Die bekannte(,) leidige Frage nach dem Komma zwischen Adjektiven

Frage

Es geht um die Kommasetzung zwischen Adjektiven. Mit der folgenden Faustregel komme ich nicht klar. Wenn man ein „und“ zwischen die Adjektive setzen kann, steht ein Komma: „ein leichter, herber Rotwein“. Wenn das zweite Adjektiv mehr zum Substantiv gehört, steht kein Komma: „ein bekannter spanischer Autor“. Es gibt ja so viele Zweifelsfälle, und ich habe das Gefühl, dass es keiner mehr richtig weiß, abgesehen von den klaren Fällen. Hier noch einige Beispiele:

eine kleine vogelhafte Frau
ein zierlicher kleiner Kopf
ein alter rundlicher Kahn
ein großer runder Raum
ein riesiger halbmondförmiger Eichentisch
ein feiner halbkreisförmiger Schnitt

Antwort

Guten Tag Frau M,

Sie gehen offenbar etwas zu stark davon aus, dass es bei der Kommasetzung zwischen zwei Adjektiven immer nur eine richtige Lösung gibt. Das ist nicht so. Häufig sind beide Schreibungen vertretbar. Aus diesem Grund gibt es so viele Zweifel und keine eindeutige Regel. Auch ich halte die Faustregel mit „und“, die Sie zitieren, häufig nicht für allzu nützlich. Ich empfehle Ihnen deshalb ein einfache Faustregel, die mir am besten hilft: die Betonung.

Wenn in der gesprochenen Sprache eine deutliche Pause gemacht wird, setzt man ein Komma. Hört man zwischen den beiden Adjektiven keine Pause, wird auch kein Komma gesetzt:

  1. ein anderes, umweltfreundliches Verfahren
    (statt eines nicht umweltfreundlichen Verfahrens)
  2. ein anderes umweltfreundliches Verfahren
    (ein weiteres umweltfreundliches Verfahren)

Hier gibt es einen Bedeutungsunterschied, den man in der gesprochenen Sprache mit Hilfe einer deutlich hörbaren Pause ausdrückt. Diese Pause entspricht in der geschriebenen Sprache einem Komma:

Wenn wie in a) eine Pause gemacht werden muss, muss ein Komma stehen. Wenn wie in b) keine Pause gemacht werden darf, darf kein Komma stehen. (Vgl. hier)

Und nun kommt das, was immer wieder für Unsicherheit sorgt: In vielen Fällen ist beides möglich. Manchmal ist es vom Kontext abhängig, ob man ein Komma schreibt oder nicht:

  1. Ich mag keine schweren, süßen Weine. Ich will einen leichten, herben Rotwein.
    (mit Pause gesprochen = der Rotwein soll leicht und herb sein)
  2. Ich will keinen schweren, sondern einen leichten herben Rotwein.
    (ohne Pause gesprochen = der herbe Rotwein soll leicht sein)

Häufig ist sogar ohne wesentlichen Bedeutungsunterschied beides möglich:

  1. eine kleine, vogelhafte Frau
    (mit Pause gesprochen = eine Frau, die klein und vogelhaft ist)
  2. eine kleine vogelhafte Frau
    (ohne Pause gesprochen = eine vogelhafte Frau, die klein ist)

Zwischen e) und f) gibt es keinen wesentlichen Bedeutungsunterschied. Sie können schreiben, wie Sie betonen würden. Wenn beide Betonungen möglich sind, sind auch beide Schreibungen (mit und ohne Komma) richtig.

Fragen Sie sich also jedes Mal, wenn Sie zweifeln, ob Sie für die richtige Bedeutung eine Pause machen müssen. Wenn die Antwort ja lautet, setzen Sie ein Komma (Beispiele a und c). Wenn Sie für die Bedeutung keine Pause machen dürfen, setzen Sie kein Komma (Beispiele b und d). Ist eine Formulierung mit und ohne Pause richtig, kann sie auch mit und ohne Komma geschrieben werden (Beispiele e und f). Sie wählen dann einfach, was Ihnen „natürlicher“ erscheint.

