Wie schreibst du denn, man/Mann!

Frage

Dass z. B. „Was redest du, Mann?”, „Was redet ihr, Mann?” die richtige Schreibweise ist, ist ja bewiesen. Wie erklären Sie sich jedoch das Phänomen, dass es im alltäglichen Gebrauch (SMS/Chat/Internet-Foren) ausschließlich nur mit einem „n“ geschrieben wird ? Als Neologismus in dem Sinne kann man dies ja nicht bezeichnen,  da „man“ als Pronomen schon existiert. Aber wie kommt es, dass es eben v. a. unter Jugendlichen bei einem „n“ bleibt, auch wenn sich die meisten bewusst sind, dass „der Mann“ so geschrieben wird? [...] Kann man also „man“ [...] als schlichtweg komplett falsch bezeichnen, auch wenn es im Gebrauch deutlich überwiegt ?

Antwort

Sehr geehrter Herr G.,

die Schreibung man statt Mann für die Interjektion ist tatsächlich kein Neologismus, sondern eher ein „Neographismus“ (eine Neuschreibung). Warum so viele im Internet diese Schreibung wählen, kann ich natürlich ohne genauere Untersuchungen nicht mit Sicherheit sagen. Es mag daran liegen, dass das Nomen Mann im Prinzip eine männliche Person in der Einzahl bezeichnet, während die Interjektion Mann auch an eine weibliche Person oder an mehrere Personen gerichtet sein kann. Das „klemmt“ irgendwie und deshalb wird auf die Schreibung man ausgewichen. Dies Schreibung man „klemmt“ allerdings auch, denn die Interjektion hat ja auch nicht die gleiche Funktion und Bedeutung wie das unbestimmte Personalpronomen man.

In der Umgangssprache im Internet werden nicht alle grammatischen und orthografischen Regeln eingehalten, die für die „normale“ schriftliche Standardsprache gelten. Und das ist auch nicht weiter schlimm. Der Ausruf Mann wird ohnehin höchst selten in einem Kontext verwendet, in dem eine regelkonforme Rechtschreibung wirklich wichtig wäre. Im informellen Internetgebrauch scheint die Schreibung man üblich zu sein, auch wenn nach der amtlichen Rechtschreibregelung Mann geschrieben werden sollte. In informellen Mails, Chats, SMS usw. gibt es gegen diese Form man nicht viel einzuwenden. Die Schreibung Mann! würde dort wahrscheinlich oft sogar als ziemlich antiquiert und unpassend empfunden werden. Im formelleren schriftlichen Verkehr gilt diese Schreibung aber (noch?) als falsch (sofern die Interjektion Mann dort überhaupt vorkommt). Wie man redet und schreibt, hängt in starkem Maße auch vom Kontext, der Umgebung und dem Medium ab. Es gelten nicht immer und überall die gleichen Standards.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Top Drei, Top drei, top drei oder Topdrei?

Frage

Wie schreibt man „top drei“?  Zum Beispiel: „Unser Unternehmen zählt zu den top drei im Bereich X.“

Antwort

Sehr geehrter Herr F.,

die eindeutige Antwort muss ich Ihnen auch hier wieder einmal schuldig bleiben. Keine „offizielle“ Stelle macht Angaben hierzu. Aus den geltenden Regeln würde ich die folgende Schreibweise ableiten:

Unser Unternehmen zählt zu den top drei im Bereich X.

Ich sehe hier top als unveränderliches Adjektiv, das es auch in Top Ten sein muss. Die Wörterliste der amtlichen Rechtschreibregelung verweist nämlich beim Eintrag Top Ten auf § 37 E4, wo „aus dem Englischen stammende Bildungen aus Adjektiv + Substantiv“ behandelt werden. Dass es ein solches Adjektiv zumindest umgangssprachlich gibt, zeigen Äußerungen wie „Das ist top!“, „Das hast du top gemacht!“.

