„Drei Tage nachdem“ ist nicht „drei Tage, nachdem“

Frage

„Zehn Minuten bevor sie hier eintraf, bin ich fertig geworden.“ Ist das Komma hier korrekt und falls ja, lässt sich das tatsächlich damit begründen, dass es sich bei „bevor“ um eine Konjunktion handelt? Ich würde es streichen.

Antwort

Sehr geehrte Frau W.,

das Komma sollten Sie nicht streichen. Es trennt tatsächlich einen Nebensatz ab, der aber genau genommen nicht mit einem einfachen bevor eingeleitet wird. Die Konjunktion bevor kann nämlich durch zusätzliche Angaben erweitert sein und zusammen mit ihnen eine Einheit bilden, die nicht durch ein Komma unterbrochen wird. Der Nebensatz wird aber immer noch durch ein Komma abgetrennt:

Ich bin fertig geworden, bevor sie hier eintraf.
Ich bin fertig geworden, kurz bevor sie hier eintraf.
Ich bin fertig geworden, zehn Minuten bevor sie hier eintraf.
Kurz bevor sie hier eintraf, bin ich fertig geworden.
Zehn Minuten bevor sie hier eintraf, bin ich fertig geworden.
Erst etwas mehr als zehn Minuten bevor sie hier eintraf, bin ich fertig geworden.

Siehe auch hier. Dasselbe gilt übrigens auch für nachdem:

Er verließ den Raum, kurz nachdem sie hereinkommen war.
Kurz nachdem sie hereingekommen war, verließ er den Raum.
Erst drei Wochen nachdem sie aufgebrochen waren, kamen sie endlich in Rom an.
Fünf uns unendlich lang vorkommende Tage nachdem wir die Anmeldung abgeschickt hatten, lag endlich die Bestätigung in der Mailbox.

Manchmal muss man vielleicht ein bisschen nachdenken, wo das Komma hingehört. So haben die folgenden Sätze jeweils eine recht unterschiedliche Bedeutung:

Er telefonierte noch eine Stunde, bevor er das Haus verließ (eine Stunde lang)
Er telefonierte noch, eine Stunde bevor er das Haus verließ (eine Stunde vorher)

Es regnete drei Tage, nachdem wir in Rom angekommen waren (drei Tage lang)
Es regnete, drei Tage nachdem wir in Rom angekommen waren (drei Tage später)

Und zu guter Letzt sei noch gesagt: Zögern Sie nicht lange, bevor Sie sich an Dr. Bopp wenden! Eine Antwort erhalten Sie in der Regel, kurz nachdem Sie Ihre Frage gestellt haben.

Mit freundlichen Grüße

Dr. Bopp

Kommentare

Von »nicht wahr« über »oder« bis zu »woll«: immer mit Komma

 Frage

Eigentlich sollte ich es wissen aber ich weiß es nicht mehr 🙁 Kommt in diesen Satz ein Komma oder nicht?

Eigentlich nicht schlecht oder?

Ich freue mich auf Ihre Antwort und evtl. auch eine Erklärung.

Antwort

Sehr geehrte Frau H.,

um gleich mit der Tür ins Haus zu fallen: Vor einem abschließenden fragenden oder steht ein Komma:

Eigentlich nicht schlecht, oder?

Siehe auch hier.

Man kann dieses oder als nachgetragene Erläuterung sehen, mit der man um Zustimmung fragt. Solche nachgetragenen Erläuterungen werden durch ein Komma abgetrennt. Das gilt auch für das standardsprachliche Äquivalent dieses eher umgangssprachlichen oder

Das ist gut, nicht wahr?

sowie für seine regionalen, mehr oder weniger umgangssprachlichen Neffen und Nichten wie zum Beispiel diese:

Da staunst du, gelt/gell/gelle?
Du kommst auch mit, ja?
Wir haben schon gezahlt, oder nicht?
Wir haben gewonnen, stimmt’s?
Ihr kommt aus dem Süden, nich(t)?
Sie haben Hunger, ne?
Sie haben schon gegessen, näch?
Du hast sie nicht mehr alle, wa?
Das war teuer, was?
Da biste platt, woll?

