Was tun Sprachexperten auf der Stör?

Frage

Ich habe gerade einen Artikel mit der Überschrift „Sprachexperten auf der Stör“ gelesen. Kennen Sie diesen Ausdruck? Ist er eher regional?

Antwort

Sehr geehrte Frau W.,

den Ausdruck auf (der) Stör sein resp. auf (die) Stör gehen kenne ich. Nach den Angaben der Wörterbücher war und ist [?] er in Süddeutschland, Österreich und der Schweiz üblich. Ob man in weiter nördlich auch kennt und versteht, kann ich von hier aus leider so schnell nicht beurteilen. Ich vermute aber, dass dem eher nicht so ist. Dort denkt man bei auf der Stör wohl eher an den Fluss die Stör (ein Nebenfluss der Elbe) und wundert sich dann, was ein Sprachexperte dort außer Bötchenfahren und Angeln zu tun haben soll. Gemeint ist im Artikel aber, dass Sprachexperten direkt beim Kunden tätig sind.

Auf Stör gingen früher Handwerker, wenn Sie sie anstatt in Ihrer ihrer Werkstatt beim Kunden zu Hause arbeiteten. Das verstieß eigentlich gegen die Zunftordnung. Es war ursprünglich eine Störung der Zunftordnung. Die Stör ist also eine Ableitung von stören. Ganz sicher ist dass allerdings nicht, denn – wie könnte es anders sein – es gibt auch andere Erklärungen für die Herkunft dieses Wortes.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Wintersport und Sommerzeit

Gestern Abend fielen mir am Ende der Abendnachrichten zwei Meldungen auf. Bei den Sportmeldungen erfuhr ich, dass nach den Meisterschaften in Biathlon und Eiskunstlauf ziemlich alle Wintersportarten die Saison abgeschlossen haben werden. Dem Sport folgte unvermeidlich der Wetterbericht und dann kam die zweite Mitteilung, die mir auffiel: Dieses Wochenende fängt die Sommerzeit an.

Gehen wir einmal davon aus, dass Wintersportler ihren Sport im Winter ausüben und dass die Uhren die Sommerzeit im Sommer anzeigen. Daraus müsste man dann eigentlich schließen, dass der Winter von gestern auf heute nahtlos in den Sommer übergegangen ist. Wir wissen natürlich, dass dem in unseren Breitengraden nicht so ist, auch wenn der Frühling sich dieses Jahr schon sehr ziert, endlich ins Land zu ziehen. Bei der fast unmittelbaren Folge von Wintersport und Sommerzeit fiel mir einfach wieder einmal das Folgende auf:

Man darf Wörter nicht immer wörtlich nehmen.

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Treffpunkt und Treffzeit?

Noch ein Beitrag dazu, dass das einheitliche Benennen der Dinge in der Sprache oft zu wünschen übrig lässt:

Frage

Steht „Treffpunkt“ neben der Bezeichnung für den Ort, an dem man sich trifft, auch für den Zeitpunkt? So lese ich häufig „Treffpunkt ist um …“ und auch bei mir im Sportverein fragen wir (auch ich) öfter mal „Wann ist noch mal Treffpunkt?“

Antwort

Sehr geehrter Herr B.,

das Wort Treffpunkt bezeichnet einen Ort, an dem man sich trifft. Es ist also eigentlich nicht richtig, „Treffpunkt ist um zehn Uhr“ zu sagen. Auch wenn es ein zeitliches Wort wie Zeitpunkt gibt, ist Treffpunkt nur örtlich gemeint.

Wenn Treffpunkt für einen Zeitpunkt verwendet wird, liegt das wahrscheinlich daran, dass im Deutschen kein entsprechender, ebenso praktischer und kurzer Ausdruck üblich ist. Das Wort Treffzeit wäre hier ein guter Kandidat; so gut, dass ich mich wundere, weshalb man es nicht verwendet.

Man sagt und schreibt normalerweise einfach „Wir treffen uns um zwei Uhr“ oder „Zeit: 14.00 Uhr“. Diese Ausdrucksweisen sind anscheinend so deutlich, dass ein Begriff wie Treffzeit nicht notwendig ist. Ich finde diese Erklärung sogar einigermaßen einleuchtend. Sie hat aber einen Haken: Es stellt sich umgekehrt gleich die Frage, warum dann das Wort Treffpunkt gebräuchlich ist. Man kann ja genauso gut sagen „Wir treffen uns im Klubhaus“ oder „Ort: Klubhaus“.

