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	<title>Fragen Sie Dr. Bopp! &#187; Wortbedeutung</title>
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	<description>Deutsche Rechtschreibung und Grammatik</description>
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		<title>Loszählen</title>
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		<pubDate>Sat, 14 Apr 2012 11:39:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Bopp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Wortschatz]]></category>
		<category><![CDATA[Wortbedeutung]]></category>

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		<description><![CDATA[Eine Iranerin, die Deutsch studiert hat, beschäftigt sich mit einem älteren deutschen Text und kommt beim Wort loszählen nicht mehr weiter. Hätten Sie auf Anhieb gewusst, was dieses Verb im unten zitierten Text bedeutet? Gemeint ist jedenfalls nicht anfangen zu zählen &#8230; Frage Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mir sagen, ob in dem unten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Eine Iranerin, die Deutsch studiert hat, beschäftigt sich mit einem älteren deutschen Text und kommt beim Wort <em>loszählen</em> nicht mehr weiter. Hätten Sie auf Anhieb gewusst, was dieses Verb im unten zitierten Text bedeutet? Gemeint ist jedenfalls nicht <em>anfangen zu zählen &#8230;</em></p>
<p><strong>Frage</strong></p>
<p>Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mir sagen, ob in dem unten stehen Satz <em>los</em> zum Verb <em>zählen</em> gehört. Ich möchte auch gerne wissen, ob <em>ihrer Bürgerschaft</em> Genitiv ist und ob <em>des Friedens Geiseln</em> Genitiv zu <em>ihrer Bürgschaft</em> ist.</p>
<blockquote><p>Der Krieg zählt ihrer Bürgschaft los des Friedens Geiseln*<br />
[Franz Grillparzer, <em>Weh dem der lügt, </em>1. Akt]</p></blockquote>
<p><strong>Antwort</strong></p>
<p>Sehr geehrte Frau S.,</p>
<p>Grillparzers Lustspiel <em>Weh dem der lügt</em> ist ein Text, der auch für „unvorbereitete“ Muttersprachige nicht immer leicht verständlich ist.</p>
<blockquote><p>Der Krieg zählt ihrer Bürgschaft los des Friedens Geiseln*</p></blockquote>
<p>Das Nachdenken beginnt hier beim Verb <em>loszählen</em>, das heute nicht mehr gebräuchlich ist (auch <em>ledig zählen</em>, vgl. <a href="http://www.woerterbuchnetz.de/DWB?lemma=zaehlen">Grimm, <em>zählen</em>, Bedeutung 5</a>). Seine Bedeutung ist <em>jemanden von etwas lösen, befreien</em>. Zum Beispiel:</p>
<blockquote><p>Gefangene wurden, wenn sie Glück hatten, losgezählt („seines gefengnus loszzuzcelen „)</p></blockquote>
<blockquote><p>Jemand konnte mit den Worten „du bist hiermit losgezehlet, und die sache ist dir vergeben“ von einem Bann befreit werden.</p></blockquote>
<blockquote><p>Es war einer Frau nicht erlaubt, sich „anderweit“ zu verloben, „ehe sie von ihrem ersten breutgam &#8230; ordentlicher weyse loßgezehlet“.</p></blockquote>
<blockquote><p>Manchmal konnten auch Dinge losgezählt werden: „eigenhändige privattestamente sind von allen förmlichkeiten losgezählt“</p></blockquote>
<blockquote><p>(Beispiele aus dem <a href="http://drw-www.adw.uni-heidelberg.de/drw/  ">Deutschen Rechtswörterbuch</a>, Stichwort <em>loszählen</em>)</p></blockquote>
<p>Wie die Beispiele zeigen wurde <em>loszählen</em> meist mit <em>von</em> verbunden. Man konnte aber auch <em>einer Sache</em> losgezählt werden. Grillparzer verwendet die Konstruktion mit dem Genitiv:</p>
<blockquote><p>Der Kriegt zählt sie<em> ihrer Bürgschaft</em> los.</p></blockquote>
<p>Es steht noch ein weiterer Genitiv in diesem Satz: <em>des Friedens</em>. Es handelt sich dabei um ein Genitivattribut, das dem Bezugswort <em>Geiseln</em> vorangestellt ist:</p>
<blockquote><p>des Friedens Geiseln = die Geiseln des Friedens</p></blockquote>
<p>In modernerem Deutsch und ohne das Versmaß zu beachten lassen sich Grillparzers Worte ungefähr so umschreiben:</p>
<blockquote><p>Der Krieg befreit die Geiseln des Friedens aus ihrer Bürgschaft.</p></blockquote>
<p>Gemeint ist – wenn ich es richtig verstehe –, dass zu Friedenszeiten gestellte Geiseln freigelassen werden müssen, wenn der Krieg ausbricht. Dies wurde so kunstvoll mit zwei Genitiven und einem inzwischen veralteten Verb in Jamben gegossen, dass man sich heute gut konzentrieren muss, wenn man den Satz verstehen will.</p>
<p>Diese Art zu formulieren gehörte auch zu Grillparzers Zeiten nicht dem alltagsprachlichen Repertoire an. So sprach wohl niemand. Sie zeigt aber trotzdem, dass die deutsche Sprache sich seit 1840 sehr verändert hat. Auch in einem sehr literarisch gemeinten Text würde man heute eine solche Formulierung nicht mehr antreffen. Es ist also kaum erstaunlich, dass ein Text wie dieser Ihnen Schwierigkeiten bereitet.</p>
<p>Mit freundlichen Grüßen</p>
<p>Dr. Bopp</p>
<p>*Kontext: Bischof Gregors Neffe Atalus wurde als Geisel gestellt, um Frieden zu schließen. Nun ist doch wieder Krieg ausgebrochen und Gregor spricht mit der Küchenhilfe Leon über Atalus’ Flucht oder Befreiung:</p>
