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	<title>Fragen Sie Dr. Bopp! &#187; Wortgeschichte</title>
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	<description>Deutsche Rechtschreibung und Grammatik</description>
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		<title>Es wird nicht mehr gemeuchelt</title>
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		<pubDate>Sun, 29 Jan 2012 21:00:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Bopp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Wortschatz]]></category>
		<category><![CDATA[Wortbedeutung]]></category>
		<category><![CDATA[Wortgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Wortwahl]]></category>

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		<description><![CDATA[Heute begegnete mir das Wort – und glücklicherweise nur das Wort – Meuchelmörder. Ein Meuchelmörder ist jemand, der einen anderen Menschen heimlich und hinterhältig ums Leben bringt. Begeht eine Frau eine solchen Meuchelmord, ist sie eine Meuchelmörderin. Dies sind Wörter, die man nicht sehr oft hört und liest – meist in einem auf die Vergangenheit bezogenen Zusammenhang, in dem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Heute begegnete mir das Wort – und glücklicherweise nur das Wort – <em>Meuchelmörder</em>. Ein Meuchelmörder ist jemand, der einen anderen Menschen heimlich und hinterhältig ums Leben bringt. Begeht eine Frau eine solchen <em>Meuchelmord</em>, ist sie eine <em>Meuchelmörderin</em>. Dies sind Wörter, die man nicht sehr oft hört und liest – meist in einem auf die Vergangenheit bezogenen Zusammenhang, in dem es um historische Figuren geht, die ihr Leben durch die Hand eines Meuchelmörders oder einer Meuchelmörderin verloren. Manchmal sind sie eher scherzhaft gemeint, zum Beispiel in der Schlagzeile „Gericht sühnt Meuchelmord an Frosch Knötti.“</p>
<p>Noch seltener begegnet man dem ersten Wortteil, dem Verb <em>meucheln</em>, und seinen Ableitungen: Wenn Sie lesen, dass ein Bösewicht sich in <em>meuchlerischer</em> Absicht näherte oder jemand <em>meuchlings</em> ermordet wurde, ist es nicht ganz unwahrscheinlich, dass Sie eine Passage aus einem historischen Roman des Kalibers „Die drei Musketiere“ oder „Angélique“ vor sich haben. Heute wird meistens nicht gemeuchelt, sondern heimtückisch gemordet. Das Resultat ist allerdings dasselbe. Entsprechend ist die Frage der Wortwahl den Ermordeten wahrscheinlich ziemlich gleichgültig.</p>
<p>Das Verb <em>meucheln</em> bedeutete früher allgemeiner <em>heimlich, heimtückisch handeln</em> und geht auf ein älteres Wort <em>muchon</em> zurück, das <em>(sich) verbergen, verstecken</em> und noch früher u. a. <em>heimlich lauern</em> bedeutete. Mit <em>Meuchel-</em> beginnende Wörter gab es früher viel mehr. Ein paar schöne Beispiele aus dem <a href="http://woerterbuchnetz.de/DWB/?sigle=DWB&amp;mode=Vernetzung&amp;lemid=GM04565">Deutschen Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm</a>:</p>
<blockquote><p>Meuchelhund = Schimpfwort für einen heimtückischen Menschen<br />
Meuchellist = heimtückische List<br />
Meuchellüge = heimtückische Lüge<br />
Meuchelrotte = Bande von Meuchelmördern<br />
Meuchelschwert = zum Meuchelmord dienendes Schwert</p></blockquote>
<p>Mein Favorit (als Wort, nicht als Tätigkeit!):</p>
<blockquote><p>Meuchelbrennerei = heimtückische Brandstiftung</p></blockquote>
<p><em>Meuchel-</em> ist also häufig durch Wendungen mit <em>heimtückisch</em> ersetzt worden. Immer noch springlebendig ist aber ein vielleicht mit <em>meucheln</em> verwandtes, eher umgangssprachliches Wort: <em>mogeln</em>. Auch wenn nicht mehr gemeuchelt wird, gemogelt wird noch immer.</p>
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		<title>Meinetwegen</title>
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		<pubDate>Fri, 16 Dec 2011 10:35:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Bopp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Grammatik]]></category>
		<category><![CDATA[Genitiv]]></category>
		<category><![CDATA[Wortgeschichte]]></category>

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		<description><![CDATA[Frage Ich kenne zwar keinen, der es sagt, aber man hört ja manchmal dass „wegen mir“ wohl eher „wegen meiner“ heißen müsste. Kehrt man die Reihenfolge um, bekommt man die viel üblichere Variante „meinetwegen“. Aber nur fast. Woher kommt eigentlich das t? Antwort Sehr geehrter Herr M., wenn man nicht wegen mir sagen will, weil [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Frage</strong></p>