Warum also verwenden wir „Treffpunkt“, aber nicht auch „Treffzeit“? Eine einfache, logische Antwort muss ich Ihnen schuldig bleiben. Wahrscheinlich gibt es gar keine. Ich sage es immer wieder: Sprache und Logik haben oft reichlich wenig miteinander zu tun. Und das ist gut so.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Das rätselhafte Wort sibyllinisch

Frage

Heute um die Mittagszeit habe ich auf DRS 2 den Ausdruck „sybillisch“ gehört. Weil ich nicht weiß, was das bedeutet, habe ich den Versuch unternommen, das via Duden, Brockhaus, Wikipedia etc. herauszubekommen – ohne Erfolg! Können Sie mir den Begriff erläutern?

Antwort

Sehr geehrter Herr Z.,

wahrscheinlich meinte der Sprecher oder die Sprecherin das Wort sibyllinisch oder sibyllenhaft. Beachten Sie die Reihenfolge von i und y innerhalb des Wortes. Das hilft beim Suchen. Weil ich das Wort eigentlich nie verwende, kann ich mir die Reihenfolge auch nicht merken. Ich kenne aber eine Sibylle, von der ich diese Eselsbrücke gelernt habe: „Sibylle mit i und y wie im Alphabet“. Das i steht ja auch im Alphabet vor dem y.

Das Adjektiv sibyllinisch oder sibyllenhaft gehört zum gehobenen oder literarischen Sprachgebrauch. Das ist wohl der Grund, weshalb das viel „gewöhnlicher“ klingende sibyllisch nicht üblich ist. Es bedeutet rätselhaft, geheimnisvoll oder auch wahrsagerisch. Es ist von Sibylle, dem antiken Namen weissagender Frauen, abgeleitet. Wenn jemand sibyllinische Worte spricht oder eine Frage sibyllenhaft beantwortet, ist die Aussage nicht direkt, sondern rätselhaft und geheimnisvoll verschlüsselt. Sibyllinische Worte versteht man nicht einfach so, sie müssen gedeutet werden.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Kommt Kunst von Können?

Frage

„Kunst kommt von Können“ ist eine verbreitete Plattitüde. Ich habe einmal in einem Wörterbuch gelesen „es kommt zwar von Können, jedoch meinte dieses früher ‚Kennen’ also im Sinne von ‚Wissen’ …“. Was sagen Sie?

Antwort

Sehr geehrter Herr K.,

das Wort Kunst kommt tatsächlich vom Verb können. Dieses Verb bedeutete nicht nur können, sondern auch kennen, vermögen und ursprünglich kennen, wissen.** Entsprechend hatte Kunst ursprünglich die Bedeutung Wissen(schaft), Fertigkeit (vgl. die sieben freien Künste). Danach erhielt es die Bedeutung durch Übung erworbene Fertigkeit, die man auch heute noch verwendet, wenn zum Beispiel jemandes Kochkunst gelobt wird oder jemandes Fahrkünste Anlass zur Sorge geben. Noch später (seit dem 18. Jahrhundert) wurde Kunst für die künstlerische, schöpferische Betätigung des Menschen und für das Produkt dieser Betätigung verwendet. Dies ist die heute am häufigsten verwendete Bedeutung von Kunst.

Bevor man nun aber ganze philosophische Betrachtungen oder gar Streitdiskussionen über das Wesen der Kunst an der Herkunft des Wortes „aufhängt“, sollte man nicht außer Acht lassen, dass die Bedeutung eines Wortes vor allem damit zu tun hat, wie wir es heute verwenden, und oft nur sehr wenig damit, was es früher einmal bedeutet hat. So kann man zwar zu Recht behaupten, dass Weib früher einfach Frau bedeutete, aber man kann das Wort Weib heute trotzdem nicht mehr losgelöst von seiner negativen Bedeutung verwenden. Wörter haben heute die Bedeutung, mit der sie heute verwendet werden. Die Antwort auf die Frage, ob das Wort Kunst von können oder von wissen kommt, sagt deshalb nicht viel darüber aus, was heute „zu Recht“ als Kunst bezeichnet wird.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

**Die Verben können und wissen sind in anderen Sprachen auch heute noch eng miteinander verbunden. So verwendet man zum Beispiel in romanischen Sprachen wie Französisch und Italienisch dasselbe Verb (savoir resp. sapere) für sowohl wissen als auch für können im Sinne von die Fertigkeit haben:

Je sais ce que tu as fait. = Ich weiß, was du getan hast.
Je sais nager. = Ich kann schwimmen.

Sapete quando parte il treno? = Wisst ihr, wann der Zug fährt?
Sapete giocare a tennis? = Könnt ihr Tennis spielen?

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sic!

Frage

den zusatz (sic!) setzt einer ja wohl, wenn er ausdrücken will, der rechtschreib- oder sonstige fehler sei schon „dort“ und nicht ihm selbst unterlaufen. jetzt bitte ich um Ihre meinung zum solcherart kritisierten fehler in dem satzfragment:

„…bedeutet, mandantenorientiert zu arbeiten, nicht als abstraktes (sic!) ‘organ der rechtspflege’.“

will er sagen, es sei falsch, von einem abstrakten organ der rechtspflege zu schreiben?

