„Was frägst du?“, frug er

Frage

Gibt es die Wortform frägt von fragen in der dritten Person Einzahl?

Antwort

Sehr geehrter Herr H.,

in der heutigen Standardsprache sind beim Verb fragen nur die regelmäßigen Formen du fragst und er fragt gebräuchlich. Dasselbe gilt für die Vergangenheitsform fragte. Die Formen frägst und frägt sowie in der Vergangenheit frug und früge gelten als veraltet oder regionalsprachlich.

Die unregelmäßigen Formen traten anfänglich im Niederdeutschen auf, wahrscheinlich unter dem Einfluss der starken Formen von tragen (trägt, trug usw.). Luther schrieb noch ausschließlich fragt und fragte. Bei Goethe und Schiller kamen dann neben fragt und fragte schon einige frägt und frug vor. Die Hochzeit der unregelmäßigen Formen war das 19. Jahrhundert: Georg Büchner, Friedrich Engels, Theodor Fontane, Heinrich Heine, E.T.A. Hoffmann, Karl May, C.F. Meyer, Eduard Mörike: sie alle verwendeten (auch) die starken Formen.

Später wurden aber frägt und frug im Standarddeutschen wieder weniger verwendet. Heute gelten sie standardsprachlich als veraltet. Die deutsche Sprache hatte also schon früher ihre Modeerscheinungen – in diesem Fall sogar eine „hausgemachte“.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare

Was „ein Buch geschenkt bekommen“ mit „eine geklebt kriegen“ zu tun hat

Gestern fiel mir in einem älteren Film eine Drohung auf, die ich schon länger nicht mehr gehört hatte: „Gleich kriegst du eine geklebt!“ Sie hat mich an eine Frage erinnert, die M. schon vor einiger Zeit gestellt hatte:

Frage

Ich lese soeben von dem sogenannten Dativpassiv: etwas geschenkt bekommen oder geholfen bekommen. Letzteres klingt total falsch. Ersteres ist meinen Ohren gar nicht mal so suspekt [...] Ist Ihnen das Dativpassiv ein Begriff?

Antwort

Guten Tag M.,

den Begriff Dativpassiv kenne ich eher als bekommen-Passiv. Ich habe mich aber nie eingehend damit beschäftig. Ich kenne das bekommen-Passiv im Zusammenhang mit Alternativen zum „normalen“ Passiv. Es kann mit bekommen, erhalten und kriegen gebildet werden.

Ich habe ein Buch geschenkt bekommen.
Sie erhalten das Formular per Post zugeschickt.
Du kriegst gleich eine geklebt!

Normalerweise muss das Hauptverb mit einem Dativ und einem Akkusativ verbunden sein, wobei der Dativ eine Person und der Akkusativ eine Sache bezeichnet. Dies ist bei Ich bekomme ein Buch geschenkt der Fall: jemandem (Dativ) etwas (Akkusativ) schenken. Die Formulierung kommt Ihnen deshalb auch vertraut vor. Die gleiche Verteilung von Dativ und Akkusativ findet sich auch bei jemandem etwas zuschicken und jemandem eine kleben.

Anders sieht es bei geholfen bekommen aus. Das Verb helfen hat zwar einen Dativ der Person, aber der Akkusativ fehlt (jemandem helfen). Die Formulierung Ich bekomme geholfen klingt deshalb auch in meinen Ohren falsch. Hier kann man nur das werden-Passiv verwenden: Mir wird geholfen.

Das bekommen-Passiv gilt bis auf wenige Ausnahmen wie etwas geschenkt bekommen und ein Schreiben zugeschickt erhalten als umgangs- oder regionalsprachlich. So sind zum Beispiel Er hat sein Auto repariert bekommen und Du kriegst gleich eine geklebt nur umgangssprachlich akzeptabel.

Sehen Sie hierzu auch diese Angaben in der CanooNet-Grammatik.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare (2)

Vergangenes Präsens: Als er zurückkommt …

Frage

Ich habe eine Frage zur Konjunktion als. Die Grammatikregel zu als sagt, dass man es benutzt, wenn es sich um eine einmalige Handlung in der Vergangenheit handelt. Nun bin ich aber auf diesen Satz gestoßen:

Als er zurückkommt, kann er die Tür nicht öffnen, weil der Schlüssel nicht passt.