<blockquote><p><strong>Leon:</strong><br />
Hm, das begreift sich. – Doch wenn Atalus<br />
Ersäh&#8217; den Vorteil, seiner Haft entspränge?<br />
<strong>Gregor:</strong><br />
Er möcht&#8217; es ohne Sünde, denn <em>der Krieg<br />
Zählt ihrer Bürgschaft los des Friedens Geiseln</em>,<br />
Und nur mit Unrecht hält man ihn zurück.<br />
[Franz Grillparzer, Weh dem der lügt, 1840, 1. Akt]</p></blockquote>
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		<title>Riefend gibt es!</title>
		<link>http://canoo.net/blog/2012/03/10/riefend-gibt-es/</link>
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		<pubDate>Sat, 10 Mar 2012 16:29:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Bopp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Konjugation/Deklination]]></category>
		<category><![CDATA[Unbekannte Wörter]]></category>
		<category><![CDATA[Konjugation]]></category>
		<category><![CDATA[Wortbedeutung]]></category>

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		<description><![CDATA[„Riefend gibt es nicht!“, lautet der Kommentar von Lollo, der oder die vielleicht den ebenso fiktiven Familiennamen Rosso trägt und des Weiteren leider eine falschen E-Mail-Adresse angegeben hat. Diese Behauptung möchte ich nicht gänzlich unwidersprochen lassen, zumal das Wort riefend tatsächlich im Canoonet-Wörterbuch zu finden ist. Man findet riefend natürlich nicht bei den Wortformen des [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>„Riefend gibt es nicht!“, lautet der Kommentar von Lollo, der oder die vielleicht den ebenso fiktiven Familiennamen Rosso trägt und des Weiteren leider eine falschen E-Mail-Adresse angegeben hat. Diese Behauptung möchte ich nicht gänzlich unwidersprochen lassen, zumal das Wort <em>riefend</em> tatsächlich im <a href="http://www.canoo.net">Canoonet-Wörterbuch</a> zu finden ist.</p>
<p>Man findet <em>riefend</em> natürlich nicht bei den Wortformen des Verbs <em>rufen</em>. Es gibt im Deutschen schließlich nur das Partizip Präsens <em>rufend</em> und das Partizip Perfekt <em>gerufen</em>. Wenn es zu <em>rufen</em> gehören würde, müsste <em>riefend</em> aber eine Art Partizip Präteritum sein:</p>
<blockquote><p>Er rennt aus vollem Halse rufend auf uns zu.<br />
Er rannte aus vollem Halse *riefend auf uns zu.</p></blockquote>
<blockquote><p>Die Narren ziehen singend und tanzend durch die Straßen.<br />
Die Narren zogen *sangend und *tanztend durch die Straßen.</p></blockquote>
<p>Partizipformen dieser Art (*) gibt es nicht. Trotz seines Namens Partizip <em>Präsens</em> kann dieses Partizip nämlich nicht nur im Präsens verwendet werden. Es drückt keine Zeit aus. Es drückt aus, dass die Verbhandlung verlaufend ist, und wird manchmal wie oben adverbial oder meistens als Adjektiv verwendet (z. B. <em>rufende Eulen, singende Lerchen, tanzende Schwäne</em>). Es kann sowohl in Kombination mit der Gegenwart als auch zusammen mit der Vergangenheit stehen:</p>
<blockquote><p>Er rennt/rannte aus vollem Halse rufend auf uns zu.<br />
Die Narren ziehen/zogen singend und tanzend durch die Straßen.</p></blockquote>
<p>Heute wird deshalb häufig der weniger irreführende Name Partizip I verwendet.</p>
<p>Die Wortform <em>riefend</em> kann also nicht zu <em>rufen</em> gehören, genauso wenig wie <em>sangend</em> eine Form von <em>singen</em> oder <em>tanztend</em> eine Form von <em>tanzen</em> ist. Weshalb steht <em>riefend</em> trotzdem im Wörterbuch? – Es gehört ganz regelmäßig zum Verb <em>riefen</em>, das wie seine Variante <em>riefeln</em> die Bedeutung <em>mit Riefen (= Rillen) versehen</em> hat.</p>
<p>Das Wort <em>riefend</em> ist alles andere als ein Anwärter auf eine Spitzenposition in der Liste der am häufigsten verwendeten Wortformen. Manchmal ist es sogar nur ein <em>triefend</em> oder <em>reifend</em> mit Flüchtigkeitsfehler. Man darf ihm aber trotzdem nicht einfach mit der Behauptung „Riefend gibt es nicht!“ die Daseinsberechtigung absprechen. Auch wenn dies wahrscheinlich außer Scrabble-Spielern, die die entsprechenden Buchstaben legen können, kaum jemanden interessiert: <a href="http://www.canoo.net/riefend">Riefend gibt es!</a></p>
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		<title>Es wird nicht mehr gemeuchelt</title>
		<link>http://canoo.net/blog/2012/01/29/es-wird-nicht-mehr-gemeuchelt/</link>
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		<pubDate>Sun, 29 Jan 2012 21:00:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Bopp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Wortschatz]]></category>
		<category><![CDATA[Wortbedeutung]]></category>
		<category><![CDATA[Wortgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Wortwahl]]></category>

