Reben anbauen und Rebberge bebauen

Frage

Heißt es einen Rebberg bebauen oder anbauen (gemeint ist: auf einem alten Rebberg wieder neue Reben setzen)?

Antwort

Sehr geehrte Frau K.,

Ihre Frage hat mit einem dieser kleinen Unterschiede in der Sprache zu tun, die man nicht immer auf Anhieb erklären kann. Ich musste zuerst einmal gründlich nachdenken, bevor ich Ihnen antworten konnte.

Beginnen wir mit dem Unterschied zwischen anbauen und bebauen im Zusammenhang mit Pflanzen: Man bebaut das Land und man baut Pflanzen an. Die gleiche Unterscheidung gilt übrigens auf für bepflanzen und anpflanzen: Bei bepflanzen ist das Objekt der Handlung das Gelände, das mit Pflanzen versehen wird. Bei anpflanzen ist das Objekt die Pflanze, die an einer bestimmten Stelle gepflanzt wird.

Auf Ihr Beispiel bezogen heißt es also:

einen Rebberg [mit Reben] bebauen
Reben [auf einem Rebberg] anbauen

Das beantwortet Ihre Frage noch nicht ganz, denn keine der beiden Formulierungen will so recht zu dem passen, was Sie eigentlich meinen. Es fehlen noch wieder und neu:

einen alten Rebberg wieder bebauen
auf einem ehemaligen Rebberg wieder neue Reben anbauen

Das klingt schon besser. Aber vielleicht könnten Sie auch einfach sagen, dass ein ehemaliger Rebberg wieder neu angelegt werden soll. Das trifft die Sache auch ziemlich genau.

Da ich einem guten Glas Wein nicht abgeneigt bin, finde ich die Wahl zwischen anbauen, bebauen und anlegen letztlich viel weniger wichtig als die Wahl der richtigen Reben für Boden, Lage und Klima. Doch darüber wissen Önologen natürlich viel besser Bescheid als ein „Sprachdoktor“, der sich heute Abend sehr wahrscheinlich ein Gläschen Rebensaft gönnen wird. Ich hoffe aber, dass ich Ihnen wenigstens bei Ihrer Sprachfrage weiterhelfen konnte.

Mir freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Offenes Kaminfeuer und Feuer im offenen Kamin

Frage

Ist der Begriff „offenes Kaminfeuer“ korrekt? Im Grunde ist es doch ein Feuer in einem offenen Kamin. Gibt es ein offenes Feuer?

Antwort

Sehr geehrter Herr K.,

gegen die Formulierung offenes Kaminfeuer ist nichts einzuwenden. Ein offenes Feuer ist ein Feuer, das nicht von allen Seiten umschlossen, nicht verdeckt und in diesem Sinne frei zugänglich ist. Man kann ein weiteres Holzscheit, kompromittierenden Unterlagen, Fotos untreuer Exgeliebter, die Wurst, die man nicht mag, oder was immer man sonst verbrennen möchte, einfach in die Flammen werfen. Bei kleinen Kindern und offenem Feuer sollte man vorsichtig sein, damit sie weder sich selbst noch Teile der Einrichtung, von denen man sich noch nicht trennen möchte, ein Opfer der Flammen werden lassen. Umgekehrt können bei einem offenen Feuer Funken unkontrolliert die Feuerstelle verlassen. Unter anderem deshalb ist in trockenen Sommern offenes Feuer im Wald nicht gestattet, und auch bei Tankstellen sollte man Rauchen und offenes Feuer vermeiden.

Es gibt übrigens auch offenes Licht:

Die Bedeutung dieses Schildes wird im Allgemeinen wie folgt umschrieben: „Feuer, offenes Licht und Rauchen verboten“. Damit ist Licht von Kerzen, Petroleum, Benzin, Karbid usw. gemeint. Ausgenommen sind luftdicht verschlossene Brennelemente wie Glüh- oder Bergwerkslampen.

Offen bedeutet nicht nur nicht geschlossen (Türen, Geschäfte, Hemdkragen, Kamine usw.) sondern auch unverdeckt, frei zugänglich (z. B. Gelände, Wunden, Licht, Feuer). Wenn an kalten Winterabenden je nach romantischer Veranlagung und Geldbeutel in einer bescheidenen Skihütte oder einem großen Landhaus ein Feuer im Kamin angezündet wird, kann man dieses also ein Feuer in einem offenen Kamin, ein offenes Feuer in einem Kamin oder eben ein offenes Kaminfeuer nennen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Nicht alles was liegt, ist gelegt worden

Frage

Wir rätseln gerade, was genau eigentlich der Unterschied zwischen „werfen“ und „legen“ ist. Ich gehe davon aus, dass bei einem Wurf das geworfene Objekt beide Hände verlässt, beim Legen jedoch nicht. Mein Freund dagegen meint, man könne ein Objekt auch durch einen Wurf hinlegen, es käme also nur auf den Zustand an, den das Objekt am Schluss hat.

