Schrägstrich mit Leerzeichen / ohne Leerzeichen

Frage

Wie verhält es sich mit eventuellen Leerzeichen vor, hinter oder vor und hinter einem Schrägstrich? Zum Beispiel:

Heide/Kreis Dithmarschen oder
Heide/ Kreis Dithmarschen oder
Heide / Kreis Dithmarschen

Antwort

Sehr geehrte Frau Z.,

die amtliche Rechtschreibregelung gibt hierüber keinen Aufschluss, weil bei allen Beispielen, die man dort zum Schrägstrich findet, links und rechts des Schrägstriches nur ein einzelner, ungegliederter Begriff steht (ein Wort, eine Zahl, eine Abkürzung). Sie sind also sozusagen auf sich selbst gestellt, wenn der Schrägstrich Wortgruppen voneinander trennt. Üblich sind diese beiden Schreibweisen:

  1. Heide/Kreis Dithmarschen
  2. Heide / Kreis Dithmarschen

Ich verwende in der Regel a) bei einzeln stehenden Begriffen und b), wenn auf einer oder beiden Seiten des Schrägstrichs mehr als ein Wort steht:

  1. Juli/August
    Frau Müller/Meier
    Anton/Christine
    Sprachen: Deutsch/Englisch/Französisch
  2. Ende Juli / Anfang August
    Frau Müller / Frau Meier
    Anton / Frau Meier
    Frau Müller / Christine
    Wörterbuch Deutsch–Englisch / Englisch–Deutsch

Häufig werden bei b), falls möglich, schmalen Leerzeichen verwendet. Eine allgemein verbindliche Regelung gibt es aber nicht.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Das hartnäckige Komma im Titel

Frage

Ich habe eine simple Frage. Der Claim meines Blogs lautet: Produktmanagement das funktioniert. Ich bin mir jetzt unsicher. Kommt noch Produktmanagement ein Komma oder nicht? Was ist korrekt?

Antwort

Sehr geehrter Herr D.,

die Frage klingt simpel, doch bei den Satzzeichen in Titeln u. Ä. werden viele hin und wieder unsicher. Die Antwort ist übrigens gleich simpel wie die Frage: Vor das muss ein Komma stehen. Natürlich kann ich es nicht lassen, noch ein paar erklärende Worte hinzuzufügen:

Dieses das ist ein Relativpronomen, das einen Relativsatz (das funktioniert) einleitet. Ein Relativsatz ist ein Nebensatz und muss als solcher durch ein Komma abgetrennt werden. Das gilt auch dann, wenn er nicht von einem ganzen Satz, sondern wie hier nur von seinem Bezugswort begleitet wird. Und Titel, Slogans, Claims usw. sind nicht davon ausgenommen. So hartnäckig kann das Komma sein:

Ich zeige Ihnen Projektmanagement, das funktioniert.
Ich zeige Projektmanagement, das funktioniert.
Zeige Projektmanagement, das funktioniert.

Projektmanagement, das funktioniert

Ganz allgemein werden die Satzzeichen in Titeln, Überschriften usw. gleich gesetzt wie in „normalem“ Text. Ein paar Beispiele:

Irrungen, Wirrungen (Roman)
Wetten, dass …? (Fernsehsendung)
Good bye, Lenin! (Film)
Der Mann, der zu viel wusste (Der Mann, der zuviel wußte; Film)
Von einem, der auszog[,] das Fürchten zu lernen (Märchen)

Die einzige Ausnahme ist der Schlusspunkt: Er wird in Titeln u. Ä. nicht gesetzt. Außerdem gilt auch hier: Dichterischer Freiheit sind keine Grenzen gesetzt. Wundern Sie sich also nicht, wenn Sie Titeln und Überschriften begegnen, die es mit der offiziellen Zeichensetzung nicht so genau nehmen:

punkt punkt komma strich (Roman)

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Noch einmal das Komma vor „und“

Im Prinzip wäre es ja ganz einfach: Vor und steht kein Komma. Natürlich geht es auch hier nicht ohne Ausnahmen, die ich in einem früheren Eintrag schon einmal erwähnt habe. Hier folgt noch ein solcher Spezialfall: 

Frage

Wie lauten hier die Kommaregeln? Gibt es eine einfache Faustregel? Ich bin etwas irritiert. Zum Beispiel:

Wenn du es zeichnest ist es rund, und wenn du es schreibst ist es gerade.
Wenn du es zeichnest, ist es rund und wenn du es schreibst, ist es gerade.
Wenn du es zeichnest, ist es rund, und wenn du es schreibst, ist es gerade.