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		<description><![CDATA[Heute begegnete mir das Wort – und glücklicherweise nur das Wort – Meuchelmörder. Ein Meuchelmörder ist jemand, der einen anderen Menschen heimlich und hinterhältig ums Leben bringt. Begeht eine Frau eine solchen Meuchelmord, ist sie eine Meuchelmörderin. Dies sind Wörter, die man nicht sehr oft hört und liest – meist in einem auf die Vergangenheit bezogenen Zusammenhang, in dem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Heute begegnete mir das Wort – und glücklicherweise nur das Wort – <em>Meuchelmörder</em>. Ein Meuchelmörder ist jemand, der einen anderen Menschen heimlich und hinterhältig ums Leben bringt. Begeht eine Frau eine solchen <em>Meuchelmord</em>, ist sie eine <em>Meuchelmörderin</em>. Dies sind Wörter, die man nicht sehr oft hört und liest – meist in einem auf die Vergangenheit bezogenen Zusammenhang, in dem es um historische Figuren geht, die ihr Leben durch die Hand eines Meuchelmörders oder einer Meuchelmörderin verloren. Manchmal sind sie eher scherzhaft gemeint, zum Beispiel in der Schlagzeile „Gericht sühnt Meuchelmord an Frosch Knötti.“</p>
<p>Noch seltener begegnet man dem ersten Wortteil, dem Verb <em>meucheln</em>, und seinen Ableitungen: Wenn Sie lesen, dass ein Bösewicht sich in <em>meuchlerischer</em> Absicht näherte oder jemand <em>meuchlings</em> ermordet wurde, ist es nicht ganz unwahrscheinlich, dass Sie eine Passage aus einem historischen Roman des Kalibers „Die drei Musketiere“ oder „Angélique“ vor sich haben. Heute wird meistens nicht gemeuchelt, sondern heimtückisch gemordet. Das Resultat ist allerdings dasselbe. Entsprechend ist die Frage der Wortwahl den Ermordeten wahrscheinlich ziemlich gleichgültig.</p>
<p>Das Verb <em>meucheln</em> bedeutete früher allgemeiner <em>heimlich, heimtückisch handeln</em> und geht auf ein älteres Wort <em>muchon</em> zurück, das <em>(sich) verbergen, verstecken</em> und noch früher u. a. <em>heimlich lauern</em> bedeutete. Mit <em>Meuchel-</em> beginnende Wörter gab es früher viel mehr. Ein paar schöne Beispiele aus dem <a href="http://woerterbuchnetz.de/DWB/?sigle=DWB&amp;mode=Vernetzung&amp;lemid=GM04565">Deutschen Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm</a>:</p>
<blockquote><p>Meuchelhund = Schimpfwort für einen heimtückischen Menschen<br />
Meuchellist = heimtückische List<br />
Meuchellüge = heimtückische Lüge<br />
Meuchelrotte = Bande von Meuchelmördern<br />
Meuchelschwert = zum Meuchelmord dienendes Schwert</p></blockquote>
<p>Mein Favorit (als Wort, nicht als Tätigkeit!):</p>
<blockquote><p>Meuchelbrennerei = heimtückische Brandstiftung</p></blockquote>
<p><em>Meuchel-</em> ist also häufig durch Wendungen mit <em>heimtückisch</em> ersetzt worden. Immer noch springlebendig ist aber ein vielleicht mit <em>meucheln</em> verwandtes, eher umgangssprachliches Wort: <em>mogeln</em>. Auch wenn nicht mehr gemeuchelt wird, gemogelt wird noch immer.</p>
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		<title>Feuerwerk</title>
		<link>http://canoo.net/blog/2011/12/31/feuerwerk/</link>
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		<pubDate>Sat, 31 Dec 2011 14:54:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Bopp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Wortbildung]]></category>
		<category><![CDATA[Wortschatz]]></category>
		<category><![CDATA[Wortbedeutung]]></category>

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		<description><![CDATA[Es knallt hier schon seit gestern ziemlich oft und ziemlich laut. Viele können nicht bis heute Mitternacht warten. Ich kann es ja verstehen. Es hat etwas Schönes, Faszinierendes und Gefährliches. Mir gefällt auch das leicht altertümlich anmutende Wort: Feuer-werk. Wenn man ein bisschen im Wörterbuch herumsucht, stellt man fest, dass es viele Zusammensetzungen mit -werk an [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es knallt hier schon seit gestern ziemlich oft und ziemlich laut. Viele können nicht bis heute Mitternacht warten. Ich kann es ja verstehen. Es hat etwas Schönes, Faszinierendes und Gefährliches. Mir gefällt auch das leicht altertümlich anmutende Wort: <em>Feuer-werk.</em></p>
<p>Wenn man ein bisschen im Wörterbuch herumsucht, stellt man fest, dass es viele Zusammensetzungen mit <em>-werk</em> an letzter Stelle gibt. Noch erstaunlicher ist die Vielfalt der Bedeutungen dieser Wörter.</p>
<p>Eine erste Gruppe von auf <em>-werk</em> endenden Wörtern bezeichnet die Gesamtheit von etwas. Es kann etwas Natürliches sein:</p>
<blockquote><p>Astwerk, Blätterwerk, Haarwerk, Laubwerk, Rankenwerk, Strauchwerk, Wurzelwerk</p></blockquote>
<p>Die Gesamtheit kann aber auch etwas von Menschenhand Geschaffenes sein:</p>
<blockquote><p>Federwerk (Uhr), Festungswerk, Mauerwerk, Räderwerk, Segelwerk, Seilwerk, Tauwerk</p></blockquote>
<p>Beispiele von nicht ganz so konkreten Dingen:</p>
<blockquote><p>Gesetzeswerk, Reformwerk, Vertragswerk, Regelwerk</p></blockquote>
<p>Wörter auf <em>–werk</em> Bezeichnen auch Produkte bestimmter Tätigkeiten:</p>