Der Satz steht im Präsens. Es ist eine Handlungsbeschreibung in der Gegenwart. Das widerspricht der als-Regel. Gibt es dafür eine Erklärung?

Antwort

Sehr geehrte Frau L.,

es ist richtig, dass als dann als zeitliche Konjunktion benutzt wird, wenn es sich um eine einmalige Handlung in der Vergangenheit handelt:

Als er zurückkam, konnte er die Tür nicht öffnen, weil der Schlüssel nicht passte.

In der Gegenwart (oder der Zukunft) steht dafür wenn:

Wenn er zurückkommt, kann er die Tür nicht öffnen, weil er den Schlüssel vergessen hat.

Ihr Beispielsatz kann aber trotzdem richtig sein. In einer Erzählung kann sich das Präsens als sogenanntes historisches Präsens auch auf  Vergangenes beziehen. Man kann dann auch als verwenden, weil die Handlung in der Vergangenheit stattfindet, auch wenn die Verbform im Präsens steht.

Er trieb sich in der Stadt herum, weil er es zu Hause nicht mehr ausgehalten hatte. [Szenen- und Tempuswechsel; wir bleiben aber in der Vergangenheit:] Als er zurückkommt, kann der die Tür nicht öffnen. Der Schlüssel passt nicht mehr.

Erstaunlicherweise kann das Präsens also Vergangenes ausdrücken. Wie ist das möglich? Ganz einfach: Wir nennen die Zeitformen des Verbs zwar Gegenwart (Präsens), Zukunft (Futur) und Vergangenheit (Präteritum), aber wir halten uns nicht daran. Diese Bezeichnungen stimmen oft nicht mit der eigentlichen Zeit der Handlung, die beschrieben wird, überein:

[Präsens der Vergangenheit]
Als der Zweite Weltkrieg ausbricht, sind sie in Portugal.
Als Karl der Große stirbt, erstreckt sich sein Reich von den Pyrenäen bis zur Elbe.

[Perfekt der Zukunft]
Wir haben die Arbeit spätestens morgen vollendet.

[Futur der Vermutung in der Gegenwart]
Er wird wieder in der Kneipe sitzen.

[Präsens der Zukunft]
In hundert Jahren spielt das keine Rolle mehr.

Der Name, den wir einer Verbform geben, ist also oft nicht mehr als ein Etikett, das nicht viel mit dem Inhalt zu tun hat. In der CanooNet-Grammatik finden Sie weitere Informationen zum historischen Präsens, zum Verhältnis Tempus – objektive Zeit und zu den Tempusfunktionen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare

Ich würde sagen …

Frage

„Spontan würde ich sagen, dass hier ein Komma stehen muss.“ Während des Schreibens dieses Satzes zwang sich mir eine Frage förmlich auf: Quizshowmoderatoren wie beispielsweise Günther Jauch hätten mich beim Hören dieses Satzes unter Umständen gefragt, ob ich das nur sagen würde oder auch sage, und mich darauf hingewiesen, dass sie keine Konjunktive als Antworten annehmen. Wie verhält es sich also mit der Verbindlichkeit dieser Aussage? Müsste ich, wenn ich tatsächlich eindeutig antworten möchte, auf diesen Konjunktiv verzichten und schreiben: „Spontan sage ich, dass hier ein Komma stehen muss“?

Antwort

Sehr geehrter Herr B.,

wenn es sich nicht um wichtige, rechtlich verbindliche Vertragstexte oder Prozessakten handelt,  können Sie ohne Weiteres die würde-Form verwenden. Den Konjunktiv II oder die entsprechende würde-Form verwenden Sie in solchen Fällen nämlich, weil Sie als höflicher, zurückhaltender Mensch eine höfliche, unaufdringliche Aussage machen. Ich würde sagen klingt weniger schroff als ich sage. Mit der würde-Form gibt man hier an, dass man nicht ganz sicher ist oder dass man weiß, dass man sich täuschen könnte. Sehr forsch ausgesprochen kann der Indikativ nämlich den Eindruck erwecken, man sei sich seiner Sache sehr sicher und dulde keinen Widerspruch. Ganz so schwarzweiß ist die Verwendung des Konjunktivs und des Indikativs in solchen Fällen natürlich nicht. Vieles hängt davon ab, wer in welchem Ton was zu wem sagt.

