Doppelpunkt und doppeltes Fragezeichen

Wenn man aus nur zwei Fällen statistische Schlüsse ziehen dürfte, könnte ich sagen, dass Ende September die Saison der Fragesätze ist. Heute geht es nämlich schon wieder um einen Fragesatz. Diesmal ist es eine direkte Frage mit einem Begleitsatz, der auch eine Frage ist.

Frage

Könnten Sie mir bitte bei folgendem Satz weiterhelfen?

Denkt ihr denn nicht, dass euch jedes Mal, wenn ihr essen wollt, etwas durch den Kopf gehen wird wie: ist/Ist es wirklich recht, dass ich hier am Tisch sitze.

Antwort

Guten Tag Herr H.,

da es sich um eine direkte Rede oder, genauer gesagt, eine direkte Frage handelt, sollten Sie Anführungszeichen verwenden. Die Zeichensetzung sieht dann so aus:

Denkt ihr denn nicht, dass euch jedes Mal, wenn ihr essen wollt, etwas durch den Kopf gehen wird wie: „Ist es wirklich recht, dass ich hier am Tisch sitze?“?

Auffallend sind hier die zwei Fragezeichen. Sie sind kein Tippfehler! Das erste gehört zur wörtlich zitierten Frage und steht vor dem abschließenden Anführungszeichen. Das zweite Fragezeichen ganz am Schluss gehört zum Begleitsatz, der ebenfalls eine Frage ist. Keines von beiden kann weggelassen werden (siehe auch hier).

Der Satz kann auch mit einer indirekten Frage formuliert werden:

Denkt ihr denn nicht, dass euch jedes Mal, wenn ihr essen wollt, etwas durch den Kopf gehen wird wie, ob es wirklich recht ist, dass ihr hier/dort am Tisch sitzt?

Der Satz kommt dann ohne Anführungszeichen, ohne Doppelpunkt und mit nur einem Fragezeichen aus. Und das Komma nach wie muss tatsächlich stehen. Es trennt den mit ob eingeleiteten indirekten Fragesatz ab.

Aber lautete Ihre Frage nicht eigentlich: „Soll nach dem Doppelpunkt groß- oder kleingeschrieben werden?“? Die Antwort sehen Sie oben in den Beispielen. Allgemeine Informationen zur Groß- und Kleinschreibung nach einem Doppelpunkt finden Sie hier.

Mit freundlichen Grüße:

Dr. Bopp

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Direkte und indirekte Fragen und ihre Zeichensetzung

Frage

Ist folgender Satz ohne Einleitungswort nach „war“ korrekt und muss ein Fragezeichen am Schluss stehen?

Eine heiß diskutierte Frage war, soll der Anhänger eine Lenkung bekommen, um die Wendigkeit zu steigern.

Antwort

Guten Tag Herr Z.,

der Satz ist im Prinzip korrekt, nur mit den Satzzeichen hapert es ein bisschen. Der zweite Teilsatz ist nämlich als direkter Fragesatz formuliert und hat entsprechend ein Anrecht auf einen Doppelpunkt, Anführungszeichen und ein Fragezeichen:

Eine heiß diskutierte Frage war: „Soll der Anhänger eine Lenkung bekommen, um die Wendigkeit zu steigern?“

Eine heiß diskutierte Frage war: „Wie kann die Wendigkeit des Anhängers gesteigert werden?“

Wenn die Frage als indirekte Frage formuliert werden soll, muss sie mit ob oder einem Fragewort eingeleitet werden. Es gibt keine uneingeleiteten indirekten Fragesätze. Weiter muss sie die Wortstellung eines Nebensatzes erhalten und nicht mit einem Fragezeichen, sondern mit einem einfachen Punkt abgeschlossen werden (siehe hier):

Eine heiß diskutierte Frage war, ob der Anhänger eine Lenkung bekommen solle/soll, um die Wendigkeit zu steigern.

