„Jemand, der“ und „jemand, die“

Heute einmal etwas Einfaches zur geschlechtergerechten Sprache:

Frage

Seit gestern Nachmittag beschäftige ich mich mit der Frage, ob das Indefinitpronomen „jemand“ in Kombination mit „er“ oder „sie“ in einen Satz gehört.

[…] Zum Beispiel: „jemand, der zu oft denkt, dass er lustig ist“ oder „jemand, die zu oft denkt, dass sie lustig ist“?

Antwort

Guten Tag Herr U.,

wenn jemand allgemein eine unbestimmte Person bezeichnet, ist es üblich, mit männlichen Pronomen zu verweisen:

Jemand, der zu oft denkt, dass er lustig ist, kann ärgerlich sein.
Kennst du jemanden, der mich mit seinem Auto wegbringen könnte.

Wenn Sie lieber geschlechtergerechter formulieren, können Sie dieses allgemeine jemand besser vermeiden. Mögliche „Ausweichrouten“ sind je nach Kontext und Formulierungslaune:

Menschen/Leute, die zu oft denken, dass sie lustig sind, können ärgerlich sein.
Kennst du eine Person, die mich mit ihrem Auto wegbringen könnte?
Wer aus deinem Bekanntenkreis könnte mich mit dem eigenen Wagen wegbringen?

Wenn eine männliche Person gemeint ist, formuliert man so:

Er ist jemand, der zu oft denkt, dass er lustig ist.
Christian ist jemand, der dich mit seinem Auto wegbringen könnte.

Wenn eine weibliche Person gemeint ist, können ebenfalls männliche Verweiswörter verwendet werden:

Sie ist jemand, der zu oft denkt, dass er lustig ist.
Christine ist jemand, der dich mit seinem Auto wegbringen könnte.

Immer üblicher und meiner Meinung nach empfehlenswert ist aber die Verwendung von weiblichen Pronomen:

Sie ist jemand, die zu oft denkt, dass sie lustig ist.
Christine ist jemand, die dich mit ihrem Auto wegbringen könnte.

In dieser Weise können Sie je nach Satzzusammenhang einfach und korrekt formulieren, ohne jemand auf die Zehen zu treten.

Bitte beachten Sie, dass Canoonet bald nur noch unter www.canoonet.eu zu erreichen ist.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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0,5 Prozent ist oder 0,5 Prozent sind?

Frage

Wenn 0,5 Prozent das Subjekt eines Satzes ist, steht dann die Personalform im Singular oder im Plural?

Antwort

Guten Tag Herr J.,

Beispiele helfen mir immer, eine Frage genauer zu verstehen. Auch hier lautet die Antwort nämlich nicht einfach Singular oder Plural.

Wenn eine Prozentangabe mit einer Zahl, die nicht 1 ist, Subjekt des Satzes ist, steht das Verb standardsprachlich in der Regel im Plural:

1 Prozent (der Bevölkerung) hat zugestimmt

10 Prozent haben zugestimmt
30 Prozent der Befragten lehnen den Neubau ab
24,5 Prozent der Flüge sind interkontinental

Das gilt auch für Dezimalzahlen, die kleiner als 1 sind:

0,5 Prozent enthielten sich der Stimme
0,7 Prozent der Delegierten enthielten sich der Stimme
Nur 0,3 Prozent waren dafür

Wie immer gibt es aber auch Ausnahmen: In einem Gleichsetzungssatz (vgl. hier) kann auch der Singular stehen:

0,5 Prozent ist/sind kein gutes Resultat
63 Prozent ist/sind eine überraschend große Mehrheit

Und auch dann, wenn ein Substantiv im Nominativ auf Prozent folgt, kann das Verb im Singular und im Plural stehen:

0,5 Prozent einmaliger Verlust bedeutet/bedeuten nicht gleich den Untergang der Firma.
15 Prozent Strom wird/werden dadurch gespart.