Was ist richtig? Können Sie mir weiterhelfen?

Antwort

Sehr geehrter Herr S.,

in Ihrem Satz würde ich den dritten Vorschlag wählen und die Kommas wie folgt setzen:

Wenn du es zeichnest, ist es rund, und wenn du es schreibst, ist es gerade.

Das und verbindet hier zwei selbstständige Satzgefüge:

Wenn du es zeichnest, ist es rund
und
wenn du es schreibst, ist es gerade

In einem solchen Fall ist das Komma vor und im Prinzip fakultativ (es verbindet zwei gleichrangige selbstständige Sätze, vgl. hier). Wenn der zweite Satz aber ein Satzgefüge ist, das mit einem Nebensatz beginnt, ist es zu empfehlen, zur Verdeutlichung der Satzstruktur ein Komma zu verwenden.

Hier noch ein paar Beispiele:

Die Tür war aus Holz gefertigt, und wenn er sie öffnete, knarrte sie.
Sie diskutierten bis tief in die Nacht, und weil sie ein paar Gläser Wein getrunken hatte, nahm sie ein Taxi nach Hause.
Wir speisten darauf beim Gouverneur, und nachdem wir von ihm Abschied genommen hatten, gingen wir auf das Schiff zurück.
Zu guter Letzt bekam der brave Geselle Hans seine Appolonia zur Frau, und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie noch heute.

Bei Unsicherheit wäre es natürlich am einfachsten, solche Formulierungen zu vermeiden. Doch so sehr sollte man sich nicht durch eine Komma-Unsicherheit einschüchtern lassen, und wenn man es einmal weiß, ist es ja gar nicht so kompliziert.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Groß oder klein, mit oder ohne Leerschritt – die Tücken des Schrägstriches

Frage

Zum Thema Schrägstrich findet man häufig (z. B. auf duden.de) das Beispiel „Ich/Wir überweise(n)“ bei der Verwendung des Schrägstrichs im Sinne von „beziehungsweise“. Wieso wird hier „Wir“ eigentlich großgeschrieben? Ausgeschrieben hieße es doch „Ich bzw. wir überweisen“.

Und wie sieht es dann mit dem folgenden Fall aus?

Wende dich an die Betreuerin / den Betreuer. Diese/dieser (oder Diese/Dieser?) wird dir gerne helfen.

Dann müsste hier doch ebenfalls großgeschrieben werden?

Und gleich noch eine Nebenfrage: Ist im ersten Satz das Leerzeichen vor und hinter dem Schrägstrich mit der Argumentation, dass es sich um (kleine) Wortgruppen handelt, vertretbar […]? Die DIN 5008 ist hier in 7.7 zwar klar, hat aber keine Wortgruppen in den Beispielen.

Antwort

Sehr geehrte Frau D.,

die beiden Fragen werden in der amtlichen Rechtschreibregelung nicht explizit behandelt. Sie sollten auch nicht vergessen, dass die DIN 5008 nicht allgemein verbindlich ist. Sie ist „nur“ eine Richtlinie, an die man sich halten kann (oder halten muss, wenn sie durch einen Hausstil, Auftraggebende usw. vorgeschrieben wird). Ich will mit so vielen Worten sagen, dass es hier wieder einmal mehr als eine Möglichkeit gibt. Wichtig ist nur, möglichst konsequent die gewählte Lösung anzuwenden.

Großschreibung am Satzanfang

Im Zusammenhang mit dem Schrägstrich zwischen Wörtern am Satzanfang gibt es zwei mögliche Interpretationen, die zu einem unterschiedlichen Resultat bei der Groß- und Kleinschreibung führen:

a) Der Schrägstrich steht für oder, resp.:

Ich resp. wir überweise(n) …
→ Ich/wir überweise(n) …

Diese oder dieser wird dir gerne helfen.
→ Diese/dieser wird dir gerne helfen

Die Betreuerin wird dir gerne helfen. Der Betreuer wird dir gerne helfen.
→ Die Betreuerin/der Betreuer wird dir gerne helfen. (Leerzeichen siehe unten)

b) Der Schrägstrich steht zwischen Alternativen:

Ich überweise … Wir überweisen …
→ Ich/Wir überweise(n) …

Diese wird dir gerne helfen. Dieser wird dir gerne helfen.
→ Diese/Dieser wird dir gerne helfen.

