraten, sondern an die falsche Person. Das Wort Person oder Frau kommt nicht im Text vor. Deshalb wird großgeschrieben.

Im Prinzip haben Sie recht: Kleingeschrieben wird ein Adjektiv auch dann, wenn es sich über die Satzgrenze hinaus auf ein vorhergehendes Substantiv bezieht. Zum Beispiel:

Ich mag Brezeln. Ich bevorzuge die salzigen.
(= die salzigen Brezeln)
Siehst du die Putzfrau dort? Sie ist die beste, die je hier gearbeitet hat.
(= die beste Putzfrau)
Sie hat meine Nummer. – Vielleicht hast du ihr aus Versehen die falsche gegeben.
(= die falsche Nummer)

Aber: Wenn das Adjektiv sich zwar inhaltlich auf etwas Vorhergehendes bezieht, aber nicht direkt auf ein vorhergehendes Substantiv, schreibt man groß:

Sie heißt Susanne. Sie ist die Beste der Klasse.
(= die beste Schülerin, nicht *die beste Susanne)
Ich mag Eingemachtes nicht. Das ist das Scheußlichste, was es gibt.
(= das Scheußlichste, was man essen kann; nicht *das scheußlichste Eingemachte)
Er bedrohte die Putzfrau. Da war er aber an die Falsche geraten.
(= die falsche Person, nicht *die falsche Putzfrau)

Die Schreibweise an die falsche war die falsche. Es war aber das Richtige, bei Unsicherheiten nachzufragen – und dafür sind Sie bei mir hoffentlich an den Richtigen geraten.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Das „von“ in Max von Mustermann

Zum Wochenende gibt es eine nicht gerade weltbewegende Frage – außer wenn man einen Familiennamen der Form von X oder de Y hat. Wer Personen solchen Namens anschreiben oder über sie schreiben will, kommt manchmal wie T. ins Zweifeln: von oder Von?

Frage

Ich möchte jemanden anschreiben und derjenige hat ein „von“ in seinem Namen. Schreibe ich „Max von Mustermann“ oder „Max Von Mustermann“?

Antwort

Guten Tag T.,

Namenszusätze wie von, zu und de schreibt man im Prinzip klein. Das gilt auch in Anschriften und Anreden:

Herrn M. von Mustermann
Sehr geehrter Herr von Mustermann.

Und weil es so schön einfach ist, gleich noch ein paar Beispiele:

Frau Carla von Siebenthal
Sehr geehrte Frau von Siebenthal

Es sang die Familie von Trapp.
Frau von der Leyen und Herr de Maizière
Ursula von der Leyen und Thomas de Maizière
die Sonnenblumen von van Gogh
Den Anfang macht von Webers Oper „Der Freischütz“.
Marcel von Huber Kaminfeger GmbH

die Rosa-von-Luxemburg-Straße
das Anette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasium

Es gibt allerdings zwei Situationen, in denen diese Namenszusätze großgeschrieben werden: am Satzanfang und als erster Teil einer substantivischen Zusammensetzung:

Von der Leyen sprach mit de Maizière.
De Maizière hörte von der Leyen zu.
Van Gogh und das abgeschnittene Ohr
Von Huber Kaminfeger GmbH
Von Webers Oper „Der Freischütz“ machte den Anfang.

die Van-Gogh-Ausstellung
eine dreibändige De-Sade-Ausgabe
die „Von-der-Leyen-Show“

Ist die Zusammensetzung ein Adjektiv, schreibt man allerdings wieder klein:

ein van-Gogh-ähnliches Bild
der de-Gaulle-treue Flügel der Partei

Zusammenfassend: Das „von“ in Namen ist immer klein, außer am Satzanfang und am Anfang von substantivischen Zusammensetzungen. Man schreibt es also nur dort groß, wo man eigentlich immer alles großschreibt.

Weitere Spitzfindigkeiten erspare ich Ihnen ebenso wie die knifflige Angelegenheit, wie man Namen mit Adelstiteln und Ähnlichem schreibt und beugt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp (leider nicht Dr. von Bopp)

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Dick und dünn groß oder klein?

Frage

Ich tue mich etwas schwer mit der Schreibunge von „dick und dünn“ bzw. „Dick und Dünn“. Gibt es da Regeln?

