Von Litern, Metern und Vierteln

Heute geht es wieder einmal um eine häufiger gestellte Frage, nämlich das Dativ-n bei gewissen Maß- und Mengenangaben.

Frage

Nie werde ich es mir merken: Heißt es „ein Gefäß von zwei Litern Inhalt“ oder „zwei Liter Inhalt“?

Antwort

Sehr geehrte Frau M.,

vielleicht können Sie es sich nicht  merken, weil beides möglich und korrekt ist:

ein Gefäß von zwei Liter Inhalt
oder
ein Gefäß von zwei Litern Inhalt

Männliche und sächliche Maß- und Mengenbezeichnungen bleiben nach Zahlenangaben in der Regel unveränderlich:

zwei Paar Schuhe
2,5 Kilo Äpfel
zehn Fuß dicke Mauern
eine Bildschirmgröße von 17 Zoll
27 Euro

Eine Ausnahme sind Bezeichnungen wie Meter, Liter und Viertel im Dativ Plural. Diese Wörter haben die Eigenschaft, dass sie nur im Dativ eine Pluralendung haben: den Metern, den Litern, den Vierteln. Die anderen Pluralformen sind mit der Form des Nominativ Singular identisch: der Meter ­– die Meter. Bei solchen Maß- und Mengenangaben wird im Dativ Plural nach der allgemeinen Regel die endungslose Form verwendet oder (seltener) als Ausnahme doch die Pluralform:

endungslos
aus sieben Meter Stoff
auf 750 Meter Höhe liegen
ein Gewicht von drei Zentner
mit drei Viertel der Menge

gebeugt
aus sieben Metern Stoff
auf 750 Metern Höhe liegen
ein Gewicht von drei Zentnern
mit drei Vierteln der Menge

Beide Formulierungen gelten als korrekt. Mehr dazu finden Sie hier und hier.

Wie Sie sehen, gibt es im Deutschen auch bei etwas so Präzisem wie Maß- und Mengenangaben nicht nur Regeln, sondern auch Ausnahmen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Tausendundeine Nacht oder tausendundein Nächte

Frage

In der russischen Grammatik – ich bin Muttersprachler – ist es so, dass man den Singular einsetzen muss, wenn ein Kardinalzahl auf „eins“ (RU odin) endet. [...] So setzt man bei „eins“ den Singular ein, also auch bei „zwanzig eins“ (RU dvadtsat’ odin), „dreißig eins“ (RU tridtsat’ odin) und so weiter.

Ist es in der deutschen Grammatik auch so, oder geht die deutsche Grammatik logisch vor? [...] Heißt es „hundertein Auto“ oder logischerweise „hundertein Autos“?

Antwort

Sehr geehrter Herr P.,

das Deutsche bietet einem hier wieder einmal verschiedene Möglichkeiten. Man verwendet in der Regel den Plural:

hundertein Autos
hundertundein Autos

fünfhundertein Gründe
fünfhundertundein Gründe

tausendein Nächte
tausendundein Nächte

Bei der Form mit und kann aber auch der Singular stehen. Das Zahlwort muss dann gebeugt werden:

hundertundein Auto
mit hundertundeinem Auto

fünfhundertundein Grund
Es gibt fünfhundertundeinen Grund dafür.

tausendundeine Nacht
während tausendundeiner Nacht

Mit einem Artikelwort ist nur die ungebeugte Form -ein mit der Mehrzahl möglich:

die hundert[und]ein Autos
mit seinen fünfhundert[und]ein Ausreden
während dieser tausend[und]ein Nächte

Es herrscht hier aber eine gewisse Unsicherheit. Andere Formen kommen auch vor (zum Beispiel hunderteine Nacht) und selbstverständlich gefallen nicht alle Varianten allen gleich gut. Formen mit –eins vor einem Substantiv gelten allerdings in der Standardsprache als falsch:

nicht: hunderteins Autos
nicht: tausendeins Nächte

Die berühmte orientalische Märchensammlung wird übrigens im Allgemeinen „Tausendundeine Nacht“ genannt. „Ali Baba und die vierzig Räuber“ und „Sindbad der Seefahrer“ sind also Erzählungen aus „Tausendundeiner Nacht“. Wenn Sie Märchen und Erzählungen mögen, können Sie dort auch die Geschichte des Walt-Disney-Zeichentrickilms „Aladin und die Wunderlampe“ in der Originalversion nachlesen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Ist der tausendste Besucher der 1000. oder der 1000ste?