Weitere Beispiele, in denen der Konjunktiv nicht etwas Irreales oder eine Möglichkeit ausdrückt, sondern vor allem der Höflichkeit halber verwendet wird:

Würden Sie bitte etwas zur Seite treten?
Dürfte ich Sie etwas fragen?
Ich würde Ihnen empfehlen vorher anzurufen.
Ich wüsste schon, was ihr tun könntet.

Sehen Sie hierzu auch diesen Abschnitt in der CanooNet-Grammatik.

Quizmoderatoren äußern ihre Forderung nach dem Indikativ wahrscheinlich aus verschiedenen Gründen:

  • Sie interpretieren den höflich gemeinten Konjunktiv absichtlich wörtlich als irrealen Bedingungssatz (Wenn dies und das so wäre, würde ich sagen). Das ist dann scherzhaft gemeint.
  • Die Forderung nach dem Indikativ dient dazu, einen allzu lange zögernden Kandidaten endlich zu einer Entscheidung zu bewegen.
  • Die Forderung nach einer „verbindlichen“ Aussage im Indikativ soll der ganzen Sache mehr Gewicht geben. Es gibt schließlich etwas zu gewinnen.
  • Die würde-Form gibt ihnen die Gelegenheit, etwas zu sagen. Das Erkennen und Benutzen solcher Momente ist eine Fähigkeit, die man als Quizmoderator unbedingt haben muss. Ich wüsste jedenfalls nicht, wie ich eine ganze Sendung vollreden müsste.

Wie dem auch sei, der Konjunktiv und die würde-Form spielen eine wichtige Rolle bei der Formulierung von höflichen Aufforderungen und Aussagen. Man kann ihre Verwendung übertrieben „säuselnd“ oder „alte Schule“ finden, aber ich persönlich höre und lese oft lieber „Könnte das falsch sein?“ als „Das ist falsch!“, ganz egal ob es sich tatsächlich um einen Fehler handelt oder nicht.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare (2)

Das Holzbrett und die Einladung zur Ladeneröffnung

Heute stellte ein englischsprachiger CanooNet-Nutzer die Frage, warum das Verb laden zweimal aufgeführt sei, obwohl doch beide Verben die genau gleichen Wortformen haben. Ich wollte dem Herrn flugs antworten, dass die beiden Verben nicht nur eine unterschiedliche Bedeutung haben (einfüllen, beladenzum Kommen auffordern), sondern auch einen anderen Ursprung. Letzteres musste ich dann aber doch noch überprüfen, denn ganz sicher war ich mir dessen nicht. Ich hatte „natürlich“ recht (denn sonst würde ich diesen Beitrag ja nicht schreiben):

Das erste laden mit der Bedeutung einfüllen, beladen usw. lautete im Mittelhochdeutschen laden und im Althochdeutschen [h]ladan und hatte ursprünglich die Bedeutung hinbreiten, aufschichten.

Das zweite laden mit der Bedeutung zum Kommen auffordern war ursprünglich ein schwaches, das heißt regelmäßig gebeugtes Verb (ahd. ladon). Als die Grundformen der beiden Verben lautlich zusammenfielen, übernahm dieses schwache Verb langsam alle Formen seines starken „Konkurrenten“, so dass heute beide Verben genau gleich konjugiert werden:

laden; lädst, lädt; lud; geladen

Über den genauen Ursprung des zweiten Verbs ist man sich in der Gelehrtenwelt wieder einmal nicht ganz einig. Wahrscheinlich geht es auf einen alten Stamm zurück, dessen Bedeutung etwas mit gern, bitte, flehen zu tun hat.

