Kaninchen

Heute gibt es Kaninchen. (Ja, Dr. Bopp isst Kaninchen. Siehe hier). Da dies leider oder, je nach Interesse, glücklicherweise keine Kochrubrik ist, verschone ich Sie mit Rezepten und Weintipps. Es geht natürlich um das Wort Kaninchen. Warum denn chen? Ein großes Kaninchen ist doch kein Kanin, wie ein großes Hündchen ein Hund ist oder wie man ein großes Häuschen meist einfach ein Haus nennt. Weshalb also chen?

Mit der Nachsilbe chen bildet man Diminutive oder zu gut Deutsch Verkleinerungsformen. Vor allem im Süden verwendet man dafür oft auch lein. Richtung Norden lockt man deshalb als Hexe Kinder, die sich im Wald verlaufen haben, eher in ein Lebkuchenhäuschen, während man als südliche Hexe eher ein Lebkuchenhäuslein bewohnt, in dem man dann das Mädchen als Mägdchen zur Kinderarbeit zwingt und den Jungen wie ein Kaninchen einsperrt und fett mästet. So geht es jedenfalls – ganz gleich ob Häuschen oder Häuslein – in einem ordentlichen Märchen zu und her.

Kaninchen ist nicht der einzige ursprüngliche Diminutiv, bei dem das Grundwort im heutigen Deutschen nicht mehr bekannt oder gebräuchlich ist. Auch zum Beispiel bei Mädchen und Märchen oder beim Zipperlein, das böse Hexen plagen möge, ist das Grundwort nicht mehr allgemein bekannt. Das Wort Mädchen geht auf Mägdchen, also kleine Magd, zurück und wurde in einer Zeit gebildet, in der eine Magd noch nicht eine Bedienstete, sondern eine junge weibliche und idealerweise jungfräuliche Person war. Ein Märchen ist eine kurze Mär, das heißt eine kurze Geschichte oder Erzählung. Die Herkunft von Zipperlein erspare ich ihnen; das wird sogar mir zu umständlich.

Bleibt also noch das Kaninchen. Das Grundwort Kanin gab es einmal (und gibt es überigens immer noch als Fachwort für Kaninchenfell). Ein großes Kaninchen war früher also doch ein Kanin! Es geht über das alte französische Wort conin auf lateinisch cuniculus zurück. Auch das Wort Karnickel lässt sich über eine niederdeutsche Verkleinerungsform kanineken aus conin herleiten. Das r hat sich unterwegs einmal als überkorrekte Aussprache eingeschlichen.

Das lateinische caniculus gelangte auch noch auf anderem Wege ins Deutsche und ist so noch in landschaftlich gebräuchlichen Formen wie Künig, Chüngel, Kinigl oder Kiniglhas zu finden. Weil es volkstümlich als mit König (verkl. Königlein) verwandt angesehen wurde, gibt es im Südbayrischen und Österreichischen auch die Bezeichnungen Königlein und König(s)hase.

Beim lateinischen Wort cuniculus könnte es sich um ein Lehnwort aus dem Iberischen (d.h. aus einer der damals auf der Iberischen Halbinsel gesprochenen Sprache) handeln. Eine andere Erklärung sagt, dass der Name des Tieres vom lateinischen Wort für unterirdischer Kanal, Gang, Stollen cuniculus abzuleiten sei. Der Name der Behausung wäre dann auf das Tier übergegangen.

Ein paar Informationen zu Form und Herkunft des Wortes Kaninchen hätte ich somit zusammengesucht und beschrieben. Der Geist ist also wieder frei, sich mit „wichtigeren“ Dingen zu beschäftigen: Wie bereiten wir das Kaninchen zu und welcher Wein könnte gut dazu passen? Doch das ist, wie bereits gesagt, Stoff für ein ganz anderes Blog.

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„Was frägst du?“, frug er

Frage

Gibt es die Wortform frägt von fragen in der dritten Person Einzahl?

Antwort

Sehr geehrter Herr H.,

in der heutigen Standardsprache sind beim Verb fragen nur die regelmäßigen Formen du fragst und er fragt gebräuchlich. Dasselbe gilt für die Vergangenheitsform fragte. Die Formen frägst und frägt sowie in der Vergangenheit frug und früge gelten als veraltet oder regionalsprachlich.