Die Betreuerin wird dir gerne helfen. Der Betreuer wird dir gerne helfen.
→ Die Betreuerin/Der Betreuer wird dir gerne helfen. (Leerzeichen siehe unten)

Beides kommt vor und beides ist vertretbar.

Leerzeichen

Bei der Verwendung von Leerzeichen vor und nach dem Schrägstrich ist es allgemein üblich, keine Leerzeichen zu verwenden.

Wir kommen heute/morgen am Zielort an.
Ankunft am Montag/Mittwoch/Freitag
Gerne wird dir diese/dieser helfen.

Weniger einheitlich ist der Gebrauch, wenn der Schrägstrich zwischen Wortgruppen steht. Implizit sagt die Rechtschreibregelung, dass auch dann keine Leerzeichen verwendet werden. In § 106 der Regelung steht nämlich das Beispiel:

das Semikolon/der Strichpunkt als stilistisches Zeichen

Von diesem Vorgehen wird aber häufiger abgewichen. Es kann oft sinnvoll sein, Leerschritte zur Verdeutlichung zu verwenden.

Wir kommen heute Nachmittag/morgen Abend am Zielort an.
Wir kommen heute Nachmittag / morgen Abend am Zielort an.

Wende dich an Susanne Müller/Herbert Gruber.
Wende dich an Susanne Müller / Herbert Gruber.

Wende dich an den Betreuer/die Betreuerin.
Wende dich an den Betreuer / die Betreuerin.

Wichtig ist, wie schon gesagt, vor allem, dass man sich möglichst konsequent an eine Schreibweise hält.

Und wenn Sie einmal ganz unsicher sind, erwägen Sie doch einfach eine Lösung, die häufig auch stilistisch weniger unschön ist, nämlich das Wörtchen oder:

Wende dich an den Betreuer oder die Betreuerin. Er oder sie wird dir gerne helfen.

Probleme mit Groß- und Kleinschreibung oder der Verwendung von Leerzeichen gibt es dann kaum.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Ob man hier Kommas setzen muss, ist, was Sie mich fragen

Alles ist im Wandel, der Winter macht langsam dem Frühling Platz, nur die Kommafragen bleiben …

Frage

Müssen Subjektsätze immer durch Komma vom Hauptsatz getrennt werden? Ich stolpere gerade über die folgende Liedzeile:

Was du gibst ist was du kriegst.

Trenne ich die beiden Subjekte vom finiten Verb des Hauptsatzes ab, kommt es mir richtig, aber unschön vor, weil die Kommas den Satz eher zergliedern, statt ihn zu strukturieren:

Was du gibst, ist, was du kriegst.

Antwort

Sehr geehrter Herr T.,

nach der allgemeinen Regel werden Nebensätze durch Kommas abgetrennt. Wenn Sie wie hier ein Satzgefüge mit einem Subjektsatz und einem Prädikativsatz formulieren, müssen Sie also tatsächlich beide Nebensätze mit Kommas abtrennen:

Was du gibst, ist, was du kriegst.
Ob ihr mitkommt, ist, was ich wissen will.
Dass man dich lobt, heißt, dass du es gut gemacht hast.
Was du gesagt hast, bleibt, was du gesagt hast.

Ob man die Kommas nun nützlich oder unschön findet, nach der Rechtschreibregelung müssen sie stehen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Nur[,] solange der Vorrat reicht

Das Komma ist eindeutig Ihr Lieblingssorgenkind. Heute gibt es gleich wieder eine Kommafrage, aber nur eine ganz kurze.

Frage

Die Frage taucht immer wieder auf:

Nur, solange der Vorrat reicht.
Nur solange der Vorrat reicht.

Wie würden Sie sich entscheiden? Ist beides möglich?

Antwort

Sehr geehrte Frau H.,

es gibt meiner Meinung nach Argumente für beides. Je nachdem, wie man diese verkürzte Wendung ergänzt, kann sie mit oder ohne Komma stehen:

Das Angebot gilt nur, solange der Vorrat reicht.
→ Nur, solange der Vorrat reicht.

Das Angebot gilt, aber nur solange der Vorrat reicht.
→ Nur solange der Vorrat reicht.

