Nähe Goetheplatz, groß oder klein?

Frage

Ich wollte gerade einer Person mitteilen, dass sich ein Geschäft in der Nähe eines bestimmten Ortes befindet und zwar in der Nähe des Goetheplatzes. Ich hatte es kurz gehalten und folgendermaßen geschrieben: „Nadel & Faden, Heinrichstraße 9, Nähe Goetheplatz“.

Könnte man das so sagen oder muss es beispielsweise „in der Nähe“ heißen? Müsste „Nähe“ im oben genannten Fall klein geschrieben werden?

Antwort

Guten Tag L.,

in einem „normal“ formulierten Text ist die Wendung in der Nähe vorzuziehen:

Das Geschäft Nadel & Faden liegt in der Nähe des Goetheplatzes.

Es spricht aber nichts dagegen, Nähe in kürzeren Mitteilungen allein stehend zu verwenden. Obwohl das Wort dann ähnlich wie eine Präposition benutzt wird, schreiben Sie es groß, so wie Sie es getan haben:

Nadel & Faden, Heinrichstraße 9, Nähe Goetheplatz

Die folgenden Substantive trifft man häufiger in ähnlicher Weise allein stehend an. Sie werden ebenfalls großgeschrieben:

Sie gehen zuerst Richtung Goetheplatz.
Seit Anfang dieses Jahres gelten andere Bestimmungen.
Ich werde Ihnen spätestens Mitte Oktober antworten.
Sie haben bis Ende der Woche Zeit.

Für diese Substantive gilt also (noch?) nicht, dass sie den substantivischen Charakter verloren haben und als Präpositionen kleingeschrieben werden. Dies im Gegensatz zu zum Beispiel den folgenden „Exsubstantiven“(siehe hier):

Wir haben es dank eurer Hilfe geschafft.
Hiermit erteile ich  kraft meines Amtes den Auftrag  …
Wir sind trotz allem Freundinnen geblieben.
Elisabeth von Portugal war zeit ihres Lebens sehr fromm.

Sie können also bei Platzmangel oder wenn es eilt, Nähe statt in der Nähe verwenden, sie sollten es aber immer noch großschreiben.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Etwas tolles Neues und etwas Tolles, Neues

Frage

Bei einem Meeting stand auf einer Power-Point-Folie unter der Rubrik „Ziele für die Zukunft“: „Etwas tolles Neues finden“. Irgendwie kam mir die Schreibweise merkwürdig vor; zumindest habe ich sie so noch nie gesehen. Daher meine Frage: Ist es möglich, dass das substantivierte Adjektiv in diesem Beispiel ein eigenes Adjektiv haben kann? […] Sollte es nicht eher heißen: „Etwas Tolles, Neues finden“ bzw. „Etwas Tolles und Neues finden“?

Antwort

Sehr geehrter Herr B.,

die Formulierung ist stilistisch vielleicht nicht die allerschönste und sieht auch etwas ungewohnt aus, aber sie ist möglich. Es ist nicht ausgeschlossen, dass ein substantiviertes Adjektiv durch ein attributives Adjektiv näher bestimmte wird. Ein paar Beispiele:

Mach aus etwas langweiligem Neuen etwas schönes Neues!
Sie wussten viel interessantes Neues zu berichten
Perlen und anderes Schönes
Sie begrüßte die nervösen Kleinen und die sich gelassen gebenden Großen
Sie trug ihr kleines Schwarzes

und

etwas tolles Neues finden

Das zweite Adjektiv ist substantiviert und wird großgeschrieben. Das erste Adjektiv bestimmt als attributives Adjektiv das substantivierte Adjektiv und wird deshalb kleingeschrieben.

