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	<title>Fragen Sie Dr. Bopp! &#187; Wortbildung</title>
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	<description>Deutsche Rechtschreibung und Grammatik</description>
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		<title>Deutsch-französische Kontamination</title>
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		<pubDate>Sat, 12 May 2012 10:09:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Bopp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Wortbildung]]></category>
		<category><![CDATA[Wortschatz]]></category>

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		<description><![CDATA[Wenn ich hier von einer deutsch-französischen Kontamination rede, meine ich nicht eine zwischenstaatliche Verschmutzung, Verunreinigung oder Verseuchung irgendeiner Art. Es geht mir schon gar nicht darum, gegen Gallizismen (französische Lehnwörter) zu wettern. Gemeint ist eine bestimmte Art von Kontamination im Bereich des Wortschatzes. Man Bezeichnet mit diesem Begriff die Zusammenziehung zweier Wörter zu einem. Beispiele [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn ich hier von einer deutsch-französischen Kontamination rede, meine ich nicht eine zwischenstaatliche Verschmutzung, Verunreinigung oder Verseuchung irgendeiner Art. Es geht mir schon gar nicht darum, gegen Gallizismen (französische Lehnwörter) zu wettern. Gemeint ist eine bestimmte Art von Kontamination im Bereich des Wortschatzes. Man Bezeichnet mit diesem Begriff die Zusammenziehung zweier Wörter zu einem. Beispiele sind:</p>
<blockquote><p>jein <em>aus</em> ja <em>und</em> nein<br />
Gebäulichkeiten <em>aus</em> Gebäude <em>und</em> Baulichkeiten<br />
Eurasien <em>aus</em> Europa <em>und</em> Asien<br />
Brunch <em>aus</em> breakfast <em>und</em> lunch<br />
Denglisch <em>aus</em> Deutsch <em>und</em> Englisch<br />
Bollywood <em>aus</em> Bombay <em>und</em> Hollywood</p></blockquote>
<p>Mehr dazu <a href="http://canoo.net/blog/2008/03/15/jein/">hier</a>.</p>
<p>Wie komme ich auf dieses Thema und was ist nun mit der eingangs erwähnten deutsch-französischen Kontamination gemeint? Ein jüngeres bekanntes Beispiel einer Kontamination habe ich noch nicht genannt:</p>
<blockquote><p>Merkozy <em>aus</em> Merkel <em>und</em> Sarkozy</p></blockquote>
<p>Seit sich abzeichnete, dass Sarkozy die Präsidentschaftswahlen verlieren könnte, und noch mehr, seit sich dies bewahrheitet hat, machen sich viele Gedanken darüber, wie die deutsch-französische politische Zusammenarbeit innerhalb Europas aussehen wird. Dabei können verschiedene politische, wirtschaftliche und kulturelle Aspekte beleuchtet werden. Mir geht es um den unwichtigsten von allen: Wie werden die beiden (nicht?) zusammenarbeitenden Staatsleute Merkel und Hollande genannt werden. Es schwirren bereits Vorschläge herum:</p>
<blockquote><p>Horkel<br />
Merkande</p></blockquote>
<p>Ich bezweifle allerdings, dass sich eine dieser beiden Zusammenziehungen durchsetzen wird. Im Vergleich zu <em>Merkozy</em> sind sie weniger durchsichtig und vor allem weniger „zweisprachig“: <em>Merkozy</em> beginnt auch klanglich deutsch und endet französich. <em>Horkel</em> hingegen klingt von vorn bis hinten urdeutsch, nach altem Ackerbaugerät und Bauernmuseum. Bei Merkande wiederum denke ich eher an einen delikaten Speisefisch, der auf einem französischen Fischmarkt neben Hummern und Austern angeboten wird.</p>
<p>Die Zeit wird zeigen, ob meine Skepsis begründet war. Vielleicht schafft es ja auch eine dritte Kontamination; dann findet nächste Woche in Berlin das erste <em>Merkollande</em>-Treffen statt.</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Zum 101. Mal und die 1001. Nacht</title>
		<link>http://canoo.net/blog/2012/05/07/zum-101-mal-und-die-1001-nacht/</link>
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		<pubDate>Mon, 07 May 2012 17:08:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Bopp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Wortbildung]]></category>
		<category><![CDATA[Zahlen]]></category>

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		<description><![CDATA[Frage Sagt man hunderteinte oder hunderterste? Oder geht beides? Antwort Guten Tag B., Formen wie hunderteinte und hundertundeinte kommen zwar (regional?) vor, standardsprachlich heißt es aber hunderterste und hundertunderste. Auch bei der um zwei höheren Zahl sagt man „regelmäßig unregelmäßig“ hundert[und]dritte, und nicht hundert[und]dreite. Die Ordnungszahlen nach Hundertern und Tausendern werden also gleich gebildet wie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Frage</strong></p>
<p>Sagt man <em>hunderteinte</em> oder <em>hunderterste</em>? Oder geht beides?</p>
