Die Einmilliardengrenze

Frage

Was ist korrekt: jenseits der Ein-Milliarden-Grenze oder jenseits der Eine-Milliarden-Grenze?

Antwort

Sehr geehrter Herr F.,

es heißt:

jenseits der Einmilliardengrenze

Millliarde ist ein Zahlwort, aber es ist wie Million oder Dutzend ein Substantiv. Es hat ein Geschlecht (die Milliarde), hat Einzahl- und Mehrzahlformen (Milliarde – Milliarden) und wird entsprechend großgeschrieben. Auch bei der Wortzusammensetzung verhält es sich wie ein Substantiv. Das Wort Einmilliardengrenze hat den gleichen Aufbau wie zum Beispiel:

Einfamilienhaus, Einparteienstaat, Einpersonenhaushalt, Einschienenbahn, Zweiparteiensystem, Mehrfamilienhaus usw.

Die Zusammensetzung Einmilliardengrenze entspricht also einer im Deutschen üblichen Wortbildungsart.

Wenn man „unbedingt“ will, kann man Bindestriche verwenden:

jenseits der Ein-Milliarden-Grenze

Diese Bindestriche sollen der Verdeutlichung dienen. Ich finde aber, dass sie hier im Gegenteil eher verwirren als verdeutlichen. Ist es nicht so, dass Ihre Frage vor allem dann aufkommt, wenn man die einzelnen Elemente der Zusammensetzung durch Bindestriche voneinander trennt? Erst dann fällt so richtig auf, dass die ungebeugte Form ein vor der Form Milliarden steht, die man so isoliert und mit großem M als Pluralform interpretiert:

Ein-Milliarden?Es heißt doch eine Milliarde oder mehrere Milliarden!

Milliarden entspricht zwar formal einer Pluralform, hat aber in einer Zusammensetzung wie Einmilliardengrenze nicht mehr diese Funktion (vgl. Fugenelmente). Und wie zum Beispiel Einfamilienhaus zeigt, verwendet man in Zusammensetzungen die ungebeugte Form ein auch dann, wenn ein weibliches Wort folgt. Zusammensetzungen „funktionieren“ anders als nebeneinanderstehende Wörter in einem Satz. Ich empfehle hier deshalb die Schreibung ohne Bindestriche:

Einmilliardengrenze
Einmillionenstadt
Einfamilienhaus

Und wenn Ihnen das Wort weder mit Bindestrichen noch ohne sie wirklich gefallen will, können Sie natürlich auch einfach jenseits der Grenze von einer Milliarde sagen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Warum geschlechtig fehlt

Frage

Im Biologieheft meines Sohnes finde ich die Ausdrücke „eingeschlechtig“ und „zweigeschlechtig“ in Verbindung mit Blüten. Mir war bisher nur „geschlechtlich“ bekannt. In canoonet finde ich kein „geschlechtig“, aber im Wahrig stehen beide Ausdrücke. Warum hat canoonet diesen Ausdruck bisher nicht aufgenommen?

Antwort

Sehr geehrter Herr K.,

Sie kannten das Wort geschlechtig nicht, weil geschlechtig im Deutschen nicht als allein stehendes Wort verwendet wird. Es kommt nur in Verbindung mit einem anderen Wort vor. Zum Beispiel:

eingeschlechtig
zweigeschlechtig
getrenntgeschlechtig

Das steht eigentlich auch in (meinem) Wahrig: „geschlechtig, in Fügungen, z. B. getrenntgeschlechtig“. Damit ist gemeint, dass geschlechtig nur in zusammengesetzten Wörtern wie zum Beispiel getrenntgeschlechtig vorkommt. Das ist auch der Grund, weshalb Sie das Wort geschlechtig nicht als separaten Eintrag im Canoonet-Wörterbuch finden. Sie finden aber Zusammensetzungen der Form …geschlechtig:

doppelgeschlechtig, eingeschlechtig, getrenntgeschlechtig, gleichgeschlechtig, ungleichgeschlechtig, zweigeschlechtig

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch diese Ansicht.

