Jemanden anrufen und zurückrufen

Frage

Gestört hat mich schon lange die Beendigung eines Gesprächs: „Tschüss, ich rufe dich zurück.“ Heute hört man diese Formulierung sogar bei gebildeten Moderatoren im deutschen Fernsehen. Seit 60 Jahren verwende ich und alle meine Kollegen die Formulierung: „Ich rufe zurück.“ Die oben genannte Formulierung bedeutet meiner Ansicht nach: Ich entferne mich (körperlich) von einem Menschen und er ruft mich zurück, ich soll wieder zurück kommen. Ist meine Ansicht richtig?

Antwort

Sehr geehrter Herr G.,

auch wenn man die Formulierung jemanden zurückrufen im Sinne von einen Telefonanruf durch einen Rückruf beantworten sehr oft hört, gilt sie (noch?) als umgangssprachlich oder regionalsprachlich. Wenn man es standardsprachlich ganz richtig machen will, sagt man, wie Sie es tun, besser: „Ich rufe zurück.“

Es stimmt, dass jemanden zurückrufen bedeutet, dass man eine Person, die im Begriff ist wegzugehen, durch Rufen auffordert zurückzukommen. Die umgangssprachliche Verwendung von zurückrufen im Zusammenhang mit dem Telefonieren ist deshalb aber nicht zwangsläufig ausgeschlossen. Wörter haben oft mehr als eine Bedeutung. Man konnte schon jemanden anrufen, bevor es Telefone gab:

jemanden durch Rufen auf sich aufmerksam machen: einen Bekannten auf der Straße anrufen
jemanden bitten, helfend einzugreifen: das Verfassungsgericht anrufen, Gottes Hilfe anrufen

Diese bereits bestehenden Bedeutungen haben nicht verhindert, dass anrufen auch die Bedeutung telefonisch mit jemandem Kontakt aufnehmen erhalten hat. In gleicher Weise ist es nicht grundsätzlich ausgeschlossen, dass jemanden zurückrufen auch eine neue, „telefonische“ Bedeutung erhält. In der Umgangssprache hat das Verb diese Bedeutung schon.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Es tut mir leid wegen …

Frage

Ich such die deutsche Entsprechung für folgenden Satz „I’m sorry about last Saturday“:

Es tut mir leid wegen letztem Samstag.            .
Es tut mir leid wegen letzten Samstags.

Beides klingt immer komischer, je länger ich draufschaue. Was schlagen Sie vor? Ginge auch “Tut mir leid wegen letzten Samstag”?

Antwort

Sehr geehrter Herr T.,

eine nicht umgangssprachliche Übersetzung von I’m sorry about last Saturday ist etwas wortreicher als das englische Original. Je nachdem, was genau gemeint ist, zum Beispiel:

Der Vorfall von letztem Samstag tut mir leid.
Ich bedauere, was letzen Samstag geschehen ist.
Ich möchte mich für den letzten Samstag entschuldigen.

Die Formulierung (es) tut mir leid wegen etwas ist umgangssprachlich. Standardsprachlich heißt es eher: etwas tut mir leid. Deshalb will der „hehre“ Genitiv hier nicht passen, auch wenn er grammatikalisch noch zu verteidigen wäre. So spricht niemand:

nicht: Es tut mir leid wegen letzten Samstags.

In einer umgangssprachlichen Formulierung klingt der nach wegen standardsprachlich bei vielen so verpönte Dativ – zumindest in meinen Ohren – etwas besser:

Es tut mir leid wegen letztem Samstag.

Auch der Akkusativ kommt vor. Die Zeitangabe letzten Samstag bleibt dann als adverbiale Bestimmung ähnlich wie unflektierbare Adverbien (gestern, damals) „ungebeugt“:

Es tut mir leid wegen letzen Samstag.

Diese Verwendung eines “unveränderlichen Akkusativs” nach einer Präposition ist aber standardsprachlich ebenfalls nicht üblich.

Wenn Sie in der deutschen Übersetzung eine standardsprachliche Formulierung wählen müssen, sollten Sie umformulieren (Beispiele oben). Nur dann, wenn eine umgangssprachliche Übersetzung passend ist, können Sie hier auch (es) tut mir leid wegen mit dem Dativ (letztem Samstag) oder sogar mit dem Akkusativ (letzten Samstag) wählen.