Die Formulierungen etwas Tolles, Neues und etwas Tolles und Neues sind natürlich auch möglich, aber die erste wird anders betont (und die zweite enthält ganz offensichtlich ein „und“).

etwas tolles Neues = etwas Neues, das toll ist
etwas Tolles, Neues = etwas, das neu und toll ist

Meist ist der Unterschied zwischen etwas Neuem, das toll ist, und etwas, das neu und toll ist, nicht allzu groß. Das bedeutet aber nicht, dass nicht beide Formulierungen möglich sind.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Von Geißlein, Mäusen und Adjektiven, die sich auf sie beziehen

Frage

Ich habe eine Rechtschreibfrage zu diesem Text:

Die Geißlein erschraken und versteckten sich: Eines sprang unter den Tisch, das Zweite ins Bett, das Dritte in den Ofen, das Vierte in die Küche … das Letzte … Aber der Wolf fand sie alle, nur das Jüngste nicht.

Muss oder kann man hier „das zweite“, „das dritte“, „das letzte“ und „das jüngste“ nicht kleinschreiben, weil man das auf „Geißlein“ bezieht? Wie weit nach hinten im Text kann man sich darauf beziehen, dass […] man es kleinschreibt? Oder kann man sowohl klein- als auch großschreiben? Wie auch hier in diesem Beispiel?:

Es war jene Maus, die sich als Erste/erste zu ihm gewagt hatte.

Wenn als erste Maus, dann klein, wenn als Erste von verschiedenen Tieren, dann groß?

Antwort

Sehr geehrte Frau S.,

Sie haben Ihre Fragen eigentlich schon selbst richtig beantwortet. Wenn ein allein stehendes Adjektiv sich auf ein vorhergehendes Substantiv bezieht, schreibt man es klein (siehe hier). Das gilt auch über die Satzgrenze hinaus:

Wie viele Farbstifte habt ihr? – Wir haben einen roten, einen grünen und einen blauen. – Fehlt euch dann nicht ein gelber? – Wenn du uns einen gelben und vielleicht auch einen schwarzen besorgen kannst, wäre das gut.

Für Ihr Beispiel bedeutet dies, weil es ja immer eindeutig um Geißlein geht, dass die Adjektive tatsächlich kleingeschrieben werden müssen.

Die Geißlein erschraken und versteckten sich: Eines sprang unter den Tisch, das zweite ins Bett, das dritte in den Ofen, das vierte in die Küche … das letzte … Aber der Wolf fand sie alle, nur das letzte nicht.

Es gibt keine Regel, die besagt, wie weit entfernt ein kleinzuschreibendes Adjektiv von seinem Bezugswort stehen kann. Wenn es sich im Text auf ein Substantiv bezieht, schreibt man es klein. Die Entfernung kann natürlich nicht „unendlich“ groß sein, doch das ist keine Frage der Rechtschreibung, sondern des Textverständnisses: Es muss für die Leserschaft möglich sein, den Zusammenhang noch zu erkennen.

Auch beim Beispiel mit den Mäusen ist Ihre Interpretation richtig:

Es war jene Maus, die sich als Erste [von allen Tieren/Wesen] zu ihm gewagt hatte.
Es war jene Maus, die sich als erste [von den Mäusen] zu ihm gewagt hatte.

Und wenn aus dem Kontext nicht eindeutig hervorgeht, ob die Maus die erste wagemutige Maus oder das erste wagemutige Wesen war, kann vom rechtschreiblichen Standpunkt aus klein- oder großgeschrieben werden – das liegt dann ganz im Ermessen der Person, die die Heldentat der Maus beschreibt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

PS: Und warum das Gegenüber der Maus ggf. bei ihr an die Falsche und nicht an die falsche geraten ist, lesen Sie hier.

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Abgek. Wrt.-Zusammenstzg.

Der Titel könnte nahelegen, dass man der Verständlichkeit halber nicht allzu viel abkürzen sollte. Das ist zwar wahr, aber manchmal geht es eben aus Platzmangel nicht anders. Wie man dann abgek. Wrt.-Zusammensetzg. oder abgekürzte Wortzusammensetzungen schreiben sollte, zeigt der heutige Eintrag anhand von Herrn Q.s Frage:

Frage

Ich habe eine Frage bezüglich Abkürzungen bei zusammengesetzten Wörtern. Meine Frage betrifft die Punkt- und Bindestrichsetzung bei Wörtern, die an zwei Stellen abgekürzt werden. Außerdem, ob der zweite Teil mit einem Groß- oder Kleinbuchstaben beginnt.