<p>Ich kenne zwar keinen, der es sagt, aber man hört ja manchmal dass „wegen mir“ wohl eher „wegen meiner“ heißen müsste. Kehrt man die Reihenfolge um, bekommt man die viel üblichere Variante „meinetwegen“. Aber nur fast. Woher kommt eigentlich das t?</p>
<p><strong>Antwort</strong></p>
<p>Sehr geehrter Herr M.,</p>
<p>wenn man nicht <em>wegen mir</em> sagen will, weil der <a href="http://www.canoo.net/services/OnlineGrammar/Wort/Praeposition/Kasus/Genitiv.html#Anchor-wegen-58500">Dativ nach <em>wegen</em></a> standardsprachlich, gelinde gesagt, umstritten ist, empfiehlt es sich <em>meinetwegen</em> zu verwenden.</p>
<blockquote><p>Macht euch meinetwegen keine Sorgen!<br />
Wir sind nur euretwegen gekommen.</p></blockquote>
<p>Die Formulierung <em>wegen meiner</em> hören Sie deshalb nicht sehr oft, weil sie veraltetet ist (oder das Resultat eines „Genitivkrampfes“, der manche beim Anblick des Wörtchens <em>wegen</em> befällt). Das Wort <em>meinetwegen</em> geht ursprünglich auf die Wendung <em>von meinen wegen </em>zurück. Im Verlauf der Zeit schlich sich der Übergangskonsonant t ein, der nur der Aussprache dient: <em>meinent wegen</em>, <em>meinentwegen</em>. Später fiel dann noch das n vor dem t weg, was zur heute üblichen Form <em>meinetwegen</em> führte. Eine ähnliche Entstehungsgeschichte haben auch <em>meinethalben</em>, <em>allenthalben</em> und <em>meinetwillen</em>. Ein eingeschobenes t findet man weiter auch bei zum Beispiel <em>wöchentlich, hoffentlich, wesentlich</em> u. a. m.</p>
<p>Im Zusammenhang mit der Ächtung des Dativs nach <em>wegen</em> gefällt mir das folgende „pikante“ Detail: Das Wort <em>meinetwegen</em>, das man anstelle von <em>wegen mir</em> zu verwenden hat, ist ursprünglich ein Dativ: <em>von meinen wegen &#8230;</em></p>
<p>Mit freundlichen Grüßen</p>
<p>Dr. Bopp</p>
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		<title>Joghurt und Joga</title>
		<link>http://canoo.net/blog/2011/11/27/joghurt-und-joga/</link>
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		<pubDate>Sun, 27 Nov 2011 11:03:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Bopp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Wortschatz]]></category>
		<category><![CDATA[Essen/Trinken]]></category>
		<category><![CDATA[Wortgeschichte]]></category>

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		<description><![CDATA[Wenn man am Sonntagmorgen bei Mü(e)sli mit Joghurt in einem Artikel das Wort Joga liest, fragt man sich aus Versehen plötzlich, ob man nicht wieder einmal etwas Gesundes für Leib uns Seele tun sollte und ob eventuell Joga eine geeignete Lösung dafür sein könnte. Wenn man dann wie ich keine Lust hat, sich schon mit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn man am Sonntagmorgen bei <a href="http://canoo.net/blog/2008/11/27/muesli-musli-und-muesli/">Mü(e)sli</a> mit Joghurt in einem Artikel das Wort <em>Joga</em> liest, fragt man sich aus Versehen plötzlich, ob man nicht wieder einmal etwas Gesundes für Leib uns Seele tun sollte und ob eventuell Joga eine geeignete Lösung dafür sein könnte. Wenn man dann wie ich keine Lust hat, sich schon mit solch schwerwiegenden Fragen zu beschäftigen, bringt die Berufsdeformation die Rettung: <em>Joghurt – Joga</em>, beides ist gesund und klingt sehr ähnlich. Es gibt hier bestimmt einen wortgeschichtlichen Zusammenhang!</p>
<p>Bevor die Spannung nun ins Unerträgliche steigt, sei es gleich verraten: Außer der lautlichen Ähnlichkeit gibt es keinen Zusammenhang zwischen den beiden Wörtern. Sie kommen sogar aus zwei verschiedenen Sprachfamilien.</p>
<p>Das Wort <em>Joghurt</em> (auch <em>Jogurt</em> geschrieben) haben wir aus dem Türkischen übernommen. Dort bedeutet <em>yoğurt </em>„dicke Milch“ und eben „Joghurt“. Es gehört in die gleiche Wortfamilie wie <em>yoğun</em> „dicht, dick, kompakt“ und <em>yoğmak</em> „gerinnen, dick werden“.</p>
<p>Das Türkische gehört zu den altaischen Sprachen. Das Deutsche hingegen gehört zu den indoeuropäischen Sprachen, und das Wort <em>Joga</em> (auch <em>Yoga</em> geschrieben) hat indoeuropäische Wurzeln. Es ist ein altindisches Wort, das ursprünglich die Bedeutung „Verbindung, Vereinigung“ hatte und mit einem ganz anderen Wort als <em>Joghurt</em> verwandt ist, das man auch heute noch kennt. Über ein altindisches Verb, das „verbinden, anschirren“ bedeutet, kann es mit dem Vorfahren des Wortes <em>Joch</em> in Verbindung gebracht werden.</p>
<p>Feinheiten und philosophischen Hintergründe außer Acht lassend könnte man also den folgenden Schluss ziehen: Joga – Joch, Entspannung durch Anspannung. Ich werde es heute jedenfalls beim Joghurt bleiben lassen.</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Gluten wie zehn oder wie sputen?</title>