Neben geschlechtig gibt es noch viele andere Formen, die in gleicher Weise nur in Zusammensetzungen, nicht aber allein stehend vorkommen. Zum Beispiel:

-armig: achtarmig, beidarmig, langarmig
-äugig: blauäugig, großäugig, scharfäugig
-monatig: einmonatig, dreimonatig, mehrmonatig
-prozentig: hundertprozentig, hochprozentig
-randig: breitrandig, glattrandig, schmalrandig
-sprachig: dreisprachig, mehrsprachig, deutschsprachig

Dann noch kurz zur Bedeutung: Die Form -geschlechtig bedeutet ein Geschlecht habend. Die Form -geschlechtlich bedeutet auf das Geschlecht bezogen, sexuell. Zum Beispiel:

eingeschlechtig = ein Geschlecht habend
gleichgeschlechtig = das gleiche Geschlecht habend
gleichgeschlechtlich = auf das gleiche Geschlecht bezogen

Dieser Bedeutungsunterschied zwischen -geschlechtig und -geschlechtlich wird allerdings nicht immer von allen streng eingehalten.

Sie werden natürlich immer wieder Wörtern begegnen, die Sie nicht im Wörterbuch finden. Es gibt sehr, sehr viele und immer wieder neue Wörter, so dass kein Wörterbuch sie alle auflisten kann. Die Form geschlechtig zeigt aber, dass das „Fehlen“ eines Wortes manchmal auch daran liegen kann, dass das Wort in dieser Form gar nicht verwendet wird. Es gibt zwar eingeschlechtige und zweigeschlechtige Blüten, das Wort geschlechtig gibt es aber trotzdem nicht.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Valentinstagsrätsel

Es geht hier weder um die Liebe noch um den Kommerz, sondern einfach um die Wortbildung.

Frage

Mein örtliches Anzeigenblättchen titelte links oben: „Valentinstagsrätsel“. Das klingt furchtbar, aber ist es auch falsch? Das ist gerade mein Rätsel …

Antwort

Sehr geehrter Herr K.,

das Wort Valentinstagsrätsel mag mit seinen beiden Fugen-s nicht allzu melodiös klingen, aber es ist korrekt gebildet. Wenn Zusammensetzungen mit dem Wort Tag an zweiter Stelle in einer weiteren Zusammensetzung an erster Stelle stehen, verwendet man in der Regel ein Fugen-s:

Sonntagsruhe
Bundestagswahl
Reichstagsabgeordneter
Gründonnerstagsliturgie
Geburtstagsüberraschung
Reformationstagsfeier

In den angelsächsischen Ländern ging es, soweit ich weiß, beim Valentinstag eigentlich um (anonyme) Valentinstagskarten. Heutzutage wird man auch bei uns „multimedial“ dazu aufgefordert, mindestens ein persönliches Valentinstagsgeschenk zu überreichen. Ein speziell auf den Valentinstag zugeschnittenes Rätsel ist also auf der Ebene der Wortbildung entsprechend ein Valentinstagsrätsel. Ebenfalls üblich sind allerdings die Bezeichnungen Valentinskarte und Valentinsgeschenk. Im Titel hätte also auch der kürzere Begriff Valentinsrätsel stehen können.

Valentinstagsrätsel ist vielleicht nicht die schönste aller Wortschöpfungen. Es ist aber immerhin ganz erfreulich, dass Ihr Anzeigenblatt nicht der um sich greifenden „Bindestrichmanie“ erlegen ist (Valentinstags-Rätsel) oder die Rechtschreibregeln gänzlich hinter sich lassend Valentinstags Rätsel oder gar Valentinstag’s Rätsel geschrieben hat.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Heide in Heidenangst

Frage

Kommt Heidenangst von Heide? Wo liegt da der inhaltliche Zusammenhang? Ebenso: Heidenspaß, Heidenlärm.