Alle Beispiele in Ihrer Frage können im Prinzip mit und ohne Komma geschrieben werden, weil mit und ohne Pause gesprochen werden kann.

Zusammenfassend zum Komma zwischen zwei aufeinanderfolgenden Adjektiven:

  • Pause obligatorisch = Komma obligatorisch
  • Pause nicht möglich = kein Komma
  • Pause möglich = Komma möglich

Ich hoffe, dass die bekannte leidige Frage oder eben die bekannte, leidige Frage nach dem Komma zwischen aufeinanderfolgenden Adjektiven nun für etwas weniger Unsicherheit sorgt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Steht ein Komma vor »als etwas zu essen«?

Frage

Es geht um diesen Satz:

Sie hatte Schlaf noch mehr nötig,(??) als etwas zu essen.

Mir ist unklar, ob diese Infinitivkonstruktion mit Komma abgetrennt wird, weil mit „etwas zu essen“ ja eigentlich ein Substantiv gemeint ist, wenn man schreiben würde „als Essen“. Vergleichbar hier ein Satz aus dem Netz: „Eine Jause ist mehr als etwas zu essen.“

Antwort

Guten Tag Herr E.,

Sie zweifeln zu Recht, denn richtig ist die Schreibung ohne Komma:

Sie hatte Schlaf noch mehr nötig als etwas zu essen.

Das liegt daran, dass „etwas zu essen“ zwar wie eine Infinitivgruppe aussieht, hier aber  eine Pronomengruppe ist:

Infinitivgruppe:
etwas zu essen = dass man etwas isst
(engl. to eat something, frz. manger quelque chose)

Pronomengruppe
etwas zu essen = etwas, das man essen kann
(engl. something to eat, frz. quelque chose à manger)

Vor vergleichendem „als“ steht dann ein Komma, wenn es einen Nebensatz oder eine Infinitivgruppe einleitet (siehe hier und hier). In Ihrem Satz ist aber eine Pronomengruppe gemeint. Deshalb setzen Sie kein Komma:

Sie hatte Schlaf noch mehr nötig als etwas zu essen.
vgl. Sie hatte Schlaf noch mehr nötig als Essen.

Es gab nicht mehr als etwas zu trinken.
vgl. Es gab nicht mehr als ein Getränk.

Aber zum Beispiel:

Sie kann besser schlafen, als etwas zu essen.
vgl. Sie kann besser schlafen, als zu essen.

Sie konnten nichts anderes mehr tun, als etwas zu trinken.
vgl. Sie konnten nichts anderes mehr tun, als zu trinken.

Manchmal ist es gar nicht so einfach, den Unterschied zwischen Pronomengruppe und Infinitivgruppe festzulegen, weil beides möglich ist:

Eine Jause ist mehr als etwas zu essen  (vgl. mehr als nur Esswaren)
Eine Jause ist mehr, als etwas zu essen (vgl. mehr, als nur zu essen)

Ob mit oder ohne Komma: Hauptsache, es gibt etwas zu essen!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Eingeleitete und integrierte wörtliche Wiedergabe

Frage

Es geht um folgende Satzkonstruktion:

Auf die Frage „War es schön?“ folgt ein muffliges „Kann sein“.

Ich würde die Satzzeichen (Doppelpunkt, Komma, Doppelpunkt) folgendermaßen ergänzen:

Auf die Frage: „War es schön?“, folgt ein muffliges: „Kann sein“.

Liege ich damit richtig?

Antwort

Bei eingeleiteten Zitaten mit Begleitsatz gelten die Regeln, die hier dargestellt werden. Weniger oft wird ein anderer Fall in den Rechtschreibbüchern dargestellt: Ein Zitat kann eng in den Satz integriert sein. Dann sieht die Zeichensetzung etwas einfacher aus (nämlich so).

