Ein Termin mit oder bei jemandem?

Heute geht es um eine Frage, die Muttersprachige sich wohl kaum je stellen, die aber Deutschlernende manchmal beschäftigt: ein Termin mit oder ein Termin bei? Die Schwierigkeit für sie liegt darin, dass beides vorkommt und dass häufig, aber nicht immer beides möglich ist.

Frage

Was ist richtig: „Ich habe einen Termin mit Herrn Müller“ oder „Ich habe einen Termin bei Herrn Müller“?

Antwort

Sehr geehrter Herr B.,

beide Formulierungen sind möglich, es gibt aber einen Bedeutungsunterschied:

ein Termin mit X = Angabe, mit wem man sprechen wird
ein Termin bei X = Angabe, wo das Treffen stattfinden wird

Zum Beispiel:

Ich habe einen Termin mit der Anwältin.
Ich habe im Gerichtsgebäude einen Termin mit der Anwältin.

Ich habe einen Termin bei der Anwältin.
Ich habe bei der Anwältin einen Termin mit ihrem Assistenten.

Oft ist sind die Angabe, wo man einen Termin hat, und die Angabe, mit wem man einen Termin hat, identisch. Wenn Sie zum Beispiel in Herrn Müllers Büro mit Herrn Müller reden werden, haben Sie einen Termin bei Herrn Müller und auch einen Termin mit Herrn Müller:

Ich habe einen Termin bei Herrn Müller.
Ich habe einen Termin mit Herrn Müller.

Beides ist dann korrekt.

Es ist also gar nicht so kompliziert. Sie müssen einfach entscheiden, ob Sie angeben möchten, wen Sie treffen werden (Termin mit) oder wo das Treffen stattfinden wird (Termin bei).

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Trotzdem, obwohl?

Ich hoffe, dass Sie nicht allzu lange auf eine Antwort warten mussten, obwohl ich, statt nördlich der Alpen dem November zu trotzen, im Süden Portugals noch einige schöne Sonnentage genossen habe. Anders gesagt: Ich war ein paar Tage in der Algarve und hoffe, dass Sie trotzdem nicht allzu lange auf eine Antwort warten mussten. Im November kommt bei mir nämlich häufiger der Gedanke auf, in wärmere Gefilde auszuwandern. Doch darum soll’s nicht gehen, sondern um obwohl und trotzdem, ein altbekanntes Wortpaar, das aber immer wieder zu Fragen Anlass gibt.

Frage

Gibt es Regeln zu „trotzdem“ und „obwohl“, die besagen, in welchen Fällen nur das eine und in welchen Fällen nur das andere Wort zu verwenden ist?

Antwort

Sehr geehrte Frau B.,

das Wort trotzdem kommt im Deutschen mit zwei verschiedenen Funktionen vor. Unbestritten ist seine Verwendung als Adverb. Es hat dann ungefähr die gleiche Bedeutung wie dennoch und wird auch so verwendet:

  1. Ich habe Lust wegzugehen, trotzdem (dennoch) bleibe ich heute zu Hause.
  2. Wir hatten die Waren bereits bezahlt, aber sie wurden trotzdem (dennoch) nicht geliefert.

Im ersten Satz sieht man, dass trotzdem als Adverb an erster Stelle stehen kann und dann – wie es sich in einem Hauptsatz gehört – das Verb an zweiter Stelle folgt.

Häufig begegnet man trotzdem auch als underordnender Konjunktion mit der gleichen Bedeutung und Verwendung wie obwohl. Diese Verwendung von trotzdem ist umstritten:

  1. Trotzdem (obwohl) ich Lust habe wegzugehen, bleibe ich heute zu Hause.
  2. Die Waren wurden nicht geliefert, trotzdem (obwohl) wir sie bereits bezahlt hatten.

Hier leitet trotzdem einen Nebensatz ein, was man unter anderem an der Stellung der gebeugten Verbform ganz am Schluss gut sehen kann.

Die unterordnende Konjunktion scheint dadurch entstanden zu sein, dass trotzdem langsam vom Hauptsatz in den Nebensatz gerutscht ist:

… aber trotz dem, dass wir bezahlt hatten, wurde nichts geliefert.
Trotzdem dass wir bezahlt hatten, wurde nichts geliefert.
Trotzdem wir bezahlt hatten, wurde nichts geliefert.

Obwohl diese Verwendung schon seit dem 19. Jahrhundert und auch in literarischen Texten vorkommt, halten viele sie (noch?) für umgangssprachlich.