Antwort

Guten Tag M.,

die Verstärkung Heiden- kommt tatsächlich von Heide, allerdings nicht vom weiblichen Substantiv die Heide. Die Heide könnte man zwar nachts als beängstigend erfahren, aber wirklich gruselig sind oder waren landschaftlich gesehen doch eher dunkle Wälder, abgrundtiefe Schluchten, faulig riechende Sümpfe und von Nebelschwaden durchzogene Moore.

Es gab auch keine Frau namens Heide (kurz für Adelheid = von edlem Wesen), die so furchterregend gewesen wäre oder sich einmal so fürchterlich gefürchtet hätte, dass man ihren Namen allgemein benutzte, um eine besonders große Angst zu benennen.

Heiden- ist also auf das männliche Wort der Heide (der Ungläubige) zurückzuführen. Man empfand die Heiden früher als angsteinflößend, grauenvoll, maßlos, ausschweifend und was es sonst noch alles an negativen Qualifikationen dieser Art gibt. Die Angst vor den Heiden war groß. Diese wörtliche Heidenangst hat sich heute wohl gelegt (und vielfach anderen Ängsten Platz gemacht), aber man sagt immer noch Heidenangst, Heidenarbeit, Heidengeld, Heidenlärm, heidenmäßig, Heidenrespekt, Heidenspaß usw. In dieser Weise ist Heiden- ähnlich wie Riesen- zu einem verstärkenden Wortbildungselement geworden.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Es wird getwittert und gefacebookt

Schon wieder geht es darum, wie neue Wörter entstehen:

Frage

Anscheinend bin ich nicht die einzige, die Sätze wie „ich facebooke“, „Das muss ich gleich mal facebooken“ oder „Heute schon getwittert?“ sagt.

- Wie werden neue Wörter in ein Wörterbuch aufgenommen?
- Warum bilden wir neue Verben?
- Welche Regeln gibt es für neue Wortbildungen?

Das Verb „googeln“ steht ja schon ein paar Jahre im Duden und auch in Canoonet.

Antwort

Sehr geehrte Frau W.,

ein neues Wort wird in der Regel dann in Wörterbücher aufgenommen, wenn es über eine längere Zeit (ein paar Jahre) häufiger in Zeitungen, Büchern, Artikeln usw. erschienen ist. Das ist, grob gesagt, das Hauptkriterium.

Neue Verben bilden wir dann, wenn es neue Tätigkeiten und Vorgänge gibt, die wir benennen wollen oder müssen. Deshalb sind vor einiger Zeit die Verben morsen, funken, telegrafieren, telefonieren, faxen usw. entstanden. Das Gleiche findet nun auch im Bereich der neuen Informations- und Kommunikationsmittel statt.

Das Verb twittern scheint schon ziemlich eingebürgert zu sein und ist auch bereits in den ersten Wörterbüchern zu finden. Bei uns steht es zurzeit auf der „Liste der noch aufzunehmenden Wörter“. Anders sieht es bei facebooken aus. Dieses Verb wird offenbar (noch?) weit weniger verwendet. Das hat vielleicht damit zu tun, dass Facebook eher als etwas Statisches empfunden wird, das man nicht einfach tut, sondern in dem man verschiedene Tätigkeiten ausführen kann (schreiben, mitteilen, lesen, reagieren usw.). Letzteres ist nur ein in keiner Weise überprüfter spontaner Erklärungsversuch von mir.

Das Verb facebooken ist aber wie twittern eine völlig regelmäßige Wortbildung:

Twitter –> twittern, twitterte, getwittert
Facebook –> facebooken, facebookte, gefacebookt

Diese relativ häufig vorkommende Art der Wortbildung wird u. a. Konversion oder Nullableitung (Ableitung ohne Wortbildungselemente) genannt. Eines der jüngsten allgemein bekannten Beispiele haben Sie bereits genannt: googeln. Andere, ältere und neuere Beispiele sind: kellnern, föhnen, lasern, faxen, mailen, internetten usw. usw.

