zum einen - zum anderen

Frage

Schreibt man die Wendung zum einen – zum anderen jeweils klein oder gilt nach der neuen Rechtschreibung zum Einen – zum Anderen?

Antwort

Sehr geehrte Frau K.,

die Pronomen eine und andere werden im Prinzip immer kleingeschrieben. Nach der Reform darf man sie aber neu auch großschreiben, wenn damit unterstrichen werden soll, dass es sich um Substantive handelt.

Der Ausdruck, um den es hier geht, bedeutet etwas Ähnliches wie einerseit – andererseits. Ich empfehle deshalb, einen und anderen kleinzuschreiben:

Damit soll zum einen die Wettbewerbsfähigkeit erhöht, zum anderen die Entwicklung neuer Technologien gefördert werden.

Die Möglichkeit der Großschreibung ist eher für Fälle wie den folgenden vorgesehen:

Er erzählt niemanden die gleiche Geschichte. Zum Einen sagt er dies, zum Anderen wieder das.

Aber auch hier ist die Kleinschreibung korrekt:

Er erzählt niemanden die gleiche Geschichte. Zum einen sagt er dies, zum anderen wieder das.

Nur in der Wendung sein Ein und Alles muss immer großgeschrieben werden. Sehen Sie hierzu auch die Angaben zur Rechtschreibung von andere und eine.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Frechdachse, Probleme und auseinandersetzen

Frage

Wir schreiben und lesen viele Texte. Eine Frage taucht dabei in letzter Zeit öfters auf: Wie schreibt man auseinandersetzen? Oder auseinanderzusetzen? Eher zusammen oder getrennt? In deutschen Medien sieht man öfters die getrennte Schreibweise. Was ist hauptsächlich für die Schweiz und Deutschland gebräuchlich?

Antwort

Sehr geehrter Herr W.,

das Verb auseinandersetzen schreibt man zusammen. Dies gilt auch für die mit zu erweiterte Form auseinanderzusetzen. Regionale Unterschiede gibt es dabei nicht: Im gesamten deutschen Sprachraum und auch im Rest der Welt, sofern man Deutsch als Mutter- oder Fremdsprache verwendet, schreibt man dieses Verb zusammen. Die Zusammenschreibung gilt sogar für alle Bedeutungen. So kann man sowohl störende Schüler auseinandersetzen als auch sich mit einem Problem auseinandersetzen. Alle Wortformen von auseinandersetzen finden sie hier und mehr Informationen zur Rechtschreibung hier.

Weshalb finden Sie dann häufiger getrennt geschriebene Formen, obwohl sie nach der aktuellen Rechtschreibregelung falsch sind? Das liegt vielleicht unter anderem daran, dass Wörter wie auseinandersetzen eine ziemlich komplizierte Rechtschreibgeschichte hinter sich haben. Vor der Rechtschreibreform von 1996, also nach der alten Rechtschreibung, gab es zwei unterschiedliche Schreibungen:

Alte Schreibung:
auseinander setzen = voneinander getrennt setzen
sich auseinandersetzen mit = sich beschäftigen mit

Man musste also freche Schülerinnen auseinander setzen und sich dann mit der Frage auseinandersetzen, ob sie bestraft werden sollten.

Dann kam die Reform und alle Kombinationen von einem Verb mit einem Adverb auf -einander mussten getrennt geschrieben werden:

1996-2006
auseinander setzen = voneinander getrennt setzen
sich auseinander setzen mit = sich beschäftigen mit

Ein paar Jahre lang musste man also nicht nur freche Schüler auseinander setzen sondern sich dann auch mit der obengenannten Frage auseinander setzen.

Schließlich entschied die Reform der Reform, dass dann zusammengeschrieben werden muss, wenn die Hauptbetonung auf dem ersten Teil (hier auseinander) einer solchen Verbverbindung liegt.

Seit 2006
auseinandersetzen = voneinander getrennt setzen
sich auseinandersetzen mit = sich beschäftigen mit

Deshalb muss man heutzutage sowohl die Frechdachse auseinandersetzen als auch sich mit der Bestrafungsfrage auseinandersetzen.