Der Übergang zwischen „eingeleitet“ und „integriert“ ist allerdings fließend. Integrierte Zitate stehen häufig am Satzanfang oder im Satzinnern oder sie haben ein Artikelwort, ein Adjektiv oder ein Attribut bei sich. Am besten sieht man den Unterschied wahrscheinlich an konkreten Beispielen:

a) eingeleitet direkte Rede
b) integrierte direkte Rede

a) Sie hat gesagt: „Ich gehe nach Hause.“
b) Sie hat „Ich gehe nach Hause“ gesagt.

a) Er fragte: „Wer kommt mit?“, aber niemand antwortete.
b) Auf seine Frage „Wer kommt mit?“ antwortete niemand.

a) Das bekannte Sprichwort lautet: „Eile mit Weile“.
b) Das Sprichwort „Eile mit Weile“ ist sehr bekannt.

a) Nicht alle mögen diese Frage: „Woran denkst du?“
a) „Woran denkst du?“, wollte er schon wieder wissen.
b) „Woran denkst du?“ ist eine Frage, die nicht alle mögen.

a) Das Kind rief laut: „Ich esse das nicht!“
b) Laut klang das „Ich esse das nicht!“ des Kindes.
b) Laut klang sein „Das esse ich nicht!“.

Für Ihren Satz bedeutet dies, dass er ohne zusätzliche Doppelpunkte und ohne ein Komma auskommt:

a) Die Mutter fragte: „War es schön?“, und ich antwortete mufflig: „Kann sein.“
b) Auf die Frage „War es schön?“ folgte ein muffliges „Kann sein“.

Er war also so richtig geschrieben, wie Sie ihn zuerst angegeben haben.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Infinitivgruppen: kein »zu«, kein Komma

Frage

Ich habe eine Kommafrage zu diesem Satz: „Den Kontakt zu unseren Kunden stärken, heißt …“ Steht vor „heißt“ ein Komma? […]

Antwort

Guten Tag Herr G.,

vor heißt steht hier kein Komma:

Den Kontakt zu unseren Kunden stärken heißt …

Das ist einer der wenigen Fälle, in denen eine Infinitivgruppe ohne zu steht (die Infinitivgruppe ist Subjekt des Satzes; siehe hier, ganz unten). Erweiterte Infinitive ohne zu gelten nicht als „nebensatzähnlich“ und werden wie gewöhnliche Satzglieder behandelt. Sie werden also nicht durch Kommas abgetrennt:

Dich verstehen ist nicht einfach.
Mit dem Finger auf Leute zeigen gilt als unhöflich.
Den ganzen Tag arbeiten macht hungrig.
Den Kontakt zu unseren Kunden steigern heißt noch besser auf ihre Wünsche eingehen.

Ich kann Ihnen hierzu keine konkrete Kommaregel nennen, weil die meisten Kommaregeln „nur“ angeben, wo man ein Komma setzen muss oder kann. Dieser Fall (erweiterter Infinitiv ohne zu) wird nicht ausdrücklich genannt. Daraus folgt, dass man kein Komma setzt.

Man kann diese Sätze auch mit zu formulieren. Dann gibt es Regeln, nämlich die Kommaregeln für die Infinitivgruppen (siehe hier für eine Übersicht). Diese Regeln sagen, dass man hier ein Komma setzen kann:

Dich zu verstehen(,) ist nicht immer einfach.
Mit dem Finger auf Leute zu zeigen(,) gilt als unhöflich.
Den ganzen Tag zu arbeiten(,) macht hungrig.
Den Kontakt zu unseren Kunden zu stärken(,) heißt(,) noch besser auf ihre Wünsche einzugehen.

Zusammenfassend kann man sagen

ohne Komma:
Die Kommaregeln verstehen ist nicht immer einfach.

mit fakultativem Komma:
Die Kommaregeln zu verstehen ist nicht immer einfach.
Die Kommaregeln zu verstehen, ist nicht immer einfach.

Dem habe ich vorerst nichts hinzuzufügen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Eine Wortgruppe und ein Nebensatz und (k)ein Komma

Frage

Gehört im folgenden Satz hinter das „und“ eigentlich ein Komma oder nicht?