<p><strong>Antwort</strong></p>
<p><strong> </strong>Guten Tag B.,</p>
<p>Formen wie <em>hunderteinte</em> und <em>hundertundeinte</em> kommen zwar (regional?) vor, standardsprachlich heißt es aber <em>hunderterste</em> und <em>hundertunderste</em>. Auch bei der um zwei höheren Zahl sagt man „regelmäßig unregelmäßig“ <em>hundert[und]dritte</em>, und nicht <em>hundert[und]dreite</em>. Die Ordnungszahlen nach Hundertern und Tausendern werden also gleich gebildet wie die der einfachen Zahlen:</p>
<blockquote><p>erste, hundert[und]erste, zweihundert[und]erste, tausend[und]erste<br />
zweite, hundert[und]zweite, zweihundert[und]zweite, tausend[und]zweite<br />
dritte, hundert[und]dritte, zweihundert[und]dritte, tausend[und]dritte</p></blockquote>
<p>Siehe auch <a href="http://www.canoo.net/services/WordformationRules/Derivation/To-A/Zahlen/Ordinal.html  ">hier</a>. Sehr oft kommen diese Ordnungszahlen allerdings nicht vor. Hier dennoch ein paar Beispiele:</p>
<blockquote><p>Ich habe es dir schon hundertmal gesagt und sage es dir nun zum <em>hundertundersten</em> Mal: &#8230;!<br />
Er schoss den Anschlusstreffer in der <em>hundertersten</em> Minute.<br />
<em>Zweihunderterste</em> Durchführungsverordnung zur Luftverkehrsordnung<br />
(Es gibt sie wirklich, die <a href="http://www.gesetze-im-internet.de/luftvodv_201/BJNR513110000.html">LuftVODV 201</a>!)<br />
Was geschah am Morgen nach der <em>tausendundersten</em> Nacht?</p></blockquote>
<p>Ich muss gestehen, dass ich die Antwort auf die letzte Frage nicht kenne. Ich habe zwar in „Tausenundeiner Nacht“ gelesen, aber bis zur Geschichte, die Scheherazade dem König in der <em>tausendundersten</em> Nacht erzählt, bin ich noch nie vorgedrungen.</p>
<p>Mit freundlichen Grüßen</p>
<p>Dr. Bopp</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Gibt es „wettbar“?</title>
		<link>http://canoo.net/blog/2012/05/03/gibt-es-wettbar/</link>
		<comments>http://canoo.net/blog/2012/05/03/gibt-es-wettbar/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 03 May 2012 13:20:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Bopp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Unbekannte Wörter]]></category>
		<category><![CDATA[Wort unbekannt]]></category>
		<category><![CDATA[Wortbildung]]></category>

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		<description><![CDATA[Frage Gibt es das Wort &#8220;wettbar&#8221;? Im Duden habe ich keinen entsprechenden Eintrag gefunden. Antwort Sehr geehrte Frau O., wenn ein Wort nicht im Duden (oder einem anderen Wörterbuch wie zum Beispiel Canoonet) steht, bedeutet das nicht unbedingt, dass es das Wort nicht gibt. Kaum jemand würde wohl behaupten, dass es die Wörter Badezimmertür, Abwaschbürste [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Frage</strong></p>
<p>Gibt es das Wort &#8220;wettbar&#8221;? Im Duden habe ich keinen entsprechenden Eintrag gefunden.</p>
<p><strong>Antwort</strong></p>
<p>Sehr geehrte Frau O.,</p>
<p>wenn ein Wort nicht im Duden (oder einem anderen Wörterbuch wie zum Beispiel <a href="http://www.canoo.net">Canoonet</a>) steht, bedeutet das nicht unbedingt, dass es das Wort nicht gibt. Kaum jemand würde wohl behaupten, dass es die Wörter <em>Badezimmertür</em>, <em>Abwaschbürste</em> oder (ich habe gerade an ausstehende Gartenarbeiten gedacht) <em>verpflanzbar</em> nicht gibt. Keines von ihnen steht aber im Duden. So findet man in den Wörterbüchern auch bei Weitem nicht alle Ajektive auf ­<em>bar</em> (vgl. <a href="http://canoo.net/blog/2009/11/14/abbildbar-das-suffix-bar-und-das-worterbuch/">hier</a>). Wie steht es nun mit <em>wettbar</em>?</p>
<p>Das Adjektiv <em>wettbar</em> ist mit <em>bar</em> vom Verb <em>wetten</em> abgeleitet. Bei transitiven Verben drückt das Suffix <em>bar</em> in der Regel aus, dass die Verbhandlung mit jemandem oder etwas gemacht werden kann:</p>
<blockquote><p>anwendbar, lieferbar, verpflanzbar</p></blockquote>
<p>Bei intransitiven Verben drückt es aus, dass die Verbhandlung durch jemanden oder etwas gemacht werden kann:</p>
<blockquote><p>brennbar, gerinnbar</p></blockquote>
<p>Manchmal drückt <em>bar</em> auch aus, dass etwas für die Verbhandlung geeignet ist:</p>
<blockquote><p>tanzbar</p></blockquote>
<p>Das Wort <em>wettbar</em> kommt nur selten vor, und zwar als Bildung der dritten Art. Bei Wettbüros u. Ä. wird es offenbar in Verbinung mit z. B. <em>Rennen</em> oder <em>Spiel</em> verwendet: Wenn ein Rennen wettbar ist, kann man auf dessen Ausgang wetten.</p>
<p>Zusammenfassend würde ich sagen, dass <em>wettbar</em> ein Fachwort aus dem Wettgeschäft ist, das in der Allgemeinsprache nicht oder nur sehr selten vorkommt.</p>
<p>Mit freundlichen Grüßen</p>