Anwort

Guten Tag S.,

wenn man etwas legt, bringt man es an eine bestimmten Stelle und hinterlässt es dort in liegender Lage. Dabei ist man mit dem Gelegten in Kontakt, bis es sich an dieser Stelle befindet. Wenn man ein Buch auf den Tisch legt, lässt man es erst los, wenn es dort liegt. Die letzte „Bedingung“ ist bei werfen nicht erfüllt. Wenn ein schmollender Sohn oder eine trotzige Tochter auf die Bitte, ein Buch auf den Tisch zu legen, dieses auf den Tisch wirft, liegt es danach zwar auf dem Tisch, aber ein elterlicher Kommentar könnte dann zu Recht lauten: „Ich habe ‚legen‘ gesagt, nicht ,werfen‘!“ Ob der Kommentar dem Hausfrieden zuträglich wäre, wage ich zu bezweifeln, doch was die Wortbedeutung betrifft, wäre er zutreffend. Legen und Werfen können zum gleichen Resultat führen (etwas liegt), aber man kann etwas nicht legen, indem man es wirft.

Wenn man etwas wirft, schleudert man es mit einer Hand- und Armbewegung mehr oder weniger kräftig irgendwohin. Das Loslassen des Geworfenen unterscheidet dabei, wie gesagt, das Werfen vom Legen. Aber nicht nur das: Über die Lage des Geworfenen am Ende der Bewegung sagt das Verb werfen im Gegensatz zu legen nichts aus. Wenn man ein Buch auf den Tisch wirft, fliegt es durch die Luft und landet auf dem Tisch. Nur das Wissen über Bücher und Tische lässt einen dann annehmen, dass es danach wahrscheinlich auf dem Tisch liegt und nicht steht. Durch Zufall oder eine hervorragende Wurftechnik könnte ein dickeres Buch danach auch auf dem Tisch stehen.

Was man legt, liegt danach. Doch nicht alles, was liegt, ist gelegt worden. Es kann zum Beispiel auch gefallen sein, auf den Boden gesunken sein, herbeigeschwebt sein, geworfen worden sein oder sich ganz einfach materialisiert haben – Letzteres allerdings meist nur in Kontexten wie Star Trek oder Harry Potter.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Professionals, Fachleute und Professionelle

Frage

In erziehungswissenschaftlichen Debatten, egal ob schriftlich in Veröffentlichungen oder mündlich in Vorträgen, hat sich der Begriff „Professionelle“ etabliert, um die Arbeit und die Entwicklung von ausgebildeten Pädagogen zu beschreiben. Niemand scheint an die eigentliche Bedeutung dieses Begriffs, einer Prostituierten, erinnert zu werden, so mein Eindruck.

Nun suche ich schon lange ein Wort, dass den „professional“ im Deutschen bezeichnet und nicht so doppeldeutig wie „Professionelle“ ist.

Antwort

Sehr geehrte Frau T.,

wenn Sie Professionelle und den Anglizismus Professional vermeiden möchten, wäre das Wort Fachleute (m. Fachmann, w. Fachfrau) ein guter Ersatzkandidat. Auch das vor allem in der Schweiz verwendete Wort Berufsleute könnte man verwenden. Ich befürchte aber, dass man Ihnen entgegenhalten wird, dass Fachleute nicht das Gleiche ausdrücke wie Professionelle. Ob dies zu Recht oder zu Unrecht behauptet wird, sei hier dahingestellt. Da sich der Begriff Professionelle, wie Sie sagen, bereits etabliert hat, ist es wahrscheinlich am besten, ihn als gegeben zu akzeptieren. Es ist nämlich sehr schwierig, Begriffe wieder zu ändern, wenn sie einmal eingebürgert sind.

Die Bedeutung Prostituierte hat Professionelle nur in bestimmten Zusammenhängen, so dass es in der Regel zu keinerlei Verwechslungen kommen dürfte. Eventuellen „Witzen“ auf pubertärem Niveau sollte in einem professionellen Umfeld ein sehr kurzes Leben beschieden sein. Sie sind im Übrigen auch bei zum Beispiel Fachfrau nicht völlig auszuschließen. Mich persönlich würde diese Nebenbedeutung nicht stören. So nenne ich zum Beispiel die Einwohnerinnen und Einwohner der französischen Hauptstadt ohne zu zögern Pariserinnen und Pariser und auch bei Adressen wie Pariser Platz und Pariser Straße denke ich nicht gleich an ein Kondom. Je etablierter ein Begriff ist, desto weniger wichtig sind irgendwelche Nebenbedeutungen.