„Regel“: Wenn Sie Kritik vermeiden möchten, verwenden Sie trotzdem nur dann, wenn es durch dennoch ersetzt werden kann (Sätzen 1 und 2). Wenn trotzdem einfach durch obwohl ersetzt werden kann, verwenden Sie es besser nicht (Sätze 3 und 4).

Wenn Ihnen aber Kritik hier nicht so wichtig ist, verwenden Sie trotzdem dennoch wie obwohl, obwohl oder eben trotzdem strenge Sprachhüter und weniger nachsichtige Grammatikerinnen dies für umgangssprachlich halten.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Abgehängt und abgehangen

Frage

Ich bitte Sie um Beantwortung der Frage, ob der folgende Satz richtig ist: „Das Fleisch hat zwei Wochen im Reiferaum gehangen und ist jetzt sehr gut abgehängt.“ Es geht mir besonders um „abgehängt“ und „abgehangen“!

Ich bin mir nicht sicher, ob es sich bei dem abgehängten Fleisch doch vielleicht um ein Zustandspassiv handelt, da ja nicht gemeint ist, dass das Fleisch ohne Zwischenfälle von irgendwo abgenommen wurde, sondern dass es sich um seinen jetzigen Zustand handelt.

Antwort

Sehr geehrter Herr K.,

das Partizip abgehängt gehört zum transitiven Verb abhängen (etwas Aufgehängtes herunternehmen, etwas loskoppeln).

Sie hat Bild wieder abgehängt.
Der hinterste Wagen wird in Freiburg abgehängt.
Wir haben alle Konkurrenten abgehängt.

Das Partizip abgehangen gehört zum intransitiven Verb abhängen (u.a. durch längeres Hängen mürbe werden).

gut abgehangenes Rindfleisch

Es ist theoretisch möglich, zu sagen, dass das Fleisch sehr gut abgehängt ist. Mit diesem Zustandspassiv würde ausgerückt, dass das Fleisch sich in einem Zustand des Sehr-gut-vom-Haken-genommen-Seins befindet.

Wenn jedoch, wie ich stark vermute, gesagt werden soll, dass das Fleisch sehr schön mürbe (geworden) ist, muss es heißen:

Das Fleisch hat zwei Wochen im Reiferaum gehangen und ist jetzt sehr gut abgehangen.

Auch ich werde hoffentlich in gut zwei Wochen das intransitive Verb abhängen in umgangssprachlichem Sinn verwenden können: Ich habe in Portugal viel einfach nur abgehangen. Für diese Wortwahl bin ich allerdings nicht mehr jung genug – und wenn ich es noch wäre, hieße es nun wohl eher gechillt. Ich werde es einfach ruhig und entspannt angehen und zwei Wochen lang entsprechend wenig von mir hören lassen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Das gehört mir oder das ist mein/meins/mir

Frage

Mein Mann sagt „Das ist mir“ oder „Das ist Dein“. Sind das korrekte Sätze? Ich meine, das ist falsch.

Antwort

Sehr geehrte Frau B.,

die Formulierungen, die Sie in Ihrer Frage anführen, sind ein schönes Beispiel dafür, dass es in der Sprache nicht immer nur darum geht, ob etwas richtig oder falsch ist. Die Wendungen, die Ihr Mann verwendet, sind nämlich nicht falsch. Sie gehören einfach zu verschiedenen Sprachniveaus.

Wenn man ausdrücken möchte, dass etwas jemandes Besitz ist, wählt man in der heutigen Standardsprache im Allgemeinen das Verb gehören:

Das Buch gehört mir.
Gehört der Wagen dir?
Das Grundstück gehörte ihm/ihr.

Daneben gibt es noch weitere Möglichkeiten, dasselbe Besitzverhältnis anzugeben. Standardsprachlich akzeptiert ist auch:

Das Buch ist mein.
Ist der Wagen dein?
Das Grundstück ist sein/ihr.

Ich muss dabei aber anmerken, dass diese Wendung auf mich einen sehr gehobenen und eher veraltenden Eindruck macht. Sie passt zu Aussagen wie:

Die Rache ist mein.
Der Sieg ist unser!
Dein ist mein ganzes Herz

Viel häufiger kommen die folgenden, als umgangssprachlich und regionalsprachlich geltenden Wendungen vor:

Das Buch ist meins.
Ist der Wagen deiner?
Das Grundstück ist seins.

Oder mit dem Dativ:

Das Buch ist mir.
Ist der Wagen dir?
Das Grundstück ist ihm.

