Können deutsche Autos gehen?

Frage

Wieso heißt es in Deutschland „Umgehungsstraße“? Bei uns in der Schweiz heißt es „Umfahrungsstraße“. Ein Auto fährt doch – oder geht es doch?

Antwort

Dass man in Deutschland Umgehungsstraße und nicht Umfahrungsstraße sagt, liegt daran, dass die Deutschen das Wort umgehen in diesem Zusammenhang ein bisschen anders, abstrakter verwenden als die Schweizer und die Österreicher. Mit umgehen kann nicht nur um etwas herumgehen, sondern auch um etwas herumfahren oder um etwas herumverlaufen gemeint sein. Auf gut „Deutschländisch“ kann man deshalb sagen:

Wir umgehen die Stadt westlich auf der A 81.
Die Schnellstraße umgeht das Dorf in einem weiten Bogen.

Für deutsche Ohren klingt Umgehungsstraße also ganz normal, auch wenn man nicht zu Fuß, sondern im Auto auf ihr unterwegs ist. In der Schweiz und in Österreich versteht man das natürlich auch, man sagt aber:

Wir umfahren die Stadt westlich auf der A3.
Die Schnellstraße führt in einem weiten Bogen um das Dorf.

Entsprechend heißt es dann nicht Umgehungsstraße, sondern Umfahrungsstraße (oder nach gut schweizerischer Orthografie Umfahrungsstrasse).

In Deutschland können Autos also auch nicht wirklich gehen, aber man kann in ihnen – sofern das Straßennetz es zulässt – einen Ort fahrend umgehen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Niederländischer Tag der deutschen Sprache

Am heutigen 19. April findet in den Niederlanden der erste Dag van de Duitse taal (Tag der deutschen Sprache) statt. Deutsch steht im Mittelpunkt zahlreicher Aktionen in Schulen, Universitäten und Betrieben. Bei über hundert Schulen im ganzen Land werden sogar Luftballons in den Farben der deutschen Flagge steigen gelassen.

Der Tag soll die Attraktivität des Deutschen, der Sprache des größten Nachbars und größten Handelspartners, erhöhen. Mehr Menschen sollen Deutsch lernen, weil sich dies – die Niederlande sind nun einmal eine Handelsnation – wirtschaftlich positiv auswirke. Daneben wird aber auch das Deutsche als Kultur- und Literatursprache nicht vergessen. Schirmherren des Tages sind der niederländische Kronprinz Willem-Alexander und der deutsche Bundestagspräsident Norbert Lammert.

Die Actiegroep Duits – Mach mit! hat verschiedene niederländische Vertreterinnen und Vertreter des öffentlichen und wirtschaftlichen Lebens nach ihrem deutschen Lieblingswort gefragt. Dabei hat sich die folgende Liste ergeben, die ich hier (fast) kommentarlos wiedergebe:

Weltschmerz (Sängerin)
Streichholzschächtelchen (TV-Präsentatorin; Linda, nicht Sylvie)
schmusen (Sänger)
Anschlusstreffer (Fußballtrainer)
Fernweh (Unternehmerverbandsvorsitzende)
Zusammenarbeit (Unternehmer)
fabelhaft (Bankdirektor)
tadellos (Hafendirektor)
Erfolg (Sportler)
Leidenschaft (Parlamentarier)
Sehnsucht (Journalistin)
Laufpensum (Sportkommentator)
Wiedergutmachung (Botschafter)
Freude (Unternehmer)
Begeisterung (Unternehmerverbandsvorsitzender)
Haushaltsdiziplin (Trendwatcher)

Weltschmerz, schmusen, tadellos, Streichholzschächtelchen: die Palette ist breit. Mir fällt das letzte Wort auf: Haushaltsdisziplin. Dass man dieses Wort als besonders „deutsch“ ansieht, mag nicht allzu sehr erstaunen. Ich hätte aber nicht erwartet, dass jemand es als Lieblingswort wählt. Vor allem dass es das deutsche Lieblingswort eines Trendwatchers ist, gibt zu denken. Es kommt offenbar noch Einiges an Sparmaßnahmen auf uns zu.