Eine heiß diskutierte Frage war, wie die Wendigkeit des Anhängers gesteigert werden könne/kann.

Und hier gleich noch zwei Beispiele, die die Unterschiede bei der Zeichensetzung in direkten und indirekten Fragen zeigen:

Ich frage dich: „Kommst du mit?“
Ich frage dich, ob du mitkommst.

Sie will wissen: „Wann ist der Abgabetermin?“
Sie will wissen, wann der Abgabetermin ist.

Wenn man es so schön ordentlich nebeneinander aufgeschrieben vor sich hat, sieht es eigentlich ganz unproblematisch aus. Schwieriger kann es werden, wenn man einmal kurz die gesprochene Sprache schriftlich wiedergeben soll. In der gesprochenen Sprache wechselt man schneller und dank des Fehlens jeglicher Satzzeichen vor allem auch unbewusster zwischen der direkten und der indirekten Redewiedergabe hin und her.

Wenn Sie sich wundern: „Braucht es Anführungszeichen und ein Fragezeichen“, lautet die wichtige Frage also: „Ist es eine direkte oder eine indirekte Frage?“

Wenn Sie sich wundern, ob es Anführungszeichen und ein Fragezeichen braucht, lautet die wichtige Frage also, ob es eine direkte oder eine indirekte Frage ist.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Steigernde Anreihungen mit „ja“ sind unkompliziert, ja geradezu einfach

Frage

Sind Konstruktionen wie folgende als Aufzählungen, also ohne schließendes Komma, oder als Einschübe, also mit schließendem Komma, zu betrachten?

Es gilt nun, ein beachtliches Erbe, ja eine lange Tradition(,) hochleben zu lassen.

Antwort

Guten Tag Frau A.,

dieses ja dient zur steigernden Anreihung eines Satzteils oder Satzes. Solche Formulierungen gelten als eine Art Aufzählung, in der mit ja ein zweites Element angefügt wird, das das erste verstärkt. Man schreibt vor ja ein Komma. Wie es bei Aufzählungen üblich ist, wird nach dem zweiten Elment kein abschließendes Komma gesetzt:

Es gilt nun, ein beachtliches Erbe, ja eine lange Tradition hochleben zu lassen.
Sie bleibt als sympathische Frau, ja lieber Mensch in unserer Erinnerung.
Zeitgenossen, die Hexenprozesse für eine Verirrung, ja (geradezu) ein Verbrechen hielten.
Er mochte, ja liebte sie und wollte nie mehr ohne sie sein.

Diesmal ist die Antwort unkompliziert, ja geradezu einfach. Das schreibe ich allerdings vor allem, um mit einer solchen ja-Formulierung abschließen zu können. Ganz so einfach ist es nicht. Ich musste die Kommafrage auch nachschlagen, um ganz sicher zu sein.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Das Komma zwischen dass und wenn – und Urlaub

Frage

Stimmt die Kommasetzung, wenn der Satz lautet: „Maria erklärt, dass wenn sich dies nicht bessere, sie sich beim Hausmeister beschweren werde“? Meine Lehrerin hat das verbessert, indem sie noch ein Komma nach „dass“ gesetzt hat. Bin mir aber ziemlich sicher, dass da eigentlich schon alles richtig war … Oder nicht?

Antwort

Guten Tag L.,

Ihre Lehrerin hat recht. Das Komma zwischen dass und wenn muss gesetzt werden. Es trennt den wenn-Satz vom dass-Satz ab. Der wenn-Satz ist hier in den dass-Satz eingeschoben und muss vorn und hinten durch Kommas abgetrennt werden:

Lisa erklärt, dass, wenn sich dies nicht bessere, sie sich beschweren werde.

Ebenso zum Beispiel:

Sie fragte sich, ob, weil kein Licht brannte, schon alle weggegangen waren.
Ich will noch den Führerschein machen, weil, als ich 18 war, mir das Geld dafür fehlte.