Hier einige Beispiele, die aufgrund von Platzmangel abgekürzt werden müssen:

Verbindungseinstellungen
Speicherkarte
Betreibermenü
Telefonnummer

Ich bin immer davon ausgegangen, dass man z. B. bei meinem ersten Beispiel wie folgt abkürzt: „Verbind.-einstellungen“ oder „Verbind.-einstell.“.

Antwort

Sehr geehrter Herr Q.,

nach § 40.2 der amtlichen Rechtschreibregelung schreibt man Zusammensetzungen mit Abkürzungen mit einem Bindestrich. Weiter schreibt man nach § 55.2 dieser Regelung Substantive in Zusammensetzungen mit Bindestrich groß. Die „amtlichen Beispiele“ sind unter anderen Abt.‑Leiter (Abteilungsleiter) und Inf.‑Büro (Informationsbüro).

Für Ihre Beispiele bedeutet dies, dass beispielsweise diese Abkürzungen möglich sind:

Verbind.-Einstellung
Sp.-Karte
Betr.-Menü
Telefon-Nr. oder  Tel.-Nummer

Wenn diese Abkürzungen immer noch zu lang sind, so dass auch der zweite Teil ein paar seiner Buchstaben verlieren muss, gilt dasselbe: Bindestrich und großer Anfangsbuchstabe bei Substantiven:

Vebind.-Einst.
Sp.-Krt.
Betr.-M.
Tel.-Nr.

Das entsprechende Beispiel in der amtlichen Rechtschreibregelung § 40.2 ist übrigens Abt.-Ltr.

Vor allem in Fachsprachen und betriebs- oder institutionsinternen Regelungen findet man übrigens ganz andere, zum Teil sehr abenteuerlich anmutende Abkürzungen. Ein bekannteres Beispiel ist BaföG (Bundesausbildungsförderungsgesetz). Weniger bekannt dürfte ZivHaftBkÖlVerschmSchÜbk (Übereinkommen über die zivilrechtliche Haftung für Schäden durch Bunkerölverschmutzung) sein. Das ist wie immer, wenn es um Rechtschreibung geht, natürlich nicht verboten. Die hier aufgezeigte Regel sollten Sie einfach dann beachten, wenn Sie sich allgemein an die amtliche Regelung halten wollen oder müssen.

Und kürzen Sie in allgemeineren Texten der Leserschaft zuliebe nur dort ab, wo es auch nötig ist! Statt M. f. G. schreibe ich deshalb lieber

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Groß und klein bei der Augenfarbe

Frage

Wie lautet die richtige Schreibweise?

Seine Augenfarbe ist blau.
oder
Seine Augenfarbe ist Blau.

Antwort

Gute Tag H.,

Beide Schreibungen sind möglich, weil man Augenfarbe und blau in unterschiedlicher Weise miteinander kombinieren kann:

die blaue Augenfarbe
die Augenfarbe Blau

Entsprechend gibt es auch für Ihren Satz zwei Möglichkeiten:

Seine Augenfarbe ist Blau. (Was ist seine Augenfarbe?)
Seine Augenfarbe ist blau. (Wie ist seine Augenfarbe?)

Ich würde hier die Großschreibung wählen, aber die Kleinschreibung ist, wie gesagt, auch vertretbar.

Ihre Frage hat bei mir noch eine andere Frage aufgerufen: Warum bin ich selbst noch nie über diese Frage gestolpert, die mich auch verunsichert hat? Ich vermute, dass es daran liegt, dass es eine unübliche Formulierung ist. Ich würde nämlich viel eher eine Formulierung wie diese wählen:

Seine Augen sind blau.
Er hat blaue Augen.

Wenn man ein Farbadjektiv verwendet, geht es sehr häufig auch ohne das Wort Farbe.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Komplett herstellen und komplettes Herstellen

Frage

Bei uns im Geschäft ist die Frage aufgetaucht, wie man einen Bestelltext bezüglich Groß- und Kleinschreibung richtig formuliert. Es geht darum, ob weitere Bearbeitungen an einem Werkstück, wie zum Beispiel „verzinken“, „versilbern“ und so weiter, groß- oder kleingeschrieben werden.