<blockquote><p>Backwerk, Bauwerk, Druckwerk, Knüpfwerk, Schnitzwerk</p></blockquote>
<p>Wozu sie dienen:</p>
<blockquote><p>Naschwerk, Schleckwerk, Räucherwerk</p></blockquote>
<p>Woraus sie bestehen:</p>
<blockquote><p>Maschenwerk, Netzwerk, Zuckerwerk</p></blockquote>
<p>Weiter gibt es die Gruppe der Vorrichtungen und Maschinen, die etwas Bestimmtes tun:</p>
<blockquote><p>Laufwerk, Triebwerk, Schöpfwerk, Förderwerk, Hebewerk, Heizwerk, Leitwerk, Mahlwerk, Rührwerk, Schaltwerk, Schlagwerk, Zählwerk</p></blockquote>
<p>Diese Gruppe geht über in die Gruppe der Wörter, die ganze Betriebe bezeichnen, in denen etwas getan wird:</p>
<blockquote><p>Emaillierwerk, Kopierwerk, Lieferwerk, Presswerk, Pumpwerk, Sägewerk, Schmelzwerk, Stauwerk, Walzwerk</p></blockquote>
<p>Ganz allgemein bezeichnet <em>Werk</em> auch einen Betrieb, eine Fabrik.</p>
<p>- Betrieb nach Erzeugnis:</p>
<blockquote><p>Betonwerk, Chemiewerk, Elektrizitätswerk, Gaswerk, Kraftwerk, Stahlwerk, Zementwerk (im weiteren Sinne auch: Hilfswerk)</p></blockquote>
<p>- Betrieb nach Bereich:</p>
<blockquote><p>Bergwerk, Hüttenwerk, Industrierwerk</p></blockquote>
<p>- Ganz allgemein Betrieb:</p>
<blockquote><p>Audiwerke, Volkswagenwerke, Siemenswerke, Stadtwerke, Zweigwerk</p></blockquote>
<p>Die nächste große Gruppe umfasst ganz andere Bezeichnungen, nämlich die Resultate kreativen Tuns:</p>
<blockquote><p>Bach-Werk, Bühnenwerk, Erstlingswerk, Frühwerk, Geschichtswerk, Hauptwerk, Jahrhundertwerk, Kunstwerk, Lebenswerk, Lehrwerk, Musikwerk, Nachschlag(e)werk, Prosawerk, Sprachwerk</p></blockquote>
<p>Andere Wörter auf <em>–werk</em> bezeichnen die Tätigkeit selbst (und deren Resultat) unter verschiedenen Gesichtspunken:</p>
<blockquote><p>Handwerk, Maßwerk<br />
Einigungswerk, Pionierwerk, Zerstörungswerk<br />
Friedenswerk, Liebeswerk<br />
Menschenwerk, Teufelswerk<br />
Blendwerk, Gaukelwerk<br />
Machwerk, Flickwerk</p></blockquote>
<p>Eine letzte Restgruppe konnte ich nirgendwo richtig einteilen:</p>
<blockquote><p>Fuhrwerk, Grottenwerk, Schuhwerk, Stockwerk, Mundwerk</p></blockquote>
<p>Ganz für sich allein darf heute dieses schöne Wort stehen:</p>
<blockquote><p>Feuerwerk</p>
<p><img class="alignnone size-medium wp-image-6975" title="Feuerwerk" src="http://canoo.net/blog/wp-content/uploads/2011/12/silvester-feuerwerk-kinder-g-300x134.jpg" alt="" width="300" height="134" /></p></blockquote>
<p>Ich wünsche Ihnen einen guten Start ins neue Jahr! Falls Sie es mit Feuerwerk begrüßen, seien Sie bitte vorsichtig. Wenn man nicht gut aufpasst, kann das erste im Wort genannte Element gefährlich sein.</p>
<p>Dr. Bopp</p>
<p>&#8212;</p>
<p>PS: Bevor Sie sich nun vielleicht kopfschüttelnd ans Nachschlagen und Neueinteilen machen, beachten Sie bitte das Folgende: Diese Übersicht ist weder vollständig noch sehr genau – und auch nicht die einzig mögliche.</p>
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		<title>Zwei Köpfe Kopfsalat</title>
		<link>http://canoo.net/blog/2011/11/14/zwei-koepfe-kopfsalat/</link>
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		<pubDate>Mon, 14 Nov 2011 17:34:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Bopp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Wortschatz]]></category>
		<category><![CDATA[Essen/Trinken]]></category>
		<category><![CDATA[Wortbedeutung]]></category>

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		<description><![CDATA[Frage Ist „Kopfsalat“ eigentlich eine Sortenbezeichnung oder ist „Kopf“ eine Stückangabe, so dass es getrennt geschrieben werden muss?  Zum Beispiel „zwei Kopf (oder Köpfe) Salat“? Antwort Sehr geehrter Herr R., beides ist zutreffend: Kopf wird unter anderem für Gemüse verwendet, das einen runden Körper bildet, der etwa der Größe eines Kopfes entspricht. Dieses Wort Kopf [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Frage</strong></p>
<p>Ist „Kopfsalat“ eigentlich eine Sortenbezeichnung oder ist „Kopf“ eine Stückangabe, so dass es getrennt geschrieben werden muss?  Zum Beispiel „zwei Kopf (oder Köpfe) Salat“?</p>
<p><strong>Antwort</strong></p>
<p>Sehr geehrter Herr R.,</p>
<p>beides ist zutreffend:</p>
<ul>
<li><em>Kopf</em> wird unter anderem für Gemüse verwendet, das einen runden Körper bildet, der etwa der Größe eines Kopfes entspricht. Dieses Wort <em>Kopf</em> wird auch als Mengenangabe verwendet:</li>
<blockquote><p>ein Kopf Salat<br />
ein Kopf Blumenkohl<br />
zwei Köpfe Eisbergsalat (<em>selten</em> zwei Kopf &#8230;)</p></blockquote>
</ul>
<ul>
<li><em>Kopfsalat</em> ist eine bestimmte Salatsorte mit hellgrünen Blättern, die einen solchen Kopf bilden. Der wissenschaftliche Name lautet <em>Lactuca sativa var. capitata</em>. Das lateinische Adjektiv <em>capitatus, capitata</em> bedeutet hier übrigens so etwas wie <em>mit einem Kopf, einen Kopf habend</em>.</li>
<blockquote><p>ein Kopfsalat<br />
zwei Kopfsalate</p></blockquote>
</ul>