Frage

Schreibt man Ordinalzahlen über 1000, wenn Sie in Ziffern dargestellt werden, mit einem Punkt (1000.) oder mit einem Buchstabenzusatz (1000ste)? Gibt es dafür eine Regel?

Antwort

Sehr geehrter Herr R.,

grundsätzlich werden in Ziffern geschriebene Ordnungszahlen durch einen Punkt gekennzeichnet. Es gibt keine Sonderregel für große Zahlen. Also:

der 1000. Besucher
die 15 000. Anfrage
das 100 000. Auto

Die Schreibung mit -ste ist nach der amtlichen Rechtschreibregelung nicht vorgesehen. Sie ist aber auch nicht ausdrücklich ausgeschlossen und kommt relativ häufig vor. Wenn man sie verwendet, sollte die Endung -ste direkt, also ohne Bindestrich, mit der Zahl verbunden werden:

der 1000ste Besucher
die 15 000ste Anfrage
das 100 000ste Auto

Am besten gefällt mir allerdings immer wieder die ausgeschriebene Variante. Gerade bei runden Zahlen ist das Wörterlesen mindestens so einfach wie das Nullenzählen:

der tausendste Besucher
die fünfzehntausendste Anmeldung
das hunderttausendste Auto

Wenn Sie eine Schreibung mit Ziffern verwenden wollen oder müssen, empfehle ich Ihnen, der amtlichen Regelung zu folgen und einen Punkt zu verwenden:

1000.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Die Kurzversion der Fünfundzwanzigerpackung

Frage

Wie schreibt man 25 er Packung korrekt?

Antwort

Sehr geehrter Herr J.,

man schreibt

Fünfundzwanzigerpackung

oder abgekürzt mit Ziffern

25er-Packung

So einfach kann es manchmal sein! Die entsprechende Rechtschreibregel finden Sie hier. Weitere Beispiele:

Sechserpackung 6er-Packung
im Zehnerpack im 10er-Pack
das Zwölfersystem das 12er-System
die 68er-Generation

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Abstand bei Prozenten

Frage
ich habe eine Frage zum Prozentzeichen, genauer zum Abstand zwischen der Zahl und dem Zeichen. Wird ein Abstand gesetzt oder nicht? Die Kolleginnen vom Duden sind da nämlich uneins. Im aktuellen Rechtschreibeduden (25. Aufl.) steht: Ja, ein Abstand, wenn auch kleiner als beim Wortzwischenraum. Im Duden “Satz und Korrektur” (2003, S. 76) heißt es: “Kein Leerzeichen”, somit auch kein Abstand, oder?
Antwort
Sehr geehrter Herr W.,
die amtliche Rechtschreibregelung beschäftigt sich nicht mit dieser Frage, d.h. es gibt hierzu keine offizielle, allgemein verbindliche Regel.
Wenn man sich z.B. nach DIN 5008 (Schreib- und Gestaltungsregeln für die Textverarbeitung; http://de.wikipedia.org/wiki/DIN_5008 ) richtet, steht zwischen Zahl und Prozentzeichen ein Abstand:
25 % mehr
zu 100 % erfüllt
Bei Ableitungen entfällt der Abstand:
25%ig
100%ige Erfüllung
Sehen Sie hierzu auch:
http://www.canoo.net/services/Controller?dispatch=spelling&input=Prozent&features=(Cat+N)
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Bopp

Frage

Ich habe eine Frage zum Prozentzeichen, genauer zum Abstand zwischen der Zahl und dem Zeichen. Wird ein Abstand gesetzt oder nicht? Die Kolleginnen vom Duden sind da nämlich uneins. Im aktuellen Rechtschreibeduden (25. Aufl.) steht: Ja, ein Abstand, wenn auch kleiner als beim Wortzwischenraum. Im Duden “Satz und Korrektur” (2003, S. 76) heißt es: “Kein Leerzeichen”, somit auch kein Abstand, oder?