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Die Inselfrage – und England

Eine berühmte Frage ist die „Inselfrage“, wie Frau D. sie so schön nennt. Ich habe mir vorgenommen, diese Frage im Folgenden ein für alle Mal zu beantworten. Ich befürchte allerdings, dass es mir nicht gelingen wird …

Frage

Mein Zweifel betrifft die „Inselfrage“. Man sagt „Ich wohne auf Sardinien“ aber „Ich wohne in England“. Heißt es je nach Inselgröße auf oder in oder woran liegt das?

Antwort

Sehr geehrte Frau D.,

bei den Inselnamen ist die Wahl der Präposition tatsächlich nicht so einfach. Die Größe der Insel spielt dabei aber keine Rolle. In der Standardsprache gelten die folgenden „Regeln“:

Bei Inselnamen, die ohne Artikel stehen, verwendet man bei einer Zielangabe (Frage wohin?) die Präposition nach:

Ich fahre nach Sylt.
Wir fliegen nach Kreta.
die Fähre nach Sizilien

Bei Inselnamen, die mit Artikel stehen, verwendet man bei einer Zielangabe (Frage wohin?) die Präposition auf:

Ich fahre auf die Mainau.
Wir fliegen auf die Isla Margarita.
Sie wanderte auf die Kanarischen Inseln aus.

Bei einer Ortsangabe (wo?) steht bei Inselnamen allgemein die Präposition auf:

Sie wohnt auf Sylt.
Heraklion liegt auf Kreta.
Ich habe ihn auf Sizilien getroffen.

Wir gingen auf der Mainau spazieren.
Urlaub auf der Isla Margerita
Sie wohnt schon seit Jahren auf den Kanaren.

Damit es nicht zu einfach bleibt, folgt noch eine kleine Ergänzung: Bei Inselnamen, die auch Ländernamen sind, kann neben dem zur Insel gehörenden auf auch das zum Land gehörende in stehen:

auf Jamaika / in Jamaika
auf Madagaskar / in Madagaskar

Noch etwas komplizierter wird es im Fall von England. (Wie könnte es auch anders sein bei einer Nation, die die Punktezählung beim Tennis erfunden hat und erst gerade dabei ist, sich an das metrische System zu gewöhnen!) Man sagt nie auf England, weil England keine Insel ist. Es liegt zusammen mit Wales und Schottland auf der Insel Großbritannien. Doch auch Großbritannien wird nur selten mit auf verwendet. Im deutschen Sprachraum meint man üblicherweise nicht die Insel, sondern den Staat, d. h. das Vereinigte Königreich von Großbritannien und Nordirland, wenn man Großbritannien sagt. Es heißt deshalb fast immer in Großbritannien. Auch wenn man eher umgangssprachlich England für den Staat verwendet, ist nicht die Insel, sondern das Land gemeint. Man antwortet deshalb auf die Frage wo? immer mit in England.

Und wenn Sie mich nun fragen, warum bei Ortsangaben eigentlich immer in Irland und nicht auf Irland gesagt wird (auch wenn die ganze Insel und nicht „nur“ die Republik Irland gemeint ist), muss ich Ihnen die Antwort schuldig bleiben … Die Inseln machen es einem wirklich nicht einfach!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Eisspazieren

Wenn es die Holländer und die Italiener zugleich massenweise in die Berge zieht, ist Wintersport angesagt: Man fährt Ski, snowboardet, geht langlaufen, rodelt (oder schlittelt) und vergnügt sich beim Après-Ski. (Zwischenfrage: Verwendet tatsächlich irgendjemand außer in Kolumnen und touristischen Werbeprospekten das Wort Après-Ski?) In flacheren Gegenden kann man ebenfalls langlaufen oder man läuft eis oder Schlittschuh. Damit wären lange nicht alle, aber die wichtigsten Wintersportverben genannt.

