Meiner Meinung nach, ist dieses Komma nicht richtig

Frage

Ich verzweifle grade an folgenden Sätzen. Meine Schüler haben hier Kommas gesetzt und ich bin nun richtig verwirrt, ob das KANN-Komma-Situationen sind.

Einer aktuellen Studie nach (,) träumen viele Jugendliche von …
Im Gegensatz zu diesen Jugendlichen (,) hat sich ein anderer Teil der Heranwachsenden für …

Antwort

Sehr geehrte Frau W.,

durch eine Präposition eingeleitete und ähnliche Wortgruppen können durch Kommas als Einschub oder Nachtrag gekennzeichnet und hervorgehoben werden (siehe hier):

ohne Kommas:
Er kam wegen eines Staus viel zu spät an seinem Ziel an.
Sie hat dank einem Lottogewinn ein Haus am See gekauft.
Dieses Komma ist meiner Meinung nach nicht richtig.
Die Gesamtsumme beläuft sich auf ca. 100 € einschließlich Buchungskosten.

mit Kommas:
Er kam, wegen eines Staus, viel zu spät an seinem Ziel an.
Sie hat, dank einem Lottogewinn, ein Haus am See gekauft.
Dieses Komma ist, meiner Meinung nach, nicht richtig.
Die Gesamtsumme beläuft sich auf ca. 100 €, einschließlich Buchungskosten.

Die Kommas entsprechen Pausen in der gesprochenen Sprache.

Die Regel sagt, dass man solche Wortgruppen durch Kommas als Einschub oder Nachtrag kennzeichnen kann. Einschübe stehen im Satzinnern, Nachträge am Satzende. Steht die Wortgruppe am Satzanfang, ist sie weder ein Einschub noch ein Nachtrag und darf sie deshalb nicht durch ein Komma abgetrennt werden. Also nur ohne Komma:

Wegen eines Staus kam er viel zu spät an seinem Ziel an.
Dank einem Lottogewinn hat sie ein Haus am See gekauft.
Meiner Meinung nach ist dieses Komma nicht richtig.
Inklusive Buchungskosten beläuft sich die Gesamtsumme auf ca. 100 Euro.

Für Ihre beiden Sätze bedeutet dies, dass sie ohne Komma stehen müssen:

Einer aktuellen Studie nach träumen viele Jugendliche von …
Im Gegensatz zu diesen Jugendlichen hat sich ein anderer Teil der Heranwachsenden für …

Nur im Satzinneren kann man, falls gewünscht, Kommas setzen:

Viele Jugendliche träumen[,] einer aktuellen Studie nach[,| von …
Ein anderer Teil der Heranwachsenden hat sich[,| im Gegensatz zu diesen Jugendlichen[,] für …

Im Gegensatz zu beispielsweise dem Englischen und Französischen trennt das Deutsche also solche Wortgruppen am Satzanfang nicht durch ein Komma ab.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Komma vor dem Doppelpunkt?

Frage

Wenn einem Redebegleitsatz noch vor der wörtlichen Rede ein Nebensatz, ein Einschub oder Ähnliches folgt, wird dieser dann mit einem Komma abgeschlossen, sodass ein Komma direkt vor dem Doppelpunkt steht? Beispielsatz:

Er antwortete auf die Bitte, sich zu melden(,): „Danke für den Brief.“

Antwort

Sehr geehrter Herr S.,

spontan lasse ich das Komma vor dem Doppelpunkt weg und ich empfehle Ihnen, dies auch zu tun:

Er antwortet auf die Bitte, sich zu melden: „Danke für den Brief.“

In der amtlichen Rechtschreibregelung kann ich aber keine exakten Angaben dazu finden. Leitet man von bestehenden Regeln ab, kann sowohl für das Komma (wie zum Beispiel beim abschließenden Gedankenstrich eines Einschubes) als auch gegen das Komma (wie zum Beispiel vor dem Schlusspunkt) argumentiert werden. Da das Komma nicht die gleiche Funktion hat wie der Gedankenstrich und der Doppelpunkt nicht die gleiche Funktion wie der Schlusspunkt, lassen sich für beides auch Gegenargumente finden. Die über alle Zweifel erhabene Lösung gibt es also nicht.