Das Komma nach nur entspricht einer kurzen Pause in der gesprochenen Sprache. Üblicher ist die Schreibung ohne Komma.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Der standhafte Abkürzungspunkt

Es geht hier nicht darum, welche Abkürzungen mit einem Punkt geschrieben werden und welche nicht. Das ist ein Kapitel für sich. Es geht vielmehr darum, wie der Abkürzungspunkt sich verhält, wenn andere Satzzeichen folgen. So viel sei schon vorweggenommen: Er ist sehr standhaft.

Frage

Behalte ich den Abkürzungspunkt bei, wenn danach ein Doppelpunkt folgt? Zum Beispiel folgender Fall

Bsp.:
Kontonr.:

Antwort

Sehr geehrter Herr W.,

der Abkürzungspunkt wird auch vor einem Doppelpunkt geschrieben:

Bsp.: …
Kontonr.: 123456

Der Abkürzungspunkt und der Punkt bei Ordnungszahlen werden immer geschrieben, also auch vor Komma, Fragezeichen, Ausrufezeichen, Doppelpunkt, Strichpunkt, Gedankenstrich, Klammern, Anführungszeichen und Auslassungszeichen. Nur mit dem Schlusspunkt am Satzende verschmilzt er.

Komma:
Aufgerufen wurde Frau A., die sich als Zeugin gemeldet hatte.

Fragezeichen:
Wie hieß die erste Frau Heinrichs VIII.?

Ausrufezeichen:
Alles ist o. k.!

Doppelpunkt:
Telefonnr.: +49 123 123456

Strichpunkt:
Konzertdaten: München 29. 5., 30. 5.; Augsburg 31. 5.; Freiburg 5. 6.; Basel 6. 6.

Gedankenstrich:
Sie hatten auch die ganze Familie – Eltern, Großeltern, Tanten, Onkel, Cousins, Cousinen usw. – zu ihrem großen Fest eingeladen.

Klammern:
Viele Lebensmittel (z. B. Brot, Milch, Teigwaren, Reis usw.) waren kaum mehr erhältlich.
Eine wichtige Herrscherin war auch Katharina die Große (Katharina II.).

Anführungszeichen:
„Die Bewerberin ist Dr. med.“, schrieb sie auf den Briefumschlag.
Sagte er wirklich: „Abgabetermin ist der 31.“?

Auslassungszeichen:
Sie nannte sich nur Frau P. …

Wie man sieht, ist der Abkürzungspunkt sehr standhaft. Man schreibt in fast immer, also auch vor einem Komma, einem Doppelpunkt, einem Ausrufe- oder Fragezeichen usw. Nur wenn ihm unmittelbar ein Satzschlusspunkt folgt, verschmilzt er mit diesem (wie soeben bei usw.).

Schlusspunkt:
Sie kommen am 15. Dann muss alles bereit sein.
Der Verdacht fiel auf Holger K. Einige Zeugen meinten, ihn am Tatort gesehen zu haben.
Ich beschäftige mich nicht mit Fernsehen, Games, sozialen Medien usw. Dafür habe ich keine Zeit.

Wer die Standhaftigkeit des Abkürzungspunktes nicht in dieser Weise gefährdet sehen möchte, kann auch einfach sagen, dass der Schlusspunkt nach einem Abkürzungspunkt wegfällt. Wenn man es so sieht, bleibt der Abkürzungspunkt IMMER stehen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Der Gedankenstrich und die anderen – nur das Wichtigste

Es folgt keine erschöpfende Darstellung aller orthografischen und typografischen Fragen, die sich im Zusammenhang mit dem Gedankenstrich ergeben können. Ich möchte nur kurz das Wichtigste bei der Verwendung des einfachen und des paarigen Gedankenstrichs innerhalb des Satzes aufzeigen.

Frage

Da ich Verfechterin der schönen deutschen Sprache bin, möchte ich meinem Kollegen gern mit Ihrer Hilfe seine Frage beantworten:

Im wissenschaftlichen Text hat er einige Gedanken seinerseits in Gedankenstrichen gesetzt und weiß nicht, ob sich das Komma dann generell aufheben muss oder je nach Satzbau gesetzt werden darf?

Antwort

Sehr geehrte Frau K.,

ein einfacher Gedankenstrich in einem Satz trennt stärker als ein Komma oder ein Doppelpunkt. Er kann anstelle eines Kommas oder eines Doppelpunktes verwendet werden und ersetzt diese:

Du darfst nicht mitkommen – leider.
Sie hat es wieder getan – schon zum x-ten Mal!
Auf die Plätze – fertig – los!
Ich sah nur noch eine Möglichkeit – sofort wegrennen.

