<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Fragen Sie Dr. Bopp! &#187; Wortgeschichte</title>
	<atom:link href="http://canoo.net/blog/tag/wortgeschichte/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://canoo.net/blog</link>
	<description>Deutsche Rechtschreibung und Grammatik</description>
	<lastBuildDate>Mon, 21 May 2012 12:02:52 +0000</lastBuildDate>
	<language>en</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
	<generator>http://wordpress.org/?v=3.0.1</generator>
		<item>
		<title>Der Mai und die Entlehnung von Wörtern</title>
		<link>http://canoo.net/blog/2012/04/30/der-mai-und-die-entlehnung-von-woertern/</link>
		<comments>http://canoo.net/blog/2012/04/30/der-mai-und-die-entlehnung-von-woertern/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 30 Apr 2012 11:46:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Bopp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Wortschatz]]></category>
		<category><![CDATA[Fremdwörter]]></category>
		<category><![CDATA[Wortgeschichte]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://canoo.net/blog/?p=7933</guid>
		<description><![CDATA[Wir haben vieles, auch viele Wörter, von den Römern übernommen. In Fachsprachen gibt es unzählige lateinische Wörter und Wortelemente, aber auch in der Allgemeinsprache kommen wir nicht ohne sie aus. Latinismen sind überall in unterschiedlicher Form zu finden: Bei den Wochentagen schöpfen wir, außer am Samstag, aus dem eigenen Wort- und Götterfundus: zum Beispiel Sonne [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wir haben vieles, auch viele Wörter, von den Römern übernommen. In Fachsprachen gibt es unzählige lateinische Wörter und Wortelemente, aber auch in der Allgemeinsprache kommen wir nicht ohne sie aus. Latinismen sind überall in unterschiedlicher Form zu finden:</p>
<p>Bei den Wochentagen schöpfen wir, außer am Samstag, aus dem eigenen Wort- und Götterfundus: zum Beispiel <em>Sonne</em> und <em>Mond</em> bei <em>Sonn-</em> und <em>Montag</em>, die Gottheiten <em>Donar</em> und <em>Freya</em> bei <em>Donnerstag</em> und <em>Freitag</em>, und der <em>Mittwoch</em> erklärt sich zumindest auf der Wortebene von selbst. Die Namen der Wochentage waren aber stark durch lateinische Begriffe beeinflusst. So wurden zum Beispiel der <em>dies Solis (Tag der Sonne) </em>zum <em>Sonntag,</em> der <em>dies Lunae (Tag des Mondes) </em>zum<em> Montag </em>und<em> Iovis dies (Jupiters Tag)</em> zum <em>Donnerstag (Donars Tag)</em>. Wir haben also einfach lateinische Bezeichnungen für die Wochentage ins Germanische übersetzt.</p>
<p>Bei den Monaten hingegen haben wir alles von den Lateinern übernommen: Von <em>Januar (Ianuarius)</em> bis <em>Dezember (December)</em> gehen alle Monatsnamen direkt auf die Bezeichnungen zurück, die die Römer verwendeten. Wir haben im Laufe der Jahrhunderte nur ein paar Endungen weggelassen <em>(-ius, -is</em>) und an verschiedenen Stellen das Schriftbild mithilfe der Buchstaben <em>J, ä, k</em> und <em>z</em> etwas „entlatinisiert“.</p>
<p>Wie man sieht, gab es im Bereich der Latinisimen (mindestens) zwei verschiedene Übernahmearten: die mehr oder weniger wörtliche Übersetzung wie bei den Wochentagen und die direkte Entlehnung wie bei den Monatsnamen. Wir waren also schon lange vor dem „Zeitalter der Anglizismen“ nicht allzu konsequent bei der Übernahme von Begriffen aus anderen Sprachen.</p>
<p>Heute, an einem Brückentag zwischen dem Sonntag und dem für viele arbeitsfreien Tag der Arbeit, kam beim mir die Frage auf, woher der Monatsname <em>Mai</em> genau stammt. An dieser Stelle wollte ich eigentlich etwas ausholen und eine schöne Wortgeschichte erzählen. Der Monat Mai gibt aber diesbezüglich nicht viel her: Die Römer nannten den Monat <em>Maius</em> und taten dies wahrscheinlich nach einer alten italischen Gottheit des Wachstums (<em>Maius</em> oder <em>Maia</em>). Viel mehr gibt es darüber nicht zu sagen, außer dass die Namen <em>Maius</em> und <em>Maia</em> mit <em>magnus (groß)</em> verwandt sind.</p>
<p>Ich wünsche allen einen schönen Ersten Mai!</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://canoo.net/blog/2012/04/30/der-mai-und-die-entlehnung-von-woertern/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Balkon, ein europäisches Wort</title>
		<link>http://canoo.net/blog/2012/03/30/balkon-ein-europaeisches-wort/</link>
		<comments>http://canoo.net/blog/2012/03/30/balkon-ein-europaeisches-wort/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 30 Mar 2012 17:00:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Bopp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Wortschatz]]></category>