Die unregelmäßigen Formen traten anfänglich im Niederdeutschen auf, wahrscheinlich unter dem Einfluss der starken Formen von tragen (trägt, trug usw.). Luther schrieb noch ausschließlich fragt und fragte. Bei Goethe und Schiller kamen dann neben fragt und fragte schon einige frägt und frug vor. Die Hochzeit der unregelmäßigen Formen war das 19. Jahrhundert: Georg Büchner, Friedrich Engels, Theodor Fontane, Heinrich Heine, E.T.A. Hoffmann, Karl May, C.F. Meyer, Eduard Mörike: sie alle verwendeten (auch) die starken Formen.

Später wurden aber frägt und frug im Standarddeutschen wieder weniger verwendet. Heute gelten sie standardsprachlich als veraltet. Die deutsche Sprache hatte also schon früher ihre Modeerscheinungen – in diesem Fall sogar eine „hausgemachte“.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Wer erschreckt heute Ihre Kinder?

Dass der Sankt Nikolaus aus der Türkei stammt, in Amerika unter dem Namen Santa Claus zum Weihnachtsmann mutiert und als solcher mit Coca Colas Hilfe nach Europa zurückgekehrt ist, wissen Sie vielleicht schon. Aber wussten Sie auch, dass er, der gütig-strenge Ermahner, der die Herzen der Kinderchen mit einer Mischung von Furcht und Vorfreude höher schlagen lässt, dass also dieser Nikolaus, Samichlaus, Santiklaus, Nikolo, Niglo oder wie Sie ihn nennen, je nach Region andere Begleiter hat, die für die Furcht der lieben oder eben nicht so lieben Sprösslinge zuständig sind?

Im Norden und in der Mitte Deutschlands kommt er zusammen mit Knecht Ruprecht. Im Rheinland begleitet ihn der Belznickel oder Hans Muff, im Elsass Hans Trapp und in der Schweiz meist der Schmutzli. Vom Südtirol über Österreich bis nach Bayern sind die Krampusse fürs Einschüchtern zuständig. All diese Figuren dien(t)en dazu, die Angst vor Ungehorsam zu schüren. Aber wie das so ist, ein Jahr ist lang, vor allem wenn man noch klein ist, so dass es auch Ruprecht, Krampus, Schmutzli und Konsorten nie gelungen ist, die lieben Kleinen sehr lange nur lieb sein zu lassen.

Wie man sieht, haben solche Bräuche viele regionale Varianten und Namen. Ich haben bei der Aufzählung bestimmt einige Begleiter des Sankt Nikolaus vergessen. Mit welcher Figur verunsichern Sie am heutigen Nikolaustag die nicht ganz so lieben Kleinen? Vor wem fürchteten Sie sich ein wenig, als Sie noch nicht ganz davon überzeugt waren, dass alles nur Verkleidung ist?

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Das zähe Wörtchen Frühstück

Nachdem unsere neue Nachbarin gestern Abend beim Abendessen gezeigt hatte, dass sie sympathisch und dem Weine nicht ganz abgeneigt ist, hatte ich heute Morgen beim Frühstück einen etwas schwereren Kopf als sonst. Da es kein ausgewachsener, kampfeslustiger Kater war, trat er schon nach einer Tasse Kaffee den Rückzug an, sodass doch noch ein paar einigermaßen klare Gedanken aufkamen. Einer davon war: „Frühstück? Weshalb Frühstück? Früh kann ich noch erklären, aber Stück?“

Natürlich bin ich nach einer zweiten Tasse Kaffee dieser Frage für Sie und für mich nachgegangen. Dabei bin ich recht schnell auf eine wenig spektakuläre Antwort gestoßen: Das Wort Frühstück gibt es seit dem 15. Jahrhundert. Wie das mittelhochdeutsche Morgenbrot bezeichnete es das erste in der Frühe gegessene Stück Brot.