<p>Dr. Bopp</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Warum nicht flügig?</title>
		<link>http://canoo.net/blog/2012/02/14/warum-nicht-flugig/</link>
		<comments>http://canoo.net/blog/2012/02/14/warum-nicht-flugig/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 14 Feb 2012 11:31:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Bopp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Wortbildung]]></category>

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		<description><![CDATA[Frage Wieso geht „fündig“, „schlüssig“ und „flüssig“, aber nicht „flügig“? Antwort Sehr geehrter Herr G., in der deutschen Sprache gab und gibt es verschiedene Möglichkeiten, neue Wörter zu bilden. Diese Möglichkeiten werden aber nie vollständig umgesetzt. So kann man zum Beispiel mit dem Suffix -ig Adjektive von Substantiven und Verben ableiten. Diese Möglichkeit wird aber [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Frage</strong></p>
<p>Wieso geht „fündig“, „schlüssig“ und „flüssig“, aber nicht „flügig“?</p>
<p><strong>Antwort</strong></p>
<p><strong></strong>Sehr geehrter Herr G.,</p>
<p>in der deutschen Sprache gab und gibt es verschiedene Möglichkeiten, neue Wörter zu bilden. Diese Möglichkeiten werden aber nie vollständig umgesetzt. So kann man zum Beispiel mit dem Suffix <em>-ig</em> Adjektive von Substantiven und Verben ableiten. Diese Möglichkeit wird aber nicht bei allen Substantiven und Verben genutzt, das heißt, es gibt bei weitem nicht zu jedem Nomen und zu jedem Verb eine Ableitung auf <em>-ig</em>. Zum Beispiel:</p>
<blockquote><p>haarig. wollig, seidig<br />
<em>nicht:</em> leinig, kunststoffig, nylonig</p></blockquote>
<blockquote><p>holprig, auffällig, rutschig<br />
<em>nicht: </em>rüttlig, aufprallig, gleitig</p></blockquote>
<p>Weshalb eine Ableitung nicht vorkommt, ist oft schwierig zu sagen. Gründe können u. a. sein:</p>
<ul>
<li>Es gibt bereits ein anderes Wort dafür (zum Beispiel:<em> *Stehler – Dieb, *Pferdin – Stute</em>).</li>
<li>Das Basiswort gehört zu einer Klasse, von der nicht in dieser Weise abgeleitet werden kann (z. B. Bedeutung:<em> *schlafbar, *blühbar</em>; Herkunft: <em>*Hellität, *Gründlichität</em>).</li>
</ul>
<p>Oft gibt es aber nur diese recht unbefriedigende Erklärung:</p>
<ul>
<li>Es gibt die Ableitung nicht, weil das Wort nicht benötigt wird.</li>
</ul>
<p>Im Fall von <em>flügig</em> könnte die erste „Erklärung“ zutreffend sein: Je nach Bedeutung machen Wörter wie <em>flügge</em>, <em>fliegend</em> und <em>flugtauglich</em> die Ableitung <em>flügig</em> überflüssig. Mehr lässt sich dazu leider kaum sagen. Wenn ein Wort nicht benötigt wird, dann gibt es das Wort in der Regel nicht, auch wenn man es theoretisch bilden kann. An Wörtern wie <em>fündig, schlüssig</em> und <em>flüssig</em> hatte man im Deutschen Bedarf, für <em>flügig</em> gilt das offenbar nicht.</p>
<p>Mit freundlichen Grüßen</p>
<p>Dr. Bopp</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Feuerwerk</title>
		<link>http://canoo.net/blog/2011/12/31/feuerwerk/</link>
		<comments>http://canoo.net/blog/2011/12/31/feuerwerk/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 31 Dec 2011 14:54:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Bopp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Wortbildung]]></category>
		<category><![CDATA[Wortschatz]]></category>
		<category><![CDATA[Wortbedeutung]]></category>

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		<description><![CDATA[Es knallt hier schon seit gestern ziemlich oft und ziemlich laut. Viele können nicht bis heute Mitternacht warten. Ich kann es ja verstehen. Es hat etwas Schönes, Faszinierendes und Gefährliches. Mir gefällt auch das leicht altertümlich anmutende Wort: Feuer-werk. Wenn man ein bisschen im Wörterbuch herumsucht, stellt man fest, dass es viele Zusammensetzungen mit -werk an [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es knallt hier schon seit gestern ziemlich oft und ziemlich laut. Viele können nicht bis heute Mitternacht warten. Ich kann es ja verstehen. Es hat etwas Schönes, Faszinierendes und Gefährliches. Mir gefällt auch das leicht altertümlich anmutende Wort: <em>Feuer-werk.</em></p>
<p>Wenn man ein bisschen im Wörterbuch herumsucht, stellt man fest, dass es viele Zusammensetzungen mit <em>-werk</em> an letzter Stelle gibt. Noch erstaunlicher ist die Vielfalt der Bedeutungen dieser Wörter.</p>
<p>Eine erste Gruppe von auf <em>-werk</em> endenden Wörtern bezeichnet die Gesamtheit von etwas. Es kann etwas Natürliches sein:</p>
<blockquote><p>Astwerk, Blätterwerk, Haarwerk, Laubwerk, Rankenwerk, Strauchwerk, Wurzelwerk</p></blockquote>
<p>Die Gesamtheit kann aber auch etwas von Menschenhand Geschaffenes sein:</p>