		<category><![CDATA[Wortgeschichte]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://canoo.net/blog/?p=7722</guid>
		<description><![CDATA[Vom Frühliungputz halte ich nicht viel, aber es ist Zeit, dem Dreck, der sich im Laufe des Winters auf dem Balkon niedergelassen hat, mit dem Besen zu Leibe zu rücken. Das merkt man spätestens dann, wenn die Balkonbegrünung wieder den Einsatz des Gießkännchens erfordert. Es folgt nun weder eine Beschreibung empfehlenswerter Balkongewächse noch ein Tipp, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Vom Frühliungputz halte ich nicht viel, aber es ist Zeit, dem Dreck, der sich im Laufe des Winters auf dem Balkon niedergelassen hat, mit dem Besen zu Leibe zu rücken. Das merkt man spätestens dann, wenn die Balkonbegrünung wieder den Einsatz des Gießkännchens erfordert. Es folgt nun weder eine Beschreibung empfehlenswerter Balkongewächse noch ein Tipp, wie man am besten seinen Balkon fegt. Die zu behandelnde Frage ist vielmehr, woher <em>Balkon</em> eigentlich kommt.</p>
<p>Das Wort wird von vielen wie <em>balkong</em> ausgesprochen. Das deutet auf eine französische Herkunft hin. Wir haben es tatsächlich von den Franzosen übernommen, die das Wort <em>balcon</em> allerdings nicht selbst erfunden haben. Vor allem während des 16. und 17. Jahrhunderts war der italienische Einfluss am französischen Hof sehr groß: angefangen bei Katharina von Medici, die als Gattin Heinrichs II. ab 1547 Königin von Frankreich und später Regentin war, über Maria von Medici, ebenfalls durch Heirat französische Königin und später Regentin, bis hin zum auch aus Italien stammenden Kardinal Mazarin (Giulio Mazzarino), der von 1642 bis 1661 als regierender Minister Frankreichs die eigentliche Macht im Staat innehatte. Dieser über ein Jahrhundert währende politische und kulturelle Einfluss manifestierte sich auch in einer großen Anzahl italienischer Lehnwörter (Italianismen).</p>
<p>Auch <em>balcon</em> stammt aus dem Italienischen. Das Wort <em>balcone</em> bezeichnete dort ursprünglich ein Balkengerüst. <em>Balkengerüst</em> lässt vermuten, in welche Richtung man weitersuchen muss: <em>balcone</em> geht auf das langobardische Wort <em>balko</em> zurück. Die Langobarden waren ein germanisches Volk, das im 6. Jahrhundert in Norditalien einwanderte und dort auch einige sprachliche Spuren hinterließ (u. a. in der Lombardei, die ihren Namen den Langobarden verdankt). Das langobardische <em>balko</em> ist direkt mit unserem deutschen Wort <em>Balken </em>verwandt.</p>
<p>Den Balkon habe ich noch nicht gefegt, dafür weiß ich aber jetzt, dass man anhand des Wortes <em>Balkon</em> einen Teil der europäischen Geschichte verfolgen kann. Das germanische Wort gelangte mit den Langobarden nach Italien. Von dort reiste es mit italienischen Prinzessinnen, Kardinälen und deren Gefolge nach Frankreich und kam später, als das Französische hier noch sehr <em>en vogue</em> war, wieder zu uns in den germanischen Sprachraum zurück – ein wahrhaft europäisches Wort! Nebenbei wissen Sie nun auch, dass man Wortgeschichte als Vorwand benutzen kann, wenn man keine Lust auf Hausarbeit hat. Der Balkon muss noch einen Tag warten.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://canoo.net/blog/2012/03/30/balkon-ein-europaeisches-wort/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>3</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Gescheiter[t]</title>
		<link>http://canoo.net/blog/2012/03/18/gescheitert/</link>
		<comments>http://canoo.net/blog/2012/03/18/gescheitert/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 18 Mar 2012 16:08:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Bopp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Wortschatz]]></category>
		<category><![CDATA[Wortgeschichte]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://canoo.net/blog/?p=7640</guid>
		<description><![CDATA[Frage Gibt es einen Grund, warum die Wörter „gescheit“ und „gescheitert“ so ähnlich sind? Oder ist es nur Zufall? Antwort Sehr geehrter Herr H., im heutigen Deutsch gibt es keinen Zusammenhang zwischen gescheitert und gescheit. Ganz zufällig ist die Ähnlichkeit der beiden Wörter aber nicht: Das Wort gescheit geht auf ein altes Adjektiv geschîde zurück, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Frage</strong></p>
<p>Gibt es einen Grund, warum die Wörter „gescheit“ und „gescheitert“ so ähnlich sind? Oder ist es nur Zufall?</p>
<p><strong>Antwort</strong></p>
<p>Sehr geehrter Herr H.,</p>