Es gibt also verschiedene Arten, wie man angeben kann, dass etwas jemandes Besitz ist. Es geht hier nicht darum, ob wirklich all diese Wendungen „richtig“ sind, sondern darum, jeweils die zur Situation und dem Sprachniveau passende zu wählen:

In einem neutralen standardsprachlichen Kontext verwendet man am besten gehören. Die Wendung das ist mein/dein/unser usw. passt eher in einen gehobenen (oder evtl. ironisch-humoristischen) Zusammenhang. In der alltäglichen Umgangssprache können Sie schließlich je nach Region oder Lust und Laune das ist meins oder das ist mir sagen.

Und wem das alles zu kompliziert ist: jemandem gehören passt immer.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Schon früher und schon später

Frage

[…] Sie hatten bestätigt:

schon = unerwartet früh
erst = unerwartet spät

Nun habe ich Beispielsätze aus dem Buch „Berliner Platz Neu 2.2“:

In Deutschland isst man SCHON [= unerwartet früh] zu Abend, in Spanien ERST [= unerwartet spät] um 21 Uhr.“

Hier passt die Erklärung also. Aber wie wäre folgender Satz zu erklären:

Meine Freundin wollte um drei kommen und jetzt ist es SCHON [=unerwartet SPÄT] Viertel vor vier und sie ist noch nicht da.“

„Schon“ bedeutet im ersten Beispielsatz also „unerwartet FRÜH“, im zweiten Beispielsatz aber „unerwartet SPÄT“. Das sieht ja doch erst mal wie ein Widerspruch aus. Haben Sie eine Idee dazu?

Antwort

Sehr geehrter Herr S.,

das sieht auf den ersten Blick tatsächlich ziemlich verwirrend aus. Es ist auch gar nicht so einfach, den Unterschied zu erfassen. Ich versuche es trotzdem einmal:

Wenn schon ein Geschehen zeitlich bestimmt, dann bedeutet es früher als erwartet/geplant/vorhergesehen:

Sie wurde schon mit fünf Jahren eingeschult = Sie wurde früher als erwartet eingeschult
Man isst in Deutschland schon vor acht Uhr zu Abend = Man isst früher als erwartet

Hier wird schon als Adverb verwendet, das ein Geschehen näher bestimmt: Das Geschehen tritt früher als erwartet ein. Man fragt mit wann.

Wenn schon eine Menge, eine Anzahl, ein Ausmaß oder eben eine Zeitangabe näher bestimmt, bedeutet es im weitesten Sinne mehr als erwartet/geplant/vorhergesehen:

Sie war schon sieben Jahre alt, als sie eingeschult wurde = mehr Jahre als erwartet.
Es ist schon Viertel vor vier = später als erwartet

Hier bestimmt schon nicht ein Geschehen, sondern einen Zeitpunkt näher. Der mit schon modifizierte Zeitpunkt ist weiter fortgeschritten als erwartet. Man fragt mit wie spät, wie lange, wie alt usw.

Wenn man nun Zeitpunkt und Geschehen miteinander kombiniert, sieht man vielleicht ein bisschen besser, wie schon und erst zueinander stehen:

Es ist SCHON so spät und das Geschehen tritt doch ERST jetzt ein.
Es ist ERST so spät und das Geschehen tritt doch SCHON jetzt ein.

Es geschah SCHON um vier Uhr. Es war also ERST vier Uhr, als es geschah.
Es geschah ERST um fünf Uhr. Es war also SCHON fünf Uhr, als es geschah.

Muttersprachige, aber auch fortgeschrittene Lernende verwenden schon und erst automatisch in dieser Weise, ohne dass sie dabei nachdenken müssen. Erst wenn man es genau erklären soll, wird es schwierig. Eine Eselsbrücke könnte sein: Wenn man mit wann fragen kann, ist schon ein Temporaladverb mit der Bedeutung früher als erwartet, sonst bedeutet es mehr/später als erwartet. (Wirklich einfacher wird es damit aber auch nicht …).

Sie kommt schon um 15.00 Uhr –  Wann kommt sie?
schon = früher als erwartet
Jetzt ist es schon 16.00 Uhr – Wie spät ist es jetzt?
schon = später als erwartet

In Spanien isst man erst um 21.00 Uhr – Wann isst man in Spanien?
erst = später als erwartet
In Spanien ist es schon 21.00 Uhr, wenn man isst – Wie spät ist es, wenn man in Spanien isst?
schon = später als erwartet

Diesen komplex erscheinenden Unterschied zwischen Bestimmungswort eines Geschehens und Bestimmungswort eines Zeitpunktes gibt es auch in anderen Sprachen. So werden zum Beispiel im Englischen already/only, im Französischen déjà/seulement, im Italienischen già/solo und im Niederländischen al/pas gleich verwendet wie im Deutschen schon/erst. Das bringt den Vorteil mit sich, dass man zumindest einem Teil der Deutschlernenden nur beibringen muss, dass es nicht *Es ist nur fünf Uhr, sondern Es ist erst fünf Uhr heißt, dass man ihnen aber nicht den genauen Unterschied zwischen erst = unerwartet spät und erst = unerwartet früh erklären muss.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Auf oder unter www.canoo.net?