Wenn Sie sich dennoch nicht an den Begriff Professionelle gewöhnen können oder möchten, könnten Sie, wie gesagt, Fachleute oder vielleicht doch das englische Professionals verwenden.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Wenn Sockenpuppen Trolle füttern

Ihre Fragen zu Sprache und Rechtschreibung beantworte ich über das Internet und ich schreibe an dieser Stelle regelmäßig Blogberichte. Ich bin also kein absoluter digitaler Analphabet. Dass ich aber nicht gerade an der vordersten Front der digitalen Avantgarde mitmarschiere, zeigt sich wieder einmal daran, dass ich in der vergangenen Woche freudig etwas Neues entdeckt habe, was anderen schon seit langem bekannt ist. Ich kann es deshalb nicht als sprachliche Neuentdeckung, sondern nur als Beispiel für die Entstehung neuer Wortbedeutungen präsentieren.

Im Zusammenhang mit unflätigen und aggressiven Beiträgen eines wenig diskussionsbereiten Teilnehmers in einem Internetforum, in das ich hin und wieder hineinsehe, stieß ich auf den Vorwurf, der genannte Störenfried sei ein Troll. Ich habe ziemlich gut verstanden, was damit gemeint ist, auch wenn ich Trolle bis dahin nur als bösartige, gewalttätige und Schaden verursachende Wesen aus der nordischen Mythologie und aus Tolkiens Ring-Trilogie gekannt hatte. Entscheidend für die Übertragung von der Mythologie (oder Tolkien) auf die Kommunikation im Internet sind natürlich die Eigenschaften bösartig und schädigend. Ein Troll ist – wie viele von Ihnen wahrscheinlich schon wissen – jemand der in Diskussionen oder Foren mit seinen Beiträgen provoziert und stört, und zwar um des Provozierens und Störens willen.

Das Wort Troll ist ein schönes Beispiel dafür, wie in der Sprache Bezeichnungen für neue Erscheinungen entstehen können. Es werden fast nie völlig neue Wörter erfunden. In diesem Fall verwendet man ein bestehendes Wort in bildlichem, übertragenem Sinne. Verbindendes Element sind typische Eigenschaften, die der ursprüngliche Begriff und der mit dem gleichen Wort neu benannte Begriff gemeinsam haben. Hier sind das, wie gesagt, u. a. die Eigenschaften bösartig und Schaden verursachend. Eine solche übertragene Verwendung eines Wortes kann einmalig sein, sie kann aber auch in den festen Wortschatz einer Sprache übergehen (vgl. zum Beispiel die Schlange vor der Kasse, die Maus am Computer oder die Schwalbe in Akrobatik und Fußball).

Ich habe weiter erfahren, dass man Trolle nicht füttern soll. Man soll also keine Antworten oder Reaktionen auf ihre Beiträge schreiben, die ihnen die Möglichkeit bieten, weiter störend aufzutreten. Auch das Wort füttern wird hier metaphorisch, das heißt in übertragenem Sinne verwendet.

Und nun zu meiner Lieblingsmetapher in diesem Bereich: Wenn ein Troll bemerkt, dass er nicht mehr gefüttert wird, aber trotzdem weiter sein Unwesen treiben möchte, kann er einen einfachen Trick anwenden: Er greift zur Sockenpuppe. Man erstellt ein neues Benutzerprofil unter einem anderen Namen. Mit Hilfe eines solchen Zweit- oder Drittprofils kann man sich dann als Troll selbst füttern, das heißt, man schreibt die Antworten, auf die man danach wieder trollenderweise reagieren kann, einfach selbst. Das Bild, das dahintersteckt, ist der Bauchredner, der sich mit seiner aus einer Socke angefertigten Handpuppe „unterhält“.

Ein Troll, der sich mit Hilfe einer Sockenpuppe selbst füttert, ist in der digitalen Kommunikation äußerst unangenehm, sprachlich aber zeigt sich dabei sehr schön, wie alte Wörter neue Bedeutungen erhalten und wie neue Begriffe zu ihrem Namen kommen können. Mögen Ihnen in Ihrer digitalen Kommunikationswelt Trolle und Sockenpuppen erspart bleiben! Ihre Bezeichnungen klingen amüsant, sie selbst sind aber nur ärgerlich.