<p>im heutigen Deutsch gibt es keinen Zusammenhang zwischen <em>gescheitert</em> und <em>gescheit</em>. Ganz zufällig ist die Ähnlichkeit der beiden Wörter aber nicht:</p>
<p>Das Wort <em>gescheit</em> geht auf ein altes Adjektiv <em>geschîde</em> zurück, das in übertragenem Sinne <em>(geistig) scharf und unterscheidend</em> bedeutete. Dieses Adjektiv ist direkt mit dem Verb <em>schîden</em>, einer Nebenform von <em>scheiden</em>, verwandt.</p>
<p>Das Wort <em>gescheitert</em> gehört zum Verb <em>scheitern</em>. Mit der Bedeutung <em>misslingen, fehlschlagen</em> ist dieses Verb relativ jung (17. Jh.). Davor gab es <em>zerscheitern</em> (16. Jh.), wahrscheinlich also <em>in Scheiter gehen</em>, <em>in Stücke gehen</em>. Das Wort <em>Scheit</em> <em>(abgespaltenes Stück Holz)</em> hatte früher die Form <em>schît</em> und ist – vielleicht erraten Sie es schon – mit dem Verb <em>scheiden</em> verwandt.</p>
<p><em>Ge</em><em>sc</em><em>heit</em> und <em>gescheitert</em> sind also beide in gewissem Sinne Nachkommen des Verbs <em>scheiden</em>. Ihre Bedeutungen haben sich aber sehr unterschiedlich entwickelt. Der Zusammenhang zwischen den beiden Wörtern ist deshalb (wie die Verwandtschaft mit <em>Holzscheit</em>) nur noch rein formal am Wortkern <em>scheit</em> zu erkennen – auch wenn es wenig Mühe bereitet, die beiden Wörter gemeinsam in einen Satz zu zwängen: „Wärst du gescheiter, wärst du nicht gescheitert.“ „Daran sind schon Gescheitere gescheitert.“</p>
<p>Gegen das Ende der Wintersportsaison auch interessant: Über ein paar zusätzliche (norwegische) Ecken hat auch das Wort <em>Ski</em> mit <em>gescheitert</em> und <em>gescheit</em> zu tun. Das norwegische Wort für <em>Schneeschuh</em>, den Vorläufer des Skis, ist nämliche ein direkter Verwandter des deutschen Wortes <em>Scheit</em>.</p>
<p>Mit freundlichen Grüßen</p>
<p>Dr. Bopp</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://canoo.net/blog/2012/03/18/gescheitert/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Warum heißt die Gegenwart so?</title>
		<link>http://canoo.net/blog/2012/03/08/warum-heisst-die-gegenwart-so/</link>
		<comments>http://canoo.net/blog/2012/03/08/warum-heisst-die-gegenwart-so/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 08 Mar 2012 13:17:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Bopp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Grammatik]]></category>
		<category><![CDATA[Wortschatz]]></category>
		<category><![CDATA[Wortgeschichte]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://canoo.net/blog/?p=7565</guid>
		<description><![CDATA[Kinder stellen gute Fragen. Ich hatte mir die folgende Frage jedenfalls noch nie gestellt – und das als „Sprachler“! Frage Mein achtjähriger Sohn M[...] fragt, warum das Wort „Gegenwart“ so heißt? Woher kommt die Wortverbindung aus „gegen“ und „wart(en?)“ bzw. was hat diese mit der Wortbedeutung zu tun? Antwort Sehr geehrte Frau R., lieber M., [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Kinder stellen gute Fragen. Ich hatte mir die folgende Frage jedenfalls noch nie gestellt – und das als „Sprachler“!</p>
<p><strong>Frage</strong></p>
<p>Mein achtjähriger Sohn M[...] fragt, warum das Wort „Gegenwart“ so heißt? Woher kommt die Wortverbindung aus „gegen“ und „wart(en?)“ bzw. was hat diese mit der Wortbedeutung zu tun?</p>
<p><strong>Antwort</strong></p>
<p>Sehr geehrte Frau R., lieber M.,</p>
<p>das Wort <em>Gegenwart</em> ist ein altes Wort. Es ist mit einem Adjektiv verbunden, das <em>gegewertec</em> oder <em>gegenwürtec</em> hieß und <em>gegenwärtig</em>, <em>anwesend</em> bedeutete. Die wörtliche Bedeutung war <em>gegenüber seiend</em>. Es bezeichnete also dasjenige, das sich einem gegenüber befindet, das anwesend ist.</p>
<p>Den Wortteil <em>gegen</em> kann man somit als <em>gegenüber</em> verstehen. Der zweite Teil, <em>wart</em>, hat nichts mit dem Wort <em>warten</em> zu tun. Er ist mit <em>-wärtig</em> verwandt, das <em>gewendet</em>, <em>gerichtet</em> bedeutete. Man findet dieses <em>wärt(ig)</em> heute noch in zum Beispiel <em>auswärts (nach außen gewendet), abwärts (hinab gerichtet),  südwärts (nach Süden gerichtet) </em>usw.</p>
<p>Als Bezeichnung für die Zeitform des Verbs kam <em>Gegenwart</em> erst im 18. Jahrhundert auf.</p>
<p>Von der früheren wörtlichen Bedeutung <em>gegen(über) gerichtet, gegenüber seiend</em> bis zur heutigen Bedeutung <em>Jetztzeit</em> hat das Wort <em>Gegenwart</em> also einen recht langen Weg zurückgelegt, den man aber – wenn man es einmal weiß – recht gut nachvollziehen kann.</p>
<p>Mit freundlichen Grüßen</p>