Manchmal steht der Gedankenstrich als „Pausenzeichen“ auch dort, wo sonst kein Satzzeichen steht:

Er machte mit seiner Freundin Schluss und ging – zurück zu seiner Frau.

Mit paarigen Gedankenstrichen werden Einschübe markiert.

Die Satzzeichen des Gesamtsatzes werden genau gleich gesetzt, wie wenn der Einschub nicht stehen würde. Zum Beispiel:

Das Problem war – wie immer –, dass jemand den Schlüssel nicht zurückgelegt hatte.
Der Kunde, den sie schon gut kannte – ein Stammkunde sozusagen –, begann wieder einmal sich lauthals zu beschweren.
Dann behauptete er – niemand glaubte ihm –: „Ich habe die Frau noch nie gesehen.“

Als Probe kann man hier einfach den ganzen Einschub mit den Gedankenstrichen wegdenken, die Satzzeichen setzen und dann den Einschub wieder einschieben.

Wie sieht es mit den Satzzeichen des Einschubes aus? Wenn ein ganzer Satz eingeschoben wird, fährt man nach dem ersten Gedankenstrich klein weiter. Der Schlusspunkt des Einschubs entfällt:

Du darfst – so ist es nun einmal – nicht mitkommen.
Dann behauptete er – niemand glaubte ihm –, dass er die Frau nicht kenne.

Ein Fragezeichen oder Ausrufezeichen, das zum Einschub gehört, wird aber geschrieben, und zwar vor dem abschließenden Gedankenstrich:

Du darfst – leider! – nicht mitkommen.
Ich sage dir jetzt – hör mir gut zu! –, was du tun sollst.
Unser Geheimnis – du weißt doch noch welches? – bleibt unter uns.
Dann traf Julia sich mit dieser Frau – wie hieß sie auch wieder? –,  von der ich dir gestern schon erzählt habe.

Auch die Kommas innerhalb eines Einschubes müssen gesetzt werden. Ein abschließendes Komma vor dem Gedankenstrich fällt aber weg:

Viele Leute – zum Beispiel unsere Nachbarn, die Familie Müller – fahren jeden Sommer ans Meer.
Der Kunde, den sie schon gut kannte – viel besser, als ihr lieb war –, begann wieder einmal sich lauthals zu beschweren.
Du darfst – leider, leider! – nicht mitkommen.

Die Regeln zum Nachlesen finden Sie hier.

Es gäbe noch weitere Detailfragen zu klären – das erspare ich Ihnen und mir aber an dieser Stelle – und die Verteidiger und Verfechterinnen der Verwendung des Halbgeviertstrichs bitte ich, mir seine Nichterwähnung zu verzeihen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Der Redefluss der Schildkröte und die Anführungszeichen

Frage

Meine 11-jährige Tochter schreibt immer wieder Geschichten, in denen Personen mehrere Sätze hintereinander in wörtlicher Rede sprechen. Kann man das wie folgt schreiben:

„Du musst mir helfen. Sonst bin ich verloren. Ich kann nicht mehr“, sagte die Schildkröte.

Antwort

Sehr geehrter Herr T.,

dieser Fall ist unüblich, das heißt, es kommt selten vor, dass der Begleitsatz einer wörtlichen Wiedergabe folgt, die aus mehreren Sätzen besteht. Es ist dann meistens besser, den Begleitsatz vor die wörtliche Wiedergabe zu stellen oder sie nach dem ersten Satz oder einem Teil davon einzufügen. Zum Beispiel:

Begleitsatz vorangestellt:
Die Schildkröte sagte: „Du musst mir helfen. Sonst bin ich verloren. Ich kann nicht mehr.“
Die Schildkröte sagte: „Du musst mir helfen, sonst bin ich verloren. Ich kann nicht mehr!“

Begleitsatz eingebettet:
„Du musst mir helfen“, sagte die Schildkröte. „Sonst bin ich verloren. Ich kann nicht mehr.“
„Du musst mir helfen“, sagte die Schildkröte, „sonst bin ich verloren. Ich kann nicht mehr!“

Wenn man aber trotzdem mehr als einen Satz vor den Begleitsatz stellen will (z. B. um zu unterstreichen, wie gehetzt der Redefluss der Schildkröte ist), sollten die Satzzeichen so gesetzt werden, wie Sie es in Ihrem Beispiel tun:

Begleitsatz nachgestellt:
„Du musst mir helfen. Sonst bin ich verloren. Ich kann nicht mehr“, sagte die Schildkröte.
„Du musst mir helfen, sonst bin ich verloren. Ich kann nicht mehr!“, sagte die Schildkröte.

