26. August 2007 um 10:47
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Autor: Dr. Bopp
Frage
Ich habe nochmal in Ihre Suchmaske eingegeben und zur Antwort bekommen: „Keine Einträge gefunden“. Das wundert mich ein wenig. Mögen Sie mir erklären, warum nochmal bei Ihnen nicht verzeichnet ist?
Antwort
Sehr geehrte Frau B.,
das Wort nochmal steht zurzeit nicht in unserem Wörterbuch, weil nach unseren Quellen nochmal und noch mal als umgangssprachlich gelten. Standardsprachlich verwendet man nochmals oder noch einmal.
umgangssprachlich: etwas nochmal tun oder etwas noch mal tun
standardsprachlich: etwas nochmals tun oder etwas noch einmal tun
Ihre Frage hat uns aber auf ein Wort aufmerksam gemacht, dass das sehr, sehr häufig vorkommt; so häufig, dass wir nicht sicher sind, ob es nicht mittlerweile auch als standardsprachlich üblich gelten muss. Wir werden die Aufnahme des Wortes nochmal bei Gelegenheit nochmals prüfen.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Bopp
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11. Mai 2007 um 11:07
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Autor: Dr. Bopp
Frage:
Ist folgende Formulierung korrekt:
Nur nichts anmerken lassen
oder brauchts das mir?
Mir nur nichts anmerken lassen
oder gar
Sich nur nichts anmerken lassen
Antwort:
Sehr geehrter Herr G.,
die Redewendung lautet sich etwas/nichts anmerken lassen. Standardsprachlich muss das Reflexivpronomen sich also genannt werden. Zum Beispiel:
Man darf sich nur nichts anmerken lassen.
Lass dir nur nicht anmerken!
Ich darf mir nichts anmerken lassen.
“Sich nur nichts anmerken lassen” lautet die Devise der Powerfrauen.
Umgangssprachlich wird aber auch die Wendung Nur nichts anmerken lassen! ohne Reflexivpronomen verwendet. Zum Beispiel:
Aber jetzt hieß es: Nur nichts anmerken lassen und locker bleiben!
Nur nichts anmerken lassen! Sie könnten alles in den falschen Hals kriegen.
In diesem Sinne ist Ihr Beispielsatz also richtig formuliert. Er gehört aber zur gesprochenen Umgangssprache und sollte deshalb in der formelleren Standardsprache nicht verwendet werden. Es empfiehlt sich dann, stattdessen eine der obenstehenden standardsprachlichen Formulierungen zu verwenden.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Bopp
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6. März 2007 um 09:00
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Autor: Dr. Bopp
Sehr geehrtes Canoo-Team
Ich hätte da mal eine Frage: Stimmt diese Frage gramatikalisch?
Hast du mir noch ein Auto?
Es wäre sehr freundlich wenn sie mir antworten könnten, da es deswegen schon Streit gibt.
Mit freundlichen Grüßen
K.
Antwort:
Guten Tag K.,
als Linguist finde ich es gut, dass auch andere sich für Sprachfragen interessieren. Ich hoffe dennoch, dass Sie sich deswegen nicht allzu heftig streiten. Auch Sprachfragen sollte man meiner Meinung nach nicht ganz so seriös nehmen. Zu Ihrer Frage:
Die Frage Hast du mir noch ein Auto? scheint mir korrekt zu sein. Der Satz kommt mir zwar nicht ganz unbescheiden vor – ich würde bei dieser ungezwungenen Frageform nicht gleich ein Auto, sondern eher einen Tipp oder fünf Euro erwarten -, aber er entspricht den Grammatikregeln des Deutschen. Er bedeutet soviel wie Hast du noch ein Auto für mich? Dieses für mich kann auch als Dativobjekt mir ausgedrückt werden. Ein anderes Beispiel ist: Er öffnet mir die Tür = Er öffnet die Tür für mich. Es handelt sich hierbei um einen sogenannten “Dativus commodi”, einen Dativ des Vorteils. Im Dativ steht dann eine Person, zu deren Vorteil oder Gunsten etwas geschieht. Siehe “Freier Dativ” in der Canoo.net-Grammatik.
