Das höfliche Fragezeichen

Frage

Ich frage mich ob hier ein Fragezeichen gesetzt werden soll oder nicht, da es sich um eine höfliche Aufforderung handelt, welche als Frage daher kommt.

Dürften wir Sie bitten zu prüfen, ob die Liste korrekt ist, und zu Unrecht aufgeführte Personen allenfalls zu streichen

Antwort

Guten Tag Frau K.,

nach einer höflichen Aufforderung, die als Frage formuliert ist, setzt man in der Regel ein Fragezeichen:

Könnten Sie uns bitte vorbeilassen?
Würdest du bitte die Tür schließen?
Wären Sie so freundlich, an der Umfrage teilzunehmen?

Das gilt auch für Ihren Satz:

Dürften wir Sie bitten zu prüfen, ob die Liste korrekt ist, und zu Unrecht aufgeführte Personen allenfalls zu streichen?

Zusammen mit dem Konjunktiv soll die Frageform (in der Schrift mit Fragezeichen) eine Aufforderung möglichst unaufdringlich erscheinen lassen.

Im Umgang mit anderen Menschen gibt es aber viele verschiedenen Ebenen. So kann man eine Aufforderung zwar höflich als Frage einkleiden, sie aber trotzdem nachdrücklich bis drohend meinen. Dann ändert sich in der gesprochenen Sprache der Ton und in der Schrift wird das Fragezeichen durch ein Ausrufezeichen ersetzt:

Könnten Sie uns bitte endlich vorbeilassen!
Zum x-ten Mal: Würdest du bitte die Tür schließen!

So kann man in der geschriebenen Sprache mithilfe der Satzzeichen die Beschreibung der Stimmung und des Tons ein wenig unterstützen:

„Würden Sie bitte das Lokal verlassen?“, sagte der Kellner in ruhigem Ton.
„Würden Sie bitte das Lokal verlassen!“, sagte der Rausschmeißer in beunruhigendem Ton.

Siehe auch hier.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare (4)

Das Komma und die Bachelor- und Mastertitel

Frage

Ich hätte eine Frage bez. Kommasetzung. […] Werden akademische Grade wie zum Beispiel B. A. oder B. Sc. bei Eigennamen mit Kommas abgetrennt oder nicht?

Beispielsatz: … meine Betreuerinnen Frau X, B. Sc. und Frau Y, M. A. sowie Frau …

Müssen hier nach B. Sc. und M. A. Kommas gesetzt werden?

Antwort

Guten Tag Herr P.,

ob man hier Kommas setzt, hängt davon ab, als was man nachgestellte abgekürzte Bachelor- und Mastertitel ansieht. Sind sie Bestandteil des Namens (ohne Komma) oder sind sie Apposition (mit Komma)? Beide Sichtweisen sind vertretbar.

Nach den Angaben in Duden, Richtiges und gutes Deutsch, und nach DIN 2005 (Schreib- und Gestaltungsregeln für die Textverarbeitung) stehen abgekürzte Master- und Bachelortitel als Teil des Namens ohne Komma hinter dem Namen:

… meine Betreuerinnen Frau Icks B. Sc. und Frau Ypsilon M. A. sowie Frau …

Siehe auch hier.

Häufig wird allerdings nach angelsächsischem Vorbild der nachgestellte Titel als Apposition gesehen und durch Kommas abgetrennt. Dabei sollte auch das abschließende Komma hinter dem Titel gesetzt werden:

… meine Betreuerinnen Frau Icks, B. Sc., und Frau Ypsilon, M. A., sowie Frau …

Wenn Sie den Titel vor den Namen stellen – was auch nicht „verboten“ ist – dann steht kein Komma:

… meine Betreuerinnen Frau B. Sc. Icks und Frau M. A. Ypsilon sowie Frau …

Eine eindeutige, allgemein verbindliche Regel gibt es (erstaunlicherweise!) nicht. Wenn es wichtig und formell ist und Sie für eine bestimmte Instanz schreiben, lohnt es sich, dort nachzufragen, ob es entsprechende interne Empfehlungen oder Richtlinien gibt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare

Die bekannte(,) leidige Frage nach dem Komma zwischen Adjektiven

Frage

Es geht um die Kommasetzung zwischen Adjektiven. Mit der folgenden Faustregel komme ich nicht klar. Wenn man ein „und“ zwischen die Adjektive setzen kann, steht ein Komma: „ein leichter, herber Rotwein“. Wenn das zweite Adjektiv mehr zum Substantiv gehört, steht kein Komma: „ein bekannter spanischer Autor“. Es gibt ja so viele Zweifelsfälle, und ich habe das Gefühl, dass es keiner mehr richtig weiß, abgesehen von den klaren Fällen. Hier noch einige Beispiele:

eine kleine vogelhafte Frau
ein zierlicher kleiner Kopf
ein alter rundlicher Kahn
ein großer runder Raum
ein riesiger halbmondförmiger Eichentisch
ein feiner halbkreisförmiger Schnitt

Antwort

Guten Tag Frau M,

Sie gehen offenbar etwas zu stark davon aus, dass es bei der Kommasetzung zwischen zwei Adjektiven immer nur eine richtige Lösung gibt. Das ist nicht so. Häufig sind beide Schreibungen vertretbar. Aus diesem Grund gibt es so viele Zweifel und keine eindeutige Regel. Auch ich halte die Faustregel mit „und“, die Sie zitieren, häufig nicht für allzu nützlich. Ich empfehle Ihnen deshalb ein einfache Faustregel, die mir am besten hilft: die Betonung.

Wenn in der gesprochenen Sprache eine deutliche Pause gemacht wird, setzt man ein Komma. Hört man zwischen den beiden Adjektiven keine Pause, wird auch kein Komma gesetzt:

  1. ein anderes, umweltfreundliches Verfahren
    (statt eines nicht umweltfreundlichen Verfahrens)
  2. ein anderes umweltfreundliches Verfahren
    (ein weiteres umweltfreundliches Verfahren)

Hier gibt es einen Bedeutungsunterschied, den man in der gesprochenen Sprache mit Hilfe einer deutlich hörbaren Pause ausdrückt. Diese Pause entspricht in der geschriebenen Sprache einem Komma:

Wenn wie in a) eine Pause gemacht werden muss, muss ein Komma stehen. Wenn wie in b) keine Pause gemacht werden darf, darf kein Komma stehen. (Vgl. hier)

Und nun kommt das, was immer wieder für Unsicherheit sorgt: In vielen Fällen ist beides möglich. Manchmal ist es vom Kontext abhängig, ob man ein Komma schreibt oder nicht:

  1. Ich mag keine schweren, süßen Weine. Ich will einen leichten, herben Rotwein.
    (mit Pause gesprochen = der Rotwein soll leicht und herb sein)
  2. Ich will keinen schweren, sondern einen leichten herben Rotwein.
    (ohne Pause gesprochen = der herbe Rotwein soll leicht sein)

Häufig ist sogar ohne wesentlichen Bedeutungsunterschied beides möglich:

  1. eine kleine, vogelhafte Frau
    (mit Pause gesprochen = eine Frau, die klein und vogelhaft ist)
  2. eine kleine vogelhafte Frau
    (ohne Pause gesprochen = eine vogelhafte Frau, die klein ist)

Zwischen e) und f) gibt es keinen wesentlichen Bedeutungsunterschied. Sie können schreiben, wie Sie betonen würden. Wenn beide Betonungen möglich sind, sind auch beide Schreibungen (mit und ohne Komma) richtig.

Fragen Sie sich also jedes Mal, wenn Sie zweifeln, ob Sie für die richtige Bedeutung eine Pause machen müssen. Wenn die Antwort ja lautet, setzen Sie ein Komma (Beispiele a und c). Wenn Sie für die Bedeutung keine Pause machen dürfen, setzen Sie kein Komma (Beispiele b und d). Ist eine Formulierung mit und ohne Pause richtig, kann sie auch mit und ohne Komma geschrieben werden (Beispiele e und f). Sie wählen dann einfach, was Ihnen „natürlicher“ erscheint.

Alle Beispiele in Ihrer Frage können im Prinzip mit und ohne Komma geschrieben werden, weil mit und ohne Pause gesprochen werden kann.