Ich gehe davon aus, dass das zweite Komma die Funktion hat, das Ende der Infinitivgruppe anzugeben. Dies ist vor einem Punkt am Satzende und hier vor dem Doppelpunkt nicht notwendig. Der Doppelpunkt gibt an, dass der vorangestellte Begleitsatz, zu dem die Infinitivgruppe gehört, abgeschlossen ist. Ich halte es deshalb für gerechtfertigt, das Komma wegzulassen und damit eine sehr ungewöhnliche Folge von Satzzeichen zu vermeiden:

Er antwortet auf die Bitte, sich zu melden: „Danke für den Brief.“

Ebenso:

Er antwortete auf die Frage, ob er mitkomme: „Danke für die Einladung.“
Er fragte Hans, seinen Bruder: „Kommst du auch mit?“
Sie sagte zu Frau Sieger, d. h. zu ihrer Nachbarin: „Jetzt habe ich genug davon!“

Mit einer ähnlichen Begründung könnte man auch den zweiten Gedankenstrich bei paarigen Gedankenstrichen für „überflüssig“ erklären. Er sollte aber – das ergibt sich aus § 85 der amtl. Regelung – wie die abschließende Klammer auch vor dem Doppelpunkt geschrieben werden:

Er antwortet auf diese Bitte – wie könnte es auch anders sein! –: „Das geht dich nichts an.“

Das ist vielleicht nicht bis in Letzte konsequent, aber Kommas und paarige Gedankenstriche werden ja auch z. B. in Bezug auf die Leerschritte nicht gleich behandelt. Deshalb meine Empfehlung: kein Komma vor dem Doppelpunkt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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»Rechnungsstellung an die auf der Bestellung angegebene E-Mail-Adresse« oder Kommasetzung bei attributiv verwendeten Partizipgruppen

Frage

In Verträgen tritt immer wieder die folgende Satzkonstellation auf, bei der ich immer wieder über die richtige Zeichensetzung nachdenke. Hier ein Beispiel:

Die Rechnungsstellung kann per Post bzw. per E-Mail an die, auf der Bestellung angegebene, E-Mail-Adresse erfolgen.

Daher ergeben sich folgende Fragen: Ist die Schreibweise in dem Beispiel korrekt? […] Wie heißt diese Satzkonstellation in der Fachsprache?

Antwort

Sehr geehrter Herr L.,

fachsprachlich kann man hier von einer attributiv verwendeten Partizipgruppe sprechen. Richtig ist dabei die Schreibweise ohne Kommas:

Die Rechnungsstellung kann per Post bzw. per E-Mail an die auf der Bestellung angegebene E-Mail-Adresse erfolgen.

Es geht hier um die Wortgruppe auf der Bestellung angegebene. Dabei handelt es sich um das adjektivisch verwendete Partizip angegebene, das mit der Angabe auf der Bestellung erweitert ist. Solche erweiterten Partizipien werden nicht durch Kommas abgetrennt, wenn sie attributiv verwendet werden, das heißt, wenn sie wie hier vor dem Substantiv stehen, das sie näher bestimmen.

Sie werden auch dann nicht durch Kommas abgetrennt, wenn sie umfangreich sind. Also immer ohne abtrennende Kommas:

Schicken Sie die Rechnung an die angegebene Adresse.
Schicken Sie die Rechnung an die dort angegebene Adresse.
Schicken Sie die Rechnung an die auf der Bestellung angegebene Adresse.
Schicken Sie die Rechnung an die ganz unten auf der zweiten Seite der Bestellung angegebene Adresse.

Sie sprach die wartenden Leute an.
Sie sprach die auf den Bus wartenden Leute an.
Sie sprach die an der Haltestelle auf den Bus wartenden Leute an.
Sie sprach die seit über einer halben Stunde an der Haltestelle vor dem Kunstmuseum auf den Bus wartenden Leute an.