Antwort

Sehr geehrter Herr S.,

ob man „dick und dünn“ oder „Dick und Dünn“ schreibt, hängt vom Kontext ab. In der Wendung

durch dick und dünn

schreibt man die Adjektive wie oben klein. Nach der Rechtschreibregelung schreibt man feste adverbiale Wendungen, die aus einer Präposition und einem ungebeugten Adjektiv bestehen, klein (siehe hier). Die Wendung durch dick und dünn = in allen Situationen, in allen Lebenslagen entspricht dieser Regel, auch wenn sie zwei Adjektive enthält. Beispiele:

Man sah den Turm schon von fern.
Reparaturen nur gegen bar
Sie arbeitete von früh bis spät.
Die Zuschauer kamen von nah und fern.
Wir werden uns über kurz oder lang entscheiden müssen.
Echte Freunde gehen miteinander durch dick und dünn.

Die Großschreibung Dick und Dünn kann aber auch vorkommen, zum Beispiel dann, wenn alle Menschen ungeachtet ihrer Leibesfülle gemeint sind:

Sportliche Aktivitäten für Jung und Alt und Dick und Dünn.

Nicht gebeugte Paarformeln von ungebeugten Adjektiven werden großgeschrieben (siehe hier). Weitere Beispiele:

ein Programm für Alt und Jung
Alt und Jung
war(en) begeistert.
Die Kluft zwischen Arm und Reich wächst rasant.
Supermarkt für Arm und Reich
jenseits von Gut und Böse
der Kampf zwischen Gut und Böse
Aktivitäten für Dick und Dünn

Es wäre schön, wenn damit alle Zweifelsfälle aus der Welt geschafft wären. Dem ist natürlich nicht so, aber für heute soll es genügen, dass sich mit diesen beiden Regeln sehr viele der Zweifelsfälle in diesem Teilbereich bewältigen lassen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Italienisch essen und verstehen

Frage

Könnten Sie mir bei folgendem Satz (eines Kunden) weiterhelfen?

Nicht nur Italienisch essen, sondern auch verstehen

Beim ersten Durchlesen hätte ich „italienisch“ einfach kleingeschrieben und gem. amtlicher Regelung gefragt: „Wie“ isst man? Bei „verstehen“ klappt das aber irgendwie nicht, dort wäre wohl „Was?“ die richtige Frage, was wiederum Großschreibung bedeuten würde. Was würden Sie tun?

Antwort

Sehr geehrter Herr F.,

Ihre Argumentation trifft genau zu: In Verbindung mit dem Verb essen ist italienisch ein adverbial verwendetes Adjektiv, das kleingeschrieben werden sollte (wie essen?). In Verbindung mit verstehen ist es eine substantivierte Sprachbezeichnung, die großgeschrieben werden sollte (was verstehen?). Wenn Sie es also ganz korrekt machen wollen, schreiben Sie:

Nicht nur italienisch essen, sondern auch Italienisch verstehen.

Das ist auch die Schreibung, die ich einem rechtschreibempfindlichen Kunden vorschlagen würde. Wenn Sie aber – wie ich vermute – das Wortspiel des Kunden respektieren müssen, dann bleibt Ihnen so oder so nichts anderes übrig, als eine Rechtschreibregel zu brechen.

Sie können der Tendenz folgen, sich bei grammatischen Zweifeln nach dem näher stehenden Verb zu richten, und kleinschreiben:

Nicht nur italienisch essen, sondern auch verstehen.

Sie können auch vom (vermutlichen) Fokus der Kundschaft auf Sprachkurse, Sprachanwendungen o. Ä. ausgehen und großschreiben:

Nicht nur Italienisch essen, sondern auch verstehen.

In beiden Fällen klemmt es auf der Rechtschreibebene (und meiner Meinung nach nicht nur dort), aber der Slogan ist gerettet – außerdem erhöht gelegentlich lecker italienisch zu essen und (ein paar Worte) Italienisch zu verstehen den Lebensgenuss ohnehin mehr als die perfekte Beherrschung der Groß- und Kleinschreibung.*

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

*Extreme Rechtschreibfans mögen mir diese Verallgemeinerung verzeihen!

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Seit Anbringen des Schildes – substantivierte Infinitive erkennen

Frage

Wenn seit dem Anbringen des Schildes kein Unfall passiert ist, dann trifft es doch zu, dass auch seit Anbringen des Schildes kein Unfall passiert ist. Wäre es dann immer noch richtig, wenn im zweiten Beispiel „Anbringen“ kleingeschrieben würde?