Zusammenfassend zum Komma zwischen zwei aufeinanderfolgenden Adjektiven:

  • Pause obligatorisch = Komma obligatorisch
  • Pause nicht möglich = kein Komma
  • Pause möglich = Komma möglich

Ich hoffe, dass die bekannte leidige Frage oder eben die bekannte, leidige Frage nach dem Komma zwischen aufeinanderfolgenden Adjektiven nun für etwas weniger Unsicherheit sorgt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare

Steht ein Komma vor »als etwas zu essen«?

Frage

Es geht um diesen Satz:

Sie hatte Schlaf noch mehr nötig,(??) als etwas zu essen.

Mir ist unklar, ob diese Infinitivkonstruktion mit Komma abgetrennt wird, weil mit „etwas zu essen“ ja eigentlich ein Substantiv gemeint ist, wenn man schreiben würde „als Essen“. Vergleichbar hier ein Satz aus dem Netz: „Eine Jause ist mehr als etwas zu essen.“

Antwort

Guten Tag Herr E.,

Sie zweifeln zu Recht, denn richtig ist die Schreibung ohne Komma:

Sie hatte Schlaf noch mehr nötig als etwas zu essen.

Das liegt daran, dass „etwas zu essen“ zwar wie eine Infinitivgruppe aussieht, hier aber  eine Pronomengruppe ist:

Infinitivgruppe:
etwas zu essen = dass man etwas isst
(engl. to eat something, frz. manger quelque chose)

Pronomengruppe
etwas zu essen = etwas, das man essen kann
(engl. something to eat, frz. quelque chose à manger)

Vor vergleichendem „als“ steht dann ein Komma, wenn es einen Nebensatz oder eine Infinitivgruppe einleitet (siehe hier und hier). In Ihrem Satz ist aber eine Pronomengruppe gemeint. Deshalb setzen Sie kein Komma:

Sie hatte Schlaf noch mehr nötig als etwas zu essen.
vgl. Sie hatte Schlaf noch mehr nötig als Essen.

Es gab nicht mehr als etwas zu trinken.
vgl. Es gab nicht mehr als ein Getränk.

Aber zum Beispiel:

Sie kann besser schlafen, als etwas zu essen.
vgl. Sie kann besser schlafen, als zu essen.

Sie konnten nichts anderes mehr tun, als etwas zu trinken.
vgl. Sie konnten nichts anderes mehr tun, als zu trinken.

Manchmal ist es gar nicht so einfach, den Unterschied zwischen Pronomengruppe und Infinitivgruppe festzulegen, weil beides möglich ist:

Eine Jause ist mehr als etwas zu essen  (vgl. mehr als nur Esswaren)
Eine Jause ist mehr, als etwas zu essen (vgl. mehr, als nur zu essen)

Ob mit oder ohne Komma: Hauptsache, es gibt etwas zu essen!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare (2)

Eingeleitete und integrierte wörtliche Wiedergabe

Frage

Es geht um folgende Satzkonstruktion:

Auf die Frage „War es schön?“ folgt ein muffliges „Kann sein“.

Ich würde die Satzzeichen (Doppelpunkt, Komma, Doppelpunkt) folgendermaßen ergänzen:

Auf die Frage: „War es schön?“, folgt ein muffliges: „Kann sein“.

Liege ich damit richtig?

Antwort

Bei eingeleiteten Zitaten mit Begleitsatz gelten die Regeln, die hier dargestellt werden. Weniger oft wird ein anderer Fall in den Rechtschreibbüchern dargestellt: Ein Zitat kann eng in den Satz integriert sein. Dann sieht die Zeichensetzung etwas einfacher aus (nämlich so).