Eine andere, wahrscheinlich weniger realistische Erklärung (sie ist nämlich fast zu schön, um wahr sein zu können) lautet, dass eine Einladung früher durch ein mit Zeichen versehenen Brett übermittelt wurde: das Einladungsbrett als Vorläufer der Einladungskarte. Eine andere Bezeichnung für Brett war das Wort laden, das wir noch recht deutlich in Fensterladen als solches erkennen können. Auch das Wort Laden im Sinne von Geschäft geht auf die Bedeutung Brett zurück: Es bezeichnete ursprünglich den Bretterstand oder die Bretterbude als Verkaufsort und das Brett, auf dem die Ware feilgeboten wurde.

Nicht nur die Wörter haben sich weiterentwickelt, auch dasjenige, was sie bezeichnen: So muss man sich heute meistens nicht mehr vor Holzsplittern im Finger, Laufmaschen im Strumpf und Triangeln im Hosenbein in Acht nehmen, wenn man zur Eröffnung eines Ladens geladen wird. Das Einladungsbrett (falls es so etwas je gegeben hat) hat schon lange der Karte und neuerdings auch der E-Mail Platz gemacht, und wenn es im Laden überhaupt ein Brett gibt, dann ist es bestimmt gehobelt und gelackt.

Kommentare (10)

Gestriffen?

Frage

Mein Mann und meine vier erwachsenen Kinder machen mich ganz verrückt, weil sie in der Wortbedeutung jemanden flüchtig berühren sagen: „Ich habe ihn gestriffen.“ Wie aus der Pistole geschossen sage ich dann immer: „gestreift!“ Leider gibt mein Wörterbuch keine Auskunft über die Richtigkeit meiner Aussage. Sicher können Sie mir helfen.

Antwort

Sehr geehrte Frau W.,

das Verb streifen wird in allen Bedeutungen regelmäßig gebeugt. Die Stammformen lauten also streifen, streifte, gestreift. Entsprechend sagt man richtig:

Ich habe ihn gestreift.

Wundern Sie sich aber nicht allzu sehr, wenn Mann und Kinder auch weiterhin gestriffen sagen. Solche Gewohnheiten sind hartnäckig – vor allem wenn man damit Frau und Mutter so schön verrückt machen kann!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

PS: Die Form gestriffen finden Sie auch auf den nicht allzu ernst zu nehmenden Seiten der Gesellschaft zur Stärkung der Verben. Vgl. die Seite der mit s beginnenden „gestorkenen“ Verben.

Kommentare

Steche oder stich dich nicht!

Frage

Es ist nirgendwo nachzulesen, wie der folgende Satz geschrieben wird: „Stich dich nicht!“ oder „Steche dich nicht!“? Es wäre sehr nett, wenn Sie mir weiterhelfen könnten. Es gab nämlich deswegen schon sehr viele Diskussionen.

Antwort

Sehr geehrter Herr K.,

richtig ist:

Stich dich nicht!

Es handelt sich hier um eine Befehlsform (einen Imperativ). Bei einer Gruppe von unregelmäßigen Verben wechselt der Selbstlaut im Stamm von e zu i, wenn sie in der Befehlsform der Einzahl stehen. Zum Beispiel:

brechen  –  brich!
essen  –  iss!
helfen  –  hilf!
lesen  –  lies!
nehmen  –  nimm!

und eben

stechen – stich!

Es sind dies die gleichen Verben, bei denen es auch in der zweiten und dritten Person Einzahl der Gegenwart (Indikativ Präsens) zu einem solchen e/i-Wechsel kommt:

brechen  –  du brichst er bricht
essen  –  du isst, er isst
helfen  –  du hilfst, er hilft
lesen  –  du liest, er liest
nehmen  –  du nimmst, er nimmt
stechen du stichst, er sticht

Man hört zwar hin und wieder Befehlsformen wie steche!, helfe!, lese! und benehme dich! (es ist also nicht sehr erstaunlich, dass es bei Ihnen zu Diskussionen kommt ), aber diese Formen gelten im Standarddeutschen als nicht korrekt.