Je mehr man sich mit dieser Frage auseinandersetzt, desto verwirrender wird es. Deshalb hier noch die ganz kurze Antwort: auseinandersetzen schreibt man nach der amtlichen Regelung zusammen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Drei gleiche Konsonanten vor der Reform

Frage

Gab es schon vor der neuen Rechtschreibreform Wörter, die mit 3 Konsonanten geschrieben wurden, wie z. B. Dampfschifffahrt?

Antwort

Sehr geehrte Frau M.,

auch vor der Rechtschreibreform gab es bereits Wörter, die mit drei aufeinanderfolgenden gleichen Konsonanten geschrieben wurden. Die Regel lautete, dass beim Zusammentreffen von drei gleichen Konsonanten ein Konsonant weggelassen wird, wenn ihnen ein Vokal folgt:

Dampfschiffahrt
Kreppapier
Ballettänzer
(Neu: Dampfschifffahrt, Krepppapier, Balletttänzer)

Folgt den drei Konsonanten ein weiterer Konsonant, durfte auch nach der alten Regel keiner wegfallen. Man schrieb also schon vor der Reform zum Beispiel:

Sauerstoffflasche
holzschlifffrei
Stopppreis
Balletttruppe
fetttriefend

Zur Schreibung mit Bindestrich siehe Rechtschreibregel.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Der untrennbare Igel

Dass die neuen Rechtschreibregeln mehr Unklarheiten geschaffen als beseitigt hätten, darüber wurde schon sehr, sehr viel geschrieben, gebloggt und gesagt, auch gestritten, geseufzt und geklagt. Ich bin damit nicht ganz einverstanden. Auch aus meiner Sicht hätte vielleicht hie und da etwas einfacher oder übersichtlicher geordnet werden können. Wenn man aber bedenkt, wer alles zufriedengestellt sein wollte, ist es nicht erstaunlich, dass das Regelwerk eben lange nicht jeden zufriedenstellen kann. Grammatikprofessoren und Grundschüler, konservative “Verteidiger” der Sprache Goethes und progressive Anhänger des Neudeutschen, professionelle Schreiber und Menschen, die außer vielleicht der wöchentlichen Einkaufsliste nichts mehr schreiben, sie alle sollten die gleichen Rechtschreibregeln einigermaßen verstehen und sich daran halten können. Wenn man sich diese Aufgabe vor Augen hält, ist das (inzwischen schon gar nicht mehr so) neue Regelwerk ein recht gut gelungener Kompromiss. Und mehr als ein Kompromiss ist eben in nicht diktatorisch geführten Gesellschaften meistens nicht möglich.

Für den Eindruck, alles sei (noch) schwieriger geworden, sind unter anderem zwei Ursachen anzuführen: Die neuen Regeln sind nicht komplizierter, akademischer oder unlogischer als die alten. Vor der Reform wusste wir einfach nicht, dass es SO viele Tücken, Schwierigkeiten und Zweifelsfälle gab. Nach der Reform und der Diskussion über die Regeln, sind wir uns dessen plötzlich viel stärker bewusst. Früher hat man sich nicht so oft gewundert, ob eine Verbindung getrennt oder zusammengeschrieben wird, wie man es heute tut. Das hat aber vor allem damit zu tun, dass wir früher nicht wussten, dass wir die Regeln eigentlich gar nicht so gut kannten, und wir heute wissen, dass wir die Regeln nicht so gut kennen.

Der zweite Grund für zumindest einen Teil der Verunsicherung ist die gestaffelte Einführung der Neuregelung. Und damit sind wir dann endlich beim “untrennbaren Igel” in der Überschrift:

Die Tochter von Frau S. musste in der Schule Wörter trennen. Eines der Wörter war eben Igel. Auf Canoo.net hat Frau S. die entsprechende Regel gefunden:

Einzelne Vokalbuchstaben werden am Wortanfang und am Wortende nicht
abgetrennt (§107 E1)
Zum Beispiel: aber, Efeu, Echo, Idee, Ofen, Ufer, über

Dass aber die Lehrerin ihrer Tochter den ungetrennten Igel als Fehler angestrichen hat und auch ihr Rechtschreibduden I-gel vorschreibt, fand Frau S. dann zurecht ziemlich verwirrend.