Ich schreibe deshalb top klein. Die Zahl drei wird ebenfalls kleingeschrieben:

zählt zu den top drei im Bereich X

genau so wie:

zählt zu den besten/bekanntesten/obersten drei im Bereich X

Es gibt allerdings ein kleines Problem: Beinahe niemand schreibt top drei so.

Eine weitere Variante ist:

zählt zu den Topdrei im Bereich X

Da im Ausdruck Top Ten die Kardinalzahl Ten orthografisch als Substantiv behandelt und großgeschrieben wird, können wir dies ausnahmsweise auch mit der deutschen Zahl tun. Verbindungen von Top- und einem deutschen Substantiv werden aber anders als bei Verbindungen aus dem Englischen zusammengeschrieben:

Topdrei  (wie z. B . Topform, Topmodell)

Neben einem kleineren Problem bei der Wortbetonung bleibt das Hauptproblem dasselbe wie oben: Fast niemand schreibt es so.

Am häufigsten kommen Top Drei und Top drei vor. Für keine der beiden Schreibungen kann ich eine regelkonforme Erklärung finden. Das Wort Top steht im Singular, der Artikel aber im Plural. Nicht Top, sondern drei muss also der Kern der Wortgruppe sein. Das macht es schwierig die Großschreibung Top in Kombination mit der Getrenntschreibung zu rechtfertigen. Diese Schreibvarianten orientieren sich mehr oder weniger direkt an der Schreibung des englischen Ausdrucks Top Ten. Das ist sonst nicht üblich. Vielleicht etabliert sich hier ja eine neue Ausnahme.

Schreiben Sie so, wie Sie es für richtig halten – nach der Schreibweise in Ihrer Frage zu Urteilen ist dies top drei – und rechnen Sie mit Kommentaren. Wenn Sie kommentarlos „davonkommen“ wollen oder müssen, ist Top Drei zu erwägen. Es stimmt zwar (vorläufig?) nicht ganz, aber fast niemand merkt’s. Und die besten drei geht natürlich auch immer.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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www am Satzanfang

Frage

Schreibt man die Abkürzung www am Satzanfang groß? Www.irgendwas.de sieht schon komisch aus.

Antwort

Sehr geehrter Herr G.,

am Satzanfang sollte ein Großbuchstabe stehen. Wenn ich entsprechend am Satzanfang Www.canoo.net schreibe, sieht das aber tatsächlich sehr gewöhnungsbedürftig aus:

Www.canoo.net ist die Adresse unserer Website.

Eine mögliche Lösung wäre, die Großbuchstabenregel außer Acht zu lassen und am Satzanfang ausnahmsweise einmal kleinzuschreiben. Das verdient aber auch keine Nominierung für den Nobelpreis für Rechtschreibung. Es sieht nämlich mindestens ebenso gewöhnungsbedürftig aus:

www.canoo.net ist die Adresse unserer Website.

Ich empfehle Ihnen deshalb die Ausweichroute: Stellen Sie nie eine Webadresse an den Satzanfang! Am besten formulieren Sie um. Das ist meistens recht einfach möglich. Zum Beispiel:

Die Adresse www.canoo.net gehört zu unserer Website.
Unsere Website hat die Adresse www.canoo.net.
Unter www.canoo.net erreichen Sie Canoonet.

Wenn eine Internetadresse allein auf einer Zeile steht oder nicht in einen Satz integriert ist, kann sie allerdings mit kleinem Anfangsbuchstaben stehen:

Canoonet erreichen Sie unter
www.canoo.net

Webadresse: www.canoo.net

Im Allgemeinen gilt, dass Abkürzungen, die für mehr als ein Wort stehen, nicht am Satzanfang erscheinen sollten. Man schreibt sie am Satzanfang wenn möglich aus (was allerdings bei einer Webadresse nicht sehr sinnvoll wäre) oder verschiebt sie ins Satzinnere:

nicht: Z. B. Tom und Anna sind beliebte Namen.
sondern: Zum Beispiel Tom und Anna sind beliebte Namen.
oder: Beliebte Namen sind z. B. Tom und Anna.
nicht: I. d. R. werden mehrteilige Abkürzungen am Satzanfang ausgeschrieben.
sondern: In der Regel werden mehrteilige Abkürzungen am Satzanfang ausgeschrieben.
oder: Mehrteilige Abkürzungen werden am Satzanfang i. d. R. ausgeschrieben.
nicht: M. f. G.
sondern besser:

Mit freundlichen Grüßen

Dr. [sic] Bopp

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Textrecycling am Dreikönigstag

Am heutigen Dreikönigstag mache ich mich wieder einmal des „Textrecylings“ schuldig: Falls Sie orthographische Zweifel haben, wie nach den Rechtschreibregeln Dreikönigstag, Dreikönigssingen und die morgenländischen Weisen Kaspar, Melchior und Balthasar als Heilige Drei Könige zu schreiben sind, finden Sie die Antwort in diesem älteren Blogeintrag.

Adorazione dei Magi, Andrea Mantegna, 1497-1500

Und wenn Sie aus einer Gegend kommen, in der man einen Dreikönigskuchen mit Porzellan- oder Plastikfigürchen backt, wünsche ich Ihnen, dass Sie das Figürchen in Ihrem Kuchenstück finden, sich nicht daran verschlucken und zum König oder zur Königin für einen Tag gekrönt werden!

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Das Sich-sehr-Wundern und die sich sehr Wundernden

Warnung: Es folgt trockener Stoff. Er könnte diejenigen Interessieren, die sich wie Herr F. wundern, warum man „offiziell“ das Sich-sehr-Wundern und die sich sehr Wundernden schreibt.

Frage

[...] Immer noch unsicher bin ich in folgendem Fall:

Das Sich-Weiterbilden/Sichweiterbilden ist heute sehr wichtig.
Das Angebot richtet sich an Sich-Weiterbildende/Sichweiterbildende/sich Weiterbildende.

Irgendwie wird mir nicht klar, ob und wenn ja warum sich die Schreibung von substantivierten Infinitivgruppen von derjenigen substantivierter Partzipgruppen (erweitert oder nicht) unterschiedet:

das Sich-Verändern – das Sich-schnell-Verändern
ABER
das sich schnell Verändernde – das sich schnell Verändernde

Antwort

Sehr geehrter Herr F.,

Sie sind nicht der Einzige, der sich wundert – oder stilistisch unschön, aber zur Frage passend: Sie sind nicht der einzige sich Wundernde. Bei einer als Substantiv verwendeten Infinitivgruppen gilt (Regel):

zwei Elemente → Zusammenschreibung
mehr als zwei Elemente → Schreibung mit Bindestrichen

Also:

sich verändern → das Sichverändern
sich schnell verändern → das Sich-schnell-Verändern

Deutlich anders sieht die Schreibung bei einer substantivierten Partizipgruppe aus:

sich verändernd → das sich Verändernde
sich schnell verändernd → das sich schnell Verändernde

Die einfache Antwort auf die Frage nach der unterschiedlichen Schreibung von substantivierten Infinitivgruppen und substantivierten Partizipgruppen lautet: Weil es so in der amtlichen Rechtschreibregelung steht. Das ist aber eine wenig befriedigende Auskunft.

Eine etwas ausführlichere Begründung könnte die folgende sein: Der Hauptunterschied liegt in der Veränderung der syntaktischen Rolle der Wortgruppe, die bei der Substantivierung auftreten kann. Das klingt recht kompliziert – und sehr einfach ist es tatsächlich nicht. Im Einzelnen gilt:

Bei der Substantivierung einer Infinitivgruppe wird eine verbale Gruppe zu einer nominalen Gruppe. Die ganze Wortgruppe erhält im Satz eine andere Funktion. Entsprechend wird die ganze Gruppe in der Rechtschreibung als Substantiv gekennzeichnet. Dies geschieht durch Großschreibung sowie Zusammenschreibung oder Schreibung mit Bindestrichen.