Es genügt jedoch nicht, dass ein Wort korrekt gebildet worden ist, damit es in Wörterbücher aufgenommen wird. Es muss sich, wie gesagt, auch beweisen, indem es über eine gewisse Zeit regelmäßig und an verschiedenen Orten verwendet wird. Wenn Sie das Verb facebooken weiterhin fleißig benutzen, wird es vielleicht auch einmal in den Wörterbüchern erscheinen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Was Begehrlichkeiten mit begehren zu tun haben

Frage

In letzter Zeit hört man in den Medien häufig Formulierungen wie diese: „Der Wirtschaftsboom weckt Begehrlichkeiten bei der FDP.“ Wird in diesem Fall das Wort „Begehrlichkeit“ tatsächlich richtig verwendet oder hat es durch den häufigen Gebrauch gar eine Bedeutungsverschiebung erfahren? Ich habe das Wort immer im Sinn von „Eigenschaft, begehrt zu sein“ verstanden. Das ist in meinem Beispiel ja offensichtlich nicht der Fall. Hier ist ja eher „Verlangen“ gemeint. Woher kommt diese unterschiedliche Verwendung?

Antwort

Sehr geehrter Herr H.,

das Wort Begehrlichkeiten wird in diesem Zitat aus den Medien richtig verwendet. Ich vermute, dass Sie das Wort begehrlich anders verwenden, als dies im Allgemeinen üblich ist. Es bedeutet nämlich in der Regel nicht begehrt/begehrbar, sondern begehrend. Die Ableitung Begehrlichkeit bedeutet hier entsprechend nicht das Begehrtsein, sondern das Begehrendsein. Daraus leitet sich die Bedeutung Verlangen, Wunsch ab, die im Medienzitat gemeint ist.

Es ist nicht ganz unbegreiflich, dass es hier manchmal zu Missverständnissen kommt. Bei Adjektiven, die mit –lich von Verben abgeleitet sind, ist das Bedeutungsverhältnis zwischen Basisverb und Ableitung nicht immer gleich:

a) Das Adjektiv auf -lich bezeichnet eine Eigenschaft des Objekts der Verbhandlung.

xx-lich ist, wer oder was ge-xx-t wird (werden kann/muss).

begreiflich – was begriffen werden kann
beachtlich – wer/was beachtet werden muss
käuflich – wer/was gekauft werden kann

b) Das Adjektiv auf -lich bezeichnet eine Eigenschaft des Subjekts der Verbhandlung.

xx-lich ist, wer oder was xx-t.

bedrohlich – wer/was bedroht
erfreulich – was erfreut
vergesslich – wer vergisst

Das Adjektiv begehrlich gehört in der Standarsprache zur Gruppe b); entsprechend auch das Substantiv Begehrlichkeit.

Das ist aber noch nicht alles. Bei einigen Verben, die reflexiv und nichtreflexiv verwendet werden, ist die Situation noch komplizierter:

Sowohl das Veränderbare als das sich Verändernde sind veränderlich.
Sowohl das Ärgernde als auch der Geärgerte sind ärgerlich.

Das kann man mit den unterschiedlichen grammatischen Strukturen der nichtreflexiven (ärgern, verändern) und der reflexiven (sich ärgern, sich verändern) Verbkonstruktionen erklären, aber kompliziert bleibt es trotzdem.

In Fällen wie diesem frage ich mich immer wieder, wie es möglich ist, dass zwei Menschen einander überhaupt je mit Hilfe der Sprache verstehen. Zum Glück müssen wir nicht dauernd – wie hier – über solche komplizierten Strukturen nachdenken, wenn wir uns miteinander unterhalten!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Warum es nicht beinhält heißt

Und hier gleich noch etwas zum Thema der Entstehung von Wörtern:

Frage

Mich verwirrt die unterschiedliche Deklination des Verbs beinhalten gegenüber halten, enthalten usw., zum Beispiel im Präsens, Indikativ, 3. Person Singular:

er/sie/es hält
er/sie/es enthält
aber
er/sie/es beinhaltet

Gibt es dazu einen sprachgeschichtlichen (Hinter-)Grund?