		<link>http://canoo.net/blog/2011/11/17/gluten-wie-zehn-oder-wie-sputen/</link>
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		<pubDate>Thu, 17 Nov 2011 11:46:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Bopp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Aussprache]]></category>
		<category><![CDATA[Fremdwörter]]></category>
		<category><![CDATA[Wortgeschichte]]></category>

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		<description><![CDATA[Im heutigen Beitrag spielen nicht etwa glühende Kohlen oder gar feurige Leidenschaft die Hauptrolle, sondern das Gluten, ein klebriger, zäher Eiweißstoff, der in den Körnern gewisser Getreidearten vorkommt. Gluten ist offenbar beim Backen eines schönen Brotlaibs wichtig, es kann aber auch – wie einige wahrscheinlich besser wissen, als ihnen lieb ist – zu allergischen Reaktionen führen (Glutenintoleranz). Es geht [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Im heutigen Beitrag spielen nicht etwa glühende Kohlen oder gar feurige Leidenschaft die Hauptrolle, sondern das Gluten, ein klebriger, zäher Eiweißstoff, der in den Körnern gewisser Getreidearten vorkommt. Gluten ist offenbar beim Backen eines schönen Brotlaibs wichtig, es kann aber auch – wie einige wahrscheinlich besser wissen, als ihnen lieb ist – zu allergischen Reaktionen führen (Glutenintoleranz). Es geht hier allerdings nicht um so praktische Inhalte wie Tipps für das Brotbacken oder glutenfreie Ernährung, sondern rein um die Form: Wie spricht man <em>Gluten</em> aus?</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Frage</strong></p>
<p><strong> </strong>In Ernährungsabhandlungen wird öfters das Wort „Gluten“ benutzt,  auch in der Verbindung „glutenfrei“. Allerdings erfolgt die Aussprache in zweierlei Weise: einmal „glú-ten“ mit Betonung von „glut“, das andere Mal „glu-tén“ mit betontem langem „ten“. Welche Betonung ist richtig?</p>
<p><strong>Antwort</strong></p>
<p><strong> </strong>Sehr geehrter Herr K.,</p>
<p>das Wort <em>Gluten</em> wird heute meist auf dem e der zweiten Silbe betont, wobei das e lang gesprochen wird. Dies geschieht in Anlehnung an die Namen chemischer Verbindungen mit der Endung <em>-en</em> wie zum Beispiel <em>Äthylen, Propen</em>. Die Betonung auf dem u kommt ebenfalls vor. Sie orientiert sich an der Herkunft des Wortes, das heißt dem lateinischen Wort für Leim: <em>gluten</em> (Genitiv: <em>glutinis</em>). Das lateinische Wort hat einen langen Vokal (ū), der im Deutschen in dieser Position normalerweise die Hauptbetonung erhält (vgl. <em>volūmen, volūminis – Volúmen; nōmen, nōminis – Nómen; imāgō, imāginis – Imágo</em>)</p>
<p>Dieses „Herkunftsprinzip“ bei der Betonung kann man auch in anderen Sprachen beobachten:</p>
<blockquote><p>en: gl<strong>u</strong>ten vs ethyl<strong>e</strong>ne, prop<strong>e</strong>ne<br />
nl: gl<strong>u</strong>ten vs ethyl<strong>ee</strong>n, prop<strong>ee</strong>n<br />
it: gl<strong>u</strong>tine vs etli<strong>e</strong>ne, prop<strong>e</strong>ne</p></blockquote>
<p>Trotzdem ist heute im Deutschen, wie gesagt, die Betonung auf dem e üblicher. Die Betonung auf dem u der ersten Silbe ist aber nicht als falsch anzusehen. <em>Gluten</em> reimt sich also heute meist „modern“ auf <em>zehn</em>, aber manchmal auch noch „klassisch“ auf <em>sputen.</em></p>
<p>Mit freundlichen Grüßen</p>
<p>Dr. Bopp</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Von Moor und Meer</title>
		<link>http://canoo.net/blog/2011/10/24/von-moor-und-meer/</link>
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		<pubDate>Mon, 24 Oct 2011 16:32:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Bopp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Wortschatz]]></category>
		<category><![CDATA[Wortgeschichte]]></category>