Verbgruppe wird Nomengruppe:
sich schnell verändern → das Sich-schnell-Verändern

Bei der Substantivierung einer Partizipgruppe wird im Prinzip einfach der Kern einer nominalen Gruppe verschoben. Der (gedachte) substantivische Kern fällt weg und das adjektivisch verwendete Partizip übernimmt die Rolle des Wortgruppenkerns. Die Gruppe hat im Satz immer noch die gleiche Funktion. Orthografisch wird nur der verschobene Kern gekennzeichnet, und zwar durch Großschreibung:

Nomengruppe bleibt Nomengruppe:
das sich schnell verändernde Etwas → das sich schnell Verändernde

Es folgen ein paar Beispiele:

sich weiterbilden müssen
→ die Verpflichtung des Sichweiterbildens
die Wünsche der sich weiterbildenden Menschen
→ die Wünsche der sich Weiterbildenden

Er möchte Rad fahren.
→ Sein Wunsch ist das Radfahren.
Die Rad fahrenden o. radfahrenden Leute leben gesund.
Die Rad Fahrenden o. Radfahrenden leben gesund.

den Text sehr klein drucken
das Sehr-klein-Drucken des Textes
das sehr klein gedruckte Etwas
das sehr klein Gedruckte

Man kann sich sehr über die Rechschreibung wundern.
→ Die Rechtschreibung gibt Anlass zum Sich-sehr-Wundern.
Sie sind nicht der einzige sich sehr wundernde Mensch.
→ Sie sind nicht der einzige sich sehr Wundernde.

Die hier beschriebenen Unterschiede bedingen nicht logisch zwingend, dass in dieser Weise unterschiedlich geschrieben werden muss. Es ist aber in der deutschen Rechtschreibung so üblich. Gerne würde ich es einfacher machen, ich weiß aber leider nicht wie. Nur dies: Oft lohnt es sich, substantivierte Infinitivgruppen und Partizipgruppen zu vermeiden. Man umgeht dann nicht nur diese Rechtschreibfrage, sondern formuliert in vielen Fällen auch stilistisch besser. Die letzten Beispielsätze zeigen es deutlich!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Aus „touch panel“ wird Touchpanel

Der Bindestrich und die Getrennt- und Zusammenschreibung bei Zusammensetzungen aus dem Englischen sind ein häufig wiederkehrendes Problem. Vor einiger Zeit ging es um den Bindestrich bei Golfausdrücken. Heute geht es darum, wie man das englische „touch panel“ im Deutschen schreibt:

Frage

Ich habe mal eine Frage zum Wort „Bildschirm-Tastfeld“. So übersetzt dict.leo.org das „touch panel“. Natürlich möchte man dann lieber auch im Deutschen die englische Bezeichnung wählen, denn „Bildschirm-Tastfeld“ hört sich schon reichlich antiquiert an. Aber wie schreibt man das? „Touch Panel“ wie im Englischen, nur in Großschreibung? Oder ist das Leerzeichen dann ein „Deppenleerzeichen“, so dass „Touchpanel“ richtig wäre?

Antwort

Sehr geehrter Herr C.,

wenn Sie lieber die englische Bezeichnung als die etwas gar gründlich umschreibende, ziemlich langatmige deutsche Entsprechung Bildschirm-Tastfeld verwenden, schreiben Sie sie am besten zusammen:

das Touchpanel

ebenso:

der Touchscreen

Zusammensetzungen aus dem Englischen werden im Deutschen im Prinzip zusammengeschrieben. Es wäre auch möglich, einen „verdeutlichenden“ Bindestrich zu verwenden (Touch-Panel, Touch-Screen), aber das ist hier eigentlich nicht notwendig.