Vor allem der jeweils letzte Beispielsatz zeigt, dass man den Lesern und Leserinnen zuliebe auf allzu lange Partizipgruppen verzichten sollte. Leichter verständlich ist dann eine Formulierung mit einem Nebensatz:

Schicken Sie die Rechnung an die Adresse, die ganz unten auf der zweiten Seite der Bestellung angegeben ist.
Sie sprach die Leute an, die seit über einer halben Stunde an der Haltestelle vor dem Kunstmuseum auf den Bus warteten.

Weitere Beispiele und mehr Informationen dazu, wie man Partizipgruppen erweitern und verwendet kann, finden Sie auf dieser Seite in der Canoonet-Grammatik.

Mit auch sonst trotz der jeweils etwas formellen und floskelhaften Formulierung dennoch immer wieder aufrichtig gemeinten freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Achtung, Hühner!

Frage

Eine Anzeige lautet beispielsweise:

Achtung Referendare!
Rechtssicher handeln mit der Ausbildungsliteratur aus dem Hause …

Muss oder kann nach „Achtung” ein Komma stehen oder wäre ein Komma gerade falsch? Es soll nicht vor Referendaren gewarnt werden, sondern diese sollen aufmerksam gemacht werden.

Antwort

Sehr geehrte Frau P.,

sowohl die an Referendare gerichtete Aufforderung, sie sollen aufpassen, als auch die Aufforderung, vor Referendaren aufzupassen, werden mit Komma geschrieben:

Achtung, Referendare!

Vgl.

Vorsicht, Stufe!
Achtung, bissiger Hund!

Passt auf, Kinder!
Achtung, Michael, die Ampel ist rot!

Es gibt fast keine Möglichkeit, eventuellen Zweideutigkeiten dieser Art mit Hilfe der Zeichensetzung vorzubeugen. (Die Aufforderung vor etwas oder jemandem aufzupassen, kann – aber muss keineswegs – mit einem Doppelpunkt geschrieben werden: Achtung: Referendare! Aber das ist ja gerade, was in Ihrem Beispiel nicht gesagt werden soll.)

In der Regel gibt die Bedeutung oder der weitere Zusammenhag an, was gemeint ist. Falls dies nicht so ist und es zu Problemen führen kann, muss anders formuliert werden. In Ihrem Beispiel sollte es meiner Meinung nach nicht zu Missverständnissen kommen (außer bei den üblichen Spaßvögeln, siehe auch unten).

Mir kommt hier ein Schild am Straßenrand bei einem Bauernhof in den Sinn, an dem wir auf einer unsere Lieblingsfahrradtouren vorbeikommen. Darauf steht in großen Buchtstaben die Warnung:

Achtung, Hühner!

Es ist bereits zu einer Tradition geworden, dass wir uns dann fröhlich fragen (Achtung, Humor!), wovor die Hühner denn aufpassen sollen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Mehr Import als Export – Man importiert mehr, als exportiert wird

Frage

Folgender Satz erscheint mir merkwürdig:

Deutschland importiert mehr Holzabfälle als exportiert werden.

Antwort

Sehr geehrter Herr Z.,

der Satz ist vielleicht nicht gerade ein Meisterwerk deutscher Formulierkunst, aber er ist m. E. richtig. Es fehlt ihm nur ein Komma:

Deutschland importiert mehr Holzabfälle, als exportiert werden.

Bei einem vergleichenden als in Verbindung mit einem Wort oder einer Wortgruppe steht vor als kein Komma:

Deutschland importiert mehr Holzabfälle als vor einigen Jahren.
Wir haben mehr Sitzplätze als nötig.
Sie haben mehr Produkte eingekauft als ihre Konkurrenz.

Man setzt dann ein Komma, wenn als einen Nebensatz einleitet (vgl. hier). In diesen Fällen sind die Nebensätze problemlos als solche zu erkennen:

Deutschland importiert mehr Holzabfälle, als man es früher tat.
Wir haben mehr Sitzplätze, als wir Besucher erwarten.
Sie haben mehr Produkte eingekauft, als sie es sich finanziell erlauben können.