Es ist ein recht robustes Wort. Es gelang ihm, Morgenbrot zu verdrängen und später aufkommende Konkurrenten wie Frühkost erfolgreich hinter sich zu lassen. Auch fremdsprachlichen Thronprätendenten bietet es erfolgreicher die Stirn als seine Vettern Mittagessen und Abendessen. In der Zeit, in der man in der besseren Gesellschaft beim Parlieren ein mit französischen Ausdrücken gespicktes Deutsch benutzte, kannte man zwar das Wort Dejeuner und benutzte es für Frühstück oder leichtes Mittagessen. Viel schwerer hatte es aber das Abendessen, das je nach Festlichkeitsgehalt Diner oder Souper genannt wurde. In der heutigen Hochzeit des Englischen hört man zwar öfter, dass Kollegen zum Lunch gehen, dass ein Dinner organisiert wird oder dass man sich am Sonntag zum Brunch trifft, aber von Breakfast redet im täglichen Sprachgebrauch eigentlich kaum jemand. Ein zähes Wörtchen, dieses Frühstück!

Natürlich geht es wieder einmal nicht ganz ohne regionale Unterschiede. Für die Schweizer war und ist Frühstück eine Art Fremdwort. In der Deutschschweiz nimmt man am Morgen das Morgenessen oder im Dialekt den Zmorge zu sich. Es wundert mich, dass ich keine anderen regionalen Varianten finden konnte, denn üblicherweise gibt es gerade bei solchen häuslichen Dingen oft mehr landschaftliche Varianten als sonst. Vielleicht kennen Sie ja noch andere gebräuchliche Ausdrücke. Und sonst gilt eben – wie bereits gesagt –: ein zähes und robustes Wörtchen, dieses Frühstück!

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Alle(r) zwei Jahre

Frage

Wir benötigen dringend Ihre Hilfe, um einen uralten Ost-West-Konflikt beizulegen. Es geht um die aus westdeutscher Sicht falsche Verwendung des Wortes alle. Der Ostdeutsche beharrt darauf, folgende beispielhafte Formulierung als korrekt zu betrachten, zahlreiche Treffer bei einer großen Suchmaschine bestätigen ihn in dieser Annahme: „Die Technik wird ALLER zwei Jahre erneuert.“ „Ha! Das heißt aber doch ALLE zwei Jahre“, quiekt der Wessi – und schon gehts wieder von vorn los. Wie verhält es sich denn nun?

Antwort

Sehr geehrter Herr C.,

ob ich hier dazu beitragen kann, den Konflikt beizulegen, weiß ich nicht. Das hängt davon ab, wie kompromissbereit die Streitparteien sind. Bei der Verwendung des Genitivs aller zwei Jahre scheint es sich vor allem um eine sächsische, also nicht unbedingt eine „gesamtostdeutsche“ Eigenart zu handeln. Es geht hier nicht etwa um „modernen Sprachverfall“, denn schon bei Gotthold Ephraim Lessing (einem Sachsen) findet man Textstellen wie „Wenn alle Diebe gehangen würden, die Galgen müssten dichter stehn. Man sieht ja kaum aller zwei Meilen einen“ (Die Juden, 1. Auftritt).

Im heutigen Standarddeutschen gilt nur noch der Akkusativ alle zwei Jahre als korrekt. Ich würde deshalb empfehlen, in einem „offiziellen“ Text alle zwei Jahre zu verwenden. Im ungezwungenen Gespräch sei es aber den Ostdeutschen zugestanden, aller zwei Jahre zu sagen, ohne dass gleich gequiekt wird. In der ostdeutschen Umgangssprache ist das offenbar eine übliche und richtige Formulierung. Die „Wessis“ verwenden beim Reden und Schreiben ja auch des Öfteren Wendungen, die nicht unbedingt reinstes Standarddeutsch sind, ohne dass die „Ossis“ – und übrigens auch nicht die „Südis“ wie Schwaben, Bayern, Österreicher und Deutschschweizer – gleich zu quieken anfangen. Etwas Toleranz (zu der übrigens Lessing mit dem zitierten Stück „Die Juden“ in einem anderen, wichtigeren Zusammenhang aufruft) schadet auch im Bereich der regionalen Sprachvarianten nicht.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Die Straßenbahnfahrkarte und das Trambillett

Weil es heute Morgen wieder einmal schüttete, habe ich die Straßenbahn genommen. Weil man in der Straßenbahn Zeit hat und sich nicht immer wieder über ungeniert in Handys brüllende Mitpassagiere ärgern kann, ließ ich meine Gedanken schweifen. Beim Wort Straßenbahn kommt mir nämlich immer in den Sinn, das dieses Wort für Schweizer Ohren so richtig deutsches Deutsch ist. Das liegt nicht nur daran, dass man in der Schweiz das Wort Tram verwendet, sondern auch daran, dass man im Standarddeutschen nördlich des Rheines ein langes a viel offener ausspricht als im durchschnittlichen schweizerischen Hochdeutsch. (Die Ostschweizer bitte ich, mir diese Verallgemeinerung zu verzeihen.) Dann klingt Straßenbahn schon fast ein wenig wie Sträßenbähn. Noch krasser ist der Unterschied bei der Straßenbahnfahrkarte (Sträßenbähnfährkärte), die man in der deutschen Schweiz „natürlich“ Trambillett nennt.