Ob Singular oder Plural, Ihnen steht/stehen hoffentlich 100% Wochenende bevor.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Ein Dativ, der sich als Genitiv ausgibt

Frage

Mal wieder eine Frage, die ich nicht beantworten kann:

Das ist die Untersuchung, während der man völlig ruhig liegen muss.
Das ist die Untersuchung, während deren man völlig ruhig liegen muss.

Müsste der zweite Satz nicht der korrekte sein, da „während“ ja immer noch eine Genitivpräposition ist? Warum aber klingt mir der erste dann deutscher in den Ohren?

Antwort

Guten Tag Herr D.,

wer nach während nur den Genitiv akzeptiert, sagt und schreibt:

Das ist die Untersuchung, während derer/deren man völlig ruhig liegen muss.

Auf während folgt hier ein Relativpronomen. Da dieses Relativpronomen sich auf Untersuchung bezieht, muss es ein weiblicher Singular sein. Da es von während abhängig ist, sollte es im Genitiv stehen. Die entsprechende Form ist derer oder deren (siehe hier).

Viel häufiger trifft man aber tatsächlich während der an, obwohl der hier ein Dativ ist (vgl. die Untersuchung, mit der man ...):

Das ist die Untersuchung, während der man …

Das liegt wahrscheinlich daran, dass der weibliche Singular der als bestimmter Artikel nicht nur Dativ, sondern auch Genitiv sein kann (vgl. mit der Untersuchung; während der Untersuchung). Aus diesem Grund fällt es nicht so auf, dass die weibliche Singularform der als Relativpronomen eigentlich ein Dativ ist, der streng genommen nicht auf während folgen darf.

Beim männlichen Pronomen geschieht diese „Verwechslung“ viel weniger: Nach während steht viel häufiger dessen als dem, dem man den Dativ viel besser ansieht, als dies bei der Form der der Fall ist .

Das ist ein Test, während dessen …

Bei der Beurteilung, ob eine Untersuchung, während der … akzeptabel ist oder nicht, stellt sich also die folgende Frage: Hat die Regel „recht“ (während derer/deren) oder der allgemeine Gebrauch (während der)?

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Die zweite Fremdsprache, das ist/sind(?) Latein, Englisch oder Französisch

Frage

Es geht um folgende Passage aus unserer Schulbroschüre:

Die zweite Fremdsprache startet in der 6. Klasse. Das sind an unserer Schule Latein, Englisch oder Französisch.

Da das Subjekt des zweiten Satzes („das“) sich auf „Fremdsprache“ im ersten Satz bezieht und damit im Singular steht, müsste doch das Prädikat des zweiten Satzes auch im Singular stehen. Meiner Meinung nach müsste es also „ist“ statt „sind“ heißen. […]

Antwort

Guten Tag Herr B.,

dieser Fall ist relativ komplex, jedenfalls wenn es ums Erklären geht. Der Zweifel bei der Verbform des zweiten Satzes entsteht durch die Aufzählung mit oder. Üblich ist diese Formulierung:

Latein, Englisch oder Französisch ist die zweite Fremdsprache.
Die Lehrerin oder der Lehrer unterzeichnet das Zeugnis.

Seltener, aber möglich ist auch diese Formulierung:

Latein, Englisch oder Französisch sind die zweite Fremdsprache.
Die Lehrerin oder der Lehrer unterzeichnen das Zeugnis.

Das Verb kann hier in der Einzahl oder seltener in der Mehrzahl stehen**. Die Wortgruppe Latein, Englisch oder Französisch kann somit als Singulargruppe oder als Pluralgruppe verstanden werden. Versteht man sie als Singulargruppe, heißt es:

Das ist an unserer Schule Latein, Englisch oder Französisch.
vgl. Das ist an unserer Schule Französisch.

Versteht man die Wortgruppe als Pluralgruppe, muss das Verb im Plural stehen. Wenn nämlich in einem Gleichsetzungssatz Subjekt und Prädikativ nicht beide im Singular stehen, wird das Verb im Plural verwendet (siehe hier ganz unten):

Diese Bücher sind mein größter Besitz.
Das sind meine Eltern.