Eine vollständige Liste dieser Verben finden Sie hier. Sie müssen aber nicht die ganze Liste auswendig lernen. Es gibt zumindest für Muttersprachige eine viel einfachere Regel: Wenn in der Gegenwart die ich-Form einen e-Laut und die du-Form einen i-Laut hat, hat auch die Befehlsform der Einzahl diesen i-Laut:

ich steche/du stichst  –  stich!
ich lese/du liest  –  lies!
ich nehme/du nimmst  –  nimm!
ich zersteche/du zerstichst  –  zerstich!
ich lese vor/du liest vor  –  lies vor!
ich empfehle/du empfiehlst  –  empfiehl!

Unsere deutsche Sprache wäre aber unsere deutsche Sprache nicht, wenn es nicht auch hier eine Ausnahm gäbe:

ich werde/du wirst – werde!

Aber das sollte man sich merken können.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare

Eine Million Menschen kam oder kamen?

Frage

Unser Professor erwähnte in seinem Vortrag, dass die Formulierung Eine Million Menschen kamen zu XY falsch sei, da das Verb durch eine Million in der Einzahl stehen müsse. Ist das korrekt, oder gilt die Regel, dass das Subjekt im Plural steht und darum auch das Verb im Plural stehen muss?

Antwort

Guten Tag M.,

in der Mengenangabe eine Million Menschen ist das Substantiv Million der Kern der Wortgruppe, der durch das Attribut Menschen näher bestimmt wird. Rein formal hat ihr Professor deshalb recht, wenn er sagt, dass bei einem solchen Subjekt das Verb in der Einzahl stehen müsse.

Eine Million Menschen kam zu diesem Anlass.
Ein Pfund Nudeln reicht nicht.
Eine Anzahl teure Designerbrillen wurde gestohlen.

Das ist aber nicht die ganze Wahrheit. Das Verb wird oft nicht formal der Maßbezeichnung (dem Wortgruppenkern) sondern sinngemäß dem Gemessenen (dem Attribut) angeglichen. Dies geschieht bei Maßbezeichnungen in der Einzahl  mit einem Attribut in der Mehrzahl:   

Eine Million Menschen kamen zu diesem Anlass.
Ein Pfund Nudeln reichen nicht.
Eine Anzahl teure Designerbrillen wurden gestohlen.

Ihr Professor hat also nicht ganz recht. Nach eine Million Menschen kann das Verb auch in der Mehrzahl stehen. Strengere Grammatiker finden oder fanden die Mehrzahl hier zwar nicht korrekt, aber nach dem allgemeinen Sprachgebrauch und zum Beispiel auch der Dudengrammatik ist sowohl eine Million Menschen kam als auch eine Million Menschen kamen korrekt. Sehen Sie hierzu auch diese Seite in Canoo.net.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare

Snowboard und Skibrett, Gleitbrett fahren und snöben

Da sich dieser Winter hartnäckiger zeigt, als mir eigentlich lieb wäre (aber Mitte Februar darf man ja noch nicht klagen), schreibe ich nach dem letztwöchigen Thema Skifahren heute etwas über Snowboard und snowboarden. Zuerst geht es um die Beugung, dann um die Wortwahl.

Wie alle im Deutschen verwendeten Verben muss sich auch snowboarden den deutschen Beugungsregeln beugen: Man nimmt die Grundform (den Infinitiv) des Verbs, schneidet -en ab und hängt die regelmäßigen deutschen Verbendungen an:

ich snowboarde, du snowboardest, er snowboardet, …
ich snowboardete, du snowboardetes, er snowboardete, …
die snowboardenden Massen

Dies gilt auch für das Partizip Perfekt, das übrigens sowohl mit sein als auch mit haben verwendet wird:

ich bin/habe gesnowboardet

Die Form gesnowboarded ist falsch, auch wenn die Endung -ed so schön zu einem englischen Verbstamm zu passen scheint. Alle Wortformen von snowboarden finden Sie hier.

Die Ableitung des Verbs snowboarden von einem Substantiv wie Snowboard folgt einer ganz normalen deutschen Wortbildungsregel, mit der unter vielen andern auch so schöne Wörter wie ehrgeizen, fuhrwerken, kuhhandeln, ohrfeigen, schauspielern und schulmeistern gebildet wurden. Auch die Wörter für Leute, die sich auf einem Snowboard fortbewegen, werden mit deutschen Endungen gebildet: Snowboarder und Snowboarderinnen wie zum Beipspiel Rodler und Rodlerinnen oder Eisläufer und Eisläuferinnen.