<blockquote><p>Federwerk (Uhr), Festungswerk, Mauerwerk, Räderwerk, Segelwerk, Seilwerk, Tauwerk</p></blockquote>
<p>Beispiele von nicht ganz so konkreten Dingen:</p>
<blockquote><p>Gesetzeswerk, Reformwerk, Vertragswerk, Regelwerk</p></blockquote>
<p>Wörter auf <em>–werk</em> Bezeichnen auch Produkte bestimmter Tätigkeiten:</p>
<blockquote><p>Backwerk, Bauwerk, Druckwerk, Knüpfwerk, Schnitzwerk</p></blockquote>
<p>Wozu sie dienen:</p>
<blockquote><p>Naschwerk, Schleckwerk, Räucherwerk</p></blockquote>
<p>Woraus sie bestehen:</p>
<blockquote><p>Maschenwerk, Netzwerk, Zuckerwerk</p></blockquote>
<p>Weiter gibt es die Gruppe der Vorrichtungen und Maschinen, die etwas Bestimmtes tun:</p>
<blockquote><p>Laufwerk, Triebwerk, Schöpfwerk, Förderwerk, Hebewerk, Heizwerk, Leitwerk, Mahlwerk, Rührwerk, Schaltwerk, Schlagwerk, Zählwerk</p></blockquote>
<p>Diese Gruppe geht über in die Gruppe der Wörter, die ganze Betriebe bezeichnen, in denen etwas getan wird:</p>
<blockquote><p>Emaillierwerk, Kopierwerk, Lieferwerk, Presswerk, Pumpwerk, Sägewerk, Schmelzwerk, Stauwerk, Walzwerk</p></blockquote>
<p>Ganz allgemein bezeichnet <em>Werk</em> auch einen Betrieb, eine Fabrik.</p>
<p>- Betrieb nach Erzeugnis:</p>
<blockquote><p>Betonwerk, Chemiewerk, Elektrizitätswerk, Gaswerk, Kraftwerk, Stahlwerk, Zementwerk (im weiteren Sinne auch: Hilfswerk)</p></blockquote>
<p>- Betrieb nach Bereich:</p>
<blockquote><p>Bergwerk, Hüttenwerk, Industrierwerk</p></blockquote>
<p>- Ganz allgemein Betrieb:</p>
<blockquote><p>Audiwerke, Volkswagenwerke, Siemenswerke, Stadtwerke, Zweigwerk</p></blockquote>
<p>Die nächste große Gruppe umfasst ganz andere Bezeichnungen, nämlich die Resultate kreativen Tuns:</p>
<blockquote><p>Bach-Werk, Bühnenwerk, Erstlingswerk, Frühwerk, Geschichtswerk, Hauptwerk, Jahrhundertwerk, Kunstwerk, Lebenswerk, Lehrwerk, Musikwerk, Nachschlag(e)werk, Prosawerk, Sprachwerk</p></blockquote>
<p>Andere Wörter auf <em>–werk</em> bezeichnen die Tätigkeit selbst (und deren Resultat) unter verschiedenen Gesichtspunken:</p>
<blockquote><p>Handwerk, Maßwerk<br />
Einigungswerk, Pionierwerk, Zerstörungswerk<br />
Friedenswerk, Liebeswerk<br />
Menschenwerk, Teufelswerk<br />
Blendwerk, Gaukelwerk<br />
Machwerk, Flickwerk</p></blockquote>
<p>Eine letzte Restgruppe konnte ich nirgendwo richtig einteilen:</p>
<blockquote><p>Fuhrwerk, Grottenwerk, Schuhwerk, Stockwerk, Mundwerk</p></blockquote>
<p>Ganz für sich allein darf heute dieses schöne Wort stehen:</p>
<blockquote><p>Feuerwerk</p>
<p><img class="alignnone size-medium wp-image-6975" title="Feuerwerk" src="http://canoo.net/blog/wp-content/uploads/2011/12/silvester-feuerwerk-kinder-g-300x134.jpg" alt="" width="300" height="134" /></p></blockquote>
<p>Ich wünsche Ihnen einen guten Start ins neue Jahr! Falls Sie es mit Feuerwerk begrüßen, seien Sie bitte vorsichtig. Wenn man nicht gut aufpasst, kann das erste im Wort genannte Element gefährlich sein.</p>
<p>Dr. Bopp</p>
<p>&#8212;</p>
<p>PS: Bevor Sie sich nun vielleicht kopfschüttelnd ans Nachschlagen und Neueinteilen machen, beachten Sie bitte das Folgende: Diese Übersicht ist weder vollständig noch sehr genau – und auch nicht die einzig mögliche.</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Wenn mindestens, zumindest und zum mindesten nicht genügen</title>
		<link>http://canoo.net/blog/2011/11/22/wenn-mindestens-zumindest-und-zum-mindesten-nicht-genuegen/</link>
		<comments>http://canoo.net/blog/2011/11/22/wenn-mindestens-zumindest-und-zum-mindesten-nicht-genuegen/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 22 Nov 2011 12:24:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Bopp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Stilistisches]]></category>
		<category><![CDATA[Wortbildung]]></category>
		<category><![CDATA[Stil]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein Dauerbrenner in vielen Fragenrubriken zur deutschen Sprache: Frage Heute geht es um das gute, alte „zumindest“. Zumindest war ich bislang der Meinung, dass man so sagt. Nun höre ich aber immer häufiger, selbst in Fernsehnachrichten oder seriösen Reportagen, dass stattdessen „zumindestens“ gesagt wird. [...] Seit nun eben auch noch die automatische Rechtschreibhilfe meines Schreibprogrammes [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Dauerbrenner in vielen Fragenrubriken zur deutschen Sprache:</p>
<p><strong>Frage</strong></p>
<p>Heute geht es um das gute, alte „zumindest“. Zumindest war ich bislang der Meinung, dass man so sagt. Nun höre ich aber immer häufiger, selbst in Fernsehnachrichten oder seriösen Reportagen, dass stattdessen „zumindestens“ gesagt wird. [...] Seit nun eben auch noch die automatische Rechtschreibhilfe meines Schreibprogrammes diese Wendung vorschlug, bin ich reif für Ihre Hilfe!</p>
