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Nomen(gruppe) als Attribut zum Nomen:
Das Genitivattribut

 
 
Ein Nomen kann durch ein anderes Nomen oder eine Nomengruppe näher bestimmt werden. Das bestimmende Nomen ist dann ein Attribut zum bestimmten Nomen und bildet zusammen mit ihm (und ggf. anderen Elementen) eine Nomengruppe.

Nomen oder Nomengruppen, die als Attribut eine anderes Nomen näher bestimmen, stehen in der Regel im Genitiv. Diese Attribute werden Genitivattribute genannt.

die Gründung der Firma
die Eltern
seiner Frau
die Romane
der weltweit bekannten Schriftstellerin

Stellung
Bedeutung
Ersatz durch von + Nomen(gruppe) der Verkauf von Fahrrädern
Ersatz durch Dativ + Personalpronomen   dem Alois sein Auto

Eine besondere Art von Nomenattributen sind die Appositionen
Apposition die Direktorin der Firma, Frau Maier


Stellung

Das Genitivattribut wird in der Regel nachgestellt:

die Eltern seiner Frau
die Romane der weltweit bekannten Schriftstellerin
die Einführung einer einheitlichen Zeitbestimmung
der Geburtstag
des kleinen Sandro
das Wahrzeichen
des modernen Wien[s]

Ausnahmen sind:
  • Ohne Artikel verwendete Eigennamen (und als Eigenname verwendete Verwandtschaftsnamen) werden meist vorangestellt. Sie stehen dann anstelle des Artikels:

    Sandros Geburtstag
    Mutters Liebling
    Frau Müllers neuer Wagen
    Goethes Geburtsstadt (auch: die Geburtsstadt Goethes)
    Ebenso:
    Wiens Bürgermeister (auch: der Bürgermeister Wiens)
    Deuschlands Wälder (auch: die Wälder Deutschlands)

  • Andere Nomen werden nur in festen Wendungen und in gehobenem Stil vorangestellt. Sie stehen ebenfalls anstelle des Artikels:

    aller Laster Anfang
    Der Mensch ist
    des Menschen Wolf.
    des Kaisers neue Kleider
    des kleinen Sandros Geburtstag

Bedeutung

Der Genitiv kann verschiedene Verhältnisse zwischen dem Attribut und dem Kern der Nomengruppe ausdrücken. Zum Beispiel:

Allgemeine Zugehörigkeit
Der Genitiv drückt eine Zugehörigkeit im weitesten Sinne aus:

das Zentrum der Stadt
ein Freund meines Bruders
die Meinung vieler Leute

Besitzverhältnis (Genitivus possessivus)
Der Besitzende steht im Genitiv:

das Auto unserer Nachbarin
die Puppe des kleinen Mädchens

Verhältnis Subjekt–Verb (Genitivus subjectivus)
Bei substantivierten Infinitiven und Nomen, die eine Verbhandlung ausdrücken (Verbalabstrakta), entspricht das Genitivattribut des Nomens dem Subjekt des entsprechenden Verbs:

das Denken des Menschen   der Mensch denkt
die Ankunft des Zuges   der Zug kommt an
der Vorschlag der Regierung   die Regierung schlägt vor

Verhältnis Objekt–Verb (Genitivus objectivus):
Bei substantivierten Infinitiven und Nomen, die eine Verbhandlung ausdrücken (Verbalabstrakta), entspricht das Genitivattribut des Nomens dem Akkusativobjekt des entsprechenden Verbs:

das Fällen der Bäume   man fällt die Bäume
die Lösung des Problems   man löst das Problem
der Vorschlag einer Steuererhöhung   man schlägt eine Steuererhöhung vor

Dativ- und Genitivobjekte können nicht Genitivattribut sein:

Man hilft den Armen. NICHT: die Hilfe der Armen
sondern: die Hilfe an die Armen
Man erinnert sich der Gefallenen.  NICHT: die Erinnerung der Gefallenen
sondern die Erinnerung an die Gefallenen

„Ist-Verhältnis“ (Genitivus definitivus):
Ein allgemeinerer Begriff wird durch das Genitivattribut genauer definiert:

das Verbrechen des Mordes
das Problem
der Einsamkeit

Verhältnis Ganzes–Teil (Genitivus partitivus, partitiver Genitiv):
Das Genitivattribut nennt das Ganze, von dem das Kernnomen einen Teil ausdrückt:

der größte Teil des Weges
die Mehrheit
der Wähler

Maß- und Mengenangaben siehe Partitive Apposition.