Antwort

Sehr geehrter Herr P.,

auch in seit Anbringen des Schildes muss Anbringen großgeschrieben werden. Es handelt sich auch hier um eine Substantivierung. Substantivierte Infinitive erkennt man am einfachsten, wenn sie mit einem Artikel stehen:

das Anbringen, beim Anbringen
das Öffnen, zum Öffnen
durch das Drücken, mit dem Drücken

Aber auch wenn sie mit einem gebeugten Adjektiv stehen, sind Infinitive substantiviert:

illegales Anbringen
fachgerechtes Öffnen
spontanes Drücken

Ein nicht substantivierter Infinitiv ist eine Verbform und kann als solche nur durch ein ungebeugtes Adjektiv näher bestimmt sein:

illegal anbringen
fachgerecht öffnen
spontan drücken

Auch in Ihrem Beispiel wird der Infinitiv von etwas begleitet, das nur bei einem Substantiv stehen kann: ein Genitivattribut. Eine nachgestellte Genitivgruppe kann nur ein Substantiv näher bestimmen.

seit Anbringen des Schildes

Sie kann nicht ein Verb näher bestimmen:

nicht: dass wir anbringen des Schildes
sondern: dass wir das Schild anbringen

Ebenso zum Beispiel:

Verb: die Fenster öffnen
Substantivierung: Öffnen der Fenster verboten

Verb: den Knopf drücken
Substantivierung: durch Drücken des Knopfes

Einen substantivierten Infinitiv erkennt man also daran, dass er sich im Satz wie ein Substantiv benimmt, das heißt in diesem Fall, dass er Ergänzungen bei sich hat, die bei einem Substantiv, nicht aber bei einem Verb stehen können. Häufig ist das ein Artikel, es kann aber auch ein gebeugtes Adjektiv oder wie in Ihrem Beispiel ein Genitivattribut sein.

substantivierte Infinitive einfach erkennen
einfaches Erkennen substantivierter Infinitive

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Herr Doppler und sein Effekt: Eigennamen in Zusammensetzungen

Frage

Christian Doppler war Mathematiker und Physiker. „Doppler-Effekt“ lässt sich schön mit Bindestrich schreiben. Jedoch stolpere ich über die Schreibweise von „dopplersonografisch“.

Antwort

Sehr geehrte Frau S.,

in Zusammensetzungen mit einem einfachen Eigennamen an erster Stelle kann zur Verdeutlichung ein Bindestrich verwendet werden. Er muss also nicht stehen.

Ohne Bindestrich:

der Dopplereffekt
die Dopplersonografie
dopplersonografisch
eine dopplersonografische Untersuchung

Mit Bindestrich:

der Doppler-Effekt
die Doppler-Sonografie
Doppler-sonografisch
eine Doppler-sonografische Untersuchung

Zu beachten ist, dass der Eigenname in der zusammengeschriebenen Variante einen kleinen Anfangsbuchstaben hat, in der Variante mit Bindestrich aber großgeschrieben wird. Siehe auch hier.

Zusammensetzungen dieser Art mit einem einfachen Eigennamen werden häufiger falsch geschrieben. Es gibt ja auch so viele Möglichkeiten, es falsch zu machen. Man schreibt nicht:

die extrem *Obama feindliche Tea-Party-Bewegung
die extrem *Obamafeindliche Tea-Party-Bewegung
die extrem *obama-feindliche Tea-Party-Bewegung

sondern:

die extrem obamafeindliche Tea-Party-Bewegung
die extrem Obama-feindliche Tea-Party-Bewegung

Nach den Rechtschreibregeln schreibt man nicht:

*Moskau freundliche Staaten und *Russland kritische Regierungen
*Moskaufreundliche Staaten und *Russlandkritische Regierungen
*moskau-freundliche Staaten und *russland-kritische Regierungen

sondern:

moskaufreundliche Staaten und russlandkritische Regierungen
Moskau-freundliche Staaten und Russland-kritische Regierungen

Im Prinzip ist es gar nicht so kompliziert, man muss nur wissen, wie’s geht. Und wenn es im Schreibstress einmal schiefgeht, bedeutet das ja nicht gleich den Untergang unserer Schreibkultur. Es stellt sich hier nämlich die Frage, was „schlimmer“ ist: dass man weiß, wie man dopplersonografisch schreibt, aber wie ich keine Ahnung hat, was es bedeutet, oder dass man weiß, wovon man redet, und einen kleinen Verstoß gegen die Rechtschreibregeln begeht. Am besten weiß man immer beides, aber wer ist schon perfekt?

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Beim ersten Mal lesen/Lesen?

Frage

Muss „lesen“ in dem Satz „beim ersten Mal lesen“ groß- oder kleingeschrieben werden?