Antwort

Guten Tag P.,

der Unterschied hat tatsächlich etwas mit der Entstehung der Wörter zu tun. Verben wie enthalten, verhalten, zuhalten usw. sind mit einem Präfix von halten abgeleitet. Wie alle mit einem Präfix von einem Verb abgeleiteten Verben werden sie gleich konjugiert wie das Basisverb:

halten, hielt, gehalten; hältst, hält
enthalten, enthielt, enthalten; enthältst, enthält
zuhalten, hielt zu, zugehalten; hältst zu, hält zu

Siehe auch hier.

Anders sieht es bei beinhalten aus. Dieses Verb endet zwar auch auf –halten, es ist aber nicht mit be-in- von halten abgeleitet worden. Es kommt vom Substantiv Inhalt:

be+Inhalt(+en) => beinhalten

Ebenso entstanden sind zum Beispiel:

beanspruchen, beantragen, beauftragen, bemitleiden, bevorschussen;
entgleisen, übervorteilen, untertunneln, verabschieden, zerfleischen

Solche Ableitungen werden regelmäßig konjugiert:

beinhalten, beinhaltete, beinhaltet; beinhaltest, beinhaltet
beantragen, beantragte, beantragt; beantragst, beantragt

NICHT:

beinhalten, *beinhielt, *beingehalten; *beinhältst, *beinhält
beantragen, *beantrug, *beangetragen; *beanträgst, *beanträgt

Siehe auch hier.

Der langen Rede kurzer Sinn: beinhalten ist nicht direkt vom Verb halten, sondern vom Nomen Inhalt abgeleitet worden. Von Nomen abgeleitete Verben werden normalerweise regelmäßig gebeugt. Deshalb sagt man es beinhaltet und du beantragtest und nicht – auch wenn es irgendwie sehr gebildet klingt – *es beinhält und *du beantrugst.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Schläger, Schlägel und Schlegel

Frage

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Schlegel und Schläger? Sagt man Trommelschlegel oder Trommelschläger oder …?

Antwort

Guten Tag E.,

man schreibt diese Wörter heute mit ä, weil sie von schlagen abgeleitet sind. Danach hilft einem aber die Logik nicht mehr viel weiter.

Ein Schläger ist:

  • ein Sportgerät, mit dem man einen Ball, Puck o. Ä. schlägt (Tennisschläger, Golfschläger, Hockeyschläger, Baseballschläger usw.)
  • ein unangenehmer Mensch, der oft Streit hat und seinen Standpunkt dann prügelnderweise deutlich zu machen versucht

Ein Schlägel ist:

  • ein schwerer Bergmannshammer
  • ein Art schwerer Holzhammer
  • ein Holzstab bei Schlaginstrumenten (Trommelschlägel u. a.)

Vor allem im südlichen deutschen Sprachraum gibt es daneben noch das Wort Schlegel.

Ein Schlegel ist:

  • eine Tierkeule, die man brät und als Nichtvegetarier auch aufisst (Hühnerschlegel, Lammschlegel, Rehschlegel usw.)

Warum dieser Schlegel mit e geschrieben wird, ist mir nur teilweise klar. Das Wort kommt ursprünglich nämlich auch von schlagen (nach der Form der Keule). Das ist aber offenbar schon so lange her, dass dieser Zusammenhang nicht mehr (genügend) ersichtlich ist, sodass man Schlegel wie ein nicht abgeleitetes Wort behandelt und entsprechend mit e schreibt.