Urheber (Genitivus Auctoris)
Das Genitivattribut nennt den Urheber, den Schaffenden:

das Werk des Schriftstellers
Verdis Opern

Eigenschaft (Genitivus Qualitatis):
Das Genitivattribut nennt eine Eigenschaft oder eine Beschaffenheit:

Menschen jüngeren Alters
ein Mann
der Vernunft


Mit Genitivattributen können sehr verschiedene Verhältnisse bezeichnet werden. Es ist deshalb nicht immer eindeutig, welche Art des Verhältnisses gemeint ist. Die folgenden Nomengruppen können verschieden interpretiert werden:

die Beschreibung des Angeklagten  =  der Angeklagte beschreibt (Genitivus subjectivus)
 =  man beschreibt den Angeklagten (Genitivus objectivus)
 
das Foto meines Freundes  =  das Foto, das mein Freund gemacht hat (Genitivus Auctoris)
 =  das Foto, das meinem Freund gehört (Genitivus possessivus)
 =  das Foto, auf dem mein Freund abgebildet ist

Der Satzzusammenhang sollte immer verdeutlichen, welche Interpretation die richtige ist. Ist dies nicht der Fall, empfiehlt es sich, die Nomengruppe umzuformulieren oder zu ergänzen:

die Beschreibung durch den Angeklagten
die Beschreibung des Angeklagten durch den Zeugen



Ersatz des Genitivattributes durch von + Nomen(gruppe)

Anstelle eines Genitivattributes steht oft eine Präpositionalgruppe mit von.

Nur mit von
Wenn vor dem Nomen kein Artikelwort und kein flektiertes Adjektiv steht, kann kein Genitivattribut verwendet werden. Es muss dann eine Präpositionalgruppe mit von verwendet werden:

die Filterung von Trinkwasser NICHT:  Die Filterung Trinkwassers 
der Verkauf von Fahrrädern NICHT:  der Verkauf Fahrräder
in der Wohnung von Freunden  NICHT:  in der Wohnung Freunde 
das Haus von Ninas Onkel NICHT:  das Haus Ninas Onkels

Ausnahme: Artikellose Eigennamen können im Genitiv oder mit von stehen (vgl. oben):

Picassos Bilder oder:  die Bilder Picassos  auch:  die Bilder von Picasso
Europas Wälder  oder: die Wälder Europas  auch:  die Wälder von Europa 

Genitiv oder von
Wenn vor dem Nomen ein flektiertes Adjektiv, aber kein Artikelwort steht, kann sowohl der Genitiv als auch von verwendet werden:

die Filterung reinen Trinkwassers   auch:  die Filterung von reinem Trinkwasser
der Verkauf sportlicher Fahrräder auch:  der Verkauf von sportlichen Fahrrädern 
in der Wohnung guter Freunde auch:  in der Wohnung von guten Freunden

Ebenfalls im Genitiv oder mit von stehen substantivierte Adjektive im Plural:

die Erziehung Jugendlicher auch:  die Erziehung von Jugendlichen

Wenn ein Genitivattribut ein vorangestelltes Genitivattribut hat, wird meist eines der Genitivattribute durch eine Präpostionalgruppe mit von ersetzt (oder eine andere Formulierung gewählt):

selten:  das Haus Mutters neuen Freundes  besser:  das Haus von Mutters neuem Freund
das Haus
des neuen Freundes von Mutter
selten: die Erhaltung Borneos bedrohten Urwaldes  besser:  die Erhaltung von Borneos bedrohtem Urwald
die Erhaltung des bedrohten Urwaldes von Borneo 
Siehe auch oben.
Nur mit Genitiv
Wenn das Nomen von einem Artikelwort begleitet wird, ist in der Standardsprache nur der Genitiv üblich. Die Verwendung von von gilt insbesondere beim Artikel als umgangssprachlich:

Standardsprachlich: Nur umgangssprachlich auch:
die Filterung des Trinkwassers die Filterung vom Trinkwasser
der Verkauf eines sportlichen Fahrrades   der Verkauf von einem sportlichen Fahrrad
in der Wohnung dieser Freunde in der Wohnung von diesen Freunden


Ersatz des Genitivattributs durch Dativ mit Possessivpronomen

In der Umgangssprache wird manchmal anstelle des Genitivattributes der Dativ mit einem Possessivpronomen verwendet:

Dem Alois sein Auto steht in der Garage.  statt  das Auto von Alois oder Alois' Auto
Das sagt der Frau Müller ihre Nachbarin.  statt  Frau Müllers Nachbarin

Diese Dativformen gelten in der Standardsprache als nicht korrekt.







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