Wieder einmal gibt es nicht nur „eindeutig richtig“ und „grundsätzlich falsch“. Es ist also nicht erstaunlich, dass Sie bei der Übersetzung von I’m sorry about last Saturday ein bisschen ins Zweifeln gekommen sind.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Scheiß und super

Bei zuen Schuhen und aufen Fenstern ging es Anfang dieser Woche um ein umgangssprachliches Phänomen. Auch heute bleiben wir bei der Umgangssprache, allerdings – wie der Titel schon zeigt – bei einer etwas vulgäreren Ausdrucksweise.

Frage

Man findet oft in Texten die Verbindung von „Scheiß“ mit einem Substantiv: „Scheiß-Maut“, „Scheiß-Aufgabe“ usw. Wie schreibt man das richtig? Es ist ja eigentlich nicht richtig im Sinne von „Scheiße“ gemeint, wie z.B. bei „Scheißhaus“, sondern mehr als Adjektiv („die Maut ist scheiße“). Ist es dann besser, wie oben mit Bindestrich zu schreiben („Scheiß-Haus“ ist etwas anderes „als Scheißhaus”), oder nimmt man das Adjektiv (ohne e: „scheiß Maut“)?

Ich schreibe so etwas nicht ;-) , aber man kann es oft lesen und ich stolpere immer darüber.

Antwort

Sehr geehrte Frau S.,

man schreibt solche Ausdrücke in einem Wort:

Scheißmaut, Scheißaufgaben, Schweißhaus, Scheißschule
scheißfaul, scheißblöd, scheißgemütlich

Der Bindestrich dient dazu, unübersichtliche oder missverständliche Zusammensetzungen deutlicher zu gestalten. Er hat nicht die Funktion, Unterschiede zwischen wörtlicher (ScheißhausToilette) und übertragener (Scheißhausmiserables Haus) Bedeutung anzugeben.

Man schreibt auch (noch) nicht getrennt. Wenn scheiß ein vorangestelltes unveränderliches Adjektiv wäre, müsste anders betont werden. Nun liegt die Hauptbetonung „standardsprachlich“ auf Scheiß-:

Schéíßschule, Schéíßhaus, Schéíßmaut

wie zum Beispiel:

Wéíßkohl, Dúmmkopf, Grátisanzeige

Erst wenn scheiß regelmäßig auch unbetont vor einem Substantiv steht, kann man es vielleicht einmal auch getrennt schreiben:

diese scheiß Schúle
eine scheiß Àngst

Eine solche Entwicklung hat die Vorsilbe super- hinter sich. In der Umgangssprache hat sie sich zu einem eigenständigen, unveränderlichen Adjektiv entwickelt. Dies sieht (oder besser: hört) man an der Betonung: super kann auch unbetont vor einem Nomen stehen:

ein Súperangebot – ein super Àngebot
ein Súperteam  – ein super Téám

Dabei gibt es nach meinem Sprachgefühl oft einen leichten Bedeutungsunterschied zwischen zum Beispiel Superangebot und super Angebot. Diese Entwicklung hat scheiß (vorläufig?) noch nicht vollendet. Man schreibt hier deshalb standardsprachlich noch besser zusammen, wenn man die Umgangsprache zitiert.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Von geschlossenen und zuen Schuhen

Wer zurzeit nicht in den Bergen im Schnee versinkt, hört in tieferen Gefilden meist sumpfig-schmatzende Geräusche unter den Sohlen, wenn er zu Fuß abseits asphaltierter oder anderweitig befestigter Straßen unterwegs ist. Bei den gegenwärtigen Schnee- und Regenmengen ist von Sandalen und anderem offenem Schuhwerk dringend abzuraten. Die zu diesem Thema passende, nicht allzu neue Frage:

Frage

Wenn man von geschlossenem Schuhwerk spricht, wie schreibt man dann „zuhe“ Schuhe?