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Einfahren

Es gibt am heutigen Tag wohl kaum jemanden, der sich nicht über die Rettung der Bergleute in Chile unterhalten oder zumindest davon gehört hat. Schön, dass wieder einmal etwas Erfreuliches die gesamte Weltöffentlichkeit beschäftigt!

Man lernt auch immer wieder Neues dazu. So wusste ich, dass das Wort Kumpel ebenso aus dem Bergbau kommt wie die Wendung vor Ort. Ein Kumpel ist ein Bergmann; die saloppe Benennung für Freund ist davon abgeleitet. Mit vor Ort bezeichnet man die Stelle in der Grube, wo abgebaut wird. Erst im übertragenen Sinne bedeutet es an Ort und Stelle. In der Schule habe ich gelernt, dass ein Flöz eine umfangreiche Schicht abbauwürdiges Gestein ist. Ein so ungewöhnliches Wort, das in nichts einem anderen Wort ähnelt, vergisst man nicht mehr. Ich wusste auch, dass das Gegenteil von Tagebau nicht Nachtbau, sonder Untertagebau ist. Aber damit sind meine Kenntnisse der Bergbausprache schon fast erschöpft.

Was habe ich also Neues dazugelernt? Im Mittagsmagazin wurde ein älterer Kumpel interviewt, der in den Sechzigerjahren des letzten Jahrhunderts ein Grubenunglück miterlebt hatte. Er erzählte unter anderem, dass er nach der Rettung eine Woche Urlaub gehabt hatte, bevor er wieder einfahren musste und wollte. Diese Bedeutung von einfahren kannte ich nicht. Wenn ich zur Arbeit gehe, öffne ich die Tür, begrüße die Anwesenden und setzte mich an den Computer. Bergleute fahren ein. Und wenn sie wieder aus der Grube kommen, sagt man, dass sie (Sie haben es bestimmt schon erraten) ausfahren.

Ich habe das in den Wörterbüchern nachgeschlagen und bin dabei auf ganz viele andere Begriffe aus dem Bergbau gestoßen. Zu den schönsten, das heißt den am schönsten oder abenteuerlichsten klingenden Wörtern gehören: erzhöffig, güldisch, Sargdeckel, Lutte, Schüttelrutsche und Wüstung. Fragen Sie mich jetzt bitte nicht, was diese Wörter bedeuten. Ich weiß es jetzt schon nicht mehr genau. Ich bin eben ein „Schreibtischtäter“, kein „Stollengänger“.

Glückauf!

Dr. Bopp

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Was tun Sprachexperten auf der Stör?

Frage

Ich habe gerade einen Artikel mit der Überschrift „Sprachexperten auf der Stör“ gelesen. Kennen Sie diesen Ausdruck? Ist er eher regional?

Antwort

Sehr geehrte Frau W.,

den Ausdruck auf (der) Stör sein resp. auf (die) Stör gehen kenne ich. Nach den Angaben der Wörterbücher war und ist [?] er in Süddeutschland, Österreich und der Schweiz üblich. Ob man in weiter nördlich auch kennt und versteht, kann ich von hier aus leider so schnell nicht beurteilen. Ich vermute aber, dass dem eher nicht so ist. Dort denkt man bei auf der Stör wohl eher an den Fluss die Stör (ein Nebenfluss der Elbe) und wundert sich dann, was ein Sprachexperte dort außer Bötchenfahren und Angeln zu tun haben soll. Gemeint ist im Artikel aber, dass Sprachexperten direkt beim Kunden tätig sind.

Auf Stör gingen früher Handwerker, wenn Sie sie anstatt in Ihrer ihrer Werkstatt beim Kunden zu Hause arbeiteten. Das verstieß eigentlich gegen die Zunftordnung. Es war ursprünglich eine Störung der Zunftordnung. Die Stör ist also eine Ableitung von stören. Ganz sicher ist dass allerdings nicht, denn – wie könnte es anders sein – es gibt auch andere Erklärungen für die Herkunft dieses Wortes.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Wintersport und Sommerzeit

Gestern Abend fielen mir am Ende der Abendnachrichten zwei Meldungen auf. Bei den Sportmeldungen erfuhr ich, dass nach den Meisterschaften in Biathlon und Eiskunstlauf ziemlich alle Wintersportarten die Saison abgeschlossen haben werden. Dem Sport folgte unvermeidlich der Wetterbericht und dann kam die zweite Mitteilung, die mir auffiel: Dieses Wochenende fängt die Sommerzeit an.