<p>Wenn Sie auf dem Markt, beim Bauern oder in einer der wenigen noch bestehenden „bemenschten“ Gemüseabteilungen eines Lebensmittelgeschäftes zwei Exemplare dieser Salatsorte kaufen möchten, können Sie also <em>zwei Kopfsalate</em> oder <em>zwei Köpfe Kopfsalat</em> verlangen.</p>
<table cellpadding="0" align="center">
<tbody>
<tr>
<td><img class="alignnone size-medium wp-image-6419" title="Kopfsalat" src="http://canoo.net/blog/wp-content/uploads/2011/11/kopfsalat-300x258.jpg" alt="" width="180" height="155" /></td>
<td style="text-align: left;"><img class="alignnone size-medium wp-image-6419" title="Kopfsalat" src="http://canoo.net/blog/wp-content/uploads/2011/11/kopfsalat-300x258.jpg" alt="" width="180" height="155" /></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p><em>Z</em><em>wei Köpfe Kopfsalat</em> habe ich noch nie gesagt, aber ich werde es mir beim nächsten Salateinkauf wohl kaum verkneifen können. Nur schon deshalb lohnt es sich, wieder einmal Kopfsalat zu essen!</p>
<p>Mit freundlichen Grüßen</p>
<p>Dr. Bopp</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Ohrwürmer</title>
		<link>http://canoo.net/blog/2011/10/16/ohrwuermer/</link>
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		<pubDate>Sun, 16 Oct 2011 10:18:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Bopp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Wortschatz]]></category>
		<category><![CDATA[Wortbedeutung]]></category>
		<category><![CDATA[Wortgeschichte]]></category>

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		<description><![CDATA[Wenn man an einem Sonntagmorgen Radio hört, ist die Gefahr einer Ohrwurmattacke groß. Bei mir ist heute die Textzeile „Weine nicht, wenn der Regen fällt / dam, dam, dam, dam / Es gibt einen, der zu dir hält / dam, dam, dam, dam“ mit der dazugehörendem Melodie aus Drafi Deutschers Evergreen „Marmorstein Marmor, Stein und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn man an einem Sonntagmorgen Radio hört, ist die Gefahr einer Ohrwurmattacke groß. Bei mir ist heute die Textzeile „Weine nicht, wenn der Regen fällt / dam, dam, dam, dam / Es gibt einen, der zu dir hält / dam, dam, dam, dam“ mit der dazugehörendem Melodie aus Drafi Deutschers Evergreen „<strike>Marmorstein</strike> Marmor, Stein und Eisen bricht“ in der Endlosschlaufe hängen geblieben. Ohrwürmer sind Melodien, die sich einem so einprägen, dass man sie stunden- und in hartnäckigen Fällen tagelang nicht mehr loswird. Das Bild ist relativ einfach: Wie ein Wurm bohrt sich eine Melodie ins Ohr und lässt einen dann nicht mehr in Ruhe.</p>
<p>Es gibt noch andere Ohrwürmer: die krabbelnden Tierchen mit dem schönen wissenschaftlichen Namen <em>Dermaptera</em>. Ihr deutscher Name ist eigentlich ein Doppelfehler. Es sind keine Würmer, sondern Insekten, und sie interessieren sich nicht sonderlich für Ohren. Man glaubte früher, dass Ohrwürmer in die Ohren Schlafender kriechen und sich mit ihren Zangen einen Weg durchs Trommelfeld zum Hirn bahnen, um dort Blut zu saugen oder – eine noch unangenehmere Vorstellung – ihre Eier abzulegen. Da sich Ohrwürmer wie andere kleinere Tierchen gerne in Ritzen und Spalten verstecken, ist es im Laufe der Menschheitsgeschichte sicher mehr als einmal vorgekommen, dass sich ein Ohrwurm in ein Ohr verirrt hat, aber sehr weit kann ein solches Tierchen mit seinen schwachen Zangen dort nicht vordringen.</p>
<p>Ohrwürmer wurden lange Zeit auch als Mittel gegen Taubheit verwendet. Eines dieser Rezepte schrieb vor, zu diesem Zweck in Hasenurin aufgelöste pulversierte Ohrwürmer zu sich zu nehmen &#8230;</p>
<p>Solche Überlieferungen waren nicht nur unter den Deutschsprachigen verbreitet. Auf Englischen heißt der Ohrwurm <em>earwig</em> (<em>Ohr</em> + ein altes Wort für <em>Insekt</em>), auf Französisch <em>perce-oreille</em> (<em>Ohrenbohrer</em>), auf Niederländisch <em>oorworm</em> oder <em>oorwurm</em> (&#8230;) und der wissenschaftliche Name des Gemeinen Ohrwurms lautet <em>Forficula auricularia</em> (<em>Ohrenzänglein).</em></p>
<p>Inzwischen bin ich den musikalischen Ohrwurm leider noch nicht losgeworden: „Nimm den goldenen Ring von mir / dam, dam, dam, dam / Bist du traurig, dann sagt er dir / dam, dam, dam, dam &#8230;“ Falls ich sie nun angesteckt habe, tut mir das sehr leid. Und für alle, die diesen Ohrwurm noch nicht kennen, gibt es <a href=" http://www.youtube.com/watch?v=8twYCFACPjY">Youtube</a>.</p>
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		<title>Wenn ab morgen alle auf korrekte Adressangaben achten</title>
		<link>http://canoo.net/blog/2011/09/12/ab-morgen/</link>
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		<pubDate>Mon, 12 Sep 2011 14:32:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Bopp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Grammatik]]></category>
		<category><![CDATA[Über Canoonet]]></category>
		<category><![CDATA[canoonet]]></category>
		<category><![CDATA[Deklination]]></category>
		<category><![CDATA[Wortbedeutung]]></category>