Bewerten Sie unsere Argumentation und wie sie auf andere wirken könnte

Immerhin ist der zweite Teil ja ein untergeordneter Nebensatz und einen solchen muss man ja durch ein Komma abtrennen. Trotzdem würde ich eher keines setzen, aber ich könnte nicht erklären, warum. Sie vielleicht?

Antwort

Sehr geehrter Herr H.,

in Ihrem Satz verbindet und gleichrangig eine Wortgruppe (unsere Argumentation) und einen Nebensatz (wie sie auf andere wirken könnte). Das ist eine zwar nicht allzu häufig vorkommende Konstruktion, sie gibt aber regelmäßig Anlass zu Zweifeln bei der Kommasetzung.

Wenn und (oder oder, sowohl als auch usw.) eine Wortgruppe und einen Nebensatz verbindet, gilt Folgendes:

  • Vor und nach und steht kein Komma.
  • Wenn der übergeordnete Satz und die Wortgruppe aneinandergrenzen, setzt man zwischen sie kein Komma:

Bewerten Sie unsere Argumentation und wie sie auf andere wirken könnte.
Wie unsere Argumentation auf andere wirken könnte und ihre allgemeine Qualität bewerten Sie hier.
Was wir für die Reise benötigen und die Geschenke für die Kinder habe ich schon eingepackt.
Die Personalbesetzung wird angepasst bei großem Andrang oder wenn nur wenig Besucher kommen.

  • Wenn der übergeordnete Satz und der Nebensatz aneinandergrenzen, setzt man zwischen sie ein Komma:

Bewerten Sie, wie unsere Argumentation auf andere wirken könnte und ihre allgemeine Qualität.
Unsere Argumentation und wie sie auf andere wirken könnte, bewerten Sie hier.
Die Geschenke für die Kinder und was wir für die Reise benötigen, habe ich schon eingepackt.
Die Personalbesetzung wir angepasst, wenn nur wenig Besucher kommen oder bei großem Andrang.

Dafür, dass es um das Komma geht, ist es eigentlich ziemlich einfach. Siehe auch hier.

Sie haben also ganz zu Recht kein Komma gesetzt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Die Bindestriche-sind-besser-Haltung oder die „Leerzeichen gehen auch“-Einstellung

Frage

Ich habe eine Übersetzung mit folgendem Satz vorliegen:

Du wirst nicht diese schwache „Ich-bin-nur-Durchschnitt“-Mentalität haben.

Es geht mir um „Ich-bin-nur-Durchschnitt“-Mentalität (im engl. Orig.: “I’m just average” mentality; “mentality” steht nicht in Anführungszeichen). Aus meiner Sicht ist die Koppelung des Ausdrucks mit Bindestrichen zusammen mit der Verwendung von Anführungszeichen falsch oder zumindest redundant. Ich würde die Bindestriche entfernen und die Phrase in Anführungszeichen an „Mentalität“ anbinden, also: „Ich bin nur Durchschnitt“-Mentalität schreiben. Ist das aus Ihrer Sicht korrekt? […]

Antwort

Guten Tag T.,

die folgenden Schreibweisen kommen in Fällen wie diesen häufig vor:

a) die Ich-bin-nur-Durchschnitt-Mentalität
b) die „Ich bin nur Durchschnitt“-Mentalität

Ich würde Ihnen a), das heißt die Variante mit Bindestrichen und ohne Anführungszeichen empfehlen. Da man im Englischen hier in der Regel nicht durchkoppelt, können die Anführungszeichen dort dazu beitragen, die Mehrwortgruppe innerhalb des Textes als eine Einheit zusammenzuhalten. Das liest sich etwas einfacher. Die Anführungszeichen sind im Deutschen dank der bei Komposita mit Mehrwortgruppen üblichen Durchkoppelung für das Verständnis oder die Verdeutlichung der Zusammensetzung eigentlich nicht notwendig. Sie können besser weggelassen werden.