Für Ihren Satz bedeutet dies dann:

Das sind an unserer Schule Latein, Englisch oder Französisch.
vgl. Das sind an unserer Schule Latein, Englisch und Französisch.

In der Schulbroschüre kann also mit das ist, aber auch mit das sind (wie es zzt. dort steht) formuliert werden. Die von Ihnen bevorzugte Variante mit dem Singular ist wahrscheinlich die häufiger vorkommende Variante (vgl. hier).

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

** Einige Grammatiken unterscheiden hier zwischen ausschließendem/exklusivem Oder (Verb im Singular) und einschließendem/inklusivem Oder (Verb im Plural). Diese Unterscheidung ist in der Logik zweifellos angebracht, in der natürlichen Sprache halte ich sie häufig für weniger sinnvoll, da die Sprache und unsere Art, uns auszudrücken, sich selten an die strengen Regeln der Logik halten. Zum Beispiel:

Der Vater oder die Mutter kann/können die Entschuldigung unterschreiben.

Unterschreiben wird wahrscheinlich nur eine Person (exklusiv), aber können tun’s beide (inklusiv). Ist dieses oder also exklusiv oder inklusiv oder – was strikt logisch nicht möglich ist – einfach beides?

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Verbkongruenz, aneinandergereihte Fragen und Unzustellbarkeitsbenachrichtigungen

Immer wieder kommt es vor, dass Fragen und Kommentare, die über das Kontaktformular gestellt werden, eine nicht existierende E-Mail-Adresse enthalten. Achten Sie bitte darauf, dass Sie die richtige Adresse angeben. Ich erhalte dann keine Unzustellbarkeitsmail und Sie erhalten eine Antwort. Weil es gestern gleich zweimal vorgekommen ist, hier heute die entsprechenden Antworten „nur“ im Blog – in der Hoffunung, dass Frau W. und Herr K. sie auch lesen.

Frage 1

Wir sind gerade im dienstlichen Kontext über die Frage gestolpert, wie es richtig heißt: „Es existiert eine Vielzahl von alternativen Zugangsoptionen“ oder „Es existieren eine Vielzahl von alternativen Zugangsoptionen“?

Antwort 1

Guten Tag Frau W.,

das Verb kann hier besser in der Einzahl stehen:

Es existiert eine Vielzahl von Zugangsoptionen

Das Verb wird aber seltener auch in den Plural gesetzt, was standardsprachlich ebenfalls als korrekt gilt.

Häufiger kommt der Plural beim Verb vor, wenn kein von verwenden wird. Vielzahl steht dann als unbestimmte Mengenangabe direkt vor dem „Gemessenen“:

Es existiert eine Vielzahl Zugangsoptionen
Es existieren eine Vielzahl Zugangsoptionen

Vgl.

Es existiert/existieren eine Million Zugangsoptionen
Es existieren tausend Zugangsoptionen

Siehe auch hier.

Frage 2

Kann man viele Fragen stellen und mit Kommas trennen und nur ein Fragezeichen am Ende verwenden? Zum Beispiel:

Wie soll man sich verhalten, was soll man sagen und wie sagt man es?

Antwort 2

Guten Tag Herr K.,

man kann Fragen in einer Aufzählung aneinanderreihen. Die Fragen werden dann durch Kommas resp. und voneinander getrennt. Das Fragezeichen steht am Schluss:

Wie denn, wo denn, was denn?
Wie soll man sich verhalten, was soll man sagen und wie sagt man es?

Die Fragen können aber auch einzeln hintereinandergestellt werden:

Wie denn? Wo denn? Was denn?
Wie soll man sich verhalten? Was soll man sagen? Wie sagt man es?

Siehe auch hier.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Mehrteilige Subjekte und zusammengezogene Teilsätze

Frage

Ich bin mir nicht sicher, ob folgender Satz korrekt ist:

Innerhalb von sechs Monaten wurden ein neues Markenzeichen entworfen und ein neuer Webauftritt aufgesetzt.