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		<description><![CDATA[Frau G. hat für ihre Frage das Kontaktformular verwendet. Dabei hat sie sich bei der Angabe ihrer E-Mail-Adresse wohl vertippt. Ich habe nämlich die Antwort postwendend zurückerhalten: user unknown, d.h. Empfänger(in) unbekannt. Ich möchte alle Fragesteller und Kommentatorinnen wieder einmal bitten, auf die Angabe einer korrekten Antwortadresse zu achten, wenn sie das Kontaktformular verwenden. Wenn [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Frau G. hat für ihre Frage das <a href="http://canoo.net/blog/feedback">Kontaktformular</a> verwendet. Dabei hat sie sich bei der Angabe ihrer E-Mail-Adresse wohl vertippt. Ich habe nämlich die Antwort postwendend zurückerhalten: <em>user unknown</em>, d.h. Empfänger(in) unbekannt.</p>
<p>Ich möchte alle Fragesteller und Kommentatorinnen wieder einmal bitten, auf die Angabe einer korrekten Antwortadresse zu achten, wenn sie das <a href="http://canoo.net/blog/feedback">Kontaktformular</a> verwenden. Wenn alle dies <em>ab morgen</em> tun, schicke ich nie mehr vergeblich Antworten ins Netz. Noch besser wäre natürlich <em>ab heute</em>.</p>
<p>Und hier dann die Antwort auf Frau G.s Frage:</p>
<p><strong>Frage</strong></p>
<p>Was bedeutet : „ab morgen“? Ist damit der morgige Tag gemeint oder erst der darauf folgende, also übermorgen?</p>
<p><strong>Antwort</strong></p>
<p>Sehr geehrte Frau G.,</p>
<p><em>ab morgen </em>bedeutet <em>von morgen an</em>. Ein paar (hoffentlich) erläuternde Beispiele:</p>
<blockquote><p>Wenn am 12. September gesagt wird, dass ein Pass<em> ab morgen</em> gültig ist, können Sie den Pass vom 13. September an benutzen. Der Pass ist am 13. bereits gültig.</p></blockquote>
<blockquote><p>Wenn der Zutritt <em>ab nächstem Mittwoch</em> nicht mehr möglich ist, bleiben die Türen bereits vom nächsten Mittwochmorgen an und nicht erst am nächsten Donnerstag verschlossen.</p></blockquote>
<blockquote><p>Wenn die Preise <em>ab nächstem Monat</em> erhöht werden, kann man nur noch bis zum Letzten des laufenden Monats günstiger „zuschlagen“. Am Ersten des folgenden Monats (und danach) ist es dann teurer.</p></blockquote>
<blockquote><p>Wenn ein Film für Jugendliche <em>ab 16 Jahren</em> freigegeben ist, dürfen Sechzehnjährige sich den Film anschauen, ohne sich älter machen zu müssen, als sie sind.</p></blockquote>
<p>Etwas gar theoretisch ausgedrückt: Bei Zeitangaben mit <em>ab</em> ist die nach <em>ab</em> genannte Zeiteinheit inbegriffen. Bei <em>ab morgen </em>wird der morgige Tag also mitgezählt.</p>
<p>Mit freundlichen Grüßen</p>
<p>Dr. Bopp</p>
<p>PS: Bei Zeitangaben ohne Artikelwort kann nach <em>ab</em> der Dativ oder der Akkusativ stehen (vgl. <a href="http://www.canoo.net/services/OnlineGrammar/Wort/Praeposition/Kasus/Dativ.html#Anchor-ab-28250">hier</a>):</p>
<blockquote><p>ab nächstem Mittwoch <em>oder</em> ab nächsten Mittwoch<br />
ab nächstem Monat <em>oder</em> ab nächsten Monat<br />
Jugendliche ab 16 Jahren <em>oder</em> Jugendliche ab 16 Jahre</p></blockquote>
<p>PS: Eine ähnliche Frage wird hier behandelt: <a href="http://canoo.net/blog/2009/05/07/bis-oder-bis-einschlieslich/">Bis oder bis einschließlich</a>.</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Von Brücken, Tunneln, Unter- und Überführungen</title>
		<link>http://canoo.net/blog/2011/08/14/von-bruecken-und-tunneln/</link>
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		<pubDate>Sun, 14 Aug 2011 07:28:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Bopp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Wortschatz]]></category>
		<category><![CDATA[Wortbedeutung]]></category>

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		<description><![CDATA[Frage Für die Kreuzung nicht niveaugleicher Verkehrswege oder von Verkehrswegen mit Hindernissen (Täler, Berge) finden sich in der deutschen Sprache die Begriffe Brücke, Tunnel, Unterführung, Überführung und vielleicht weitere. Was ist nun was? Eine Brücke führt über etwas hinweg, ein Tunnel unter oder durch etwas hindurch. Aber wird eine Brücke zum Tunnel, wenn man unter [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Frage</strong></p>
<p>Für die Kreuzung nicht niveaugleicher Verkehrswege oder von Verkehrswegen mit Hindernissen (Täler, Berge) finden sich in der deutschen Sprache die Begriffe <em>Brücke, Tunnel, Unterführung, Überführung </em>und vielleicht weitere.</p>
<p>Was ist nun was?</p>
<p>Eine Brücke führt über etwas hinweg, ein Tunnel unter oder durch etwas hindurch. Aber wird eine Brücke zum Tunnel, wenn man unter ihr hindurch geht? Und was ist eine Unterführung/Überführung?</p>
<p><strong>Antwort</strong></p>
<p>Sehr geehrter Herr F.,</p>
<p>verschiedene Wörter haben sehr oft nicht genau voneinander abgegrenzte Bedeutungen. Dies ist auch hier der Fall.</p>
<ul>
<li>Eine Brücke führt einen Verkehrsweg über Wasser, eine Tiefe, einen anderen Verkehrsweg u. Ä. hinweg.</li>