Die Getrenntschreibung (Touch Panel, Touch Screen) ist nach der amtlichen Rechtschreibregelung nicht korrekt.* Ich würde allerdings nicht so weit gehen, diejenigen, die sich nicht daran halten und hier ein Leerzeichen verwenden, als Deppen zu bezeichnen. Gerade bei mehrteiligen Entlehnungen aus dem Englischen mögen sich manche etwas überlegen, bevor sie sich bewusst gegen die amtliche Regel entscheiden. Allerdings werden falsche Leerzeichen tatsächlich oft aus Unkenntnis gesetzt, aber sind alle, die die entsprechenden Rechtschreibregeln nicht kennen, einfach Deppen? Es mag deutlich geworden sein, dass mir die ziemlich populäre Bezeichnung „Deppenleerzeichen“ nicht gefällt. Ich muss aber zugeben, dass ich die Beispiele, die die gleichnamige Webseite sammelt, trotz des soeben kritisierten Ausdrucks manchmal sehr erheiternd finde. Es ist schwierig, immer konsequent zu bleiben.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

* Die Getrenntschreibung ist nach der Rechtschreibregelung nur dann möglich, wenn die Wörter als direkte Zitate aus dem Englischen gemeint sind ­– dann allerdings kleingeschrieben und zum Beispiel durch Anführungszeichen als Zitat gekennzeichnet: „touch panel“,  „touch screen“.

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Siehe und sieh!

Frage

In unserem Arbeitsalltag als technische Übersetzer stolpern wir oft über Querverweise auf Abbildungen, Tabellen usw. mit dem kleinen Wörtchen „siehe“. Wird dieses groß- oder kleingeschrieben oder gibt es keine wirkliche Konvention. Zum Beispiel: „Die Warnleuchte befindet sich auf der Rückseite des Deckels (siehe/Siehe Abbildung 3 auf Seite 7).“ Und wie verhält es sich mit den Punkten?

Antwort

Sehr geehrter Herr P.,

eine allgemeingültige Regelung gibt es meines Wissens nicht, aber die folgenden Schreibweisen kommen häufig vor und sind recht praktisch:

Der Verweis wird oft in Klammern gesetzt. Man schreibt siehe dann klein und verwendet direkt nach dem Verweis keinen Punkt:

Die Warnleuchte befindet sich auf der Rückseite des Deckels (siehe Abbildung 3, Seite 7). Sie wird mit Schalter C bedient.
Die Warnleuchte befindet sich auf der Rückseite des Deckels (siehe Abbildung 3, Seite 7) und wird mit Schalter C bedient.
Die Warnleuchte befindet sich auf der Rückseite des Deckels (siehe Abbildung 3, Seite 7), wo auch der Schalter C zu finden ist.

Man kann dem Verweis auch etwas mehr Gewicht geben, indem man ihn nicht in Klammern setzt, sondern nach einem Punkt separat aufführt. Auch dann verwendet man üblicherweise kein Ausrufezeichen, obwohl es sich bei siehe um eine Art Befehlsform des Verbs sehen handelt.

Die Warnleuchte befindet sich auf der Rückseite des Deckels. Siehe Abbildung 3 auf Seite 7.

Weiter gibt es noch die folgende Art des Verweises. Man beachte, dass hier zwischen dem eigentlichen Verweis und demjenigen, wozu der Verweis angegeben wird, kein Komma steht (nein, auch nicht vor siehe im ersten Beispiel!):

Für die Montage der Warnleuchte siehe Anleitung B auf Seite 7.
Siehe Anleitung B auf Seite 7 für die Montage der Warnleuchte.

Dies sind nicht die einzig möglichen Schreibweisen, aber mit diesen einfachen „Regeln“ bin ich bis jetzt immer gut gefahren.

Wenn wir schon dabei sind, hier noch ein paar Worte zur Form: siehe mit e steht nur in Verweisen und Ausrufen:

Siehe Seite 7.
Siehe da, es funktioniert!
Und siehe, ein Engel des Herrn erschien.

Die „gewöhnliche“ Befehlsform von sehen ist sieh ohne e:

Sieh mich bitte an!
Sieh dir den Text noch einmal an!
Sieh her und sei ruhig!

Noch eine allerletzte Bemerkung und dann werde ich wirklich ruhig sein: Auch wenn die Befehlsform sieh! kein e am Schluss hat, kommt sie ganz ohne Apostroph aus!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Die Erstbeste und der erste Beste

Frage

Wie schreibt man richtig?

