Sondern und die Kommas

Endlich einmal eine Kommafrage, die sich ganz einfach beantworten lässt! Oder doch nicht?

Frage

Mir begegnet beim Schreiben deutscher Texte und beim Übersetzen fremdsprachiger Texte immer wieder der Ausdruck „nicht nur … sondern auch“. In dem Fall, dass zwei Substantive verbunden werden, bin ich unsicher, ob vor das Wort „sondern“ ein Komma gesetzt werden muss. Ein Beispiel:

Fritz ist nicht nur ein leidenschaftlicher Wanderer(,) sondern auch ein passionierter Angler.

Antwort

Guten Tag F.,

es ist im Zusammenhang mir einer Kommafrage kaum zu glauben, aber für einmal ist es ganz einfach: Vor der Konjunktion sondern steht immer ein Komma.

Fritz ist kein Wanderer, sondern ein Angler.
Nicht nur Fritz, sondern auch Anton ist ein leidenschaftlicher Angler.
Fritz ist nicht nur ein leidenschaftlicher Wanderer, sondern auch ein passionierter Angler.
Das ist kein Süßwasser-, sondern ein Salzwasserfisch.
Fritz fährt in den Ferien nicht in den Schwarzwald, sondern (er) bleibt zu Hause.

Siehe auch sondern in Canoonet.

Und jetzt fühle ich mich wie ein Spielverderber. Wenn Nebensätze und Infinitivgruppen ins Spiel kommen, wird es nämlich doch komplizierter – nicht vor sondern, sondern dahinter.

Bei nicht … sondern ist es noch relativ übersichtlich:

Anton fährt nicht an den See, um zu angeln, sondern um zu wandern.
Anton fährt nicht zum Angeln an den See, sondern weil er wandern möchte.
Fritz fährt nicht in den Schwarzwald, weil er wandern will, sondern weil er angeln möchte.

Bei nicht nur … sondern auch hängt die Kommasetzung davon ab, ob nicht nur und sondern auch a) zum Hauptsatz oder b) zu den Nebensätzen gehören:

a) Anton fährt nicht nur an den See, um zu angeln, sondern auch, um zu wandern.
b) Anton fährt an den See, nicht nur um zu angeln, sondern auch um zu wandern.

a) Fritz fährt nicht nur in den Schwarzwald, weil er wandern will, sondern auch, weil er angeln möchte.
b) Fritz fährt in den Schwarzwald, nicht nur weil er wandern will, sondern auch weil er angeln möchte.

Die Regel, dass vor sondern immer ein Komma steht, bleibt aber erhalten. Insofern habe ich Ihnen also oben doch nicht zu viel „versprochen“.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare

Wissen Sie(,) wie?

Frage

Kommt bei Fragewörtern ein Komma, wenn sie keinen Nebensatz bzw. einen verkürzten Nebensatz einleiten?

Zum Beispiel: „Er weiß nicht(,) warum.“

Eigentlich könnte dieser Satz ja erweitert werden: „Er weiß nicht, warum er nicht gewählt worden ist.“ In diesem Falle müsste ein Komma stehen. Gilt das denn auch für die verkürzte Variante?

Antwort

Guten Tag A.,

Ihre Frage enthält schon die meisten Elemente, die zu ihrer Beantwortung beitragen. Wenn statt eines abhängigen Fragesatzes ein einzelnes Fragewort steht, kann man es mit einem Komma abtrennen. Das Fragewort wird dann als verkürzter Nebensatz behandelt. Man kann das Fragewort aber auch als einfache Ergänzung interpretieren und kein Komma setzen. Zum Beispiel:

Er weiß nicht, warum?
Er weiß nicht warum.

Weiß er wirklich nicht, weshalb?
Weiß er wirklich nicht weshalb?

Sie kommen bestimmt. Wenn ich nur wüsste, wann!
Sie kommen bestimmt. Wenn ich nur wüsste wann!

Ich weiß nicht, wie, aber ich werde es herausfinden.
Ich weiß nicht wie, aber ich werde es herausfinden.