In den folgenden Fällen ist es vielleicht ein bisschen schwieriger, die Nebensätze zu erkennen, denn sie sind nicht vollständig. Ein Satzteil fehlt in ihnen, weil er mit einem Satzteil im übergeordneten Satz identisch ist und deshalb nicht wiederholt wird (das ist übrigens bei anderen Nebensätzen in der Regel nicht möglich). Man erkennt sie aber trotzdem recht gut daran, dass sie ein eigenes konjugiertes Verb haben:

Deutschland importiert mehr Holzabfälle, als exportiert werden.
Wir haben mehr Sitzplätze, als nötig sind.
Sie haben mehr Produkte eingekauft, als sie verkaufen können.

Ob Deutschland wirklich mehr Holzabfälle importiert als exportiert, weiß ich nicht. Ich kann nur sagen, dass die Form des zitierten Satzes mit dieser Aussage zwar etwas gar knapp, aber dennoch akzeptabel ist (wenn Sie ihn mit einem Komma ergänzen).

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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… und so wurde sie Sängerin – Komma oder nicht?

Frage

Wird im nachfolgenden Satz vor „und so“ ein Komma gesetzt (analog der Kommasetzung vor „und zwar“/„und das“)?

Sie hatte aber kein Talent für die Automechanik(,) und so wurde sie Sängerin.

Antwort

Sehr geehrte Frau S.,

anders als und zwar oder und das leitet dieses und so keine nachgetragene Ergänzung ein. Das und verbindet in Ihrem Satz zwei selbstständige Sätze, von denen der zweite mit so beginnt:

Sie hatte aber kein Talent für die Automechanik.
So wurde sie Sängerin.

Wenn und zwei selbstständige Sätze verbindet, kann man ein Komma setzen (siehe hier). Das Komma ist also fakultativ, das heißt, Sie können hier vor und ein Komma setzen, Sie können es aber auch weglassen:

Sie hatte aber kein Talent für die Automechanik und so wurde sie Sängerin.
Sie hatte aber kein Talent für die Automechanik, und so wurde sie Sängerin.

Ebenso zum Beispiel:

Nach dem Führungstreffer verhielten wir uns zu passiv und so kam es kurze Zeit später zum unglücklichen Ausgleich.
Nach dem Führungstreffer verhielten wir uns zu passiv, und so kam es kurze Zeit später zum unglücklichen Ausgleich.

Ich habe alles gesagt und damit ist die Sache erledigt.
Ich habe alles gesagt, und damit ist die Sache erledigt.

Das Komma kann hier dazu dienen, eine Pause oder einen stärkeren Übergang anzuzeigen. Noch stärker trennen der Punkt oder der Gedankenstrich:

Sie hatte aber kein Talent für die Automechanik. Und so wurde sie Sängerin.
Sie hatte aber kein Talent für die Automechanik – und so wurde sie Sängerin.

Das Komma ist übrigens dann vor und so obligatorisch, wenn es z. B. zu einem Nebensatz gehört. Im folgenden Satz schließt das Komma vor und den dass-Satz ab:

Schnell wurde ihr klar, dass dieser Weg nicht ihren musikalischen Zielen entsprach, und so wurde sie Sängerin einer Pop-Rock-Band.

Weitere Informationen zum häufig wiederkehrenden Thema des Kommas bei und finden Sie in einem älteren Blogeintrag mit dem vielsagenden Titel „Kein Komma vor und?“.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Kommas richtig setzen ist nicht immer einfach – Infinitivgruppen als Subjekt

Frage

„Die Elekotromobilität effektiv fördern(,) ist ein wichtiger Schritt bei der Reduktion der CO2-Emissionen.“ Muss nach „fördern“ eine Komma stehen?

Antwort

Sehr geehrter Herr Z.,

erweiterte Infinitive am Satzanfang stehen meistens mit zu. Dann gilt die Regel, dass die Infinitivgruppe durch ein Komma abgetrennt werden kann, um die Struktur des Gesamtsatzes zu verdeutlichen. In den folgenden Sätzen kann das eingeklammerte Komma also stehen, es kann aber auch weggelassen werden:

Mit dem Finger auf Leute zu zeigen[,] gilt als unhöflich.
Den ganzen Tag zu arbeiten[,] macht hungrig.
Kommas richtig zu setzen[,] ist nicht immer einfach.
Die Elekotromobilität effektiv zu fördern[,] ist ein wichtiger Schritt bei der Reduktion der CO2-Emissionen.