<li>Ein Tunnel ist ein langer, unterirdisch angelegter Verkehrsweg oder Gang.</li>
</ul>
<ul>
<li>Eine Überführung führt einen Verkehrsweg über einen anderen Verkehrsweg hinweg.</li>
<li>Eine Unterführung führt einen Verkehrsweg unter einem anderen Verkehrsweg hindurch.</li>
</ul>
<p>Daraus kann man schließen:</p>
<ul>
<li>Eine Überführung ist in der Regel eine Brücke, aber längst nicht jede Brücke ist eine Überführung.</li>
<li>Eine Unterführung kann ein Tunnel sein. Nicht jede Unterführung ist ein Tunnel und längst nicht jeder Tunnel ist eine Unterführung.</li>
</ul>
<p>Und zum Beispiel auch:</p>
<ul>
<li>Der Weg unter einer Brücke hindurch ist kein Tunnel. Dafür ist der Durchgang in der Regel einfach nicht lang, schmal und unterirdisch genug.</li>
</ul>
<p>Die Begriffe <em>Brücke</em>, <em>Tunnel</em>, <em>Unterführung</em> und <em>Überführung</em> bezeichnen also unterschiedliche Konzepte, die sich teilweise überschneiden.</p>
<p>Das Interessante daran finde ich, dass man diese Wörter im Alltagsleben problemlos benutzt. Erst wenn man genaue, deutlich gegeneinander abgegrenzte Definitionen geben möchte, kommt man ein bisschen ins Schleudern. Die obenstehenden Definitionen decken nämlich längst nicht alle Fälle ab: Eine Autobahnbrücke, die in 136 Meter Höhe das Moseltal überspannt, ist keine echte Überführung, auch wenn sie über zwei Straßen, eine Eisenbahnlinie und einen als Verkehrsweg genutzten Fluss führt. Genauso wenig werden die beiden Straßen und die Eisenbahnlinie, die durch das Moseltal führen, an dieser Stelle Unterführungen genannt. Warum nicht? Eine andere zu klärende Frage ist zum Beispiel: Wie lange (und schmal?) muss eine Fußgängerunterführung sein, damit man sie einen Fußgängertunnel nennt? Oder muss sie einfach unterirdisch sein?</p>
<p>Die Definitionen müssten also verfeinert werden, damit sie auch diese und weitere Fälle abdecken. Für den normalen Sprachgebrauch ist das aber gar nicht notwendig. Wir sind, auch ohne <em>bewusst</em> eine genaue Definition zu kennen, in der Lage, die Wörter <em>Brücke</em>, <em>Tunnel</em>, <em>Überführung</em> und <em>Unterführung</em> richtig zu benutzen. Selbst die Tatsache, dass es zum Beispiel Brücken gibt, die einige eine Überführung nennen und andere nicht, führt in der Regel zu keinen größeren Verständigungsschwierigkeiten. Das ist, wenn man darüber nachdenkt, eines der Wunder der Sprache.</p>
<p>Mit freundlichen Grüßen</p>
<p>Dr. Bopp</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Wie viel ist ein Riese wert?</title>
		<link>http://canoo.net/blog/2011/07/24/wie-viel-ist-ein-riese-wert/</link>
		<comments>http://canoo.net/blog/2011/07/24/wie-viel-ist-ein-riese-wert/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 24 Jul 2011 15:45:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Bopp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Wortschatz]]></category>
		<category><![CDATA[Wortbedeutung]]></category>

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		<description><![CDATA[Frage Bisher kannte ich das Wort „Riese“ nur in der Bedeutung „1 000 Euro“. Doch der Duden definiert es als die „höchste Banknote (einer bestimmten Währung)“. Ebenso übersetzt das italienisch-deutsche PONS-Wörterbuch das Wort „testone“ ungefähr mit „Riese“ und schreibt dies in Klammern mit „500 Euro“ um. Meine Frage ist: Wie kommt es zu der Bedeutung „1 000 [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Frage</strong></p>
<p>Bisher kannte ich das Wort „Riese“ nur in der Bedeutung „1 000 Euro“. Doch der Duden definiert es als die „höchste Banknote (einer bestimmten Währung)“. Ebenso übersetzt das italienisch-deutsche PONS-Wörterbuch das Wort „testone“ ungefähr mit „Riese“ und schreibt dies in Klammern mit „500 Euro“ um.</p>
<p>Meine Frage ist: Wie kommt es zu der Bedeutung „1 000 Euro“? Weil 1 000 einfach eine riesige Zahl ist oder weil die frühere Bedeutung „1 000 Deutsche Mark“ falsch in die heutige übertragen wurde?</p>
<p><strong>Antwort</strong></p>
<p>Sehr geehrter Herr P.,</p>
<p>hier zeigt sich, wie ungenaue Wörterbuchdefinitionen zu einer „Regel“ mutieren können, die nicht stimmt. <em>Riese</em> <strong>war</strong> die Bezeichnung für die höchste Banknote (1 000 DM). Heute meint man – wie auch Sie sagen – mit einem Riesen 1 000 Euro, auch wenn der 500-Euro-Schein die höchste Eurobanknote ist.</p>
<p>In den deutschsprachigen Versionen amerikanischer und englischer Bücher und Filme wurde und wird das Slangwort <em>grand</em> (= 1 000 Dollar resp. 1 000 Pfund) mit <em>Riese</em> übersetzt. Wenn die Kidnapper im Original ein Lösegeld von <em>fifty grand</em> verlangen, fordern die Entführer in der Übersetzung oft <em>fünfzig Riesen </em>für die Freilassung der Geisel. Die höchste jemals gedruckte Dollarbanknote war aber 100 000 Dollar [!] wert und seit 1946 ist der 100-Dollar-Schein die höchste neu gedruckte Dollarnote. Beim britischen Pfund ist die 50-Pfund-Note seit dem Zweiten Weltkrieg die höchste Banknote.</p>