Antwort

Sehr geehrter Herr R.,

wenn man von geschlossenen Schuhen redet und das Wort zu verwendet, schreibt man zue Schuhe oder zune Schuhe. Diese Verwendung von zu als vorangestelltes Adjektiv ist allerdings rein umgangssprachlich. Sie gilt standardsprachlich sogar als falsch. Standardsprachlich spricht und schreibt man nur von geschlossenen Schuhen. Auch zu(n)e Türen, ein am Sonntag zu(n)es Restaurant oder eine noch zu(n)e Kaugummipackung trifft man in der Standardsprache nicht so an, sondern als geschlossene Türen, ein am Sonntag geschlossenes Restaurant oder eine noch ungeöffnete Kaugummipackung.

Dasselbe gilt übrigens auch für das Gegenteil von zu. Weder ein aufes Fenster noch aufe Schuhe sind im Standardeutschen akzeptiert. Wenn es zieht und man an die Füße friert, liegt das standardsprachlich an einem offenstehenden Fenster und offenen Schuhen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Manchmal ist besonders nicht besonders

Frage

Vor einiger Zeit habe ich einer Studentin den folgenden Satz angekreidet:

Besonders ist schon die Rezeptionsgeschichte von Mozarts Requiem.

Meine Kritik bezog sich darauf, dass „besonders“ in dem Beispielsatz die Funktion eines Adjektivs habe, was aber nicht korrekt sei, da „besonders“ nur als Adverb verwendet werden könne. Nun hat ein Satz in einer seriösen deutschen Wochenzeitung meine Auffassung ein wenig ins Wanken gebracht. Dort lese ich:

Das war sehr besonders an ihr.
(http://www.zeit.de/2011/45/Annie-Leibovitz/seite-3)

[...] Ist es standardsprachlich korrekt, „besonders“ als prädikatives Adjektiv zu verwenden?

Antwort

Sehr geehrter Herr S.,

Sie haben recht: In der deutschen Standardsprache wird besonders nur adverbial verwendet:

Wir werden das Thema noch besonders behandeln.
Ich möchte besonders darauf hinweisen, dass …
Was hat dir an diesem Film besonders gefallen?
Dr. Bopp kann reizbar sein, besonders wenn er schlecht geschlafen hat.
eine besonders elegante Kreation

Das Wort besonders tritt in der Standardsprache nicht als prädikativ verwendetes Adjektiv auf. Die Verwendung von besonders in den Sätzen, die Sie zitieren, wird zur gesprochenen (regionalen) Umgangssprache gerechnet:

Besonders ist die Rezeptionsgeschichte von Mozarts Requiem.
Das war sehr besonders an ihr.

Das Adverb besonders wird hier anstelle der nicht vorhandenen endungslosen Form des Adjektivs besondere verwendet. Das ist nicht sehr erstaunlich, denn es fehlt hier eigentlich eine Form:

Es ist eine interessante Rezeptionsgeschichte.
Interessant ist die Rezeptionsgeschichte.

Es ist eine besondere Rezeptionsgeschichte.
??? ist die Rezeptionsgeschichte.

Das war eine sehr bemerkenswerte Eigenschaft von ihr.
Das war sehr bemerkenswert an ihr.

Das war eine sehr besondere Eigenschaft von ihr.
Das war sehr ??? an ihr.

In der Standardsprache kann man für diese fehlende Form auf Adjektive wie zum Beispiel außergewöhnlich und bemerkenswert oder auf eine andere Formulierung ausweichen:

Außergewöhnlich ist die Rezeptionsgeschichte.
Das war sehr bemerkenswert / etwas sehr Besonderes an ihr.

In der Umgangssprache wird hier aber, wie man sieht, manchmal das Adverb besonders verwendet.

Eine häufig vorkommende, ebenfalls umgangssprachliche Wendung ist nicht besonders im Sinne von nicht gut:

Es geht ihr heute nicht besonders.
Der Film ist nicht besonders.

Umganssprachlich kann man also sagen, dass die Verwendung von besonders als prädikatives Adjektiv standardsprachlich nicht besonders ist.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Schreiben S’ hier einen Apostroph

Eine Frage, die man sich zum Beispiel dann stellen kann, wenn man wie Frau G. einen ungezwungenen Gesprächston aus südöstlichen deutschsprachigen Gefilden schriftlich wiedergeben möchte:

Frage

In einem Interview sagte ein Künstler Folgendes: „Lassen s das sein!“ Gemeint ist: „Lassen Sie das sein!“ Wie wird dies aufgeschrieben?