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		<description><![CDATA[Gestern war das Wetter herrlich sonnig. Wir beschlossen, das auszunützen und endlich einmal die seit langem geplante Rundwanderung um das Hochmoor zu machen. Es war fantastisch. Man musste an zwei, drei Stellen halbverwilderte Kuhherden umgehen – als Städter natürlich mit leicht beunruhigten Seitenblicken, wenn sich bei genauerem Hinsehen erwies, dass eine der Kühe keine Kuh, sondern [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Gestern war das Wetter herrlich sonnig. Wir beschlossen, das auszunützen und endlich einmal die seit langem geplante Rundwanderung um das Hochmoor zu machen. Es war fantastisch. Man musste an zwei, drei Stellen halbverwilderte Kuhherden umgehen – als Städter natürlich mit leicht beunruhigten Seitenblicken, wenn sich bei genauerem Hinsehen erwies, dass eine der Kühe keine Kuh, sondern ein Stier war. An anderen Stellen war es recht nass und sumpfig, so dass die Schuhe danach zu Hause draußen vor der Tür aufs Abgebürstetwerden warten mussten. Die Kühe und Stiere interessierten sich aber viel mehr für das Gras als für uns und im „Sumpf“ sanken wir nirgendwo viel tiefer ein als anderthalb Schuhsolen. Auch sonst erwiesen sich das Moor und die umliegende Landschaft als sehr friedlich: warme Herbstfarben, in der Sonne glitzernde Spinnfäden, Pilze in allerlei Größen und Formen – und genau zur richtigen Zeit, das heißt nach ungefähr zwei Dritteln des Weges, ein Bänklein mit idyllischer Aussicht auf einen Weiher, Heide und Waldrand. Es war die erste, aber bestimmt nicht unsere letzte Wanderung um das Moor.</p>
<p>Das bringt mich zur Frage, die ich mir heute Morgen plötzlich stellte, als ich an den gestrigen Nachmittag dachte: <em>Moor</em>? Ich habe (zumindest für mich) Erstaunliches herausgefunden: Das Wort <em>Moor</em> ist eine abgelautete Variante von <em>Meer</em>.</p>
<p>Was haben nun das Moor und das Meer gemeinsam, außer dass beide natürlich und sehr feucht sind? Sie haben gemeinsame Vorfahren. Im Althochdeutschen bezeichnete <em>mer(i)</em> ursprünglich nicht etwa das große, salzige Nass, sondern es bedeutete <em>Sumpf, stehendes Gewässer</em>. Später hat es die heutige Bedeutung <em>die See</em> erhalten. Die alte Bedeutung findet sich heute u. a. noch im niederländischen <em>het meer = der See</em> und im gehobeneren englischen <em>the mere = Weiher, kleiner See</em>. Eine viel geringere Bedeutungsänderung hat <em>das Moor</em> hinter sich. Es geht auf die alte Variante <em>mor,</em> <em>muor = Sumpf, Sumpfland</em> zurück. <em>Meer</em> und <em>Moor</em> sind übrigens die germanischen Verwandten des lateinischen Wortes <em>mar = die See, das Meer</em> &#8230; Wenn man nun noch die für Fremdsprachige oft verwirrende Unterscheidung <em>der See</em> und <em>die See</em> hinzunimmt, sieht man, dass die deutsche Wortgeschichte auch im Bereich der mehr oder weniger feuchten Landschaftstypen reichlich unsystematisch verlaufen ist. Doch wen kümmert das schon bei einer schönen Wanderung rund ums Hochmoor?</p>
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		<title>Ohrwürmer</title>
		<link>http://canoo.net/blog/2011/10/16/ohrwuermer/</link>
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		<pubDate>Sun, 16 Oct 2011 10:18:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Bopp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Wortschatz]]></category>
		<category><![CDATA[Wortbedeutung]]></category>
		<category><![CDATA[Wortgeschichte]]></category>

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		<description><![CDATA[Wenn man an einem Sonntagmorgen Radio hört, ist die Gefahr einer Ohrwurmattacke groß. Bei mir ist heute die Textzeile „Weine nicht, wenn der Regen fällt / dam, dam, dam, dam / Es gibt einen, der zu dir hält / dam, dam, dam, dam“ mit der dazugehörendem Melodie aus Drafi Deutschers Evergreen „Marmorstein Marmor, Stein und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn man an einem Sonntagmorgen Radio hört, ist die Gefahr einer Ohrwurmattacke groß. Bei mir ist heute die Textzeile „Weine nicht, wenn der Regen fällt / dam, dam, dam, dam / Es gibt einen, der zu dir hält / dam, dam, dam, dam“ mit der dazugehörendem Melodie aus Drafi Deutschers Evergreen „<strike>Marmorstein</strike> Marmor, Stein und Eisen bricht“ in der Endlosschlaufe hängen geblieben. Ohrwürmer sind Melodien, die sich einem so einprägen, dass man sie stunden- und in hartnäckigen Fällen tagelang nicht mehr loswird. Das Bild ist relativ einfach: Wie ein Wurm bohrt sich eine Melodie ins Ohr und lässt einen dann nicht mehr in Ruhe.</p>
<p>Es gibt noch andere Ohrwürmer: die krabbelnden Tierchen mit dem schönen wissenschaftlichen Namen <em>Dermaptera</em>. Ihr deutscher Name ist eigentlich ein Doppelfehler. Es sind keine Würmer, sondern Insekten, und sie interessieren sich nicht sonderlich für Ohren. Man glaubte früher, dass Ohrwürmer in die Ohren Schlafender kriechen und sich mit ihren Zangen einen Weg durchs Trommelfeld zum Hirn bahnen, um dort Blut zu saugen oder – eine noch unangenehmere Vorstellung – ihre Eier abzulegen. Da sich Ohrwürmer wie andere kleinere Tierchen gerne in Ritzen und Spalten verstecken, ist es im Laufe der Menschheitsgeschichte sicher mehr als einmal vorgekommen, dass sich ein Ohrwurm in ein Ohr verirrt hat, aber sehr weit kann ein solches Tierchen mit seinen schwachen Zangen dort nicht vordringen.</p>