Und seien Sie mir bitte nicht böse, wenn die Variante Ihrer Region nicht dabei ist. Die Beispiellisten können ja nicht immer vollständig sein, oder?

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Liebe ich dich so, wie du bist, oder liebe ich dich, so wie du bist?

Frage

Sind die eingeklammerten Kommas im folgenden Text freigestellt oder verpflichtet?

Behaltet mich(,) so wie ich war(,) im Herzen!

Frage

Wo steht das Komma?

Ich liebe dich so, wie du bist
Ich liebe dich, so wie du bist.

Antwort

Sehr geehrter Herr L., sehr geehrte Frau B.,

die Kommas sind obligatorisch, weil hier ein Nebensatz eingeschoben wird und Nebensätze durch Kommas abgetrennt werden müssen.

Behaltet mich, so wie ich war, im Herzen!

Das erste Komma kann auch an einer anderen Stelle stehen:

Behaltet mich so, wie ich war, im Herzen!

Man kann das so nämlich als Teil des Hauptsatzes sehen. In der gesprochenen Sprache trägt es dann eine starke Betonung und man hört nach ihm eine Pause:

Behaltet mich so, wie ich war, im Herzen!
= Behaltet mich so im Herzen, wie ich war!

Das so kann aber auch Teil einer mehrteiligen Nebensatzeinleitung sein. Es wird dann weniger stark betont und die Pause wird vor ihm gemacht:

Behaltet mich, so wie ich war, im Herzen.
= Behaltet mich im Herzen, so wie ich war.

Auch die folgende Liebeserklärung kann „kommamäßig“ auf zwei Arten formuliert werden:

Ich liebe dich so, wie du bist.
= Ich sage, dass ich dich so liebe, wie du bist.

Ich liebe dich, so wie du bist.
= Ich sage, dass ich dich liebe, so wie du bist.

Wenn Sie also einmal zweifeln, ob Sie bei so wie vor einem Nebensatz das Komma vor oder nach so setzen sollten, fügen Sie es einfach dort ein, wo Sie beim lauten Lesen eine Pause machen würden. Und wenn Sie finden, dass beide Betonungen möglich sind, ohne dass sich die Bedeutung merkbar ändert, sind einfach auch beide Schreibungen möglich.

Und verwechseln Sie so wie nicht mit sowie!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Ort Komma Datum

Eigentlich ist es ganz einfach, aber die heute behandelte Frage zeigt, dass man immer wieder und fast überall ins Zweifeln geraten kann:

Frage

Ich habe eine Frage zur Kommasetzung! In einem Brief wollen wir keine direkte Datumsangabe nennen, sondern „Bayreuth, im März 2017“ schreiben. Muss nach Bayreuth ein Komma stehen?

Antwort

Sehr geehrte Frau S.,

bei einer Datumsangabe in einem Brief o. Ä. setzt man zwischen der Orts- und der Datumsangabe ein Komma:

Bad Kreuznach, den 21. Februar 2017
Bamberg, 21. Feb. 2017
Basel, 21.02.17
Bautzen, am 21.12.2017

Das gilt auch bei ungenaueren Angaben wie diesen:

Bozen, im Frühjahr 2017
Bregenz, Anfang 2017
Bayreuth, im März 2017

Das Komma nach der Ortsangabe sollte also immer gesetzt werden. Sonst gibt es, wie man sieht, eine recht große Freiheit. Nur die Verwendung von dem gilt als falsch. Also besser nicht Berlin, dem 21. Februar 2017.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Meiner Meinung nach, ist dieses Komma nicht richtig

Frage

Ich verzweifle grade an folgenden Sätzen. Meine Schüler haben hier Kommas gesetzt und ich bin nun richtig verwirrt, ob das KANN-Komma-Situationen sind.