Bei uns war gestern eine andere winterliche Tätigkeit angesagt: das Eiswandern. Damit meine ich hier nicht, dass wir auf einem gefrorenen Fluss, Kanal, Teich oder See herumspaziert sind oder gar mit Rucksack und Stöcken bewaffnet die Finnische Seenplatte durchquert hätten. Nein, wir sind um und durch das Hochmoor gegangen, über das an dieser Stelle schon einmal geschrieben wurde.

Das Erwähnenswerte daran ist weniger, dass wir um das Moor gegangen sind, sondern dass wir uns durch das Moor wagen konnten. Normalerweise ist davon nämlich abzuraten, wie dies an einigen Stellen Schilder mit der Aufschrift Nicht betreten. Lebensgefährlich! vielleicht etwas drastisch, aber nicht ganz zu Unrecht den allzu Waghalsigen begreiflich zu machen versuchen. Wir halten uns gewöhnlich brav daran.

Nach einer so langen Frostperiode sieht ein Hochmoor ganz anders aus: Wo sonst Wasserflächen glänzen und man knöchel- bis achseltieft im Schlamm versinkt, glitzern Eisflächen umgeben von solide gefrorenem Boden. Ein ganz besonderer Anblick! Wir konnten es natürlich nicht lassen, uns ein Stück weit in das Moor hineinzuwagen. Statt einsinken war ausgleiten das Risiko.

Es ist eine Variante des Eiswanderns oder „Eisspazierens“, die ich nur empfehlen kann. Sie sollten allerdings zu Ihrem Wohle sicher sein, dass alles wirklich solide geforen ist, und zum Wohle des Moores nicht hordenweise, lärmend und alles niedertrampelnd eine Schneise durch die gefrorene Natur schlagen. Kurzum, Vorsicht und Behutsamkeit sind geboten, dann ist es wirklich schön!

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Es wird nicht mehr gemeuchelt

Heute begegnete mir das Wort – und glücklicherweise nur das Wort – Meuchelmörder. Ein Meuchelmörder ist jemand, der einen anderen Menschen heimlich und hinterhältig ums Leben bringt. Begeht eine Frau eine solchen Meuchelmord, ist sie eine Meuchelmörderin. Dies sind Wörter, die man nicht sehr oft hört und liest – meist in einem auf die Vergangenheit bezogenen Zusammenhang, in dem es um historische Figuren geht, die ihr Leben durch die Hand eines Meuchelmörders oder einer Meuchelmörderin verloren. Manchmal sind sie eher scherzhaft gemeint, zum Beispiel in der Schlagzeile „Gericht sühnt Meuchelmord an Frosch Knötti.“

Noch seltener begegnet man dem ersten Wortteil, dem Verb meucheln, und seinen Ableitungen: Wenn Sie lesen, dass ein Bösewicht sich in meuchlerischer Absicht näherte oder jemand meuchlings ermordet wurde, ist es nicht ganz unwahrscheinlich, dass Sie eine Passage aus einem historischen Roman des Kalibers „Die drei Musketiere“ oder „Angélique“ vor sich haben. Heute wird meistens nicht gemeuchelt, sondern heimtückisch gemordet. Das Resultat ist allerdings dasselbe. Entsprechend ist die Frage der Wortwahl den Ermordeten wahrscheinlich ziemlich gleichgültig.

Das Verb meucheln bedeutete früher allgemeiner heimlich, heimtückisch handeln und geht auf ein älteres Wort muchon zurück, das (sich) verbergen, verstecken und noch früher u. a. heimlich lauern bedeutete. Mit Meuchel- beginnende Wörter gab es früher viel mehr. Ein paar schöne Beispiele aus dem Deutschen Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm:

Meuchelhund = Schimpfwort für einen heimtückischen Menschen
Meuchellist = heimtückische List
Meuchellüge = heimtückische Lüge
Meuchelrotte = Bande von Meuchelmördern
Meuchelschwert = zum Meuchelmord dienendes Schwert

Mein Favorit (als Wort, nicht als Tätigkeit!):

Meuchelbrennerei = heimtückische Brandstiftung

Meuchel- ist also häufig durch Wendungen mit heimtückisch ersetzt worden. Immer noch springlebendig ist aber ein vielleicht mit meucheln verwandtes, eher umgangssprachliches Wort: mogeln. Auch wenn nicht mehr gemeuchelt wird, gemogelt wird noch immer.