Weitere Beispiele im Deutschen:

die Ohne-mich-Mentalität
eine Mir-ist-alles-egal-Haltung
die Nach-mir-die-Sintflut-Einstellung

Wenn Sie gar nicht auf die Anführungszeichen verzichten wollen oder können, ist b) üblich. Diese Schreibweise ist allerdings nicht in der amtlichen Rechtschreibregelung vorgesehen und nicht unumstritten. Ich halte die Verwendung von Leerzeichen innerhalb einer Zusammensetzung für keine gute, lesefreundliche Lösung, auch wenn sie die Dudenredaktion hier für vertretbar hält (Duden, Richtiges und Gutes Deutsch, Stichwort „Bindestrich“).

Ich habe hier eben mehr eine Bindestriche-sind-besser-Haltung als eine „Leerzeichen gehen auch“-Einstellung.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

PS: Die Variante, die Ihnen vorliegt, „Ich-bin-nur-Durchschnitt“-Mentalität, scheint weniger häufig vorzukommen. Sie ist etwas gar viel des Guten, wenn es um die Satzzeichen geht, aber nach meiner Einschätzung nicht grundsätzlich ausgeschlossen. Ich würde sie allerdings nicht verwenden.

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Schrägstrich mit Leerzeichen / ohne Leerzeichen

Frage

Wie verhält es sich mit eventuellen Leerzeichen vor, hinter oder vor und hinter einem Schrägstrich? Zum Beispiel:

Heide/Kreis Dithmarschen oder
Heide/ Kreis Dithmarschen oder
Heide / Kreis Dithmarschen

Antwort

Sehr geehrte Frau Z.,

die amtliche Rechtschreibregelung gibt hierüber keinen Aufschluss, weil bei allen Beispielen, die man dort zum Schrägstrich findet, links und rechts des Schrägstriches nur ein einzelner, ungegliederter Begriff steht (ein Wort, eine Zahl, eine Abkürzung). Sie sind also sozusagen auf sich selbst gestellt, wenn der Schrägstrich Wortgruppen voneinander trennt. Üblich sind diese beiden Schreibweisen:

  1. Heide/Kreis Dithmarschen
  2. Heide / Kreis Dithmarschen

Ich verwende in der Regel a) bei einzeln stehenden Begriffen und b), wenn auf einer oder beiden Seiten des Schrägstrichs mehr als ein Wort steht:

  1. Juli/August
    Frau Müller/Meier
    Anton/Christine
    Sprachen: Deutsch/Englisch/Französisch
  2. Ende Juli / Anfang August
    Frau Müller / Frau Meier
    Anton / Frau Meier
    Frau Müller / Christine
    Wörterbuch Deutsch–Englisch / Englisch–Deutsch

Häufig werden bei b), falls möglich, schmalen Leerzeichen verwendet. Eine allgemein verbindliche Regelung gibt es aber nicht.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Das hartnäckige Komma im Titel

Frage

Ich habe eine simple Frage. Der Claim meines Blogs lautet: Produktmanagement das funktioniert. Ich bin mir jetzt unsicher. Kommt noch Produktmanagement ein Komma oder nicht? Was ist korrekt?

Antwort

Sehr geehrter Herr D.,

die Frage klingt simpel, doch bei den Satzzeichen in Titeln u. Ä. werden viele hin und wieder unsicher. Die Antwort ist übrigens gleich simpel wie die Frage: Vor das muss ein Komma stehen. Natürlich kann ich es nicht lassen, noch ein paar erklärende Worte hinzuzufügen:

Dieses das ist ein Relativpronomen, das einen Relativsatz (das funktioniert) einleitet. Ein Relativsatz ist ein Nebensatz und muss als solcher durch ein Komma abgetrennt werden. Das gilt auch dann, wenn er nicht von einem ganzen Satz, sondern wie hier nur von seinem Bezugswort begleitet wird. Und Titel, Slogans, Claims usw. sind nicht davon ausgenommen. So hartnäckig kann das Komma sein:

Ich zeige Ihnen Projektmanagement, das funktioniert.
Ich zeige Projektmanagement, das funktioniert.
Zeige Projektmanagement, das funktioniert.