Ihr Satz ist aber nicht ganz gleich formuliert. Er zeigt, dass es natürlich wieder ein Aber gibt: Wenn ein erweiterter Infinitiv Subjekt des Satzes ist und vor dem Verb steht, kann er auch ohne zu verwendet werden. Er zählt dann nicht zu den Infinitivgruppen, die in der Rechtschreibregel gemeint sind, und kann nicht durch ein Komma abgetrennt werden. Ohne zu heißt hier auch ohne Komma:

Mit dem Finger auf Leute zeigen gilt als unhöflich.
Den ganzen Tag arbeiten macht hungrig.
Kommas richtig setzen ist nicht immer einfach.

Und damit sind wir endlich auch bei Ihrem Satz, der ohne Komma geschrieben wird:

Die Elekotromobilität effektiv fördern ist ein wichtiger Schritt bei der Reduktion der CO2-Emissionen.

Es ist wirklich nicht immer einfach, Kommas richtig zu setzen! Und warum die Infinitivgruppe im vorhergehenden Satz durch ein Komma abgetrennt werden muss, lesen Sie hier (resp. §75.3 der amtl. Rechtschreibregelung).

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare (1)

Das hartnäckige Komma im Titel

Frage

Ich habe eine simple Frage. Der Claim meines Blogs lautet: Produktmanagement das funktioniert. Ich bin mir jetzt unsicher. Kommt noch Produktmanagement ein Komma oder nicht? Was ist korrekt?

Antwort

Sehr geehrter Herr D.,

die Frage klingt simpel, doch bei den Satzzeichen in Titeln u. Ä. werden viele hin und wieder unsicher. Die Antwort ist übrigens gleich simpel wie die Frage: Vor das muss ein Komma stehen. Natürlich kann ich es nicht lassen, noch ein paar erklärende Worte hinzuzufügen:

Dieses das ist ein Relativpronomen, das einen Relativsatz (das funktioniert) einleitet. Ein Relativsatz ist ein Nebensatz und muss als solcher durch ein Komma abgetrennt werden. Das gilt auch dann, wenn er nicht von einem ganzen Satz, sondern wie hier nur von seinem Bezugswort begleitet wird. Und Titel, Slogans, Claims usw. sind nicht davon ausgenommen. So hartnäckig kann das Komma sein:

Ich zeige Ihnen Projektmanagement, das funktioniert.
Ich zeige Projektmanagement, das funktioniert.
Zeige Projektmanagement, das funktioniert.

Projektmanagement, das funktioniert

Ganz allgemein werden die Satzzeichen in Titeln, Überschriften usw. gleich gesetzt wie in „normalem“ Text. Ein paar Beispiele:

Irrungen, Wirrungen (Roman)
Wetten, dass …? (Fernsehsendung)
Good bye, Lenin! (Film)
Der Mann, der zu viel wusste (Der Mann, der zuviel wußte; Film)
Von einem, der auszog[,] das Fürchten zu lernen (Märchen)

Die einzige Ausnahme ist der Schlusspunkt: Er wird in Titeln u. Ä. nicht gesetzt. Außerdem gilt auch hier: Dichterischer Freiheit sind keine Grenzen gesetzt. Wundern Sie sich also nicht, wenn Sie Titeln und Überschriften begegnen, die es mit der offiziellen Zeichensetzung nicht so genau nehmen:

punkt punkt komma strich (Roman)

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare (2)

Noch einmal das Komma vor „und“

Im Prinzip wäre es ja ganz einfach: Vor und steht kein Komma. Natürlich geht es auch hier nicht ohne Ausnahmen, die ich in einem früheren Eintrag schon einmal erwähnt habe. Hier folgt noch ein solcher Spezialfall: 

Frage

Wie lauten hier die Kommaregeln? Gibt es eine einfache Faustregel? Ich bin etwas irritiert. Zum Beispiel:

Wenn du es zeichnest ist es rund, und wenn du es schreibst ist es gerade.
Wenn du es zeichnest, ist es rund und wenn du es schreibst, ist es gerade.
Wenn du es zeichnest, ist es rund, und wenn du es schreibst, ist es gerade.