Beugung und Wortbildung folgen also ganz deutschen Mustern, auch wenn das Wort sehr englisch anmutet und es (ursprünglich) natürlich auch ist. Man kann sich aber die Frage stellen, ob es sich hier nicht um einen „unnötigen“ und „hässlichen“ Anglizismus handelt, den man besser durch ein deutsches Wort ersetzt. Aber welches?

Nicht in Frage kommt wohl die wörtliche Übersetzung Schneebrett. Dieses Wort hat bereits eine andere Bedeutung: Ein Schneebrett ist eine bestimmte Lawinenart. Wenn von Schneebrettgefahr die Rede ist, heißt das nicht, dass man sich vor rasenden Snowboardern in Acht nehmen soll, sondern dass man sich nicht abseits der freigegebenen Pisten bewegen sollte. Andere Vorschläge macht der Verein Deutsche Sprache e.V. in seinem Anglizismenindex: Skibrett oder Gleitbrett für Snowboard und Skibrett/Gleitbrett fahren oder schneebrettern für snowboarden.

Beim Wort Gleitbrett kann ich kurz sein, denn für mich klingt es irgendwie einfach nach Bügelbrett. Können Sie sich vorstellen, dass ein sich selbst respektierender, auch nur einigermaßen szenen- und modebewusster Snowboarder jemals von sich sagen wird, er sei ein Gleitbrettfahrer? Welche sportliche junge Frau wird sich je freiwillig als Gleibrettfahrerin bezeichnen?

Dann hat das Wort Skibrett doch die besseren Karten. Es beschreibt, was das Ding ist, es klingt nicht allzu verstaubt und man kann problemlos alle benötigten Wörter davon ableiten: Skibrett fahren, Skibrettfahrer, Skibrettfahrerin, Skibrettweltmeisterschaft usw. Da ich das Wort aber noch fast nie gehört oder gelesen habe, scheint es vorläufig doch nicht packend genug zu sein, um das Snowboard verdrängen zu können.

Ganz besonders gefällt mir der Vorschlag schneebrettern. Das klingt so „fetzig“, dass ich es ab sofort, allerdings eher scherzend als seriös, anstelle von snowboarden verwenden möchte. Am allerbesten gefällt mir aber das auf den Pisten der deutschsprachigen Schweiz gängige Verb snöben! Das ist eine Wortschöpfung, die es verdient, in den restlichen deutschen Sprachraum exportiert zu werden.

Kommentare (2)

Und es ward Licht

Frage

Heute zitierte jemand in einer E-Mail die Passage „und es wart scheinbar schierer Wahnsinn“. Ich war der Meinung, es müsse ward mit d geschrieben werden, tippte also zur Überprüfung „canoo ward“ in die Adresszeile meines Bowsers (ja, ich habe mir bereits eine solche Verknüpfung angelegt), musste dann jedoch leider feststellen, dass Canoo.net dieses Wort nicht in seiner Datenbank führt.

Antwort

Sehr geehrter Herr H.,

richtig schreibt man ich/er/sie/es ward und du wardst. Diese veralteten Vergangenheitsformen von werden schreibt man also tatsächlich mit d. Sie finden sie nicht in unserer Datenbank, weil sie im Standarddeutschen als veraltet gelten. Man begegnet der Form ward statt wurde heutzutage nur noch in älteren Zitaten („Und es ward Licht“) oder scherzhaft, wenn ein besonderer Effekt erzielt werden soll: „Er ging nur schnell Zigaretten holen und ward nimmermehr gesehen.“

Die Form wart gibt es übrigens auch. Es ist die zu ihr gehörende Vergangenheitsform des Verbs sein: „Ihr wart wieder einmal klasse!“ Vielleicht ist im genannten Zitat auch wart im Sinne von war gemeint, aber dann ist es entweder falsch oder greift auf ganz altes Textmaterial zurück.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare (2)