Ein anderer Ausdruck aus dem öffentlichen Verkehr, den man in der Schweiz nie und nimmer hören würde, ist „Vorsicht am Bahnsteig, die Türen schließen selbsttätig“. Ein Bahnsteig ist in der Schweiz ein Perron und selbsttätig ist automatisch. (Das Wort “selbsttätig” hört man allerdings auch in Deutschland nur selten anders als aus Bahnhofslautsprechern.) Wenn ich also vor selbsttätig schließenden Türen gewarnt werde, dann weiß ich, dass mein Zug in Deutschland angekommen ist, wo man für die eventuelle Weiterfahrt am Automaten einen Fahrschein und nicht ein Billett löst. Soweit die Gedanken zu Sprachunterschieden im öffentlichen Verkehr, denn ich musste das Tram (nicht etwa die Tram!) schon wieder verlassen.

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Dialekt und Grammatik

Frage

Wir haben derzeit angeregte Diskussionen zum Thema deutsche Grammatik und Dialekte – daher die folgenden Fragen:

Gelten Grammatikfehler im Hochdeutschen, z.B. wegen+Dativ statt wegen+Genitiv, auch als Grammatikfehler im Dialekt, z.B. im Schwäbischen? Oder gelten Dialekte sozusagen als „eigene“ Sprachen und sind dort solche Dinge dann möglicherweise richtig?

Wie steht es also mit dem schwäbischen Konstrukt die, wo oder kleiner wie? Ist und bleibt es falsch oder ist es im Dialekt richtig?

Und eine letzte Frage: unterscheiden sich die einzelnen deutschen Dialekte eigentlich bezüglich der Menge oder des Ausmaßes der Abweichungen zur deutschen Grammatik (z.B. Schwäbisch verglichen mit Sächsisch)?

Antwort

Sehr geehrte Frau D.,

da ich kein Dialektologe bin und der Platz hier beschränkt ist, kann ich leider nur ein paar allgemeine Angaben machen:

Was in der Standardsprache als Fehler gilt, kann im Dialekt richtig sein. Vieles, was im Standarddeutschen als Grammatikfehler angemerkt wird, findet seinen Ursprung in den Dialekten. Ein Dialekt ist aber keine mehr oder weniger unorganisierte, mit „amüsanten“ Ausdrücken garnierte Ansammlung von Grammatik- und Aussprachefehlern, sondern ein eigenes Sprachsystem mit eigenen Regeln.

Jeder Dialekt hat seine eigene Grammatik. So ist es zum Beispiel in den schwäbischen Dialekten eigentlich falsch, wegen des schönen Wetters zu sagen. Im Schwäbischen (und vielen anderen südlichen Dialekten) steht wegen mit dem Dativ. Ein anderes Beispiel: In den Deutschschweizer Dialekten ist es nicht nur falsch, sondern unmöglich das Haus meines Onkels zu sagen. Dort ist nur (in Übersetzung) das Haus von meinem Onkel oder meinem Onkel sein Haus richtig. Auch in anderen Dialekten ist ein solcher Genitiv im Prinzip falsch und führt in einem Gespräch zwischen Dialektsprechenden zu gehobenen Augenbrauen und unterdrücktem „Wie redet den der/die?“

Ob die Formulierungen die, wo im Schwäbischen korrekt ist, weiß ich leider nicht. Es könnte aber gut sein, dass die Grammatik der schwäbischen Dialekte eine solche Formulierung zulässt oder sogar verlangt.