Antwort

Sehr geehrte Frau S.,

wie die bereits von Ihnen zitierte Rechtschreibregel besagt, darf Igel nicht getrennt werden. Siehe die entsprechende Rechtschreibregel (oder den Originaltext der amtlichen Regelung).

Ich vermute, dass Sie das Wort nicht in der aktuellsten Ausgabe des Dudens nachgeschlagen haben. Auch nach dem Rechtschreibduden, Ausgabe 2006, darf das Wort Igel nämlich nicht getrennt werden. Die Verwirrung ist aber nicht so erstaunlich. Einzelne Vokalbuchstaben durften in der alten Rechtschreibung nicht abgetrennt werden. Mit der Reform von 1998 wurde diese Regel aufgehoben, d.h. man durfte I-gel trennen. Dies war auch noch nach der Neuregelung von 2004 möglich. Mit der letzten Reform im Jahre 2006 wurde die genannte Regel aber wieder eingeführt, so dass man also jetzt Igel wie vor 1998 nicht trennen darf. Wahrscheinlich ist die von Ihnen benutzte Dudenversion nach 1998, aber vor 2006 erschienen und deshalb in einigen Punkten nicht mehr aktuell.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Nachtrag
Wie Frau S. mir freundlicherweise mitteilte, stamm ihr Rechtschreibduden tatsächlich aus dem Jahr 2004 und werden an der Schule ihrer Tochter Rechtschreibunterlagen aus dem Jahr 2000 verwendet. Ein Teil der Verwirrung und des Ärgers über die Reform ließe sich also vermeiden, wenn wir alle immer die aktuellsten Regeln vor Augen hätten. Das kostet zwar wieder einiges (und das ist eine ganz andere Diskussion), aber die Reform von 2006 soll nun für längere Zeit die letzte gewesen sein.

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Alte Schreibungen in Flexionstabellen

Frau H. hatte eine Frage zu den alten Schreibungen in den Flexionstabellen, insbesondere zu den getrennt geschriebenen Formen:

Guten Tag,

hin und wieder greife ich ganz gerne auf Ihr Canoo-Wörterbuch zurück, da es insbesondere in Bezug auf die neue Rechtschreibung sehr zuverlässig ist. Heute ist mir allerdings etwas aufgefallen, was ich mir nicht erklären kann: Das Wort kennenlernen kann nach der neuen Rechtschreibung getrennt oder zusammengeschrieben werden, das haben Sie auch so in Ihrem Canoo-Wörterbuch angegeben.

Klickt man dann allerdings auf die Flexion, erscheint nur die alte Variante, zwar mit der Überschrift “von der Rechtschreibreform betroffen”, aber es wird in allen Zeiten nur die zusammengeschriebene Variante angezeigt!

Antwort:

Sehr geehrte Frau H.,

es stimmt, dass in unseren Flexionstabellen für kennenlernen nur die alten, zusammengeschriebenen Formen erscheinen (siehe Rechtschreibung von kennenlernen und Flexion von kennenlernen). Das hat damit zu tun, dass unsere Flexionstabellen nur die Wortformen von Einzelwörtern auflisten, nicht aber die Wortformen von aus mehreren Wörtern bestehenden Ausdrücken. Durch die Entscheidung der Rechtschreibkommission ist dieses Verb nicht mehr nur ein Einzelwort (kennenlernen), sondern auch ein aus zwei Wörtern bestehender Ausdruck (kennen lernen). Deshalb stehen die neuen, getrennt geschriebenen Schreibweisen nicht in den Flexionstabellen.

Wir geben zu, dass diese Unterscheidung etwas (zu) akademisch anmuten kann. Wir hofften auch, dass der Hinweis auf die Rechtschreibreform ausreichen würde, den Benutzern die Schreibweisen zu verdeutlichen. Anfragen wie die Ihre zeigen uns aber, dass wir hier eine besser verständliche Lösung anbieten sollten. Es ist nur nicht ganz so einfach, hier eine sprachwissenschaftlich korrekte, leicht nachvollziehbare und technisch nicht allzu aufwändige Lösung zu finden. Es könnte deshalb leider eine geraume Weile dauern, bis wir Ihnen etwas Entsprechendes online zur Verfügung stellen können.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Goethe und die Rechtschreibreform

Nein, es geht hier nicht darum, was der große Dichter zur Rechtschreibreform gemeint hätte. Solche Spekulationen überlasse ich lieber anderen. Es geht hier nur darum, wie man seinen Namen schreibt.