Einer aktuellen Studie nach (,) träumen viele Jugendliche von …
Im Gegensatz zu diesen Jugendlichen (,) hat sich ein anderer Teil der Heranwachsenden für …

Antwort

Sehr geehrte Frau W.,

durch eine Präposition eingeleitete und ähnliche Wortgruppen können durch Kommas als Einschub oder Nachtrag gekennzeichnet und hervorgehoben werden (siehe hier):

ohne Kommas:
Er kam wegen eines Staus viel zu spät an seinem Ziel an.
Sie hat dank einem Lottogewinn ein Haus am See gekauft.
Dieses Komma ist meiner Meinung nach nicht richtig.
Die Gesamtsumme beläuft sich auf ca. 100 € einschließlich Buchungskosten.

mit Kommas:
Er kam, wegen eines Staus, viel zu spät an seinem Ziel an.
Sie hat, dank einem Lottogewinn, ein Haus am See gekauft.
Dieses Komma ist, meiner Meinung nach, nicht richtig.
Die Gesamtsumme beläuft sich auf ca. 100 €, einschließlich Buchungskosten.

Die Kommas entsprechen Pausen in der gesprochenen Sprache.

Die Regel sagt, dass man solche Wortgruppen durch Kommas als Einschub oder Nachtrag kennzeichnen kann. Einschübe stehen im Satzinnern, Nachträge am Satzende. Steht die Wortgruppe am Satzanfang, ist sie weder ein Einschub noch ein Nachtrag und darf sie deshalb nicht durch ein Komma abgetrennt werden. Also nur ohne Komma:

Wegen eines Staus kam er viel zu spät an seinem Ziel an.
Dank einem Lottogewinn hat sie ein Haus am See gekauft.
Meiner Meinung nach ist dieses Komma nicht richtig.
Inklusive Buchungskosten beläuft sich die Gesamtsumme auf ca. 100 Euro.

Für Ihre beiden Sätze bedeutet dies, dass sie ohne Komma stehen müssen:

Einer aktuellen Studie nach träumen viele Jugendliche von …
Im Gegensatz zu diesen Jugendlichen hat sich ein anderer Teil der Heranwachsenden für …

Nur im Satzinneren kann man, falls gewünscht, Kommas setzen:

Viele Jugendliche träumen[,] einer aktuellen Studie nach[,| von …
Ein anderer Teil der Heranwachsenden hat sich[,| im Gegensatz zu diesen Jugendlichen[,] für …

Im Gegensatz zu beispielsweise dem Englischen und Französischen trennt das Deutsche also solche Wortgruppen am Satzanfang nicht durch ein Komma ab.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Komma vor dem Doppelpunkt?

Frage

Wenn einem Redebegleitsatz noch vor der wörtlichen Rede ein Nebensatz, ein Einschub oder Ähnliches folgt, wird dieser dann mit einem Komma abgeschlossen, sodass ein Komma direkt vor dem Doppelpunkt steht? Beispielsatz:

Er antwortete auf die Bitte, sich zu melden(,): „Danke für den Brief.“

Antwort

Sehr geehrter Herr S.,

spontan lasse ich das Komma vor dem Doppelpunkt weg und ich empfehle Ihnen, dies auch zu tun:

Er antwortet auf die Bitte, sich zu melden: „Danke für den Brief.“

In der amtlichen Rechtschreibregelung kann ich aber keine exakten Angaben dazu finden. Leitet man von bestehenden Regeln ab, kann sowohl für das Komma (wie zum Beispiel beim abschließenden Gedankenstrich eines Einschubes) als auch gegen das Komma (wie zum Beispiel vor dem Schlusspunkt) argumentiert werden. Da das Komma nicht die gleiche Funktion hat wie der Gedankenstrich und der Doppelpunkt nicht die gleiche Funktion wie der Schlusspunkt, lassen sich für beides auch Gegenargumente finden. Die über alle Zweifel erhabene Lösung gibt es also nicht.