Antwort

Sehr geehrte Frau G.,

bei umgangssprachlichen Verkürzungen von Wörtern kann man zur Verdeutlichung einen Apostroph verwenden:

So ’n Angeber!
So n Angeber!

Willst du ’ne Banane oder ’nen Apfel?
Willst du ne Banane oder nen Apfel?

Bei verkürztem Sie ist die Verwendung des Apostrophs üblich:

Lassen S’ das sein!
Wann kommen S’ denn wieder zurück?
Sie, gehen S’ weg da, ich seh ja gar nix!

Es ist hier nicht möglich, das s (mit oder ohne Apostroph) mit dem vorhergehenden Wort zusammenzuschreiben. Das ist nach den Rechtschreibregeln nur bei verkürztem es möglich (vgl. hier):

Wissen Sie, wie es funktioniert?
Wissen S’, wie’s funktionier?
Wissen S’, wies funktioniert?

Wie wollen Sie es denn haben?
Wie wollen S’ es denn haben?
Wie wollen Sie’s/Sies denn haben?

Allerdings nicht:

Wie wollen S’’s denn haben?

Man sollte es auch beim Verkürzen nicht übertreiben. Mehr zum Apostroph bei Auslassungen finden Sie hier.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Wie sieht Ihrs aus?

Frage

Es geht um einen Fotowettbewerb, bei dem man sein schönstes Urlaubsbild einreichen kann/soll. Der „Werbesatz“ dazu lautet:

Das schönste Urlaubsbild, wie sieht Ihr’s aus?

Kann man in diesem Fall den Buchstaben e durch den Apostroph ersetzen (abgesehen davon, dass es sehr umgangssprachlich ist)?

Antwort

Sehr geehrter Herr Weber,

im heutigen Standarddeutsch ist die Form ihrs für ihres nicht gebräuchlich. Sie ist entweder umgangssprachlich oder veraltet/poetisch. Ein Beispiel für Letzteres:

HORTENSIUS
Lucius!
Wie, treffen wir uns hier?
LUCIUS’ DIENER
Und, wie ich glaube,
Führt ein Geschäft uns alle her; denn meins
Ist Geld.
TITUS
Und so ist ihrs und unsers.

[William Shakespeare, Timon von Athen, Dritter Aufzug, Vierte Szene; Übersetzung von Dorothea Tiek, 1832]

Standardsprachlich schreiben Sie also besser:

Das schönste Urlaubsbild, wie sieht Ihres aus?

Wenn Sie die Form ihrs trotz oder gerade wegen ihres heute umgangssprachlichen Charakters verwenden wollen, würde ich empfehlen, sie wie die allgemein gebräuchlichen Formen meins, deins und seins ohne Apostroph zu schreiben (Regel):

Das schönste Urlaubsbild, wie sieht Ihrs aus?

Ich hoffe, dass Ihr Aufruf mit oder ohne e dafür sorgt, dass viele schöne Urlaubsfotos eingereicht werden.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Ausgeschaltet und ausgeschalten

Frage

Ich dachte ja immer, dass ich Deutsch kann, bis ich (aus Österreich) auf meinen Freund (aus Norddeutschland) traf.

Ich sage: „Ich habe die Heizung ausgeschalten.“
Er sagt: „Ich habe die Heizung ausgeschaltet.“

Meine Internetrecherche ergab, dass er wohl recht hat, und doch frage ich mich (weil ich sonst meine bisherige Überzeugung, in Grammatik ganz gut zu sein, sofort über Bord werfen müsste): Kann es tatsächlich sein, dass Österreich und Deutschland hier unterschiedliche Deklinationen verwenden?