<p>Ohrwürmer wurden lange Zeit auch als Mittel gegen Taubheit verwendet. Eines dieser Rezepte schrieb vor, zu diesem Zweck in Hasenurin aufgelöste pulversierte Ohrwürmer zu sich zu nehmen &#8230;</p>
<p>Solche Überlieferungen waren nicht nur unter den Deutschsprachigen verbreitet. Auf Englischen heißt der Ohrwurm <em>earwig</em> (<em>Ohr</em> + ein altes Wort für <em>Insekt</em>), auf Französisch <em>perce-oreille</em> (<em>Ohrenbohrer</em>), auf Niederländisch <em>oorworm</em> oder <em>oorwurm</em> (&#8230;) und der wissenschaftliche Name des Gemeinen Ohrwurms lautet <em>Forficula auricularia</em> (<em>Ohrenzänglein).</em></p>
<p>Inzwischen bin ich den musikalischen Ohrwurm leider noch nicht losgeworden: „Nimm den goldenen Ring von mir / dam, dam, dam, dam / Bist du traurig, dann sagt er dir / dam, dam, dam, dam &#8230;“ Falls ich sie nun angesteckt habe, tut mir das sehr leid. Und für alle, die diesen Ohrwurm noch nicht kennen, gibt es <a href=" http://www.youtube.com/watch?v=8twYCFACPjY">Youtube</a>.</p>
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		<title>Kiefer</title>
		<link>http://canoo.net/blog/2011/09/04/kiefer/</link>
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		<pubDate>Sun, 04 Sep 2011 10:39:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Bopp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Wortschatz]]></category>
		<category><![CDATA[Wortgeschichte]]></category>

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		<description><![CDATA[Vergangene Woche war ich beim Kieferchirurgen. Mein Zahnarzt meinte, dass das unerlässlich sei, denn sonst hätte ich bestimmt von einem Besuch bei einem Vertreter oder einer Vertreterin dieses Berufsstandes abgesehen. Es  ging um die Behandlung einer Entzündung und die dadurch bedingte Extraktion (klingt besser als Ziehen, läuft aber exakt aus dasselbe hinaus) eines Backenzahns im [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Vergangene Woche war ich beim Kieferchirurgen. Mein Zahnarzt meinte, dass das unerlässlich sei, denn sonst hätte ich bestimmt von einem Besuch bei einem Vertreter oder einer Vertreterin dieses Berufsstandes abgesehen. Es  ging um die Behandlung einer Entzündung und die dadurch bedingte Extraktion (klingt besser als <em>Ziehen</em>, läuft aber exakt aus dasselbe hinaus) eines Backenzahns im rechten Unterkiefer. Das Resultat des halbstündigen Besuches ist, dass ich zurzeit nicht nur Linkshänder, sondern auch Linkskauer bin.</p>
<p>An Zahnarztphobie Leidende müssen diesen Beitrag nicht unbedingt sofort wegklicken. Weitere Einzelheiten werden nicht erwähnt. Es geht hier eigentlich um das Wort <em>Kiefer</em>. Es war mir nie besonders aufgefallen, außer als Beispiel für gleich klingende Wörter, die nichts miteinander zu tun haben: <em>der Kiefer</em> und <em>die Kiefer</em>. Um es gleich vorwegzunehmen: Die beiden Wörter haben abgesehen von der Form wirklich nichts miteinander zu tun. Die Wortgeschichte der beiden <em>Kiefer</em> ist zum Teil ungeklärt und zum Teil zu komplex, als dass ich sie wirklich verstehen würde. Auch hier erspare ich uns deshalb die Details.</p>
<p><em>Die Kiefer</em> verdankt ihren Namen wahrscheinlich einer undurchsichtig gewordenen Zusammenziehung von <em>Kien</em> und <em>Föhre</em>: <em>kienforha → Kiefer</em>. Kiefernholz war (und ist es bestimmt immer noch) für die Herstellung von Kienspänen und Fackeln geeignet, weil es sehr harzreich ist. <em>Kien</em> ist ein altes Wort für <em>Kienspan, Fackel</em>. <em>Föhre</em> diente schon in althochdeutscher Zeit als Baumname (<em>forha</em>) und wird auch heute noch vor allem im südlichen deutschen Sprachraum für <em>Kiefer</em> verwendet.</p>
<p>Beim anderen<em> Kiefer</em> ist die Herkunft dunkler: Das männliche Wort <em>Kiefer</em> wird in unterschiedlicher Weise auf Wörter im Bedeutungsbereich <em>Mund</em>, <em>Rachen</em>, <em>kauen,</em> <em>essen</em> zurückgeführt. Es soll mit Wörtern wie <em>kauen</em>, <em>Kieme</em> und <em>Käfer</em>[!] verwandt sein. Mit <em>Käfer</em> wurden zuerst vor allem fresssüchtige schädliche Insekten wie die Heuschrecken bezeichnet. Erst später wurde es allgemeiner im heutigen Sinne verwendet.</p>