Ich gehe davon aus, dass das zweite Komma die Funktion hat, das Ende der Infinitivgruppe anzugeben. Dies ist vor einem Punkt am Satzende und hier vor dem Doppelpunkt nicht notwendig. Der Doppelpunkt gibt an, dass der vorangestellte Begleitsatz, zu dem die Infinitivgruppe gehört, abgeschlossen ist. Ich halte es deshalb für gerechtfertigt, das Komma wegzulassen und damit eine sehr ungewöhnliche Folge von Satzzeichen zu vermeiden:

Er antwortet auf die Bitte, sich zu melden: „Danke für den Brief.“

Ebenso:

Er antwortete auf die Frage, ob er mitkomme: „Danke für die Einladung.“
Er fragte Hans, seinen Bruder: „Kommst du auch mit?“
Sie sagte zu Frau Sieger, d. h. zu ihrer Nachbarin: „Jetzt habe ich genug davon!“

Mit einer ähnlichen Begründung könnte man auch den zweiten Gedankenstrich bei paarigen Gedankenstrichen für „überflüssig“ erklären. Er sollte aber – das ergibt sich aus § 85 der amtl. Regelung – wie die abschließende Klammer auch vor dem Doppelpunkt geschrieben werden:

Er antwortet auf diese Bitte – wie könnte es auch anders sein! –: „Das geht dich nichts an.“

Das ist vielleicht nicht bis in Letzte konsequent, aber Kommas und paarige Gedankenstriche werden ja auch z. B. in Bezug auf die Leerschritte nicht gleich behandelt. Deshalb meine Empfehlung: kein Komma vor dem Doppelpunkt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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»Rechnungsstellung an die auf der Bestellung angegebene E-Mail-Adresse« oder Kommasetzung bei attributiv verwendeten Partizipgruppen

Frage

In Verträgen tritt immer wieder die folgende Satzkonstellation auf, bei der ich immer wieder über die richtige Zeichensetzung nachdenke. Hier ein Beispiel:

Die Rechnungsstellung kann per Post bzw. per E-Mail an die, auf der Bestellung angegebene, E-Mail-Adresse erfolgen.

Daher ergeben sich folgende Fragen: Ist die Schreibweise in dem Beispiel korrekt? […] Wie heißt diese Satzkonstellation in der Fachsprache?

Antwort

Sehr geehrter Herr L.,

fachsprachlich kann man hier von einer attributiv verwendeten Partizipgruppe sprechen. Richtig ist dabei die Schreibweise ohne Kommas:

Die Rechnungsstellung kann per Post bzw. per E-Mail an die auf der Bestellung angegebene E-Mail-Adresse erfolgen.

Es geht hier um die Wortgruppe auf der Bestellung angegebene. Dabei handelt es sich um das adjektivisch verwendete Partizip angegebene, das mit der Angabe auf der Bestellung erweitert ist. Solche erweiterten Partizipien werden nicht durch Kommas abgetrennt, wenn sie attributiv verwendet werden, das heißt, wenn sie wie hier vor dem Substantiv stehen, das sie näher bestimmen.

Sie werden auch dann nicht durch Kommas abgetrennt, wenn sie umfangreich sind. Also immer ohne abtrennende Kommas:

Schicken Sie die Rechnung an die angegebene Adresse.
Schicken Sie die Rechnung an die dort angegebene Adresse.
Schicken Sie die Rechnung an die auf der Bestellung angegebene Adresse.
Schicken Sie die Rechnung an die ganz unten auf der zweiten Seite der Bestellung angegebene Adresse.