<p><strong>Antwort</strong></p>
<p>Sehr geehrte Frau H.,</p>
<p>das Standarddeutsche stellt uns drei ähnlich klingende Ausdrücke zur Verfügung, wenn wir „wenigsten, auf jeden Fall“ sagen möchten:</p>
<blockquote><p>mindestens<br />
zumindest<br />
zum mindesten / zum Mindesten</p></blockquote>
<p>Drei sind aber offenbar nicht genug, denn man hört tatsächlich häufiger auch die aus <em>zumindest</em> und <em>mindestens</em> zusammengebastelte vierte Form <em>zumindestens</em>. Man nennt eine solche Zusammenziehung zweier Wörter oder Wendungen eine Kontamination.</p>
<p>Kontaminationen sind nicht immer grundsätzlich falsch, aber das Wort <em>zumindestens</em> gilt (vorläufig noch?) als umgangssprachlich. Es sollte deshalb ähnlich wie zum Beispiel <em>antelefonieren</em>, <em>berechtfertigen</em> und <em>meines Erachtens nach</em> in der Standardsprache vermieden werden. Ihre Rechtschreibhilfe ist mit dem Vorschlag <em>zumindestens</em> ihrer Zeit zumindest ein paar Jährchen voraus.</p>
<p>Mit freundlichen Grüßen</p>
<p>Dr. Bopp</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Nicht nur für Murgtäler und Friedrichstalerinnen</title>
		<link>http://canoo.net/blog/2011/11/20/nicht-nur-fur-murgtaler-und-friedrichstalerinnen/</link>
		<comments>http://canoo.net/blog/2011/11/20/nicht-nur-fur-murgtaler-und-friedrichstalerinnen/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 20 Nov 2011 15:20:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Bopp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Wortbildung]]></category>
		<category><![CDATA[Eigennamen]]></category>

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		<description><![CDATA[Frage Ich komme aus einem Ort im Murgtal  im Schwarzwald und es ist üblich wenn man zu mir (zu uns) sagt: „Du bist ein (Ihr seid) Murgtäler.“ Jetzt wohne ich in Friedrichstal bei Karlsruhe. Viele bestehen hier darauf als Friedrichstaler und nicht als Friedrichstäler angesprochen zu werden. Was ist grammatikalisch korrekt? Antwort Guten Tag Herr [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Frage</strong></p>
<p>Ich komme aus einem Ort im Murgtal  im Schwarzwald und es ist üblich wenn man zu mir (zu uns) sagt: „Du bist ein (Ihr seid) Murgtäler.“ Jetzt wohne ich in Friedrichstal bei Karlsruhe. Viele bestehen hier darauf als Friedrichstaler und nicht als Friedrichstäler angesprochen zu werden. Was ist grammatikalisch korrekt?</p>
<p><strong>Antwort</strong></p>
<p>Guten Tag Herr oder Frau M.,</p>
<p>bei Einwohnernamen sollte man vor allem auf die Einwohner und Einwohnerinnen hören. Rein grammatikalisch sind nämlich beide Formen richtig. Wenn man geographische Adjektive und Einwohnernamen mit <em>-er</em> bildet, kann das Grundwort umgelautet werden. Es muss aber nicht umgelautet werden. Zum Beispiel:</p>
<blockquote><p>Rom – Römer<br />
Elsass – Elsässer<br />
Schwarzwald – Schwarzwälder<br />
Mühlhausen – Mühlhäuser (Thüringen)</p></blockquote>
<blockquote><p>Bonn – Bonner<br />
Stuttgart – Stuttgarter<br />
Greifswald – Greifswalder<br />
Mühlhausen – Mühlhaus[en]er (Elsass)</p></blockquote>
<p>Korrekt sind also theoretisch sowohl:</p>
<blockquote><p>Murgtäler<br />
Friedrichstäler</p></blockquote>
<p>als auch:</p>
<blockquote><p>Murgtaler<br />
Friedrichstaler</p></blockquote>
<p>Entscheidend ist aber, was am Ort oder in der Region üblich ist:</p>
<blockquote><p>Murgtäler<br />
Friedrichstaler</p></blockquote>
<p>Sie sind also ein Murgtäler oder eine Murgtälerin und wohnen nun zwischen den Friedrichstalern und Friedrichstalerinnen. Bei Ortsnamen auf <em>-tal</em> kommt die Form ohne Umlaut übrigens häufiger vor (z.B. <em>Wuppertaler, Emmentaler, Zillertaler</em>). Das heißt aber nicht, dass <em>Murgtäler</em> in irgendeiner Weise falsch oder weniger gut wäre. Es ist die Form, die im Murgtal verwendet wird, und somit ist es die richtige Form.</p>
<p>Das gilt ganz allgemein. Auch wenn fast alle Orte mit einem Namen auf <em>–stadt</em> Einwohner auf <em>–städter</em> haben (<em>Darmstädter, Ingolstädter, Eisenstädter</em>) nennen sich die Einwohner und Einwohnerinnen von Schifferstadt ganz richtig und ganz zu Recht <em>Schifferstadter</em> und <em>Schifferstadterinnen</em>. Auch wenn gemäß den Wörterbüchern das Adjektiv und der Einwohnername zu Basel auch <em>Bas<strong>e</strong>ler</em> lauten soll und es in verschiedenen deutschen Städten tatsächlich eine <em>Bas<strong>e</strong>ler Straße</em> gibt, käme es in Basel (und dem Rest der deutschsprachigen Schweiz) kaum jemandem in den Sinn, von der <em>Baseler</em> Firma Canoo zu reden. Es heißt hier immer nur: die <em>Basler</em> Firma <a href="http://www.canoo.com/?l=de">Canoo</a>.</p>