<p>Dr. Bopp</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://canoo.net/blog/2012/03/08/warum-heisst-die-gegenwart-so/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>In der Tinte sitzen</title>
		<link>http://canoo.net/blog/2012/02/29/in-der-tinte-sitzen/</link>
		<comments>http://canoo.net/blog/2012/02/29/in-der-tinte-sitzen/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 29 Feb 2012 12:35:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Bopp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Wortschatz]]></category>
		<category><![CDATA[Redewendungen]]></category>
		<category><![CDATA[Wortgeschichte]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://canoo.net/blog/?p=7487</guid>
		<description><![CDATA[Frage Ich wollte Sie freundlich anfragen, ob Sie mir aus der Patsche helfen. Woher kommt wohl der Ausdruck „in der Tinte sitzen“? Antwort Sehr geehrte Frau M., aus dieser Patsche kann ich Ihnen leider nicht helfen. Ich haben keine zuverlässige Erklärung für die Entstehung der Wendung in der Tinte sitzen (= in Bedrängnis, Schwierigkeiten sein) finden [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Frage</strong></p>
<p>Ich wollte Sie freundlich anfragen, ob Sie mir aus der Patsche helfen. Woher kommt wohl der Ausdruck „in der Tinte sitzen“?</p>
<p><strong>Antwort</strong></p>
<p>Sehr geehrte Frau M.,</p>
<p>aus dieser Patsche kann ich Ihnen leider nicht helfen. Ich haben keine zuverlässige Erklärung für die Entstehung der Wendung <em>in der Tinte sitzen</em> (<em>= in Bedrängnis, Schwierigkeiten sein</em>) finden können.</p>
<p>Eine Erklärung sagt, dass man dann so richtig in der Tinte sitzt, wenn man durch etwas in Bedrängnis kommt, das schriftlich, das heißt mit Tinte festgelegt ist. Besser gefällt mir der Versuch, den Ursprung der Wendung in der „Geschichte von den schwarzen Buben“ im „Struwwelpeter“ zu suchen. In der nach heutigen Maßstäben politisch nicht sehr korrekten Erzählung wird ein vor dem Tor spazierender Mohr zum Gespött dreier böser Buben. Zur Strafe werden die uneinsichtigen Bösewichte ins große Tintenfass des großen Nikolas getunkt:</p>
<table>
<tbody>
<tr>
<td><img class="alignnone size-medium wp-image-7496" title="Geschichte von den schwarzen Buben" src="http://canoo.net/blog/wp-content/uploads/2012/02/Tinte-2--246x300.jpg" alt="" width="197" height="240" /></td>
<td>Da kam der große NIKOLAS<br />
Mit seinem großen Tintenfaß.<br />
Der sprach: »Ihr Kinder, hört mir zu,<br />
Und laßt den Mohren hübsch in Ruh’!<br />
Was kann denn dieser Mohr dafür,<br />
Daß er so weiß nicht ist wie ihr?«<br />
Die Buben aber folgten nicht,<br />
Und lachten ihm ins Angesicht<br />
Und lachten ärger als zuvor<br />
Über den armen schwarzen Mohr</td>
</tr>
<tr>
<td><img class="alignnone size-medium wp-image-7497" title="Geschichte von den schwarzen Buben" src="http://canoo.net/blog/wp-content/uploads/2012/02/Tinte-3-246x300.jpg" alt="" width="197" height="240" /></td>
<td>Der Niklas wurde bös und wild,<br />
Du siehst es hier auf diesem Bild!<br />
Er packte gleich die Buben fest,<br />
Beim Arm, beim Kopf, bei Rock und West’,<br />
Den Wilhelm und den Ludewig,<br />
Den Kaspar auch, der wehrte sich.<br />
Er tunkt sie in die Tinte tief,<br />
Wie auch der Kaspar: »Feuer!« rief.<br />
Bis übern Kopf ins Tintenfaß<br />
Tunkt sie der große Nikolas</td>
</tr>
<tr>
<td colspan="2"><small>[Heinrich Hoffmann, <em>Die Geschichte von den schwarzen Buben</em>, in: <em><a href="http://de.wikisource.org/wiki/Lustige_Geschichten_und_drollige_Bilder">Lustige Geschichten und drollige Bilder</a></em>, 1845, Frankfurt am Main (ab 1847 mit dem Titel <em>Der Struwwelpeter</em>)]</small></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>So sympathisch die Erklärung auch klingen mag, die Redewendung <em>in der Tinte sitzen</em> kann ihren Ursprung nicht im „Struwwelpeter“ haben. Gemäß den Angaben in <a href="http://www.woerterbuchnetz.de/DWB?lemma=dinte">Grimm</a> verwendete zum Beispiel Johann Geiler von Kaysersberg (1445-1510), Autor und bekannter Münsterprediger in Straßburg, diese Ausdrucksweise bereits Ende des 15. und Anfang des 16. Jahrhunderts:</p>
<blockquote><p>ir stecken mit mir in der dinten<br />
<small>[<em>Doctor Keiserssbergs Postill</em>, 1522]</small></p>
<p>soltestu den man strofen, din gesind strofen, so bistu selber in der dinten<br />
<small>[<em>Peregrinus / Der bilger mit seinen eygenschaften</em>, 1494]</small></p></blockquote>