Stilistisch wirken solche Verschachtelungen meist nicht gut oder sie sind zumindest nicht allzu lesefreundlich. Sie könnten die Nebensätze deshalb vielleicht besser ein bisschen entwirren und den Satz wie folgt formulieren:

Maria erklärt, dass sie sich beschweren werde, wenn sich dies nicht bessere.

Ich hoffe, dass, wenn ich Ihnen solche Vorschläge mache, Sie es nicht als allzu pingelig erfahren.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp


Urlaub

Vom 20. bis 29. Juni habe ich Urlaub (dort, wo das Komma virgule heißt). Es wird also in den nächsten Tagen keine neuen Blogeinträge geben und eine Reaktion auf Ihre Fragen und Kommentare wird leider länger auf sich warten lassen. Danach werde ich versuchen, Ihnen so schnell wie möglich zu antworten.

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Komma nach Ergänzungsstrich?

Frage

Bei folgendem Problemchen habe ich mit einer Korrektorin einen kleinen Meinungsstreit. Es geht um diesen Satzanfang:

Seitdem ich im Freundes- Bekannten- und Familienkreis …

Ich bin für ein Komma nach „Freundes-“, sie ist dagegen. Was ist nun richtig und warum?

Antwort

Guten Tag Herr V.,

manchmal irren sich selbst Korrektorinnen und Korrektoren. Richtig ist hier nämlich die  Schreibweise mit Komma, die Sie vertreten:

Seitdem ich im Freundes-, Bekannten- und Familienkreis …

Es geht um die Einsparung von gemeinsamen Wortteilen in einer Aufzählung. Dabei wird der nicht genannte Wortteil durch einen Ergänzungsstrich ersetzt. Der Rest des Satzes bleibt unverändert:

Seitdem ich im Freundeskreis, Bekanntenkreis und Familienkreis
Seitdem ich im Freundes-, Bekannten- und Familienkreis …

Das Komma gehört nicht zum weggelassenen Wortteil, sondern zum Rest des Satzes. Auch wenn -kreis vor ihm weggelassen wird, behält es die Funktion, die Elemente der Aufzählung voneinander abzutrennen. Das Komma nach Freundes- muss also wie das und nach Bekannten- stehen bleiben (NB: ohne Leerzeichen zwischen dem Ergänzungsstrich und dem Komma). Vgl. hier.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Das Komma und die Bachelor- und Mastertitel

Frage

Ich hätte eine Frage bez. Kommasetzung. […] Werden akademische Grade wie zum Beispiel B. A. oder B. Sc. bei Eigennamen mit Kommas abgetrennt oder nicht?

Beispielsatz: … meine Betreuerinnen Frau X, B. Sc. und Frau Y, M. A. sowie Frau …

Müssen hier nach B. Sc. und M. A. Kommas gesetzt werden?

Antwort

Guten Tag Herr P.,

ob man hier Kommas setzt, hängt davon ab, als was man nachgestellte abgekürzte Bachelor- und Mastertitel ansieht. Sind sie Bestandteil des Namens (ohne Komma) oder sind sie Apposition (mit Komma)? Beide Sichtweisen sind vertretbar.

Nach den Angaben in Duden, Richtiges und gutes Deutsch, und nach DIN 2005 (Schreib- und Gestaltungsregeln für die Textverarbeitung) stehen abgekürzte Master- und Bachelortitel als Teil des Namens ohne Komma hinter dem Namen:

… meine Betreuerinnen Frau Icks B. Sc. und Frau Ypsilon M. A. sowie Frau …

Siehe auch hier.