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Von geschlossenen und zuen Schuhen

Wer zurzeit nicht in den Bergen im Schnee versinkt, hört in tieferen Gefilden meist sumpfig-schmatzende Geräusche unter den Sohlen, wenn er zu Fuß abseits asphaltierter oder anderweitig befestigter Straßen unterwegs ist. Bei den gegenwärtigen Schnee- und Regenmengen ist von Sandalen und anderem offenem Schuhwerk dringend abzuraten. Die zu diesem Thema passende, nicht allzu neue Frage:

Frage

Wenn man von geschlossenem Schuhwerk spricht, wie schreibt man dann „zuhe“ Schuhe?

Antwort

Sehr geehrter Herr R.,

wenn man von geschlossenen Schuhen redet und das Wort zu verwendet, schreibt man zue Schuhe oder zune Schuhe. Diese Verwendung von zu als vorangestelltes Adjektiv ist allerdings rein umgangssprachlich. Sie gilt standardsprachlich sogar als falsch. Standardsprachlich spricht und schreibt man nur von geschlossenen Schuhen. Auch zu(n)e Türen, ein am Sonntag zu(n)es Restaurant oder eine noch zu(n)e Kaugummipackung trifft man in der Standardsprache nicht so an, sondern als geschlossene Türen, ein am Sonntag geschlossenes Restaurant oder eine noch ungeöffnete Kaugummipackung.

Dasselbe gilt übrigens auch für das Gegenteil von zu. Weder ein aufes Fenster noch aufe Schuhe sind im Standardeutschen akzeptiert. Wenn es zieht und man an die Füße friert, liegt das standardsprachlich an einem offenstehenden Fenster und offenen Schuhen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Wörter des Jahres

Es gibt wohl nur wenige, denen entgangen ist, dass Stresstest zum Wort des Jahres 2011 gewählt worden ist. Vor allem in Deutschland dürften aber einige nicht wissen, dass es sich hier genau genommen um das bundesdeutsche Wort des Jahres handelt. Weil dies nicht immer erwähnt wird, sei hier der Vollständigkeit halber gesagt:

Das österreichische Wort des Jahres ist Euro-Rettungsschirm und in der deutschsprachigen Schweiz hat man sich für Euro-Rabatt entschieden. Das liechtensteinische Wort des Jahres 2011 ist noch nicht gekürt worden.

Dann noch ein Hinweis für diejenigen, die sich für Wörter des Jahres interessieren: Bis zum 7. Januar 2012 können Sie sich mit Ihrem Vorschlag an der Wahl des Anglizismus des Jahres 2011 beteiligen. Es sieht auch dort ein bisschen „deutschländisch“ aus, aber Vorschläge aus anderen deutschsprachigen Regionen nimmt man bestimmt auch entgegen.

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Manchmal ist besonders nicht besonders

Frage

Vor einiger Zeit habe ich einer Studentin den folgenden Satz angekreidet:

Besonders ist schon die Rezeptionsgeschichte von Mozarts Requiem.

Meine Kritik bezog sich darauf, dass „besonders“ in dem Beispielsatz die Funktion eines Adjektivs habe, was aber nicht korrekt sei, da „besonders“ nur als Adverb verwendet werden könne. Nun hat ein Satz in einer seriösen deutschen Wochenzeitung meine Auffassung ein wenig ins Wanken gebracht. Dort lese ich:

Das war sehr besonders an ihr.
(http://www.zeit.de/2011/45/Annie-Leibovitz/seite-3)

[...] Ist es standardsprachlich korrekt, „besonders“ als prädikatives Adjektiv zu verwenden?