<p>Am wahrscheinlichsten ist, dass Tinte, die bei unsachgemäßer Handhabung ja ausgezeichnet und hartnäckig beschmutzen kann, eine nettere Alternative für <em>Dreck</em> war und ist. Auch ihre dunkle, undurchsichtige Färbung mag zu diesem negativen Bild beitragen. Mit Sicherheit kann ich dies aber leider nicht sagen.</p>
<p>Mit freundlichen Grüßen</p>
<p>Dr. Bopp</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://canoo.net/blog/2012/02/29/in-der-tinte-sitzen/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Die Lawine kommt aus der Schweiz</title>
		<link>http://canoo.net/blog/2012/02/19/die-lawine-kommt-aus-der-schweiz/</link>
		<comments>http://canoo.net/blog/2012/02/19/die-lawine-kommt-aus-der-schweiz/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 19 Feb 2012 12:04:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Bopp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Wortschatz]]></category>
		<category><![CDATA[Wortgeschichte]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://canoo.net/blog/?p=7424</guid>
		<description><![CDATA[Wenn es viel schneit kommt in den Bergen neben großer Wintersportfreude unweigerlich auch große Lawinengefahr auf. Das allgemein bekannte und zurzeit leider wieder sehr aktuelle Wort Lawine kommt aus der Schweiz. Dass es aus dem Alpenraum stammt, ist nicht sehr erstaunlich, denn im deutschsprachigen Raum gab es vor Massenreisefieber und Massenmedien andernorts selten Verwendung für [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn es viel schneit kommt in den Bergen neben großer Wintersportfreude unweigerlich auch große Lawinengefahr auf. Das allgemein bekannte und zurzeit leider wieder sehr aktuelle Wort <em>Lawine</em> kommt aus der Schweiz. Dass es aus dem Alpenraum stammt, ist nicht sehr erstaunlich, denn im deutschsprachigen Raum gab es vor Massenreisefieber und Massenmedien andernorts selten Verwendung für dieses Wort – außer vielleicht im Zusammenhang mit Dachlawinen, doch man kam dabei offensichtlich ohne die spezielle Bezeichnung <em>Lawine</em> aus.</p>
<p>Nun klingt <em>Lawine</em> im Vergleich zu <em>Chuchichäschtli</em>, <em>Chopfchüssi</em>, <em>Grüezi/Grüessech</em>, <em>Müesli </em>und <em>Bankghäimnis</em> nicht sehr schweizerdeutsch. Das liegt daran, dass wir es eigentlich den Lateinern zu verdanken haben. Seine Wurzel ist lateinisch <em>lābī = herabgleiten, fallen</em>, von dem das spätlateinische <em>lābīna = Erdrutsch, Bergsturz </em>abgeleitet wurde. Über das Ladinische und Rätoromanische der in den Alpen wohnenden Romanen gelang das Wort schon früh zu den Alemannen an die Alpennordseite: <em>lewina</em>, <em>lowin</em> dann <em>Láui</em>, <em>Láuine</em>, <em>Láuene. </em>Das Wort reiste auch andernorts über die Alpen: bairisch-österreichisch u. a. <em>Lāne</em>, <em>Lān</em>, <em>Län</em>. In der schweizerischen Form <em>Lauwin(e)</em> wurde es später in die Schriftsprache übernommen und gelangte über die Reiseliteratur auch weiter nördlich zu einiger Bekanntheit. Zum eigentlichen „Durchbruch“ hat dem Wort wohl Friedrich Schiller verholfen, der in seinem „Willhelm Tell“ die Nebenform <em>Lawine </em>verwendete:</p>
<blockquote><p>Bei jedem Abschied zittert mir das Herz,<br />
Dass du mir nimmer werdest wiederkehren.<br />
Ich sehe dich im wilden Eisgebirg,<br />
[...] Wie eine Wind<em>lawine</em> dich verschüttet,<br />
<small>[3. Aufzug 1. Szene]</small></p></blockquote>
<blockquote><p>- Das sind die Gletscher, die des Nachts so donnern,<br />
Und uns die Schlag<em>lawinen</em> niedersenden.<br />
- So ists, und die <em>Lawinen</em> hätten längst<br />
Den Flecken Altorf unter ihrer Last<br />
Verschüttet, wenn der Wald dort oben nicht<br />
Als eine Landwehr sich dagegen stellte.<br />
<small>[3. Aufzug 3. Szene]</small></p></blockquote>
<blockquote><p>Vater, es wird mir eng im weiten Land,<br />
Da wohn’ ich lieber unter den <em>Lawinen</em><br />
<small>[3. Aufzug 3. Szene]</small></p></blockquote>
<blockquote><p>Am Abgrund geht der Weg, und viele Kreutze<br />
Bezeichnen ihn, errichtet zum Gedächtniß<br />
Der Wanderer, die die <em>Lawine</em> begraben.<br />
<small>[5. Aufzug 2. Szene]</small></p></blockquote>
<p>Auch damals versuchte man also, dem Publikum mit der Schilderung „exotischer“ Gefahren ein Schaudern zu entlocken. Die Hauptbetonung ist auf dem Weg in den Norden übrigens von der ersten Silbe (Láuwine) auf die zweite Silbe (Lawíne) gerutscht.</p>
<p>Das Wort <em>Lawine</em> kommt also aus der Schweiz. Genauer müsste man allerdings sagen, dass es aus dem Spätlateinischen <em>über</em> die Schweiz in Werken von Reiseschriftstellern und Dichterfürsten in den allgemeinen deutschen Wortschatz gelangt ist.</p>