Repariere es! Womit ist mir egal.
Repariere es! Womit, ist mir egal.

So viel Freiheit ist ja schön und gut, aber wann soll man denn nun ein Komma setzen und wann nicht? – Das liegt ganz in Ihrem Ermessen. Als Faustregel könnte hier gelten: Das Komma steht dann, wenn Sie in der gesprochenen Sprache eine das einzelne Fragewort hervorhebende Pause machen oder machen würden.

Es ist nicht immer einfach, Kommas zu setzen. Ich hoffe, dass Sie in diesem Fall nun ein bisschen besser wissen(,) wie.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Angela Merkel mit und ohne Kommas

Frage

Ich hatte noch gelernt, dass bei Funktionsbezeichnungen wie: „Die Bundeskanzlerin, Angela Merkel, sagte …“ die Apposition mit Kommata abgetrennt wird, weil es nur eine amtierende Bundeskanzlerin gibt. Wenn man die Bezeichnung wie einen Titel gebraucht, steht kein Komma: „Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte …“

Dann hatte ich noch gelernt, dass wenn z. B. ein Amt von mehreren Personen ausgeübt wird, kein Komma steht: „Der stellvertretenden Landesvorsitzende der GdP-Saarland Ralf Porzel sagte …“

Ich bin durch die ganzen Rechtschreibreformen verunsichert und wollte deshalb wissen, ob das immer noch so ist?

Antwort

Sehr geehrter Herr S.,

durch die Rechtschreibreform hat sich in diesem Bereich der Kommasetzung nichts geändert. Die Regel, die Sie hantieren, führt meist zu einem korrekten Resultat, sie ist aber viel zu strikt. Es gibt oft mehr als eine Möglichkeit.

Die Kommasetzung hängt hier nämlich nicht davon ab, ob es einen oder mehrere Vertreter einer bestimmten Funktion gibt, sondern davon, ob man die Nennung des Namens als Hauptsache oder als nachgestellte Apposition (nähere Bestimmung) versteht. Im Prinzip ist es ganz einfach: Wenn man in der gesprochenen Sprache vor und nach dem Namen eine Pause macht, ist er eine Apposition, das heißt eine nähere Bestimmung, wer genau mit der genannten Funktion gemeint ist. Man setzt Kommas. Wenn man beim Sprechen keine Pausen macht, ist der Name der Kern der Wortgruppe, dem ein Titel oder eine Funktionsbezeichnung vorausgeht. Man schreibt keine Kommas. In vielen Fällen ist beides möglich, unabhängig davon, ob es mehrere Vertreter oder Vertreterinnen der genannten Funktion gibt oder nicht. Ein paar Beispiele:

Mit oder ohne Pause → mit oder ohne Komma:

Es spricht die Bundeskanzlerin Angela Merkel.
Es spricht die Bundeskanzlerin, Angela Merkel.

Der Vorsitzende Hans Christoph Brummer begrüßte die Anwesenden.
Der Vorsitzende, Hans Christoph Brummer, begrüßte die Anwesenden.

Der Angeklagte sagte, dass er nicht mit seiner Verteidigerin Dr. Thekla Araneus einverstanden sei.
Der Angeklagte sagte, dass er nicht mit seiner Verteidigerin, Dr. Thekla Araneus, einverstanden sei.

Ich reiste mit meinem Nachbarn Alois Siebenpunkt nach Prag.
Ich reiste mit meinem Nachbarn, Alois Siebenpunkt, nach Prag.

Ohne Pause → ohne Komma:

Nach der Aussage der Landtagsabgeordneten Maja Apis verliefen die Unterhandlungen gut.

Mit Pause → mit Komma:

Nach der Aussage einer Landtagsabgeordneten, Maja Apis, verliefen die Unterhandlungen gut.