Was ist richtig? Können Sie mir weiterhelfen?

Antwort

Sehr geehrter Herr S.,

in Ihrem Satz würde ich den dritten Vorschlag wählen und die Kommas wie folgt setzen:

Wenn du es zeichnest, ist es rund, und wenn du es schreibst, ist es gerade.

Das und verbindet hier zwei selbstständige Satzgefüge:

Wenn du es zeichnest, ist es rund
und
wenn du es schreibst, ist es gerade

In einem solchen Fall ist das Komma vor und im Prinzip fakultativ (es verbindet zwei gleichrangige selbstständige Sätze, vgl. hier). Wenn der zweite Satz aber ein Satzgefüge ist, das mit einem Nebensatz beginnt, ist es zu empfehlen, zur Verdeutlichung der Satzstruktur ein Komma zu verwenden.

Hier noch ein paar Beispiele:

Die Tür war aus Holz gefertigt, und wenn er sie öffnete, knarrte sie.
Sie diskutierten bis tief in die Nacht, und weil sie ein paar Gläser Wein getrunken hatte, nahm sie ein Taxi nach Hause.
Wir speisten darauf beim Gouverneur, und nachdem wir von ihm Abschied genommen hatten, gingen wir auf das Schiff zurück.
Zu guter Letzt bekam der brave Geselle Hans seine Appolonia zur Frau, und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie noch heute.

Bei Unsicherheit wäre es natürlich am einfachsten, solche Formulierungen zu vermeiden. Doch so sehr sollte man sich nicht durch eine Komma-Unsicherheit einschüchtern lassen, und wenn man es einmal weiß, ist es ja gar nicht so kompliziert.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare (3)

Wohin soll das Komma bei »einige Monate nachdem«

Frage

Wohin soll das Komma? Wir sind ratlos.

Er starb, einige Monate nachdem dieses Foto 1901 gemacht worden war?

Antwort

Sehr geehrter Herr D.,

das Komma ist richtig gesetzt. Im Prinzip steht das Komma vor der Nebensatzeinleitung nachdem:

Er starb, nachdem dieses Foto gemacht worden war.

Es kommt aber häufiger vor, dass nachdem Teil einer Verbindung ist, die als eine Einheit erfahren wird. Das Komma steht dann vor der ganzen Fügung und nicht vor nachdem. Zum Beispiel:

Er starb, kurz nachdem dieses Foto gemacht worden war.
Er starb, einen Tag nachdem dieses Foto gemacht worden war.

Ebenso:

Er starb, einige Monate nachdem dieses Foto gemacht worden war.

Ich gebe zu, dass dies nicht das „intuitivste“ aller jemals gesetzten Kommas ist, aber Alternativen wären kein Komma oder ein Komma nach einige Monate. Kein Komma ist orthografisch nicht möglich, weil wir dann einen Nebensatz hätten, der nicht durch ein Komma abgetrennt wird:

Nicht: Er starb einige Monate nachdem dieses Foto gemacht worden war.

Setzt man das Komma nach einige Monate, ergibt das einen langen Sterbensprozess, weil man dann annehmen müsste, dass er einige Monate (wie lange?) starb, nachdem das Foto 1901 gemacht worden war.

Nicht: Er starb einige Monate, nachdem dieses Foto gemacht worden war.
Vgl.: Er lebte nur noch einige Monate, nachdem dieses Foto gemacht worden war.

Und weil die ganze Fügung als eine Einheit aufgefasst wird, stehen auch nicht zwei Kommas:

Nicht: Er starb, kurz, nachdem das Foto gemacht worden war.
Nicht: Er starb, einige Monate, nachdem das Foto gemacht worden war.

Weitere Beispiele:

Ich habe dir um 10 Uhr geantwortet, also gleich nachdem ich deine E-Mail erhalten habe.
Sie bezahlte die Rechnung, kurz bevor der Gerichtsvollzieher kam.
Schon viele Jahre bevor Bio zum Trend wurde, begann sie die Produkte der Bio-Bauern zu vermarkten.

Siehe auch hier und hier.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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