<p>Wie dem auch sei: Seien Sie vorsichtig und passen Sie gut auf, wenn Sie sich auf Latten und Brettern in den Schnee wagen! Lawinen sind gefährlich – nicht nur bei Schiller und nicht nur in der Schweiz.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://canoo.net/blog/2012/02/19/die-lawine-kommt-aus-der-schweiz/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Der Bürgersteig</title>
		<link>http://canoo.net/blog/2012/02/09/der-burgersteig/</link>
		<comments>http://canoo.net/blog/2012/02/09/der-burgersteig/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 09 Feb 2012 13:21:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Bopp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Wortschatz]]></category>
		<category><![CDATA[Reform]]></category>
		<category><![CDATA[Regionale Unterschiede]]></category>
		<category><![CDATA[Wortgeschichte]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://canoo.net/blog/?p=7303</guid>
		<description><![CDATA[Frage Bürgersteig! Ist diese Bezeichnung für „Gehweg“ heute noch standesgemäß? Während meines Studiums, wurde uns erklärt, diese Definition stamme aus Kaisers Zeiten! Um den Kaiser bei Besuchen, Paraden etc. besser sehen zu können, sollten die Bürger den höher gelegenen Teil der Straße (den Bürgersteig) benutzen! Warum nicht heute generell „Gehweg“? Antwort Sehr geehrter Herr B. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Frage</strong></p>
<p>Bürgersteig! Ist diese Bezeichnung für „Gehweg“ heute noch standesgemäß? Während meines Studiums, wurde uns erklärt, diese Definition stamme aus Kaisers Zeiten! Um den Kaiser bei Besuchen, Paraden etc. besser sehen zu können, sollten die Bürger den höher gelegenen Teil der Straße (den Bürgersteig) benutzen! Warum nicht heute generell „Gehweg“?</p>
<p><strong>Antwort</strong></p>
<p>Sehr geehrter Herr B.</p>
<p>am Wort <em>Bürgersteig</em> gibt es eigentlich nicht so viel auszusetzen. Die Erklärung, die man Ihnen während des Studiums gegeben hat, scheint mir nicht wirklich zutreffend zu sein. Bürgersteige gab es schon vor des Kaisers Zeiten. Vielleicht war aber auch einfach allgemein ein Fürst gemeint oder wurden Bürgersteige erst unter kaiserlicher Herrschaft so genannt. Bürgersteige gab es allerdings auch dort, wo keine kaiserlichen oder sonstigen fürstlichen Paraden zu erwarten waren. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts wurde sie außerdem häufiger <em>Trottoir</em> genannt. Eine andere überzeugende Erklärung muss ich Ihnen aber ehrlich gesagt auch schuldig bleiben. Ich konnte sie in keiner der mir zur Verfügung stehenden Quellen finden. So behauptet jemand, dass der Bürgersteig so heiße, weil nur die gute Bürgerschaft, nicht aber das gewöhnliche Volk ihn benutzen durfte. Bei dieser Erklärung ist die Benutzung des Bürgersteigs also nicht dem niedrigeren Stand, sondern umgekehrt den Höhergestellten vorbehalten.</p>
<p>Die genaue Herkunft des Wortes ist also ungeklärt oder einfach so unspektakulär, dass ich keine Informationen dazu finden konnte. Heute heißt der erhöhte Gehweg für Fußgänger jedenfalls so, ohne dass ein bestimmter sozialer Stand damit verbunden wäre. Ich finde also keinen Grund, weshalb man das Wort <em>Bürgersteig</em> nicht mehr verwenden sollte. (Man könnte sich höchstens Fragen, ob denn Fahrradfahrer, Motorradfahrer und Automobilisten nicht auch Bürger sind. Nicht alle Verkehrsteilnehmer auf Rädern sind schließlich ungehobelte Rüpel und auch unter den Fußgängern gibt es sich eher proletenhaft Benehmende.) Das Wort <em>Bürgersteig</em> ist allerdings nicht überall üblich und manche finden den Begriff etwas veraltet. Deshalb hört man oft eher <em>Gehweg</em>, <em>Gehsteig</em> (SO-Deutschland, Österreich) oder <em>Trottoir</em> (Schweiz).</p>
<p>Mit freundlichen Grüßen</p>
<p>Dr. Bopp</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://canoo.net/blog/2012/02/09/der-burgersteig/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>9</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Es wird nicht mehr gemeuchelt</title>
		<link>http://canoo.net/blog/2012/01/29/es-wird-nicht-mehr-gemeuchelt/</link>
		<comments>http://canoo.net/blog/2012/01/29/es-wird-nicht-mehr-gemeuchelt/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 29 Jan 2012 21:00:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Bopp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Wortschatz]]></category>
		<category><![CDATA[Wortbedeutung]]></category>
		<category><![CDATA[Wortgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Wortwahl]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://canoo.net/blog/?p=7200</guid>