Mir persönlich helfen die Pausen in der gesprochenen Sprache gut bei der Entscheidung, ob ich in solchen Fällen ein Komma setzen will oder nicht.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Komma, Ergänzungsstrich und Gazanien

Kommafragen gehören zu Ihren Lieblingsfragen. Das Wort „Lieblingsfragen“ ist wahrscheinlich falsch gewählt. Dass viele Ihrer Fragen den Beistrich betreffen, liegt wohl nicht daran, dass Sie das Komma so mögen, sondern vielmehr daran, dass die Kommasetzung im Deutschen so komplex ist. Während andere Sprachen mit dreieinhalb Regeln auskommen (Über- und Untertreibungen dieser Art sind in Blogs gestattet), benötigt die amtliche deutsche Rechtschreibregelung acht Paragraphen (§§ 71-79), um dieses Satzzeichen zu bändigen. Acht Paragraphen sind eigentlich nicht viel. Wenn man aber genauer hinschaut, sieht man, dass diese acht Paragraphen insgesamt in ungefähr vierzig(!) Abschnitte und Ausnahmebestimmungen unterteilt sind. Dann wird klarer, warum Sie – und auch ich – des Öfteren nicht mehr wissen, ob ein Komma gesetzt werden muss oder nicht. Ob die Rechtschreibreform die Kommasetzung vereinfacht hat, weiß ich nicht. Wenn ja, war es eine relative „Vereinfachung“ in dem Sinne, dass schrecklich kompliziert einfacher ist als ungeheuerlich kompliziert.

Klagen hilft nichts. Wer korrekt schreiben will, muss sich mit der Beistrichregelung herumschlagen. Irgendwie sind wir ja auch selbst schuld, denn die Deutschsprechenden und -schreibenden wollen immer ganz genau wissen, was richtig und was falsch ist. Gründlichkeit hat ihren Preis. Wären wir bereit, einen lockereren Umgang mit dem Komma zu akzeptieren, kämen vielleicht auch wir mit dreieinhalb Kommaregeln aus.

Wie dem auch sei: Falls Sie einmal nicht weiterkommen, fragen Sie Dr. Bopp! Ich werde versuchen, eine befriedigende Antwort zu finden. Das hat auch Herr W. getan. Diesmal war die Antwort sogar relativ einfach und entsprechend kurz:

Frage

Ich hätte eine Frage zur Kommasetzung an Sie. Schreibt man:

Paris ist bald nicht mehr 18 Flug- sondern nur noch vier Autostunden entfernt.

oder:

Paris ist bald nicht mehr 18 Flug-, (!) sondern nur noch vier Autostunden entfernt.

Antwort

Sehr geehrter Herr W.,

vor der Konjunktion sondern steht immer ein Komma. Das gilt auch dann, wenn vor sondern ein Wort mit einem Ergänzungsstrich steht:

Paris ist bald nicht mehr 18 Flug-, sondern nur noch vier Autostunden entfernt.

In Aufzählungen u. Ä. kann ganz allgemein ein Komma auf einen Ergänzungsstrich folgen. Zum Beispiel:

auf Gemeinde-, Landes- und Bundesebene
ein-, aus- und umräumen
Es gibt ein-, aber auch mehrfarbige Blüten.

Der letzte Beispielsatz stammt aus der Beschreibung einer Gazanie genannten Pflanzengattung. Ob Gazanien wirklich ein-, aber auch mehrfarbige Blüten haben, weiß ich eigentlich nicht. Ich weiß nur, dass nach ein- ein Komma stehen muss, wenn man diese Blumen so beschreibt. Rechtschreibung ist oft eine farblose Angelegenheit.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Die Frage, ob und wenn ja wo hier Kommas stehen müssten

Frage

Bitte helfen Sie mir bei der Kommasetzung [...] Wo werden (weitere) Kommas benötigt?

Teilen Sie mir bitte mit, ob und wenn ja bis wann Sie die Texte schicken können.

Antwort

Sehr geehrter Herr T.,

es werden keine weiteren Kommas benötigt. Wenn man will, kann man allerdings zwei weitere Kommas einfügen. Wie ich zu diesem Schluss komme, lässt sich über einige Schritte herleiten.