Komplett herstellen nach Zeichnung, versilbern und montieren nach Zeichnung.
Komplett herstellen nach Zeichnung, Versilbern und Montieren nach Zeichnung.

Momentan sind 5 Personen für die klein geschriebene Version und 2 für die groß geschriebene. Vielleicht können Sie uns helfen, diese Frage endlich zu klären.

Antwort

Sehr geehrter Herr B.,

bei den folgenden Formulierungen ist beides möglich. Man kann die Formen sowohl als Verbformen (klein) als auch als Substantivierungen (groß) interpretieren:

herstellen, versilbern und montieren nach Zeichnung
Herstellen, Versilbern und Montieren nach Zeichnung

Geht probieren wirklich über studieren?
Geht Probieren wirklich über Studieren?

Siehe hier.

In Ihrem Beispiel steht aber das Adverb (eigentl. das adverbial verwendete ungebeugte Adjektiv) komplett vor herstellen. Deshalb muss herstellen eine Verbform sein. Vor der Substantivierung müsste nämlich ein gebeugtes Adjektiv stehen. Vgl.

komplett herstellen
das Produkt komplett herstellen

komplettes Herstellen
komplettes Herstellen des Produktes

Auch beim folgenden Beispiel kann man am begleitenden Adverb/Adjektiv sehen, ob es sich um eine kleinzuschreibende Verbform oder eine großzuschreibende Substantivierung handelt:

Geht einfach probieren wirklich über lange studieren?
Geht einfaches Probieren wirklich über langes Studieren?

Sorgfältig arbeiten ist wichtig.
Sorgfältiges Arbeiten ist wichtig.

Das Wort herstellen muss also in Ihrem Text kleingeschrieben werden, weil es durch das adverbial verwendete komplett begleitet wird. Wie sieht es nun endlich mit den anderen Verben aus, um die es Ihnen eigentlich geht? Vor montieren und versilbern steht kein Adverb oder Adjektiv, da sie aber in einer Aufzählung mit der Verbform herstellen stehen, sollten sie ebenfalls als Verbformen kleingeschrieben werden:

Komplett herstellen nach Zeichnung, versilbern und montieren nach Zeichnung.

Oft ist lang erklären / Langes Erklären weniger wirksam als kurz erläutern / kurzes Erläutern. Ich hoffe, dass diese Erklärung trotzdem nicht allzu wortreich ist.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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An die Falsche geraten

Frage

Ich war der Meinung, dass man Adjektive klein schreibt, wenn sie sich auf den vorherigen Satz beziehen. Beispiel:

Ich mag Brezeln. Bevorzugen tue ich die salzigen.

Trotz des Artikels wird „salzigen“ kleingeschrieben, weil es sich auf die Brezeln im vorherigen Satz bezieht, oder?

Wenn ich nun recht habe, verwirrt mich dann allerdings etwas. Wir hatten vor kurzem im Deutschunterricht eine Art Diktat geschrieben. Dort kamen folgende zwei Sätze vor:

Einer hielt mit einer Pistole am Eingang Wache, der andere, mit einem Schal maskierte Mann packte die Putzfrau und verlangte Geld. Aber da war er an die Falsche geraten.

Ich machte den Fehler und schrieb „an die falsche“. Ich habe „falsche“ kleingeschrieben, weil ich eben dachte, dass man sich weiterhin auf die Putzfrau bezieht, was ja eigentlich auch so ist. […]

Antwort

Guten Tag L.,

in diesem Fall ist tatsächlich die Großschreibung Falsche richtig. Das an die Falsche geraten bezieht sich hier zwar auf die Person der Putzfrau, aber nicht auf das Wort Putzfrau. Der Räuber ist nicht an die falsche Putzfrau geraten, sondern an die falsche Person. Das Wort Person oder Frau kommt nicht im Text vor. Deshalb wird großgeschrieben.