		<description><![CDATA[Heute begegnete mir das Wort – und glücklicherweise nur das Wort – Meuchelmörder. Ein Meuchelmörder ist jemand, der einen anderen Menschen heimlich und hinterhältig ums Leben bringt. Begeht eine Frau eine solchen Meuchelmord, ist sie eine Meuchelmörderin. Dies sind Wörter, die man nicht sehr oft hört und liest – meist in einem auf die Vergangenheit bezogenen Zusammenhang, in dem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Heute begegnete mir das Wort – und glücklicherweise nur das Wort – <em>Meuchelmörder</em>. Ein Meuchelmörder ist jemand, der einen anderen Menschen heimlich und hinterhältig ums Leben bringt. Begeht eine Frau eine solchen <em>Meuchelmord</em>, ist sie eine <em>Meuchelmörderin</em>. Dies sind Wörter, die man nicht sehr oft hört und liest – meist in einem auf die Vergangenheit bezogenen Zusammenhang, in dem es um historische Figuren geht, die ihr Leben durch die Hand eines Meuchelmörders oder einer Meuchelmörderin verloren. Manchmal sind sie eher scherzhaft gemeint, zum Beispiel in der Schlagzeile „Gericht sühnt Meuchelmord an Frosch Knötti.“</p>
<p>Noch seltener begegnet man dem ersten Wortteil, dem Verb <em>meucheln</em>, und seinen Ableitungen: Wenn Sie lesen, dass ein Bösewicht sich in <em>meuchlerischer</em> Absicht näherte oder jemand <em>meuchlings</em> ermordet wurde, ist es nicht ganz unwahrscheinlich, dass Sie eine Passage aus einem historischen Roman des Kalibers „Die drei Musketiere“ oder „Angélique“ vor sich haben. Heute wird meistens nicht gemeuchelt, sondern heimtückisch gemordet. Das Resultat ist allerdings dasselbe. Entsprechend ist die Frage der Wortwahl den Ermordeten wahrscheinlich ziemlich gleichgültig.</p>
<p>Das Verb <em>meucheln</em> bedeutete früher allgemeiner <em>heimlich, heimtückisch handeln</em> und geht auf ein älteres Wort <em>muchon</em> zurück, das <em>(sich) verbergen, verstecken</em> und noch früher u. a. <em>heimlich lauern</em> bedeutete. Mit <em>Meuchel-</em> beginnende Wörter gab es früher viel mehr. Ein paar schöne Beispiele aus dem <a href="http://woerterbuchnetz.de/DWB/?sigle=DWB&amp;mode=Vernetzung&amp;lemid=GM04565">Deutschen Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm</a>:</p>
<blockquote><p>Meuchelhund = Schimpfwort für einen heimtückischen Menschen<br />
Meuchellist = heimtückische List<br />
Meuchellüge = heimtückische Lüge<br />
Meuchelrotte = Bande von Meuchelmördern<br />
Meuchelschwert = zum Meuchelmord dienendes Schwert</p></blockquote>
<p>Mein Favorit (als Wort, nicht als Tätigkeit!):</p>
<blockquote><p>Meuchelbrennerei = heimtückische Brandstiftung</p></blockquote>
<p><em>Meuchel-</em> ist also häufig durch Wendungen mit <em>heimtückisch</em> ersetzt worden. Immer noch springlebendig ist aber ein vielleicht mit <em>meucheln</em> verwandtes, eher umgangssprachliches Wort: <em>mogeln</em>. Auch wenn nicht mehr gemeuchelt wird, gemogelt wird noch immer.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://canoo.net/blog/2012/01/29/es-wird-nicht-mehr-gemeuchelt/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>2</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Meinetwegen</title>
		<link>http://canoo.net/blog/2011/12/16/meinetwegen/</link>
		<comments>http://canoo.net/blog/2011/12/16/meinetwegen/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 16 Dec 2011 10:35:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Bopp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Grammatik]]></category>
		<category><![CDATA[Genitiv]]></category>
		<category><![CDATA[Wortgeschichte]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://canoo.net/blog/?p=6838</guid>
		<description><![CDATA[Frage Ich kenne zwar keinen, der es sagt, aber man hört ja manchmal dass „wegen mir“ wohl eher „wegen meiner“ heißen müsste. Kehrt man die Reihenfolge um, bekommt man die viel üblichere Variante „meinetwegen“. Aber nur fast. Woher kommt eigentlich das t? Antwort Sehr geehrter Herr M., wenn man nicht wegen mir sagen will, weil [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Frage</strong></p>
<p>Ich kenne zwar keinen, der es sagt, aber man hört ja manchmal dass „wegen mir“ wohl eher „wegen meiner“ heißen müsste. Kehrt man die Reihenfolge um, bekommt man die viel üblichere Variante „meinetwegen“. Aber nur fast. Woher kommt eigentlich das t?</p>
<p><strong>Antwort</strong></p>
<p>Sehr geehrter Herr M.,</p>
<p>wenn man nicht <em>wegen mir</em> sagen will, weil der <a href="http://www.canoo.net/services/OnlineGrammar/Wort/Praeposition/Kasus/Genitiv.html#Anchor-wegen-58500">Dativ nach <em>wegen</em></a> standardsprachlich, gelinde gesagt, umstritten ist, empfiehlt es sich <em>meinetwegen</em> zu verwenden.</p>