In Verbindung mit dem Verb haben ist diese Konstruktion allerdings stilmäßig vielleicht eher umgangssprachlich als standardsprachlich. Es ist möglich, dass Sie sich aus diesem Grund nicht einig sind, ob der Satz stimmt. Die Frage lautet dann aber nicht, ob er grammatikalisch richtig ist (das ist er), sondern vielmehr ob er stilistisch gut formuliert ist. Im Gespräch unter Freunden und Kollegen ist er meiner Meinung sehr gut vertretbar, in z.B. einem offiziellen Schreiben würde ich eher eine andere Formulierung verwenden. Aber beim Stil geht es sehr schnell um eine Geschmacksfrage, und über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht(???) streiten.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Bopp
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18. Dezember 2006 um 12:12
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Autor: Dr. Bopp
Auf eine Frage von Herrn K. die folgende Antwort:
Sehr geehrter Herr K.,
auch Ihnen vielen Dank für Ihre Antwort. Es freut das Linguistenherz, wenn sich nicht immer nur Linguisten für Spracherscheinungen interessieren.
Sie haben recht: Wir sprechen alle die gleiche Sprache, aber trotzdem gibt es viele Varianten und Unterschiede. Das ist auch nicht weiter erstaunlich, wenn man bedenkt, dass über 80 Millionen Menschen, vom Alpenbauern bis zum Ostseefischer und von der Forellenzüchterin bis zur Informatikprofessorin, Deutsch sprechen. Es gibt allerdings einen mehr oder weniger allgemein akzeptierten Standard, der die Verständigung unter allen Deutschsprachigen erleichtern soll. Aber sogar innerhalb dieses Standards gibt es korrekte Varianten. Zum Beispiel: norddeutsch “ich habe gestanden”, süddeutsch “ich bin gestanden”. Im Gegensatz zu dem, was viele denken, gibt es in der deutschen Sprache eine recht große Freiheit.
Die bei Ihnen übliche Form “…, dass er gestern spielen hat müssen” statt standardsprachlich “…, dass er gestern hat spielen müssen” ist wohl eher regionale Umgangssprache. Die Formen sind nicht in den Grammatiken belegt, und – ehrlich gesagt – ich kannte sie nicht.
Umgangssprachlich ist aber nicht gleichbedeutend mit falsch. Wenn man es bei Ihnen so sagt, ist das völlig in Ordnung. Es bedeutet nur, dass man die Form besser nicht z.B. in offiziellen Briefen, in formellen Reden, in Schulaufsätzen, bei Menschen aus anderen (Sprach-)Regionen usw. verwenden sollte. Im Umgang mit Familie, Freunden, Kollegen, Mitgliedern seines Sportvereins usw. ist man zum Glück in keiner Weise gezwungen Standardhochdeutsch zu sprechen.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Bopp
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7. Dezember 2006 um 09:27
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Autor: Dr. Bopp
Herr J. fragt:
Hallo liebes canoonet-Team,
ich bräuchte zur Klärung eines Sachverhalts Ihre Hilfe.
Ich arbeite in einem Büro mit vielen anderen Menschen, welche aus allen Teilen der Bundesrepublik Deutschland kommen.
Bei Gesprächen untereinander sind wir über den Satz “Hast du Geld einstecken?” gestolpert. Nun ist hier bei uns eine Diskusion entbrannt, ob dieser Satz Richtig ist oder nicht.
Viele sagen dieser Satz ist kein hochdeutscher Satz, was ich nicht verstehe. Nach meiner Meinung widerspricht dieser Satz keiner Regel im Deutschen.
Nun meine Frage. Können Sie mir zu diesem Problem eine eineindeutige Aussage unterbreiten?
Bitte entschärfen Sie unsere Diskusion mit Ihrem Fachwissen.
Vielen Dank für Ihre Bemühungen.
Mit freundlichen Grüßen
Antwort:
Sehr geehrter Herr J.
Vielen Dank für Ihr Vertrauen in unsere Fachkenntnisse. Ich hoffe, dass sich die Situation bei Ihnen inzwischen etwas “entschärft” hat, denn meine Antwort hat aus Urlaubsgründen etwas auf sich warten lassen. Außerdem ist Ihre Frage leider nicht mit einem eindeutigen Richtig oder Falsch zu beantworten.
Den Ausdruck “etwas einstecken haben” gibt es und er bedeutet “etwas bei sich haben”. Er gilt aber nicht als Hochdeutsch oder Standarddeutsch, sondern wird z.B. vom Duden als umgangssprachlich bezeichnet.
Man könnte darüber streiten, ob der Ausdruck wirklich keiner Regel des Deutschen widerspricht. Rein formal müsste es sein: “etwas eingesteckt haben”, aber das bedeutet nicht ganz das Gleiche. Der Ausdruck ist nicht grundsätzlich falsch. Stilistisch gehört er aber zur Umgangssprache und nicht zur Standardsprache. In einem Gespräch unter Kollegen ist er völlig angebracht. In z.B. einem formellen Brief würde ich ihn nicht verwenden, sondern auf z.B. “etwas bei sich haben” ausweichen.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Bopp
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