Häufig wird allerdings nach angelsächsischem Vorbild der nachgestellte Titel als Apposition gesehen und durch Kommas abgetrennt. Dabei sollte auch das abschließende Komma hinter dem Titel gesetzt werden:

… meine Betreuerinnen Frau Icks, B. Sc., und Frau Ypsilon, M. A., sowie Frau …

Wenn Sie den Titel vor den Namen stellen – was auch nicht „verboten“ ist – dann steht kein Komma:

… meine Betreuerinnen Frau B. Sc. Icks und Frau M. A. Ypsilon sowie Frau …

Eine eindeutige, allgemein verbindliche Regel gibt es (erstaunlicherweise!) nicht. Wenn es wichtig und formell ist und Sie für eine bestimmte Instanz schreiben, lohnt es sich, dort nachzufragen, ob es entsprechende interne Empfehlungen oder Richtlinien gibt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Die bekannte(,) leidige Frage nach dem Komma zwischen Adjektiven

Frage

Es geht um die Kommasetzung zwischen Adjektiven. Mit der folgenden Faustregel komme ich nicht klar. Wenn man ein „und“ zwischen die Adjektive setzen kann, steht ein Komma: „ein leichter, herber Rotwein“. Wenn das zweite Adjektiv mehr zum Substantiv gehört, steht kein Komma: „ein bekannter spanischer Autor“. Es gibt ja so viele Zweifelsfälle, und ich habe das Gefühl, dass es keiner mehr richtig weiß, abgesehen von den klaren Fällen. Hier noch einige Beispiele:

eine kleine vogelhafte Frau
ein zierlicher kleiner Kopf
ein alter rundlicher Kahn
ein großer runder Raum
ein riesiger halbmondförmiger Eichentisch
ein feiner halbkreisförmiger Schnitt

Antwort

Guten Tag Frau M,

Sie gehen offenbar etwas zu stark davon aus, dass es bei der Kommasetzung zwischen zwei Adjektiven immer nur eine richtige Lösung gibt. Das ist nicht so. Häufig sind beide Schreibungen vertretbar. Aus diesem Grund gibt es so viele Zweifel und keine eindeutige Regel. Auch ich halte die Faustregel mit „und“, die Sie zitieren, häufig nicht für allzu nützlich. Ich empfehle Ihnen deshalb ein einfache Faustregel, die mir am besten hilft: die Betonung.

Wenn in der gesprochenen Sprache eine deutliche Pause gemacht wird, setzt man ein Komma. Hört man zwischen den beiden Adjektiven keine Pause, wird auch kein Komma gesetzt:

  1. ein anderes, umweltfreundliches Verfahren
    (statt eines nicht umweltfreundlichen Verfahrens)
  2. ein anderes umweltfreundliches Verfahren
    (ein weiteres umweltfreundliches Verfahren)

Hier gibt es einen Bedeutungsunterschied, den man in der gesprochenen Sprache mit Hilfe einer deutlich hörbaren Pause ausdrückt. Diese Pause entspricht in der geschriebenen Sprache einem Komma:

Wenn wie in a) eine Pause gemacht werden muss, muss ein Komma stehen. Wenn wie in b) keine Pause gemacht werden darf, darf kein Komma stehen. (Vgl. hier)

Und nun kommt das, was immer wieder für Unsicherheit sorgt: In vielen Fällen ist beides möglich. Manchmal ist es vom Kontext abhängig, ob man ein Komma schreibt oder nicht:

  1. Ich mag keine schweren, süßen Weine. Ich will einen leichten, herben Rotwein.
    (mit Pause gesprochen = der Rotwein soll leicht und herb sein)
  2. Ich will keinen schweren, sondern einen leichten herben Rotwein.
    (ohne Pause gesprochen = der herbe Rotwein soll leicht sein)

Häufig ist sogar ohne wesentlichen Bedeutungsunterschied beides möglich:

  1. eine kleine, vogelhafte Frau
    (mit Pause gesprochen = eine Frau, die klein und vogelhaft ist)
  2. eine kleine vogelhafte Frau
    (ohne Pause gesprochen = eine vogelhafte Frau, die klein ist)

Zwischen e) und f) gibt es keinen wesentlichen Bedeutungsunterschied. Sie können schreiben, wie Sie betonen würden. Wenn beide Betonungen möglich sind, sind auch beide Schreibungen (mit und ohne Komma) richtig.