<blockquote><p>Macht euch meinetwegen keine Sorgen!<br />
Wir sind nur euretwegen gekommen.</p></blockquote>
<p>Die Formulierung <em>wegen meiner</em> hören Sie deshalb nicht sehr oft, weil sie veraltetet ist (oder das Resultat eines „Genitivkrampfes“, der manche beim Anblick des Wörtchens <em>wegen</em> befällt). Das Wort <em>meinetwegen</em> geht ursprünglich auf die Wendung <em>von meinen wegen </em>zurück. Im Verlauf der Zeit schlich sich der Übergangskonsonant t ein, der nur der Aussprache dient: <em>meinent wegen</em>, <em>meinentwegen</em>. Später fiel dann noch das n vor dem t weg, was zur heute üblichen Form <em>meinetwegen</em> führte. Eine ähnliche Entstehungsgeschichte haben auch <em>meinethalben</em>, <em>allenthalben</em> und <em>meinetwillen</em>. Ein eingeschobenes t findet man weiter auch bei zum Beispiel <em>wöchentlich, hoffentlich, wesentlich</em> u. a. m.</p>
<p>Im Zusammenhang mit der Ächtung des Dativs nach <em>wegen</em> gefällt mir das folgende „pikante“ Detail: Das Wort <em>meinetwegen</em>, das man anstelle von <em>wegen mir</em> zu verwenden hat, ist ursprünglich ein Dativ: <em>von meinen wegen &#8230;</em></p>
<p>Mit freundlichen Grüßen</p>
<p>Dr. Bopp</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://canoo.net/blog/2011/12/16/meinetwegen/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>8</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Joghurt und Joga</title>
		<link>http://canoo.net/blog/2011/11/27/joghurt-und-joga/</link>
		<comments>http://canoo.net/blog/2011/11/27/joghurt-und-joga/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 27 Nov 2011 11:03:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Bopp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Wortschatz]]></category>
		<category><![CDATA[Essen/Trinken]]></category>
		<category><![CDATA[Wortgeschichte]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://canoo.net/blog/?p=6529</guid>
		<description><![CDATA[Wenn man am Sonntagmorgen bei Mü(e)sli mit Joghurt in einem Artikel das Wort Joga liest, fragt man sich aus Versehen plötzlich, ob man nicht wieder einmal etwas Gesundes für Leib uns Seele tun sollte und ob eventuell Joga eine geeignete Lösung dafür sein könnte. Wenn man dann wie ich keine Lust hat, sich schon mit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn man am Sonntagmorgen bei <a href="http://canoo.net/blog/2008/11/27/muesli-musli-und-muesli/">Mü(e)sli</a> mit Joghurt in einem Artikel das Wort <em>Joga</em> liest, fragt man sich aus Versehen plötzlich, ob man nicht wieder einmal etwas Gesundes für Leib uns Seele tun sollte und ob eventuell Joga eine geeignete Lösung dafür sein könnte. Wenn man dann wie ich keine Lust hat, sich schon mit solch schwerwiegenden Fragen zu beschäftigen, bringt die Berufsdeformation die Rettung: <em>Joghurt – Joga</em>, beides ist gesund und klingt sehr ähnlich. Es gibt hier bestimmt einen wortgeschichtlichen Zusammenhang!</p>
<p>Bevor die Spannung nun ins Unerträgliche steigt, sei es gleich verraten: Außer der lautlichen Ähnlichkeit gibt es keinen Zusammenhang zwischen den beiden Wörtern. Sie kommen sogar aus zwei verschiedenen Sprachfamilien.</p>
<p>Das Wort <em>Joghurt</em> (auch <em>Jogurt</em> geschrieben) haben wir aus dem Türkischen übernommen. Dort bedeutet <em>yoğurt </em>„dicke Milch“ und eben „Joghurt“. Es gehört in die gleiche Wortfamilie wie <em>yoğun</em> „dicht, dick, kompakt“ und <em>yoğmak</em> „gerinnen, dick werden“.</p>
<p>Das Türkische gehört zu den altaischen Sprachen. Das Deutsche hingegen gehört zu den indoeuropäischen Sprachen, und das Wort <em>Joga</em> (auch <em>Yoga</em> geschrieben) hat indoeuropäische Wurzeln. Es ist ein altindisches Wort, das ursprünglich die Bedeutung „Verbindung, Vereinigung“ hatte und mit einem ganz anderen Wort als <em>Joghurt</em> verwandt ist, das man auch heute noch kennt. Über ein altindisches Verb, das „verbinden, anschirren“ bedeutet, kann es mit dem Vorfahren des Wortes <em>Joch</em> in Verbindung gebracht werden.</p>
<p>Feinheiten und philosophischen Hintergründe außer Acht lassend könnte man also den folgenden Schluss ziehen: Joga – Joch, Entspannung durch Anspannung. Ich werde es heute jedenfalls beim Joghurt bleiben lassen.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://canoo.net/blog/2011/11/27/joghurt-und-joga/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>4</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>