Es handelt sich bei dieser Formulierung um die Zusammenziehung zweier indirekter Fragen, die mit einem eingeschobenen formelhaft verkürzten Bedingungssatz garniert ist. Wenn wir auf die Zusammenziehung verzichten und den verkürzten Bedingungssatz weglassen, erhalten wir den folgenden Satz:

Teilen Sie mir bitte mit, ob Sie die Texte schicken können und wann Sie die Texte schicken können.

Vorläufig wird also weder vor dem und noch nach dem und ein Komma benötigt. Da der Satz so aber etwas seltsam ist, fügen wir nun den weggelassenen Bedingungssatz unverkürzt wieder ein:

Teilen Sie mir bitte mit, ob Sie die Texte schicken können und, wenn die Antwort ja ist, wann Sie die Texte schicken können.

Vor und nach dem eingeschobenen Nebensatz muss, wie man sieht, ein Komma stehen (vor wenn und nach ist).

Nun gehen wir in die umgekehrte Richtung und ziehen wieder zusammen. Wir lassen den zweimal vorkommenden Teil (Sie die Texte schicken können) im ersten Nebensatz weg:

Teilen Sie mir bitte mit, ob und, wenn die Antwort ja ist, wann Sie die Texte schicken können.

Als letzten Schritt verkürzen wir den eingeschobenen Nebensatz so, dass nur noch wenn ja von ihm übrig bleibt:

Teilen Sie mir bitte mit, ob und, wenn ja, wann Sie die Texte schicken können.

Der eingeschobene Nebensatz ist so sehr verkürzt, dass er als „formelhaft verkürzter Nebensatz“ gelten kann. Das hat zur Folge, dass man die abtrennenden Kommas auch weglassen darf (Regel):

Teilen Sie mir bitte mit, ob und wenn ja wann Sie die Texte schicken können.

Bei Formulierungen der Art ob und wenn ja … kann man also den Einschub wenn ja durch Kommas abtrennen, muss dies aber nicht tun. Die Anfangsfrage hätte also auch so gestellt werden können:

Meine Frage lautet, ob und wenn ja wo weitere Kommas benötigt werden?
Meine Frage lautet, ob und, wenn ja, wo weitere Kommas benötigt werden?

Ich habe mich gefragt, ob und[,] wenn ja[,] an welchem Tag ich diese Frage im Blog erwähnen soll. Warum nicht gleich heute?

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Am Montag, dem/den 12. Januar 2009

Hier wieder einmal ein Anwärter auf einen Platz ganz oben in der Liste der meistgestellten Fragen:

Frage

Ich habe eine grammatikalische Frage zu einer Einladung. Heißt es: am Montag, dem 12. Januar 2009 oder am Montag, den 12. Januar 2009?

Antwort

Sehr geehrte Frau K.,

beide Formulierungen sind möglich und gebräuchlich:

am Montag, dem 12. Januar 2009
am Montag, den 12. Januar 2009

Wenn das Datum nach dem Wochentag genannt wird, steht es meistens im gleichen Fall wie der Wochentag:

Heute ist Montag, der 12. Januar 2009.
Die Sitzung ist für den Montag, den 12. Januar(,) geplant.
Basel, Montag, den 12. Januar
am Abend des Montags, des 12. Januars

Im Dativ (nach am) wird die Datumsangabe aber oft auch im Akkusativ verwendet:

Die Sitzung findet am Montag, dem 12. Januar(,) statt. oder
Die Sitzung findet am Montag, den 12. Januar(,) statt.

Die Formulierung mit den wird nicht von allen als stilistisch gut akzeptiert. Diese Meinung teile ich nicht, aber es gilt wie so oft: Wenn Sie ganz sicher sein wollen, dass niemand etwas an Ihrer Formulierung auszusetzen hat, verwenden Sie am besten am Montag, dem …

Hier noch ein Verweis auf die Grammatik und die Kommaregeln.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Viel Kommas um wenig Text

Frage

Ich bin grade bei einer schriftlichen Ausarbeitung über meinen eigenen Satz gestolpert, der etwa Was mich fasziniert, ist, dass … lautet. Ist die Kommasetzung hier tatsächlich richtig und wenn ja, wie kommt so etwas zustande?