Der Übergang zwischen „eingeleitet“ und „integriert“ ist allerdings fließend. Integrierte Zitate stehen häufig am Satzanfang oder im Satzinnern oder sie haben ein Artikelwort, ein Adjektiv oder ein Attribut bei sich. Am besten sieht man den Unterschied wahrscheinlich an konkreten Beispielen:

a) eingeleitet direkte Rede
b) integrierte direkte Rede

a) Sie hat gesagt: „Ich gehe nach Hause.“
b) Sie hat „Ich gehe nach Hause“ gesagt.

a) Er fragte: „Wer kommt mit?“, aber niemand antwortete.
b) Auf seine Frage „Wer kommt mit?“ antwortete niemand.

a) Das bekannte Sprichwort lautet: „Eile mit Weile“.
b) Das Sprichwort „Eile mit Weile“ ist sehr bekannt.

a) Nicht alle mögen diese Frage: „Woran denkst du?“
a) „Woran denkst du?“, wollte er schon wieder wissen.
b) „Woran denkst du?“ ist eine Frage, die nicht alle mögen.

a) Das Kind rief laut: „Ich esse das nicht!“
b) Laut klang das „Ich esse das nicht!“ des Kindes.
b) Laut klang sein „Das esse ich nicht!“.

Für Ihren Satz bedeutet dies, dass er ohne zusätzliche Doppelpunkte und ohne ein Komma auskommt:

a) Die Mutter fragte: „War es schön?“, und ich antwortete mufflig: „Kann sein.“
b) Auf die Frage „War es schön?“ folgte ein muffliges „Kann sein“.

Er war also so richtig geschrieben, wie Sie ihn zuerst angegeben haben.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare

Infinitivgruppen: kein »zu«, kein Komma

Frage

Ich habe eine Kommafrage zu diesem Satz: „Den Kontakt zu unseren Kunden stärken, heißt …“ Steht vor „heißt“ ein Komma? […]

Antwort

Guten Tag Herr G.,

vor heißt steht hier kein Komma:

Den Kontakt zu unseren Kunden stärken heißt …

Das ist einer der wenigen Fälle, in denen eine Infinitivgruppe ohne zu steht (die Infinitivgruppe ist Subjekt des Satzes; siehe hier, ganz unten). Erweiterte Infinitive ohne zu gelten nicht als „nebensatzähnlich“ und werden wie gewöhnliche Satzglieder behandelt. Sie werden also nicht durch Kommas abgetrennt:

Dich verstehen ist nicht einfach.
Mit dem Finger auf Leute zeigen gilt als unhöflich.
Den ganzen Tag arbeiten macht hungrig.
Den Kontakt zu unseren Kunden steigern heißt noch besser auf ihre Wünsche eingehen.

Ich kann Ihnen hierzu keine konkrete Kommaregel nennen, weil die meisten Kommaregeln „nur“ angeben, wo man ein Komma setzen muss oder kann. Dieser Fall (erweiterter Infinitiv ohne zu) wird nicht ausdrücklich genannt. Daraus folgt, dass man kein Komma setzt.

Man kann diese Sätze auch mit zu formulieren. Dann gibt es Regeln, nämlich die Kommaregeln für die Infinitivgruppen (siehe hier für eine Übersicht). Diese Regeln sagen, dass man hier ein Komma setzen kann:

Dich zu verstehen(,) ist nicht immer einfach.
Mit dem Finger auf Leute zu zeigen(,) gilt als unhöflich.
Den ganzen Tag zu arbeiten(,) macht hungrig.
Den Kontakt zu unseren Kunden zu stärken(,) heißt(,) noch besser auf ihre Wünsche einzugehen.

Zusammenfassend kann man sagen

ohne Komma:
Die Kommaregeln verstehen ist nicht immer einfach.

mit fakultativem Komma:
Die Kommaregeln zu verstehen ist nicht immer einfach.
Die Kommaregeln zu verstehen, ist nicht immer einfach.

Dem habe ich vorerst nichts hinzuzufügen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare (3)

Eine Wortgruppe und ein Nebensatz und (k)ein Komma

Frage

Gehört im folgenden Satz hinter das „und“ eigentlich ein Komma oder nicht?

Bewerten Sie unsere Argumentation und wie sie auf andere wirken könnte

Immerhin ist der zweite Teil ja ein untergeordneter Nebensatz und einen solchen muss man ja durch ein Komma abtrennen. Trotzdem würde ich eher keines setzen, aber ich könnte nicht erklären, warum. Sie vielleicht?

Antwort

Sehr geehrter Herr H.,

in Ihrem Satz verbindet und gleichrangig eine Wortgruppe (unsere Argumentation) und einen Nebensatz (wie sie auf andere wirken könnte). Das ist eine zwar nicht allzu häufig vorkommende Konstruktion, sie gibt aber regelmäßig Anlass zu Zweifeln bei der Kommasetzung.