Frage:

Letztens sah ich im Internet für den Dichter und Denker Goethe die Schreibweise Göthe mit ö statt oe. Können Sie mir bitte sagen, ob die seltsame Schreibweise Göthe nach neuer Rechtschreibung tatsächlich erlaubt ist?

Antwort:

Sehr geehrte Frau S.,

die geltende offizielle Rechtschreibregelung gibt an verschiedenen Stellen an, dass die Schreibung von Eigennamen von den allgemeinen Rechtschreibregeln abweichen kann. Die Reform wirkt sich also nur bedingt auf die Schreibung von Eigennamen aus. Denken Sie nur z.B. an Schmitt und Schmidt, Schmied und Schmid oder Meier, Meyer, Maier und Mayer. Bei der Schreibung ö und deren Variante oe hat sich ohnehin nichts geändert. Außerdem war das oe im Namen des Dichterfürsten schon vor der Reform eine orthographische Ausnahmeerscheinung.

Wir vertreten die Ansicht, dass Eigennamen nach den offiziellen Registern und/oder dem allgemeinen Gebrauch geschrieben werden sollten. Wir (wie z. B. auch die Rechtschreibwörterbücher von Duden und Wahrig) empfehlen deshalb nach wie vor als einzig richtige Schreibung: Goethe.

Siehe im Canoo.net-Rechtschreibwörterbuch Goethe (und zur Kontrolle auch Göthe).

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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“Tollpatsch” und “toll”

Eine Frage zur Ableitung von Wörtern:

Die Rechtschreibreform hat die falsche Schreibung Tollpatsch (statt korrekt Tolpatsch) legalisiert und zur einzig gültigen Version erklärt. Das Wort kommt aber aus dem Magyarischen (talpas; s. “Wasserzieher” u. andere Quellen) und hat mit dem deutschen toll nichts zu tun, weder sprachgeschichtlich noch der Bedeutung nach. Der Vermerk “abgeleitet von toll” in canoonet ist deshalb falsch (allenfalls hätten Sie das Wort “volksetymologisch” einfügen müssen.).

Antwort:

Sehr geehrter Herr P.,

wir danken Ihnen für Ihren Beitrag. Es ist uns bekannt, dass Tollpatsch etymologisch gesehen nicht mit toll verwandt ist. Dies gilt zum Beispiel ebenso für belämmert, das nicht auf Lamm sondern auf das mittelniederdeutsche Verb belemmern (hindern, hemmen, beschädigen) zurückgeht.

Es ist uns ebenfalls bekannt – und wir verstehen auch sehr gut –, dass Neuschreibungen wie Tollpatsch und belämmern Etymologen und anderen an der Wortgeschichte Interessierten gar nicht gefallen. Wir bieten aber nicht ein historisch-etymologisches Wörterbuch an, sondern versuchen für den durchschnittlichen Sprachgebraucher in der Gegenwartssprache geltende Wortverwandtschaften aufzuzeigen. Wenn die Reform dem modernen Sprachempfinden folgend Tollpatsch dem Adjektiv toll beiordnet, folgen wir dieser gegenwartssprachlichen Sichtweise. Das Gleiche tun wir beim Wort belämmert, das wir in der Wortbildung neben Lamm stellen. Siehe Wortbildung von belämmert.

Ich muss allerdings zugeben, dass wir in diesem Bereich nicht ganz konsequent den Interpretationen der Reform folgen. Das Wort Quäntchen leiten wir immer noch von Quent und nicht von Quantum ab, weil das Wort Quent (= altes deutsches Handelsgewicht) zwar selten ist, aber in den meisten Wörterbüchern der modernen deutschen Sprache immer noch aufgeführt wird.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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