Antwort

Sehr geehrter Herr S.,

Sie haben recht: In der deutschen Standardsprache wird besonders nur adverbial verwendet:

Wir werden das Thema noch besonders behandeln.
Ich möchte besonders darauf hinweisen, dass …
Was hat dir an diesem Film besonders gefallen?
Dr. Bopp kann reizbar sein, besonders wenn er schlecht geschlafen hat.
eine besonders elegante Kreation

Das Wort besonders tritt in der Standardsprache nicht als prädikativ verwendetes Adjektiv auf. Die Verwendung von besonders in den Sätzen, die Sie zitieren, wird zur gesprochenen (regionalen) Umgangssprache gerechnet:

Besonders ist die Rezeptionsgeschichte von Mozarts Requiem.
Das war sehr besonders an ihr.

Das Adverb besonders wird hier anstelle der nicht vorhandenen endungslosen Form des Adjektivs besondere verwendet. Das ist nicht sehr erstaunlich, denn es fehlt hier eigentlich eine Form:

Es ist eine interessante Rezeptionsgeschichte.
Interessant ist die Rezeptionsgeschichte.

Es ist eine besondere Rezeptionsgeschichte.
??? ist die Rezeptionsgeschichte.

Das war eine sehr bemerkenswerte Eigenschaft von ihr.
Das war sehr bemerkenswert an ihr.

Das war eine sehr besondere Eigenschaft von ihr.
Das war sehr ??? an ihr.

In der Standardsprache kann man für diese fehlende Form auf Adjektive wie zum Beispiel außergewöhnlich und bemerkenswert oder auf eine andere Formulierung ausweichen:

Außergewöhnlich ist die Rezeptionsgeschichte.
Das war sehr bemerkenswert / etwas sehr Besonderes an ihr.

In der Umgangssprache wird hier aber, wie man sieht, manchmal das Adverb besonders verwendet.

Eine häufig vorkommende, ebenfalls umgangssprachliche Wendung ist nicht besonders im Sinne von nicht gut:

Es geht ihr heute nicht besonders.
Der Film ist nicht besonders.

Umganssprachlich kann man also sagen, dass die Verwendung von besonders als prädikatives Adjektiv standardsprachlich nicht besonders ist.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Auch hier: Altweibersommer

Nachsommerwetter und insbesondere Altweibersommer sind Wörter, die in den letzten Tagen inflationär verwendet werden. Im Normalfall reagiere ich auf übertrieben Klischeeartiges und Hypemäßiges „offiziell“ mit passender Zurückhaltung und versuche ich „inoffiziell“, mich möglichst wenig darüber zu ärgern. In diesem Fall jedoch würde es mich in keiner Weise stören, wenn die Präsentatoren und Präsentorinnen der Wetterberichte den Arbeitsaufwand minimal halten und ihre Ansagen noch ein paar Tage lang unverändert wiederverwerten könnten. Meine Hoffnung scheint sich zu erfüllen. Es ist deshalb zu erwarten, dass dieser Tage an dieser Stelle nicht viel von mir zu erwarten ist. „Dr. Bopp“ genießt den Altweibersommer und hofft, dass Sie auch ein bisschen die Gelegenheit dazu haben.

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Wertig – Wie wertig?

Frage

Ich habe eine Frage zu hochwertig vs. wertig. Man liest (vor allem in irgendwelchen Marketingschriften) immer wieder, daß ein Produkt besonders „wertig“ daherkomme. Gibt es das Wort wirklich? Ich dachte bisher, daß wertig ohne einen erklärende Ergänzung (wie hoch- oder minder-) neutral oder drastischer gesagt nichtssagend ist.

Antwort

Guten Tag S.,

auch mir macht das Wort wertig insofern zu schaffen, als ich immer, wenn ich es lese oder höre, spontan die Neigung verspüre, diese Frage zu stellen: Wie wertig? ­­Hochwertig, geringwertig, minderwertig, neuwertig, zweiwertig, dreiwertig …?

Ob es Ihnen und mir nun seltsam vorkommt oder nicht, vor allem in der Werbesprache wird dieses Wort mit der Bedeutung hochwertig, qualitätsvoll verwendet. Mit dieser Bedeutung hat es auch schon Eingang in die neueren Dudenbände gefunden. Wir werden uns also daran gewöhnen müssen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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