Wenn und (oder oder, sowohl als auch usw.) eine Wortgruppe und einen Nebensatz verbindet, gilt Folgendes:

  • Vor und nach und steht kein Komma.
  • Wenn der übergeordnete Satz und die Wortgruppe aneinandergrenzen, setzt man zwischen sie kein Komma:

Bewerten Sie unsere Argumentation und wie sie auf andere wirken könnte.
Wie unsere Argumentation auf andere wirken könnte und ihre allgemeine Qualität bewerten Sie hier.
Was wir für die Reise benötigen und die Geschenke für die Kinder habe ich schon eingepackt.
Die Personalbesetzung wird angepasst bei großem Andrang oder wenn nur wenig Besucher kommen.

  • Wenn der übergeordnete Satz und der Nebensatz aneinandergrenzen, setzt man zwischen sie ein Komma:

Bewerten Sie, wie unsere Argumentation auf andere wirken könnte und ihre allgemeine Qualität.
Unsere Argumentation und wie sie auf andere wirken könnte, bewerten Sie hier.
Die Geschenke für die Kinder und was wir für die Reise benötigen, habe ich schon eingepackt.
Die Personalbesetzung wir angepasst, wenn nur wenig Besucher kommen oder bei großem Andrang.

Dafür, dass es um das Komma geht, ist es eigentlich ziemlich einfach. Siehe auch hier.

Sie haben also ganz zu Recht kein Komma gesetzt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare (2)

Die Bindestriche-sind-besser-Haltung oder die „Leerzeichen gehen auch“-Einstellung

Frage

Ich habe eine Übersetzung mit folgendem Satz vorliegen:

Du wirst nicht diese schwache „Ich-bin-nur-Durchschnitt“-Mentalität haben.

Es geht mir um „Ich-bin-nur-Durchschnitt“-Mentalität (im engl. Orig.: “I’m just average” mentality; “mentality” steht nicht in Anführungszeichen). Aus meiner Sicht ist die Koppelung des Ausdrucks mit Bindestrichen zusammen mit der Verwendung von Anführungszeichen falsch oder zumindest redundant. Ich würde die Bindestriche entfernen und die Phrase in Anführungszeichen an „Mentalität“ anbinden, also: „Ich bin nur Durchschnitt“-Mentalität schreiben. Ist das aus Ihrer Sicht korrekt? […]

Antwort

Guten Tag T.,

die folgenden Schreibweisen kommen in Fällen wie diesen häufig vor:

a) die Ich-bin-nur-Durchschnitt-Mentalität
b) die „Ich bin nur Durchschnitt“-Mentalität

Ich würde Ihnen a), das heißt die Variante mit Bindestrichen und ohne Anführungszeichen empfehlen. Da man im Englischen hier in der Regel nicht durchkoppelt, können die Anführungszeichen dort dazu beitragen, die Mehrwortgruppe innerhalb des Textes als eine Einheit zusammenzuhalten. Das liest sich etwas einfacher. Die Anführungszeichen sind im Deutschen dank der bei Komposita mit Mehrwortgruppen üblichen Durchkoppelung für das Verständnis oder die Verdeutlichung der Zusammensetzung eigentlich nicht notwendig. Sie können besser weggelassen werden.

Weitere Beispiele im Deutschen:

die Ohne-mich-Mentalität
eine Mir-ist-alles-egal-Haltung
die Nach-mir-die-Sintflut-Einstellung

Wenn Sie gar nicht auf die Anführungszeichen verzichten wollen oder können, ist b) üblich. Diese Schreibweise ist allerdings nicht in der amtlichen Rechtschreibregelung vorgesehen und nicht unumstritten. Ich halte die Verwendung von Leerzeichen innerhalb einer Zusammensetzung für keine gute, lesefreundliche Lösung, auch wenn sie die Dudenredaktion hier für vertretbar hält (Duden, Richtiges und Gutes Deutsch, Stichwort „Bindestrich“).