Antwort

Sehr geehrter Her H.,

ja, Sie müssen tatsächlich so viele Kommas setzen. Nebensätze werden bekanntlich durch Kommas abgetrennt. Wenn man Ihren Satz, der fast nur aus Nebensätzen besteht, umformuliert, sehen Sie, wie die einzelnen Kommas zu erklären sind:

Komma vor ist:

Was mich fasziniert, ist die Kommasetzung.

Komma nach ist:

Faszinierend ist, dass man die Kommas so setzen muss.

Wenn sie diese beiden Sätze ineinanderschieben, erhalten sie:

Was mich fasziniert, ist, dass man die Kommas so setzen muss.

Das sieht tatsächlich so aus, als ob es etwas viel des Guten wäre, aber die wohlwollende Leserschaft liest meistens darüber hinweg, ohne dass ihr etwas auffällt. Wenn Sie diese Kommahäufung trotzdem stört, sind andere, stilistisch oft noch etwas bessere Formulierungen möglich. Zum Beispiel:

Besonders faszinierend finde ich, dass …
Mich fasziniert vor allem, dass…

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Der angekommene Urlaub und die beschwipste Konsulin

Es gibt seit kurzem die Möglichkeit, Fragen auch mit Hilfe eines Kontaktformulars zu stellen. Diese Fragen kann ich aber nur dann beantworten, wenn Sie Ihre korrekte E-Mail-Adresse angeben. Alle Fragesteller und Fragestellerinnen erhalten nämlich immer eine persönlich an sie gerichtete Antwort. Canoo.net verspricht Ihnen, dass wir Ihren Namen und Ihre E-Mail-Adresse weder veröffentlichen noch an Dritte weitergeben. Wie belästigen Sie noch nicht einmal mit Post von uns.

Diese Einleitung richtet sich auch an Frau H., deren Frage ich wegen einer wahrscheinlich falsch eingegebenen E-Mail-Adresse nicht beantworten konnte. Hier dann also ausnahmsweise eine „unpersönliche“ Antwort direkt im Blog:

Frage:

Wie ist die Kommasetzung bei diesem Satz:

In Kuba angekommen, beginnt sein Urlaub.

Oder:

In Kuba angekommen beginnt sein Urlaub.

Antwort

Guten Tag Frau H.,

der Satz kann sowohl mit als auch ohne Komma geschrieben werden. In Kuba angekommen ist eine Partizipgruppe (Partizipialkonstruktion), die zur Verdeutlichung oder zur Hervorhebung durch ein Komma abgetrennt werden kann.

Es gibt aber ein anderes Problem: Partizipialkonstruktionen haben kein Subjekt. Normalerweise ist das Subjekt des Partizips dasselbe wie das Subjekt des Hauptsatzes. Das bedeutet – wenn man streng sein will –, dass in Ihrem Beispiel nicht er, sondern sein Urlaub in Kuba angekommen ist. Das Subjekt des Hauptsatzes ist nämlich sein Urlaub (Wer oder was begann?).

Am besten formulieren Sie deshalb den Satz wie folgt um:

In Kuba angekommen beginnt er seinen Urlaub.

Oder mit Komma:

In Kuba angekommen, beginnt er seinen Urlaub.

In dieser Weise ist das Subjekt zu angekommen identisch mit dem Subjekt des Hauptsatzes, nämlich er.

Ein vielleicht noch aussagekräftigereres Beispiel ist das folgende:

Mit Wein gefüllt[,] überreichte die Konsulin ihrem Gatten das Glas.

Hier wird nicht, wie es wahrscheinlich beabsichtigt ist, ausgedrückt, dass das Glas mit Wein gefüllt war. Wegen der oben beschriebenen Subjektigleichheit unterstellt dieser Satz vielmehr, dass die Konsulin schon ziemlich beschwipst gewesen sein muss.