<p>Das Wort <em>der Kiefer</em> hat also schon lange etwas mit Essen und Kauen zu tun. Das erstaunt mich zurzeit gar nicht. Erst wenn man beim Kauen aufpassen muss, merkt man so richtig, dass dies die Hauptfunktion eines Kiefers ist. Nur bei Schauspielern, deren markanter Unterkiefer ihnen ein besonders männliches Aussehen verleiht, hat der Kiefer eine weitere Funktion: Er verhilft zu Machoheldenrollen und zu Auftritten in Werbespots für Rasierprodukte. Die Brötchen, die diese „Breitkinnigen“ damit verdienen, müssen dann allerdings auch wieder gekaut werden.</p>
<p>Zu guter Letzt noch ein Stoßseufzer, den man mir bitte verzeihen möge: Linkshänder will ich gerne bleiben – ich bin es schon mein Leben lang –, aber ich habe jetzt schon genug davon, Linkskauer zu sein! Es wird hoffentlich nicht allzu lange dauern.</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
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		<title>Von Amphoren zu Eimern</title>
		<link>http://canoo.net/blog/2011/08/18/amphora-und-eimer/</link>
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		<pubDate>Thu, 18 Aug 2011 14:01:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Bopp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Wortschatz]]></category>
		<category><![CDATA[Wortgeschichte]]></category>

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		<description><![CDATA[Frage Woher kommt das Wort „Eimer“? Antwort Sehr geehrte Frau B., das Wort Eimer hat eine interessante Entstehungsgeschichte, bei der Entlehnung, Umdeutung und lautliche Entwicklung eine Rolle spielen. Seinen Ursprung findet Eimer bei einem Lehnwort, das schon in alter germanischer Zeit aus dem Lateinischen übernommen wurde und das wir viel später noch einmal ins Deutsche [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Frage</strong></p>
<p>Woher kommt das Wort „Eimer“?</p>
<p><strong>Antwort</strong></p>
<p>Sehr geehrte Frau B.,</p>
<p>das Wort <em>Eimer</em> hat eine interessante Entstehungsgeschichte, bei der Entlehnung, Umdeutung und lautliche Entwicklung eine Rolle spielen.</p>
<p>Seinen Ursprung findet <em>Eimer</em> bei einem Lehnwort, das schon in alter germanischer Zeit aus dem Lateinischen übernommen wurde und das wir viel später noch einmal ins Deutsche übernommen haben: <em>amphora</em>. Das ursprünglich griechische Wort bezeichnet ein zweiohriges Gefäß oder ein Gefäß, das mit zwei Händen getragen wird. Im Althochdeutschen hatte es die Form <em>amber</em>, im heutigen Deutschen die lateinische Form <em>Amphora</em> oder <em>Amphore</em>. Die erste Entlehnung wurde bereits im althochdeutschen Volksmund zu einer Zusammensetzung aus dem Zahlwort <em>ein</em> und einer Form von <em>beran</em> umgedeutet. Das Verb <em>beran</em> bedeutete <em>tragen</em>. (Das Wort <em>Bahre</em> geht auch auf dieses <em>beran</em> zurück.) Der Hintergrund für die Umdeutung war, dass der Eimer nur einen Henkel hat, den man zum Tragen benutzt. Über Formen wie <em>eimbar</em> und <em>eimber</em> entstand dann das heutige Wort <em>Eimer</em>.</p>
<table border="0" cellspacing="0" cellpadding="0">
<tbody>
<tr>
<td><img class="alignnone size-medium wp-image-5669" title="Amphoren" src="http://canoo.net/blog/wp-content/uploads/2011/08/amphore-199x300.jpg" alt="" width="143" height="216" /></td>
<td><span style="font-size: 200%;">→</span></td>
<td><img class="alignnone size-full wp-image-5666" title="Eimer" src="http://canoo.net/blog/wp-content/uploads/2011/08/eimer.jpg" alt="" width="119" height="130" /></td>
<td><img class="alignnone size-full wp-image-5666" title="Eimer" src="http://canoo.net/blog/wp-content/uploads/2011/08/eimer.jpg" alt="" width="119" height="130" /></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>Wir haben es also bei <em>Eimer</em> mit einem Wort zu tun, das nicht nur einen Teil seiner ursprünglichen Bedeutung verloren hat, sondern sich durch volksetymologische Umdeutung und jahrhundertelange „ungenaue“ Aussprache auch ganz anders anhört. Trotz „Fehlern“ bei der Bedeutung (<em>einhenkelig</em> statt <em>zweiohrig</em>), bei der Herkunftsbestimmung (germanische Zusammensetzung statt griechisch-lateinisches Lehnwort) und bei der Aussprache (u. a. <em>amber</em> statt <em>amphora</em>) ist im Laufe der Zeit ein nützliches und brauchbares Wort entstanden und erhalten geblieben. Dank dieser Verselbständigung des Wortes <em>Eimer</em> konnten wir das Wort <em>amphora</em> später sogar noch einmal „importieren“ – diesmal mit seiner klassischen Bedeutung.</p>
<p>Mit freundlichen Grüßen</p>
<p>Dr. Bopp</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Überraschen überraschend einfach</title>
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		<pubDate>Mon, 01 Aug 2011 11:45:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Bopp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Wortbildung]]></category>