Kurz zusammengefasst: Beim Sport schlägt man den Ball oder den Puck mit einem Schläger, auf ein Musikinstrument haut man mit einem Schlägel und bei Obelix macht man sich mit einem Schlegel (am besten vom Wildschwein) besonders beliebt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Zuliefer(er)industrie

Heute geht es um eine Frage, die etwas mit Arbeiten zu tun hat und somit gar nicht zur derzeit herrschenden Sommerflaute passt:

Frage

Können Sie uns bitte über den Unterschied zwischen „Zulieferindustrie“ und „Zuliefererindustrie“ aufklären, da beide Wortformen gleichermaßen angewendet werden. Ist es so, dass das Wort „Zulieferindustrie“ eher die Funktion einer Industrie beschreibt und das Wort „Zuliefererindustrie“ sich eher auf die Akteure der Zulieferindustrie bezieht?

Unser Forschungsprojekt heißt „Der Strukturwandel in der mittelständischen Zulieferindustrie“. Haben wir die Bezeichnung „Zulieferindustrie“ richtig gewählt?

Antwort

Sehr geehrte Frau M.,

die beiden Wörter Zulieferindustrie und Zuliefererindustrie unterscheiden sich vor allem durch ihre Wortbildungsstruktur. Das erste ist eine Zusammensetzung des Verbs zuliefern und Industrie, das zweite eine Zusammensetzung des Nomens Zulieferer und Industrie. Ihre Vermutung ist also richtig: Zulieferindustrie betont eher die Handlung des Zulieferns, während bei Zuliefererindustrie eher die Handelnden, die Zulieferer, im Vordergrund stehen. Diese Bedeutungsnuance ist aber in der Praxis nicht so wichtig, da die zuliefernde Industrie und die Industrie der Zulieferer letztlich ein und dieselbe Industrie sind. Die beiden Wörter werden deshalb in der Regel ohne Bedeutungsunterschied verwendet.

Der Name Ihres Forschungsprojektes ist also korrekt. Er wäre auch korrekt, wenn Sie Zuliefererindustrie statt Zulieferindustrie verwenden würden. Erwähnt sei hier höchstens noch, dass es stilistisch besser ist, innerhalb eines bestimmten Zusammenhangs immer die gleiche Bezeichnung zu verwenden.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Beteidigt statt beteiligt

Frage

Ich habe immer wieder Probleme, wenn ich das Wort »beteiligen« schreiben will. Ich bin mir immer unsicher, ob es »er beteiligt sich an etw.« oder »er beteidigt sich an etw.« heißt (l oder d). Nachdem ich das dann nachgeschlagen habe, weiß ich auch, dass die erste Schreibung richtig ist. Trotzdem spreche ich das Wort oft falsch aus. Hat das vielleicht phonetische Gründe? Fällt es mir/manchen/allen leichter, ein »d« an dieser Stelle zu sprechen?

Antwort

Sehr geehrter Herr L.,

die genauen Gründe, weshalb Sie und offenbar auch andere die Neigung haben beteidigt statt beteiligt zu sagen, sind auch mir ein Rätsel. Es hat wahrscheinlich damit zu tun, dass Sie das Wort nicht mehr als abgeleitetes Wort mit dem Kern Teil erfahren. Man ist an etwas beTEILigt, wenn man daran teilnimmt oder teilhat;  man ist ein Teil davon oder trägt einen Teil dazu bei. Diesen Zusammenhang mit Teil spüren Sie nicht mehr. Vielleicht in Anlehnung an die ähnlich klingenden Wörter beleidigt, vereidigt und verteidigt sprechen Sie dann beteiligt als beteidigt aus.

Die Aussprache beteidigt hat also insofern phonetische Gründe, als sie dem Einfluss ähnlich klingender Wörter zuzuschreiben sein könnte. Es ist mir nicht bekannt, dass ein d an dieser Stelle leichter auszusprechen wäre als ein l.

Ich hoffe, dass Ihnen beim Lesen dieser Antwort der Zusammenhang zwischen beteiligen und Teil wieder richtig deutlich geworden ist. Dann werden Sie nämlich in Zukunft ganz automatisch und ohne nachdenken zu müssen beteiligt sagen und schreiben.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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