Hier noch die Angaben zu den entsprechenden Regeln:
Rechtschreibung
Grammatik

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Das Saufen, das Komma und das Koma

Frage

In der Schule meines Sohnes läuft derzeit eine Aktion gegen den Alkoholmißbrauch durch Jugendliche. Auf dem entsprechenden Plakat ist als Aufmacher „Saufen bis der Arzt kommt“ gedruckt. Ein Deutschlehrer ist nun der Meinung, nach Saufen müßte ein Komma stehen. Ist das richtig?

Antwort

Sehr geehrter Herr G.,

der Deutschlehrer hat recht. Es handelt sich zwar nicht um einen vollständigen Satz, aber zwischen Saufen, das für den Hauptsatz steht, und dem Nebensatz bis der Arzt kommt muss man eigentlich ein Komma setzen:

Saufen, bis der Arzt kommt

Das ist das gleiche Komma, das auch bei einem vollständigen Satz stehen muss (Regel):

Sie saufen, bis der Arzt kommt.

Auf Postern, in Überschriften und so weiter steht aber bei solchen verkürzten Formulierungen oft (bewusst?) kein Komma, vielleicht weil es grafisch als störend empfunden wird. Wenn man die Rechtschreibregeln streng anwendet, ist dies aber nicht korrekt. Man muss sich dann als Texter oder Grafikerin die Frage stellen, ob man die Regeln immer so streng anwenden will. Auf einer Schule empfiehlt es sich aber schon, die Rechtschreibregeln zu berücksichtigen.

Das Wichtigste ist allerdings nicht, ob hinter Saufen ein Komma steht, sondern dass das Koma nach dem Saufen – und das Saufen ganz allgemein – verhindert wird.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Guten Tag(,) Frau Schneider – Briefanreden mit oder ohne Komma?

Frage

Ich habe versucht, auf Ihrer Internetseite folgende Kommasetzung zu finden:

Hallo, Frau Schneider!
Guten Tag, Herr Schulz!

Wir sind uns im Büro leider nicht einig, ob nach Hallo und Guten Tag in Briefanreden ein Komma gesetzt wird oder nicht.

Antwort

Sehr geehrte Frau Z.,

es ist nicht besonders verwunderlich, dass Sie sich im Büro bei dieser Frage nicht einig werden können. Nach den Beispielen in der DIN 5008 (sie legt Schreib- und Gestaltungsregeln für die Textverarbeitung fest) schreibt man ohne Komma:

Hallo Frau Schneider,
Guten Tag Herr Schulz,

Nach den Beispielen in Duden – Richtiges und gutes Deutsch kann man nach Hallo ein Komma setzen und muss man nach Guten Tag ein Komma verwenden:

Hallo[,] Frau Schneider,
Guten Tag, Herr Schulz

Was ist also richtig? Ich greife hier auf die amtlichen Rechtschreibregeln zurück, die besagen, dass man bei Anreden ein Komma setzt, wenn man sie besonders hervorheben will (siehe Regel). Die Unsicherheit entsteht durch den dort stehenden Nebensatz „die besonders hervorgehoben werden sollen“. Man muss hier also nicht unbedingt Kommas verwenden.

Hervorhebung wird in der gesprochenen Sprache u. a. durch eine kurze Pause angegeben. Anreden wie Hallo[,] Frau Meier oder Guten Tag[,] Herr Schulz kann man sowohl mit, als auch ohne Hervorhebung resp. Pause lesen. Entsprechend kann mit oder ohne Komma geschrieben werden.

Soweit ich weiß üblicher und für mein Auge etwas weniger gewöhnungsbedürftig sind übrigens die Briefanreden ohne Komma. Wenn die Anrede länger wird, drängt sich allerdings wieder eher die Verwendung des Kommas auf:

Guten Tag, sehr geehrte Frau Schneider,

Der langen Rede kurzer Sinn: Ein Komma ist nicht notwendig, es kann aber gesetzt werden. Das ist keine eindeutige Regel, aber das macht nichts. Diese Anreden werden ja verwendet, weil sie weniger förmlich sind als das traditionelle Sehr geehrte(r). Dann darf man sicher auch die Kommasetzung etwas lockerer nehmen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare (2)