Was in der deutschen Standardsprache als richtig und falsch gilt, entscheidet nicht eine einzelne Instanz, auch nicht der Duden. Entscheidend sind der allgemeine Gebrauch, eine Übereinstimmung der Sprachbenutzer und die als Standardwerke akzeptierten Beschreibungen verschiedener Spezialisten. Diese Regeln sind aber nicht immer unumstritten! Dass die, wo im Standarddeutschen als falsch gilt, liegt daran, dass Grammatiken, Schulbücher, „gelehrte Häupter“ und tonangebende Schriftsteller sich an diese Regel halten und dass die meisten Leute diese Formulierung aus diesem Grund nicht verwenden, wenn sie Hochdeutsch sprechen und schreiben.

Man sollte also eigentlich nicht von richtig und falsch, sondern von üblich und unüblich oder gebräuchlich und nicht gebräuchlich sprechen. Und somit sind wir wieder zurück bei den Dialekten: Jeder Dialekt hat, wie bereits gesagt, seine eigenen Grammatik. Diese Grammatik muss nicht durch einen Duden und Schulbücher festgelegt sein. Ob etwas „richtig“ oder „falsch“ ist, sieht man daran, ob es in einem Dialekt üblich oder unüblich ist, ob die Dialektsprechenden es als Dialekt erfahren oder nicht.

Der Unterschied zwischen Standardsprache und Dialekt ist nicht bei allen Dialekten gleich groß. Die wenigsten Abweichungen vom Standarddeutschen sollen in den Thüringisch-Obersächsischen Dialekten, der Anhaltischen Mundart und den Ostfränkischen Dialekten zu finden sein. Dagegen unterscheiden sich zum Beispiel die alemannischen und bayrischen Dialekte stärker vom Standarddeutschen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

PS: Mehr Informationen zu den deutschen Dialekten und weiterführende Links finden Sie hier.

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Wie wird ein Herr gebeugt?

Frage

Beim Korrigieren bin ich auf ein Problem gestoßen und komme nicht weiter: Wann muss man bei folgenden Sätzen ein n anfügen und wann nicht?

Ich schaute das Foto mit der weißen Stute noch einmal genau an, welches ich von Herr/Herrn Müller bekommen hatte.
Sie raste zum Bauernhof von Herr/Herrn Bucher.
Wir waren sehr glücklich, dass wir Herr/Herrn Zolfekari helfen konnten.

Antwort

Sehr geehrte Frau W.,

das Wort Herr wird immer dekliniert, außer wenn es im Nominativ steht oder als direkte Anrede verwendet wird:

Ungebeugt:

Nominativ:
Herr Christianson hat gesagt, dass …
Gestern hat Herr Matthieu angerufen.
Anrede:
Ich sehe Sie, Herr Spahn, gerne morgen wieder.
Ich gratuliere Ihnen, Herr Blum, ganz herzlich zum Geburtstag.

Sonst immer gebeugt, zum Beispiel:

Akkusativ:
Ich sehe Herrn Spahn morgen wieder.
Ohne Herrn Trautwein entscheide ich nichts.
Dativ:
Ich gratuliere Herrn Blum zum Geburtstag.
Nicht alle sind mit Herrn Fischer einverstanden.
Genitiv
Herrn von Guttenbergs Besuch in den USA
Der Besuch des Herrn von Guttenberg in den USA
anstelle Herrn Dr. Müllers

Auch in Anschriften schreibt man Herrn, obwohl man das früher übliche an weglässt:

Herrn
Daniel Huber
Baseler Straße 25
99999 Musterhausen

Natürlich gibt es auch hierzu wieder eine Ausnahme und auch diesmal wieder aus der Schweiz: Seit einigen Jahren ist es in der Schweiz üblich, in Anschriften nicht mehr den Akkusativ Herrn, sondern die ungebeugte Form Herr zu verwenden:

Herr
Daniel Huber
Baslerstrasse 25
9999 Musterwil

Das gilt aber nur für das Herr in der Anschrift (und nur in der Schweiz). In einem fortlaufenden Text muss Herr auch in der Schweiz nach den allgemeinen Regeln gebeugt werden.

Da hat man es doch viel einfacher, wenn es um Frauen geht: Die Anrede Frau bleibt immer ungebeugt. Es soll noch einer behaupten, es sei viel komplizierter, mit Frauen umzugehen!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Straßennamen

Frage

Wann schreibe ich –str. zusammen, und wann – Str. getrennt? Und wann kommt ein Bindestrich dazu und wann nicht? Gelten diese Regeln dann auch für Alleen, Wege und Chausseen?