<p>Mit freundlichen Grüßen</p>
<p>Dr. Bopp</p>
]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>Konstellieren</title>
		<link>http://canoo.net/blog/2011/09/16/konstellieren/</link>
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		<pubDate>Fri, 16 Sep 2011 17:47:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Bopp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Wortbildung]]></category>
		<category><![CDATA[Wortschatz]]></category>
		<category><![CDATA[Wort unbekannt]]></category>

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		<description><![CDATA[Heute wieder einmal etwas dazu, warum es gar nicht so einfach ist, ein neugebildetes Wort zu verwenden. Frage Letztens stieß ich in einem wissenschaftlichen Text auf das Wort „konstellieren“ (abgeleitet von „Konstellation“). Ich fand’s sehr hübsch, traue mich aber nicht, es selbst zu verwenden, weil ich nicht weiß, ob es das Wort wirklich gibt. Eine [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Heute <a href="http://canoo.net/blog/2010/07/12/ein-wort-erfunden-was-nun/">wieder einmal</a> etwas dazu, warum es gar nicht so einfach ist, ein neugebildetes Wort zu verwenden.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Frage</strong></p>
<p>Letztens stieß ich in einem wissenschaftlichen Text auf das Wort „konstellieren“ (abgeleitet von „Konstellation“). Ich fand’s sehr hübsch, traue mich aber nicht, es selbst zu verwenden, weil ich nicht weiß, ob es das Wort wirklich gibt. Eine Google-Stichprobe ergab, dass es kaum vorkommt. In den Wörterbüchern taucht es gar nicht auf. Ist es Ihnen bekannt?</p>
<p><strong>Antwort</strong></p>
<p>Sehr geehrter Herr H.,</p>
<p>das Verb <em>konstellieren</em> ist mir nicht bekannt. Auch in den mir zur Verfügung stehenden Wörterbüchern und -listen kommt es nicht vor. Ist es deshalb ein falsches oder unmögliches Wort?</p>
<p>Seine Form passt gut in ein häufig vorkommendes Muster: Zu vielen auf <em>–ieren</em> endenden Verben gibt es ein Substantiv auf <em>–ation</em>:</p>
<blockquote><p>isolieren – Isolation<br />
konzentrieren – Konzentration<br />
partizipieren &#8211; Partizipation<br />
restaurieren – Restauration<br />
u. v. a. m.</p></blockquote>
<p>Dazu passt mühelos auch dieses Wortpaar:</p>
<blockquote><p>konstellieren – Konstellation</p></blockquote>
<p>Die Form ist also kein Problem. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, weshalb das Wort bei flüchtigerem Lesen unbemerkt „durchrutscht“. Bei genauerem Lesen stellt sich dann allerdings die Frage der Bedeutung. Doch wie oft kommt es nicht vor, dass man in wissenschaftliche oder wissenschaftlich daherkommenden Texten einem Wort begegnet, dessen Bedeutung man nicht oder nur vage kennt. „Es wird wohl etwa mit <em>zusammenstellen</em> zu tun haben“, war mein erster Gedanke. Erst wenn man es genauer wissen will, stockt man beim Verb <em>konstellieren</em>.</p>
<p>Fangen wir einmal beim in den Wörterbüchern verzeichneten Substantiv <em>Konstellation</em> an: Es geht auf das lateinische <em>constellatio</em> mit der Bedeutung <em>Stellung der Sterne (untereinander) </em>zurück. Diese Bedeutung hat es auch heute noch. Es wird auch im übertragenen Sinne verwendet und bezeichnet dann das Zusammentreffen bestimmter Umstände und die sich daraus ergebende Situation: <em>eine neue politische Konstellation, eine ungünstige Konstellation der Umweltfaktoren</em>.</p>
<p>Im Französischen und Italienischen gibt es ein dazu passendes Verb: <em>consteller</em> bzw. <em>costellare</em>. Beide bedeuten <em>mit Sternen übersäen</em> und figürlich <em>mit etwas besetzten/bestreuen</em>. Ich weiß nun nicht, ob Ihnen bei der deutschen Neuschöpfung eine ähnliche Bedeutung vorschwebt oder ob Sie mit diesem Verb etwas anderes ausdrücken möchten. Vielleicht ist damit <em>zu einer bestimmten Konstellation führen</em>, <em>eine bestimmte Konstellation entstehen lassen </em>gemeint. Es könnte auch sein, dass ganz einfach meine erste Intuition richtig war: Sie möchten <em>konstellieren</em> als eine Art gelehrter klingende Variante von <em>zusammenstellen</em> benutzen.</p>
<p>Damit sind wir beim eigentliche Problem der Verwendung von Neubildungen wie <em>konstellieren </em>angelangt: Das Wort ist weder prinzipiell falsch noch unmöglich, Sie können aber nicht sicher sein, dass man versteht, was Sie genau damit meinen. Ihr Zögern ist also gerechtfertigt. Wenn Ihnen das Wort so gut gefällt, dass Sie es einfach nicht lassen können, es zu verwenden, sollten Sie es kurz erklären oder dafür sorgen, dass aus dem Kontext deutlich hervorgeht, was gemeint ist.</p>
<p>Mit freundlichen Grüßen</p>
<p>Dr. Bopp</p>