Antwort

Sehr geehrter Herr B.,

die Beantwortung dieser Frage fällt mir schwer, weil der Satz zwar gut verständlich, streng genommen aber nicht korrekt formuliert ist. Ich halte die Formulierung beim ersten Mal lesen/Lesen nämlich für die Zusammenziehung zweier verschiedener Wendungen mit beim:

Man merkt es beim Lesen nicht.
Man merkt es beim ersten Mal nicht.

Diese beiden Formulierungen lassen sich eigentlich nicht zusammenziehen:

nicht: Man merkt es beim [beim] ersten Mal Lesen nicht.

Man kann in diesem Sinne nicht etwas beim ersten Mal lesen. Man kann etwas zum ersten Mal lesen oder etwas das erste Mal lesen. Entsprechend könnten Sie so formulieren:

Man merkt es beim Zum-ersten-Mal-Lesen nicht.
Man merkt es beim Das-erste-Mal-Lesen nicht.

Besser sind aber eindeutig Formulierungen wie diese:

Man merkt es nicht, wenn man es zum ersten Mal liest.
Man merkt es beim ersten Lesen/Durchlesen nicht.

Ebenfalls möglich wäre diese Formulierung, in der beim zweimal genannt wird. Für mich hat sie aber nicht ganz die gleiche Bedeutung:

Man merkt es beim ersten Mal beim Lesen nicht.

So weit, so gut. Wenn Sie nun trotzdem auf Ihrer Formulierung beharren, würde ich diese Schreibung vorschlagen:

Man merkt es beim ersten Mal Lesen nicht.

Man kann dann das substantivierte Lesen als eine nominale Apposition zu Mal sehen (bei welchem ersten Mal? – beim ersten Mal Lesen), ähnlich wie bei diesen umgangssprachlichen Formulierungen:

Beim ersten Mal Fieber brachte ich das Kind sofort zum Hausarzt.
Wir hatten am Anfang nie Streit, aber beim ersten Mal Kino ging’s los!

Andere Analysen sind nicht ausgeschlossen. Ich würde aber zumindest in formelleren Kontexten sowieso zu einer anderen Formulierung raten.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Shoppen, stöbern und schenken

Die Adventszeit steht schon wieder vor der Tür. Dazu passend heute eine Frage mit den Verben shoppen, stöbern und schenken.

Frage

Wie ist es richtig?

Shoppen, stöbern und schenken machen Spaß
oder:
Shoppen, stöbern und schenken macht Spaß.

Oder geht beides, je nachdem, ob man „Shoppen stöbern und schenken“ als singularisches oder mehrteiliges Subjekt auffasst?

Antwort

Sehr geehrter Herr B.,

es gibt hier mehr als eine mögliche Formulierung und Schreibweise. Die Infinitive können nämlich als Verbformen oder als Substantive interpretiert werden.

Im ersten Fall, das heißt wenn die Infinitive als Verbformen angesehen werden, schreibt man sie klein und das Verb steht im Singular

a) Shoppen, stöbern und schenken macht Spaß.

Am besten sieht man den verbalen Charakter vielleicht, wenn man mit diesen Sätzen vergleicht:

Zu shoppen, zu stöbern und zu schenken macht Spaß.
Lange shoppen, intensiv stöbern und liebevoll schenken macht Spaß.

Wenn man die Infinitive als substantiviert ansieht, schreibt man sie groß. Die drei substantivierten Infinitive bilden dann ein mehrteiliges Subjekt. Bei einem mehrteiligen Subjekt steht das Verb normalerweise im Plural:

b) Shoppen, Stöbern und Schenken machen Spaß.

Doch wie so oft gibt es Ausnahmen: Wenn die Teile eines mehrteiligen Subjekts Infinitive sind, wird häufig von der Grundregel abgewichen (wahrscheinlich weil substantivierte Infinitive eine starke verbale Prägung haben und sie Verbformen resp. Infinitivgruppen z. T. sehr ähnlich sind). Das Verb steht dann nämlich häufig im Singular (vgl. hier):

c) Shoppen, Stöbern und Schenken macht Spaß.

Auch hier folgen zwei andere Formulierungen, die den substantivischen Charakter besser erkennen lassen sollten:

Das Shoppen, das Stöbern und das Schenken macht/machen Spaß.
Langes Shoppen, fröhliches Stöbern und liebevolles Schenken macht/machen Spaß.

Stilistisch gesehen gefallen mir die Variante a) oder die Variante c) mit dem Singular macht Spaß besser als die Formulierung b) mit machen Spaß.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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