Sie sprach die wartenden Leute an.
Sie sprach die auf den Bus wartenden Leute an.
Sie sprach die an der Haltestelle auf den Bus wartenden Leute an.
Sie sprach die seit über einer halben Stunde an der Haltestelle vor dem Kunstmuseum auf den Bus wartenden Leute an.

Vor allem der jeweils letzte Beispielsatz zeigt, dass man den Lesern und Leserinnen zuliebe auf allzu lange Partizipgruppen verzichten sollte. Leichter verständlich ist dann eine Formulierung mit einem Nebensatz:

Schicken Sie die Rechnung an die Adresse, die ganz unten auf der zweiten Seite der Bestellung angegeben ist.
Sie sprach die Leute an, die seit über einer halben Stunde an der Haltestelle vor dem Kunstmuseum auf den Bus warteten.

Weitere Beispiele und mehr Informationen dazu, wie man Partizipgruppen erweitern und verwendet kann, finden Sie auf dieser Seite in der Canoonet-Grammatik.

Mit auch sonst trotz der jeweils etwas formellen und floskelhaften Formulierung dennoch immer wieder aufrichtig gemeinten freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Achtung, Hühner!

Frage

Eine Anzeige lautet beispielsweise:

Achtung Referendare!
Rechtssicher handeln mit der Ausbildungsliteratur aus dem Hause …

Muss oder kann nach „Achtung” ein Komma stehen oder wäre ein Komma gerade falsch? Es soll nicht vor Referendaren gewarnt werden, sondern diese sollen aufmerksam gemacht werden.

Antwort

Sehr geehrte Frau P.,

sowohl die an Referendare gerichtete Aufforderung, sie sollen aufpassen, als auch die Aufforderung, vor Referendaren aufzupassen, werden mit Komma geschrieben:

Achtung, Referendare!

Vgl.

Vorsicht, Stufe!
Achtung, bissiger Hund!

Passt auf, Kinder!
Achtung, Michael, die Ampel ist rot!

Es gibt fast keine Möglichkeit, eventuellen Zweideutigkeiten dieser Art mit Hilfe der Zeichensetzung vorzubeugen. (Die Aufforderung vor etwas oder jemandem aufzupassen, kann – aber muss keineswegs – mit einem Doppelpunkt geschrieben werden: Achtung: Referendare! Aber das ist ja gerade, was in Ihrem Beispiel nicht gesagt werden soll.)

In der Regel gibt die Bedeutung oder der weitere Zusammenhag an, was gemeint ist. Falls dies nicht so ist und es zu Problemen führen kann, muss anders formuliert werden. In Ihrem Beispiel sollte es meiner Meinung nach nicht zu Missverständnissen kommen (außer bei den üblichen Spaßvögeln, siehe auch unten).

Mir kommt hier ein Schild am Straßenrand bei einem Bauernhof in den Sinn, an dem wir auf einer unsere Lieblingsfahrradtouren vorbeikommen. Darauf steht in großen Buchtstaben die Warnung:

Achtung, Hühner!

Es ist bereits zu einer Tradition geworden, dass wir uns dann fröhlich fragen (Achtung, Humor!), wovor die Hühner denn aufpassen sollen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Mehr Import als Export – Man importiert mehr, als exportiert wird

Frage

Folgender Satz erscheint mir merkwürdig:

Deutschland importiert mehr Holzabfälle als exportiert werden.

Antwort

Sehr geehrter Herr Z.,

der Satz ist vielleicht nicht gerade ein Meisterwerk deutscher Formulierkunst, aber er ist m. E. richtig. Es fehlt ihm nur ein Komma:

Deutschland importiert mehr Holzabfälle, als exportiert werden.

Bei einem vergleichenden als in Verbindung mit einem Wort oder einer Wortgruppe steht vor als kein Komma:

Deutschland importiert mehr Holzabfälle als vor einigen Jahren.
Wir haben mehr Sitzplätze als nötig.
Sie haben mehr Produkte eingekauft als ihre Konkurrenz.