Antwort

Sehr geehrter Herr W.,

die amtliche Rechtschreibregelung beschäftigt sich nicht mit dieser Frage, das heißt, es gibt hierzu keine offizielle, allgemein verbindliche Regel. Es gibt aber viele, die einen solchen „ungeregelten“ Zustand nicht mögen. Wenn man sich also zum Beispiel nach DIN 5008 (Schreib- und Gestaltungsregeln für die Textverarbeitung) richtet, setzt man zwischen Zahl und Prozentzeichen einen Abstand:

25 % mehr
über 75 % der Angestellten
zu 100 % erfüllt

Bei Ableitungen entfällt der Abstand:

25%ig
100%ige Erfüllung

Sehen Sie hierzu auch die Beispiele in unserem Rechtschreibwörterbuch.

In fortlaufendem Text sollte der Abstand allerdings sogenannt geschützt sein, damit Zahl und Prozentzeichen nie am Zeilenende voneinander getrennt werden. Wenn kein solcher geschützter Abstand zur Verfügung steht und man die Zeilenumbrüche nicht manuell unter Kontrolle halten kann, sollte man sich überlegen, den Abstand wegzulassen. Ohne Abstand zwischen Zahl und Prozentzeichen verstößt man vielleicht gegen gewisse typographische Konventionen, aber, wie gesagt, nicht gegen die amtlichen Rechtschreibregeln.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Wie man Herrscher beugt: Kaiser Karl im Genitiv

Wie ich schon des Öfteren erwähnt habe, kommen Fragen manchmal wie in Wellen. Diese und letzte Woche war die Beugung von Herrschernamen an der Reihe. Warum das wohl so ist? Mit der Regierungsbildung in Deutschland kann es nicht so viel zu tun haben, denn von Angela der Ersten habe ich noch nie gehört und zu Guido dem Ersten wird es wohl nur schon wegen der Größe seiner Partei nicht kommen (auch wenn ihm das vielleicht gar nicht so missfallen würde). Doch ich schweife wieder einmal ab.

Frage

Wir würden uns gerne Gewissheit darüber verschaffen, ob man korrekterweise die Kaiserpfalz Karls des Großen oder die Kaiserpfalz Karl des Großen schreibt.

Antwort

Sehr geehrter Herr S.,

bei Herrschernamen werden sowohl der Name selbst als auch der Zusatz gebeugt. Wenn Karl der Große das Thema ist, redet man über Karl den Großen. Man beschäftigt sich also mit Karl dem Großen. Im Genitiv sagt und schreibt man:

die Kaiserpfalz Karls des Großen

Das gilt auch für Frauen: Wenn Katharina die Große das Thema ist, redet man über Katharina die Große. Man beschäftigt sich also mit Katharina der Großen. Und im Genitiv:

die Herrschaft Katharinas der Großen

Sehen Sie hierzu diese Angaben in der CanooNet-Grammatik.

Etwas komplizierter wird es, wenn man vor dem Namen den Titel nennt. Der Titel bleibt ungebeugt, wenn er ohne Artikel steht:

die Pfalz Kaiser Karls (des Großen)
die Herrschaft Kaiserin Katharinas (der Großen)
die Truppen Herzog Wilhelms (des Eroberers)

Wenn der Titel mit Artikel steht, übernimmt er die Herrschaft in der Wortgruppe und wird deshalb gebeugt. Dafür tritt der Eigenname zurück und verliert die Endung:

die Pfalz des Kaisers Karl (des Großen)
die Herrschaft der Kaiserin Katharina (der Großen)
die Truppen des Herzogs Wilhelm (des Eroberers)

Das bisher Gesagte gilt auch dann, wenn man Herrscher sozusagen durchnummeriert:

die Herrschaft Karls des Fünften
die Truppen Herzog Wilhelms des Zweiten
das Reich der Kaiserin Katharina der Ersten

Zu guter Letzt noch ein Hinweis zur Schreibweise: Wenn man die Namen „nummerierter“ Herrscher mit römischen Ziffern abkürzt, fällt der Artikel vor der Ordnungszahl weg (nur in der Schrift; bei lautem Lesen muss er gesprochen werden). Hinter der Ziffer schreibt man einen Punkt:

die Herrschaft Karls V.
die Truppen Herzog Wilhelms II.
das Reich der Kaiserin Katharina I.