Projektmanagement, das funktioniert

Ganz allgemein werden die Satzzeichen in Titeln, Überschriften usw. gleich gesetzt wie in „normalem“ Text. Ein paar Beispiele:

Irrungen, Wirrungen (Roman)
Wetten, dass …? (Fernsehsendung)
Good bye, Lenin! (Film)
Der Mann, der zu viel wusste (Der Mann, der zuviel wußte; Film)
Von einem, der auszog[,] das Fürchten zu lernen (Märchen)

Die einzige Ausnahme ist der Schlusspunkt: Er wird in Titeln u. Ä. nicht gesetzt. Außerdem gilt auch hier: Dichterischer Freiheit sind keine Grenzen gesetzt. Wundern Sie sich also nicht, wenn Sie Titeln und Überschriften begegnen, die es mit der offiziellen Zeichensetzung nicht so genau nehmen:

punkt punkt komma strich (Roman)

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare (2)

Noch einmal das Komma vor „und“

Im Prinzip wäre es ja ganz einfach: Vor und steht kein Komma. Natürlich geht es auch hier nicht ohne Ausnahmen, die ich in einem früheren Eintrag schon einmal erwähnt habe. Hier folgt noch ein solcher Spezialfall: 

Frage

Wie lauten hier die Kommaregeln? Gibt es eine einfache Faustregel? Ich bin etwas irritiert. Zum Beispiel:

Wenn du es zeichnest ist es rund, und wenn du es schreibst ist es gerade.
Wenn du es zeichnest, ist es rund und wenn du es schreibst, ist es gerade.
Wenn du es zeichnest, ist es rund, und wenn du es schreibst, ist es gerade.

Was ist richtig? Können Sie mir weiterhelfen?

Antwort

Sehr geehrter Herr S.,

in Ihrem Satz würde ich den dritten Vorschlag wählen und die Kommas wie folgt setzen:

Wenn du es zeichnest, ist es rund, und wenn du es schreibst, ist es gerade.

Das und verbindet hier zwei selbstständige Satzgefüge:

Wenn du es zeichnest, ist es rund
und
wenn du es schreibst, ist es gerade

In einem solchen Fall ist das Komma vor und im Prinzip fakultativ (es verbindet zwei gleichrangige selbstständige Sätze, vgl. hier). Wenn der zweite Satz aber ein Satzgefüge ist, das mit einem Nebensatz beginnt, ist es zu empfehlen, zur Verdeutlichung der Satzstruktur ein Komma zu verwenden.

Hier noch ein paar Beispiele:

Die Tür war aus Holz gefertigt, und wenn er sie öffnete, knarrte sie.
Sie diskutierten bis tief in die Nacht, und weil sie ein paar Gläser Wein getrunken hatte, nahm sie ein Taxi nach Hause.
Wir speisten darauf beim Gouverneur, und nachdem wir von ihm Abschied genommen hatten, gingen wir auf das Schiff zurück.
Zu guter Letzt bekam der brave Geselle Hans seine Appolonia zur Frau, und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie noch heute.

Bei Unsicherheit wäre es natürlich am einfachsten, solche Formulierungen zu vermeiden. Doch so sehr sollte man sich nicht durch eine Komma-Unsicherheit einschüchtern lassen, und wenn man es einmal weiß, ist es ja gar nicht so kompliziert.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Groß oder klein, mit oder ohne Leerschritt – die Tücken des Schrägstriches

Frage

Zum Thema Schrägstrich findet man häufig (z. B. auf duden.de) das Beispiel „Ich/Wir überweise(n)“ bei der Verwendung des Schrägstrichs im Sinne von „beziehungsweise“. Wieso wird hier „Wir“ eigentlich großgeschrieben? Ausgeschrieben hieße es doch „Ich bzw. wir überweisen“.

Und wie sieht es dann mit dem folgenden Fall aus?

Wende dich an die Betreuerin / den Betreuer. Diese/dieser (oder Diese/Dieser?) wird dir gerne helfen.