Antwort

Sehr geehrter Herr B.,

wie Sie richtig schreiben, verwendet jemand den Zusatz sic, um anzugeben, dass ein Zitat exakt so lautet und nicht auf ein Versehen des Zitierenden zurückzuführen ist.  Das Wörtchen sic wird normalerweise in runde oder eckige Klammern gesetzt und kann noch mit einem Ausrufezeichen verstärkt werden. Es ist lateinisch und bedeutet so. Der Autor oder die Autorin will mit (sic) oder (sic!) meistens angeben, nicht mit dem Geschriebenen einverstanden zu sein oder zumindest daran zu zweifeln. Diese Hervorhebung wird nicht nur für Rechtschreibfehler, sondern auch für andere Sprachfehler und bei Zweifel an der Wortwahl oder dem Inhalt verwendet:

„Ich mache nie Feler [sic!].“
„Jeder Intel ist besser wie [sic] ein AMD“
Dem fügte er hinzu, dass eine Hotelübernachtung dort schließlich nur (sic!) 575 Euro pro Nacht koste.

Wenn sic sich nicht direkt auf ein Zitat bezieht, kann je nach Zusammenhang auch eine Stellungnahmen wie ausgerechnet dieser/diese, wie könnte es auch anders sein, man lese und staune, wirklich und wahrhaftig u. Ä. gemeint sein.

Unser Filialleiter (sic) meinte, wir könnten den Laden eine Stunde früher schließen.
Bis zum Ende des Spiels musste der Schiedsrichter insgesamt zwölfmal (sic!) nach der gelben oder roten Karte greifen.

In Ihrem Beispiel soll (sic!) angeben, dass das Wort abstrakt in diesem Zusammenhang falsch oder auffällig ist. Weshalb dieser Hinweis gemacht wird, kann ich, ohne den ganzen Text zu kennen, nicht sagen. Ich kann nur sagen, dass kein Rechtschreib- oder Grammatikfehler vorliegt – abgesehen natürlich vom fast vollständigen Fehlen jeglicher Großbuchstaben …

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Mittelständische Unternehmen und mittelständige Fruchtknoten

Frage

Heißt es mittelständisch oder mittelständig?

Antwort

Sehr geehrte Frau P.,

beide Wörter werden verwendet. Wenn Sie den Mittelstand als die gesellschaftliche oder unternehmerische Mittelschicht meinen, verwenden Sie mittelständisch. Zum Beispiel:

kleine und mittelständische Unternehmen
die mittelständische Wirtschaft

Das Wort mittelständig wird unter anderem in der Botanik benutzt. Es bedeutet in der Mitte befindlich, dazwischen befindlich. Zum Beispiel:

ein mittelständiger Fruchtknoten
die mittelständige Nasentrennwand

Man hört und liest allerdings auch hin und wieder mittelständige Unternehmen, doch standardsprachlich ist dies nicht ganz die richtig Wortwahl. Dieser unterschiedlichen Verwendung der beiden Wörter liegt übrigens keine tiefere Logik und auch keine eindeutige Grammatikregel zugrunde. Sie wird durch den allgemein üblichen Gebrauch bestimmt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Angst vor dem Leuchtturm?

Aus aktuellem Anlass: Das Wort Minarett geht über französisch minaret und türkisch minare auf arabisch manara zurück, wo es eigentlich Leuchtturm bedeutet. So gesehen wäre es ja gar nicht so abwegig: Welchen Sinn haben Leuchttürme in der Schweiz?

Und wenn Sie sich nur fragen, ob das zynisch gemeint ist: Ja, das ist es.

Natürlich weiß ich, dass der Ursprung des Wortes nur wenig mit der heutigen Bedeutung zu tun hat, dass es also um etwas ganz anderes als überflüssige Leuchttürme geht. Ich frage mich nur, ob der Moscheeturm und das Symbol der Bedrohung, das er sein soll, viel mehr miteinander zu tun haben. Worte und das, was sie bedeuten, verhalten sich sehr ähnlich zueinander wie Dinge und das, was sie symbolisieren. Nur weil in irgendeiner Weise ein Zusammenhang  hergestellt werden kann, braucht er noch lange nicht wahr zu sein. Je einfacher und „logischer“ einem der Zusammenhang präsentiert wird, desto vorsichtiger müsste man oft sein.

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Anzischen und zuzischen

Frage

Kann ich jemandem etwas zuzischen oder kann ich ihn nur anzischen? Ich bin der Meinung, dass ich auch jemandem etwas zuzischen kann, z.B.