Sie glauben doch nicht, dass wir für diese Sache den Erstbesten anheuern.
Sie glauben doch nicht, dass wir für diese Sache den erstbesten anheuern.

Antwort

Guten Tag J.,

richtig ist hier die Großschreibung:

Sie glauben doch nicht, dass wir für diese Sache den Erstbesten anheuern!

Das Adjektiv erstbeste wird genau gleich wie beste und andere Adjektive behandelt. Wenn es vor einem Substantiv steht, schreibt man es klein:

Was wäre gewesen, wenn Eva nur ein wenig nachgedacht hätte, statt die Ratschläge des erstbesten Reptils zu befolgen.1
Manche hängen ihre Fahnen nach dem erstbesten Wind.2

Wenn erstbeste allein steht, sich aber auf ein vorhergehendes oder nachfolgendes Substantiv bezieht, schreibt man ebenfalls klein, zum Beispiel in diesem unter anderem von Immobilienhändlern verwendeten „Motto“:

Besser die beste Lage als die erstbeste!

Großgeschrieben wird dann, wenn erstbeste als substantiviertes Adjektiv verwendet wird:

Wir fragten den Erstbesten, dem wir auf der Straße begegneten.
Lass dich doch nicht gleich mit der Erstbesten ein!
Titanic – Das endgültige Satirebuch: Das Erstbeste aus 30 Jahren3

Man kann statt erstbeste auch erste beste verwenden. Dann sieht es mit der Groß- und Kleinschreibung wie folgt aus:

Das Mädchen heiratet aus Ärger den ersten besten Mann, der ihr in den Weg gelaufen4

Lieber die beste Lösung als die erste beste!

Wir fragten den ersten Besten, dem wir auf der Straße begegneten.
Verlieb die nicht gleich in die erste Beste!

Den schrecklichen Witz über die Mutter, die ihrer schwangeren Tochter vorwirft, mit dem Erstbesten das Bett geteilt zu haben, worauf diese erwidert, es sei weder der Erste noch der Beste gewesen, erwähne ich hier nur deshalb, weil er mir jedes Mal unweigerlich in den Sinn kommt, wenn es um das Wort erstbeste geht.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

1 Anne Weber, Im Anfang war, Frankfurt 2000, Suhrkamp Verlag, S. 7
2 Tomte, Das hier ist Fußball, Album: Ich sang die ganze Zeit von dir, Grand Hotel van Cleef, 2006
3 Peter Knorr, Oliver Maria Schmitt, Martin Sonneborn, Mark-Stefan Tietze, (Hg.) u.a., Titanic – Das endgültige Satirebuch: Das Erstbeste aus 30 Jahren, Rowohlt Verlag, 2009
4 Heinrich Heine, Ein Jüngling liebt ein Mädchen, in: Buch der Lieder, 1827

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Feiertagswünsche und Kleinbuchstaben

Gehören Sie zu den Menschen, die auch in E-Mails, SMS, Facebookeinträgen, Tweets und anderen digitalen Mitteilungen noch die Groß- und Kleinschreibung berücksichtigen? Oder verschicken Sie vielleicht sogar noch „analoge“ Feiertagswünsche in Form von Karten, die mit so altertümlichen Dingen wie Mit-der-Hand-Schreiben, Umschlag, Briefmarke und einem Gang zum Briefkasten verbunden sind? Dann ist der folgende, alljährlich wiederkehrende Hinweis wahrscheinlich nicht neu für Sie:

In Feiertagswünschen sollte man Adjektive wie frohe, fröhliche, gesegnete, gutes, neues usw. außer am Zeilenanfang kleinschreiben. Zum Beispiel:

Wir wünschen Ihnen frohe Weihnachen und ein glückliches neues Jahr.

Mehr dazu finden Sie in diesem älteren Blogeintrag.