<p>Ein <em>Riese</em> bezeichnet also nicht die höchste Banknote einer bestimmten Währung, sondern 1 000 Einheiten gewisser Währungen. Die Dudendefinition, die Sie zitieren, ist in diesem Sinne nicht (mehr) korrekt. „Falsch“ ist also nicht die Verwendung von Riese für 1 000 Euro, sondern die Wörterbuchdefinition. Manchmal schießen Wörterbuchartikel beim Spagat zwischen einer möglichst prägnanten und einer möglichst umfassenden Beschreibung daneben.</p>
<p>Beim italienischen Wort <em>testone</em> gilt, dass mit <em>un testone</em> früher eine Million Lire gemeint war. Das entspricht ungefähr 500 Euro. Soweit ich verstanden habe, herrscht in Italien (noch) keine Einigkeit darüber, ob ein <em>testone</em> nun einer Million Euro, tausend Euro oder fünfhundert Euro (d. h, dem Gegenwert von einer Million Lire) entsprechen soll. Mit der Verwendung des deutschen Wortes <em>Riese</em> hat dies also nur wenig zu tun.</p>
<p>Die Bezeichnung <em>Riese</em> für 1 000 Euro lässt sich sowohl auf den „riesigen“ Betrag als auch auf die frühere Bedeutung 1 000 Mark zurückführen. Wer drei Riesen verdiente, erhielt am Ende des Monats 3 000 Mark. Wer heute drei Riesen verdient, darf ein Salär von 3 000 Euro erwarten – nicht etwa nur 1 500 Euro.</p>
<p>Größere Verständigungsschwierigkeiten sind in keinem Fall  zu erwarten. Bei Lohngesprächen und anderen seriöseren Verhandlungen, in denen es um größere Geldbeträge geht, bedient man sich wohl kaum je des umgangssprachlichen Ausdrucks <em>Riese</em>. Man sagt und schreibt in solchen Situationen <em>tausend Euro</em>, wenn man tausend Euro meint. In den Milieus, in denen man auch bei wichtigen Geschäften mit Riesen rechnet, weiß man auch ganz ohne Duden und Dr. Bopp sehr gut, was gemeint ist.</p>
<p>Mit freundlichen Grüßen</p>
<p>Dr. Bopp</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Wem gehört das Brautgeschenk?</title>
		<link>http://canoo.net/blog/2011/06/03/wem-gehoert-das-brautgeschenk/</link>
		<comments>http://canoo.net/blog/2011/06/03/wem-gehoert-das-brautgeschenk/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 03 Jun 2011 16:20:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Bopp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Wortschatz]]></category>
		<category><![CDATA[Wortbedeutung]]></category>

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		<description><![CDATA[Frage Ist ein Brautgeschenk - das Geschenk des Bräutigams für die Braut, - das Geschenk der Braut für den Bräutigam, - das Geschenk von XY für die Braut oder hat dieses Wort gar mehrere Bedeutungen? Antwort Sehr geehrte Frau U., ein Brautgeschenk ist eigentlich das Geschenk des Bräutigams für die Braut (mit dem Ziel, ihre [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Frage</strong></p>
<p>Ist ein Brautgeschenk<br />
- das Geschenk des Bräutigams für die Braut,<br />
- das Geschenk der Braut für den Bräutigam,<br />
- das Geschenk von XY für die Braut<br />
oder hat dieses Wort gar mehrere Bedeutungen?</p>
<p><strong>Antwort</strong></p>
<p>Sehr geehrte Frau U.,</p>
<p>ein Brautgeschenk ist eigentlich das Geschenk des Bräutigams für die Braut (mit dem Ziel, ihre Liebe zu gewinnen!). So wird das Wort auch in der Tierwelt unter anderem bei balzenden Vögeln verwendet: Das Männchen bringt Kerne, Zweiglein, Mücken, einen Fisch oder je nach der echten oder vermeintlichen Vorliebe seiner Angebeteten etwas ganz anderes als Brautgeschenk für das Weibchen mit. Auch im übertragenen Sinne wird Brautgeschenk manchmal in dieser Weise verwendet: „Als Brautgeschenk versprach die Baugesellschaft dem Dorf eine neue Schule.“ Man muss dabei an ein kleines, armes Dorf, eine mächtige, reiche Baugesellschaft und ein großes, lukratives Bauvorhaben denken &#8230;</p>
<p>Mit <em>Brautgeschenk</em> ist aber manchmal auch allgemein ein Geschenk von irgendjemandem für die Braut oder sogar ein Geschenk für das Brautpaar gemeint. Diese Verwendung des Wortes entspricht zwar nicht der „eigentlichen“ Bedeutung, ist aber nach der Wortstruktur begreiflich. Wenn <em>Braut</em> und <em>Geschenk</em> in einer Zusammensetzung vorkommen, heißt das nur, dass die Zusammensetzung:</p>
<p>-	aller Wahrscheinlichkeit nach ein Geschenk ist und<br />
-	etwas mit einer Braut zu tun hat.</p>
<p>Welcher Zusammenhang genau besteht, bestimmt nur der Gebrauch, nicht die Struktur des Wortes. Deshalb kommen neben der eigentlichen Bedeutung dieser Zusammensetzung noch andere Verwendungen vor. Wenn Sie eine Braut sind, können Sie aber beruhigt sein: Die Bedeutung <em>Geschenk der Braut für den Bräutigam</em> habe ich nirgendwo gefunden. Ob ein Braugeschenk nun vom Bräutigam kommt, von jemand anderem oder sogar für das Brautpaar bestimmt ist, mindestens die Hälfte gehört immer Ihnen!</p>
<p>Mit freundlichen Grüßen</p>
<p>Dr. Bopp</p>
]]></content:encoded>
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