Ich habe hier eben mehr eine Bindestriche-sind-besser-Haltung als eine „Leerzeichen gehen auch“-Einstellung.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

PS: Die Variante, die Ihnen vorliegt, „Ich-bin-nur-Durchschnitt“-Mentalität, scheint weniger häufig vorzukommen. Sie ist etwas gar viel des Guten, wenn es um die Satzzeichen geht, aber nach meiner Einschätzung nicht grundsätzlich ausgeschlossen. Ich würde sie allerdings nicht verwenden.

Kommentare

Schrägstrich mit Leerzeichen / ohne Leerzeichen

Frage

Wie verhält es sich mit eventuellen Leerzeichen vor, hinter oder vor und hinter einem Schrägstrich? Zum Beispiel:

Heide/Kreis Dithmarschen oder
Heide/ Kreis Dithmarschen oder
Heide / Kreis Dithmarschen

Antwort

Sehr geehrte Frau Z.,

die amtliche Rechtschreibregelung gibt hierüber keinen Aufschluss, weil bei allen Beispielen, die man dort zum Schrägstrich findet, links und rechts des Schrägstriches nur ein einzelner, ungegliederter Begriff steht (ein Wort, eine Zahl, eine Abkürzung). Sie sind also sozusagen auf sich selbst gestellt, wenn der Schrägstrich Wortgruppen voneinander trennt. Üblich sind diese beiden Schreibweisen:

  1. Heide/Kreis Dithmarschen
  2. Heide / Kreis Dithmarschen

Ich verwende in der Regel a) bei einzeln stehenden Begriffen und b), wenn auf einer oder beiden Seiten des Schrägstrichs mehr als ein Wort steht:

  1. Juli/August
    Frau Müller/Meier
    Anton/Christine
    Sprachen: Deutsch/Englisch/Französisch
  2. Ende Juli / Anfang August
    Frau Müller / Frau Meier
    Anton / Frau Meier
    Frau Müller / Christine
    Wörterbuch Deutsch–Englisch / Englisch–Deutsch

Häufig werden bei b), falls möglich, schmalen Leerzeichen verwendet. Eine allgemein verbindliche Regelung gibt es aber nicht.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare (7)

Das hartnäckige Komma im Titel

Frage

Ich habe eine simple Frage. Der Claim meines Blogs lautet: Produktmanagement das funktioniert. Ich bin mir jetzt unsicher. Kommt noch Produktmanagement ein Komma oder nicht? Was ist korrekt?

Antwort

Sehr geehrter Herr D.,

die Frage klingt simpel, doch bei den Satzzeichen in Titeln u. Ä. werden viele hin und wieder unsicher. Die Antwort ist übrigens gleich simpel wie die Frage: Vor das muss ein Komma stehen. Natürlich kann ich es nicht lassen, noch ein paar erklärende Worte hinzuzufügen:

Dieses das ist ein Relativpronomen, das einen Relativsatz (das funktioniert) einleitet. Ein Relativsatz ist ein Nebensatz und muss als solcher durch ein Komma abgetrennt werden. Das gilt auch dann, wenn er nicht von einem ganzen Satz, sondern wie hier nur von seinem Bezugswort begleitet wird. Und Titel, Slogans, Claims usw. sind nicht davon ausgenommen. So hartnäckig kann das Komma sein:

Ich zeige Ihnen Projektmanagement, das funktioniert.
Ich zeige Projektmanagement, das funktioniert.
Zeige Projektmanagement, das funktioniert.

Projektmanagement, das funktioniert

Ganz allgemein werden die Satzzeichen in Titeln, Überschriften usw. gleich gesetzt wie in „normalem“ Text. Ein paar Beispiele:

Irrungen, Wirrungen (Roman)
Wetten, dass …? (Fernsehsendung)
Good bye, Lenin! (Film)
Der Mann, der zu viel wusste (Der Mann, der zuviel wußte; Film)
Von einem, der auszog[,] das Fürchten zu lernen (Märchen)

Die einzige Ausnahme ist der Schlusspunkt: Er wird in Titeln u. Ä. nicht gesetzt. Außerdem gilt auch hier: Dichterischer Freiheit sind keine Grenzen gesetzt. Wundern Sie sich also nicht, wenn Sie Titeln und Überschriften begegnen, die es mit der offiziellen Zeichensetzung nicht so genau nehmen:

punkt punkt komma strich (Roman)

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare (2)