Im Prinzip haben Sie recht: Kleingeschrieben wird ein Adjektiv auch dann, wenn es sich über die Satzgrenze hinaus auf ein vorhergehendes Substantiv bezieht. Zum Beispiel:

Ich mag Brezeln. Ich bevorzuge die salzigen.
(= die salzigen Brezeln)
Siehst du die Putzfrau dort? Sie ist die beste, die je hier gearbeitet hat.
(= die beste Putzfrau)
Sie hat meine Nummer. – Vielleicht hast du ihr aus Versehen die falsche gegeben.
(= die falsche Nummer)

Aber: Wenn das Adjektiv sich zwar inhaltlich auf etwas Vorhergehendes bezieht, aber nicht direkt auf ein vorhergehendes Substantiv, schreibt man groß:

Sie heißt Susanne. Sie ist die Beste der Klasse.
(= die beste Schülerin, nicht *die beste Susanne)
Ich mag Eingemachtes nicht. Das ist das Scheußlichste, was es gibt.
(= das Scheußlichste, was man essen kann; nicht *das scheußlichste Eingemachte)
Er bedrohte die Putzfrau. Da war er aber an die Falsche geraten.
(= die falsche Person, nicht *die falsche Putzfrau)

Die Schreibweise an die falsche war die falsche. Es war aber das Richtige, bei Unsicherheiten nachzufragen – und dafür sind Sie bei mir hoffentlich an den Richtigen geraten.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Das „von“ in Max von Mustermann

Zum Wochenende gibt es eine nicht gerade weltbewegende Frage – außer wenn man einen Familiennamen der Form von X oder de Y hat. Wer Personen solchen Namens anschreiben oder über sie schreiben will, kommt manchmal wie T. ins Zweifeln: von oder Von?

Frage

Ich möchte jemanden anschreiben und derjenige hat ein „von“ in seinem Namen. Schreibe ich „Max von Mustermann“ oder „Max Von Mustermann“?

Antwort

Guten Tag T.,

Namenszusätze wie von, zu und de schreibt man im Prinzip klein. Das gilt auch in Anschriften und Anreden:

Herrn M. von Mustermann
Sehr geehrter Herr von Mustermann.

Und weil es so schön einfach ist, gleich noch ein paar Beispiele:

Frau Carla von Siebenthal
Sehr geehrte Frau von Siebenthal

Es sang die Familie von Trapp.
Frau von der Leyen und Herr de Maizière
Ursula von der Leyen und Thomas de Maizière
die Sonnenblumen von van Gogh
Den Anfang macht von Webers Oper „Der Freischütz“.
Marcel von Huber Kaminfeger GmbH

die Rosa-von-Luxemburg-Straße
das Anette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasium

Es gibt allerdings zwei Situationen, in denen diese Namenszusätze großgeschrieben werden: am Satzanfang und als erster Teil einer substantivischen Zusammensetzung:

Von der Leyen sprach mit de Maizière.
De Maizière hörte von der Leyen zu.
Van Gogh und das abgeschnittene Ohr
Von Huber Kaminfeger GmbH
Von Webers Oper „Der Freischütz“ machte den Anfang.

die Van-Gogh-Ausstellung
eine dreibändige De-Sade-Ausgabe
die „Von-der-Leyen-Show“

Ist die Zusammensetzung ein Adjektiv, schreibt man allerdings wieder klein:

ein van-Gogh-ähnliches Bild
der de-Gaulle-treue Flügel der Partei

Zusammenfassend: Das „von“ in Namen ist immer klein, außer am Satzanfang und am Anfang von substantivischen Zusammensetzungen. Man schreibt es also nur dort groß, wo man eigentlich immer alles großschreibt.

Weitere Spitzfindigkeiten erspare ich Ihnen ebenso wie die knifflige Angelegenheit, wie man Namen mit Adelstiteln und Ähnlichem schreibt und beugt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp (leider nicht Dr. von Bopp)

Kommentare (3)

Dick und dünn groß oder klein?

Frage

Ich tue mich etwas schwer mit der Schreibunge von „dick und dünn“ bzw. „Dick und Dünn“. Gibt es da Regeln?