Gemäß der Regel […] wird das Verb in den Plural gesetzt, wenn das Subjekt aus mehreren Teilen besteht, die mit „und“ verbunden sind. […] Ist dies hier die richtige Regel und der Satz oben also korrekt?

Antwort

Guten Tag Frau B.,

um gleich mit der Tür ins Haus zu fallen: Der Satz sollte nicht so formuliert werden. Richtig ist hier die Singularform wurde:

Innerhalb von sechs Monaten wurde ein neues Markenzeichen entworfen und ein neuer Webauftritt aufgesetzt.

Es geht hier nicht wie in der Regel, die Sie erwähnen, um ein mehrteiligen Subjekt, sondern um die Zusammenziehung von Teilsätzen mit einer identischen Verbform, die in einem Teilsatz weggelassen wird.

a) Zusammenziehung von Teilsätzen (vgl. hier)

Von einer Zusammenziehung von Teilsätzen ist dann die Rede, wenn die ausformulierten Teilsätze sich mehr als nur beim Subjekt voneinander unterscheiden:

Gestern hat Lisa einen Apfel gegessen.
Gestern hat Max eine Birne gegessen.
→ Gestern hat Lisa einen Apfel und Max eine Birne gegessen.

Das Angebot ist gesunken.
Der Preis ist gestiegen.
Das Angebot ist gesunken und der Preis gestiegen.

Hier wird im zweiten, verkürzte Teilsatz die identische Verbform hat resp. ist nicht wiederholt. Die beiden Subjekte sind in der Regel durch mehr als nur und voneinander getrennt.

b) Mehrteiliges Subjekt mit und (vgl. hier)

Bei einem mehrteiligen Subjekt unterscheiden sich nur die Subjektteile voneinander und der Rest des Satzes bleibt gleich, wenn man ihn „auseinandernimmt“. Dann gilt die Regel, auf die Sie verweisen, das heißt, das Verb steht im Plural:

Gestern hat Lisa einen Apfel gegessen.
Gestern hat Max einen Apfel gegessen.
→ Gestern haben Lisa und Max einen Apfel gegessen.

Das Angebot ist gesunken.
Die Nachfrage ist gesunken.
Das Angebot und die Nachfrage sind gesunken.

Auf Ihren Satz übertragen heißt dies:

a) Zusammenziehung von Teilsätzen

Innerhalb eines halben Jahres wurde ein neues Warenzeichen entworfen.
Innerhalb eines halben Jahres wurde ein neuer Webauftritt aufgesetzt.
→ Innerhalb eines halben Jahres wurde ein neues Warenzeichen entworfen und ein neuer Webauftritt aufgesetzt.

So sollte Ihr Satz formuliert sein, weil die Teilsätze sich nicht nur beim Subjekt voneinander unterscheiden. Die identische Verbform wurde wird im zweiten Teilsatz weggelassen.

Der Vollständigkeit halber folgt noch ein Beispiel, das zeigt, wie eine ähnliche Formulierung mit einem mehrteiligen Subjekt aussieht:

b) Mehrteiliges Subjekt mit und

Innerhalb eines halben Jahres wurde ein neues Warenzeichen entworfen.
Innerhalb eines halben Jahres wurde ein neuer Webauftritt entworfen.
→ Innerhalb eines halben Jahres wurden ein neues Warenzeichen und ein neuer Webauftritt entworfen.

Zur Zusammenziehung von Teilsätzen gäbe es noch viel mehr zu sagen, aber hier soll es nur um die Unterscheidung zu Sätzen mit einem mehrteiligen Subjekt gehen. Deshalb noch einmal kurz als Faustregel zusammengefasst:

Wenn beim Ausformulieren neben dem Subjekt auch noch andere Elemente der Teilsätze unterschiedlich sind, richtet sich das Verb nach dem Subjekt, das ihm am nächsten steht.