Antwort

Sehr geehrter Herr S.,

nach den amtlichen Rechtschreibregeln schreibt man Straßennamen grundsätzlich gleich wie „gewöhnliche“ Zusammensetzungen:

Im Prinzip zusammen:

Bahnhofstraße
Goethestraße
Fleischergasse
Langgasse
Eichenweg
Donauallee    

Ist der erste Teil ein gebeugtes Adjektiv, schreibt man den Namen getrennt und das Adjektiv groß:

Breite Straße
Lange Gasse
Neue Gasse

Man schreibt ebenfalls getrennt, wenn der erste Teil ein mit -er von einem geographischen Namen abgeleitetes unveränderliches Adjektiv ist:

Bielefelder Straße
Innsbrucker Straße
Königsberger Allee
Berliner Chaussee
(aber: Hannoverstraße)

Bindestriche werden dann verwendet, wenn der erste Teil aus einer Wortgruppe wie zum Beispiel einem mehrteiligen Eigennamen besteht:

Heinrich-Heine-Straße
Van-Gogh-Straße
Heinrich-von-Kleist-Weg
General-Guisan-Quai

ABER: Dies sind die allgemeinen Regeln. Im konkreten Fall weichen Ortschaften und Städte von diesen Regeln ab. So schreibt man in der Schweiz Genferstrasse und Baslerstrasse statt Genfer Straße und Baseler Straße, und auch in Österreich findet man des Öfteren die Schreibung Innsbruckerstraße statt der amtlich empfohlenen Schreibung Innsbrucker Straße. Diese lokal festgelegten Schreibweisen gehen den amtlichen Rechtschreibregeln vor!

Abgekürzt wird genau gleich. Also zum Beispiel:

Bahnhofstr.
Breite Str.
Bielefelder Str.
Heinrich-Heine-Str.

Noch viel mehr Informationen zur Schreibung von Eigennamen finden sie auf dieser Seite.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Bis nächstes Ostern oder bis nächste Ostern?

Frage

Ich stehe wieder vor einem kleinen Rätsel:

Wenn Sie das Marmorieren oder die Serviettentechnik noch nicht beherrschen, können Sie sich mit Stickern und Abziehbildchen helfen und die beiden Techniken bis zum nächsten Ostern lernen

Diese Formulierung behagt mir aber nicht. Ich würde entweder schreiben bis zum nächsten Osterfest oder bis nächste Ostern. Bei der letzteren Variante bin ich jedoch unsicher.

Antwort

Sehr geehrte Frau S.,

wie Sie mit dem Wort Ostern umgehen, scheint davon abhängig zu sein, woher Sie kommen oder wo Sie sind. Im südlichen deutschen Sprachraum ist Ostern ein Pluralwort. In Nord- und Mitteldeutschland ist es ein sächliches Singularwort. Sie schreiben also je nachdem:

bis nächste Ostern
bis nächstes Ostern

Die etwas schwerfälligen Formulierungen bis zu den nächsten Ostern und bis zum nächsten Ostern sind ebenfalls möglich. Was immer Sie auch wählen, ein Teil der Leserschaft wird sich über die Formulierung wundern. Wenn nicht der Süden den Kopf schüttelt, dann ist der Norden unzufrieden. Deshalb empfehle ich Ihnen, den Satz anders zu formulieren, wenn Sie den gesamten deutschen Sprachraum ansprechen wollen:

bis dieses Jahr Ostern bzw. bis nächstes Jahr Ostern
bis zum nächsten Osterfest

Ganz Ähnliches gilt auch für Pfingsten und Weihnachten.

Wenn es wie jetzt gar nicht mehr so lange dauert, kann man auch einfach sagen:

bis Ostern

So zum Beispiel in der folgenden Gewissensfrage: Gelingt es Ihnen, den je nach Region und Größe des Geschäfts zentner- bis tonnenweise angebotenen Süßigkeiten in Eiform bis Ostern zu widerstehen? Ich gestehe: Es ist mir nicht gelungen. Die kleinen Schokoladeneier mit Fondant- und Haselnussfüllung und die Nougateier schmecken einfach zu gut! Ich versuche allerdings, mich der Tradition und meiner Gesundheit zuliebe bis Ostern einigermaßen zurückzuhalten.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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