Man setzt dann ein Komma, wenn als einen Nebensatz einleitet (vgl. hier). In diesen Fällen sind die Nebensätze problemlos als solche zu erkennen:

Deutschland importiert mehr Holzabfälle, als man es früher tat.
Wir haben mehr Sitzplätze, als wir Besucher erwarten.
Sie haben mehr Produkte eingekauft, als sie es sich finanziell erlauben können.

In den folgenden Fällen ist es vielleicht ein bisschen schwieriger, die Nebensätze zu erkennen, denn sie sind nicht vollständig. Ein Satzteil fehlt in ihnen, weil er mit einem Satzteil im übergeordneten Satz identisch ist und deshalb nicht wiederholt wird (das ist übrigens bei anderen Nebensätzen in der Regel nicht möglich). Man erkennt sie aber trotzdem recht gut daran, dass sie ein eigenes konjugiertes Verb haben:

Deutschland importiert mehr Holzabfälle, als exportiert werden.
Wir haben mehr Sitzplätze, als nötig sind.
Sie haben mehr Produkte eingekauft, als sie verkaufen können.

Ob Deutschland wirklich mehr Holzabfälle importiert als exportiert, weiß ich nicht. Ich kann nur sagen, dass die Form des zitierten Satzes mit dieser Aussage zwar etwas gar knapp, aber dennoch akzeptabel ist (wenn Sie ihn mit einem Komma ergänzen).

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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… und so wurde sie Sängerin – Komma oder nicht?

Frage

Wird im nachfolgenden Satz vor „und so“ ein Komma gesetzt (analog der Kommasetzung vor „und zwar“/„und das“)?

Sie hatte aber kein Talent für die Automechanik(,) und so wurde sie Sängerin.

Antwort

Sehr geehrte Frau S.,

anders als und zwar oder und das leitet dieses und so keine nachgetragene Ergänzung ein. Das und verbindet in Ihrem Satz zwei selbstständige Sätze, von denen der zweite mit so beginnt:

Sie hatte aber kein Talent für die Automechanik.
So wurde sie Sängerin.

Wenn und zwei selbstständige Sätze verbindet, kann man ein Komma setzen (siehe hier). Das Komma ist also fakultativ, das heißt, Sie können hier vor und ein Komma setzen, Sie können es aber auch weglassen:

Sie hatte aber kein Talent für die Automechanik und so wurde sie Sängerin.
Sie hatte aber kein Talent für die Automechanik, und so wurde sie Sängerin.

Ebenso zum Beispiel:

Nach dem Führungstreffer verhielten wir uns zu passiv und so kam es kurze Zeit später zum unglücklichen Ausgleich.
Nach dem Führungstreffer verhielten wir uns zu passiv, und so kam es kurze Zeit später zum unglücklichen Ausgleich.

Ich habe alles gesagt und damit ist die Sache erledigt.
Ich habe alles gesagt, und damit ist die Sache erledigt.

Das Komma kann hier dazu dienen, eine Pause oder einen stärkeren Übergang anzuzeigen. Noch stärker trennen der Punkt oder der Gedankenstrich:

Sie hatte aber kein Talent für die Automechanik. Und so wurde sie Sängerin.
Sie hatte aber kein Talent für die Automechanik – und so wurde sie Sängerin.

Das Komma ist übrigens dann vor und so obligatorisch, wenn es z. B. zu einem Nebensatz gehört. Im folgenden Satz schließt das Komma vor und den dass-Satz ab:

Schnell wurde ihr klar, dass dieser Weg nicht ihren musikalischen Zielen entsprach, und so wurde sie Sängerin einer Pop-Rock-Band.

Weitere Informationen zum häufig wiederkehrenden Thema des Kommas bei und finden Sie in einem älteren Blogeintrag mit dem vielsagenden Titel „Kein Komma vor und?“.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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