Das klingt alles recht kompliziert – und das ist es auch. Wir sind diese Namen eben nicht mehr so gewohnt, weil es außer im Vaduz Hans-Adams II. von und zu Liechtenstein in den deutschsprachigen Gefilden keine „richtigen“ Herrscher mehr gibt. Das stimmt allerdings nicht ganz, denn auch unter den Untertanen Alberts des Zweiten von Belgien und den Landsleuten Großfürst Henris von Luxemburg gibt es Deutschsprachige.

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Eine x-stellige Millionensumme

Frage

In einem meiner Texte habe ich etwas leichtfertig von einer neunstelligen Millionensumme gesprochen. Es ging dabei um eine Geldsumme, die nicht genau bestimmt im Zahlenraum 100.000.000 bis 999.999.999 liegt. Es geht um den Begriff neunstellig. Es ist zwar eine neunstellige Zahl gemeint, aber einem Freund und mir kamen dann Zweifel, ob in Bezug auf die Millionen im vorliegenden Fall nicht doch der Ausdruck dreistellige Millionensumme richtig ist. Ist der Betrag 450.000.000 Euro nun eine neunstellige Millionensumme oder doch nur eine dreistellige Millionensumme?

Antwort

Sehr geehrter Herr H.,

eine neunstellige Millionensumme ist tatsächlich einiges höher als die Summe, die Sie meinen. Bei zum Beispiel 450.000.000 (vierhundertfünfzig Millionen) spricht man von einer neunstelligen Summe oder von einer dreistelligen Millionensumme. Wenn es sich dabei um einen Betrag handelt, ist es auch üblich, von einem Betrag in dreistelliger Millionenhöhe zu sprechen. Zusammenfassend:

450 000 000 €
= eine neunstellige Summe
= eine dreistellige Millionensumme
= ein Betrag in dreistelliger Millionenhöhe

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

PS: Eine neunstellige Millionensumme entspräche somit einer dreistelligen Billionensumme. Allzu viel würde ich allerdings nicht darauf verwetten, denn all diese Nullen sind für mich schon so etwas wie höhere Mathematik.

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Die 60-Jährige

Gestern, am 23. Mai, wurde sie sechzig. Jetzt ist sie sechzig Jahre alt. Eine sechzigjährige (60-jährige), quicklebendige Dame. Es ist eine ungewöhnliche Sechzigjährige (60-Jährige). Sie hat zum Beispiel keine Privatadresse, an die man die Karte mit der großen goldenen Sechzig schicken könnte. Ich weiß darum gar nicht so recht, ob und wie ich ihr zum Sechzigsten gratulieren soll. Mit oder ohne Gratulationen: es ist ein schönes Jubiläum. Ihrem sechsundsechzigjährigen (66-jährigen) Präsidenten kann man übrigens ganz ohne Ob und Wie zur Wiederwahl gratulieren.

Es geht hier natürlich auch ein ganz kleines bisschen um die Wörter sechzig und sechzigjährig.

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Hundertdrei im Nenner

Frage

Wie werden eigentlich Brüche ausgesprochen bzw. in Worten geschrieben, deren Nenner 103 lautet? Wenn die Bruchzahlen von den Ordinalzahlen abgeleitet werden, müsste es beispielsweise ein Hundertdrittel (1/103) lauten, oder? Andererseits heißt es aber auch ein Hunderteintel (1/101).