Man könnte die Beschreibung noch verfeinern, aber das ginge mir hier etwas zu weit. Viel wichtiger als eine auch in Sonderfällen bis ins Detail geregelte Interpunktion finde ich, dass Ihre Tochter Geschichten schreibt!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

PS: Die allgemeinen Regen für die Anführungszeichen finden Sie hier.

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Trotz der langen Adverbialbestimmung am Satzanfang steht vor »steht« kein Komma!

Konkrete Zahlen und Beweise habe ich nicht, aber ich nehme an, dass dies eine der Kommahürden ist, die am häufigsten streichende Eingriffe von Korrektor und Lektorin erfordern: Adverbialbestimmungen am Satzanfang.

Frage

Wir sind uns nicht einig, ob hier jeweils das erste Komma stehen muss:

Nicht anders als heute, war es üblich, dass sich Firmen auf Ausstellungen präsentierten.
Auf Vermittlung von A. M., kam im Sommer 1979 Herr K. als Geschäftsführer ins Unternehmen.

Antwort

Sehr geehrte Frau S.,

Erläuterungen und Ergänzungen müssen resp. können durch Kommas abgetrennt werden, wenn sie eingeschoben oder nachgestellt sind:

Es war üblich, nicht anders als heute, dass Firmen sich auf Ausstellungen präsentierten.
Firmen präsentierten sich damals auf Ausstellungen, nicht anders als heute.

Im Sommer 1979 kam[,] auf Vermittlung von A.M.[,] Herr K. als Geschäftsführer ins Unternehmen.
Im Sommer 1979 kam Herr K. als Geschäftsführer ins Unternehmen, dies auf Vermittlung von A.M.

Siehe zum Beispiel hier.

Aber: Wenn solche Satzteile nicht eingeschoben oder nachgestellt sind, sondern am Satzanfang vor der konjugierten Verbform stehen, werden sie nicht durch ein Komma abgetrennt. Also nur ohne Komma:

Nicht anders als heute war es üblich, dass sich Firmen auf Ausstellungen präsentierten.
Auf Vermittlung von A. M. kam im Sommer 1979 Herr K. als Geschäftsführer ins Unternehmen.

Es geht hier meist um Adverbialbestimmungen, die im Satz an erster Stelle stehen. Anders als zum Beispiel im Englischen oder Französischen werden sie im Deutschen nicht durch ein Komma abgetrennt. Weitere Beispiele, bei denen kein Komma stehen darf:

Trotz des außergewöhnlich schönen Herbstwetters ging der Umsatz zurück.
Einschließlich Mehrwertsteuer und Versandkosten liegt der Jahresbezugspreis bei 140 Euro.
Wie jeden Morgen um halb sieben riss der Wecker sie auch an diesem Tag aus dem Tiefschlaf.
Vor allem in den ersten Monaten nach dem Kriegsende war die Versorgungslage in der Stadt katastrophal.

Das letzte Beispiel fasst das oben Gesagte schön zusammen:

Anders als zum Beispiel im Englischen oder Französischen werden Adverbialbestimmungen am Satzanfang nicht durch ein Komma abgetrennt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

—–

PS: Am einfachsten wäre es natürlich, wenn man sagen könnte, dass es nie Satzteile gibt, die vor der gebeugten Verbform durch ein Komma abgetrennt werden. So einfach ist es leider wieder einmal nicht. Bekannte Ausnahmen sind Nebensätze, die mit einem Komma abgetrennt werden müssen:

Nicht anders als es heute üblich ist, präsentierten Firmen sich auch damals auf Ausstellungen
Wir er es jeden Morgen um halb sieben tat, riss der Wecker sie auch an diesem Tag aus dem Tiefschlaf.

Eine weitere Ausnahme sind die Partizipgruppen, die durch ein Komma abgetrennt werden können:

Durch A.M. vermittelt[,] kam Herr K. im Sommer 1979 als Geschäftsführer ins Unternehmen.
Das außergewöhnlich schöne Herbstwetter genießend[,] waren viele mit dem Fahrrad unterwegs.

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