]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>Überraschen überraschend einfach</title>
		<link>http://canoo.net/blog/2011/08/01/ueberraschen/</link>
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		<pubDate>Mon, 01 Aug 2011 11:45:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Bopp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Wortbildung]]></category>
		<category><![CDATA[Wortgeschichte]]></category>

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		<description><![CDATA[Frage Viele Wörter im Deutschen lassen sich zerlegen und offenbaren dadurch eine Bedeutung, die einem so nicht bewusst war. Heute bin ich im gleichen Sinne über das Wort „überraschen“ gestolpert. Nun frage ich mich, gibt oder gab es das Wort „raschen“ und wenn ja, was bedeutet es? Antwort Guten Tag L., das Wort überraschen gehört [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Frage</strong></p>
<p>Viele Wörter im Deutschen lassen sich zerlegen und offenbaren dadurch eine Bedeutung, die einem so nicht bewusst war. Heute bin ich im gleichen Sinne über das Wort „überraschen“ gestolpert. Nun frage ich mich, gibt oder gab es das Wort „raschen“ und wenn ja, was bedeutet es?</p>
<p><strong>Antwort</strong></p>
<p>Guten Tag L.,</p>
<p>das Wort <em>überraschen</em> gehört zu den Wörtern, die so selbstständig, selbstverständlich und selbstbewusst in unserem Wortschatz auftreten, dass man sich kaum je die Frage stellt, wie sie eigentlich zustande gekommen sind. Mir war der Zusammenhang zwischen der Form <em>über+rasch+en</em> und der Bedeutung <em>überraschen</em> jedenfalls auch nicht klar.</p>
<p>Woher kommt also <em>überraschen</em>? Auch wenn es so einfach klingt, dass man es kaum glauben mag: <em>überraschen</em> ist von <em>rasch</em> abgeleitet. Das Verb hat also nichts mit <em>rascheln</em> zu tun. Es bedeutet nicht <em>etwas für jemanden tun, ohne es durch Rascheln zu verraten</em> oder <em>so laut rascheln, dass die anderen etwas nicht bemerken</em>. Es ist auch keine durch Präfixaustausch und Umstellung von <em>a</em> und <em>r</em> dezent verhüllte Variante des eher vulgären Ausdrucks <em>verarschen</em>. So kompliziert ist es nicht. Das Verb <em>überraschen</em> ist einfach eine direkte Ableitung des Adjektivs <em>rasch = schnell</em>. Es bedeutete ursprünglich <em>rascher als jemand sein</em> oder kriegerischer <em>rasch über jemanden herfallen, jemanden rasch überfallen</em>.</p>
<p>Die heutige Bedeutung ist glücklicherweise meistens in einem abgeschwächten, übertragenen Sinne zu verstehen. Man muss also bei zum Beispiel einer Geburtstagsüberraschung in der Regel nicht befürchten, eventueller teurer Geschenke wegen an seinem Geburtstag rasch überfallen zu werden.</p>
<p>Mit freundlichen Grüßen</p>
<p>Dr. Bopp</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Twenty-one, vingt-et-un, zwanzigundeins &#8230;</title>
		<link>http://canoo.net/blog/2011/06/26/5255/</link>
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		<pubDate>Sun, 26 Jun 2011 13:25:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Bopp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Wortbildung]]></category>
		<category><![CDATA[Wortgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Zahlen]]></category>

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		<description><![CDATA[Frage Eine Frage liegt mir schon eine Weile am Herzen: die Zahlenaussprache in der deutschen Sprache. Englisch Deutsch Russisch eleven elf [adínatzat'] twelve zwölf [dwinátzat'] thirteen dreizehn [trinátzat] fourteen vierzehn [tschityrnatzat'] fifteen fünfzehn [pitnátzat'] sixteen sechzehn [schyßnátzat'] seventeen siebzehn [ßimnátzat'] eighteen achtzehn [waßimnátzat'] nineteen neunzehn [diwitnátzat'] twenty zwanzig [dwátzat'] twenty-one einundzwanzig [dwátzat' adín] Warum wird [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Frage</strong></p>
<p>Eine Frage liegt mir schon eine Weile am Herzen: die Zahlenaussprache in der deutschen Sprache.</p>
<blockquote>
<table>
<tbody>
<tr>
<td><strong>Englisch</strong></td>
<td><strong>Deutsch</strong></td>
<td><strong>Russisch</strong></td>
</tr>
<tr>
<td>eleven</td>
<td>elf</td>
<td>[adínatzat']</td>
</tr>
<tr>
<td>twelve</td>
<td>zwölf</td>
<td>[dwinátzat']</td>
</tr>
<tr>
<td>thirteen</td>
<td>dreizehn</td>
<td>[trinátzat]</td>
</tr>
<tr>
<td>fourteen</td>
<td>vierzehn</td>
<td>[tschityrnatzat']</td>
</tr>
<tr>
<td>fifteen</td>
<td>fünfzehn</td>
<td>[pitnátzat']</td>
</tr>
<tr>
<td>sixteen</td>
<td>sechzehn</td>
<td>[schyßnátzat']</td>
</tr>
<tr>
<td>seventeen</td>
<td>siebzehn</td>
<td>[ßimnátzat']</td>
</tr>
<tr>
<td>eighteen</td>
<td>achtzehn</td>
<td>[waßimnátzat']</td>
</tr>
<tr>
<td>nineteen</td>
<td>neunzehn</td>
<td>[diwitnátzat']</td>