		<category><![CDATA[Wortgeschichte]]></category>

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		<description><![CDATA[Frage Viele Wörter im Deutschen lassen sich zerlegen und offenbaren dadurch eine Bedeutung, die einem so nicht bewusst war. Heute bin ich im gleichen Sinne über das Wort „überraschen“ gestolpert. Nun frage ich mich, gibt oder gab es das Wort „raschen“ und wenn ja, was bedeutet es? Antwort Guten Tag L., das Wort überraschen gehört [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Frage</strong></p>
<p>Viele Wörter im Deutschen lassen sich zerlegen und offenbaren dadurch eine Bedeutung, die einem so nicht bewusst war. Heute bin ich im gleichen Sinne über das Wort „überraschen“ gestolpert. Nun frage ich mich, gibt oder gab es das Wort „raschen“ und wenn ja, was bedeutet es?</p>
<p><strong>Antwort</strong></p>
<p>Guten Tag L.,</p>
<p>das Wort <em>überraschen</em> gehört zu den Wörtern, die so selbstständig, selbstverständlich und selbstbewusst in unserem Wortschatz auftreten, dass man sich kaum je die Frage stellt, wie sie eigentlich zustande gekommen sind. Mir war der Zusammenhang zwischen der Form <em>über+rasch+en</em> und der Bedeutung <em>überraschen</em> jedenfalls auch nicht klar.</p>
<p>Woher kommt also <em>überraschen</em>? Auch wenn es so einfach klingt, dass man es kaum glauben mag: <em>überraschen</em> ist von <em>rasch</em> abgeleitet. Das Verb hat also nichts mit <em>rascheln</em> zu tun. Es bedeutet nicht <em>etwas für jemanden tun, ohne es durch Rascheln zu verraten</em> oder <em>so laut rascheln, dass die anderen etwas nicht bemerken</em>. Es ist auch keine durch Präfixaustausch und Umstellung von <em>a</em> und <em>r</em> dezent verhüllte Variante des eher vulgären Ausdrucks <em>verarschen</em>. So kompliziert ist es nicht. Das Verb <em>überraschen</em> ist einfach eine direkte Ableitung des Adjektivs <em>rasch = schnell</em>. Es bedeutete ursprünglich <em>rascher als jemand sein</em> oder kriegerischer <em>rasch über jemanden herfallen, jemanden rasch überfallen</em>.</p>
<p>Die heutige Bedeutung ist glücklicherweise meistens in einem abgeschwächten, übertragenen Sinne zu verstehen. Man muss also bei zum Beispiel einer Geburtstagsüberraschung in der Regel nicht befürchten, eventueller teurer Geschenke wegen an seinem Geburtstag rasch überfallen zu werden.</p>
<p>Mit freundlichen Grüßen</p>
<p>Dr. Bopp</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Twenty-one, vingt-et-un, zwanzigundeins &#8230;</title>
		<link>http://canoo.net/blog/2011/06/26/5255/</link>
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		<pubDate>Sun, 26 Jun 2011 13:25:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Bopp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Wortbildung]]></category>
		<category><![CDATA[Wortgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Zahlen]]></category>

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		<description><![CDATA[Frage Eine Frage liegt mir schon eine Weile am Herzen: die Zahlenaussprache in der deutschen Sprache. Englisch Deutsch Russisch eleven elf [adínatzat'] twelve zwölf [dwinátzat'] thirteen dreizehn [trinátzat] fourteen vierzehn [tschityrnatzat'] fifteen fünfzehn [pitnátzat'] sixteen sechzehn [schyßnátzat'] seventeen siebzehn [ßimnátzat'] eighteen achtzehn [waßimnátzat'] nineteen neunzehn [diwitnátzat'] twenty zwanzig [dwátzat'] twenty-one einundzwanzig [dwátzat' adín] Warum wird [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Frage</strong></p>
<p>Eine Frage liegt mir schon eine Weile am Herzen: die Zahlenaussprache in der deutschen Sprache.</p>
<blockquote>
<table>
<tbody>
<tr>
<td><strong>Englisch</strong></td>
<td><strong>Deutsch</strong></td>
<td><strong>Russisch</strong></td>
</tr>
<tr>
<td>eleven</td>
<td>elf</td>
<td>[adínatzat']</td>
</tr>
<tr>
<td>twelve</td>
<td>zwölf</td>
<td>[dwinátzat']</td>
</tr>
<tr>
<td>thirteen</td>
<td>dreizehn</td>
<td>[trinátzat]</td>
</tr>
<tr>
<td>fourteen</td>
<td>vierzehn</td>
<td>[tschityrnatzat']</td>
</tr>
<tr>
<td>fifteen</td>
<td>fünfzehn</td>
<td>[pitnátzat']</td>
</tr>
<tr>
<td>sixteen</td>
<td>sechzehn</td>
<td>[schyßnátzat']</td>
</tr>
<tr>
<td>seventeen</td>
<td>siebzehn</td>
<td>[ßimnátzat']</td>
</tr>
<tr>
<td>eighteen</td>
<td>achtzehn</td>
<td>[waßimnátzat']</td>
</tr>
<tr>
<td>nineteen</td>
<td>neunzehn</td>
<td>[diwitnátzat']</td>
</tr>
<tr>
<td>twenty</td>
<td>zwanzig</td>
<td>[dwátzat']</td>
</tr>
<tr>
<td>twenty-one</td>
<td>einundzwanzig</td>
<td>[dwátzat' adín]</td>