Für digitale Wünsche kommt der Hinweis etwas früh, aber wenn Sie sie handschriftlich auf Papier verschicken möchten, sollten Sie bedenken, dass heute der dritte Advent ist – und in vierzehn Tagen Weihnachten!

Eine weiterhin schöne Adventszeit wünscht Ihnen

Dr. Bopp

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Wer am besten am Lachen ist

Frage

Es ist zwar kein gutes Deutsch, aber wenn man schreibt: „Wir waren heute nur am lachen“, schreibt man „lachen“ groß oder klein? Ich hätte es instinktiv kleingeschrieben, weil es ja eine Tätigkeit ist. Aber dann hieß es, am sei eine Präposition und dann werde „lachen“ großgeschrieben. Jetzt bin ich total verwirrt. Laut Regeln schreibt man Verben, vor denen eine Präposition steht, groß, aber ergibt das einen Sinn? „Wir waren heute nur an dem Lachen?“ Wenn man schreibt: „Ich habe ihn am Lachen erkannt“, das ergibt Sinn. Ich hoffe nun, dass ich mit dieser Frage nicht zur Lachnummer Nr. 1 in ihrem Blog geworden bin .

Antwort

Sehr geehrter Herr M.,

man schreibt in diesem Fall tatsächlich groß:

Wir waren am Lachen.

Ebenso zum Beispiel:

Das ist zum Lachen.
Sie ist beim Lachen beinah erstickt.
Seid ihr fertig mit Lachen?
Haben Sie sich vom Lachen erholt?

Siehe hier und hier.

Ihre Frage ist aber keineswegs eine Lachnummer. Es gibt auch Gründe, die für die Kleinschreibung sprechen. Die Wendung am Lachen sein ist standardsprachlich noch nicht vollständig akzeptiert. Sie ist eine Art Zeitform des Verbs, wie es sie zum Beispiel im Englischen gibt:

we are laughing = wir sind am Lachen

Man nennt diese Form u. a. die rheinische Verlaufsform, weil sie angeblich vor allem am Rhein gebräuchlich ist. Sie kommt aber auch andernorts immer häufiger vor und breitet sich im heutigen Deutsch schnell aus.

Wenn man am Lachen sein in dieser Weise als eine Verbform interpretiert, könnte man auch für die Kleinschreibung argumentieren. Man schreibt schließlich auch die mit am gebildeten Steigerungsformen von Adjektiven klein:

gut, besser, am besten
klein, kleiner, am kleinsten
(Mehr zu dieser Schreibung lesen Sie hier.)

ich lache, ich bin am *lachen
ich werde lachen, ich werde am *lachen sein
ich lachte, ich war am *lachen
usw.

Die Rechtschreibregeln folgen aber nicht dieser Argumentation, sonder einer anderen: Infinitive schreibt man nach Artikel und Präposition groß. Es gibt hier also zwei mögliche Argumentationen, die einander widersprechen. Die Rechtschreibregelung hat sich in diesem Fall für die Großschreibung entschieden. Man schreibt deshalb die oben mit einem Sternchen gekennzeichneten Formen groß: am Lachen sein.

Ich finde die Großschreibung hier gut vertretbar, nicht so sehr weil diese Verlaufsform nicht allgemein akzeptiert ist, sondern weil sie nicht uneingeschränkt verwendbar ist. Anders als die englische ing-Form steht sie hauptsächlich bei einfachen Infinitiven. Je mehr ein Verb mit weiteren Satzteilen erweitert wird, desto unüblicher ist die Form am + Infinitiv:

Wir waren am Reden.
Wir waren miteinander am Reden. (?)
Wir waren über ein anderes Thema am Reden. (?)
Wir waren miteinander über ein anderes Thema am Reden. (??)

Die am-Verlaufsform des Verbs ist also (vorläufig?) viel weniger eine systematisch verwendete Flexionsform als die am-Superlativform des Adjektivs. Wenn wir aber alle fleißig am+Infinitiv am Verwenden sind und bleiben, ändert sich das vielleicht eines Tages.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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