Fragen Sie sich also jedes Mal, wenn Sie zweifeln, ob Sie für die richtige Bedeutung eine Pause machen müssen. Wenn die Antwort ja lautet, setzen Sie ein Komma (Beispiele a und c). Wenn Sie für die Bedeutung keine Pause machen dürfen, setzen Sie kein Komma (Beispiele b und d). Ist eine Formulierung mit und ohne Pause richtig, kann sie auch mit und ohne Komma geschrieben werden (Beispiele e und f). Sie wählen dann einfach, was Ihnen „natürlicher“ erscheint.

Alle Beispiele in Ihrer Frage können im Prinzip mit und ohne Komma geschrieben werden, weil mit und ohne Pause gesprochen werden kann.

Zusammenfassend zum Komma zwischen zwei aufeinanderfolgenden Adjektiven:

  • Pause obligatorisch = Komma obligatorisch
  • Pause nicht möglich = kein Komma
  • Pause möglich = Komma möglich

Ich hoffe, dass die bekannte leidige Frage oder eben die bekannte, leidige Frage nach dem Komma zwischen aufeinanderfolgenden Adjektiven nun für etwas weniger Unsicherheit sorgt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Steht ein Komma vor »als etwas zu essen«?

Frage

Es geht um diesen Satz:

Sie hatte Schlaf noch mehr nötig,(??) als etwas zu essen.

Mir ist unklar, ob diese Infinitivkonstruktion mit Komma abgetrennt wird, weil mit „etwas zu essen“ ja eigentlich ein Substantiv gemeint ist, wenn man schreiben würde „als Essen“. Vergleichbar hier ein Satz aus dem Netz: „Eine Jause ist mehr als etwas zu essen.“

Antwort

Guten Tag Herr E.,

Sie zweifeln zu Recht, denn richtig ist die Schreibung ohne Komma:

Sie hatte Schlaf noch mehr nötig als etwas zu essen.

Das liegt daran, dass „etwas zu essen“ zwar wie eine Infinitivgruppe aussieht, hier aber  eine Pronomengruppe ist:

Infinitivgruppe:
etwas zu essen = dass man etwas isst
(engl. to eat something, frz. manger quelque chose)

Pronomengruppe
etwas zu essen = etwas, das man essen kann
(engl. something to eat, frz. quelque chose à manger)

Vor vergleichendem „als“ steht dann ein Komma, wenn es einen Nebensatz oder eine Infinitivgruppe einleitet (siehe hier und hier). In Ihrem Satz ist aber eine Pronomengruppe gemeint. Deshalb setzen Sie kein Komma:

Sie hatte Schlaf noch mehr nötig als etwas zu essen.
vgl. Sie hatte Schlaf noch mehr nötig als Essen.

Es gab nicht mehr als etwas zu trinken.
vgl. Es gab nicht mehr als ein Getränk.

Aber zum Beispiel:

Sie kann besser schlafen, als etwas zu essen.
vgl. Sie kann besser schlafen, als zu essen.

Sie konnten nichts anderes mehr tun, als etwas zu trinken.
vgl. Sie konnten nichts anderes mehr tun, als zu trinken.

Manchmal ist es gar nicht so einfach, den Unterschied zwischen Pronomengruppe und Infinitivgruppe festzulegen, weil beides möglich ist:

Eine Jause ist mehr als etwas zu essen  (vgl. mehr als nur Esswaren)
Eine Jause ist mehr, als etwas zu essen (vgl. mehr, als nur zu essen)

Ob mit oder ohne Komma: Hauptsache, es gibt etwas zu essen!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Infinitivgruppen: kein »zu«, kein Komma

Frage

Ich habe eine Kommafrage zu diesem Satz: „Den Kontakt zu unseren Kunden stärken, heißt …“ Steht vor „heißt“ ein Komma? […]

Antwort

Guten Tag Herr G.,

vor heißt steht hier kein Komma:

Den Kontakt zu unseren Kunden stärken heißt …

Das ist einer der wenigen Fälle, in denen eine Infinitivgruppe ohne zu steht (die Infinitivgruppe ist Subjekt des Satzes; siehe hier, ganz unten). Erweiterte Infinitive ohne zu gelten nicht als „nebensatzähnlich“ und werden wie gewöhnliche Satzglieder behandelt. Sie werden also nicht durch Kommas abgetrennt:

Dich verstehen ist nicht einfach.
Mit dem Finger auf Leute zeigen gilt als unhöflich.
Den ganzen Tag arbeiten macht hungrig.
Den Kontakt zu unseren Kunden steigern heißt noch besser auf ihre Wünsche eingehen.

Ich kann Ihnen hierzu keine konkrete Kommaregel nennen, weil die meisten Kommaregeln „nur“ angeben, wo man ein Komma setzen muss oder kann. Dieser Fall (erweiterter Infinitiv ohne zu) wird nicht ausdrücklich genannt. Daraus folgt, dass man kein Komma setzt.

Man kann diese Sätze auch mit zu formulieren. Dann gibt es Regeln, nämlich die Kommaregeln für die Infinitivgruppen (siehe hier für eine Übersicht). Diese Regeln sagen, dass man hier ein Komma setzen kann:

Dich zu verstehen(,) ist nicht immer einfach.
Mit dem Finger auf Leute zu zeigen(,) gilt als unhöflich.
Den ganzen Tag zu arbeiten(,) macht hungrig.
Den Kontakt zu unseren Kunden zu stärken(,) heißt(,) noch besser auf ihre Wünsche einzugehen.

Zusammenfassend kann man sagen

ohne Komma:
Die Kommaregeln verstehen ist nicht immer einfach.

mit fakultativem Komma:
Die Kommaregeln zu verstehen ist nicht immer einfach.
Die Kommaregeln zu verstehen, ist nicht immer einfach.

Dem habe ich vorerst nichts hinzuzufügen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Warum das dass das das tötet …

Heute geht es um die Frage, warum das dass das das tötet und warum das orthografisch nicht korrekt ist:

Frage

Könnten Sie mir sagen, ob Kommas in diesem Satz fehlen, und falls ja, wo?

Antwort

Guten Tag Herr V.,

man muss bei diesem bekannten Spruch genau hinsehen, bis man seine Struktur erkennt. Dann sieht man aber, dass die Kommas richtig gesetzt sind. Der Gesamtsatz fängt mit einem dass-Satz an:

Dass das X mit Y verwechselt wird, …

Dann kommt der Hauptsatz:

… führt irgendwann dazu, …

gefolgt von zwei weiteren, durch und verbundenen gleichrangigen dass-Sätzen:

… dass das X das nicht mehr erträgt und dass das X das Y dann tötet

Dabei steht X für dass und Y für das. Wenn man nun alles zusammensetzt, erhält man diesen Satz:

Dass das X mit Y verwechselt wird, führt irgendwann dazu, dass das X das nicht mehr erträgt und dass das X das Y dann tötet

Und wenn man X und Y wieder ersetzt:

Dass das dass mit das verwechselt wird, führt irgendwann dazu, dass das dass das nicht mehr erträgt und dass das dass das das dann tötet.

Ein amüsantes Wortspiel. Doch nun kommt der pingelige Spielverderber: Die Kommas sind zwar richtig gesetzt, aber bei der Groß- und Kleinschreibung hapert es. Wo oben der bestimmte Artikel das vor dass und das steht, handelt es sich eigentlich um Substantivierungen, die großgeschrieben werden müssen. Nach den Rechtschreibregeln ganz richtig wäre also:

Dass das Dass mit das verwechselt wird, führt irgendwann dazu, dass das Dass das nicht mehr erträgt und dass das Dass das Das dann tötet.

So wäre es orthografisch korrekt, aber so viel Korrektheit ist leider auch witztötend.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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