</tr>
</tbody>
</table>
</blockquote>
<p>Warum wird im Deutschen und im Englischen eine eigenständige 11 und 12 gesprochen und nicht z.B. <em>ein-zehn</em>, <em>zwei-zehn</em> wie im Russischen (1-[natzat], 2-[natzat]). Ab 13 haben alle drei Sprachen wieder die Zusammensetzung Einerzahl+<em>zehn</em>.</p>
<p>Und dann noch folgender Unterschied: Während im Englischen und Russischen ab zwanzig zuerst die Zehnerzahl und dann die Einerzahl genannt wird (<em>twenty-one, [dwátzat' adín]</em>), ist es im Deutschen umgekehrt (einundzwanzig).</p>
<p><strong>Antwort</strong></p>
<p>Sehr geehrter Herr D.,</p>
<p>die einfachste Antwort auf Ihre Frage könnte lauten: Weil es so ist. Diese Antwort wäre aber wenig befriedigend. Ich meine damit, dass verschiedene Sprachen verschiedene Methoden entwickelt haben, um dasselbe auszudrücken.</p>
<p>Dass einige Sprachen wie das Deutsche und Englische ein einfaches Wort für elf und zwölf haben, liegt wohl daran, dass man früher nicht nur das Dezimalsystem verwendetet. Häufig rechnete man zum Beispiel mit Dutzend (12),  halbem Dutzend (6) und Gros (= 12 Dutzend = 144). So werden zum Beispiel Eier auch heute noch häufig in Verpackungen zu 6 oder 12 Eiern verkauft. Man ging in diesem System bei den Zahlwörtern erst nach 12 auf das Dezimalsystem und die entsprechenden zusammengesetzten Bezeichnungen über*. Das ist bis heute so erhalten geblieben.</p>
<p>Eine Art Zwanzigersystem gab es im französischen Sprachraum: Man zählt in Frankreich auch heute noch zwischen 60 (= 3 x 20) und 80 (= 4 x 20) durch, das heißt es gibt kein Wort für <em>siebzig</em>:</p>
<blockquote><p>soixante-neuf, soixante-dix, soixante-et-onze, soixante-douze<br />
= sechzig-neun, sechzig-zehn, sechzig-und-elf, sechzig-zwölf</p></blockquote>
<p>Zwischen 80 und 99 wird es noch komplizierter:</p>
<blockquote><p>80 = quatre-vingt = vier [mal] zwanzig<br />
81 = quatre-vingt-un = vier zwanzig eins<br />
89 = quatre-vingt-neuf = vier zwanzig neun<br />
90 = quatre-vingt-dix = vier zwanzig zehn<br />
91 = quatre-vingt-onze = vier zwanzig elf<br />
99 = quatre-ving-dix-neuf = vier zwanzig zehn neun</p></blockquote>
<p>In verschiedenen Sprachen haben sich also verschiedene Zählsysteme entwickelt, die in unterschiedlicher Weise bis heute erhalten geblieben sind. So kompliziert wie bei <em>quatre-vingt-dix-neuf</em> wird es aber selten.</p>
<p>Ähnliches kann über die Reihenfolge der Elemente in zusammengesetzten Zahlen gesagt werden. Einige germanische Sprachen wie Deutsch, Niederländisch, Friesisch und altes o. gehobenes Englisch nennen zuerst die Einerzahl, dann die Zehnerzahl:</p>
<blockquote><p>dt. dreizehn, neunzehn, einundzwanzig<br />
nl. dertien, negentien, <span style="text-decoration: line-through;">eenentwentig</span> eenentwintig<br />
en. thirteen, nineteen, one and twenty</p></blockquote>
<p>Das moderne Englisch wechselt wie das Russische ab zwanzig von der Einer-Zehner-Folge auf die Zehner-Einer-Folge</p>
<blockquote><p>eightnineteen, nineteen || twenty-one, twenty-two</p></blockquote>
<p>Im Englischen ist diese Reihenfolge aber nicht ursprünglich, sondern (gem. Wörterbuch Merriam-Webster) aus dem Französischen übernommen worden. Das alte, aus dem Angelsächsischen stammende <em>one and twenty</em> ist fast gänzlich durch das heute übliche <em>twenty-one</em> ersetzt worden. Das moderne Englisch verwendet also germanische Zahlwörter in romanischer Reihenfolge.</p>
<p>Zur Bevorzugung der einen oder der anderen Variante kann man ganz grob Folgendes sagen: In germanischen Zusammensetzungen wird der Kern einer Zusammensetzung zuletzt genannt, während er in romanischen Sprachen zuerst genannt wird. Das könnte bei der Bildung von Zusammensetzungen für Zahlen einen Einfluss gehabt haben:</p>
<blockquote><p>Fußballmannschaft &#8211; équipe de football<br />
Zahlensysten &#8211; système de numération<br />
marineblau &#8211; bleu marine<br />
einundzwanzig &#8211; vingt-et-un</p></blockquote>
<p>Diese Darstellung beschränkt sich auf einige wenige Sprachen und ist auch sonst alles andere als vollständig. Sie soll nur zeigen, dass verschiedene Sprachen und Sprachgruppen bei der Bennenung der Zahlen ganz unterschiedliche Strategien verwendet haben.</p>
<p>Mit freundlichen Grüßen</p>
<p>Dr. Bopp</p>
<p>* Die Zahlwörter <em>elf</em> und <em>zwölf</em> beziehen sich allerdings indirekt auch auf <em>zehn</em>. Ihre ursprüngliche Bedeutung war ungefähr <em>eins übrig</em> und <em>zwei übrig</em>, d. h., was übrig bleibt, wenn man schon zehn gezählt hat.</p>
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