Wenn beim Ausformulieren nur das Subjekt der Teilsätze unterschiedlich ist, haben wir es mit einem mehrteiligen Subjekt zu tun. Das Verb steht dann im Plural.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Ich und kein anderer werde/wird?

Frage

Im folgenden Satz bin ich mir unsicher, ob das Verb „werden“ richtig konjugiert ist:

Ich und kein anderer wird das Buch lesen.

[…] Ich würde das fragliche Verb im Deutschen nach dem Subjekt „ich“ ausrichten.

Antwort

Sehr geehrter Herr R.,

in diesem speziellen Fall, bei dem man sofort ins Stolpern gerät, wenn man den „Fehler“ macht, darüber nachzudenken, gibt es zwei Möglichkeiten. Man kann die Formulierung a) als zusammengezogenen Satz oder b) als einen Satz mit einer Apposition oder einem Einschub interpretieren.

a) Ich und kein anderer wird das Buch lesen.
b) Ich – und kein anderer – werde das Buch lesen.

Im Fall a) behandelt man den Satz als eine (krasse) Zusammenziehung von zwei Sätzen:

Ich und kein anderer wird das Buch lesen.
Ich [werde das Buch lesen] und kein anderer wird das Buch lesen.

Du und niemand anders wird bei uns einziehen.
Du [wirst bei uns einziehen] und niemand anders wird bei uns einziehen.

Meine Nachbarn, nicht Christina hat mir geholfen.
Meine Nachbarn [haben mir geholfen,] nicht Christina hat mir geholfen.

Im Fall b) sind und kein anderer, und niemand anders und nicht Christina lockere Appositionen oder verstärkende Einschübe, die man mit Kommas oder Gedankenstrichen abtrennt. Das Verb richtet sich dann nach dem Subjekt und nicht nach der Apposition oder dem Einschub:

Ich, und kein anderer, werde das Buch lesen.
Ich – und kein anderer – werde das Buch lesen.

Du, und niemand anders, wirst bei uns einziehen.
Du – und niemand anders – wirst bei uns einziehen.

Meine Nachbarn, nicht Christina, haben mir geholfen.
Meine Nachbarn – nicht Christina – haben mir geholfen.

In a) bleibt die Verbform ein Stolperstein und in b) ist das Komma vor „und“ zumindest gewöhnungsbedürftig. Deshalb empfiehlt es sich, solche Formulierungen, wenn überhaupt, mit Maßen zu benutzen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Hamburg zeigt sich von seiner/ihrer schönsten Seite

Frage

Wenn ich mit meinem Gast spazieren gehe, sage ich dann zu ihm: „Hier zeigt sich Hamburg von seiner schönsten Seite“? Oder sage ich, weil ein Femininum: „von ihrer schönsten Seite“?

Antwort

Sehr geehrte Frau S.,

Hamburg ist nicht weiblich, sondern wie alle Länder und Städte, die ohne Artikel stehen, sächlich. Das sieht man dann gut, wenn eine nähere Bestimmung dazutritt:

das alte Hamburg
das Hamburg meiner Kindheit
mein schönes Hamburg
Hamburg und seine Elbphilharmonie

Entsprechend sagen Sie also auch:

Hier zeigt sich Hamburg von seiner schönsten Seite.

Und weil es diesmal so schön einfach ist, hier gleich noch ein paar Beispiele:

das alte Rom
das Deutschland der Dichter und Denker
mein schönes Hessen/Sachsen/Österreich
Schweden und seine Hauptstadt Stockholm
Dort zeigt sich Südamerika von seiner schönsten Seite.

Anders sieht es aus, wenn Sie die Formulierung die Stadt Hamburg verwenden. Dann ist das weibliche Substantiv Stadt der Kern der Wortgruppe, mit dem die grammatische Übereinstimmung erfolgt:

meine schöne Stadt Hamburg
die Stadt Hamburg und ihre Elbphilharmonie
Hier zeigt sich die Stadt Hamburg von ihrer schönsten Seite.