Gehen wir einmal davon aus, dass Wintersportler ihren Sport im Winter ausüben und dass die Uhren die Sommerzeit im Sommer anzeigen. Daraus müsste man dann eigentlich schließen, dass der Winter von gestern auf heute nahtlos in den Sommer übergegangen ist. Wir wissen natürlich, dass dem in unseren Breitengraden nicht so ist, auch wenn der Frühling sich dieses Jahr schon sehr ziert, endlich ins Land zu ziehen. Bei der fast unmittelbaren Folge von Wintersport und Sommerzeit fiel mir einfach wieder einmal das Folgende auf:

Man darf Wörter nicht immer wörtlich nehmen.

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Treffpunkt und Treffzeit?

Noch ein Beitrag dazu, dass das einheitliche Benennen der Dinge in der Sprache oft zu wünschen übrig lässt:

Frage

Steht „Treffpunkt“ neben der Bezeichnung für den Ort, an dem man sich trifft, auch für den Zeitpunkt? So lese ich häufig „Treffpunkt ist um …“ und auch bei mir im Sportverein fragen wir (auch ich) öfter mal „Wann ist noch mal Treffpunkt?“

Antwort

Sehr geehrter Herr B.,

das Wort Treffpunkt bezeichnet einen Ort, an dem man sich trifft. Es ist also eigentlich nicht richtig, „Treffpunkt ist um zehn Uhr“ zu sagen. Auch wenn es ein zeitliches Wort wie Zeitpunkt gibt, ist Treffpunkt nur örtlich gemeint.

Wenn Treffpunkt für einen Zeitpunkt verwendet wird, liegt das wahrscheinlich daran, dass im Deutschen kein entsprechender, ebenso praktischer und kurzer Ausdruck üblich ist. Das Wort Treffzeit wäre hier ein guter Kandidat; so gut, dass ich mich wundere, weshalb man es nicht verwendet.

Man sagt und schreibt normalerweise einfach „Wir treffen uns um zwei Uhr“ oder „Zeit: 14.00 Uhr“. Diese Ausdrucksweisen sind anscheinend so deutlich, dass ein Begriff wie Treffzeit nicht notwendig ist. Ich finde diese Erklärung sogar einigermaßen einleuchtend. Sie hat aber einen Haken: Es stellt sich umgekehrt gleich die Frage, warum dann das Wort Treffpunkt gebräuchlich ist. Man kann ja genauso gut sagen „Wir treffen uns im Klubhaus“ oder „Ort: Klubhaus“.

Warum also verwenden wir „Treffpunkt“, aber nicht auch „Treffzeit“? Eine einfache, logische Antwort muss ich Ihnen schuldig bleiben. Wahrscheinlich gibt es gar keine. Ich sage es immer wieder: Sprache und Logik haben oft reichlich wenig miteinander zu tun. Und das ist gut so.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Das rätselhafte Wort sibyllinisch

Frage

Heute um die Mittagszeit habe ich auf DRS 2 den Ausdruck „sybillisch“ gehört. Weil ich nicht weiß, was das bedeutet, habe ich den Versuch unternommen, das via Duden, Brockhaus, Wikipedia etc. herauszubekommen – ohne Erfolg! Können Sie mir den Begriff erläutern?

Antwort

Sehr geehrter Herr Z.,

wahrscheinlich meinte der Sprecher oder die Sprecherin das Wort sibyllinisch oder sibyllenhaft. Beachten Sie die Reihenfolge von i und y innerhalb des Wortes. Das hilft beim Suchen. Weil ich das Wort eigentlich nie verwende, kann ich mir die Reihenfolge auch nicht merken. Ich kenne aber eine Sibylle, von der ich diese Eselsbrücke gelernt habe: „Sibylle mit i und y wie im Alphabet“. Das i steht ja auch im Alphabet vor dem y.

Das Adjektiv sibyllinisch oder sibyllenhaft gehört zum gehobenen oder literarischen Sprachgebrauch. Das ist wohl der Grund, weshalb das viel „gewöhnlicher“ klingende sibyllisch nicht üblich ist. Es bedeutet rätselhaft, geheimnisvoll oder auch wahrsagerisch. Es ist von Sibylle, dem antiken Namen weissagender Frauen, abgeleitet. Wenn jemand sibyllinische Worte spricht oder eine Frage sibyllenhaft beantwortet, ist die Aussage nicht direkt, sondern rätselhaft und geheimnisvoll verschlüsselt. Sibyllinische Worte versteht man nicht einfach so, sie müssen gedeutet werden.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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