</tr>
<tr>
<td>twenty</td>
<td>zwanzig</td>
<td>[dwátzat']</td>
</tr>
<tr>
<td>twenty-one</td>
<td>einundzwanzig</td>
<td>[dwátzat' adín]</td>
</tr>
</tbody>
</table>
</blockquote>
<p>Warum wird im Deutschen und im Englischen eine eigenständige 11 und 12 gesprochen und nicht z.B. <em>ein-zehn</em>, <em>zwei-zehn</em> wie im Russischen (1-[natzat], 2-[natzat]). Ab 13 haben alle drei Sprachen wieder die Zusammensetzung Einerzahl+<em>zehn</em>.</p>
<p>Und dann noch folgender Unterschied: Während im Englischen und Russischen ab zwanzig zuerst die Zehnerzahl und dann die Einerzahl genannt wird (<em>twenty-one, [dwátzat' adín]</em>), ist es im Deutschen umgekehrt (einundzwanzig).</p>
<p><strong>Antwort</strong></p>
<p>Sehr geehrter Herr D.,</p>
<p>die einfachste Antwort auf Ihre Frage könnte lauten: Weil es so ist. Diese Antwort wäre aber wenig befriedigend. Ich meine damit, dass verschiedene Sprachen verschiedene Methoden entwickelt haben, um dasselbe auszudrücken.</p>
<p>Dass einige Sprachen wie das Deutsche und Englische ein einfaches Wort für elf und zwölf haben, liegt wohl daran, dass man früher nicht nur das Dezimalsystem verwendetet. Häufig rechnete man zum Beispiel mit Dutzend (12),  halbem Dutzend (6) und Gros (= 12 Dutzend = 144). So werden zum Beispiel Eier auch heute noch häufig in Verpackungen zu 6 oder 12 Eiern verkauft. Man ging in diesem System bei den Zahlwörtern erst nach 12 auf das Dezimalsystem und die entsprechenden zusammengesetzten Bezeichnungen über*. Das ist bis heute so erhalten geblieben.</p>
<p>Eine Art Zwanzigersystem gab es im französischen Sprachraum: Man zählt in Frankreich auch heute noch zwischen 60 (= 3 x 20) und 80 (= 4 x 20) durch, das heißt es gibt kein Wort für <em>siebzig</em>:</p>
<blockquote><p>soixante-neuf, soixante-dix, soixante-et-onze, soixante-douze<br />
= sechzig-neun, sechzig-zehn, sechzig-und-elf, sechzig-zwölf</p></blockquote>
<p>Zwischen 80 und 99 wird es noch komplizierter:</p>
<blockquote><p>80 = quatre-vingt = vier [mal] zwanzig<br />
81 = quatre-vingt-un = vier zwanzig eins<br />
89 = quatre-vingt-neuf = vier zwanzig neun<br />
90 = quatre-vingt-dix = vier zwanzig zehn<br />
91 = quatre-vingt-onze = vier zwanzig elf<br />
99 = quatre-ving-dix-neuf = vier zwanzig zehn neun</p></blockquote>
<p>In verschiedenen Sprachen haben sich also verschiedene Zählsysteme entwickelt, die in unterschiedlicher Weise bis heute erhalten geblieben sind. So kompliziert wie bei <em>quatre-vingt-dix-neuf</em> wird es aber selten.</p>
<p>Ähnliches kann über die Reihenfolge der Elemente in zusammengesetzten Zahlen gesagt werden. Einige germanische Sprachen wie Deutsch, Niederländisch, Friesisch und altes o. gehobenes Englisch nennen zuerst die Einerzahl, dann die Zehnerzahl:</p>
<blockquote><p>dt. dreizehn, neunzehn, einundzwanzig<br />
nl. dertien, negentien, <span style="text-decoration: line-through;">eenentwentig</span> eenentwintig<br />
en. thirteen, nineteen, one and twenty</p></blockquote>
<p>Das moderne Englisch wechselt wie das Russische ab zwanzig von der Einer-Zehner-Folge auf die Zehner-Einer-Folge</p>
<blockquote><p>eightnineteen, nineteen || twenty-one, twenty-two</p></blockquote>
<p>Im Englischen ist diese Reihenfolge aber nicht ursprünglich, sondern (gem. Wörterbuch Merriam-Webster) aus dem Französischen übernommen worden. Das alte, aus dem Angelsächsischen stammende <em>one and twenty</em> ist fast gänzlich durch das heute übliche <em>twenty-one</em> ersetzt worden. Das moderne Englisch verwendet also germanische Zahlwörter in romanischer Reihenfolge.</p>
<p>Zur Bevorzugung der einen oder der anderen Variante kann man ganz grob Folgendes sagen: In germanischen Zusammensetzungen wird der Kern einer Zusammensetzung zuletzt genannt, während er in romanischen Sprachen zuerst genannt wird. Das könnte bei der Bildung von Zusammensetzungen für Zahlen einen Einfluss gehabt haben:</p>
<blockquote><p>Fußballmannschaft &#8211; équipe de football<br />
Zahlensysten &#8211; système de numération<br />
marineblau &#8211; bleu marine<br />
einundzwanzig &#8211; vingt-et-un</p></blockquote>
<p>Diese Darstellung beschränkt sich auf einige wenige Sprachen und ist auch sonst alles andere als vollständig. Sie soll nur zeigen, dass verschiedene Sprachen und Sprachgruppen bei der Bennenung der Zahlen ganz unterschiedliche Strategien verwendet haben.</p>
<p>Mit freundlichen Grüßen</p>
<p>Dr. Bopp</p>
<p>* Die Zahlwörter <em>elf</em> und <em>zwölf</em> beziehen sich allerdings indirekt auch auf <em>zehn</em>. Ihre ursprüngliche Bedeutung war ungefähr <em>eins übrig</em> und <em>zwei übrig</em>, d. h., was übrig bleibt, wenn man schon zehn gezählt hat.</p>
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