Er zischte ihm zu: »Und dich will ich in meinem Büro sehen, sofort!«

Meine Freundin ist felsenfest der Meinung, es müsse heißen:

Er zischte ihn an: »Und dich will ich in meinem Büro sehen, sofort!«

Sie sieht sich darin bestätigt, dass bei CanooNet kein entsprechender Eintrag zu finden ist. Ist dem also tatsächlich so, dass es zuzischen nicht gibt? Und falls zuzischen doch möglich sein sollte, gibt es einen Unterschied zwischen anzischen und zuzischen?

Antwort

Sehr geehrte Frau S.,

lassen Sie mich vorausschicken, dass die Tatsache, dass ein Wort nicht im Wörterbuch steht, nicht bedeutet, dass es das Wort nicht gibt. Unser Wörterbuch enthält zwar ca. 250 000 Einträge, aber damit sind lange nicht alle im Deutschen verwendeten und möglichen Wörter abgedeckt.

Die Wendung jemandem etwas zuzischen gibt es. Sie ist in jedem Fall korrekt gebildet. Viele Verben des Sagens, des Sichäußerns haben eine mit zu- abgeleitete Variante: jemandem etwas zuschreien, zurufen, zuflüstern, zuschnauben usw. Wenn Sie also zischen als eine Art des Sagens verwenden, können Sie ohne weiteres sagen, dass Sie jemandem einen Befehl, eine Verwünschung oder etwas anderes zuzischen.

Der Unterschied zwischen anzischen und zuzischen ist gleich wie der Unterschied zwischen zum Beispiel anschreien und zuschreien. Man zischt/schreit jemanden an und man zischt/schreit jemandem etwas zu:

Er zischte ihn an.
Er zischte ihm einen Befehl zu.

In Ihrem Beispiel sind beide Formulierungen möglich. Die Sicht auf das Geschehen ist leicht unterschiedlich, aber die Bedeutung ist weitgehend identisch.

Er zischte ihn an: „Und dich will ich in meinem Büro sehen, sofort!“
Er zischte ihm zu: „Und dich will ich in meinem Büro sehen, sofort!“

Vgl.

Er schrie ihn an: „Und dich will ich in meinem Büro sehen, sofort!“
Er schrie ihm zu: „Und dich will ich in meinem Büro sehen, sofort!“

Ein kleiner Unterschied liegt vielleicht darin, dass man der angezischten Person gegenüberstehen muss, während man die Person, der man etwas zuzischt, nicht unbedingt ansehen muss. Anzischen ist also direkter, konfrontierender. Wirklich freundlich gemeint ist allerdings keines von beiden.

Mir freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Ist umsonst auch vergebens?

Frage

Woher stammt  der Begriff umsonst? Was hat es mit Wortspielen auf sich, die sagen, dass umsonst nicht vergeblich sei? Zum Beispiel:

Ich bin umsonst nach Berlin gefahren, da die Ausstellung schon geschlossen hatte.
Ich bin umsonst nach Berlin gefahren, weil ich eine kostenlose Mitfahrgelegenheit gefunden habe.

Antwort

Sehr geehrter Herr S.,

das Wort umsonst hat drei Bedeutungen:

  1. kostenlos, ohne Gegenleistung: Ich habe es umsonst bekommen.
  2. vergebens, vergeblich: Ich habe umsonst auf ihn gewartet.
  3. (nur verneint) ohne Zweck, grundlos: Ich habe dich nicht umsonst davor gewarnt.

Nun gibt es Leute, die meinen, es sei nicht richtig, umsonst im Sinne von vergebens zu verwenden. Diese Verwendung von umsonst ist aber ebenso alt, wie sie üblich und eingebürgert ist. Solange man darauf achtet, missverständliche Formulierungen zu vermeiden, ist deshalb nichts dagegen einzuwenden. Meist gibt ja – wie in Ihren Beispielsätzen – der Satzzusammenhang an, was gemeint ist. Wenn Sie am Telefon hören: „Sie rufen umsonst an, der Kinderwagen ist schon weg“, ist ganz klar, dass Sie den Anruf vergebens und nicht kostenlos gemacht haben. Wenn man sagt: „Umsonst geht nur die Sonne auf“, ist damit nicht gemeint, dass die Sonne vergebens aufgeht, sondern dass es nun einmal nichts gratis gibt.

Das Wort geht auf mittelhochdeutsches umbe sus zurück, das eigentlich um dieses, um so bedeutete. Wenn man das Aussprechen von sus (dieses, so) mit einer wegwerfenden, herablassende Geste begleitete, bedeutete die Wendung also um nichts, für nichts (Quelle: Kluge, „Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache“).

Wenn Sie nun hoffen, dass ich hier auf ein allzu naheliegendes Wortspiel verzichte, hoffen Sie umsonst. Ich kann es einfach nicht lassen:

Fragen Sie Dr. Bopp! Fragen stellen Sie immer umsonst, aber nie umsonst.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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