Antwort

Sehr geehrte Frau R.,

im Standarddeutschen lautet das Partizip von ausschalten von Nord- und Ostsee bis zu den Alpen überall ausgeschaltet. Ihr Freund hat also recht. Dies gilt allerdings nur für das Standarddeutsche. Die Form ausgeschalten kommt nämlich umgangssprachlich oder regionalsprachlich an vielen Orten im deutschen Sprachraum vor. Ursprünglich war das Verb schalten sogar unregelmäßig, doch in der Schriftsprache wurde die Form geschalten schon vor langem durch die schwache Form geschaltet ersetzt.

Zweifeln Sie also nicht wegen einer einzelnen Wortform an Ihren gesamten Grammatikkenntnissen! Formen wie ausgeschalten und eingeschalten gelten standardsprachlich als nicht korrekt (und sollten entsprechend im Standarddeutschen vermieden werden), aber in der Grammatik vieler regionaler Umgangssprachen – nicht nur in Österreich – leben sie fröhlich neben ausgeschaltet und eingeschaltet weiter. Außerdem können sich auch einigermaßen gute Grammatikkenner und -kennerinnen einmal einen Schnitzer erlauben, ohne gleich grundsätzlich an ihren Kenntnissen zweifeln zu müssen. Ich hätte sonst meinen Beruf schon lange aufgeben müssen!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Wunder weiß was wie schön

Frage

„Sie meinte, wunderweißwas wie schön sie sei.“ Ist das ein Wort und schreibt man es so?

Antwort

Guten Tag U.,

der Ausdruck gehört eigentlich nur zur gesprochenen Umgangssprache. Wenn Sie ihn dennoch aufschreiben möchten, tun Sie dies am besten wie folgt:

Sie meinte, Wunder weiß was wie schön sie sei.

Man schreibt nämlich Wunder in etwas weniger wortreichen Verstärkungen wie den folgenden ebenfalls von anderen Wörtern getrennt und groß:

Ich kam mir Wunder wie schlau vor.
Ihr bildet euch Wunder was ein.
Er meint Wunder wer zu sein und Wunder was geleistet zu haben.

Sehen Sie auch Wunder in Canoonet.

Im Prinzip ist Wunder weiß was wie eine Zusammenziehung von Wunder wie (siehe Beispiel oben) und Wunder weiß was (siehe unten):

Die können einem Wunder weiß was andrehen.
Er guckte auf seine Schuhspitzen, als gäbe es da Wunder weiß was zu entdecken.

Mit Wunder wer, Wunder was, Wunder wie (oder eben der aneinandergereihten „Turboversion“ Wunder weiß was wie) drückt man aus, dass man eine Einschätzung übertrieben findet. Diese Ausdrucksweise gehört aber, wie gesagt, vor allem zur gesprochenen Umgangssprache. Die richtige Schreibung ist deshalb eigentlich gar nicht so wichtig.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Ich wechsel, wechsle oder wechsele

Frage

In Ihrem Bedeutungswörterbuch steht für das Verb „wechseln“ folgender Beispielsatz:

Ich wechsel den Reifen.

Klicke ich nun auf „Wortformen“, so gelange ich zur „Flexion von wechseln“ und finde dort lediglich diese beiden Formen:

ich wechsele
ich wechsle

Können Sie mir das erklären? Gibt es etwa alle drei Formen?

Antwort

Sehr geehrter Herr S.,

die Formen ich wechsle und ich wechsele gelten allgemein als korrekt. Die ungekürzte Form ich wechsele wird allerdings nur selten verwendet. Bei Verben, deren Grundform auf –eln endet, wird vor der Endung –e das e des Stammes meistens weggelassen:

wechseln – ich wechsle
bummeln – ich bummle
handeln – ich handle
regeln – ich regle
zwirbeln – ich zwirble
usw.

Mehr zum Thema der e-Tilgung bei Verbformen finden Sie auf dieser Seite.

Formen, bei denen die Endung e weggelassen wird, kommen auch vor (ich wechsel, ich bummel, ich handel, ich regel, ich zwirbel), sie gelten aber als umgangssprachlich und sollten deshalb in der geschriebenen Standardsprache nicht verwendet werden. Aus diesem Grund findet man sie nicht in der Wortformentabelle.

Sie haben also im Bedeutungswörterbuch einen Beispielsatz entdeckt, der eine umgangssprachliche Form enthält. Vielen Dank für den Hinweis!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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