Antwort

Sehr geehrter Herr S.,

ob man „dick und dünn“ oder „Dick und Dünn“ schreibt, hängt vom Kontext ab. In der Wendung

durch dick und dünn

schreibt man die Adjektive wie oben klein. Nach der Rechtschreibregelung schreibt man feste adverbiale Wendungen, die aus einer Präposition und einem ungebeugten Adjektiv bestehen, klein (siehe hier). Die Wendung durch dick und dünn = in allen Situationen, in allen Lebenslagen entspricht dieser Regel, auch wenn sie zwei Adjektive enthält. Beispiele:

Man sah den Turm schon von fern.
Reparaturen nur gegen bar
Sie arbeitete von früh bis spät.
Die Zuschauer kamen von nah und fern.
Wir werden uns über kurz oder lang entscheiden müssen.
Echte Freunde gehen miteinander durch dick und dünn.

Die Großschreibung Dick und Dünn kann aber auch vorkommen, zum Beispiel dann, wenn alle Menschen ungeachtet ihrer Leibesfülle gemeint sind:

Sportliche Aktivitäten für Jung und Alt und Dick und Dünn.

Nicht gebeugte Paarformeln von ungebeugten Adjektiven werden großgeschrieben (siehe hier). Weitere Beispiele:

ein Programm für Alt und Jung
Alt und Jung
war(en) begeistert.
Die Kluft zwischen Arm und Reich wächst rasant.
Supermarkt für Arm und Reich
jenseits von Gut und Böse
der Kampf zwischen Gut und Böse
Aktivitäten für Dick und Dünn

Es wäre schön, wenn damit alle Zweifelsfälle aus der Welt geschafft wären. Dem ist natürlich nicht so, aber für heute soll es genügen, dass sich mit diesen beiden Regeln sehr viele der Zweifelsfälle in diesem Teilbereich bewältigen lassen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Italienisch essen und verstehen

Frage

Könnten Sie mir bei folgendem Satz (eines Kunden) weiterhelfen?

Nicht nur Italienisch essen, sondern auch verstehen

Beim ersten Durchlesen hätte ich „italienisch“ einfach kleingeschrieben und gem. amtlicher Regelung gefragt: „Wie“ isst man? Bei „verstehen“ klappt das aber irgendwie nicht, dort wäre wohl „Was?“ die richtige Frage, was wiederum Großschreibung bedeuten würde. Was würden Sie tun?

Antwort

Sehr geehrter Herr F.,

Ihre Argumentation trifft genau zu: In Verbindung mit dem Verb essen ist italienisch ein adverbial verwendetes Adjektiv, das kleingeschrieben werden sollte (wie essen?). In Verbindung mit verstehen ist es eine substantivierte Sprachbezeichnung, die großgeschrieben werden sollte (was verstehen?). Wenn Sie es also ganz korrekt machen wollen, schreiben Sie:

Nicht nur italienisch essen, sondern auch Italienisch verstehen.

Das ist auch die Schreibung, die ich einem rechtschreibempfindlichen Kunden vorschlagen würde. Wenn Sie aber – wie ich vermute – das Wortspiel des Kunden respektieren müssen, dann bleibt Ihnen so oder so nichts anderes übrig, als eine Rechtschreibregel zu brechen.

Sie können der Tendenz folgen, sich bei grammatischen Zweifeln nach dem näher stehenden Verb zu richten, und kleinschreiben:

Nicht nur italienisch essen, sondern auch verstehen.

Sie können auch vom (vermutlichen) Fokus der Kundschaft auf Sprachkurse, Sprachanwendungen o. Ä. ausgehen und großschreiben:

Nicht nur Italienisch essen, sondern auch verstehen.

In beiden Fällen klemmt es auf der Rechtschreibebene (und meiner Meinung nach nicht nur dort), aber der Slogan ist gerettet – außerdem erhöht gelegentlich lecker italienisch zu essen und (ein paar Worte) Italienisch zu verstehen den Lebensgenuss ohnehin mehr als die perfekte Beherrschung der Groß- und Kleinschreibung.*

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

*Extreme Rechtschreibfans mögen mir diese Verallgemeinerung verzeihen!

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