Hamburg zeigt sich also von seiner schönsten Seite und die Stadt zeigt sich von ihrer schönsten Seite.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Der Großteil der Frauen und seine/ihre Stellung im Beruf?

Frage

Ich stoße in dem folgenden Satz auf ein Problem mit dem Genus:

Der Großteil der Frauen strebt eine möglichst hohe Stellung in seinem/ihrem (?) Beruf an. Dafür müssen sie/muss er (?) …

Was ist hier erlaubt bzw. gefordert, sofern man nicht auf eine andere Formulierung ausweichen möchte?

Antwort

Sehr geehrte Frau S.,

hier konstruiert man besser nicht nach „mathematisch-logischer Präzsision“, sondern nach dem Sinn: Nicht der Großteil hat eine Stellung im Beruf, sondern die Frauen haben eine Stellung im Beruf. Auch im weiteren Text ist es sinnvoller, sich auf Frauen und nicht auf die ungenaue Mengenangabe Großteil zu beziehen. Es ist also nicht so, dass sich alles zwingend nach dem grammatischen Subjekt Großteil richten muss:

Der Großteil der Frauen strebt eine möglichst hohe Stellung in ihrem Beruf an. Dafür müssen sie

Umgekehrt ist aber auch die Übereinstimmung nach dem Sinn nicht zwingend. Man kann häufig auch rein grammatisch konstruieren:

Ein Großteil der Befragten ist zufrieden mit seinem Beruf.
Beim Börsencrash verlor ein großer Teil der Anleger sein gesamtes Vermögen.

Und wenn weder das eine noch das andere wirklich zu überzeugen vermag – was bei solchen Konstruktionen häufiger vorkommt –, könnten Sie vielleicht doch eine Umformulierung dieser Art erwägen:

Der Großteil der Frauen strebt einen möglichst hohe Stellung im (eigenen) Beruf an.
Beim Börsencrash verlor ein großer Teil der Anleger das gesamte Vermögen.

Aus diesem Grund schreibe ich auch lieber nicht, dass eine Teil Ihrer Fragen noch auf seine oder ihre Beantwortung wartet, sondern einfach, dass ein Teil Ihrer Fragen noch auf Beantwortung wartet.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Von deinem/deinen 50 % Rabatt profitieren

Frage

Ich bin gerade auf folgende Unsicherheit […] gestoßen: Wenn eine Mengenangabe im Plural kombiniert mit einem Substantiv im Singular steht und ein Adjektiv hinzukommt, folgt dessen Deklination dann der Mengenangabe (Plural) oder dem Substantiv (Singular)? Oder geht beides?

Beispiel: „Profitiere von deinen 50 % Rabatt“ oder „von deinem 50 % Rabatt“.

Antwort

Sehr geehrte Frau W.,

in diesem Fall sind beide Formulierungen möglich. Sie werden aber nicht ganz gleich geschrieben:

a) Profitiere von deinen 50 % Rabatt!
b) Profitiere von deinem 50 %-Rabatt!

Oder mit Prozent statt %:

a) Profitiere von deinen 50 Prozent Rabatt!
b) Profitiere von deinem 50-Prozent-Rabatt!

Sie sind wahrscheinlich eher an der Formulierung a) interessiert. Bei einer Mengenangabe im Plural und einem Substantiv im Singular richtet man sich in der Regel nach der Mengenangabe:

Diese 100 Gramm Mehl in die Masse einrühren.
Die Kapseln enthalten die letzten 2 ml Impfstoff.
Wie werde ich meine zwei Kilo Weihnachtsspeck wieder los?
Profitiere von deinen 50 % Rabatt!

Ganz unabhängig davon, wie man es formuliert und schreibt, sind 50 % Rabatt resp. ist ein 50 %-Rabatt ein Preisnachlass, von dem man tatsächlich profitieren sollte (falls man das so Angepriesene auch wirklich will und braucht).

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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