Dann müsste hier doch ebenfalls großgeschrieben werden?

Und gleich noch eine Nebenfrage: Ist im ersten Satz das Leerzeichen vor und hinter dem Schrägstrich mit der Argumentation, dass es sich um (kleine) Wortgruppen handelt, vertretbar […]? Die DIN 5008 ist hier in 7.7 zwar klar, hat aber keine Wortgruppen in den Beispielen.

Antwort

Sehr geehrte Frau D.,

die beiden Fragen werden in der amtlichen Rechtschreibregelung nicht explizit behandelt. Sie sollten auch nicht vergessen, dass die DIN 5008 nicht allgemein verbindlich ist. Sie ist „nur“ eine Richtlinie, an die man sich halten kann (oder halten muss, wenn sie durch einen Hausstil, Auftraggebende usw. vorgeschrieben wird). Ich will mit so vielen Worten sagen, dass es hier wieder einmal mehr als eine Möglichkeit gibt. Wichtig ist nur, möglichst konsequent die gewählte Lösung anzuwenden.

Großschreibung am Satzanfang

Im Zusammenhang mit dem Schrägstrich zwischen Wörtern am Satzanfang gibt es zwei mögliche Interpretationen, die zu einem unterschiedlichen Resultat bei der Groß- und Kleinschreibung führen:

a) Der Schrägstrich steht für oder, resp.:

Ich resp. wir überweise(n) …
→ Ich/wir überweise(n) …

Diese oder dieser wird dir gerne helfen.
→ Diese/dieser wird dir gerne helfen

Die Betreuerin wird dir gerne helfen. Der Betreuer wird dir gerne helfen.
→ Die Betreuerin/der Betreuer wird dir gerne helfen. (Leerzeichen siehe unten)

b) Der Schrägstrich steht zwischen Alternativen:

Ich überweise … Wir überweisen …
→ Ich/Wir überweise(n) …

Diese wird dir gerne helfen. Dieser wird dir gerne helfen.
→ Diese/Dieser wird dir gerne helfen.

Die Betreuerin wird dir gerne helfen. Der Betreuer wird dir gerne helfen.
→ Die Betreuerin/Der Betreuer wird dir gerne helfen. (Leerzeichen siehe unten)

Beides kommt vor und beides ist vertretbar.

Leerzeichen

Bei der Verwendung von Leerzeichen vor und nach dem Schrägstrich ist es allgemein üblich, keine Leerzeichen zu verwenden.

Wir kommen heute/morgen am Zielort an.
Ankunft am Montag/Mittwoch/Freitag
Gerne wird dir diese/dieser helfen.

Weniger einheitlich ist der Gebrauch, wenn der Schrägstrich zwischen Wortgruppen steht. Implizit sagt die Rechtschreibregelung, dass auch dann keine Leerzeichen verwendet werden. In § 106 der Regelung steht nämlich das Beispiel:

das Semikolon/der Strichpunkt als stilistisches Zeichen

Von diesem Vorgehen wird aber häufiger abgewichen. Es kann oft sinnvoll sein, Leerschritte zur Verdeutlichung zu verwenden.

Wir kommen heute Nachmittag/morgen Abend am Zielort an.
Wir kommen heute Nachmittag / morgen Abend am Zielort an.

Wende dich an Susanne Müller/Herbert Gruber.
Wende dich an Susanne Müller / Herbert Gruber.

Wende dich an den Betreuer/die Betreuerin.
Wende dich an den Betreuer / die Betreuerin.

Wichtig ist, wie schon gesagt, vor allem, dass man sich möglichst konsequent an eine Schreibweise hält.

Und wenn Sie einmal ganz unsicher sind, erwägen Sie doch einfach eine Lösung, die häufig auch stilistisch weniger unschön ist, nämlich das Wörtchen oder:

Wende dich an den Betreuer oder die Betreuerin. Er oder sie wird dir gerne helfen.

Probleme mit Groß- und Kleinschreibung oder der Verwendung von Leerzeichen gibt es dann kaum.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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