Frage

Was ist korrekt: „Interessierte finden auf ODER unter www.canoo.net weiterführende Informationen“?

Antwort

Sehr geehrte Frau L.,

beide Formulierungen kommen häufig vor und beide sind richtig. Aber warum? Schließlich ist auf dem Tisch auch nicht dasselbe wie unter dem Tisch.

Zuerst sollte man hier auf und unter nicht allzu wörtlich nehmen. Weiter kann man eine Angabe wie www.canoo.net oder http://www.canoo.net als eine Internetadresse, aber auch als eine Website ansehen und entsprechend behandeln:

Interessierte finden auf der Website www.canoo.net weiterführende Informationen.
Interessierte finden unter der Adresse www.canoo.net weiterführende Informationen.

Oder ein bisschen kürzer:

Interessierte finden auf www.canoo.net weiterführende Informationen.
Interessierte finden unter www.canoo.net weiterführende Informationen.

Die unterschiedlichen Präpositionen können also auf unterschiedliche Betrachtungsweisen zurückgeführt werden. Diese Information lässt sich übrigens nicht so auf oder unter www.canoo.net finden.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Warum in und nicht auf Polynesien?

Immer wieder gibt es Fragen dazu, welche Präpositionen bei Inseln zu verwenden sind (siehe zum Beispiel hier und hier). Immer wieder erstaunt mich das, denn das deutsche Sprachgebiet ist ja nicht besonders inselreich. Vielleicht erklärt gerade die relative Inselarmut die Popularität dieser Frage. Die Regel, die die meisten irgendwann einmal lernen, ist ganz einfach: bei Namen von Orten, Regionen und Ländern verwendet man in (in Dresden, in Osaka, in Sachsen, im Burgund, in Deutschland, in den Niederlanden), bei Inseln aber auf (auf Sylt, auf Curaçao, auf der Mainau). Dass es aber nicht immer ganz so eindeutig ist, sehen Sie  hier und hier. Und heute ein weiteres Beispiel, weshalb es trotz der Einfachheit der Regel zu Fragen kommen kann.

Bora Bora

Inselfrage

Polynesien scheint unter den Sonderfällen ein Sonderfall zu sein. Man ist „in“ Polynesien, obwohl man „auf“ den Inseln weilt. Man kann auf den Kanaren geboren sein, aber nicht auf Polynesien. Die geopolitischen Ansätze funktionieren hier nicht mehr. (Quantengrammatik ?)

Antwort

Sehr geehrter Herr B.,

um die Verwendung von in bei Polynesien zu erklären, braucht man keine „Quantengrammatik“. Der Name Polynesien bezeichnet anders als zum Beispiel Kanaren, Azoren und Bahamas nicht eine Inselgruppe, sondern eine ganze Region, die aus verschiedenen eigenständigen Inseln und Inselgruppen besteht. Das sieht man auch daran, dass Polynesien zwar viele Inseln umfasst, als Name aber in der Einzahl steht (Polynesien hat/ist…). Man lebt nicht auf einer Region, sonder in einer Region. So lebt man zum Beispiel auf Hawaii, auf Samoa oder auf den Cook-Inseln, die alle in Polynesien liegen. Dasselbe gilt für Melanesien und Mikronesien – und auch für Inselstaaten wie Indonesien und Japan.

Auch bei Japan und Indonesien heißt es nicht auf Japan, sondern in Japan und nicht auf Indonesien, sondern in Indonesien, obwohl es sich, wie ein Blick auf die Karte zeigt, um Inselgruppen handelt. Die Namen Japan und Indonesien werden also als Name eines Landes oder einer Region aufgefasst und entsprechend behandelt.