Antwort

Sehr geehrter Herr K.,

der Nenner in Bruchzahlen wird von der entsprechenden Ordinalzahl (Ordnungszahl) abgeleitet. Es gibt allerdings eine Ausnahme: Wenn ein Ganzes als Bruchzahl ausgedrückt wird, sagt man Eintel: ein Eintel, zwei Eintel usw. Diese Ausnahme gilt auch für andere Zahlenwerte, die auf -eins enden. Bei allen anderen Zahlen gilt die allgemeine Regel. Daraus ergibt sich:

erste || ein Eintel
zweite – ein Zweitel
dritte – ein Drittel
vierte – ein Viertel
zwanzigste – ein Zwanzigstel
einundzwanzigste – ein Einundzwanzigstel
usw.

hunderterste || ein Hunderteintel
hundertzweite – ein Hundertzweitel
hundertdritte – ein Hundertdrittel
hundertvierte – ein Hundertviertel
usw.

tausenderste || ein Tausendeintel
tausendzweite – ein Tausendzweitel
tausenddritte – ein Tausenddrittel
tausendvierte – ein Tausendviertel
usw

Der Grund, weshalb man diese Formen nicht in Wörterbüchern findet, ist wohl, dass Wendungen wie „ein Hunderteintel der Gesamtmenge“ oder „ein hundertdrittel Gramm“ kaum je im wirklichen Sprachgebrauch vorkommen.

Den Witz, dass mir einhundert Viertelliter Wein lieber sind als ein hundertviertel Liter Wein, wollte ich hier eigentlich nicht wiederholen, aber manchmal kann ich es eben einfach nicht lassen. Ich bitte Sie um Nachsicht.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

PS: Angaben zur Groß- und Kleinschreibung von Bruchzahlen finden Sie hier.

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eins Komma fünf, eineinhalb und anderthalb

Im letzten Beitrag ging es um eine Wendung mit Ordnungszahlen (zu viert). Dazu kommt mir heute noch etwas nicht so Wichtiges, aber doch nicht ganz Uninteressantes in den Sinn, auf das ich letzthin gestoßen bin: das Wort anderthalb.

Es ist leicht zu verstehen, dass man für 1½ eineinhalb oder einundeinhalb sagt. Daneben gibt es aber auch noch anderthalb. Persönlich finde ich, dass eineinhalb und anderthalb nicht ganz das Gleiche bedeuten. Wenn man eineinhalb Stunden hat warten müssen, dann hat man ziemlich genau 90 Minuten gewartet. Hat man anderthalb Stunden gewartet, betrug die Wartezeit eher eine Stunde und dann noch ungefähr eine halbe. In anderen Worten: Es gibt das mathematisch genaue eins Komma fünf, das etwas lockerer zu nehmende eineinhalb und dann noch anderthalb, das aus der Zeit stammt, in der es noch keine Stoppuhren und Präzisionswaagen gab und man diese wahrscheinlich auch gar nicht vermisste. Wenn ich so darüber nachdenke, wird mir das Wort so richtig sympathisch.

Doch woher kommt es? Hier sind wir dann endlich bei den eingangs erwähnten Ordnungszahlen angelangt: Der Teil ander… ist nichts anderes als das Wort andere, das früher auch die Bedeutung zweite hatte. Im Schwedischen (andra), Norwegischen (annen) und Dänischen (anden) verwendet man auch heute noch das gleiche Wort für andere und zweite. Das Wort bedeutete also eigentlich so etwas wie zweithalb. Und genau so konnte man früher im Deutschen Zahlenangaben machen:

anderthalb (*zweithalb) = eineinhalb
dritthalb = zweieinhalb
vierthalb = dreieinhalb
fünfthalb = viereinhalb
usw.

Man zählte also nicht zwei und ein Halbes zusammen, sondern gab an, dass das Dritte nur zur Hälfte mitgerechnet werden durfte. So kann übrigens auch das t erklärt werden: Weil ander in der Bedeutung zweit nicht mehr so gebräuchlich war, wurde das t in Anologie mit den Ordnungszahlen (viert…, fünft… usw.) eingefügt. So erklärt es zumindest das renommierte historische Wörterbuch der Gebrüder Grimm.

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