Als Faustregel kann gelten: Namen von aus Inselgruppen bestehenden Ländern und Regionen werden nur dann mit auf verwendet, wenn der Name ein Plural ist:

auf den Kanaren, auf den Azoren, auf den Philippinen
in Polynesien, in Indonesien, in Japan

Es ist nicht die brisanteste aller deutschen Grammatikfragen, sie zeigt aber gut, dass es auch bei so etwas Übersichtlichem wie Inselgruppen mehr als eine Betrachtungsweise und entsprechend mehr als eine sprachliche Ausdrucksweise geben kann.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Der Wettlauf mit der Zeit und gegen die Zeit

Frage

Wie heißt es richtig: „Wettlauf mit der Zeit“ oder „Wettlauf gegen die Zeit“

Antwort

Sehr geehrte Frau T.,

spontan würde man ja sagen, dass es einen großen Unterschied zwischen etwas mit jemandem tun und etwas gegen jemanden tun gibt. Es hört sich sogar ziemlich gegenteilig an. Trotzdem kommen hier beide Formulierungen vor und gelten beide als korrekt:

ein Wettlauf mit der Zeit
ein Wettlauf gegen die Zeit

Es gibt noch nicht einmal einen wesentlichen Bedeutungsunterschied. Das hat mit einer unterschiedlichen Betrachtungsweise des Phänomens Wettlauf zu tun. Ein Wettlauf oder ein Wettrennen ist ein Geschehen, dass man mit jemandem unternimmt, indem man gegen diese Person oder diese Personen antritt. Nimmt man mit, gibt man an, wer auch am Wettlauf teilnimmt. Nimmt man gegen, gibt man an, wer die Gegenpartei ist.

Im Märchen gewinnt der Igel das Wettrennen mit dem Hasen.
Im Märchen gewinnt der Igel das Wettrennen gegen den Hasen.

Diese beiden Sichtweisen sind, wie oben schon gezeigt, auch bei der Verwendung von Wettlauf im übertragenen Sinne möglich. Je sportlicher und kompetitiver ein Wettlauf, ein Wettrennen o. Ä. ist, desto stärker nimmt allerdings die Formulierung mit gegen überhand. So werden Fußballspiele im Allgemeinen nur gegen eine andere Mannschaft ausgetragen und liest man häufiger über den Titelkampf von Tyson Fury gegen Wladimir Klitschko als über den Titelkampf von Tyson Fury mit Wladimir Klitschko.

Zum Glück für mich (und für diejenigen, die es gerne möglichst kurz und bündig haben, leider) ist die Beantwortung dieser Frage für mich heute weder ein Wettlauf gegen die Zeit noch ein Wettlauf mit der Zeit.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Tauschen mit und tauschen gegen

Frage

Wenn an einem Wintertag die Angestellten nicht ins Büro, sondern auf die Piste gehen, haben sie dann das Büro mit der Piste getauscht oder haben sie das Büro gegen die Piste getauscht?

Antwort

Sehr geehrter Herr P.,

dass alle mit und gegen beim Verb tauschen immer genau so verwenden, wage ich zu bezweifeln, aber die allgemein gebräuchlichen Konstruktionen mit diesem Verb sind die folgenden.

Wenn man angibt, was wodurch ersetzt wird, verwendet man gegen:

etwas gegen etwas tauschen
Sie tauschten Pelze gegen Nahrungsmittel.
Sie will ihr Auto gegen ein größeres tauschen.

Wenn man angibt, welche Person beim Tausch von etwas auch beteiligt ist, verwendet man mit:

etwas mit jemandem tauschen
Er hat die Wohnung mit einem Freund getauscht.
Sie haben ein paar freundliche Worte miteinander getauscht.

Die Person kann auch weggelassen werden. Dann steht weder mit noch gegen:

etwas tauschen
Sollen wir die Plätze tauschen?
Nach dem Jawort tauschten sie die Ringe.

Und wenn man angibt, dass man gerne an jemandes Stelle wäre, ist mit die richtige Wahl:

mit jemandem tauschen
Ich möchte nicht mit ihm tauschen!

In Ihrem Beispiel haben also die Angestellten das Büro gegen die Piste getauscht. Das konnten sie tun, weil sie ihren freien Tag mit anderen Angestellten getauscht hatten. Und die im Büro Zurückgebliebenen würden gerne mit ihnen tauschen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Deutschlands Wörter des Jahres 2015

Die Wahl des Anglizismus des Jahres hat diese Woche die deutschen Wortwahlen für das Jahr 2015 abgeschlossen. Auffallend ist, dass sie alle aus dem Themenbereich rund um die Flüchtlingsfrage stammen:

Wort des Jahres: Flüchtling
Unwort des Jahres: Gutmensch
Anglizismus des Jahres: Refugees Welcome

Nur ein gekürtes Wort passt nicht in diese Reihe:

Jugendwort des Jahres: Smombie

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